Bella POV
Der Samstag gehörte für mich schon immer zum besten Tag der Woche.
Früher war es, weil ich dort immer frei hatte. Man konnte ausschlafen und es war egal, wann man abends ins Bett ging.
Doch die Zeiten änderten sich.
Nun mochte ich den Samstag besonders, weil ich mich meiner Familie widmen konnte.
Es war einer der wenigen Tage, die ich zusammen mit meinen beiden Mädchen, meinem fünf Monate alten Sohn und mit dem Mann meiner Träume verbringen konnte.
Niemand, der zur Schule oder zur Arbeit musste und besonders zu diesem Zeitpunkt war es wichtig für mich, viel Zeit mit Emily und Nessie zu verbringen.
Es waren nur noch wenige Monate, bis das College anfangen würde.
Viel zu wenige!
Die Zeit verging einfach viel zu schnell, doch besonders heute wurde mir bewusst, wie schnell die Zeit wirklich verging.
„Guten Morgen, mein Schatz“, hörte ich seine samtene Stimme hinter mir und spürte daraufhin seine Arme, die sich von hinten um meinen Bauch schlangen.
Zufrieden seufzte ich auf, lehnte mich zurück und genoss seine Nähe.
So viel hatte sich zwischen uns verändert, doch unsere Beziehung lief besser denn je.
Natürlich stritten wir uns, aber es ging nur um Kleinigkeiten und war immer schnell vergessen.
„Morgen“, nuschelte ich und ließ den Rührlöffel wieder in die Schüssel mit dem Pancakes-Teig fallen, als er anfing meinen Hals auf und ab zu küssen.
Doch heute konnte ich es nicht so genießen, wie ich es normalerweise immer tat.
Zu viel schwirrte mir im Kopf herum und obwohl ich mich auf diesen Moment schon seit Monaten vorbereitet hatte, hatte ich keinen ruhigen Gedanken mehr.
Nicht einmal im Schlaf konnte ich diesen Gedanken entkommen.
Ausgerechnet jetzt, wo Chris in der Nacht weniger weinte, konnte ich meinen Schlaf nicht finden.
Doch ich hatte Edward an meiner Seite.
Nacht für Nacht hielt er mich einfach nur fest und wir spendeten uns gegenseitig den Trost, den wir so sehr brauchten.
Es wäre ja nicht für immer... Diesen Satz sagte ich mir immer wieder in Gedanken.
Es war nicht für immer…
„Was ist los? Du siehst so nachdenklich aus“, bemerkte Edward und hauchte mir einen Kuss auf Haar.
So nah wie möglich kuschelte ich mich an ihn und genoss die Wärme, die mich umgab.
„Die Briefe sind heute angekommen“, sagte ich nur und lockerte meine Umarmung, damit ich mit meinem Kopf auf den Stapel Briefe deuten konnte, die ich auf dem Küchentisch platziert hatte.
„Oh…“
In seinem Gesicht konnte ich genau die Gefühle ablesen, die in mir gerade tobten.
Zum einen war da der Stolz. Dieser mächtige Stolz, den ich so noch nie gefühlt hatte.
Natürlich freute ich mich… doch jede Medaille hatte nun mal zwei Seiten.
Wenn man ein kleines Kind Zuhause hatte, ging die Zeit viel schneller an einem vorbei und man kam gar nicht dazu, die verschiedenen Entwicklungsphasen zu genießen und sie auszukosten. Sie flogen so schnell an einem vorbei, dass man gar nicht danach greifen konnte.
Aber es war nicht nur bei kleinen Kindern so.
Seit fast achtzehn Jahren sah ich zu, wie meine kleine Tochter sich in eine wunderschöne Frau verwandelte.
Ich sah sie immer noch vor mir, wie sie als kleines Mädchen mit ihren Bauklötzen rumhantierte und später davon träumte, Architektin zu werden.
Wie sie alles dafür tat, um die besten Noten zu bekommen und wie schwer ihr so manches Mal ein Thema fiel, doch sie blieb standhaft.
Sie gab nicht auf, lernte unentwegt Tag und Nacht und schaffte es letztendlich.
Und all ihre Mühe hatte sich gelohnt.
Als ich am Morgen zum Briefkasten gegangen war, sprangen mir die vielen Briefe nur so ins Auge.
Jede Menge Collegebriefe, große und kleine und einerseits war ich nervös, andererseits war ich etwas niedergeschlagen bei dem Gedanken, dass es bald wirklich soweit war, dass meine Tochter auf ein College ging und ihr eigenes Leben führte, weit weg von der eigenen Familie.
Dies war Nessies nächster Schritt. Wie sie alleine in die Welt gehen und es allen zeigen würde… und ich konnte nicht dabei sein, ihr dabei zuzusehen, wie sie sich ein eigenes Leben aufbaute. Sie würde auf sich allein gestellt sein und das tat weh.
Sie würde mich nicht mehr brauchen.
Dass Nessie bald wirklich auf ein College gehen würde, war für mich nun realer denn je.
„Wir wussten doch, dass irgendwann dieser Tag kommt“, hörte ich Edward murmeln und drückte mich fester an sich.
„Aber doch nicht so schnell. Und die Zeit wird noch schneller vergehen. Nessie und Emily lernen momentan nur noch für die Abschlussprüfungen und bald ist schon die Abschlussfeier und dann… dann bleibt uns nur noch der Sommer…“
Edward drückte mich noch fester an sich, sodass ich schon fast keine Luft mehr bekam, doch es war mir egal.
Eigentlich sollte die Freude darüber, dass meine Tochter bald aufs College ging, ein Hochgefühl in mir auslösen, doch ich konnte einfach nicht aufhören daran zu denken, dass Nessie bald tausende von Meilen von mir weg leben würde, wo sie doch bisher immer bei mir gewesen war.
„Ich weiß, aber wir werden diese Zeit ausnutzen und es ist ja nicht so, als ob wir die beiden nie mehr wieder sehen würden. Emily und Nessie sind immer noch unsere Töchter. Sie werden uns in den Ferien besuchen, an Feiertagen und wer weiß, vielleicht auch an manchen Wochenenden. Und wir können auch sie besuchen. Wir schaffen das schon“, hauchte er und drückte mir einen weiteren Kuss aufs Haar.
„Du hast ja recht…“, nuschelte ich und sah mir wieder die Briefe an.
„Aber es wird bestimmt nicht lange dauern, bis Chris auch aufs College gehen und uns verlassen wird.“
Das Einzige, was Edward darauf erwiderte, war ein Lachen.
„Chris ist gerade einmal fünf Monate alt“, sagte Edward immer noch lachend.
„Na und? Das war Nessie gestern auch noch und bumm hat sie ihren ersten Freund, der es ziemlich ernst mit ihr zu meinen scheint und geht bald auch noch aufs College!“, regte ich mich auf und wusste, dass es nichts brachte. Es war nun mal der natürliche Lauf der Dinge.
„Sag jetzt nichts“, unterbrach ich Edward, als er seinen Mund öffnete. „Ich weiß, dass ich mich kindisch verhalte und ich weiß auch, dass es dir damit nicht besser geht. Tut mir leid, dass ich so egoistisch bin“, seufzte ich, ließ ihn los und widmete mich wieder dem Teig zu.
„Bella, du bist vieles, aber ganz sicher nicht egoistisch“, erklärte er und legte seine Hände an meine Oberarme.
„Doch, bin ich. Sonst würde ich mich nämlich darüber freuen, dass Nessie und Emily die Möglichkeit haben zu studieren und ich würde mich nicht so viel beklagen, obwohl ich doch weiß, dass es dir damit nicht besser geht“, sagte ich und rührte dabei den Teig immer energischer um.
Das einzig gute an der Situation war, dass Emily womöglich die Chance hatte, hier in Chicago zu studieren. Also wäre sie wenigstens noch in der Nähe, aber Nessie hatte sich hauptsächlich an Colleges beworben, die viel zu weit weg waren. Dafür waren diese aber auch die besten Unis Amerikas.
Die Absender auf den jeweiligen Briefe hatte ich mir mit Absicht nicht angesehen, aus Angst, dass wenn ich irgendwo Yale oder Princeton auf einem großen Umschlag sehen würde, in Panik geraten könnte. Noch mehr als jetzt.
„Schatz, du solltest dich wirklich beruhigen“, flüsterte mir Edward ins Ohr und hauchte mir einen Kuss darauf.
„Was hältst du davon… Wenn die Mädchen sich mit Daniel und Jackson treffen und Chris sein Mittagsschlaf hält, dass wir uns ein schönes und entspanntes Bad gönnen?“
Allein bei der Vorstellung fing mein Körper an zu kribbeln.
„Mmmhhh… Klingt sehr verlockend“, grinste ich und fühlte mich bei der Vorstellung gleich ein bisschen besser.
Gerade, als ich mich wieder zu ihm umdrehen und ihn küssen wollte, tauchten Emily und Nessie, zusammen mit Chris, in der Küche auf. Nessie trug meinen Sohn und Emily hatte die Lieblingsspielzeuge ihres Bruders in der Hand. Chris hatte die besten Schwestern der Welt, immer kümmerten sie sich um ihn und sorgten dafür, dass es ihm gut ging und er seinen Spaß hatte.
„Igitt, nehmt euch ein Zimmer“, hörte ich Emily sagen und musste lachen.
„Dir auch einen guten Morgen“, antwortete Edward darauf, drückte mir einen kurzen Kuss auf die Lippen und ließ mich los.
„Also wirklich, ihr benehmt euch manchmal schlimmer als die Mädchen in unserem Alter“, bemerkte sie mit einem Grinsen, nahm einen Apfel aus der Obstschale und biss herzhaft hinein.
„Was denkst du denn, wie Chris entstanden ist? Bestimmt nicht durch Enthaltsamkeit“, bemerkte Edward und ich verschluckte mich an meinem eigenen Speichel.
„Edward!“, rief ich empört, als ich meinen kleinen Hustanfall unter Kontrolle bekommen hatte und schlug ihm gegen die Brust.
„Ugh…! Darüber will ich nichts wissen. Überhaupt nichts“, verdeutlichte sie noch mal, indem sie das letzte Wort betonte.
„Apropos Chris… Ich glaube jemand sollte ihm die Windeln wechseln“, wechselte Nessie das Thema und hielt Chris mit einem angeekelten Gesichtsausdruck Emily hin.
„Spinnst du? Dafür sind die Eltern zuständig. Die großen Schwestern sind nur zum spielen und lieb haben da“, empörte sie sich und sah ihren Dad daraufhin so liebreizend an, dass dieser nur laut aufseufzte.
„Schon gut, ich mach das. Wir Männer ziehen uns zurück und lassen euch Mädels alleine“, gab er sich geschlagen, gab mir noch einen Kuss und nahm Nessie Christopher ab.
„Was ist das?“, fragte Emily, als Edward schon aus dem Raum war und deutete auf die vielen Briefe auf den Tisch, die ich beinahe vergessen hatte.
„Das sind… ähm…“ Ich räusperte mich noch einmal schnell, versuchte meinen Kummer zurückzuhalten und hielt mich aufrecht.
„Das sind eure Collegebriefe. Heute angekommen“, erklärte ich und setzte mein überzeugendstes Lächeln auf.
„OH MEIN GOTT!“, riefen Emily und Nessie gleichzeitig aus und stürzten sich auf die Briefe.
Zu sehen, wie aufgeregt die beiden waren, linderte meinen Kummer etwas. Sie so fröhlich zu sehen war das einzige, was wirklich wichtig war und um es ihnen nicht schwerer zu machen, musste ich mich eben zusammenreißen.
Während Emily sich durch den Briefberg wühlte, versuchte Nessie, trotz zitternder Hände, in Ruhe ihre Umschläge herauszusuchen.
„AHHHHHH“, kreischte Emily plötzlich, ließ die anderen Briefe einfach links liegen und riss einen großen Umschlag auf.
„Oh mein Gott! Oh mein Gott! Oh mein Gott!“, murmelte sie ganz oft hintereinander und ließ den zerrissenen Briefumschlag zu Boden fallen.
Neugierig beobachtete ich, wie sie den Brief in ihren Händen sorgfältig las. Ihre Augen wanderten von links nach rechts und ihre Mundwinkel hoben sich immer mehr, lasen lautlos vor, was auf dem Papier geschrieben stand.
Emily bemerkte nicht einmal, wie Nessie und ich sie neugierig beobachteten.
„Sie nehmen mich!! The Art Institute of Chicago! Oh mein Gott, sie wollen mich wirklich”, rief sie und hüpfte aufgeregt auf und ab.
Bei diesem Anblick musste ich lachen, lief auf sie zu und nahm sie fest in meine Arme.
„Ich freu mich so für dich, Süße“, flüsterte ich ihr zu und hüpfte durch ihre Bewegungen unfreiwillig mit ihr.
Sie würde in Chicago bleiben. Und sie würde das studieren, was sie insgeheim immer gewollt hatte. Emily hatte sich nie für irgendetwas anderes interessiert, außer ihrer Kunst. Es war das Einzige, wofür sie in all den Jahren eine Leidenschaft entwickelt hatte und erst vor wenigen Monaten hatte sie sich dazu entschieden, ihr Studium darauf zu spezialisieren.
„Willst du die anderen Briefe nicht auch noch öffnen?“, fragte ich sie, nachdem sie mich losgelassen und stattdessen Nessie in eine feste Umarmung schloss.
„Hmm… Nein. Da hab ich mich doch nur beworben, falls es beim AIC nicht klappt. Oh Gott, ich kann es immer noch nicht fassen, dass sie mich wollen! Ich muss unbedingt Daniel anrufen und ihm davon erzählen“, sagte sie und war auch schon aus der Küche verschwunden.
Über ihr Verhalten lachend schüttelte ich den Kopf und wandte mich dann meiner Tochter zu.
Wie gebannt starrte sie auf die Briefe, die vor ihr lagen. Alle noch ungeöffnet und ihre Hände zitterten immer noch.
„Willst du die nicht mal aufmachen?“, fragte ich sie sanft und setzte mich zu ihr an den Tisch. Vor wenigen Minuten war sie noch so euphorisch gewesen, dass die Briefe endlich da waren. Sie hatte sich, genau wie Emily, auf sie gestürzt, doch nun saß sie einfach nur da und starrte die Briefe an, als ob sie darauf warten würde, dass sie sich von selbst öffnen würden.
Meine Tochter kannte ich gut genug, um zu wissen, was sie in diesem Moment dachte.
Wie sie sich vor den Antworten fürchtete.
Antworten, die über ihre Zukunft entscheiden würden.
Nun war es real. Es war greifbar.
Nicht nur mir wurde mit jedem Tag mehr bewusst, dass das College immer näher rückte. Auch meiner Tochter wurde diese Tatsache immer mehr vor Augen geführt.
„Doch… Es ist nur… Ach, ich weiß auch nicht“, seufzte sie und lehnte sich zurück.
„Irgendwie ist es… Ich weiß nicht, ob seltsam der richtige Ausdruck dafür ist, aber ich denke, er könnte passen. So lange habe ich auf diesen Tag gewartet und jetzt… keine Ahnung, warum ich so nervös bin. Was ist, wenn mich keine von den Unis nimmt, an denen ich studieren will? Wenn nur die öffentlichen Unis Interesse an mir haben? Oder noch schlimmer: Wenn sie mich nehmen, ich aber kein Stipendium bekomme. Was dann?“ Mit jedem Satz schien sie immer verzweifelter zu werden und ich wusste nicht, wie ich sie am Besten wieder aufmuntern konnte.
Stattdessen nahm ich einfach nur ihre Hand und drückte sie.
„Schatz, es wäre ja nicht schlimm, wenn du kein Stipendium bekommst. Für diesen Fall haben dein Dad und ich doch extra gespart. Und wenn ich mir die großen Briefumschläge ansehe, bezweifele ich, dass dich kein gutes College nimmt“, versuchte ich mein Glück, sie fröhlicher zu stimmen, doch ohne Erfolg.
„Mom, das war vielleicht zu deiner Zeit so, aber die Zeiten haben sich, dank dem Computer- und Internetzeitalter, geändert. Ein großer Umschlag bedeutet nicht mehr zwangsläufig, dass es eine Zusage ist. Genauso wenig bedeutet ein kleiner Umschlag, dass es eine Absage ist.“
Es war eindeutig, dass meine Tochter in diesem Punkt voll und ganz nach mir kam.
Genau wie ich machte sie sich immer viel zu viele Gedanken und ging alle ‚Was wäre wenn’ Möglichkeiten durch.
„Wieso öffnen wir nicht einfach die Briefe und sehen dann weiter, bevor du dir noch mehr Gedanken machst?“, schlug ich vor und hielt ihr einen Briefumschlag hin, den ich wahllos aus dem Haufen gefischt hatte. Ein Harvard Brief.
„Okay… Gut“, sagte sie, atmete einmal tief durch und nahm mir den Brief aus der Hand.
Im Gegensatz zu Emily, die ihren Brief praktisch wie ein tollwütiges Tier aufgerissen hatte, nahm Nessie dem Brieföffner zu Hand und machte ihn sorgfältig auf, als ob der Inhalt einen Schatz bergen würde, der sonst kaputt ging, wenn sie zu grob war.
Es erschien mir wie in Zeitlupe, bis sie den Brief offen hatte und den Inhalt hervorholte.
Schließlich ging es hier um Harvard. Harvard! Eine der besten Universitäten des Landes. Vielleicht sogar eine der Besten auf der ganzen Welt.
„Ich… Sie…“, stammelte Nessie vor sich hin und konnte ihre Augen nicht von dem Blatt wenden, welches sie in den Händen hielt.
„Sie… Sie nehmen mich. Ich… Das ist eine Zusage. Halbes Stipendium“, sagte sie kurz angebunden und machte so große Augen, dass ich schon beinahe Angst hatte, dass sie ihr jeden Moment herausfallen würden.
Harvard wollte meine Tochter! Und sie waren sogar bereit, ihr ein halbes Stipendium zu geben! Das war mehr, als ich je zu träumen gewagt hatte.
Ich war so unglaublich stolz auf mein Mädchen, dass ich keine Worte herausbrachte, sie einfach nur in meine Arme nahm und ganz fest an mich drückte.
Zusammen öffneten wir noch ein paar Briefe.
Von Princeton kam eine Absage. Allerdings war ich noch nie von diesem College begeistert gewesen. Wirklich nicht! Das sagte ich nicht nur, weil sie Nessie nicht wollten.
Okay, vielleicht schon… aber das war nun auch egal, denn dafür hatte sie andere, wunderbare Möglichkeiten.
Yale und Dartmouth boten ihr sogar ein volles Stipendium an!
Das war einfach nur unglaublich und ich wusste gar nicht, wie ich all den Gefühlen in mir Ausdruck verleihen sollte.
Diese Colleges waren einfach nur der Wahnsinn, aber wenn es jemand verdient hatte, auf eine dieser Unis zu gehen, dann war es Nessie.
Sie hatte alles darum gegeben, es zu schaffen, lernte wie verrückt und bewies allen, dass es nicht nur die reichen Kinder auf eine hervorragende Uni schaffen konnten.
Nein, meine Tochter hatte dasselbe Recht wie alle anderen. Nicht das Vermögen entschied über unsere Lebensführung. Das waren wir selbst.
„Und, wie siehts aus?“, hörte ich Edwards Stimme fragen, als er mit Christopher im Arm wieder die Küche betrat und sah, wie er uns liebevoll beobachtete.
„Gut… Mehr als gut sogar“, grinste ich und musste die Tränen unterdrücken, die in mir hochkamen, konnte jedoch nicht verhindern, dass meine Stimme zittrig klang.
Zum Großteil waren es Freudentränen.
Natürlich wurde ich immer noch traurig bei dem Gedanken, dass sie bald weg sein würde, allerdings wurde dieses Gefühl im Moment in den Hintergrund gerückt.
Stolz war ich schon immer auf meine Tochter gewesen. Egal, was sie gemacht hatte.
Sind es ihre ersten Schritte als kleines Kind gewesen oder als sie zum ersten Mal ohne Stützräder mit dem Fahrrad fuhr.
Aber das war etwas, worauf ich besonders stolz war. Es waren nicht einfach irgendwelche Unis, von denen sie eine Zusage bekommen hatte und ihr auch noch ein Stipendium zugesichert wurde. Sie waren bedeutend und an einer dieser Unis würde meine Tochter tatsächlich studieren und die nächsten Jahre ihres Lebens verbringen, neue Erfahrungen sammeln und sich weiterentwickeln.
„Daaaaaaaaaad!!!!“, hörte ich Emily kreischen, was Chris wieder so sehr erschreckte, dass er anfing zu weinen und noch während ich Emilys Schritte wahrnahm, die der Küche immer näher kamen, nahm ich meinen Sohn auf den Arm, denn so wie ich Emilys Geschrei deutete, wollte sie ihm die guten Neuigkeiten mitteilen und so überschwänglich wie sie war, würde sie ihn bestimmt erdrücken.
Es war verrückt, aber manchmal erinnerte mich Emily an Alice. So überdreht wie sie manchmal war, konnte man meinen, dass die zwei verwandt wären.
„Stell dir vor, sie nehmen mich! Das AIC nimmt mich! Ich bleibe in Chicago! Ist das nicht toll?“, rief sie aufgeregt, als sie die Küche erreichte und in Edwards Arme sprang, der sie voller Freude herumwirbelte, sobald er ihr Gesagtes realisiert hatte.
Nachdem sich der allgegenwärtige Glückstrubel gelegt hatte, gönnten wir uns zusammen ein ausgiebiges Frühstück und die Mädchen planten schon aufgeregt den heutigen Abend. Edward und ich genossen jede Minute mit unseren Töchtern.
~*~*~
Seitdem die Collegebriefe ins Haus getrudelt waren, war viel geschehen.
Die Abschlussprüfungen hatten endlich ihr Ende gefunden und die Mädchen konnten sich entspannen.
Emily sprach die ganze Zeit nur davon, wie sie sich das Collegeleben vorstellte. Sie freute sich, dass sie hier in Chicago Kunst studieren konnte, so wie sie es schon lange gewollt hatte und sie konnte diese Zeit kaum noch erwarten.
Nessie erging es da nicht anders. Nachdem sie wochenlang die Vor- und Nachteile jeder einzelnen Uni, an der sie aufgenommen wurde, abgewogen und aufgeschrieben hatte, hatte sie sich endlich für eine entschieden… Dartmouth!
Laut Nessie würde sie da eine der besten Ausbildungen in Architektur bekommen, die man nur haben konnte und ein weiterer Vorteil war, dass Jackson ebenfalls die Möglichkeit hatte, dort zu studieren. Zwar hatte er dafür kein Stipendium, so wie Nessie, aber im Gegensatz zu mir, konnten sich seine Eltern dieses College durchaus leisten.
„Bella, bist du endlich soweit? Wir sollten jetzt losgehen, wenn wir nicht zu spät kommen wollen“, hörte ich Edward genervt von der anderen Seite der Tür rufen.
„Ja doch, ich bin gleich fertig“, rief ich genauso genervt zurück, sah mich noch einmal im Spiegel an und öffnete die Tür.
„Was das Zuspätkommen angeht, kennst du dich ja aus“, neckte ich ihn und lief an ihm vorbei.
„Werden Sie etwa frech, Miss Black?“, fragte er mich und hielt mich von hinten fest, noch bevor ich den Treppenabsatz erreichen konnte.
„Vielleicht“, grinste ich, drehte mich zu ihm herum und küsste versöhnlich seine Lippen, doch als ich mich wieder von ihm lösen wollte, ließ er es nicht zu. Er fuhr fort mich zu küssen und ich konnte ihm einfach nicht widerstehen. Erst als die Luftzufuhr zu knapp wurde und er meinen Hals entlang küsste, setzte mein Verstand wieder ein.
„Hey du Charmeur. Du hast gerade selbst gesagt, dass wir keine Zeit haben“, erinnerte ich ihn und schlug leicht auf seinen Arm.
„Dafür ist immer Zeit“, nuschelte er gegen meine Haut und wollte damit einfach nicht aufhören, was mir ein Kichern entlockte.
„Jetzt hör schon auf“, mahnte ich ihn erneut, allerdings konnte ich mein Kichern nicht unterdrücken.
„Wir wollen doch nicht zu spät kommen und außerd…“, versuchte ich den Satz zu Ende zu führen, stöhnte jedoch, als er anfing an meinen Ohrläppchen zu knappern. Er wusste ganz genau, wie empfindlich ich an dieser Stelle war.
„Schluss jetzt! Edward, ich mein es ernst. Wir müssen los, sonst schaffen wir es nie rechtzeitig und ich will nichts verpassen“, sagte ich und riss mich endgültig von ihm los.
„Okay, okay. Du hast gewonnen. Aber du schuldest mir was“, flüsterte er mir heiser ins Ohr und ich erschauderte bei diesem Klang.
„Mmmhhh…. Heute Abend werde ich alles wieder gut machen. Versprochen. Sobald die Mädchen feiern sind und Chris schläft…“ Ich ließ meinen Satz unausgesprochen, ließ jedoch bei meinen Worten meine Finger über seine Krawatte wandern und zog leicht daran, was ihm ein verschmitztes Grinsen entlockte.
„Abgemacht“, grinste er, küsste mich und lief an mir vorbei die Treppen hinunter, doch bevor ich ihm hinterher eilen würde, ging ich meine mentale Liste durch, ob ich auch alles in meiner Handtasche hatte.
Brieftasche und Geld hatte ich immer dabei… Taschentücher hatte ich genügend eingepackt, die Batterien für die Kamera waren aufgeladen und ich hatte noch Ersatzbatterien, und sogar noch eine weitere Speicherkarte dabei. Nur für den Fall der Fälle.
Heute war ein denkwürdiger Tag, da durfte ich nichts vergessen und es durfte nichts schief gehen. Nicht bei der Abschlussfeier meiner Mädchen.
Ja, heute war es so weit.
Lange hatten sie gelernt, sich auf alles vorbereitet und heute war der Tag, wo sie sich von der High School verabschieden würden. Der Tag, der einen wichtigen Abschnitt in ihrem Leben abschloss und ein anderer begann. Da war es vorprogrammiert, dass ich weinen würde.
Mein Make-up hatte ich schlicht gehalten. Nur etwas Lidschatten, wasserfesten Mascara und Lipgloss, welchen ich auch noch in meine Handtasche gepackt hatte. Da ich während der Zeremonie bestimmt weinen würde, müsste ich mich noch einmal auffrischen, bevor wir die traditionellen Fotos schießen würden. Fotos für die Ewigkeit und da wollte ich nicht verheult aussehen. Auch wenn ich sonst nicht besonders auf mein Äußeres Acht gab, so war es heute ganz anders.
Nessie und Emily waren schon vor Stunden zur Schule gefahren, um sich dort auf ihren großen Augenblick vorzubereiten und dort mitzuhelfen.
Edward hatte Christopher vor einer Stunde zu Rose gebracht. Sie war die einzige, die nicht an der Abschlussfeier teilnehmen und somit auf ihre Zwillinge und ihren Neffen aufpassen würde. Natürlich hätte sie sich gefreut zu sehen, wie ihre Nichte die High School abschloss, doch die Jungs waren alle noch sehr klein und besonders Chris neigte dazu, in unpassenden Momenten zu schreien und bei so vielen Leuten hatte ich Angst, dass wir Chris zu viel zumuten würden.
Doch als Edward mir davon erzählt hatte, wie herzhaft Chris angefangen hatte zu weinen, kurz bevor er sich von Rosalie verabschiedete, zerriss es mir beinahe das Herz.
Kinder waren in diesem Alter besonders anfällig dafür, wenn kein Elternteil in Sicht war und dennoch ließ es sich heute nicht vermeiden und ich wusste, dass Rose sich gut um ihn kümmern würde und ich hoffte, dass Chris genügend Ablenkung bekam, bis wir wieder Zuhause waren.
Als Edward und ich die Schule erreichten, war ich erleichtert zu sehen, dass wir nicht die letzten waren. Jake und Leah standen zusammen mit Alice und Jasper vor dem Eingang der Schule und unterhielten sich.
Dass Jake zusammen mit Leah kam, war selbstverständlich. Die beiden waren nun schon so lange zusammen, dass es mich immer noch wunderte, dass sie immer noch keinen Ring an ihrem Finger trug, doch ich war froh darüber, dass Jake es langsam anging.
Für Jake musste sich dieses Tempo jedoch wie in Zeitlupe anfühlen, denn er war es nicht mehr gewohnt, so lange mit einer Frau zusammen zu sein, geschweige denn, unverheiratet.
Ich mochte Leah sehr. Sie hatte Feuer im Hintern und sagte immer, was sie dachte.
Die Neckereien zwischen ihr und Jake waren immer äußerst amüsant und ich freute mich sehr für die beiden, dass sie sich gefunden hatten. Und besonders freute es mich, dass sich Leah und Nessie gut verstanden und es war kein vorgeheucheltes Interesse, wie es bei Jakes zahlreichen Ex-Frauen der Fall war. Nein, sie mochten sich wirklich und das machte mich umso glücklicher, denn genauso wie es für mich wichtig war, dass Edward sich gut mit Nessie verstand, war es für Jake dasselbe mit Leah.
Alice und Jasper waren recht kurzfristig mitgekommen. Die Karten waren eigentlich für meine Eltern bestimmt gewesen, doch als meine Mom mir letzte Woche mitgeteilt hatte, dass sie nicht kommen konnten, da mein Dad operiert werden musste, hatte ich Alice und Jasper noch zur Feier eingeladen.
Es war schade, dass meine Eltern nicht sehen würden, wie ihre erste Enkelin ihren High-School-Abschluss absolvierte, doch die Gesundheit ging nur mal vor. Ich war froh, dass Charlie nichts Ernstes fehlte, sondern es nur ein Routineeingriff war und meine Mom meinte, dass es nicht nötig wäre, dass ich für einen simplen Eingriff extra nach Phoenix flog, schließlich hatte ich hier eine Familie und einen kleinen Sohn, um den ich mich kümmern musste. Aber Renée versprach, dass sie zu uns nach Chicago kommen würden, sobald es meinem Dad wieder besser ging, schließlich wollten sie ihren Enkelsohn endlich mal wieder sehen und ihre Enkelin, bevor sie aufs College gehen würde.
„Bella! Edward!“, hörten wir Alice rufen und liefen zu ihnen herüber.
Alice umarmte mich, als ob wir uns schon seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen hätten und erdrückte mich beinahe, doch das war nichts im Gegensatz zu der festen Umarmung, die Jake mir mal wieder schenkte. Irgendwann würde er mir noch die Rippen dabei brechen.
„Sollen wir hier noch auf die anderen warten oder wollen wir schon mal rein gehen und uns ein paar gute Plätze sichern?“, fragte Alice in die Runde, nachdem wir die Begrüßungsrunde erledigt und wir noch etwas Smalltalk geführt hatten.
„Das ist nicht mehr nötig“, erwiderte Edward darauf und deutete auf einen schwarzen Mercedes, der gerade auf den Parkplatz fuhr.
Esme und Carlisle kamen zusammen mit Emmett, somit waren wir komplett.
Wir hatten Glück, dass es heute nicht so windig war und das war für Chicago schon ein regelrechtes Wunder und da die Feier im Freien stattfinden würde, kam uns dieses tolle Wetter nur recht.
Der Garten der Schule war wirklich wunderschön hergerichtet.
Die weißen Stühle bildeten einen wunderschönen Kontrast zum beinahe viel zu grünen Rasen.
Die kleine Schultribüne, auf der all die Reden und die Zeugnisübergabe stattfinden würden, war geschmückt mit dem Logo der Schule, sogar das kleine Podium, welches in der Mitte stand.
„Sieh mal, da vorne ist die Kröte“, flüsterte mir Edward ins Ohr, sobald wir uns hingesetzt und wir uns alles angesehen hatte.
Sofort sah ich in die Richtung, in die Edward blickte. Die Direktorin dieser Schule hatte ich noch nie gemocht, mit ihrer verklemmten Art und ihrem strengen Blick.
Schon früher, als ich noch zur Schule ging, mochte ich solche Menschen nicht.
Ich fragte mich immer, was daran verkehrt war, wenn man nett mit seinen Mitmenschen umging. Man konnte schließlich auch freundlich sein und trotzdem den nötigen Respekt erhalten, den man verdiente.
Die Kröte war unser kleines Codewort für Mrs. Meyer, die Direktorin, denn sie benahm sich nicht nur wie eine Kröte, sie sah auch noch wie eine aus.
„Siehst du, so etwas passiert, wenn man sich abends das Make-up nicht entfernt“, erklärte ich Edward und wir beide kicherten, als ob wir diejenigen wären, die noch zur Schule gingen. Ja, manchmal benahmen wir uns wie richtige Kindsköpfe, doch das war es, was uns jung hielt.
„Dann muss ich mir ja keine Sorgen machen, dass du in dreißig Jahren genau so aussehen wirst“, machte er sich lustig und unterdrückte ein Lachen.
„Ach? Und wenn doch? Was dann? Liebst du mich dann nicht mehr und suchst dir eine Jüngere?“, neckte ich ihn, doch sein Gesichtsausdruck wurde plötzlich ernst.
„Bella, ich werde dich immer lieben. Selbst in fünfzig Jahren, wenn wir beide alt und runzlig sind“, schwor er und sah mir dabei tief in die Augen.
„Ich weiß“, antwortete ich ihm darauf und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen.
„Aber nur mal um eins klarzustellen: Frauen werden nicht alt. Und ganz bestimmt nicht runzlig“, bestimmte ich grinsend und beugte mich wieder zu ihm.
„Und wenn du etwas anderes behauptest, kannst du den schönen Abend heute vergessen“, flüsterte ich ihm ins Ohr, gab ihm einen Kuss auf die Wange und setzte mich wieder aufrecht hin.
„Wie die Dame es wünscht“, sagte Edward förmlich und brachte mich dadurch wieder zum Lächeln.
Gerade als ich nach vorne sehen wollte, erschrak ich, als plötzlich ein Finger vor meinem Gesicht auftauchte und durch meinen kleinen Schreckensschrei wandten sich die anderen Eltern genervt zu mir um.
Meine Güte, es war ja nicht so, als ob es schon angefangen hätte und ich alle stören würde. Außerdem waren sie ja selbst nicht viel leiser.
„Jake, nimm deinen verdammten Finger aus meinem Gesicht“, murrte ich und schlug den Finger weg. Jake dagegen grinste nur und hielt mir wieder seinen Finger entgegen.
„Ihr beide könnt später noch turteln. Gleich geht’s los“, kündigte er an und ich fing an, nervös zu werden.
Edward legte seine Hand auf meinem Oberschenkel, da ich mit meinen Beinen unruhig auf und ab wippte. Die Fotokamera in meiner Handtasche holte ich schon einmal heraus, denn ich wollte es nicht verpassen, wenn die Absolventen sich auf ihre Plätze begeben würden.
Ich hoffte nur, dass ich Nessie und Emily in dem Meer aus blauen Talaren ausfindig machen konnte.
Nur wenige Minuten später setzte die Kapelle, die neben der Bühne platziert war, mit der Musik ein, als Zeichen dafür, dass die Absolventen sich auf ihre Plätze begaben.
Neugierig versuchte ich meine beiden Mädchen zu finden, hatte jedoch keinen Erfolg und hoffte, dass, wenn ich das ganze Abschlussjahr fotografierte, sie schon auf einem der Bilder zu sehen sein würden.
Erst kurz bevor die Direktorin mit ihrer Rede begann, entdeckte ich die beiden und schoss noch einige Fotos, bevor ich versuchte der langweiligen Stimme von Mrs. Meyer zu lauschen.
Nach ihrer Rede folgten noch unzählige Lehrer, die ihren Schülern noch die besten Wünsche mit auf den Weg gaben und erst als die Zeugnisse übergeben wurden, konnte ich mich wieder richtig konzentrieren.
Schon jetzt stiegen mir die ersten Tränen in die Augen und ich war Leah dankbar, als sie mir vorschlug die Fotos von Nessie und Emily zu schießen, damit ich diesen Moment voll und ganz genießen konnte.
Als der Name ‚Vanessa Black’ aufgerufen wurde, gab es für mich keinen Halt mehr.
Zu sehen, wie sie auf diese kleine Bühne stieg, ihr Zeugnis entgegennahm und daraufhin ihre Quaste in die Hand nahm und sie auf die andere Seite ihrer Kappe platzierte.
Meine Tränen rannen mir übers Gesicht und ich gab mir nicht einmal die Mühe, sie wegzuwischen, denn ich wusste, dass es sinnlos wäre.
Das Lächeln auf Nessies Gesicht war wunderschön und strahlte unglaublich und als sie uns entdeckte, winkte sie uns zu. Ich erwiderte ihr Lächeln, konnte meinen Stolz nicht verbergen und warf ihr mit meinen Händen lauter Luftküsse zu.
Erst, als Nessie von der Bühne wieder verschwand, sah ich zu Jake und erkannte, dass es ihm nicht besser ging als mir. Auch ihm kamen die Tränen und er war Manns genug, dass er sich nicht dafür schämte.
Edward streichelte währenddessen die ganze Zeit meinen Oberschenkel und selbst bei ihm konnte ich feuchte Augen entdecken.
Doch das waren gewiss nicht die letzten für den heutigen Tag.
‚Emily Elizabeth Cullen’ wurde nur wenige Minuten später aufgerufen und die Tränen begannen erneut zu fließen.
Denn heute war der Tag, an dem ich nicht nur einer Tochter dabei zusah, wie sie die High School verließ.
~*~*~
Nachdem die letzten Schüler aufgerufen wurden, die Absolventen ihre Kappen durch die Luft warfen und alle Eltern und deren Gäste applaudierten, machten wir uns auf den Weg nach hinten und warteten auf die beiden Mädchen.
Meine Tränen waren derweil getrocknet und dank dem Spiegel in meiner Tasche und Alice’ Hilfe sah ich sogar wieder vorzeigbar auf.
„Das war eine schöne Feier“, sagte Edward und nahm mich in den Arm.
„Ja, sehr schön sogar“, bestätigte ich und kuschelte mich an seine Brust, so lange, bis ich sah, wie Nessie und Emily sich endlich von ihren Mitschülern und Lehrern losreißen konnten und sie zu uns kamen.
Jeder von uns nahm sie in die Arme, gratulierte ihnen und verkündete, wie stolz wir doch alle auf sie waren.
Die traditionellen Bilder schossen wir etwas abseits der Menschenmenge an einem kleinen, wunderschönen Platz, voll mit hübschen Blumen, die in allen Farben erstrahlten.
Genau der passende Ort.
„Hey, warte! Mom, du musst auch mit auf das Bild.“
Ich erstarrte in meiner Bewegung, als mir Leah gerade meine Kamera zurückgab, damit ich ein Foto von Edward und Emily schießen konnte.
Hatte ich es gerade richtig verstanden?
Emily schien selbst ziemlich verwundert zu sein, was sie gerade gesagt hatte und wurde zunehmend nervös, nachdem ich nichts weiter darauf sagte.
„Nun ja... Für mich bist du nun einmal meine Mom... Ich hatte nie eine Mom, bis du aufgetaucht bist... Macht es dir etwas aus… wenn ich dich so nenne?“, fragte Emily zögernd und kam langsam auf mich zu.
„O…Okay? Süße, das… das ist…“ Ich brach meinen Satz ab, nahm sie einfach nur in meine Arme und drückte sie fest an mich.
Emily erwiderte meinen Druck so fest, dass mir beinahe die Luft wegblieb, doch das war mir egal.
„Ich würde mich geehrt fühlen, wenn du mich so nennst“, flüsterte ich in ihr Ohr, nachdem wir uns einige Minuten schweigend umarmt hatten und ich merkte, dass mir weitere Tränen die Wange hinab flossen.
Und in diesem Moment war ich der glücklichste Mensch auf der Welt, denn ich hatte zwei wunderschöne Töchter, dessen Leben gerade erst richtig begann und einen wundervollen Sohn, dessen Vater der beste Mann auf der Welt war.
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