Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Freitag, 5. August 2011

Kapitel 60 - Auf die Zukunft!


Edward POV

Dass Bella nervös war, konnte man einfach nicht übersehen.

Sie hatte innerhalb einer halben Stunde das gesamte Essen, welches sie selbst für die Feier zubereitet hatte, neu arrangiert und die Möbel ganze drei Mal umgestellt, bis sie letztendlich wieder an ihrem eigentlichen Platz standen.  

Natürlich hatte ich ihr meine Hilfe angeboten, aber Bella hatte mich schnell aus der Küche verbannt und da ich nicht mit ihr streiten wollte, hatte ich auch nicht dagegen protestiert.

Die Mädels waren noch bei ihren Jungs und die anderen Gäste würden in einer knappen Stunde eintreffen, also hatte ich mich der Aufgabe gewidmet, ein wenig mit Chris zu spielen.

Es war immer wieder aufs Neue erstaunlich, wie schnell sich ein Kind entwickeln konnte und da Chris von Natur aus unheimlich neugierig zu sein schien, fiel es ihm leicht, einige Dinge schnell zu lernen.

Aufmerksam beobachtete ich ihn, während er neben mir auf der Couch saß und seine Mama beobachtete, die aufgescheucht durchs ganze Haus lief.
Er schaffte es schon wunderbar alleine, aufrecht zu sitzen und brabbelte in letzter Zeit immer öfters vor sich hin.

Sein Spielzeug hielt ich in der Hand und als ich es leicht in meiner Hand bewegte und ein Rascheln zu hören war, wandte er seinen Kopf mit großen Augen dem Spielzeug zu.  

Ich legte es neben uns auf die Couch und beobachtete meinen Sohn, wie er fordernd seine Hand danach ausstreckte.
Eindeutig konnte Christopher ziemlich ungeduldig sein und er zappelte aufgeregt mit seinen Händen, da ich es ihm nicht reichte.

Mir war bewusst, dass der Kleine eindeutig dazu in der Lage war, nach dem Spielzeug zu greifen, doch in letzter Zeit testete er vermehrt, wie wir reagierten, wenn er sich wieder einmal lauthals beschwerte.

Er quietschte laut auf und quengelte ein wenig, bevor er schließlich mit seiner Hand nach dem Kuscheltuch griff und es an sich zerrte.

„Ja, kleiner Mann ich habe deiner Mama doch versprochen, dass ich dich nicht zu sehr verwöhne“, lachte ich leise und strich behutsam über seinen Kopf, was ihn sofort wieder grinsen ließ.

Während Christopher sein Lieblingskuscheltier vollsabberte, rief ich einmal nach Bella, da sie wieder einige Male an mir vorbeilief, doch entweder hörte sie mich nicht oder sie wollte mich nicht hören.

Als sie ein weiteres Mal an mir vorbeilief, griff ich nach ihrer Hand und hielt sie fest.
Verwirrt sah sie zu mir herüber und sie gab einen erschrockenen Laut von sich, als ich sie zu mir auf den Schoß zog.

Chris quietschte vergnügt und zappelte, während er uns beobachtete.

„Schatz… Das Essen ist fertig und die Möbel hast du auch schon oft genug umgestellt. Ich weiß, dass du nervös bist, aber jetzt bin ich damit dran, dich ein wenig zu beruhigen, bevor die anderen kommen“, erklärte ich ihr und küsste ihre Wange.

„Ich bin gerade schrecklich nervig, oder?“ Sie warf mir einen entschuldigenden Blick zu, bevor sie zu unserem Sohn herüber sah, der sie zufrieden anlächelte.

Kopfschüttelnd drückte ich sie an mich und wollte gerade etwas erwidern, doch unglücklicherweise kam ich nicht einmal dazu, da es an der Tür Sturm klingelte. 

Ich verdrehte die Augen und gab Bella frei, damit ich mich von meinem Platz erheben konnte.
Entweder war es meine Tochter oder mein Bruder, welche gerade unsere Unterhaltung gestört hatten.

Als ich die Tür öffnete, wurde ich gleich von einem grölenden Emmett begrüßt, der zwei Flaschen Wodka in der Hand hielt und mit gerunzelter Stirn sah ich ihm hinterher, wie er in die Richtung des Wohnzimmers verschwand.

Gerade in diesem Moment frage ich mich, ob er nicht derjenige war, der seinen Abschluss feierte, denn er benahm sich genauso wie damals bei seinem eigenen High School Abschluss.

Aber mein Bruder war immer für eine gute Party zu haben und das würde sich auch mit großer Wahrscheinlichkeit nicht ändern, wenn er bereits achtzig war.

Ich schüttelte den Kopf und nahm ihm – trotz seines lauten Protestes- die Wodkaflaschen ab und verstaute sie erst einmal im Kühlschrank.

Gott sei Dank hatte Christopher sich nicht von dem Gebrüll seines Onkels stören lassen.

Stattdessen saß er mit großen Augen auf Bellas Schoß und sah neugierig zu, wie sein Onkel auf ihn zuging.

Er lachte vergnügt, als Emmett ihn hochhob und einmal herumwirbelte, denn das machte meinem Sohn in letzter Zeit besonders viel Spaß und er liebte seinen Onkel und seine Tante über alles, das konnte man sehen.

Ich brachte Rose ins Wohnzimmer und half ihr mit den Zwillingen. Es war immer wieder aufs Neue unglaublich, wie schnell Kinder größer wurden, denn meine Neffen waren jetzt bereits zwei und liefen schon vergnügt vor uns her.

Christopher quietschte laut und vergnügt auf, als Emmett ihn wieder behutsam bei Bella ablieferte.

Natürlich war der Kleine jetzt vollkommen aufgekratzt und zappelte nervös auf Bellas Schoß herum, aber sie ließ sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen.

Als es erneut mehrere Male an der Tür klingelte wusste ich, dass es sich dieses Mal wirklich um Emily handeln musste und wie es sich herausstellte, hatte ich auch Recht.

Nachdem ich die Tür geöffnet hatte war ich verwundert, dass wirklich alle vor der Tür standen, denn normalerweise kamen sie immer zu unterschiedlichen Zeiten und nicht alle gemeinsam, aber als ich Alice’ zufriedenes Grinsen sah, wusste ich, dass wir es ihr zu verdanken hatten und nicht noch länger auf einige Nachzügler warten mussten.

Unsere beiden Mädchen standen im Vordergrund und wurden von allen über die neusten Informationen ausgequetscht und vor allem Alice freute sich gleich noch einige Male mit Emily und Nessie, dass sie genau von den Universitäten angenommen wurden, zu denen sie gerne gehen wollten.

Natürlich wusste es Alice auch schon vorher, aber so kannten wir sie nun einmal.

Seufzend beobachtete ich, wie sich alle in unserem Wohnzimmer nieder ließen.

Mein Blick fiel automatisch zu Bella herüber und ein Lächeln zeichnete sich auf meinem Gesicht ab.
Zufrieden lächelnd sprach sie mit Christopher, kuschelte mit ihm und mein Sohn freute sich gleich noch mehr, dass seine Mom ihm in diesem Moment so viel Aufmerksamkeit schenkte.

Ja, ich konnte wirklich behaupten, dass wir eine glückliche, kleine Familie waren und es gab fast nichts, was unserem Glück noch fehlte.

Nur eine kleine Tatsache störte mich noch, aber ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie ich das angehen sollte.

Automatisch legte sich meine Hand an meine Brust und ich spürte den Ring, der meiner Meinung nach besser an Bellas Hand passte, aber bis jetzt hatte sich nichts an der Situation verändert.
Wir waren glücklich, daran bestand kein Zweifel aber dennoch wollte ich sie immer noch gerne heiraten.

Ich wollte sehen, wie die Frau, die ich über alles liebte einen langen Gang entlang lief und mit einem wundervollen Lächeln auf den Lippen auf mich zukam.

Nur wie sollte ich das anstellen?

Sie noch einmal zu fragen, ob sie meine Frau werden wollte, kam für mich nicht in Frage, denn ich wollte nicht noch einmal den gleichen Fehler begehen wie damals und sie damit überfallen.

Zwar war mein Antrag schon weit über ein Jahr her, aber ich konnte beim besten Willen nicht einschätzen, wie Bella auf einen weiteren Antrag reagieren würde.

Die Vorstellung, dass sie wieder nein sagen würde, hatte sich in meinem Gehirn festgebrannt und auch wenn ich es ungern zugab, hatte ich Angst vor ihrer Antwort.

Ich wollte einfach nicht das Glück zwischen uns zerstören, nur damit ich endlich meinen Willen bekam, also sagte ich auch nichts weiter zu diesem Thema und Bella hatte es ebenfalls nicht angesprochen.

Erst jetzt wurde mir bewusst, wie sehr ich mich in den letzten zwei Jahren verändert hatte und das Meiste davon hatte ich dieser wundervollen Frau zu verdanken, die gerade mit unserem Sohn spielte.

Damals hätte ich es nicht mehr für möglich gehalten, dass ich einmal die Frau fand, für die ich alles tun würde.
Auch wenn ich mit vielen Frauen zusammen gewesen war, so hatte mir keine das Gefühl gegeben, dass es richtig war.
Nicht einmal Tanya, auch wenn ich das immer geglaubt hatte, aber jetzt war ich eines Besseren belehrt worden.

Bella war meine bessere Hälfte, unsere Seelen waren miteinander auf eine bestimmte Art und Weise verbunden und auch wenn wir uns oft stritten, so änderte das doch nichts an der Liebe, die wir füreinander empfanden.

Ja, ich konnte mit Stolz behaupten, dass ich die Frau meines Lebens gefunden hatte.

„HAHA! Ja, genau wie der liebe Edward hier, der satte zwei Mal von der Schule suspendiert worden ist!“, hörte ich plötzlich Emmett vergnügt brüllen.

Erschrocken zuckte ich zusammen, als ich meinen Namen hörte und sah mit gerunzelter Stirn zu meinem Bruder herüber.

Ich hatte keine Ahnung, worüber alle sprachen, aber es schien ein sehr amüsantes Thema zu sein.

„Was? Echt? Boah Dad und du regst dich über mich auf, dass sie mich mal suspendiert haben, dabei bin ich nicht einmal ansatzweise so schlimm gewesen wie du!“, beschwerte sich Emily grinsend und ich verdrehte die Augen, während ich mich zu Bella auf die Couch begab.

„Tja, aber du musst mir ja nicht alles nachmachen, Schatz. Also ist deine Quote noch okay“, erklärte ich ihr und jetzt war es an Emily, die Augen zu verdrehen, bevor sie mir die Zunge rausstreckte.

Es war schwer für mich mir vorzustellen, dass Emily bald nicht mehr hier wohnen würde.
Natürlich war die Uni noch in der gleichen Stadt, aber da wir in einem Stadtteil weit entfernt wohnten, hatte sie uns mit einem breiten Grinsen mitgeteilt, dass sie und Daniel sich zusammen mit zwei anderen eine Wohnung teilen würden.
Eigentlich war die Wohnung im oberen Stockwerk ja für sie bestimmt gewesen, aber wer konnte schon wissen, wofür wir diese Räume nicht noch gebrauchen könnten.

Gott sei Dank hatte sich meine Meinung zu Daniel geändert, denn er machte meine Tochter glücklich und passte auf sie auf, also musste ich mir nicht allzu große Sorgen machen, doch da Emily fast achtzehn Jahre lang bei mir gewesen war und wir die ganze Zeit über doch fast nur uns beide hatten, war es etwas schwierig, sie loszulassen.

Aber es war auch meine Pflicht, sie gehen und sie ihr eigenes Leben leben zu lassen.

„Alles okay?“, fragte Bella mich nach einigen Minuten und legte ihre Hand mit einem sorgenvollen Blick auf mein Knie.

Lächelnd ergriff ich ihre Hand, strich mit meinem Daumen über ihren Handrücken und nickte.

„Klar, alles okay“, versicherte ich ihr, denn was mich gerade bedrückte, konnte sie sich sicherlich denken, da es ihr nicht anders erging.

„Also ich muss sagen, dass ihr zwei – nein, ich korrigiere, ihr vier eindeutig viel braver seid, als Bella und ich es einmal waren“, erklärte Jake den Anwesenden mit einem breiten Grinsen und Bella schnaubte.

„Oh ja, hauptsächlich weil du mich zu allem angestiftet hast“, erwiderte sie mit einem frechen Grinsen und hielt meine Hand noch immer dabei fest.

„ICH DICH ANGESTIFTET?“ Jake schien ernsthaft empört zu sein, oder er war einfach nur ein verdammt guter Schauspieler.

Ich lachte leise über seinen Gesichtsausdruck und beobachtete, wie Bella bereits das zweite Sektglas leerte, während sie vergnügt Chris beobachtete, wie er gerade mit Emmett spielte.

Ein Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen, denn es war verdammt lange her, seitdem Bella das letzte Mal etwas getrunken hatte und sicherlich würde sie schon bald etwas von dem Alkohol merken.

Ich hingegen gönnte mir ausnahmsweise mal wieder einen Schluck von meinem Whisky.
In letzter Zeit trank ich deutlich weniger, wenn nicht sogar schon selten und dies merkte man auch eindeutig meiner Laune an.

Ich war viel ausgeglichener und dank meiner Therapie hatte ich meine Gefühle und vor allem meine Wut im Griff.
Zwar gab es Momente, in denen ich wieder kurz davor war, irgendjemanden einfach grundlos anzubrüllen, aber ich hielt mich zurück.

„Japp, wie die Sache mit dem Chemielabor“, bemerkte Bella mit hochgezogener Augenbraue und Jake grinste frech.

„Es war deine Idee gewesen nachts in die Schule einzubrechen und dem Lehrer mal zu zeigen, dass du dieses Experiment sehr wohl richtig machen kannst. Aber wie man gesehen hat, konntest du es nicht und na ja... Dann sind wir beide satte zwei Wochen suspendiert worden und Bella musste danach noch einen Monat lang in der Cafeteria aushelfen“, bemerkte Jake schulterzuckend, behielt dieses dreckige Grinsen aber immer noch bei.

„Mom!“ Nessie schien wirklich ein wenig verwundert und empört zu sein, während Emily sich prächtig darüber amüsierte.

Ja, wir waren eindeutig keine Engel in unserer Jugend gewesen und mir hätte klar sein müssen, dass Emmett sofort noch ein paar Geschichten hervorkramte, die mir so peinlich waren, dass ich sie schon beinahe vergessen, oder eher gesagt verdrängt hatte.

Da aber alle unheimlich Spaß an den ganzen Geschichten hatten, ließ ich Emmett erzählen und schritt erst ein, als meine Mom und mein Dad anfingen, über die Zeit zu erzählen, in der ich alleine versucht hatte mit Emily klar zu kommen.

Sie war noch ein Baby gewesen und nicht gerade ein pflegeleichtes Kind, da war es kein Wunder, dass ich mit meinen damals jungen zwanzig Jahren vollkommen überfordert war.

Nur zu gut erinnerte ich mich an den Moment, als ich mich zusammen mit meiner Tochter auf dem Arm im Supermarkt befand und vor einer riesigen Auswahl an Windeln stand.
Damals hatte ich nicht den blassesten Schimmer, welches paar Windeln ich nun kaufen sollte und mit einem schreienden Baby auf dem Arm gestaltete sich das Ganze noch um einiges schwieriger.

All die Jahre lang war ich für Emily sowohl Vater als auch Mutter gewesen und wenn ich jetzt zurückblickte, konnte ich sagen, dass ich die Sache ganz gut gemeistert hatte, auch wenn es so einige Phasen gegeben hatte, in denen ich am liebsten alles hingeschmissen hätte, aber wenn ich mir jetzt meine Tochter ansah, wie sie neben mir saß, ihr Kopf auf meiner Schulter lag und sie vergnügt grinsend den Geschichten lauschte wusste ich, dass ich es im Endeffekt doch richtig gemacht hatte.

Emily war glücklich und das alleine zählte.
Außerdem war sie zu einer wunderschönen jungen Frau herangewachsen, die noch Großes vor sich hatte und ich war unheimlich stolz auf sie.

„Hey Mom, hast du schon die Bilder von der Wohnung gesehen?“, wollte Emily von Bella wissen und riss mich damit aus meinen Gedanken.  

Es war noch ein wenig ungewohnt für mich, dass Emily Bella jetzt Mom nannte, aber für meine Tochter war Bella ihre Mutter.

Emily hatte nie das Glück gehabt, eine Mutter zu haben und auch wenn Esme sich wirklich immer bemüht hatte, eine gute, weibliche Bezugsperson für meine Tochter zu sein, so war es dennoch nicht das Gleiche gewesen.

Ihre grünen Augen strahlten stolz, während sie auf der Couchlehne neben Bella saß, ihren Arm um sie gelegt hatte und ihr glücklich die Fotos von der Wohnung zeigte, die Daniel und sie bald beziehen würden.
Dass Bella über diese Situation mehr als nur glücklich war, konnte man auch ihr deutlich ansehen.

Sie genoss es richtig, dass Emily ihr so vertraute und sie war auch immer für sie da gewesen.
Dementsprechend schwer fiel es auch ihr, sie gehen zu lassen, auch wenn ich wusste, dass es ihr bei Nessie noch schwerer fiel.

Es erfüllte mich mit Stolz zu sehen, dass Emily glücklich war, denn das war es doch auch immer gewesen, was ich gewollt hatte…

Meine Tochter sollte glücklich sein und es sollte ihr an nichts fehlen, denn das war auch der Grund gewesen, weswegen ich mich damals während meines Studiums immer wieder aufgerafft und weiter gemacht hatte.
Für sie hatte es sich gelohnt, so hart zu arbeiten.

Zwischen Nessie und mir hatte sich nicht allzu viel verändert.
Wir verstanden uns noch nach wie vor super, doch natürlich hatte sie noch ihren Dad und ich würde mich niemals zwischen die beiden drängen, auch wenn Nessie ebenfalls schon wie eine Tochter für mich war.

„Die sind wirklich toll, Schatz“, bestätigte Bella Emily und sah sich die Bilder aufmerksam an.
Bis jetzt waren wir noch nicht dort gewesen, denn wir hatten Emily die Freiheit gelassen, dass sie sich natürlich selbst etwas aussuchen konnte, aber dennoch hatten wir ihr Hilfe angeboten, falls sie diese brauchen würde.

Jedoch war es erstaunlich und es machte mich stolz, dass Emily alles ganz alleine hinbekommen hatte.

Ja, innerhalb weniger Wochen war meine Tochter gleich noch ein ganzes Stück erwachsener geworden und die beiden würden auf der Universität noch erwachsener werden.

Ich war froh, dass wir alle den Tag noch einmal gemeinsam verbracht hatten, bevor die Mädels aufs College gingen, denn wann wir uns alle noch einmal gemeinsam wieder sehen würden, war fraglich.

Als Bella gegen Abend von der Couch zu fallen drohte und die Jugend sich bereits zur nächsten Party verabschiedet hatte, beendeten wir langsam den Abend und ich brachte Bella erst einmal in unser Bett, bevor ich mich wieder nach unten begab, um das Durcheinander im Wohnzimmer und in der Küche zu beseitigen.

Nachdem ich endlich alles erledigt hatte und schnell unter die Dusche gesprungen war, sah ich Bella noch immer in der gleichen Position im Bett liegen.
Lächelnd krabbelte ich zu ihr und zog sie in meine Arme, was ihr sofort ein zufriedenes Seufzen entlockte.

Christopher hatte ich bereits einige Stunden zuvor ins Bett gebracht und ich war froh, dass er endlich mal wieder durchschlief.

Bella musste eingenickt sein, aber es schien nur ein leichter Schlaf zu sein, da sie sofort wieder aufgewacht war.

„Wie geht es meiner kleinen Schnapsdrossel gerade?“, wollte ich mit einem Grinsen von ihr wissen.

Bella drehte sich zu mir, verengte ihre Augen und sah mich mit einem gespielt bösen Blick an.
Entschuldigend küsste ich ihre Stirn und war froh, dass ihr böser Blick verschwand und sich in ein Lächeln verwandelte.

„Das war wirklich ein sehr schöner Tag“, flüsterte sie leise und legte ihre Hand an meine Wange.

Sanft strichen ihre Fingerspitzen über meinen Drei-Tage-Bart und ihre Augen strahlten.
Ich liebte diese Momente zwischen uns, in denen wir einfach nur zusammen waren.

„Ja, das stimmt. Wer weiß, wann wir das nächste Mal wieder dazu kommen werden, dass alle zusammen versammelt sind“, murmelte ich leise und küsste ihre Schulter.

Bellas Blick veränderte sich sofort und ich konnte die Traurigkeit sehen, die sich in ihrem Gesicht abzeichnete.

Sofort bereute ich meine Worte und hätte mich am liebsten selbst geohrfeigt.

Manchmal war ich so ein verdammter Trottel, dass es schon wehtun musste.

„Sei nicht so traurig, Schatz. Ich weiß, es ist schwer, wenn Nessie so weit weg sein wird, aber wir sollten das alles irgendwie positiv sehen, findest du nicht auch?“, versuchte ich, sie wieder aufzumuntern und der Ansatz eines Lächelns zeigte sich auf ihrem Gesicht.

„Ja, das sollten wir“, antwortete sie und kuschelte sich wieder an mich.

„Weißt du, ich habe in letzter Zeit über etwas nachgedacht“, begann ich mit meiner Erzählung und wartete auf ihre Reaktion.
Sie richtete ihren Blick auf und sah mich fragend an.

„Es wird sicherlich noch einige Jahre dauern, aber irgendwann werde auch ich einmal in Rente gehen und ich habe derzeit niemanden, dem ich mein Geschäft vermachen könnte. Natürlich habe ich damals, als ich das Büro übernommen habe an Emily gedacht, aber wie du ja weißt, interessiert sie sich eher für Kunst, als für Architektur, obwohl ich ja der Meinung bin, dass Architektur durchaus auch eine Kunst ist… Aber diese Diskussion hatte ich schon einige Male mit Emily und ich will sie wirklich zu nichts zwingen.“

Schnell merkte ich, dass ich mehr sprach, als eigentlich nötig war und Bella noch immer nicht gesagt hatte, was ich ihr eigentlich hatte mitteilen wollen.

„Worauf willst du hinaus, Edward?“, fragte Bella mich stirnrunzelnd und ich lachte leise über ihren Blick, da sie wirklich ein wenig betrunken aussah, verstummte aber sofort, als ich ihren bösen Blick sah.

„Was ich dir damit sagen möchte ist,…“, fing ich mit meiner Erklärung an und verschränkte ihre Hand mit meiner.

„Nun… Nessie war wirklich die beste Praktikantin die man sich nur vorstellen konnte. Sie ist wirklich ein Naturtalent, was die Architektur angeht. Sie hat ein Auge für die Details und hat mir sogar bei einem Problem geholfen, welches ich versucht hatte zu lösen. Sie wird mal eine großartige Architektin werden und die Leute werden sich um sie reißen… Genau aus diesem Grund habe ich mir überlegt, dass sie… wenn sie es denn möchte… eines Tages einmal meine Firma übernehmen könnte. Für mich wäre es jedenfalls eine Ehre und sie könnte auch nach dem Studium bei mir arbeiten. Meinst du, sie würde sich darüber freuen und das Angebot annehmen?“, fragte ich mit einer leichten Unsicherheit in der Stimme und traute mich nicht so recht, Bella anzusehen.

Ehrlich gesagt hatte ich nicht die geringste Ahnung, wie sie darauf reagieren würde und ich wollte sie nicht verärgern.
Vielleicht dachte sie ja, dass ich Nessie zu sehr verwöhnen wollte, aber kopfschüttelnd ermahnte ich mich selbst, dass ich wieder einmal übertrieb.

Ich blickte erst auf, als ich ein leises Schluchzen hörte.

„Bella, Schatz… Ist alles okay?“, fragte ich besorgt, legte meine Hände an ihre Wangen und versuchte die Tränen, die an ihrem Gesicht herabtropften zu trocknen.

Hatte ich etwas Falsches gesagt?
Ging es ihr vielleicht nicht gut?

„Ich… ich…“, schluchzte sie weiter und konnte nicht richtig sprechen, da sie ständig von erneuten Schluchzattacken heimgesucht wurde und auch wenn ich besorgt war, gab ich ihr doch die Zeit, sich wieder zu beruhigen.
Meine Arme legten sich um sie und ich zog sie zu mir heran, in der Hoffnung, dass es so vielleicht ein wenig schneller gehen würde.

„Geht es wieder, Liebling?“, flüsterte ich ihr leise ins Ohr, als die Schluchzer sich verringerten und ihr Atem wieder ein wenig gleichmäßiger ging.

Sie nickte hastig und richtete dann ihren Blick auf.

Lächelnd strich ich eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht und fing eine Träne auf, die sich gerade noch ihren Weg nach unten bahnen wollte.

„Es ist nur… das… Edward, das was du gesagt hast… Das ist wirklich wundervoll… Es ist eine riesen Chance für Vanessa und du willst sie ihr wirklich geben… Ihr beide versteht euch so gut und sie vertraut dir jetzt blind… Das ist so toll und ich glaube… ich habe einfach nur geweint, weil ich so glücklich und so verdammt betrunken bin“, gestand sie kleinlaut und ich lachte leise an ihrem Hals, auf dem ich zuvor noch einige Küsse verteilt hatte.

„Meinst du das wirklich ernst?“, fragte sie noch einmal, wahrscheinlich um sich zu vergewissern, dass ich nicht durchgedreht war und ich nickte bestätigen.

„Es ist mein voller Ernst, Bella. Ich denke, ich werde es ihr sagen, kurz bevor die Mädels aufs College gehen.“

Bella nickte, verschränkte ihre Hände in meinem Nacken und küsste mich leidenschaftlich, sodass ich beinahe aus dem Bett gefallen wäre, weil ich mit dieser Reaktion nicht gerechnet hatte, aber das war es mir wert, denn wir lachten beide über meine Ungeschicktheit und ich liebte es, zusammen mit Bella zu lachen.

Als Bellas Lachen schließlich in ein Gähnen überging, zog ich sie wieder ein Stück zu mir herüber und streichelte beruhigend ihr Haar, nachdem sie ihren Kopf auf meine Brust gebettet hatte.

„Du bist wirklich ein toller Mann… Jaaa, das bist du… Mein Mann“, murmelte Bella schläfrig vor sich hin und ich grinste.

„Und ich gehöre auch nur dir“, versicherte ich ihr und sah zufrieden, wie sie mit geschlossenen Augen lächelte und schon wenige Sekunden später einschlief.

Vielleicht würde es ja schon bald Wirklichkeit werden und ich wäre wirklich ihr Mann.


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