Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Freitag, 15. Juli 2011

Kapitel 57 - Zusammen vereint

Bella POV

Okay… Keine Panik…!

Ich durfte nicht in Panik ausbrechen, doch ich konnte nichts dagegen tun, dass ich am ganzen Leib zitterte.

Chris bemerkte meine Anspannung und war dementsprechend unruhig und quengelte, doch ich war froh, dass er immerhin nicht angefangen hatte zu schreien.

Was hatte ich mir nur dabei gedacht?

Zwei Jahre wohnte ich nun schon hier und noch nie war etwas passiert.
Natürlich war mir von Anfang an bewusst, dass die Gegend, in der wir lebten, nicht die sicherste war, doch bisher war nie etwas passiert.

Jedenfalls nicht bis vor wenigen Stunden.

Ich konnte es einfach nicht fassen. Wie konnte ich es nur zulassen, dass wir hier weiterhin lebten?

So viele Geschichten hatte ich schon über diese Gegend gehört, aber ich dachte mir, dass es hier nicht passieren würde. So irrsinnig wie ich war dachte ich tief in meinem Inneren wirklich, dass wir hier sicher waren.

Aber das waren wir nicht und, um ehrlich zu sein, war ich froh, dass Nessie diese Nacht schon bei ihrem Vater war und dort schlief, denn sie sollte das hier nicht miterleben.

In meinem ganzen Leben hatte ich noch nie so gezittert.
Einerseits war es aus Angst, andererseits war es auch die Erleichterung in mir, die sich so bemerkbar machte.

Wenn ich mir nur vorstellte, dass… Nein…!
Damit sollte ich aufhören, mir Dinge auszumalen, die so nicht geschehen waren.
Aber was wäre, wenn es wirklich so gekommen wäre? Wenn… Schluss!

Wichtig war, dass ich jetzt einen klaren Kopf behielt.

Niemandem würde es helfen, wenn ich zu einem Wrack mutieren würde. Am allerwenigsten mir.


Es war mitten in der Nacht und ich hatte nicht einmal überlegt, ob ich Edward anrufen sollte oder nicht. Ich tat es einfach. Ich brauchte ihn. Jetzt und hier.

Er war der einzige, der es schaffen könnte, mich zu beruhigen und ich wusste, dass er für mich da war.

Doch am Telefon war ich mit meinen Nerven so am Ende, dass ich keinen vernünftigen Satz herausbekam und ich zählte bereits die Minuten, bis Edward endlich bei mir wäre.

Was ich brauchte war einfach nur seine Gegenwart.
Ich musste ihn riechen und wollte seine Arme um mich fühlen, denn dann würde ich wissen, dass ich in Sicherheit war.
Nichts und niemand würde mir noch etwas antun können, solange Edward nur bei mir wäre und mich beschützte.

Aber es kam mir vor wie eine Ewigkeit, bis ich es an meiner Tür klopfen hörte.

Wahrscheinlich war die Tür unten immer noch offen…

Das Klopfen wurde energischer und auch wenn ich wusste, dass es nur Edward sein konnte, traute ich mich nicht, sie aufzumachen.
Allerdings… Ich hatte Edward vor gerade einmal zwanzig Minuten angerufen und normalerweise brauchte er immer eine halbe Stunde bis zu mir.

Vielleicht war es auch einer der Polizisten, die noch unten stehen mussten.

Aber seit wann klopfte die Polizei so energisch an anderen Türen? Hatte ich nicht schon all ihre Fragen beantwortet?

Behutsam legte ich Chris wieder in seine Wiege und ging langsamen Schrittes zur Tür.

„Bella! Schatz, ich bin es. Mach auf“, hörte ich ihn durch die Wände rufen, woraufhin sich meine Schritte beschleunigten.

Er war hier! Endlich war er hier! Wie hatte er es nur so schnell geschafft?

„Edward!“, rief ich erleichtert und warf mich in seine Arme, sobald ich die Tür endlich aufbekommen hatte. Das Zittern hatte immer noch nicht aufgehört. Die Angst konnte ich noch deutlich in mir spüren.

„Bella! Geht es dir gut? Wo ist Chris?“, fragte er, packte mich an meinen Schultern und hielt mich eine Armlänge von ihm entfernt.

Mit seinen Augen sah er mich genau an. Erst mein Gesicht, dann den Rest meines Körpers, wollte sicher gehen, dass ich unversehrt war.

„Uns geht es gut“, schniefte ich, als ich merkte, dass die Tränen sich ihren Weg in die Freiheit bahnten.

„Ich bin so froh, dass du da bist!“ Und noch ehe ich die Worte ausgesprochen hatte, lag ich wieder in seinen Armen und klammerte mich an ihm fest, als ob er mein Rettungsanker wäre.

Eine Weile standen wir nur schweigend da. Die Tür stand noch sperrangelweit offen, doch das war mir egal. Edward war hier und ich war sicher.

„Was ist denn passiert? Wieso ist die Polizei hier?“, fing er an seine Fragen zu stellen, die ihm vermutlich schon durch den Kopf gegangen waren, seitdem ich ihn angerufen hatte. Ich war mir sicher, dass er noch mehr Fragen hatte, doch ich war froh, dass er mich mit diesen nicht sofort konfrontierte.

„Lass… Lass uns ins Wohnzimmer gehen. Chris ist die ganze Zeit schon unruhig und vielleicht beruhigt er sich etwas, wenn er dich sieht.“ Die Tränen, die noch immer über meine Wangen liefen, wischte ich mit meinem Ärmel ab und hoffte, dass nicht noch weitere Tränen kommen würden.

Ich schämte mich nicht, vor Edward zu weinen, aber ich wollte ihm nicht noch mehr Sorgen bereiten.

Edward nahm mich sofort bei der Hand und ließ die Wohnungstür hinter uns ins Schloss fallen. Schnellen Schrittes gingen wir ins Wohnzimmer und ich konnte Chris hören, wie sein Quengeln immer lauter wurde. Es hatte ihm überhaupt nicht gefallen, dass ich ihn wieder in seine Wiege gelegt hatte.

„Hey kleiner Mann“, sagte Edward liebevoll, nahm Chris in seine Arme und hielt ihn fest. Er schien erleichtert zu sein, sich selbst davon überzeugen zu können, dass es seinem Sohn gut ging.

„Ganz ruhig, Kleiner. Daddy ist ja jetzt da“, flüsterte er seinem Sohn beruhigend zu und streichelte ihm über die Wange.  

Chris war oft ruhiger, wenn Edward da war. Er schien seine Abwesenheit oft spüren zu können, was es mir oft schwerer machte, meinen kleinen Jungen zu beruhigen, wenn sein Vater nicht in der Nähe war.

„Erzählst du mir, was passiert ist?“, wollte Edward von mir wissen und sah besorgt zu mir herüber. Als Antwort nickte ich ihm bloß zu und setzte mich auf die Couch.

Edward drückte Chris noch einen Kuss auf seinen kleinen Kopf und legte ihn wieder hin, weil er sich einigermaßen beruhigt hatte.

Sobald Edward neben mir saß, fing ich an zu erzählen.


„Es… Es war mitten in der Nacht, als Chris geschrieen hatte. Ich war gerade damit fertig, ihm seine Milch zu geben, als ich diese Geräusche hörte…“

Bei dieser Erinnerung begannen meine Hände nur noch wilder zu zittern. Es half nichts, sie auf meine Beine zu legen oder sie zwischen meinen Knien zu verbergen. Das Zittern spürte ich am ganzen Körper.

Natürlich blieb meine Reaktion Edward nicht verborgen. Er rückte näher zu mir, nahm meine Hände in seine und streichelte sanft mit seinem Daumen über meinen Handrücken.

„Rede weiter“, flüsterte er sanft und hauchte einen Kuss auf meine Finger.

„Ich… Ich wusste nicht, was es war, also habe ich aus dem Fernster gesehen, aber da war nichts. Ich dachte, ich hätte mir diesen Lärm nur eingebildet und dass ich nur fantasiert hatte. Es hätte doch sein können, dass die Erschöpfung mir schon Streiche gespielt hat, aber so war es nicht…“

Die Tränen gewannen wieder die Macht über mich und ich konnte es nicht verhindern, dass sie mir wieder über die Wangen liefen.

„Als ich Chris wieder hingelegt hatte, hatte ich es wieder gehört, aber ich konnte nicht genau einordnen, woher es kam. Geschweige denn dass ich wusste, was genau diesen Lärm verursacht hatte. Also bin ich zur Wohnungstür, hab sie aufgeschlossen und hinausgespäht. Ich dachte, vielleicht würde ich so mehr hören und dann… da…“

Ich konnte nicht mehr weiterreden. In meinem Kopf sah ich die Situation genau vor mir und ich hörte noch immer die Geräusche, die meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatten.

Edward neben mir verkrampfte sich. Seine Körperhaltung war steif und seine Hände hielten meine fester umschlossen.

„Da… Da hörte ich auf einmal diesen Schrei… Es war eindeutig, dass da jemand geschrieen hatte.“

Immer und immer wieder hörte ich dieses fürchterliche Schreien in meinem Kopf hallen.
Voller Angst… Voller Furcht… Voller Schrecken…

„Ich… Ich wusste erst gar nicht, was ich tun sollte. Als wäre ich festgefroren stand ich an der Wohnungstür. Ich hatte solche Angst…“, schluchzte ich auf und lehnte mich an Edwards Schulter. Es machte ihm nichts aus, dass ich sein Shirt mit meinen Tränen wässerte. Während er meine Hände noch immer mit einer Hand festhielt und mit der anderen meinen Rücken auf und ab streichelte, versuchte ich mich zusammenzureißen um ihm auch noch den Rest zu erzählen.

„Als ich das nächste Geräusch hörte, war ich wieder ganz bei mir. Einerseits wollte ich runter, sehen was passiert ist, doch ich konnte Chris nicht einfach allein lassen, also bin ich wieder in die Wohnung, habe die Tür abgeschlossen und sogar die Kommode davor gestellt und dann habe ich die Polizei angerufen und habe ihnen erzählt, was ich gehört habe. Ein paar Minuten später waren sie schon da. Polizei und Krankenwagen.“

Noch einmal holte ich tief Luft, in der Hoffnung, dass Edwards Duft mich beruhigte, bevor ich zum Ende meiner Erzählung gelangte.

„Anscheinend sind zwei Jugendliche bei Mrs. Montrey eingebrochen. Sie… Sie haben auf sie eingeschlagen, als sie von ihr überrascht wurden… Auf eine alte Frau… Wer tut nur so etwas? Einfach auf eine arme, wehrlose, alte Frau einzuschlagen? Sie mussten doch wissen, dass jemand dort war. Dass dort jemand schlief!“

Es wollte einfach nicht in meinen Kopf rein, wie jemand etwas derart schreckliches tun konnte. Sie hatte doch nichts getan!

Mrs. Montrey war immer für Nessie und mich da gewesen, seitdem wir nach Chicago gezogen waren. Sie war so eine liebe Frau…. Sie hatte so etwas nicht verdient. Niemand hatte das!

Edward hatte nichts mehr gesagt, seitdem ich aufgehört hatte zu reden.
Seine Arme hatten sich um mich geschlungen, hielten mich ganz nah bei sich, während ich mich in sein Shirt krallte.

„Wie… wie geht es Mrs. Montrey? Ist sie…“, fing er an, ließ jedoch den Rest des Satzes in der Luft hängen.

„Sie war bewusstlos, als die Polizei hier eintraf“, antwortete ich ihm wie in Trance.
„Gott sei Dank kam der Krankenwagen kurz nachdem die Polizei hier eintraf. Wer weiß, was sonst passiert wäre… Sie haben sie mitgenommen, aber wie es ihr genau geht, weiß ich nicht… sie wollten nichts sagen.“
Als die Polizisten meine Aussage aufgenommen hatten, konnte ich sehen, wie die Sanitäter Mrs. Montrey mit einer Trage hinausgebracht hatten. Diesen Anblick würde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen können.

„Du hast getan, was du tun konntest. Es war richtig, sofort die Polizei anzurufen“, sagte er irgendwann, nachdem wir eine Weile geschwiegen und unseren Gedanken freien Lauf gelassen hatten.

„Ich hätte viel mehr tun können“, erwiderte ich nur darauf und sah ihn an.
„Ich hätte bei einem der anderen Nachbarn klopfen sollen, nachdem ich die Polizei verständigt habe. Aber ich hab mich, feige wie ich bin, in meine Wohnung eingesperrt und darauf gewartet, dass Hilfe kommt. Es hätte anders kommen können…“

Schuldgefühle plagten mich. Es war mein Instinkt gewesen, der mir gesagt hatte, ich sollte in der Wohnung bleiben. Mich um Chris kümmern. Auf uns aufzupassen.
Stattdessen hätte ich bei einem Nachbarn anklopfen sollen. Ihn um Hilfe bitten. Aber in diesem Moment war mir dieser Gedanke gar nicht erst gekommen.
Ich war wie gelähmt gewesen von der Vorstellung, wie jemand in unser Haus eindrang.

„Schatz, es ist nicht deine Schuld. Du hast getan, was du konntest. Du hast die Polizei angerufen und diese Dreckskerle wurden geschnappt. Gib dir bitte nicht die Schuld für etwas, was du nicht beeinflussen konntest. Wenn du zu einem der Nachbarn gegangen wärst, wäre vielleicht so viel Lärm entstanden, dass sie dich gehört hätten, wie du an andere Türen hämmerst und entweder sie wären geflohen, oder… oder sie hätten dich als nächstes… angegriffen.“

Seine Stimme war voller Schmerz, als er die letzen Wörter aussprach. Er nahm mein Gesicht in seine Hände, drehte meinen Kopf so, dass ich direkt in seine smaragdgrünen Augen sehen musste und sprach weiter.

„Ich bin so froh, dass dir und Chris nichts passiert ist. Ich will gar nicht daran denken, wenn diese… wenn sie hier eingedrungen wären…“, flüsterte er und ich konnte die Angst in seiner Stimme hören.

Um ihn zu beruhigen legte ich meine Hand an seine Wange und strich behutsam über seine Haut, an der sich schon die ersten Bartstoppeln bildeten.

„Uns geht es gut“, hauchte ich im selben Ton zurück und kam seinem Gesicht näher.

Seine Augen hielten mich gefangen. Das einzige, was ich wollte, war Edward. 
Ohne ihn wüsste ich nicht, wie ich mein Leben überstehen sollte und ich hatte viel zu lange gebraucht, um das zu verstehen.

Der Kuss mit Tanya nagte immer noch an mir, doch ich war bereit, ihm zu verzeihen.
Eigentlich hatte ich ihm schon längst verziehen.

Es war ein Kuss… Ein Kuss, der für ihn keine Bedeutung hatte. Er liebte mich. Nur mich und das war alles, was ich wollte. Es war alles, was zählte.
Edward und ich brauchten einfach nur einen Neuanfang. Wir mussten die Vergangenheit hinter uns lassen und uns auf die Zukunft konzentrieren.

Und genau das tat ich.

Als seine Lippen auf meine trafen, fing mein ganzer Körper an zu kribbeln.
Sein Geschmack und die Art, wie sich seine Lippen an meinen anfühlten, waren immer wieder aufs Neue überwältigend. Wie er mich küsste und liebkoste… Es war einfach unglaublich.

Ich liebte ihn. Oh Gott ja, und wie ich ihn liebte.
Mein Herz. Meine Seele. Mein Geist. All das gehörte nur ihm und es würde immer nur seins sein.

„Ich will, dass du und Chris zu mir kommt“, sagte Edward, nachdem er meine Lippen wieder freigegeben hatte.

„Was?“, fragte ich ihn, um sicherzustellen, dass ich ihn richtig verstanden hatte.

„Bella, ich will dich und meinen Sohn nicht noch eine Minute länger hier lassen. Und diesmal lasse ich ein Nein als Antwort nicht gelten. Pack für heute erst einmal das Nötigste ein, den Rest werden wir dann nach und nach holen.“  

Völlig perplex sah ich ihn an. Meinte er es ernst?
Seinem Tonfall und dem Ausdruck in seinen Augen nach zu urteilen, schien es sein völliger Ernst zu sein.

„Edward, warte“, warf ich ein, als er aufstand und geradewegs in mein Schlafzimmer ging.  
„Ich kann doch nicht einfach…“, fing ich an, doch schon im nächsten Moment wurde ich von ihm unterbrochen.

„Bella, du kannst und du wirst. Weißt du, was für eine Angst ich hatte, als du mich angerufen hast und mir völlig aufgelöst erzählt hast, dass die Polizei bei dir war? Ich war noch nie froh darüber, dass du hier wohnst, aber jetzt, wo in diesem Haus eingebrochen wurde, werde ich dich und Chris ganz bestimmt nicht mehr hier lassen. Tu mir bitte diesen Gefallen. Nur dieses eine Mal. Ich will mich mit dir nicht streiten, aber mir sind deine Sicherheit und die unseres Sohnes wichtig. Bitte!“

Das war gemein. Wirklich, abgrundtief gemein.

Natürlich wusste ich, dass er Recht hatte. Und spätestens als er erwähnt hatte, dass Chris und ich hier nicht mehr sicher waren, hatte er mich überzeugt.

Aber… Es war immer noch mein Zuhause…
Hier hatte ich mein neues Leben in Chicago begonnen, hatte mir alles aufgebaut.

Ja, die Wohnung war winzig. Ein Schuhkarton war größer, dennoch fühlte es sich wie ein Zuhause an.

Bis zur heutigen Nacht hatte ich mich auch immer sicher gefühlt. Zwar wusste ich von Anfang an, dass diese Gegend nicht sicher war, allerdings gab es nie einen Grund, mich anders zu fühlen. Wie gesagt, bis zu dieser einen Nacht.

Würde ich es wirklich aushalten, hier weiterhin zu leben?
Würde ich hier jemals wieder ein Auge zu kriegen, ohne die Ereignisse dieser Nacht vor Auge zu haben? Und noch wichtiger: Wollte ich meinen Sohn wirklich in solch einer gefährlichen Gegend aufwachsen lassen?

Die Antwort war ganz eindeutig: Nein!

So sehr ich meine Wohnung auch liebte, egal wie klein sie auch war, viel wichtiger war es mir, dass ich, zusammen mit meinem Kind, an einem sicheren Ort war.

„Okay“, gab ich mich einverstanden, auch wenn Edward wahrscheinlich gar nicht darauf gewartet hatte, dass ich meine Zustimmung gab. Wenn es um die Sicherheit der eigenen Familie ging, war mit Edward nicht zu spaßen. Und genau das waren wir: Eine Familie.

„Aber ich packe meine Sachen selbst ein. Du kannst dich um Christophers Sachen kümmern“, bemerkte ich und stand von der Couch auf, doch als ich an ihm vorbeigehen wollte, hielt er mich sanft an meinem Arm fest.

„Ich bin so froh, dass euch nichts passiert ist“, sagte er, hob seine Hand und strich damit liebevoll über meine Wange.

Ein Prickeln ging durch meinen ganzen Körper. Es fühlte sich so gut an, wenn er mich berührte, egal wie unschuldig diese Berührung auch sein mochte.

„Ich liebe dich“, flüsterte er mir ins Ohr und löste damit eine Gänsehaut bei mir aus.

Als ich in seine Augen sah, konnte ich all die Liebe erkennen. All die Sorgen und all den Schmerz aus der Vergangenheit. Selbst wenn diese Wunden schon geheilt waren, dieser Teil machte nun unsere Persönlichkeit aus.

Es stimmte wahrhaftig: Die Augen waren das Tor zur Seele.

„Ich liebe dich auch“, sagte ich leise, stellte mich auf meine Zehenspitzen und berührte nur kurz seine Lippen, bevor ich in mein Zimmer ging und nur das Nötigste in eine Tasche packte.


Nachdem ich alles beisammen hatte, machten wir uns auf den Weg zu Edward.
Mittlerweile war es schon sechs Uhr am Morgen, doch von Müdigkeit war bei mir keine Spur.
Der Schreck saß mir immer noch in den Knochen und ich fragte mich andauernd, ob es Mrs. Montrey den Umständen entsprechend gut ging.

„Du könntest erstmal ins Gästezimmer ziehen“, durchbrach Edward irgendwann die Stille und sprach gerade einmal so laut, dass er den rörenden Motor übertönte, damit ich seine Worte verstand.

Unser Sohn schlummerte seelenruhig in seinem Sitz, weshalb wir es unterlassen hatten das Radio anzustellen.  

„Erstmal… Ja“, stimmte ich ihm zu und sah aus dem Fenster.

Um ehrlich zu sein wusste ich nicht, wo ich demnächst leben sollte.
Ich wusste, Edward würde sich darüber freuen, wenn wir bei ihm leben würden, doch ich war mir nicht sicher, ob es für unsere Beziehung der klügste Schritt wäre.

Chris würde sich bestimmt auch freuen, wenn er seinen Daddy öfter sehen könnte, doch sicher wäre es auch in seinem Interesse, dass die Beziehung zwischen seinen Eltern funktionierte.

Aber wo sollte ich sonst hin? Ich hatte nicht genügend Geld, um mir eine Wohnung in einer sicheren Gegend leisten zu können.  

„Weißt du, ich habe da über etwas nachgedacht“, sprach Edward zögerlich und ich drehte mich wieder zu ihm um.

„Worüber?“, hakte ich nach und sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen neugierig an.

Prüfend ließ er seinen Blick zwischen mir und der Straße hin und her wandern, ehe er fort fuhr zu reden.

„Du erinnerst dich an die Wohnung in meinem Haus? Im obersten Stockwerk?“, wollte er von mir wissen und ich nickte ihm verwirrt zu.

„Du meinst Emilys zukünftige Wohnung? Natürlich erinnere ich mich daran. Was ist damit?“, fragte ich ihn neugierig und beobachtete ihn weiter.

„Naja… Ich hatte mit Emily neulich ein kleines Gespräch und sie würde sich freuen, wenn du und Chris in unsere Nähe wärt“, erklärte er mir, sah dabei jedoch konzentriert auf die Straße.

Nur wenn ich genaue hinsah konnte ich erkennen, wie er aus dem Augenwinkel meine Reaktion beobachtete.

„Du willst, dass ich dort einziehe?“, hakte ich noch einmal nach und runzelte die Stirn.

„Nun ja… Ja“, bestätigte er und sah mich endlich an, auch wenn dies nur für den Bruchteil einer Sekunde geschah, schließlich musste er immer noch auf die Straße konzentrieren.

„Aber bitte, bevor du eine Entscheidung triffst, hör an was ich dir zu sagen habe“, fuhr er fort, noch ehe ich Luft geholt hatte um irgendetwas darauf zu erwidern.

„Eigentlich wollte ich damit warten, bis wir uns in unserer Beziehung sicherer fühlen, aber unter den gegebenen Umständen… Bella, ich weiß, das geht dir vermutlich zu schnell, aber wir sind jetzt eine Familie und nach dem, was heute passiert ist, will ich dich nicht mehr alleine lassen. Ich will dich und unseren Sohn am liebsten immer bei mir haben. Ich vermisse ihn und ich vermisse dich. Also bitte ich dich… überleg es dir wenigstens, okay?“ Edward sprach mit solch einer Leidenschaft, dass es mich beinahe umhaute.

Ich wusste, dass Edward seinen Sohn vermisste, genauso sehr wie Chris sich nach seinem Vater sehnte. Besonders wenn Chris seinen Daddy sah, war er viel fröhlicher und weinte viel weniger.

„Okay“, sagte ich. „Ich überleg es mir.“


Der Rest der Fahrt verlief stillschweigend.
Edward hielt die ganze Zeit über meine Hand und ich erwiderte seinen Druck.

Diesmal musste ich es richtig anstellen.

Wenn ich mich dazu entscheiden sollte, nicht zu ihm zu ziehen, sollte ich es ihm so erklären, dass er meine Beweggründe verstand.
Nicht so wie damals, als ich seinen Heiratsantrag abgelehnt hatte und er einfach verschwand. In die Arme einer anderen Frau.

Edward würde verstehen, wenn ich mich dagegen entscheiden sollte. Er wäre damit zwar nicht einverstanden, aber er würde mich verstehen. Er hatte sich geändert.
Wir alle hatten uns geändert.

Als wir das Haus erreichten, begann es langsam hell zu werden.
Der schwarze Himmel wurde in ein dunkles Blau getaucht. Ein neuer Tag brach an.
Ein Tag voller Veränderungen.

„Da wären wir“, sagte Edward unnötigerweise und sah grinsend zu mir herüber.

„Da wären wir“, bestätigte ich und stieg aus.

„Am besten nimmst du Chris und ich nehme die Taschen“, schlug Edward vor, ging zum Kofferraum und holte die zwei Taschen heraus, wobei in der Tasche von Chris viel mehr drin war, als in meiner. Zwar hatte Edward hier ein eigenes Zimmer für Chris eingerichtet, in dem sogar einige Sachen waren, trotzdem hatte Edward alles für ihn eingepackt, was er in die Finger kriegen konnte.

Chris schlief immer noch, als ich ihn samt Maxi-Cosi aus dem Wagen nahm, doch es war bestimmt nur eine Frage der Zeit, bis er wieder wach werden würde.

„Bist du bereit?“, fragte mich Edward, als ob wir auf einer geheimen Mission unterwegs wären.

Es war ja nicht so, als ob ich noch nie hier gewesen wäre. Und es war auch nicht so, dass ich noch nie in diesem Haus übernachtet hätte.
Trotzdem war es diesmal etwas anderes.

Ich würde hier nicht nur übernachten, ich würde eine Weile hier wohnen. Und ich würde nicht zusammen mit Edward in einem Bett schlafen.
Es war vollkommen anders.

„Klar“, antwortete ich nur und ging mit ihm ins Haus.

Sobald die Tür hinter uns ins Schloss gefallen war und wir uns auf den Weg ins Wohnzimmer machen wollten hörte, vernahm ich laute Schritte.

Emily kam, noch völlig verschlafen, die Treppen herunter und bemerkte uns nicht einmal.
Jedenfalls nicht bis Chris ein Geräusch von sich gab und somit die Aufmerksamkeit auf uns zog.

Mitten auf den Stufen blieb sie stehen und ruckte ihren Kopf in unsere Richtung.

„Bella?“, fragte sie vollkommen verwirrt und sah mich an, als ob sie mich zum aller ersten Mal sehen würde.

„Guten Morgen, Kleines“, begrüßte ich sie und versuchte dabei so zu klingen, als wäre es etwas vollkommen gewöhnliches, um diese Uhrzeit in diesem Haus zu sein.

„Schlafe ich etwa noch? Ist das ein Traum?“ Ihre Frage klang so ernst, dass ich mir dabei ein Lachen verkneifen musste.

„Komm doch erst einmal runter, trink einen Kaffee und dann erklären wir dir alles“, sagte Edward, stellte die Taschen auf den Fußboden und nahm mir Christopher ab.

„Darf ich meinem Bruder wenigstens noch Guten Morgen sagen?“, wandte sie sich zickig an Edward und funkelte ihn aus grünen Augen an.

Ich vergaß manchmal, dass Emily ein kleiner Morgenmuffel war. Am besten wäre es für alle, man würde mindestens eine Stunde warten, bevor man sie ansprach. Besonders dass Edward ihr gesagt hatte, was sie jetzt am besten tun sollte, gefiel Emily gar nicht.

Das Einzige, was Edward darauf erwiderte, war ein Seufzen. Er nahm Chris auf den Arm, der jeden Moment aufwachen würde, und lief mit ihm zusammen zu Emily.

Sofort hellte sich ihre verschlafene und gereizte Miene auf und sie nahm ihn Edward vorsichtig ab, drückte ihn an sich und gab ihm einen Kuss auf seinen kleinen Kopf.


Nachdem Emily noch eine Weile ihren Bruder geknuddelt hatte, ging sie wieder nach oben um sich für die Schule fertig zu machen, während ich zusammen mit Chris ins Wohnzimmer ging, ihn fütterte und Edward den kleinen Mann anschließend wickelte.

Es dauerte keine halbe Stunde, bis Emily wieder unten war und zusammen mit einer Tasse brühwarmen Kaffee setzte sie sich uns gegenüber.

„Also…“, fing Emily an und sah misstrauisch zu uns herüber.

„Nicht, dass ich mich nicht freuen würde, dass du hier bist, aber ich versteh das nicht. Wollt ihr zwei durchbrennen?“, fragte sie und deutete auf die Taschen, die im Wohnzimmer herumstanden.
„Also wenn ihr wollt, dass ich währenddessen auf Chris aufpasse und dafür die Schule schwänze, habe ich kein Problem damit“, sagte sie grinsend und nippte an ihrer Tasse.

„Emily!“, sprach Edward warnend aus und sah sie mit demselben Funkeln in den Augen an, wie Emily ihn angesehen hatte, kurz nachdem sie aufgestanden war.

„Okay, okay. Humorfreie Zone. Hab schon verstanden. Also?“, hakte sie noch einmal nach und sah immer abwechselnd zwischen ihrem Dad und mir herüber.

Kurz sah ich zu Edward, wusste nicht so recht ob er es ihr erzählen wollte oder ob ich es tun sollte, doch noch ehe ich den Mund aufmachen konnte, fing Edward an zu erklären.

„Bei Bella im Haus wurde eingebrochen“, kam er direkt zum Punkt und ich sah, wie Emily entsetzt die Augen aufriss.

„WAS?“, schrie sie und erschreckte dabei Christopher, der dadurch anfing wie am Spieß zu schreien.

Edward stand daraufhin seufzend mit unserem Sohn auf und lief durch das Wohnzimmer, in der Hoffnung ihn so beruhigen zu können.

„Ups“, sagte Emily reumütig, nachdem sie ihre Hände wieder runter nahm, welche sie sich nach ihrem Aufschrei vor dem Mund geschlagen hatte.

„Was ist passiert?“, frage sie mich so leise, dass ich mich vorbeugen musste um sie zu verstehen. Anscheinend wollte sie Chris nicht noch mehr verschrecken, doch bei Christophers lautem Organ hätte sie ruhig in normaler Stimmlage sprechen können.

Während ich Emily die Situation erklärte, ohne zu sehr ins Detail zu gehen, beobachtete ich, wie Emily nach jedem Satz immer geschockter aussah.
Am Ende meiner Erzählung kam sie zu mir herüber, erklärte mir, wie froh sie darüber war, dass uns nichts passiert war und zog mich dabei in eine lange Umarmung, während sie mir dabei immer wieder beteuerte, wie cool sie es fand, dass wir bei ihnen wohnen würden.
Über ihre Schulter hinweg sah ich zu Edward, der am anderen Ende des Raumes stand, Chris dabei immer noch auf dem Arm hielt und uns mit einem Lächeln auf den Lippen beobachtete.

Nachdem Emily wieder nach oben gegangen war, griff ich nach meinem Handy.
Ich musste Nessie noch von dem ganzen Vorfall erzählen und ich wollte nicht, dass Emily das für mich übernahm und ich wusste, dass sie es nicht für sich behalten konnte, bis die Schule zu ende war.  

Nessie klang am Telefon genauso schockiert, wie Emily vor wenigen Minuten noch ausgesehen hatte, doch genauso wie ich sorgte sie sich um Mrs. Montrey und ich versprach ihr, sie sofort anzurufen, sobald ich etwas Neues in Erfahrung gebracht hatte.
Sie erklärte mir, dass sie, solange ich noch nicht wusste, wo wir letztendlich leben würden, bei Jake bleiben würde und legte dann auf.

Emily war schon losgefahren, Edward jedoch war immer noch da.

„Solltest du nicht schon längst bei der Arbeit sein?“, fragte ich ihn, schließlich ging er meistens schon um halb sieben Uhr aus dem Haus und das war für ihn schon viel zu spät.

„Ich dachte mir, ich bleibe heute hier bei dir und Chris“, erklärte er mir und zuckte dabei, wie ein unschuldiger kleiner Junge, mit den Schultern.

Es war ein wirklich schönes Gefühl zu wissen, dass Edward viel lieber bei mir und unserem Sohn sein wollte, als bei der Arbeit, schließlich war er vor einem Jahr noch das beste Beispiel für einen Workaholic gewesen.

„Sei nicht albern. Egal wie gut du in deinem Beruf bist, du kannst dir nicht immer frei nehmen, nur um bei mir und Chris zu sein. Heute Abend sind wir auch noch da und je eher du zur Arbeit fährst, desto eher bist du wieder hier. Bei mir.“

Das Lächeln auf seinem Gesicht war unbezahlbar und sofort wünschte ich mir, ich hätte eine Fotokamera zur Hand, nur damit ich dieses Lächeln für immer einfangen konnte.

Eine ganze Weile musste ich auf ihn einreden, dass er ruhigen Gewissens zur Arbeit gehen konnte, dafür brauchte er mindestens genauso lange mich davon zu überzeugen, dass er den Aston Martin nehmen würde, damit ich, wenn ich irgendwo hingehen wollte, seinen Audi nehmen konnte.

Das Auto war viel zu teuer und ich hatte Angst, damit zu fahren und es kaputt zu machen, schließlich wusste ich, wie viel Edward seine Autos liebte, aber wenn ich mich nicht mit ihm streiten wollte, blieb mir gar keine andere Wahl als es zu akzeptieren.
Ich musste ihn ja nicht unbedingt fahren, oder?

Und dennoch tat ich es.  

Wenige Stunden, nachdem Edward aus dem Haus war, und ich nichts mit mir anzufangen wusste, schnappte ich mir Christopher und fuhr mit ihm zu Alice’ Buchladen.

Die kleine Elfe hatte nicht mit uns gerechnet, freute sich aber sehr über meinen Besuch und darüber, dass sie Chris mal wieder sehen konnte.

Alice wäre nicht Alice, wenn sie mich in der Zeit, in der es im Laden ruhig war, nicht über alles Mögliche ausfragte, besonders was mein Liebesleben anging.

Ich blieb solange im Laden, bis Alice Feierabend machte.
Chris blieb die meiste Zeit über ruhig, nur ab und zu musste ich mit ihm nach hinten in den Personalraum gehen um ihn zu füttern, seine Windeln zu wechseln oder ihn einfach nur zu beruhigen, wenn er mal quengelte.

Zusammen mit Alice ging ich noch in den Supermarkt, suchte mir die Zutaten heraus, die ich für das heutige Abendessen benötigen würde und verabschiedete mich wieder von meiner Freundin, bevor ich wieder nach Hause fuhr. Die gemeinsamen Stunden mit meiner besten Freundin taten mir gut, ich fühlte mich besser.

Sobald Nessie mit Emily nach Hause gekommen war, bot Nessie mir ihre Hilfe beim Kochen an, während Emily sich die Zeit nahm um, solange ich in der Küche stand, sich mit Chris zu beschäftigen.
Ich erzählte meiner Tochter, dass ich heute Morgen noch im Krankenhaus angerufen hatte und dass es Mrs. Montrey den Umständen entsprechend gut ging, sie aber noch ein paar Tage zur Beobachtung dort bleiben müsste, doch wir würden sie am Wochenende sicherlich besuchen. Sie war so eine liebe Frau und hatte schon so viel für uns getan, da war es das Mindeste.

Edward kam gerade rechtzeitig zum Essen nach Hause.
Es war immer wieder schön, am Tisch zu sitzen und wie eine richtige Familie unsere Mahlzeit zu uns zu nehmen und ich war glücklich darüber, dass Nessie sich noch mit uns allen einen Film ansah, bevor sie wieder zu ihrem Vater fuhr.

Früher, als es für mich üblich war, ging ich ins Gästezimmer und legte mich ins Bett.
Ich war hundemüde, schließlich hatte ich in der Nacht davor allerhöchstens zwei Stunden geschlafen, bevor ich diese Geräusche gehört hatte und ich meiner Panik verfallen war.

Doch ich konnte nicht einschlafen. Es ging einfach nicht, so sehr sich mein Körper auch nach der Ruhe sehnte, die er benötigte. Immer wenn ich meine Augen schloss, hörte ich wieder den Lärm und den Schrei, spürte wieder meine Angst und es war einfach unmöglich bei diesen Gedanken zu schlafen.

Gefühlte Stunden wälzte ich mich hin und her, bis ich es nicht mehr aushielt, ich nach dem Babyphon griff und aus dem Zimmer ging.

Das Haus war still.

Als ich nach oben gegangen war, waren Edward und Emily noch im Wohnzimmer gewesen und hatten sich noch einen Film angesehen, doch nun war niemand mehr da, der mir Gesellschaft leisten konnte.  

Ich überlegte hin und her, was ich tun sollte.
In die Küche mir etwas zu trinken holen, nur um dann wieder ins Schlafzimmer zu gehen und erneut versuchen ohne Erfolg einzuschlafen?
Mir im Wohnzimmer einen Film ansehen?
Eins von Edwards Büchern raussuchen und anfangen es zu lesen?

Immer noch unentschlossen, was ich mit tun sollte, wollte ich zurück in mein Zimmer und gerade als ich meine Hand wieder an die Türkklinke legte, ließ ich sie wieder los und schlich den Flur entlang.
Durch das Mondlicht, welches durch die Glaswände schien, konnte ich es wenigstens vermeiden, dass ich irgendwo gegen lief. Zwar hatte ich früher öfter hier geschlafen, doch so gut, wie in meiner eigenen Wohnung, kannte ich mich dann doch nicht aus.

Als ich die Tür erreichte, die ich angestrebt hatte, klopfte ich zaghaft gegen das braune Holz… doch ich hörte nichts.
Eine Weile blieb ich noch stehen, wusste nicht so recht, ob ich es noch mal versuchen oder einfach wieder gehen sollte, doch noch ehe ich eine Entscheidung treffen konnte, öffnete sich bereits die Tür.

Trotz der Dunkelheit, die uns umgab, stachen seine unglaublich grünen Augen aus seinem markanten Gesicht hervor und die Art, wie er mich ansah, ließ meine Knie zu Pudding werden.

Es war seltsam, in diesem Haus zu sein, ohne mit Edward in einem Bett zu schlafen.
Zwar hatte ich in den letzten Monaten nichts anderes getan, als alleine in meinem Bett zu sein, aber das war etwas anderes. Es war mein Bett gewesen. In meiner Wohnung.
Kilometerweit von dem Mann entfernt, den ich liebte.

„Hey“, flüsterte ich und stand da, wie ein kleines, verängstigtes Schulmädchen, ohne zu wissen, wieso ich überhaupt so reagierte.

„Hey“, erwiderte er genauso leise wie ich und ich konnte erkennen, wie ein Lächeln seine Lippen formte.

„Ich… Ich konnte nicht schlafen und da dachte ich…“, begann ich zu reden doch anstatt das auszusprechen, was ich eigentlich sagen wollte, deutete ich mit dem Babyphon in sein Zimmer.

Ohne, dass ich noch irgendetwas sagen musste, trat Edward einen Schritt zurück und ließ mich in sein Schlafzimmer.
Das Babyphon stellte ich auf eine der Kommoden ab und ich drehte mich wieder zu Edward um.

„Ich konnte auch nicht schlafen“, sagte Edward, nachdem er die Tür wieder geschlossen hatte und sich mir gegenüber hinstellte, meine Hände in seine nahm und er seine Finger mit meinen verschränkte.

„Wieso nicht?“, wollte ich neugierig wissen und kam ihm noch einen Schritt näher.

Edward sagte eine Weile nichts, beugte sich nur zu mir herab, drückte einen Kuss auf meine Wange und hauchte die nächsten Worte dagegen.

„Es ist schwer, einzuschlafen in dem Wissen, dass du nur weniger Meter von mir entfernt bist.“

Der Pudding, den ich nur in meinen Knien vermutet hatte, breitete sich über meinem ganzen Körper aus.
Mein Atem kam nur noch stockend und ich hielt mich an ihm fest, lehnte meinen Kopf an seine Schulter und sog seinen atemberaubenden Duft in meine Nase.
Wie war es nur möglich, dass er immer so gut roch?

„Kann ich heute bei dir schlafen?“, bat ich ihn und küsste seinen Hals.

„Mhmm…“, murmelte Edward seine Antwort, was ich als ein Ja hinnahm und zog ihn mit mir zu seinem Bett.

Es tat gut, einfach nur in seinen Armen zu liegen und seine Nähe zu spüren.
Sein Atemrhythmus und das regelmäßige Klopfen seines Herzens, hatte schon immer eine beruhigende Wirkung auf mich gehabt.

Wir lagen einfach nur da, während er mir den Rücken und ich seine Brust streichelte.
Es war fast so wie früher… doch es fühlte sich anders an. Inniger. Vertrauter.
Ich hatte es vermisst. Ich hatte ihn vermisst.

„Edward…?“, fing ich irgendwann an zu reden, hörte jedoch nicht auf mit meinem Finger die Muskeln an seinem Bauch nachzuzeichnen.

„Hm?“, kam seine Antwort, welche eindeutig darauf hinwies, dass er kurz davor gewesen war einzuschlafen.

„Ich kann nicht in Emilys Wohnung ziehen“, sagte ich und sofort erstarb die Bewegung seiner Hand an meinem Rücken, doch noch ehe er etwas darauf sagen konnte, fuhr ich fort.

„Es ist Emilys Wohnung und das sollte sie auch bleiben. Es wäre einfach nicht… richtig“, versuchte ich ihm zu erklären und hob meinen Kopf von seiner Brust, in der Hoffnung, dass ich ihn trotz dem wenigen Licht im Raum sehen konnte.

„Okay…“, antwortete er darauf und klang dabei extrem niedergeschlagen.

„Aber…“, fuhr ich fort und machte extra eine kleine Pause.

„Ich würde gerne hier wohnen.“

Stille…

Edward hatte sogar den Atem angehalten und bewegte sich keinen Millimeter mehr.

Diese Reaktion ließ mich grinsen. Ich hatte mir gedacht, dass Edward nicht damit rechnete, dass ich wirklich hier leben wollen würde. Dass er dachte, ich würde mir irgendwo eine neue Wohnung suchen, sobald ich etwas Geld gespart hatte.
Das hatte ich in seinen Augen gesehen.

Aber ich wollte nicht mehr, dass wir in unserer Beziehung einen Schritt zurückgingen.
Ich wollte vorwärts kommen.

Tatsache war, dass ich ihn bei mir haben wollte. Ich wollte in seiner Nähe sein und das am liebsten vierundzwanzig Stunden am Tag.

Für mich war es ein gewaltiger Schritt, aber es war richtig. Diese Entscheidung fühlte sich einfach nur gut an. Nein, nicht nur gut. Es war mehr als das.

Und es war nicht nur für mich das Beste. Chris würde sich freuen, seinen Dad immer bei sich zu haben und Edward wäre genauso begeistert, wenn er seinen Sohn öfter sehen konnte und es wäre sogar genügend Platz für Nessie vorhanden.

„Ehrlich?“, fragte er mich und richtete sich auf, doch ich konnte aus seiner Stimme heraushören, wie er versuchte seinen Enthusiasmus zu unterdrücken.
„Du willst hier wohnen bleiben?“, hakte er noch einmal nach und ich konnte in seinen Augen die Hoffnung schimmern sehen.

„Ja“, hauchte ich erregt über meine Entscheidung und ich fragte mich, ob das Zusammenleben mit Edward genauso toll werden würde, wir ich es mir ausmalte.

Ehe ich mich versah, konnte ich im nächsten Moment seine Lippen an meinen spüren.
Fordernd. Leidenschaftlich. Doch hauptsächlich war dieser Kuss voller Liebe.

Das Lächeln wollte einfach nicht aus meinem Gesicht verschwinden, zu sehr freute ich mich über Edwards Reaktion.

Es würde zwar dauern, bis ich mich hier einleben würde, doch wir würden das schaffen.
Gemeinsam, und das war alles, was ich wollte.

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