Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Freitag, 26. August 2011

Epilog


Bella POV

Wenn man jung war, hatte man immer eine ganz bestimme Vorstellung seiner eigenen Zukunft.
Als kleines Mädchen träumte man davon, Prinzessin zu werden.
Kleine Jungs wollten Ritter werden oder Feuerwehrmann.

Im Teenageralter wollte man endlich achtzehn sein und die High School abschließen. Weg von Zuhause und dem Elternhaus entfliehen. Man wollte auf eigenen Füßen stehen.

Doch selbst mit sechzehn stellte man sich ab und zu vor, wie das eigene Leben in zwanzig Jahren aussehen würde und immer, wenn ich mir meine eigene Zukunft ausmalte, hätte ich niemals gedacht, dass mein Leben so verlaufen würde.

Damals, als ich mit siebzehn erfuhr, dass ich schwanger war, wollte ich nichts lieber, als davonzulaufen, der Verantwortung entfliehen.

Dieses Leben wollte ich nicht führen.
Wollte keine Mutter sein. Nicht mit siebzehn.

Ich hatte mir immer gewünscht, zu studieren und auf irgendein College zu gehen, ganz weit weg von Phoenix. Ich wollte feiern, ich wollte neue Menschen kennen lernen und ich wollte die Freiheit genießen, die das College mit sich brachte. Ich wollte Karriere machen und erst dann hätte sich vielleicht irgendwann der Wunsch nach einer Familie bemerkbar gemacht.

Aber all diese Pläne wurden unwiderruflich zerstört.
Mein ganzes Leben, so wie ich es einst vor mir gesehen hatte, verpuffte von einem Moment auf den anderen und die Angst hatte Besitz von meinem Geist ergriffen.  
Angst vor dem Ungewissen.
Angst davor, alles falsch zu machen.

Ich war ja selbst noch ein halbes Kind gewesen und hatte andauernd nur Mist gebaut, wie konnte ich dann ein eigenes Kind bekommen und es großziehen?
Doch je weiter die Schwangerschaft voranschritt, desto besser fühlte ich mich und als ich Nessie zum ersten Mal schreien hörte und sie in meinen Armen hielt, wusste ich, dass alles gut gehen würde. Dass ich es schaffen konnte und das einfach nur, weil sie existierte. Ihre Existenz war Grund genug für mich, all meine Zukunftspläne zu vergessen, denn es betraf nicht mehr nur mein Leben. Sie war zu meinem Leben geworden und würde es immer sein.

Niemals hatte ich es bereut, dass meine Tochter zur Welt kam.
Zwar gab es den einen oder anderen Augenblick in meinem Leben, an dem ich mir vorstellte, wie mein Leben ohne diese Schwangerschaft verlaufen wäre, doch ich würde mein Leben niemals gegen eins eintauschen, in dem Nessie nicht existierte.

Und ohne meine Tochter wäre mein Leben mit Sicherheit völlig anders verlaufen.

Ohne sie wäre ich vermutlich niemals nach Chicago gezogen und wahrscheinlich hätte ich es niemals geschafft, eine so gute Freundschaft mit Jake aufrecht zu erhalten.

Wer hätte da schon gewusst, wann ich Edward getroffen hätte?
Ob ich ihm überhaupt jemals über dem Weg gelaufen wäre? Und wenn doch, wie wäre es zwischen uns abgelaufen? Was für ein Mensch wäre ich überhaupt, wenn ich nicht mit siebzehn Jahren Mutter geworden wäre?

Aber all das waren Fragen, auf die ich keine Antwort bekommen würde. Und ich wollte auch keine, denn ich wusste nicht, ob ich mich mit diesen Antworten zufrieden geben würde, denn mein Leben, so wie es war, war für mich perfekt.

Niemals hätte ich gedacht, dass sich mein Leben so verändern würde, als ich mit meiner Familie vor ein paar Jahren nach Chicago zog.

Das erste Jahr in der neuen Stadt verlief ja noch relativ ereignislos.
Nessie hatte in der neuen Schule angefangen und Jake und ich hatten unsere neuen Arbeitsstellen angetreten. Da war es normal, dass man sich noch eingewöhnen musste und besonders für Nessie war es schwer gewesen, sich an der neuen Schule einzugewöhnen.
Besonders dann, als herauskam, dass unsere Familie nicht so viel Geld hatte, fingen die anderen Schüler an, Nessie mit blöden Sprüchen zu konfrontieren.
Doch dann kam Emily und ihr war es egal, wie Nessies Familienverhältnisse waren.  
Oft kam Nessie von der Schule und erzählte mir über ihre Freundschaft zu Emily und wie viel Spaß sie doch in der Schule mit ihr hatte und ich konnte diesem Mädchen nicht dankbarer sein, dass sie sich mit Nessie angefreundet hatte.

Damals konnte ich ja noch nicht wissen, wie tief die Freundschaft der beiden wirklich ging.

Schade fand ich, dass ich nie die Gelegenheit dazu bekam, Emily kennen zu lernen, wo Nessie die ganze Zeit doch nur von ihr redete und mir erzählte, wie toll sie war.

Doch an dem Tag, als ich sie kennen lernte, fing mein Leben an eine neue Wendung zu nehmen.
Denn das war der Tag, an dem mir Edward Cullen zum ersten Mal über den Weg lief.

Zugegeben, am Anfang war ich von ihm nicht besonders angetan gewesen, wobei das noch nett ausgedrückt war. Die Bezeichnung ‚Arschloch des Jahres’ wäre zu dieser Zeit sogar äußerst berechtigt gewesen.

Die Art, wie er auf andere Menschen hinab sah und sie nach seinem Äußeren beurteilte, war nicht unbedingt eine charmante Eigenschaft von ihm gewesen.
Und als ich sah, was für einen Ton er bei seiner Tochter einschlug, hätte ich beinahe jeglichen Respekt vor ihm verloren.

Dennoch war alles anders gewesen, als es den Schein hatte.
Sein ganzes Verhalten war einfach nur sein persönlicher Schutzschild gewesen und irgendwann hatte er vergessen, wer er wirklich war.
Und je mehr der wahre Edward zum Vorschein kam, desto mehr verliebte ich mich in ihn.

Und trotz der Schwierigkeiten, die wir am Anfang unserer Beziehung hatten, hatten wir es dennoch geschafft, zueinander zu finden, schließlich hatten wir beide Fehler gemacht.
Edwards Verlustängste und meine kleine Phobie vor einer festen Bindung, hatten uns nur im Weg gestanden.
Doch irgendwie hatten wir es geschafft, diese Ängste zu umgehen.
Bis dahin war es ein langer Weg gewesen und es war nicht immer einfach.

Christopher war derjenige gewesen, der uns wieder zusammengebracht hatte und das, obwohl er zu der Zeit noch gar nicht auf der Welt war.
Wäre er nicht gewesen, hätte ich Edward wahrscheinlich nicht so schnell in meine Nähe gelassen. Und bis heute fragte ich mich noch, ob ich es jemals getan hätte.

Denn eins war klar: Meine Sturheit war nicht die beste Eigenschaft, die ich besaß.

Edward hatte mich verletzt. Mein Herz war in eintausend Teile zersprungen, als ich sah, wie er Tanya geküsst hatte. Vor allem wie er sie geküsst hatte.
Ich gehörte zu den Menschen, die so etwas nicht tolerierten. Sei es auch nur dieser eine Kuss gewesen und ich fragte mich heute noch, was passiert wäre, wenn ich nicht zu ihm gefahren wäre.

Doch Betrug blieb für mich Betrug.  

Für mich war es selbstverständlich, dass man niemand anderen küsste, wenn man einen Partner hatte, den man von ganzem Herzen liebte. Deswegen konnte ich ihn nicht verstehen, als er versucht hatte, mir alles zu erklären.

Mit der Zeit wurde mir allerdings bewusst, dass er mich wirklich liebte. So wie ich ihn.
Besonders während der Schwangerschaft hatte er mir gefehlt und ich wusste, dass ihm - egal wie sehr ich mich dagegen wehrte - mein Herz gehörte. Unwiderruflich.

Und so fing ich an, auf mein Herz zu hören und meinen Verstand so gut wie möglich zu verdrängen. Denn in der Liebe ging es nicht um die Logik. Liebe war ein Gefühl und dieses Gefühl konnte mir nur Edward geben.

Durch ihn lernte ich erst mich vollständig zu fühlen und durch ihn bekam ich eine weitere Tochter. Und er schenkte mir einen Sohn, der so wunderbar war, dass man es gar nicht in Worte fassen konnte.

Und nun sollte mein Glück vollkommen werden, denn hier stand ich nun in einem weißen Traum aus einem Hochzeitskleid und starrte auf mein Spiegelbild.

Heute war es soweit. In nur wenigen Minuten würde ich Mrs. Cullen werden.

Wir hatten lange gebraucht, bis wir diese Hochzeit arrangiert hatten.
Edward und ich hatten einige Diskussionen gehabt, wann und wo sie stattfinden sollte, bis wir es irgendwann geschafft hatten, uns zu einigen.

Christopher war mittlerweile drei Jahre alt und je mehr Zeit verging, desto mehr ähnelte er seinem Vater. Und besonders heute, in seinem kleinen Anzug, wollte er genauso wie Edward aussehen und obwohl seine Haare etwas kürzer als die seines Daddys waren, so wollte er heute unbedingt dieselbe Frisur haben und was das anging, konnte ich meinem kleinen Schatz diesen Gefallen einfach nicht abschlagen.

Die ganze Zeit betrachtete er sich schon kritisch im Spiegel am anderen Ende des Raumes und zog immer wieder an der Fliege um seinen Hals. „Mommy, ich will dieses blöde Ding nicht tragen“, hatte er sich andauernd beschwert, doch als ich ihm gesagt hatte, dass sein Daddy auch so ein Ding um den Hals trug, war er still.
Seitdem sah er sich die ganze Zeit im Spiegel an und versuchte, den Knoten der Fliege zu lockern, obwohl ich extra darauf geachtet hatte, dass er nicht zu fest war, allerdings sollte sie auch nicht zu locker sein, sodass sie später um seinen kleinen Hals hing.

Er war einer der Gründe gewesen, warum wir so lange gewartet hatten, um zu heiraten.
Wir wollten ihn aktiv in unsere Hochzeit einbeziehen und entschieden uns, dass er unser Ringträger werden würde, schließlich würden auch seine Schwestern ein wichtiger Teil der Hochzeit sein. Als meine Brautjungfern, denn dafür kamen für mich nur meine beiden Töchter in Frage.

Freitag, 19. August 2011

Kapitel 62 - Was lange währt, wird endlich gut!


Edward POV

„Edward…“, hörte ich Bellas Stimme sagen und ich küsste weiterhin ihren Hals.
Niemals hatte ich genug von ihr und ich nutzte jede freie Sekunde, in der ich ihr nah sein konnte, genauso wie in diesem Moment auch.

Meine Hände waren hinter ihrem Rücken verschränkt und ich atmete zufrieden ihren verführerischen Duft ein, während ich meine Augen geschlossen hielt.

„Edward bitte… Ich muss mit dir reden“, sagte sie wieder und versuchte, meine Hände von ihrem Rücken zu lösen.  

Verwundert ließ ich sie los und befürchtete schon das Schlimmste, als ich im ersten Moment ihren Blick sah.

Sie sah verunsichert aus, als ob sie nicht wüsste, wie sie mir etwas schonend beibringen sollte und in mir stieg Panik auf.

Natürlich war es wieder einmal mein Unterbewusstsein, was mich so panisch werden ließ und ohne dass ich es hätte kontrollieren könnten, sah ich die verschiedensten Szenarien vor meinem geistigen Auge ablaufen.

Deutlich konnte ich spüren, wie sich mein Puls und meine Atmung beschleunigten und wie meine Augen hektisch nach einem Anzeichen suchten, dass sie jeden Moment durch diese Tür gehen und nicht wieder kommen würde.

Sicherlich waren meine Gedanken nicht für alle verständlich, doch nachdem was ich erlebt hatte, hatte ich noch immer diese Verlustängste, auch wenn ich wusste, dass Bella mich liebte.

Bella schien zu merken, dass ich panisch wurde und sofort griff sie nach meinen Händen, verschränkte sie mit ihren und schenkte mir ein beruhigendes Lächeln, sodass ich mich gleich wieder ein wenig entspannte.

„Edward… Ich habe in letzter Zeit ziemlich viel nachgedacht… Über uns und über unsere Zukunft…“, fing sie mit ihrer Erzählung an und ich lauschte aufmerksam jedem einzelnen Wort, welches aus ihrem Mund kam.

Ehrlich gesagt hatte ich nicht den geringsten Schimmer, was sie mir jetzt erzählen wollte.

„Wir beide… Nein, wir fünf sind eine kleine Familie geworden… aber… es ist einfach nicht richtig, wenn ich dich als meinen ‚festen Freund’ oder als meinen ‚Lebensgefährten’ bezeichne… Nein, für mich hört sich das nicht richtig an…. Ich.... Ich will es richtig. Eine richtige Familie sein. Das weiß ich jetzt, also... Willst du mich heiraten?“

Ich blinzelte einige Male und versuchte die Worte, die Bella mir da gerade gesagt hatte, zu verstehen.

Irgendetwas hinderte mich daran ihr eine Antwort zu geben, obwohl mein Innerstes ihr ein lautes ‚Ja!’ entgegen schrie, aber da ich absolut nicht damit gerechnet hatte, dass Bella mich fragen würde, ob ich sie heiraten wollte, stand ich einfach nur da und war für einen kurzen Moment geschockt.

„Edward…?“ Bella ließ meine Hände los und ich bewegte mich immer noch keinen einzigen Millimeter vom Fleck.

Träumte ich etwa gerade oder war mir der Schluck Sekt von vorhin einfach nur zu Kopf gestiegen?

„Oh… ähm… also… verstehe schon…. Ich hätte dich nicht fragen dürfen“, sagte sie hastig, wandte sich von mir ab und drehte sich zur Küchenspüle.
„Wie konnte ich auch nur denken, dass du mich noch heiraten willst, nachdem ich doch schon einmal Ne…“

Doch sie kam nicht dazu, diesen Satz zu Ende zu sprechen, da ich sie, nachdem ich endlich aus meiner Starre erwacht war, zu mir heran zog und sie so leidenschaftlich küsste, dass uns die Luft weg blieb.

Ich träumte nicht!
Es war die Wirklichkeit!

Bella wollte mich tatsächlich heiraten und sie hätte mich in diesem Augenblick nicht glücklicher machen können.

„Oh Bella…“, murmelte ich erleichtert, als ich sie wieder frei gab.

Schwer atmend lehnte ich meine Stirn an ihre und versank in ihren schokoladenbraunen Augen.

Freitag, 12. August 2011

Kapitel 61 - Fester Freund


Bella POV

Es war kaum zu fassen, dass die Geburt meines Sohnes mittlerweile schon ein Jahr zurücklag. Ganze dreihundertfünfundsechzig Tage! Dabei kam es mir so vor, als wäre er erst gestern zur Welt gekommen.

Die Mädchen waren mittlerweile schon seit wenigen Monaten auf dem College.
Als ich Nessie am Flughafen verabschiedete, war es das schwerste, was ich in meinem ganzen Leben getan hatte.
Sie würde weiterziehen, doch da ich wusste, dass Jackson bei ihr war und auf sie Acht gab, machte ich mir weniger Sorgen.
Mein kleines Mädchen studierte nun tatsächlich in Dartmouth. Ich war tatsächlich Mutter einer Dartmouth Studentin und ich könnte nicht stolzer auf mein Mädchen sein.

Es tat weh, dass Nessie nun fast eintausend Meilen von mir entfernt lebte, doch ich verkraftete es besser, als ich es vermutet hatte.  

Nessie und ich telefonierten so oft es ging - beinahe täglich - und ich musste den Hörer sogar jedes Mal Chris ans Ohr halten, damit er den Klang ihrer Stimme, und somit auch sie, nicht vergaß.

Der Abschied am Flughafen war für jeden von uns schwer gewesen.

Emily und Nessie hatten in den letzten Tagen vor Nessies Abreise nur aneinander geklebt und besonders am Flughafen konnte man sehen, wie schwer es für beide war, sich von der besten Freundin zu verabschieden. Doch sie waren nicht mehr nur beste Freundinnen.
Sie waren Schwestern und das würden sie auch immer sein.  

Jake war an diesem Tag gar nicht er selbst gewesen. Er hatte kaum ein Wort herausgebracht, was überhaupt nicht seine Art war. Normalerweise fing er immer an herumzublödeln, sei es, weil er einfach Lust darauf hatte, oder weil er seine wahren Gefühle verbergen wollte. Doch an diesem Tag kam er mir irgendwie verloren vor und als der Abschied nahte und jeder von uns sich von Nessie verabschieden wollte, nahm er sie fest in seine Arme und ich erkannte die Tränen, welche an seinen Wangen herab liefen.  
In diesem Moment hatte er sich wie ein ganz normaler Vater benommen. Nicht wie ein guter Kumpel, der es liebte mit Nessie herumzualbern und ihr jeden Wunsch von den Augen ablas.
Nein, er hatte sie fest an sich gedrückt, versuchte aber dennoch stark zu bleiben und er hatte versucht ihr Mut zuzusprechen, dass sie es schaffen würde und er hatte ihr versichert, dass wir immer für sie da waren, ganz egal was passierte.

Als Nessie Christopher auf den Arm nahm und sie sich von ihrem kleinen Bruder verabschieden wollte, konnte auch sie sich nicht mehr halten und versuchte erst gar nicht, ihre Tränen wegzuwischen. Sie liebte ihren kleinen Bruder über alles und ich wusste, dass es ihr weh tat nicht dabei sein zu können, wenn er immer weiter wuchs.  
Aber wir waren ja nicht aus der Welt. Sie würde uns besuchen kommen oder wir sie und genau das hatte ich versucht ihr klarzumachen und so schwer es mir auch fiel, mein Mädchen allein in die große, weite Welt zu lassen, genauso sehr wollte ich nicht, dass sie so traurig war, also hatte ich versucht sie aufzumuntern.

Und heute war meine Tochter endlich wieder hier!

Das erste Mal, seitdem sie auf dem College angefangen hatte, war sie wieder Zuhause um zusammen mit uns und dem Rest der Familie Christophers ersten Geburtstag zu feiern.
Und sie sah wunderschön aus.
Das College tat ihr gut und ich konnte sofort sehen, wie sie allein schon innerhalb dieser kurzen Zeit ein Stück erwachsener geworden war.


Freitag, 5. August 2011

Kapitel 60 - Auf die Zukunft!


Edward POV

Dass Bella nervös war, konnte man einfach nicht übersehen.

Sie hatte innerhalb einer halben Stunde das gesamte Essen, welches sie selbst für die Feier zubereitet hatte, neu arrangiert und die Möbel ganze drei Mal umgestellt, bis sie letztendlich wieder an ihrem eigentlichen Platz standen.  

Natürlich hatte ich ihr meine Hilfe angeboten, aber Bella hatte mich schnell aus der Küche verbannt und da ich nicht mit ihr streiten wollte, hatte ich auch nicht dagegen protestiert.

Die Mädels waren noch bei ihren Jungs und die anderen Gäste würden in einer knappen Stunde eintreffen, also hatte ich mich der Aufgabe gewidmet, ein wenig mit Chris zu spielen.

Es war immer wieder aufs Neue erstaunlich, wie schnell sich ein Kind entwickeln konnte und da Chris von Natur aus unheimlich neugierig zu sein schien, fiel es ihm leicht, einige Dinge schnell zu lernen.

Aufmerksam beobachtete ich ihn, während er neben mir auf der Couch saß und seine Mama beobachtete, die aufgescheucht durchs ganze Haus lief.
Er schaffte es schon wunderbar alleine, aufrecht zu sitzen und brabbelte in letzter Zeit immer öfters vor sich hin.

Sein Spielzeug hielt ich in der Hand und als ich es leicht in meiner Hand bewegte und ein Rascheln zu hören war, wandte er seinen Kopf mit großen Augen dem Spielzeug zu.  

Ich legte es neben uns auf die Couch und beobachtete meinen Sohn, wie er fordernd seine Hand danach ausstreckte.
Eindeutig konnte Christopher ziemlich ungeduldig sein und er zappelte aufgeregt mit seinen Händen, da ich es ihm nicht reichte.

Mir war bewusst, dass der Kleine eindeutig dazu in der Lage war, nach dem Spielzeug zu greifen, doch in letzter Zeit testete er vermehrt, wie wir reagierten, wenn er sich wieder einmal lauthals beschwerte.

Er quietschte laut auf und quengelte ein wenig, bevor er schließlich mit seiner Hand nach dem Kuscheltuch griff und es an sich zerrte.

„Ja, kleiner Mann ich habe deiner Mama doch versprochen, dass ich dich nicht zu sehr verwöhne“, lachte ich leise und strich behutsam über seinen Kopf, was ihn sofort wieder grinsen ließ.

Während Christopher sein Lieblingskuscheltier vollsabberte, rief ich einmal nach Bella, da sie wieder einige Male an mir vorbeilief, doch entweder hörte sie mich nicht oder sie wollte mich nicht hören.

Als sie ein weiteres Mal an mir vorbeilief, griff ich nach ihrer Hand und hielt sie fest.
Verwirrt sah sie zu mir herüber und sie gab einen erschrockenen Laut von sich, als ich sie zu mir auf den Schoß zog.

Chris quietschte vergnügt und zappelte, während er uns beobachtete.

„Schatz… Das Essen ist fertig und die Möbel hast du auch schon oft genug umgestellt. Ich weiß, dass du nervös bist, aber jetzt bin ich damit dran, dich ein wenig zu beruhigen, bevor die anderen kommen“, erklärte ich ihr und küsste ihre Wange.

„Ich bin gerade schrecklich nervig, oder?“ Sie warf mir einen entschuldigenden Blick zu, bevor sie zu unserem Sohn herüber sah, der sie zufrieden anlächelte.

Kopfschüttelnd drückte ich sie an mich und wollte gerade etwas erwidern, doch unglücklicherweise kam ich nicht einmal dazu, da es an der Tür Sturm klingelte. 

Ich verdrehte die Augen und gab Bella frei, damit ich mich von meinem Platz erheben konnte.
Entweder war es meine Tochter oder mein Bruder, welche gerade unsere Unterhaltung gestört hatten.

Freitag, 29. Juli 2011

Kapitel 59 - Stolz

Bella POV

Der Samstag gehörte für mich schon immer zum besten Tag der Woche.
Früher war es, weil ich dort immer frei hatte. Man konnte ausschlafen und es war egal, wann man abends ins Bett ging.

Doch die Zeiten änderten sich.

Nun mochte ich den Samstag besonders, weil ich mich meiner Familie widmen konnte.
Es war einer der wenigen Tage, die ich zusammen mit meinen beiden Mädchen, meinem fünf Monate alten Sohn und mit dem Mann meiner Träume verbringen konnte.

Niemand, der zur Schule oder zur Arbeit musste und besonders zu diesem Zeitpunkt war es wichtig für mich, viel Zeit mit Emily und Nessie zu verbringen.

Es waren nur noch wenige Monate, bis das College anfangen würde.
Viel zu wenige!
Die Zeit verging einfach viel zu schnell, doch besonders heute wurde mir bewusst, wie schnell die Zeit wirklich verging.  

„Guten Morgen, mein Schatz“, hörte ich seine samtene Stimme hinter mir und spürte daraufhin seine Arme, die sich von hinten um meinen Bauch schlangen.

Zufrieden seufzte ich auf, lehnte mich zurück und genoss seine Nähe.

So viel hatte sich zwischen uns verändert, doch unsere Beziehung lief besser denn je.
Natürlich stritten wir uns, aber es ging nur um Kleinigkeiten und war immer schnell vergessen.

„Morgen“, nuschelte ich und ließ den Rührlöffel wieder in die Schüssel mit dem Pancakes-Teig fallen, als er anfing meinen Hals auf und ab zu küssen.

Doch heute konnte ich es nicht so genießen, wie ich es normalerweise immer tat.
Zu viel schwirrte mir im Kopf herum und obwohl ich mich auf diesen Moment schon seit Monaten vorbereitet hatte, hatte ich keinen ruhigen Gedanken mehr.

Nicht einmal im Schlaf konnte ich diesen Gedanken entkommen.
Ausgerechnet jetzt, wo Chris in der Nacht weniger weinte, konnte ich meinen Schlaf nicht finden.

Doch ich hatte Edward an meiner Seite.
Nacht für Nacht hielt er mich einfach nur fest und wir spendeten uns gegenseitig den Trost, den wir so sehr brauchten.

Es wäre ja nicht für immer... Diesen Satz sagte ich mir immer wieder in Gedanken.
Es war nicht für immer…

„Was ist los? Du siehst so nachdenklich aus“, bemerkte Edward und hauchte mir einen Kuss auf Haar.

So nah wie möglich kuschelte ich mich an ihn und genoss die Wärme, die mich umgab.

„Die Briefe sind heute angekommen“, sagte ich nur und lockerte meine Umarmung, damit ich mit meinem Kopf auf den Stapel Briefe deuten konnte, die ich auf dem Küchentisch platziert hatte.

„Oh…“

In seinem Gesicht konnte ich genau die Gefühle ablesen, die in mir gerade tobten.

Zum einen war da der Stolz. Dieser mächtige Stolz, den ich so noch nie gefühlt hatte.
Natürlich freute ich mich… doch jede Medaille hatte nun mal zwei Seiten.

Wenn man ein kleines Kind Zuhause hatte, ging die Zeit viel schneller an einem vorbei und man kam gar nicht dazu, die verschiedenen Entwicklungsphasen zu genießen und sie auszukosten. Sie flogen so schnell an einem vorbei, dass man gar nicht danach greifen konnte.

Aber es war nicht nur bei kleinen Kindern so.

Seit fast achtzehn Jahren sah ich zu, wie meine kleine Tochter sich in eine wunderschöne Frau verwandelte.
Ich sah sie immer noch vor mir, wie sie als kleines Mädchen mit ihren Bauklötzen rumhantierte und später davon träumte, Architektin zu werden.  
Wie sie alles dafür tat, um die besten Noten zu bekommen und wie schwer ihr so manches Mal ein Thema fiel, doch sie blieb standhaft.
Sie gab nicht auf, lernte unentwegt Tag und Nacht und schaffte es letztendlich.

Und all ihre Mühe hatte sich gelohnt.

Als ich am Morgen zum Briefkasten gegangen war, sprangen mir die vielen Briefe nur so ins Auge.
Jede Menge Collegebriefe, große und kleine und einerseits war ich nervös, andererseits war ich etwas niedergeschlagen bei dem Gedanken, dass es bald wirklich soweit war, dass meine Tochter auf ein College ging und ihr eigenes Leben führte, weit weg von der eigenen Familie.
Dies war Nessies nächster Schritt. Wie sie alleine in die Welt gehen und es allen zeigen würde… und ich konnte nicht dabei sein, ihr dabei zuzusehen, wie sie sich ein eigenes Leben aufbaute. Sie würde auf sich allein gestellt sein und das tat weh.
Sie würde mich nicht mehr brauchen.

Dass Nessie bald wirklich auf ein College gehen würde, war für mich nun realer denn je.

„Wir wussten doch, dass irgendwann dieser Tag kommt“, hörte ich Edward murmeln und drückte mich fester an sich.

„Aber doch nicht so schnell. Und die Zeit wird noch schneller vergehen. Nessie und Emily lernen momentan nur noch für die Abschlussprüfungen und bald ist schon die Abschlussfeier und dann… dann bleibt uns nur noch der Sommer…“

Edward drückte mich noch fester an sich, sodass ich schon fast keine Luft mehr bekam, doch es war mir egal.
Eigentlich sollte die Freude darüber, dass meine Tochter bald aufs College ging, ein Hochgefühl in mir auslösen, doch ich konnte einfach nicht aufhören daran zu denken, dass Nessie bald tausende von Meilen von mir weg leben würde, wo sie doch bisher immer bei mir gewesen war.

„Ich weiß, aber wir werden diese Zeit ausnutzen und es ist ja nicht so, als ob wir die beiden nie mehr wieder sehen würden. Emily und Nessie sind immer noch unsere Töchter. Sie werden uns in den Ferien besuchen, an Feiertagen und wer weiß, vielleicht auch an manchen Wochenenden. Und wir können auch sie besuchen. Wir schaffen das schon“, hauchte er und drückte mir einen weiteren Kuss aufs Haar.

„Du hast ja recht…“, nuschelte ich und sah mir wieder die Briefe an.
„Aber es wird bestimmt nicht lange dauern, bis Chris auch aufs College gehen und uns verlassen wird.“

Das Einzige, was Edward darauf erwiderte, war ein Lachen.

„Chris ist gerade einmal fünf Monate alt“, sagte Edward immer noch lachend.

Freitag, 22. Juli 2011

Kapitel 58 - Nur wir

Edward POV

Ein Blick auf meine Armbanduhr verriet mir, dass es gleich zehn Uhr war.

Während ich mich den ganzen Morgen lang um Chris gekümmert hatte, schlief Bella immer noch seelenruhig.
Mit großer Wahrscheinlichkeit würde sie ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie aufwachte, aber da ich ihr einfach auch mal die nötige Ruhe gönnen wollte, hatte ich sie einfach weiterschlafen lassen, auch wenn sie mich gebeten hatte, sie gegen sieben Uhr zu wecken.

Schon des Öfteren in den letzten Wochen, seit sie bei uns eingezogen war, hatte ich ihr diesen Vorschlag gemacht, doch wer Bella kannte, wusste, wie stur sie sein konnte.
Aber ich wollte sie unterstützen und entlasten, außerdem hatte ich wirklich nichts dagegen, mich um Chris zu kümmern.

Möglichst leise öffnete ich die Tür und warf einen Blick in unser Schlafzimmer.
Lächelnd sah ich, wie Bella seelenruhig in unserem Bett lag.
Ihr Brustkorb bewegte sich langsam auf und ab und ihr Mund war leicht geöffnet.
Ein Lächeln zierte ihre Lippen und ich war froh, dass sie endlich mal ein wenig Ruhe hatte.

Seit dem Vorfall in Bellas Haus schlief sie jede Nacht in meinem Bett und ich konnte nicht glücklicher sein.
So ein Glück hatte ich eigentlich noch nicht einmal verdient nach dem, was ich ihr angetan hatte, aber sie hatte mir eine Chance gegeben, die ich auch durchaus zu nutzen wusste.

Dank des Kurses, den ich besuchte, hatte ich meine Gefühle im Griff.
Zwar gab es manchmal Momente, in denen mich die Wut erneut packte, doch ich schaffte es immer wieder, mich zu beruhigen und einen klaren Kopf zu bewahren.
Ich war stolz auf mich selbst und wenn ich mich recht erinnerte war es lange her, seitdem ich mich das letzte Mal so gefühlt hatte.

Bella und ich hatten einen weiteren, bedeutsamen Schritt in unserer Beziehung getan und dennoch gab es da einige Dinge, die unausgesprochen waren und aus diesem Grund hingen wir noch immer ein wenig in dieser verzwickten Situation fest.
Zwar wohnten wir jetzt zusammen, aber etwas schwebte über uns.
Unausgesprochene Worte über die Zukunft und über unsere Gefühle, die wir noch nicht klar definiert hatten.

Heute hatte ich etwas Schönes für uns beide geplant.

Christopher würde zusammen mit Emily, Nessie und meinen Eltern unterwegs sein, da sie alle gerne einen Tag mit unserem Sohn verbringen wollten.
Für Emily war dieser Tag perfekt, denn sie konnte den Tag mit ihren Großeltern und ihrem kleinen Bruder verbringen und Bella und ich hätten einmal wieder Zeit für uns.
Ich hatte beschlossen sie zu verwöhnen, denn das hatte sie verdient.
Sie hatte mehr als das verdient, aber wenigstens das konnte ich ihr bieten.

Jetzt war es aber erst einmal an der Zeit, meine Bella aufzuwecken, denn meine Eltern würden in zwei Stunden eintreffen und ich hatte extra für Bella und mich Frühstück gemacht.

„Guten Morgen Bella“, flüsterte ich mit sanfter Stimme, schlich mich langsam zu ihr ins Bett und küsste ihre Stirn, was das Lächeln auf ihrem Gesicht nur noch mehr vertiefte.
Es dauerte einige Sekunden, bis sie ihre Augen öffnete und sie mich schläfrig, aber unheimlich zufrieden ansah.

„Morgen“, murmelte sie schläfrig und umarmte ihr Kissen, während sie mich anlächelte.
„Wie spät ist es?“, wollte sie von mir wissen und ließ ihren Blick kurz an mir herabwandern.

Es war bereits hell und ich hatte mich schon umgezogen, also ahnte sie vielleicht bereits, dass ich sie hatte länger schlafen lassen.

„Zehn Uhr“, erwiderte ich und sah, wie sie einige Male blinzelte und mich dann empört ansah.

„Edward! Du solltest mich doch wecken!“, rief sie laut aus und saß innerhalb von wenigen Sekunden kerzengerade im Bett.

„Bella, beruhige dich. Du hast dir den Schlaf mehr als nur verdient und außerdem habe ich mich schon um Chris gekümmert. Alles ist okay“, versicherte ich ihr und küsste beruhigend ihre Wange.

Sie seufzte und ihr Blick fiel auf das Tablett, welches ich neben mir auf das Bett gestellt hatte.

„Du hast Frühstück gemacht?“ Neugierig sah sie zu den Köstlichkeiten herüber und schenkte mir dann ein strahlendes Lächeln.

„Mhmmm“, bestätigte ich grinsend und wurde überrascht, als sie ihre Arme um mich schlang und mich fest an sich drückte.

„Danke…“, flüsterte sie und ich lachte leise.

„Gern geschehen. Das ist jedoch nicht das Einzige, was ich heute mit dir vorhabe, aber erst einmal widmen wir uns dem Frühstück. Lässt du mich unter die Decke?“, fragte ich sie neckend, da sie die Decke vollkommen in Beschlag genommen hatte.
Nickend schlug sie die Decke zur Seite und ich legte mich zu ihr.

Wir genossen das gemeinsame Frühstück und die Ruhe in unserem Haus. Das Babyphon hatte ich auf den Nachttisch neben mich gestellt, falls Chris vielleicht aufwachen würde, aber er gönnte uns diese gemeinsamen Minuten und ich war meinem Sohn auch unheimlich dankbar dafür.

Bella hatte sich gerade an meine Brust gekuschelt, als es an der Tür klingelte.
Verwundert warf ich einen Blick auf die Uhr.
Uns war gar nicht aufgefallen, dass wir fast zwei Stunden hier gemeinsam verbracht hatten und Bella schoss wie von der Tarantel gestochen auf und stolperte fast aus dem Bett.

„Du meine Güte… Ich bin noch gar nicht fertig“, jammerte sie und verschwand in dem begehbaren Kleiderschrank.

Lachend schüttelte ich den Kopf, während ich mich langsam aus dem Bett erhob und als ich das Zimmer verließ, hörte ich sie noch wild vor sich hin fluchen.

Es klingelte mehrmals hintereinander erneut die Türglocke und ich konnte mir sicher sein, dass Emily ebenfalls dabei war und sie wieder einmal ihren Schlüssel vergessen hatte, denn so etwas konnte einfach nur von ihr kommen.

Als ich unten ankam und die Tür öffnete, sah ich auch schon ihr hübsches Gesicht und sie verdrehte grinsend ihre Augen.

„Endlich! Wurde ja auch mal Zeit! So und jetzt will ich zu meinem kleinen Lieblingsbruder!“ Sie schob mich mit einem zufriedenen Lächeln zur Seite und Nessie folgte ihr, nachdem sie mich zur Begrüßung umarmt hatte.

Kopfschüttelnd und mit einem Lächeln auf den Lippen wandte ich mich meinen Eltern zu.
Vor allem meine Mutter sah überglücklich aus und gab mir einen Kuss auf die Wange.

Meine Eltern hatten uns vorsichtig gefragt, ob sie mal einen Tag mit Christopher verbringen durften.
Natürlich würden sie ihn gegen Abend wieder nach Hause bringen und Bella und ich hatten auch nichts dagegen, da wir sicher sein konnten, dass er bei ihnen in guten Händen war.

Nachdem ich auch meinen Vater begrüßt und meine Eltern hereingebeten hatte, sah sich meine Mutter suchend im Wohnzimmer um und warf sogar einen verwunderten Blick in die Küche.

„Wo ist denn Bella?“, fragte sie und eine Spur Enttäuschung schwang in ihrer Stimme mit.

Esme war froh, dass Bella und ich wieder ein Paar waren und sie war vollkommen aus dem Häuschen gewesen als ich ihr mitgeteilt hatte, dass Bella ab sofort bei mir wohnen würde.

„Sie müsste eigentlich jeden Moment…“ Doch noch bevor ich den Satz zu Ende gesprochen hatte, hörte ich auch schon ihre schnellen Schritte auf der Treppe und sie eilte die Stufen herunter.

Ich unterdrückte ein Grinsen, da ihre Haare ein wenig durcheinander waren und eine kleine Haarsträhne von ihrem Kopf abstand.

„Wir wollten euch nicht bei irgendetwas stören“, hörte ich meinen Vater neben mir murmeln und sah, wie auch er grinste.

Bellas Wangen röteten sich und sie erwiderte die Umarmung meiner Mutter.
Es schien ihr nur noch unangenehmer zu sein, als Esme ihre Haare schnell richtete und sie warf mir einen gespielt bösen Blick zu.

„Es ist so toll, dass wir den Tag heute mit Chris verbringen können“, sagte meine Mutter mit strahlendem Gesicht und umarmte Bella gleich noch einmal.

Chris liebte seine Großeltern und Carlisle und Esme hatten ihn natürlich sofort in ihr Herz geschlossen.

„Wir wünschen euch ganz viel Spaß dabei. Passt mir gut auf meinen Kleinen auf, ja?“, murmelte Bella und ich konnte sehen, dass sie meinen Eltern zwar vertraute, aber es eine ungewohnte Situation für sie war, unseren Sohn nicht bei sich zu haben.

Freitag, 15. Juli 2011

Kapitel 57 - Zusammen vereint

Bella POV

Okay… Keine Panik…!

Ich durfte nicht in Panik ausbrechen, doch ich konnte nichts dagegen tun, dass ich am ganzen Leib zitterte.

Chris bemerkte meine Anspannung und war dementsprechend unruhig und quengelte, doch ich war froh, dass er immerhin nicht angefangen hatte zu schreien.

Was hatte ich mir nur dabei gedacht?

Zwei Jahre wohnte ich nun schon hier und noch nie war etwas passiert.
Natürlich war mir von Anfang an bewusst, dass die Gegend, in der wir lebten, nicht die sicherste war, doch bisher war nie etwas passiert.

Jedenfalls nicht bis vor wenigen Stunden.

Ich konnte es einfach nicht fassen. Wie konnte ich es nur zulassen, dass wir hier weiterhin lebten?

So viele Geschichten hatte ich schon über diese Gegend gehört, aber ich dachte mir, dass es hier nicht passieren würde. So irrsinnig wie ich war dachte ich tief in meinem Inneren wirklich, dass wir hier sicher waren.

Aber das waren wir nicht und, um ehrlich zu sein, war ich froh, dass Nessie diese Nacht schon bei ihrem Vater war und dort schlief, denn sie sollte das hier nicht miterleben.

In meinem ganzen Leben hatte ich noch nie so gezittert.
Einerseits war es aus Angst, andererseits war es auch die Erleichterung in mir, die sich so bemerkbar machte.

Wenn ich mir nur vorstellte, dass… Nein…!
Damit sollte ich aufhören, mir Dinge auszumalen, die so nicht geschehen waren.
Aber was wäre, wenn es wirklich so gekommen wäre? Wenn… Schluss!

Wichtig war, dass ich jetzt einen klaren Kopf behielt.

Niemandem würde es helfen, wenn ich zu einem Wrack mutieren würde. Am allerwenigsten mir.


Es war mitten in der Nacht und ich hatte nicht einmal überlegt, ob ich Edward anrufen sollte oder nicht. Ich tat es einfach. Ich brauchte ihn. Jetzt und hier.

Er war der einzige, der es schaffen könnte, mich zu beruhigen und ich wusste, dass er für mich da war.

Doch am Telefon war ich mit meinen Nerven so am Ende, dass ich keinen vernünftigen Satz herausbekam und ich zählte bereits die Minuten, bis Edward endlich bei mir wäre.

Was ich brauchte war einfach nur seine Gegenwart.
Ich musste ihn riechen und wollte seine Arme um mich fühlen, denn dann würde ich wissen, dass ich in Sicherheit war.
Nichts und niemand würde mir noch etwas antun können, solange Edward nur bei mir wäre und mich beschützte.

Aber es kam mir vor wie eine Ewigkeit, bis ich es an meiner Tür klopfen hörte.

Wahrscheinlich war die Tür unten immer noch offen…

Das Klopfen wurde energischer und auch wenn ich wusste, dass es nur Edward sein konnte, traute ich mich nicht, sie aufzumachen.
Allerdings… Ich hatte Edward vor gerade einmal zwanzig Minuten angerufen und normalerweise brauchte er immer eine halbe Stunde bis zu mir.

Vielleicht war es auch einer der Polizisten, die noch unten stehen mussten.

Aber seit wann klopfte die Polizei so energisch an anderen Türen? Hatte ich nicht schon all ihre Fragen beantwortet?

Behutsam legte ich Chris wieder in seine Wiege und ging langsamen Schrittes zur Tür.

„Bella! Schatz, ich bin es. Mach auf“, hörte ich ihn durch die Wände rufen, woraufhin sich meine Schritte beschleunigten.

Er war hier! Endlich war er hier! Wie hatte er es nur so schnell geschafft?

„Edward!“, rief ich erleichtert und warf mich in seine Arme, sobald ich die Tür endlich aufbekommen hatte. Das Zittern hatte immer noch nicht aufgehört. Die Angst konnte ich noch deutlich in mir spüren.

„Bella! Geht es dir gut? Wo ist Chris?“, fragte er, packte mich an meinen Schultern und hielt mich eine Armlänge von ihm entfernt.

Mit seinen Augen sah er mich genau an. Erst mein Gesicht, dann den Rest meines Körpers, wollte sicher gehen, dass ich unversehrt war.

„Uns geht es gut“, schniefte ich, als ich merkte, dass die Tränen sich ihren Weg in die Freiheit bahnten.

„Ich bin so froh, dass du da bist!“ Und noch ehe ich die Worte ausgesprochen hatte, lag ich wieder in seinen Armen und klammerte mich an ihm fest, als ob er mein Rettungsanker wäre.

Eine Weile standen wir nur schweigend da. Die Tür stand noch sperrangelweit offen, doch das war mir egal. Edward war hier und ich war sicher.

„Was ist denn passiert? Wieso ist die Polizei hier?“, fing er an seine Fragen zu stellen, die ihm vermutlich schon durch den Kopf gegangen waren, seitdem ich ihn angerufen hatte. Ich war mir sicher, dass er noch mehr Fragen hatte, doch ich war froh, dass er mich mit diesen nicht sofort konfrontierte.

„Lass… Lass uns ins Wohnzimmer gehen. Chris ist die ganze Zeit schon unruhig und vielleicht beruhigt er sich etwas, wenn er dich sieht.“ Die Tränen, die noch immer über meine Wangen liefen, wischte ich mit meinem Ärmel ab und hoffte, dass nicht noch weitere Tränen kommen würden.

Ich schämte mich nicht, vor Edward zu weinen, aber ich wollte ihm nicht noch mehr Sorgen bereiten.

Edward nahm mich sofort bei der Hand und ließ die Wohnungstür hinter uns ins Schloss fallen. Schnellen Schrittes gingen wir ins Wohnzimmer und ich konnte Chris hören, wie sein Quengeln immer lauter wurde. Es hatte ihm überhaupt nicht gefallen, dass ich ihn wieder in seine Wiege gelegt hatte.

„Hey kleiner Mann“, sagte Edward liebevoll, nahm Chris in seine Arme und hielt ihn fest. Er schien erleichtert zu sein, sich selbst davon überzeugen zu können, dass es seinem Sohn gut ging.

„Ganz ruhig, Kleiner. Daddy ist ja jetzt da“, flüsterte er seinem Sohn beruhigend zu und streichelte ihm über die Wange.  

Chris war oft ruhiger, wenn Edward da war. Er schien seine Abwesenheit oft spüren zu können, was es mir oft schwerer machte, meinen kleinen Jungen zu beruhigen, wenn sein Vater nicht in der Nähe war.

„Erzählst du mir, was passiert ist?“, wollte Edward von mir wissen und sah besorgt zu mir herüber. Als Antwort nickte ich ihm bloß zu und setzte mich auf die Couch.

Edward drückte Chris noch einen Kuss auf seinen kleinen Kopf und legte ihn wieder hin, weil er sich einigermaßen beruhigt hatte.

Sobald Edward neben mir saß, fing ich an zu erzählen.

Freitag, 8. Juli 2011

Kapitel 56 - Was die Zukunft bringt

Edward POV

Den halben Tag, den ich mit meinem Sohn verbringen konnte, hatte ich voll ausgenutzt und jetzt lag Chris zufrieden schlafend in seinem Bett.

Es tat mir weh, dass ich ihn erst wieder morgen sehen würde, aber ich hatte keine andere Wahl, denn jetzt musste ich wieder in mein Büro fahren.

Bella war vor genau drei Stunden eingeschlafen und ich hatte sie extra nicht geweckt, weil sie wirklich etwas Schlaf verdient hatte und ihn auch dringend benötigte.
Mit leisen Schritten ging ich ins Wohnzimmer und kniete mich vorsichtig neben das Sofa, auf dem Bella schlief.

Lächelnd strich ich ihr eine Haarsträhne, die ihr ins Gesicht gefallen war, zur Seite und beobachtete einen Moment lang wie zufrieden und seelenruhig sie schlief.
Sie sah so glücklich aus, dass es auch mich glücklich machte und ich gönnte ihr noch einen kleinen Moment der Ruhe, bevor ich sie schließlich sanft weckte.

„Bella…“, flüsterte ich mit leiser Stimme ihren Namen und sie schmiegte sich mit einem Lächeln an meine Handfläche.

Ich weckte sie nur ungern, nur wollte ich nicht einfach so verschwinden, denn das war nicht meine Art und außerdem vermisste ich sie.
Natürlich verbrachte ich gerne Zeit mit ihr, aber da sie sonst so wenig Schlaf bekam, hatte ich mich dafür entschieden sie schlafen zu lassen, auch wenn mir dadurch wertvolle Zeit mit ihr entging.

Bella und ich waren gerade dabei unsere Beziehung so langsam wieder aufleben zu lassen, doch uns fehlte die Zeit, um über unsere Zukunft zu sprechen.
Die Geburt unseres Kindes hatte uns wieder zusammen geführt, aber dennoch gab es da einige Dinge, die wir bereden mussten und bis jetzt waren wir noch nicht dazu gekommen.

Man konnte durchaus behaupten, dass wir wieder ein Paar waren, aber wir waren noch weit davon entfernt, wieder richtig zusammen zu sein.
Das Wichtigste war jetzt nun einmal unser Sohn.
Alles andere mussten wir auf später verschieben, da waren sich sowohl Bella als auch ich einig.

„Ich muss jetzt wieder los zur Arbeit“, erklärte ich ihr flüsternd.

Bella öffnete ihre Augen und blinzelte einige Male, als das Sonnenlicht sie blendete.
Verwirrt sah sie mich an.

„Schon…?“ Ihre Stimme war noch leicht kratzig und sie räusperte sich, bevor sie sich schließlich langsam aufrichtete.

„Bella, du hast drei Stunden geschlafen“, bemerkte ich mit einem amüsierten Gesichtsausdruck und sie sah mich empört an.

„Drei Stunden?? Edward! Wieso hast du mich denn nicht wieder geweckt?“

„Weil du ein wenig Schlaf dringend nötig hattest“, entgegnete ich schulterzuckend und Bella sah mich mit einem traurigen Blick an.

„Aber… Wir haben doch so schon viel zu wenig Zeit für einander“, murmelte sie bedrückt und ich legte meine Hand an ihre Wange, streichelte sanft mit meinem Daumen über ihre weiche Haut, was sie sofort wieder aufblicken ließ.

„Ich weiß… Es ist nicht leicht, aber wir werden das schon irgendwie hinbekommen. Die Zeit habe ich genutzt, indem ich unseren Sohn gewickelt und mit ihm gekuschelt habe. Er hatte zumindest ziemlich viel Spaß, wie ich es an seinem zufriedenen Gesichtsausdruck gesehen habe. Jetzt ist er gerade eingeschlafen und du hast noch ein wenig Zeit für dich“, erklärte ich meiner Freundin und sie seufzte leise.

„Danke… Dennoch hätte ich auch gerne noch etwas Zeit mit dir verbracht…“, gestand sie leise und ihr Blick fiel auf meine Lippen.

„Geht mir genauso“, flüsterte ich und beugte mich langsam zu ihr.

Einen Moment lang hielt ich inne und sah in ihre wunderschönen Augen.
Noch immer strahlten sie das pure Glück aus und ich war froh, dass Bella wieder zufrieden war, denn noch vor einiger Zeit waren wir beide am Ende gewesen.

Nur zu gut erinnerte ich mich an den Moment im Supermarkt, als sie mich angesprochen hatte, kurz bevor sie mir berichtete, dass ich bald erneut Vater werden würde.
Ihre Augen waren so traurig und leer gewesen, dass es mir fast das Herz zerrissen hatte und jetzt hatten sie wieder diesen wundervollen Glanz, der ihre Augen zum Leuchten brachte.

Als meine Lippen auf ihre trafen, fand ein regelrechtes Feuerwerk in mir statt.

Meine Gefühle spielten verrückt und mir entwich ein zufriedenes Seufzen, als Bellas Hand an meiner Wange entlang strich und sie meinen Nacken kraulte, bevor sie mich näher zu sich heran zog.
Wir beide merkten deutlich, wie sehr wir den anderen brauchten, das war uns schon längst bewusst geworden.
Einen Moment lang lagen unsere Lippen nur aufeinander, genossen das Gefühl den anderen so nah zu spüren, bis Bella schließlich die Initiative ergriff und mich küsste.
Unser Kuss gewann mehr und mehr an Leidenschaft, bis ich mich schließlich stoppte und meine Stirn an ihre legte.

„Du kannst noch nicht gehen“, seufzte Bella leise und als ich meine Augen öffnete und in dieses wundervolle Braun sah war ich wirklich versucht, doch noch länger bei ihr zu bleiben, doch das wäre für meine Arbeit nicht gerade sehr vorteilhaft.

Es reichte schon, dass ich den halben Tag nicht dort gewesen war und jetzt wahrscheinlich noch bis Mitternacht in meinem Büro sitzen konnte, aber das war es mir wert.

„Ich muss, Bella… Es tut mir leid, aber du weißt, dass ich…“

Bevor ich dazu kam, diesen Satz zu Ende zu sprechen, legte Bella ihren Zeigefinger gegen meine Lippen und ich verstummte.

„Das weiß ich doch, Edward… Aber einen Versuch war es wert. Auch wenn ich dich gerne noch etwas hier behalten würde, so musst du jetzt doch wieder zur Arbeit fahren. Ich halte dich doch gerade schon genug auf“, bemerkte sie und warf mir einen entschuldigenden Blick zu.

„Du hältst mich nicht auf“, versicherte ich ihr und küsste sie noch einmal kurz, aber mit aller Leidenschaft die ich hatte und Bella atmete schwer, als ich mich wieder von ihr löste.

„Das ist nicht fair“, entgegnete sie und funkelte mich mit einem gespielt bösen Blick an.

„Was ist nicht fair?“

Freitag, 1. Juli 2011

Kapitel 55 - Mutter sein ist nicht leicht

Bella POV

Seit über einer halben Stunde lief ich mit Christopher in meinen Armen hin und her.
Ich hatte ihn gefüttert und gewickelt, aber immer dann, wenn ich ihn wieder hinlegen wollte, fing er an zu schreien.

Vor ein paar Tagen war ich sogar deswegen mit ihm beim Arzt gewesen, denn soweit ich mich erinnern konnte, hatte Nessie damals nicht so viel geschrieen und vor allem nicht so… laut. Deswegen hatte ich mir Sorgen gemacht, ob Chris möglicherweise Schmerzen hatte und er deswegen immerzu schrie, aber der Arzt meinte nur, Chris sei ein aufgewecktes Kerlchen und ihm ginge es wunderbar.

Also versuchte ich ihn irgendwie zu beruhigen und das fast die gesamte Nacht.

Nur ab und zu, wenn ich sah, wie Chris in meinen Armen langsam seine kleinen Augen schloss und ich ihn wieder hinlegte, versuchte ich einzuschlafen, aber mehr als eine halbe Stunde war es mir nicht möglich gewesen, meine Augen zu schließen.

Um ehrlich zu sein wusste ich nicht, was ich falsch machte.

Chris war nicht mein erstes Kind, also sollte man doch meinen, dass ich noch ein paar Tricks kannte, wie ich mein Baby beruhigen konnte, aber alles, was ich versuchte, hatte keinen Erfolg.

Also lief ich um fünf Uhr am Morgen mit meinem Baby durch mein Schlafzimmer, wiegte ihn hin und her und summte ihm dasselbe Lied vor, welches ich damals auch Nessie immer vorgesummt hatte und für den Moment half es sogar.

Der kleine Mann sah mich aus seinem unschuldigen Augen an, als ob es für ihn nichts Wichtigeres gäbe. Er wusste ja nicht, dass seine Mommy todmüde war, weil er so viel Aufmerksamkeit wollte, aber ich wusste, dass es das wert war.

Seit Wochen hatte ich nicht mehr richtig schlafen können. Im Krankenhaus war Chris meistens noch ruhig gewesen, doch seitdem wir Zuhause waren, wurde er immer munterer.  

Allerdings war ich nicht die einzige, die nachts kein Auge mehr zubekam.
Selbst Nessie konnte ihn schreien hören, was angesichts der Tatsache, dass unsere Wohnung so klein war, kein Wunder war. Doch es machte mir Sorgen, dass Nessie nicht so ausgeruht war, wie sie es eigentlich in ihrem letzten High-School-Jahr sein sollte.

Ich hatte mir gedacht – oder wohl eher erhofft -  dass es wie bei Nessie vor nun über siebzehn Jahren werden würde. Sie war so ein ruhiges Kind gewesen und hatte immer nur dann geschrieen, wenn sie irgendetwas brauchte.

Doch Christopher war anders. Jedes Babys war anders, was mir eigentlich sofort hätte klar sein müssen, aber daran hatte ich überhaupt nicht gedacht.

Allerdings… Die Tatsache, dass ich durch Edward wusste, wie sehr Emily damals ein kleiner Schreihals gewesen war, hätte mich darauf vorbereiten müssen, dass auch Chris so viel schreien würde.

Was das anging, hatte er eindeutig die Gene seines Vaters und dessen Tochter geerbt.

Aber nicht nur darin waren sie sich ähnlich.

Je mehr Tage vergingen, desto mehr konnte ich die Ähnlichkeit zwischen Edward und Chris erkennen.

Die Haare waren überwiegend blond, aber es zeigten sich auch schon ein paar bronzene Strähnen. Seine Augen hatten dieselbe Form wie Edwards und die Farbe darin wurde jeden Tag heller und ich war mir sicher, dass er später Edwards Augenfarbe erben würde.

Beim besten Willen konnte ich nicht die geringste Ähnlichkeit zu mir erkennen.  

„Morgen“, hörte ich die Stimme meiner Tochter noch ganz verschlafen nuscheln und drehte mich zur Tür herum.

Da stand sie, die Haare noch völlig zerzaust und ihre Augen waren minimal geöffnet.
Ihre Hände strich sie sich übers Gesicht, rieb ihre Augen und in diesem Moment erinnerte sie mich an die kleine Dreijährige, die sie einmal war, wie sie ganz klein und unschuldig vor meinem Bett stand und nicht einschlafen konnte, weil es draußen gewitterte.

„Guten Morgen, mein Schatz“, begrüßte ich sie und sah entschuldigend zu ihr herüber. Sie sah aus, als hätte sie die ganze Nacht nicht geschlafen.

Chris gab einen kleinen Laut von sich, was seine Art war ‚Guten Morgen’ zu seiner großen Schwester zu sagen und ich konnte sehen, wie sich auf Nessies noch müdem Gesicht ein kleines Lächeln bildete und sie im nächsten Moment zu uns herüber lief.

Freitag, 24. Juni 2011

Kapitel 54 - Das Wunder des Lebens

Edward POV

„Edward… Meine Fruchtblase ist geplatzt!“

Bellas Worte wiederholten sich unaufhörlich in meinem Kopf.

Wie in einer Endlosschleife hörte ich ihre Stimme und ich war zu geschockt und verwirrt, um mich auch nur einen einzigen Zentimeter vom Fleck zu bewegen.

Es war erstaunlich, wie schnell sich eine Situation von einem Moment auf den anderen verändern konnte.
Noch vor wenigen Sekunden hatten wir uns geküsst.
Nach für mich endlos langer Zeit hatte ich endlich wieder das Glück, ihre weichen und vollkommenen Lippen zu spüren und es war weitaus besser als alles andere zuvor.

Dieser Kuss zeigte die Liebe, die wir füreinander empfanden und mir war sofort klar, dass unsere Liebe durch diese schwierige Zeit nur noch mehr gewachsen war.

Natürlich hatten wir einige Tiefen durchlebt, hatten uns gestritten und für eine gefühlte halbe Ewigkeit nicht mehr miteinander gesprochen, aber das hatte uns auch stark gemacht.
Uns wurde schnell klar, dass ein Leben ohne den jeweils anderen einfach keinen Sinn mehr ergeben würde und endlich hatten wir es eingesehen.
Wir brauchten uns und ich war nicht der Einzige gewesen, der sich so sehr danach gesehnt hatte.

Für mich war es das schönste Gefühl auf der Welt, dass ich die Frau, die ich von ganzem Herzen liebte und vergötterte, wieder in meinen Armen halten konnte.

Bella legte ihre Hand an meinen Arm und krallte sich mit ihren Fingernägeln in mein Jackett, was mich zuerst zusammenzucken ließ, aber noch immer schaffte ich es nicht, irgendetwas Gescheites darauf zu erwidern, geschweige denn mich von der Stelle zu bewegen.
Ich war wie zu einer Salzsäule erstarrt und hätte auch gut als Schaufensterpuppe in einer Boutique durchgehen können.

„Edward… Bring mich ins Krankenhaus“, hörte ich ihre Stimme gequält sagen.

Augenblicklich ruckte mein Kopf in ihre Richtung und ich sah den schmerzvoll verzerrten Ausdruck auf ihrem Gesicht, welcher mich sofort wieder zurück in die Realität beförderte.

Jetzt war es soweit!
Endlich war der Moment gekommen, auf den wir schon so lange gewartet hatten.

Bella hatte sich schon Sorgen gemacht und in den letzten Tagen ununterbrochen geflucht, da unser Baby anscheinend nicht die Absicht hatte, sich irgendwie zu zeigen, denn anscheinend gefiel es dem Kind unheimlich gut, dort wo es sich gerade befand.

Acht Tage waren seit dem eigentlich errechneten Geburtstermin vergangen und daran war nichts besorgniserregendes, aber Bella schien sich deswegen extrem verrückt zu machen und es half auch nicht, dass ich immer wieder versucht hatte, sie zu beruhigen.

Die Ärztin hatte uns versichert, dass es dem Baby gut ging und dass wir uns nicht unnötig Sorgen machen mussten.

Ohne Frage war auch ich nervös, aber ich versuchte es mir nicht allzu sehr anmerken zu lassen, damit ich Bella nicht noch mehr stresste.  

„Krankenhaus.. ja genau…“, murmelte ich und blinzelte einige Male, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen.

Leider war dies nicht so einfach wie ich vermutete, aber ich riss mich zusammen denn Bella brauchte mich jetzt.

Bella ließ meinen Arm los, damit ich schnell ihre Tasche holen und sie sich im Bad umziehen konnte.
Hektisch lief ich durch ihre winzig kleine Wohnung und murmelte einige Wörter, die zusammen keinen Sinn ergaben, aber jetzt konnte ich meine Nervosität und Aufregung einfach nicht mehr verbergen.

Ich achtete nicht darauf, wo ich hintrat und stolperte geradewegs über eine Ansammlung von Büchern auf dem Boden, was ich sogleich mit einem lauten Fluchen kommentierte.
Was zum Henker hatten diese Bücher auf dem Boden verloren??
Die Vorstellung, dass es Bella hätte sein können, die über diese Dinger stolpern könnte, machte mich noch wütender.

„Zum Teufel damit!“, wetterte ich weiter und kickte eines der Bücher unters Bett.

Hektisch suchend sah ich mich nach der Tasche um, die Bella bereits für das Krankenhaus gepackt hatte, doch ich konnte dieses Ding nirgendwo entdecken.
Ihre Wohnung war winzig, also wo hatte sie die Tasche hingestellt?
Ich hatte sie doch noch heute irgendwo stehen sehen!

Während ich weiterhin meiner Suche nachging, brummte ich einige Flüche vor mich hin und bekam so langsam Panik, denn schließlich konnte ich nicht stundenlang nach dieser verdammten Tasche suchen.

Als ich sie schließlich in der Nähe des Bettes - wo ich meiner Meinung nach bereits fünf Mal nachgesehen hatte- entdeckte, betitelte ich mich selbst als ‚Idiot’ und als ‚dummer Esel’ bevor ich mir die Tasche schnappte und wieder ins Wohnzimmer rannte.

„Möchtest du noch eine Tasse Kaffee und Kuchen dazu?“, neckte Bella mich und besorgt sah ich, wie ihr Gesichtsausdruck noch immer vor Schmerz verzogen war, aber sie zwang sich ein Lächeln auf.

„Nein, entschuldige… Ich habe die Tasche gefunden, wir können los“, ratterte ich schnell herunter und fischte den Autoschlüssel aus meiner Hosentasche.
Behutsam legte ich eine Hand an Bellas Rücken und half ihr die Treppen runter nach draußen. Einmal mussten wir eine Pause machen, weil wieder eine heftige Wehe kam und Bella sie weg atmen musste.

„Oh mein Gott… Ich hatte gedacht, dass ich diese Schmerzen niemals vergessen würde, aber meine Erinnerungen sind wohl mit der Zeit verblasst, denn das ist alles andere als ein Kindergeburtstag“, murmelte sie mit zusammengepressten Zähnen und hielt mit beiden Händen ihren Bauch, während ich ihr die Beifahrertür meines Wagens öffnete und ihr beim Einsteigen half.  

„Beschwer dich nicht, wenn ich deinen Wagen vollsaue und ich unser Kind in deinem Wagen bekomme“, scherzte sie, doch ich lachte nicht.
Ich war verdammt noch mal viel zu nervös, um zu lachen und hetzte zur Fahrertür herüber, damit ich endlich einsteigen und losfahren konnte.

Auf der Fahrt zum Krankenhaus missachtete ich wahrscheinlich so gut wie alle Verkehrsregeln, die es gab und es war mir auch wert, dass Bella mich deswegen später wahrscheinlich fertig machen würde, denn jetzt hatte sie gerade weitaus andere Probleme.

Meinen Wagen parkte ich einfach in der Nähe des Krankenhauses, nicht weit entfernt vom Eingang und mir war klar, dass parken hier nicht erlaubt war, aber mir war es einfach egal, ob mein Wagen abgeschleppt werden würde oder nicht, denn darüber konnte ich mir später immer noch Gedanken machen.
Es war schließlich nur ein Auto.

Ich sagte Bella, dass sie noch einen Moment im Wagen sitzen bleiben sollte, damit ich jemanden holen konnte, der uns einen Rollstuhl brachte.
Bella nickte nur und ich verließ schnell mein Auto, bevor ich zum Eingang des Krankenhauses rannte.

Gott sei Dank wurde ich nicht ignoriert und wenige Sekunden später war ein Pfleger mit einem Rollstuhl an meiner Seite.
Ich dankte ihm mehrere Male und begleitete ihn schnell zu meinem Wagen, damit wir Bella in den Rollstuhl befördern konnten.
Sie fluchte, als wir ihr beim Aufstehen halfen und sie wetterte bereits jetzt darüber, dass sie das alles mir zu verdanken hatte.

Nur zu gerne hätte ich sie beruhigt, doch mir fehlten die Worte und ich wusste nicht, was ich als nächstes tun sollte, als zwei Krankenschwestern um sie herum wuselten und ich ihnen in den Kreißsaal folgte.

Auch wenn ich bereits einmal Vater geworden war, so war das noch alles neu für mich, denn damals hatte Tanya mich rausgeschmissen.
Ihren Worten nach wollte sie mich nicht dabei haben.
Sie wollte den Mann nicht sehen, der ihr das angetan hatte und da Bella gerade solch ähnliche Worte gesagt hatte, war ich ein wenig verunsichert.

Wollte sie mich etwa auch nicht dabei haben?

Schon damals hatte es mir das Herz gebrochen, nicht bei der Geburt meiner Tochter dabei sein zu können, aber jetzt wäre dies sicherlich noch schlimmer für mich.

Verwirrt, geschockt und unfähig mich zu bewegen stand ich dort und beobachtete, wie die Krankenschwestern sich um meine Bella kümmerten.
Ich sah die Ärztin, die an mir vorbei lief und einige Dinge sagte, doch ich verstand kein einziges Wort davon.
Anscheinend untersuchte sie Bella gerade und ich blinzelte aufgeregt, als ich Bellas Stimme hörte.

„Edward…?“

Sofort war ich neben ihr an dem Bett und griff nach ihrer Hand, die sie mir entgegen streckte.

„Tut… mir leid wegen vorhin“, sagte sie und ich konnte sehen, wie sie versuchte den Schmerz nicht zu sehr zu zeigen und ich lächelte beruhigend.

„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen…“, erklärte ich ihr schulterzuckend und irgendetwas sagte mir, dass sie ahnte, warum ich gerade so nachdenklich und geschockt gewesen war.

Natürlich hatte ich ihr von Emilys Geburt erzählt und sie wusste, dass ich gerne dabei gewesen wäre.

„Doch… ich… du solltest einfach nicht alles, was ich in der nächsten Zeit sage… ernst nehmen… okay?“ Sie warf mir einen fragenden Blick zu und ich streichelte beruhigend über ihren Handrücken.

„Okay…“, erwiderte ich und nickte bestätigend.

„Ist nicht meine erste Geburt, ich werd’s schon überleben“, murmelte Bella leise, doch ich machte mir dennoch Sorgen um sie und um das Baby.

„Aber… Kannst du mir einen Gefallen tun?“, fragte sie mich als nächstes.

„Alles was du willst“, versicherte ich ihr und küsste ihren Handrücken, was ihr ein echtes Lächeln ins Gesicht zauberte, jedoch wurde dieses wenige Sekunden später durch eine weitere Wehe zunichte gemacht und ich fluchte, als sie meine Hand so fest drückte, wie sie nur konnte.

Bella war klein und zierlich, aber jetzt wurde mir bewusst, dass in ihr Bärenkräfte schlummern mussten.

„Du musst… den anderen Bescheid sagen“, erklärte sie mir schwer atmend.

Sie hatte recht.

Ich hätte die anderen jetzt vollkommen vergessen, denn was mich jetzt nur interessierte war Bella und nichts anderes.

„Stimmt… Nun... also… Ich bin nur ein paar Minuten weg, okay? Ich werde eben Emily anrufen und ihr Bescheid sagen. Sie wird die anderen dann schon informieren, okay?“, fragte ich ein wenig zögerlich, denn es war mir zuwider, sie jetzt hier alleine zu lassen.

„Ja… ich werde schon nicht… weg laufen und ich denke nicht, dass unser Baby innerhalb der nächsten fünf Minuten das Licht der Welt erblicken wird…“ Sie schnaubte und schloss für einen kurzen Moment ihre Augen.

Ich erlaubte es mir, sie noch einen Augenblick lang zu beobachten, bevor ich mich schließlich zu ihr beugte und sanft ihre Stirn küsste.
Bellas Augen waren noch geschlossen, aber ein Lächeln zeichnete sich auf ihren schönen Gesichtszügen ab und ich versprach ihr, dass ich gleich wieder bei ihr sein würde.

Mit schnellen Schritten verließ ich das Zimmer und schnappte mir mein Handy.
Es dauerte Gott sei Dank nicht lange, bis die Stimme meiner Tochter am anderen Ende der Leitung zu hören war.

„Ja?“

„EMILY!!“, rief ich beinahe schon panisch in den Hörer und sie fluchte laut, weil ich sie anscheinend erschreckt hatte.

„Gott verdammt, Dad! Du hast mir einen riesengroßen Schrecken eingejagt!“, bestätigte sie mir meine Vermutung, doch ich hatte jetzt keine Zeit für Erklärungen.

„Das Baby!! Bella und ich sind im Krankenhaus… Das Baby kommt!“, murmelte ich hastig und hörte Emilys fröhliches Quietschen am anderen Ende der Leitung.

„Oh mein Gott!! Endlich!! Ah, ich muss sofort alle anrufen und dann sind wir schon bald bei euch!!“, rief sie in den Hörer und legte sofort auf, ohne sich von mir zu verabschieden.

Verwirrt, wie ich in diesem Moment war, starrte ich einen Augenblick lang auf mein Handy, schüttelte dann seufzend den Kopf und verstaute das Handy schnell wieder in meiner Hosentasche.

Sofort betrat ich erneut den Kreißsaal und ich hatte schon von draußen hören können, dass es nicht gerade ein Wunschkonzert für meine Bella war.
Sie musste unheimliche Schmerzen haben und ich lief schnell zu ihr herüber, damit ich wieder ihre Hand nehmen konnte, auch wenn das bedeutete, dass sie mir diese wahrscheinlich bald wieder zerdrücken würde, aber ich wollte einfach nur für sie da sein.

„Hast du… hast du Bescheid gesagt?“, fragte sie mich und es tat mir weh, sie so zu sehen.

Wie gerne hätte ich ihr die Schmerzen abgenommen, aber das ging leider nicht.
Bella sah bereits jetzt schon fertig und ein wenig benebelt aus, auch wenn sie versuchte, es nicht allzu offensichtlich zu zeigen, aber sie musste sich sicherlich nicht wegen mir zurückhalten.

Zärtlich strich ich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und versuchte ihr damit zu zeigen, dass ich für sie da war.

„Ja, ich habe Emily angerufen und sie sagt den anderen Bescheid. Sie werden nachher ins Krankenhaus kommen“, erklärte ich ihr und Bella nickte. Es schien sie ein wenig zu beruhigen, aber es dauerte nicht lange an.

Ich wusste nicht, wie viele Stunden ich hier neben ihr saß, ihr Mut zusprach, sie beruhigte und für sie da war, aber als die Hebamme verkündete, dass es nicht mehr lange dauern würde, wurde ich noch aufgeregter, als ich es eh schon war.
Bella hatte die letzten Stunden damit verbracht, mich und die Welt zu verfluchen, aber ich nahm das gerne in Kauf und außerdem hatte sie mir zuvor ja noch gesagt, dass ich es nicht allzu ernst nehmen sollte und schließlich war mir bewusst, dass sie unheimliche Schmerzen hatte.

„Du schaffst es Bella… Nur noch einmal pressen, dann ist unser Baby da“, flüsterte ich ihr zu und küsste ihre Wange in der Hoffnung, dass sie mir glaubte, denn ich konnte deutlich sehen, dass Bella am Ende ihrer Kräfte war.

Ich ließ es zu, dass Bella meine Hand demolierte, als sie mit all ihrer noch verbleibenden Kraft presste und ich flüsterte ihr weiterhin einige Dinge zu, doch als ich den ersten Schrei unseres Babys hörte, verstummte ich augenblicklich.

„Glückwunsch! Sie haben einen gesunden Jungen zur Welt gebracht“, erklärte uns die Hebamme und ich warf meinen Kopf sofort in ihre Richtung.

Bella war sichtlich erschöpft, aber dennoch streckte sie ihre Arme aus und verlangte nach unserem Baby, welches die Hebamme sofort zu uns brachte und zu ihr legte.

Und zum ersten Mal erblickte ich unseren gemeinsamen Sohn.
Dieses Gefühl war einfach überwältigend und mit nichts in der Welt zu vergleichen.

„Er ist so wunderschön…“, hörte ich Bella leise flüstern und sah, dass sie weinte.

Sie sah so unheimlich glücklich aus, aber mir erging es da nicht anders.
Beim Anblick unseres Sohnes machte sich ein warmes, erfüllendes Gefühl in mir breit: Stolz!

„Er sieht genauso aus wie du…“, flüsterte Bella mit leiser Stimme und sah die ganze Zeit unentwegt unseren Sohn an.

Ich hatte es noch nicht fertig gebracht, auch nur einen einzigen Laut von mir zu geben, viel zu sehr war ich immer noch erstaunt und gefasst von diesem einzigartigen Moment.

Für Bella war es sichtlich schwer, den Kleinen noch einmal aus der Hand zu geben, damit er untersucht werden konnte, aber sie wusste, dass es wichtig war, also gab sie ihn der Hebamme, die ihr mit einem Lächeln versprach, dass er gleich wieder zu seinen Eltern kommen würde.

Als Bella mich ansah, strahlte sie über ihr ganzes Gesicht.
Natürlich war sie müde und erschöpft, doch man konnte ihr ansehen, dass sie überglücklich war.

„Er ist wundervoll“, sagte ich und meine Stimme klang sichtlich gerührt.

So kannte ich mich selbst schon lange nicht mehr, aber jetzt war es auch etwas anderes.
Ich war erneut Vater geworden und hätte nicht glücklicher sein können.

„Ja, das ist er“, flüsterte Bella und lächelte mich strahlend an.

Langsam beugte ich mich zu ihr und küsste sie, ganz sanft und zärtlich.

„Ich liebe dich…“, sagte ich so leise, dass ich mich fragte, ob Bella es überhaupt gehört hatte, aber als ich ihren Blick sah, war mir bewusst, dass sie alles ganz genau verstanden hatte.

„Ich liebe dich auch, Edward“, flüsterte sie mit leiser Stimme.

Diesen Augenblick genossen wir beide gemeinsam.
Wir freuten uns darüber, dass wir beide Eltern eines gesunden und kräftigen Jungen geworden waren und wir hatten uns beide nach so langer Zeit wieder unsere Liebe geschworen.
Konnte es etwas Schöneres geben?

Unsere Aufmerksamkeit wurde durch ein leises Quengeln unterbrochen, was uns sofort aufblicken ließ.

„Da ist er ja wieder“, hörte ich Bella überglücklich neben mir sagen und sie nahm unseren Sohn, der in eine kleine Decke eingewickelt worden war, wieder zu sich.

Ganz vorsichtig streckte ich meine Hand aus und strich über die Wange meines Kindes.  

„Willkommen in der großen weiten Welt, mein Sohn.“

Die Hebamme machte noch schnell das erste Foto von dem neuen Erdenbürger und reichte mir die Polaroidaufnahme, bevor sie das Zimmer wieder verließ und uns unser Glück genießen ließ.

Unser Baby gab einen leisen, quengeligen Laut von sich und wir mussten beide darüber lachen.
Er schien nicht so glücklich über diese neue Umgebung zu sein, aber man konnte deutlich sehen, dass er sich bei seiner Mom wohl fühlte.

Während Bella und ich unseren Sohn beobachteten, wie er gierig seine erste Mahlzeit zu sich nahm, vergaßen wir vollkommen die Zeit.
Wir sprachen mit ihm und lächelten beide, als der Kleine energisch gähnte und seine müden Augen schloss.

„Bleiben wir jetzt eigentlich bei Christopher?“, wollte Bella von mir wissen.

„Äähhm… ja, wenn du den Namen auch immer noch passend findest“, gab ich etwas unsicher zurück.

„Sehr passend, schau ihn dir an… das ist unser Sohn und Christopher passt perfekt!“, sagte sie mit leuchtenden Augen.

Zur Bestätigung, dass ich mit der Wahl des Namens absolut einverstanden war, küsste ich sie zärtlich und versank dann wieder in dem Anblick meines Sohnes.

„Oh…“ Bella sah zu mir herüber und ich legte fragend meinen Kopf schief.
Es war schwer, den Blick von Chris abzuwenden, aber ich schaffte es schließlich dennoch.

„Wir haben die anderen ganz vergessen“, erklärte Bella mir mit einem amüsierten Gesichtsausdruck und ich lachte leise.

„Stimmt, aber dieser Moment hat ganz alleine uns gehört. Wenn du nichts dagegen hast, gehe ich jetzt kurz raus und sage den anderen Bescheid, dann hast du auch einmal einen Moment mit unserem Sohn alleine“, schlug ich vor und Bella strahlte sofort wieder, als ich unseren Sohn erwähnte.

„Okay…“, erwiderte sie leise und beugte sich ein kleines Stück vor, um mich zu küssen.
Sie war noch immer unheimlich erschöpft und ich wollte ihr gerne ein wenig Ruhe gönnen und etwas Zeit mit Chris alleine.

Langsam kam ich ihr ein Stück entgegen und unsere Lippen berührten sich zwar nur relativ kurz, aber dennoch löste dieser Kuss unheimlich viele Emotionen in mir aus.
Die Geburt unseres Sohnes hatte unsere Beziehung wieder ein ganzes Stück voran gebracht.

Sicherlich würden wir in Ruhe noch einmal über alles reden, aber jetzt, genau in diesem Moment war die Welt in Ordnung und nichts und niemand konnte diese Stimmung trüben.

„Bis gleich“, hauchte ich, bevor ich mich möglichst langsam und leise von dem Bett erhob und das Zimmer verließ.

Gerade als ich die Tür hinter mir geschlossen hatte, sprang mir meine Tochter um den Hals und ich bekam einen riesengroßen Schrecken, weil ich verdammt noch mal nicht damit gerechnet hatte.

„Daaaaaaad!!! Ist das Baby da? Ist es da??? Habe ich ein Brüderchen oder ein Schwesterchen bekommen?? Sag schon!!“, forderte sie aufgeregt hüpfend von mir und sah mich mit strahlenden Augen an.

Ich lachte über ihre Ungeduldigkeit und versuchte mich aus ihrem Klammergriff zu befreien, aber sie ließ nicht locker.

„Nun…“, fing ich an und sah zu den anderen herüber, die mir alle einen aufgeregten Blick zu warfen.

„Es ist ein gesunder Junge!“, erklärte ich voller Stolz und das Lächeln in meinem Gesicht wurde breiter.

„HAAA! ICH HABS EUCH DOCH GESAGT!“, hörte ich Alice laut rufen und lachte als ich sah, wie sie einen kleinen Freudentanz vollzog.

„Oh, wie wundervoll“, sagte meine Mutter und griff sofort nach der Hand meines Vaters.

„Können wir zu ihm und ihn sehen?“ Nessie warf mir einen bittenden Blick zu und ich seufzte leise.

„Wir sollten den beiden noch ein wenig Zeit geben. Sie sind ziemlich erschöpft“, erklärte ich und sie sah enttäuscht aus, schien aber zu verstehen, dass dies wohl besser war.

„Aber was wäre ich für ein Vater, wenn ich nicht ein Bild von meinem Sohn hätte?“, sagte ich mit einem verschmitzten Lächeln und reichte den neugierigen Damen das Foto von Christopher.

Zwischen den Oh´s und Ah´s hörte ich immer wieder „Oh, ist er niedlich“ und alle rissen sich förmlich um das Foto.

Nachdem jeder ausgiebig meinen Sohn begutachtet hatte, schaffte ich es irgendwie die anderen in die Cafeteria zu schleppen und sie somit ein wenig zu beschäftigen, sodass Bella und unser Baby die nötige Ruhe hatten.

Jedoch schienen Emily und Alice sich nach einiger Zeit so sehr angeheizt zu haben, dass sie beinahe vor Neugier platzten und ich beschloss, dass es jetzt an der Zeit war ihnen meinen Sohn live vorzustellen.

Während vor allem Emily und Alice den Kleinen begutachteten und voller Freude mit ihm sprachen, warf ich einen Blick zu Bella herüber.

Sie war unheimlich müde und ihre Augen fielen ihr fast zu, aber als sie bemerkte, dass ich sie ansah, erwiderte sie meinen Blick.

Ihre Augen strahlten das pure Glück aus und auch mir erging es nicht anders.

Wir beide waren glücklich und in diesem Moment konnte man sehen, dass wir beide wussten, dass wir es schaffen würden eine gemeinsame Zukunft zu haben, denn die hatte gerade eben begonnen.

Unsere gemeinsame Zukunft…