Bella POV
Seit über einer halben Stunde lief ich mit Christopher in meinen Armen hin und her.
Ich hatte ihn gefüttert und gewickelt, aber immer dann, wenn ich ihn wieder hinlegen wollte, fing er an zu schreien.
Vor ein paar Tagen war ich sogar deswegen mit ihm beim Arzt gewesen, denn soweit ich mich erinnern konnte, hatte Nessie damals nicht so viel geschrieen und vor allem nicht so… laut. Deswegen hatte ich mir Sorgen gemacht, ob Chris möglicherweise Schmerzen hatte und er deswegen immerzu schrie, aber der Arzt meinte nur, Chris sei ein aufgewecktes Kerlchen und ihm ginge es wunderbar.
Also versuchte ich ihn irgendwie zu beruhigen und das fast die gesamte Nacht.
Nur ab und zu, wenn ich sah, wie Chris in meinen Armen langsam seine kleinen Augen schloss und ich ihn wieder hinlegte, versuchte ich einzuschlafen, aber mehr als eine halbe Stunde war es mir nicht möglich gewesen, meine Augen zu schließen.
Um ehrlich zu sein wusste ich nicht, was ich falsch machte.
Chris war nicht mein erstes Kind, also sollte man doch meinen, dass ich noch ein paar Tricks kannte, wie ich mein Baby beruhigen konnte, aber alles, was ich versuchte, hatte keinen Erfolg.
Also lief ich um fünf Uhr am Morgen mit meinem Baby durch mein Schlafzimmer, wiegte ihn hin und her und summte ihm dasselbe Lied vor, welches ich damals auch Nessie immer vorgesummt hatte und für den Moment half es sogar.
Der kleine Mann sah mich aus seinem unschuldigen Augen an, als ob es für ihn nichts Wichtigeres gäbe. Er wusste ja nicht, dass seine Mommy todmüde war, weil er so viel Aufmerksamkeit wollte, aber ich wusste, dass es das wert war.
Seit Wochen hatte ich nicht mehr richtig schlafen können. Im Krankenhaus war Chris meistens noch ruhig gewesen, doch seitdem wir Zuhause waren, wurde er immer munterer.
Allerdings war ich nicht die einzige, die nachts kein Auge mehr zubekam.
Selbst Nessie konnte ihn schreien hören, was angesichts der Tatsache, dass unsere Wohnung so klein war, kein Wunder war. Doch es machte mir Sorgen, dass Nessie nicht so ausgeruht war, wie sie es eigentlich in ihrem letzten High-School-Jahr sein sollte.
Ich hatte mir gedacht – oder wohl eher erhofft - dass es wie bei Nessie vor nun über siebzehn Jahren werden würde. Sie war so ein ruhiges Kind gewesen und hatte immer nur dann geschrieen, wenn sie irgendetwas brauchte.
Doch Christopher war anders. Jedes Babys war anders, was mir eigentlich sofort hätte klar sein müssen, aber daran hatte ich überhaupt nicht gedacht.
Allerdings… Die Tatsache, dass ich durch Edward wusste, wie sehr Emily damals ein kleiner Schreihals gewesen war, hätte mich darauf vorbereiten müssen, dass auch Chris so viel schreien würde.
Was das anging, hatte er eindeutig die Gene seines Vaters und dessen Tochter geerbt.
Aber nicht nur darin waren sie sich ähnlich.
Je mehr Tage vergingen, desto mehr konnte ich die Ähnlichkeit zwischen Edward und Chris erkennen.
Die Haare waren überwiegend blond, aber es zeigten sich auch schon ein paar bronzene Strähnen. Seine Augen hatten dieselbe Form wie Edwards und die Farbe darin wurde jeden Tag heller und ich war mir sicher, dass er später Edwards Augenfarbe erben würde.
Beim besten Willen konnte ich nicht die geringste Ähnlichkeit zu mir erkennen.
„Morgen“, hörte ich die Stimme meiner Tochter noch ganz verschlafen nuscheln und drehte mich zur Tür herum.
Da stand sie, die Haare noch völlig zerzaust und ihre Augen waren minimal geöffnet.
Ihre Hände strich sie sich übers Gesicht, rieb ihre Augen und in diesem Moment erinnerte sie mich an die kleine Dreijährige, die sie einmal war, wie sie ganz klein und unschuldig vor meinem Bett stand und nicht einschlafen konnte, weil es draußen gewitterte.
„Guten Morgen, mein Schatz“, begrüßte ich sie und sah entschuldigend zu ihr herüber. Sie sah aus, als hätte sie die ganze Nacht nicht geschlafen.
Chris gab einen kleinen Laut von sich, was seine Art war ‚Guten Morgen’ zu seiner großen Schwester zu sagen und ich konnte sehen, wie sich auf Nessies noch müdem Gesicht ein kleines Lächeln bildete und sie im nächsten Moment zu uns herüber lief.
„Hallo du kleiner Schreihals“, flüsterte sie und hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn.
„Hast du überhaupt geschlafen?“, erkundigte ich mich und strich mit einer Hand besorgt über ihre Wange.
„Es geht schon“, antwortete sie mir und gähnte daraufhin herzhaft.
„Vielleicht solltest du noch versuchen etwas zu schlafen. Es ist ja noch ziemlich früh und Chris ist im Moment ruhig“, gab ich zu bedenken und sah auf das kleine Bündel in meinen Armen, der seine große Schwester mit großen Augen musterte.
„Nein, es ist wirklich in Ordnung. Ich muss eh noch ein paar Dinge für die Schule durchgehen und dann bleibt mir sogar noch etwas Zeit für Chris, dem kleinen Rebell“, sagte sie und kitzelte seinen Bauch, was ihn vergnügt aufquietschen ließ.
Meine Tochter kannte ich gut genug, um zu wissen, dass sie ihre Meinung nicht ändern würde und wer wusste schon, wie viel sie heute Nacht wirklich geschlafen hatte?
Sie hatte mit Sicherheit mitbekommen, wie Chris geschrieen hatte und ich hatte Angst, dass der wenige Schlaf, den sie in den letzten Wochen bekommen hatte, sich negativ auf ihre schulische Leistung auswirken würde.
Natürlich gab Nessie immer alles in der Schule. Sie war sehr fleißig und ehrgeizig. Sie wollte dieses Stipendium und auf ein gutes College gehen, doch wie sollte sie sich noch konzentrieren, wenn der Schlaf viel zu kurz kam?
Wir brauchen eine größere Wohnung, schoss es mir durch den Kopf. Aber dafür würde mein Geld nicht reichen und wenn ich sparen würde, wäre Nessie schon auf dem College, sobald ich das Geld zusammen hatte.
Naja… wohl eher wäre sie dann schon mit dem College fertig, bis ich mir eine größere Wohnung leisten könnte.
Oder aber… Nein!
Nein, das könnte ich nicht tun!
Was für eine schreckliche Mutter wäre ich denn? Was für eine grauenvolle Mutter bin ich denn, auch nur daran zu denken?
Aber was für eine andere Wahl hätte ich?
Während Nessie in der Zwischenzeit duschen gegangen war, fing Chris wieder an zu quengeln.
Auf und ab laufend versuchte ich, ihn wieder zu beruhigen, summte eine Melodie und während ich mir meinen Sohn ansah, dachte ich nach.
Sollte ich…?
Also, ich würde es ja nur vorschlagen und es wäre dann ganz allein Nessies Entscheidung, ob sie es tun würde oder nicht. Aber ich kann nicht… Ich könnte meiner Tochter doch nicht den Vorschlag unterbreiten, dass…
Nein, das könnte ich nicht übers Herz bringen.
Aber es wäre ja wirklich nur zu ihrem Wohl. Das müsste ich ihr unbedingt vor Augen halten.
In der Zeit, wo sich Nessie für die Schule zurecht machte und anfing, in ihren Büchern zu blättern, hatte ich Christopher gefüttert und ihm die Windeln gewechselt und sah mit voller Zufriedenheit dabei zu, wie er, nachdem ich noch eine Viertelstunde mit ihm hin und her gelaufen war, langsam seine Äuglein schloss.
Er sah so friedlich aus, wenn er schlief.
Wie ein Engel.
Selbst wenn er so oft schrie und ich kaum ein Auge zumachen konnte, so waren es doch diese Momente, die mir zeigten, dass es das alles wert war.
Eine Weile lief ich mit Christopher noch etwas herum, doch als ich nach einigen Minuten merkte, dass er vorläufig nicht wieder aufwachen würde, legte ich ihn behutsam wieder in seine Wiege und machte mich auf dem Weg ins Wohnzimmer.
Was ich dort vorfand, bestätigte mein Vorhaben nur noch mehr.
Nessie saß auf der Couch, hatte ein Buch auf ihrem Schoß liegen, ihr Kopf lag auf der Lehne, die Augen hatte sie geschlossen und an den regelmäßigen Bewegungen ihres Brustkorbes konnte ich erkennen, dass sie eingeschlafen war.
Ich beschloss, sie noch eine Weile in Ruhe schlafen zu lassen, nahm die Decke, welche am anderen Ende der Couch lag, zur Hand und deckte sie damit zu.
Die Uhrzeit stets im Auge behaltend, machte ich es mir in der Küche bequem, schließlich wollte ich ja nicht, dass Nessie noch wegen meinem Verschulden verschlafen und zu spät zur Schule kommen würde.
In den letzten Wochen geschah es nicht oft, dass ich etwas Zeit für mich hatte.
Entweder musste ich mich um Chris kümmern, oder den Haushalt erledigen.
Wenn Edward bei uns war, konnte ich mich nicht dazu durchringen, den Haushalt zu erledigen. Dafür war die Zeit, die wir als kleine Familie hatten, einfach viel zu kostbar.
Um kurz vor halb acht setzte ich den Kaffee auf. Nessie würde ihn brauchen, um den Tag irgendwie zu überstehen und ich war froh, dass Chris in der Zwischenzeit ruhig durchgeschlafen hatte und seiner Schwester wenigstens etwas Schlaf gönnte.
Es war immer ein unglaubliches Gefühl zu sehen, wie liebevoll sich Nessie und Emily um ihren kleinen Bruder kümmerten.
Sie hatten unglaublichen Spaß, zu versuchen, ihn immer wieder aufs Neue zum lachen zu bringen und schossen so viele Fotos, dass ich mittlerweile wahrscheinlich meine ganze Wohnung damit tapezieren könnte.
Am lustigsten fand ich es jedoch, wenn Emily alle möglichen Grimassen schnitt, Chris dabei jedoch nicht eine einzige Miene verzog.
Als ich wieder ins Wohnzimmer ging, lag Nessie noch genauso da, wie ich sie gefunden hatte.
Den Kaffee setzte ich auf den Tisch ab und strich Nessie eine Haarsträhne aus dem Gesicht, während ich versuchte sie sanft aufzuwecken.
Egal wie erwachsen sie mittlerweile schon war, würde sie doch immer mein kleines Mädchen bleiben.
Die Art, wie sie heute in mein Schlafzimmer hereingekommen war und wie sie gerade dabei war ganz langsam aufzuwachen, versetzte mich in die damalige Zeit zurück.
„Hey mein Schatz, wach auf“, flüsterte ich ihr leise zu, während sie versuchte den Schlaf wegzublinzeln.
Sobald sie es endlich geschafft hatte, ihre Augen zu öffnen, ohne dass sie im nächsten Moment wieder zufielen, sah sie sich verwirrt um.
„Wie spät ist es?“, fragte sie mich, als die Erkenntnis über sie kam und sie sich schnell aufsetzte. Panik huschte über ihr Gesicht und sie sah sich nach der nächsten Uhr um.
„Fast halb acht, keine Sorge“, beruhigte ich sie und überreichte ihr eine Tasse Kaffee.
„Das sollte vorerst helfen, wach zu bleiben“, bemerkte ich und lächelte sie an, doch bei dem, was ich ihr gleich vorschlagen würde, war mir gar nicht nach einem Lächeln zumute.
„Ich kann nicht fassen, dass ich eingeschlafen bin“, murmelte sie und trank einen Schluck aus ihrer Tasse.
„Bei Algebra würde ich auch sofort einschlafen“, versuchte ich zu scherzen und deutete auf das Buch, welches sie zuvor noch auf ihrem Schoß liegen gehabt hatte.
Während ich Nessie dabei beobachtete, wie sie ihren Kaffee schlückchenweise austrank, dachte ich darüber nach, wie ich das kommende Gespräch am besten beginnen sollte.
„Süße, ich habe über etwas nachgedacht“, begann ich, auch wenn mir bewusst war, dass es nicht der beste Anfang war, aber ich wusste einfach nicht, wie ich es sonst anstellen sollte. Mir stundenlang darüber Gedanken zu machen, würde nichts nützen.
„Oh oh. Es ist nie gut, wenn ein Gespräch so beginnt“, bemerkte sie und stellte ihre Tasse auf dem Tisch ab.
„Was ist los?“, fragte sie mich, nachdem ich eine Weile geschwiegen hatte und ich sie einfach nur nachdenklich angesehen hatte.
„Es ist so…“
Nervös spielte ich mit meinen Fingern und hoffte einfach nur darauf, dass sie meine Absichten nicht falsch verstehen würde.
„Ich sehe doch, wie übermüdet du bist und ich weiß es wirklich zu schätzen, dass du dich nicht darüber beschwerst, wenn Chris schreit. Aber Liebling, es ist dein letztes High-School-Jahr und da solltest du ausgeruht sein. Du solltest dich auf die Schule konzentrieren. Ein schreiendes Baby sollte nicht der Grund dafür sein, dass du nachts nicht schlafen kannst. Also dachte ich…“ Ich brach ab und sah ihr tief in die Augen. Ich wollte einfach nur sehen, ob sie vielleicht schon vermutete, was ich ihr vorschlagen wollte und wie ihre Reaktion darauf ausfiel.
„Was dachtest du?“, hakte sie nach, als ich nicht weiter sprach, allerdings war keine Spur der Verärgerung oder Enttäuschung in ihrer Stimme zu hören.
„Ich dachte… dass du vielleicht für eine Weile bei deinem Dad schlafen könntest. Natürlich nur, wenn du es willst“, hängte ich schnell noch hinten dran, als ich sah, wie ihre Augen sich weiteten.
„Du willst, dass ich zu Dad ziehe?“, fragte sie mich noch mal, wahrscheinlich um sicher zu gehen, ob sie mein Gesagtes richtig verstanden hatte.
„Das einzige, was ich will, ist, dass du glücklich bist“, sagte ich und nahm ihre Hand in meine.
„Ich hoffe, dass du das auch weißt. Was ich weiß, ist, dass du dich jahrelang auf diesen Moment vorbereitet hast. Es ist dein Abschlussjahr, Süße. Deine Chance es auf das College deiner Träume zu schaffen und das zu studieren, was du schon immer studieren wolltest. Aber zum Lernen brauchst du einen freien Kopf und ich fürchte, so sehr ich Chris auch liebe, dass es durch sein Geschrei einfach nicht möglich ist. Seit deiner Geburt – eigentlich schon seitdem ich von der Schwangerschaft wusste - habe ich versucht immer das zu tun, was das Beste für dich ist und genau das tue ich jetzt auch. Ich will nicht, dass du nicht hier schläfst, aber ich weiß, dass es auf Dauer einfach zu viel für dich werden wird.“
So überzeugend wie möglich sah ich sie an. Sie sollte verstehen, warum ich ihr diesen Vorschlag unterbreitet hatte.
Sie sollte nicht denken, dass ich sie loswerden wollte oder etwas dergleichen.
Es fiel mir ja selbst nicht leicht, überhaupt nur daran zu denken, dass sie nicht mehr hier schlief und es zerbrach mir nur noch mehr das Herz, wenn ich daran dachte, dass sie in einem Jahr noch nicht einmal mehr in Chicago leben würde.
„Vermutlich hast du recht“, sagte sie nach einer Weile und klang dabei etwas zerknirscht.
Ohne auch nur ein Wort zu sagen, nahm ich sie in den Arm.
Nicht, weil sie es brauchen könnte, sondern weil ich es so wollte und es war ein schönes Gefühl.
Einfach nur wir. Mutter und Tochter.
Manchmal war es für mich schwer zu glauben, dass Nessie nun in dem Alter war, als ich selbst Mutter wurde, doch sie würde nicht denselben Fehler machen wie ich.
Nessie würde studieren und ihren Traum verwirklichen und ich würde sie in allem unterstützen. Denn dafür war eine Mutter da.
Und genau deswegen war es meine Pflicht, ihr zu sagen, dass sie vorläufig bei ihrem Vater schlafen sollte.
Nachdem Nessie sich auf dem Weg zu Schule gemacht hatte, rief ich Jake in seinem Büro an.
Ich wusste, dass er sich darüber freuen würde, dass Nessie für eine Weile bei ihm wäre, schließlich hatten wir dieses Thema schon öfter angesprochen, besonders in letzter Zeit. Aber was ich auch wusste, war, dass Jake niemals gedacht hätte, dass es einmal soweit kommen könnte.
Als ich Jacob anrief und ihm die Situation erklärte, konnte ich sein Grinsen deutlich aus seiner Stimme heraushören. Um ehrlich zu sein wunderte es mich, dass er nicht auch noch einen Freudenschrei gemacht hatte, aber das lag vermutlich daran, dass er bei der Arbeit und sein Büro nicht schalldicht war.
Nach dem Telefonat kümmerte ich mich um das Geschirr und machte mich auf den Weg ins Schlafzimmer. Als ich auf die Wiege zulief, die Edward und ich gemeinsam ausgesucht hatten, wunderte es mich, Chris putzmunter dort vorzufinden.
Normalerweise fing er immer an zu quengeln oder zu schreien, wenn er wach war und niemanden bei sich hatte, aber diesmal war er ganz ruhig und so wie er dort lag - den Schnuller neben seinen Kopf und wie er seine Arme und Beine zappeln ließ, sah er aus wie ein kleiner Engel.
Aus großen Augen sah er mich an und als er mich erkannte, ruderte er nur noch mehr mit seinen kleinen Ärmchen.
„Hey mein kleiner Schatz! Du bist ja wach“, flüsterte ich sanft und kitzelte ihn leicht an den Seiten, was ihn nur noch wilder zappeln ließ. Das freudige Quietschen zeigte mir nur, wie sehr es ihm gefiel, dass ich ihm meine Aufmerksamkeit schenkte.
„Wie wäre es, wenn ich dir einen anderen Strampler anziehe, bevor dein Daddy kommt?“, fragte ich meinen kleinen Jungen und nahm ihn in meine Arme.
Seine Antwort darauf war ein kleines Murren, was ich als ein ‚Okay’ hinnahm.
Wenn er in der Nacht genauso gut kooperieren würde wie jetzt, würde ich bestimmt viel mehr Schlaf bekommen, aber kleine Babys hatten nun mal ihren eigenen Willen.
Das Problem bei Chris’ Geschrei war immer, dass die Nachbarn alles hören konnten und sie waren nicht gerade erfreut, wenn sie ihn so oft schreien hörten.
Manche hatten sogar schon angefangen sich zu beschweren, als ob ich es absichtlich machen würde, dass mein wenige Wochen altes Kind sich die Seele aus dem Leib schrie!
Manche Menschen konnte man einfach nicht verstehen.
Gerade als ich den letzten Knopf des babyblauen Stramplers zugeknöpft hatte, klingelte es an der Tür.
Chris erschrak leicht und reagierte sofort mit leisem Meckern, nachdem ich ihn wieder in meine Arme genommen hatte.
„Ganz ruhig, Schätzchen. Das ist doch nur Daddy“, versuchte ich ihn zu beruhigen in der Hoffnung, dass er auch verstand, was ich ihm sagte, denn wenn er erst einmal anfing zu schreien, würde ich ihn nicht mehr so schnell beruhigen können.
Nachdem ich den Summer betätigt hatte und darauf wartete, dass Edward mein Stockwerk erreichte, lief ich mit Chris im Flur auf und ab.
Wenn er nur leise quengelte, so wie jetzt, war dies meistens das einzige Mittel ihn zu besänftigen.
„Schau mal, Daddy ist da“, flüsterte ich ihm leise ins Ohr, als ich Edward am unteren Ende der Treppe sah und nahm Chris’ kleine Hand in meine, um Edward zuzuwinken.
Das Lächeln, welches sich auf Edwards Gesicht zauberte, als er uns so sah, war unglaublich.
Bevor Chris auf die Welt kam, hatte ich ihn noch nie so unglaublich glücklich gesehen, aber jetzt war alles anders.
Seit der Geburt unseres Sohnes hatte sich bei uns einiges verändert. Man konnte sogar sagen, dass wir wieder ein Paar waren.
Nun ja… vielleicht kein richtiges Paar, aber wir ignorierten unsere Gefühle füreinander nicht mehr.
Was Edward und ich brauchen würden wäre etwas Zeit zu zweit, doch allein schon wegen Christopher war das momentan nicht möglich und Edward und ich waren uns einig, dass unser Sohn Vorrang hatte.
„Guten Morgen“, hörte ich Edwards liebliche Stimme sagen, als er uns erreicht hatte.
Obwohl Edward sich den halben Tag frei genommen hatte, war er dennoch in Anzug und Krawatte hier erschienen, dabei hätte er sich das auch sparen können, denn ich war mir sicher, dass Christopher früher oder später auf sein teures Jackett spucken würde und Edward dann ohnehin wieder nach Hause fahren müsste um sich umzuziehen.
„Hey“, begrüßte ich ihn, küsste ihn kurz und übergab ihm seinen Sohn.
Die Freude war sowohl in Edwards, als auch in Christophers Gesicht geschrieben.
Obwohl Chris noch so klein war, verstand er sofort, dass sein Daddy wieder bei ihm war.
Seine Ärmchen ruderten wie verrückt und ich hörte sein leises Glucksen, das einfach nur liebenswert war.
„Lass uns ins Wohnzimmer gehen“, schlug ich vor und machte die Wohnungstür leise hinter mir zu.
„Du siehst müde aus“, bemerkte Edward, sobald wir uns hingesetzt hatten und ich konnte die tiefe Sorgenfalte zwischen seinen Augenbrauen erkennen, während er meine dunklen Augenringe musterte.
„Glaub mir, müde ist dafür gar kein Ausdruck mehr. Aber es geht schon.“ Als ob ich meine Müdigkeit noch unterstreichen wollte, gähnte ich herzhaft.
„Ja, das merke ich“, erwiderte Edward in einem leicht sarkastischen Ton, doch anstatt darauf einzugehen, setzte ich mich neben ihn hin und nahm Christophers Hand in meine.
„Es kommt mir vor, als würde er jeden Tag, den ich herkomme, immer größer werden“, flüsterte Edward beinahe ehrfürchtig und strich mit seinem Finger über den zarten Haarflaum unseres Sohnes.
„Und ehe wir es uns versehen, wird er schon bald seine erste Freundin haben und aufs College gehen“, entgegnete ich und wurde etwas wehmütig bei den Gedanken, dass mein kleines Mädchen bald weg war.
Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, hatte ich ihr vorgeschlagen für eine Weile zu ihrem Vater zu ziehen, wodurch ich sie nur noch weniger zu Gesicht bekam, aber ich musste mir selbst immer wieder einreden, dass es das Beste für sie und ihre Zukunft war.
„Da hast du wohl recht“, hörte ich Edward mit derselben Wehmut in der Stimme sagen.
Er wusste selbst noch nicht, auf welches College Emily gehen wollte, aber ich wusste, wie schwer es für ihn sein musste.
All die Jahre hatte er Emily ganz allein großgezogen, war für sie Vater und Mutter gewesen und nun, nachdem er nach so langer Zeit endlich wieder einen guten Draht zu seiner Tochter gefunden hatte, war es für sie bald schon an der Zeit, das eigene Zuhause zu verlassen.
„Wie wäre es, wenn Chris und ich dir eben eine Tasse Tee machen? Und du bleibst einfach hier sitzen und entspannst dich“, lenkte er vom Thema ab, doch ich hatte nichts dagegen einzuwenden.
„Du musst nicht…“, wollte ich anfangen zu erklären, dass es nicht nötig war und ich mir den Tee selbst machen konnte, schließlich war er mein Gast, doch Edward unterbrach mich, bevor ich weiterreden konnte und Chris stimmte ihm auf seine eigene Art und Weise zu, indem er quengelte und in Edwards Armen zappelte.
„Keine Widerrede. Jetzt bin ich hier und kann dir etwas Arbeit mit Chris abnehmen und du solltest es einfach genießen, für eine Weile nichts zu tun.“ Eindringlich sah er mich an und allein schon wenn ich den Ausdruck in seinen Augen sah war mir bewusst, dass es keinen Zweck hatte ihm zu widersprechen.
„Danke“, murmelte ich, beugte mich zu ihm und drückte meine Lippen auf seine, doch schon im nächsten Augenblick fing Chris wieder an, irgendwelche Laute von sich zu geben. Er mochte es nicht besonders, wenn man ihm nicht die volle Aufmerksamkeit schenkte.
„Jederzeit“, flüsterte Edward, gab mir ein Kuss auf die Stirn und verschwand mit Chris im nächsten Moment in der Küche, woraufhin ich die Fernbedienung in die Hand nahm und den Fernseher einschaltete.
Doch ich bekam kaum noch etwas mit, denn meine Augen schlossen sich ganz von allein und die Welt um mich herum versank in einen endlosen Nebel.
arme bella den schlafenzug kenn ich...ich hoffe sie hat es bald überstanden.
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