Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Freitag, 10. Juni 2011

Kapitel 52 - Familie


Edward POV

Meine Küche sah aus wie das reinste Schlachtfeld.
Alice hatte mich vor einer Woche angerufen und mir mitgeteilt, dass wir uns am Samstag alle bei mir treffen würden, um noch einmal gemeinsam Zeit miteinander zu verbringen.
Sie fand es war eine gute Idee, dass wir alle zusammen den Abend verbringen würden, denn keiner konnte genau sagen, wann dies das nächste Mal der Fall sein könnte.
Wir alle hatten die unterschiedlichsten Jobs und fast keiner von uns hatte dieselben Arbeitszeiten, also gestaltete sich ein Treffen mit allen zusammen meist immer sehr schwierig.  

Der Geburtstermin rückte immer näher und ich drehte vollkommen am Rad.
Bella war hochschwanger und ich war so aufgeregt, dass ich die Leute in meiner Umgebung verrückt machte, wenn sie sich länger als fünf Minuten mit mir in einem Raum aufhielten.

Die einzige Person, die das nicht zu stören schien, war Alice.

Sie war gleich heute Morgen zu mir gekommen, um die Vorbereitungen für den Abend zu treffen und ich wurde gleich in die gesamte Arbeit mit hineingezogen.
Alice schien mir Anfangs ziemlich wenig zuzutrauen, also verdonnerte sie mich dazu, das Gemüse zu zerkleinern, doch nach einiger Zeit konnte ich mich dennoch durchsetzen und sie ließ mir die Aufsicht über den Braten und die Soße. 
Mir machte das nichts aus, denn ich konnte kochen und musste es in diesem Moment auch tun, denn als ich Alice vorgeschlagen hatte, dass wir auch etwas bestellen könnten, hatte sie mir einen empörten und geschockten Blick zugeworfen, also nahm ich meinen Vorschlag schnell wieder zurück.

Vielleicht störte Alice meine Nervosität nicht, weil sie selbst immer ein wenig hibbelig und hyperaktiv war, aber der genaue Grund war mir egal.
Jetzt war ich einfach nur froh, ein wenig Gesellschaft zu haben, denn Emily war zusammen mit Daniel, Jackson und Nessie unterwegs.
Die vier würden später zu uns kommen und den Abend mit uns verbringen.

Es war das erste Mal, dass ich mit Bellas bester Freundin alleine war.
Normalerweise hatte ich sie entweder nur im Buchladen gesehen oder es war immer jemand an ihrer Seite, deswegen war es ein wenig ungewohnt für mich, aber Alice schien das keineswegs zu stören.
Sie kannte keine unangenehmen Momente, für sie war fast so gut wie nichts peinlich und dank ihrer offenen Art wurde ich auch bereits nach wenigen Minuten lockerer.

Ich bereitete gerade die Pilzravioli vor und Alice warf einen neugierigen Blick auf das, was ich gerade tat.

„Also wenn ich Single wäre, würde ich dich glatt vom Fleck weg heiraten.“ Sie grinste und tätschelte meinen Arm und ich lachte leise.
Mein Lachen ging irgendwann in ein Seufzen über und ich sah, wie Alice die Augen verdrehte.

„Mach dir nicht so einen großen Kopf über alles, Edward. Du bist schon ziemlich komisch, weißt du?“ Sie schnappte sich ein paar Kartoffeln und begann diese zu schälen.

Ich zog fragend eine Augenbraue hoch und sah zu ihr herüber.

„Naja, ich meine… Manchmal bist du so spontan und denkst nicht über das nach, was du tust und in letzter Zeit denkst du über alles einhundert Mal nach, bevor du etwas sagst oder machst. Du hast dich ziemlich verändert“, erklärte sie mir und ich nickte gedankenverloren.

„Ich habe schon genug Fehler in meinem Leben begannen. Es müssen nicht noch mehr auf dieser Liste stehen“, gab ich kleinlaut zurück und Alice schnaubte.

„Du siehst alles immer gleich so negativ. Ja, du hast Fehler gemacht. Das haben wir alle, denn kein Mensch ist perfekt, aber dennoch… Du hast es geschafft als alleinerziehender Vater dein Studium zu meistern, du hast eine eigene Firma aufgebaut und verdienst Millionen und du hast eine wundervolle Tochter, die dich über alles liebt. Edward, du solltest wirklich auch einmal stolz auf das sein, was du in deinem Leben erreicht hast“, beendete Alice ihre kleine Rede und ich sah sie verdutzt an.

So etwas hatte sie noch nie zu mir gesagt, aber ich musste auch eingestehen, dass sie Recht hatte.
Natürlich hatte ich viel in meinem Leben erreicht, trotzdem war ich jahrelang ein unausstehliches Arschloch gewesen, welcher wahllos irgendwelche Frauen mit nach Hause geschleppt hatte, die häufig einen geringern IQ als die Kartoffel in Alice’ Hand hatten.

In diesen Jahren hatte ich mein eigentliches Ziel aus den Augen verloren, ich hatte mich so alleine gefühlt, dass es mich fast zerrissen hatte und das viele Geld, welches ich mit den Jahren verdient hatte, hatte mich auch nicht glücklich werden lassen.
Mir fehlte eine Frau an meiner Seite, das hatte ich schon immer gewusst, auch wenn ich es niemals zugegeben hätte.

Dass Tanya mich damals einfach so sang und klanglos sitzen gelassen hatte, nagte viele Jahre an mir, aber jetzt war ich darüber hinweg.
Ich verschwendete nicht einen Gedanken mehr an diese herzlose Frau, denn mit diesem Kapitel in meinem Leben hatte ich abgeschlossen und das war auch gut so.  

„Ich bin ein Idiot“, murmelte ich leise zu mir selbst, doch Alice schien es gehört zu haben und kicherte leise.

„Ja, das bist du, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass Bella diesen gutaussehenden Idioten liebt.“

Ein Lächeln zeichnete sich auf meinem Gesicht ab und Alice sagte mir, dass ich so schon gleich viel besser aussah.

In letzter Zeit lief ich für ihren Geschmack mit einem viel zu bedrückten und zugleich besorgten Gesichtsausdruck durch die Gegend, aber sie konnte mich auch ein wenig verstehen.

„Also, mach dir nicht so viele Gedanken. Freu dich lieber auf deinen Sohn.“ Sie warf die frisch geschälte Kartoffel in eine Schüssel und grinste mich an.

„Meinen Sohn?“

Ich zog fragend eine Augenbraue hoch.
Hatte ich etwas verpasst?

Ich hatte Bella bei allen Arztbesuchen begleitet und ich war ein wenig enttäuscht gewesen als sie sagte, dass sie das Geschlecht des Babys nicht wissen wollte.
Sie wollte sich überraschen lassen und ich widersprach ihr nicht.
Letztendlich war es mir auch egal, ob wir einen Sohn oder eine Tochter bekommen würden.
Die Hauptsache war, dass dieses Kind gesund zur Welt kam und ich würde dieses Kind lieben, egal ob Junge oder Mädchen.


„Natürlich. Es ist ein Junge“, erklärte Alice mir schulterzuckend und ich fragte mich, ob Bella ihr gesagt hatte, was das Geschlecht des Babys war. Ob sie es vielleicht nur mir nicht hatte sagen wollen und heimlich die Ärztin gefragt hatte.

Alice lachte über meinen verdutzten Gesichtsausdruck und schüttelte den Kopf.

„Nein, aber ich weiß es einfach.“

„Soso. Du weißt es einfach“, entgegnete ich seufzend und schüttelte den Kopf.

„Hey, komm mir ja nicht mit diesem ungläubigen Blick, ja? Wenn ich sage, es wird ein Junge, dann wird es auch ein Junge, denn bis jetzt habe ich mich noch nie bei so etwas geirrt! Es gibt Beweise.“ Sie streckte mir frech ihre Zunge heraus und ich schüttelte lachend den Kopf.

Ich wollte ihr nicht widersprechen und dachte daran, wie es wäre einen Sohn zu haben.
Zwar war ich bereits Vater, aber bei einem Sohn würden sich sicherlich einige Dinge ändern.

Emily war immer meine kleine Prinzessin gewesen.
Als kleines Mädchen war sie ganz verrückt nach tollen Kleidern, die ich ihr so gut es ging auch kaufte.
Ich musste lange dafür sparen, aber ihr fröhliches und strahlendes Gesicht, wenn sie die Schachtel in den Händen hielt und mit großen Augen das Geschenk öffnete, war es mir alle Male wert gewesen.

Meine Eltern hatten sie oft verwöhnt und als sie älter wurde und ich mehr Geld besaß, tat ich es ebenfalls.
Ich konnte von Glück reden, dass sie kein verwöhntes junges Mädchen geworden war, aber das lag wohl auch an der Erziehung und an der Tatsache, dass wir nicht von Anfang an reich gewesen waren.

Oft saß ich damals abends mit ihr in ihrem Zimmer und wir malten zusammen, wobei Emily schon als kleines Mädchen besser darin war, als ich es jemals sein würde.
Technische Zeichnungen waren da eher schon mein Ding, aber ich konnte noch nicht einmal ein Strichmännchen vernünftig zeichnen, was irgendwie kurios war, aber ich machte mir keine weiteren Gedanken darüber.

Wir beide hatten diese wenigen Stunden am Tag zusammen genossen und ich hatte alles für sie getan.

Ich hatte mir Bücher darüber gekauft, wie man Haare vernünftig flechtet und schöne Frisuren daraus zaubert, denn meine Mom war nicht immer da, um meiner Kleinen eine tolle Frisur zu verpassen, also musste ich das oft übernehmen und mit der Zeit wurde ich sogar richtig gut darin, so dass Emily sogar darauf bestand, dass ihr Daddy diesen Job übernahm.

Wenn ich mich an diese Zeit zurück erinnerte, war es die schönste Zeit in meinem bisherigen Leben gewesen.

Ich hatte nicht viel Geld gehabt, hatte mir nichts gegönnt und alles was übrig blieb, hatte ich für Emily ausgegeben und dennoch war ich einfach nur glücklich gewesen.

Emily musste zu dieser Zeit wohl ungefähr sechs Jahre alt gewesen sein und ich lächelte bei der Erinnerung an ihren ersten Schultag.

Meine Tochter war noch nie in ihrem Leben schüchtern gewesen.
Sie war diejenige gewesen, die auf andere zuging und fragte, ob sie mit ihr spielen wollten.
Emily hatte immer das gesagt, was sie dachte und auch bis heute hatte sich das nicht geändert.
Ich war unheimlich stolz auf meine Tochter und machte mir in Gedanken eine Notiz, dass ich ihr das bald wieder einmal sagen musste.

Mit einem Sohn würde das alles sicherlich ganz anders werden, aber ich war mir sicher, dass Bella und ich das schon irgendwie hinbekommen würden.
Wir waren erwachsen, waren beide bereits Eltern und waren zumindest nicht gänzlich unerfahren in diesem Gebiet.

„Sag mal…“, hörte ich Alice fragen und ich wandte meinen Blick zu ihr.

„Hast du den Ring eigentlich noch?“, wollte sie von mir wissen und stoppte ihre Arbeit.

Ich zögerte einen Moment lang und dachte über ihre Reaktion nach wenn sie erfahren würde, dass ich den Ring noch immer jeden Tag bei mir trug.
Es mochte für viele vielleicht verrückt wirken, denn Bella hatte meinen Antrag damals abgelehnt und wir waren auch kein Paar mehr, aber ich brachte es einfach nicht übers Herz, diesen Ring wegzuschließen.

Er war für mich so etwas wie ein Glücksbringer geworden und erinnerte mich immer wieder daran, dass ich für sie kämpfen würde.
Dass ich für unsere Liebe kämpfen musste.

Mir war bewusst, dass ich sie nicht noch einmal fragen würde, ob Bella meine Frau werden wollte.
Ich wusste, wie Bella über das Thema Hochzeit dachte und auch wenn ich innerlich hoffte, dass sich ihre Meinung ändern würde, so war ich mir dieser Sache nicht so sicher.
Es hatte nichts mit ihrer Liebe zu mir zu tun, das war mir jetzt klar, nur damals hatte ich es einfach nicht verstanden.

„Ja…“, murmelte ich leise und zuckte im nächsten Moment zusammen, als Alice’ euphorischer Schrei in meine Ohren drang.

Sie schien so glücklich darüber zu sein, dass sie die Kartoffel in ihrer Hand einfach achtlos in die Luft warf und sie wenige Sekunden später auf meinem Kopf landete.
Meinen Kopf reibend sah ich skeptisch zu Alice.

„Darf ich ihn mal sehen?“, fragte sie neugierig und bewegte sich unruhig von einer Stelle zu anderen.

Ich seufzte, nickte dann aber schließlich und zog die Kette, die sich an meinem Hals befand unter meinem Shirt hervor.  
Mit einem Lächeln legte ich Alice beides in ihre Hand und sie sah sich den Ring mit großen Augen an.

„Oh mein Gott.“ Sie stieß ehrfürchtig die Luft aus, während sie den Ring aufmerksam begutachtete.

„Du meine Güte… Du schmeißt ja wirklich mit Geld um dich.“ Alice kicherte und mir war sofort klar, dass dieser Satz ursprünglich von Bella stammte.

Ich hingegen zuckte nur mit den Schultern und lächelte.
Diese achttausend Dollar waren für mich nicht viel gewesen und ich hatte sogar versucht, extra nicht so viel Geld auszugeben, weil ich wusste, dass Bella es nicht mochte, aber als ich diesen Ring gesehen hatte, wusste ich, dass dieser Ring für Bella bestimmt war.

„Kann ich ihn wiederhaben?“, fragte ich mit einem amüsierten Gesichtsausdruck und Alice seufzte sehnsüchtig, bevor sie ihn mitsamt der Kette und einem Schmollmund wieder in meine Hand legte.  

„Du bist ein guter Mann, Edward“, sagte sie schließlich und fragte sich im nächsten Moment, wo ihre Kartoffel abgeblieben war.

Ich musste über ihre letzte Bemerkung lachen und schüttelte den Kopf.
Alice konnte so sprunghaft sein, dass man durchaus Kopfschmerzen bekam, wenn man nicht daran gewöhnt war.

„Wenn ihr heiratet, darf ich dann die Hochzeit planen?“, fragte sie mich als nächstes und ich lachte ironisch.

Falls wir jemals heiraten werden, dann ja“, antwortete ich schulterzuckend und sie quietschte vergnügt, wurde dann aber sofort wieder ernst.

„Was heißt hier falls?“

„Erinnerst du dich daran, dass Bella meinen Antrag abgelehnt hat und dass sie nicht vorhat noch einmal zu heiraten?“ Ich zog eine Augenbraue hoch, während ich Alice aufmerksam musterte und sie machte eine wegwerfende Handbewegung.

„Ach papperlapapp! Meinungen können sich ändern und ich bin da ganz zuversichtlich“, sagte Alice und ich lachte leise.

„Ist das etwas Ähnliches, wie die Sache, dass wir mit großer Wahrscheinlichkeit einen Sohn bekommen werden?“, fragte ich sie amüsiert.

„Nicht wahrscheinlich sondern sicher!“, beharrte sie noch einmal und ich seufzte.

„Gut. Dann will ich dir mal glauben.“

Alice und ich waren fast den gesamten Tag über beschäftigt.
Sie war, was das anging, eine kleine Perfektionistin und wollte, dass dieser Abend für uns alle wundervoll wurde und ich war mir sicher, dass es auch so sein würde.

Meine Tochter, Nessie, Jackson und Daniel waren die ersten, die am frühen Abend bei uns eintrafen und nachdem wir alle begrüßt hatten, flippte Emily fast aus, als sie die Pilzravioli auf dem vorbereiteten Tisch stehen sah.
Ehe ich irgendwie reagieren konnte, schnappte sie sich schon ein Stück und lächelte zufrieden.
Es war ihr Lieblingsessen und ich hatte es früher unheimlich oft für sie gekocht. Außerdem war es schön zu sehen, wie sehr sie sich über so etwas freuen konnte.

Emmett, Rosalie und die Zwillinge waren die nächsten, die vor meiner Tür standen.
Mein Bruder trug wie immer sein breites Grinsen im Gesicht und boxte mir gegen den Oberarm, als er mich begrüßte.
Rose verdrehte lächelnd ihre Augen und küsste meine Wange zur Begrüßung, nachdem ich die beiden hereingebeten hatte.
Emmett drückte mir Andrew in die Hand und erklärte mir, dass ich meine Neffen in der letzten Zeit ziemlich vernachlässigt hatte, was leider auch stimmte.

Die beiden Jungs waren schon ziemlich groß geworden.
Andrew sah mich mit großen Augen an und gluckste zufrieden, während er mit seiner kleinen Hand gegen meine Nase schlug.
Matthew schlief gerade auf dem Arm seiner Mutter und schien sich durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen.

Ich begleitete meinen Bruder und meine Schwägerin in das Wohnzimmer, wo sich die anderen bereits auf der Couch versammelt hatten und gerade in einer angeregten Unterhaltung vertieft waren.

Als ich den Raum betrat verstummten sie alle und ich runzelte misstrauisch die Stirn.
Ich meinte auch Bellas Namen aufgeschnappt zu haben und als ich fragend zu Emily herüber sah, zuckte sie nur grinsend mit ihren Schultern.

Andrew schien ein besonderes Interesse an meinem Gesicht entwickelt zu haben, denn ständig patschte er mit seinen kleinen Händchen in meinem Gesicht herum oder zog an meinen Haaren.

Es schienen alle fast zur gleichen Zeit zu kommen und ich machte mich auf in Richtung Haustür, als es erneut klingelte.
Andrew brabbelte vergnügt auf meinem Arm vor sich hin, während ich die Tür öffnete.

Als erstes entdeckte ich Jasper, gefolgt von Bella, die mich mit großen Augen ansah und dann zeigte sich ein warmes und herzliches Lächeln auf ihrem Gesicht, als sie Andrew erblickte.
Jasper war so nett gewesen und hatte sich dazu bereit erklärt Bella abzuholen.
Natürlich hatte ich ihr vorgeschlagen, sie abzuholen, aber Bella hatte es abgelehnt.

Bella hatte es vor einiger Zeit aufgegeben mit dem Auto zu fahren, denn ihr Bauch war immer größer und größer geworden und schnell musste sie feststellen, dass ihr Autositz klemmte und sich nicht nach hinten verschieben ließ.
Ihr war es unheimlich peinlich gewesen und sie hatte ihre Schrottkarre verflucht und ihr sämtliche Beschimpfungen an den Kopf geworfen, es aber letztendlich aufgegeben.

Auch jetzt lag Bellas Hand an ihrem Bauch und ich sah, dass Andrew ihr einen neugierigen Blick zuwarf.
Kinder liebten Bella, das hatte ich schon oft festgestellt und sie war auch ohne Frage eine großartige Mutter.

Jasper begrüßte mich schnell und warf mir einen eindringlichen Blick zu, bevor er schnell im Wohnzimmer verschwand.
Ich war ihm dankbar, dass er uns ein paar Minuten für uns ließ und ich lächelte, als sich Bellas und mein Blick traf.
Einen Moment lang sahen wir uns einfach nur an und mir wurde wieder einmal bewusst, wie schön sie doch war.
Ihre Wangen hatten einen gesunden rosafarbenen Ton angenommen und ansonsten sah sie unheimlich zufrieden und glücklich aus.

„Hallo Edward.“ Sie kam näher zu mir, stellte sich auf Zehenspitzen und küsste meine Wange zur Begrüßung.
Mit einem Lächeln wandte sie sich an Andrew und streichelte lächelnd über seine Wange, was er mit einem zufriedenen Glucksen quittierte.

„Ein Wunder, dass ich dich mit diesem Ball nicht umgehauen habe“, murmelte sie sarkastisch auf ihren Bauch zeigend, nachdem sie schweren Herzens den Blick von Andrew abgewandt hatte und an mir vorbeilief, um das Haus zu betreten.

Ich verdrehte lächelnd die Augen.

„Du siehst wunderschön aus“, sagte ich ehrlich und sie errötete noch mehr.

„Wunderschön und kugelrund“, murmelte sie leise und ich seufzte.

Sie hatte schon oft darüber gejammert, dass sie knapp dreizehn Kilo zugenommen hatte, obwohl das ja noch in einem normalen Rahmen lag.
Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass sie sich manchmal ein wenig unwohl fühlte, aber sie sagte nichts weiter darüber.

Ich wollte gerade die Haustür schließen, als jemand seinen Fuß dazwischen hielt und ich sie verwundert wieder öffnete.

„Hey Cullen!“ Jake stand mit einem breiten Grinsen in der Tür und klopfte mir zur Begrüßung auf die Schulter.

„Oh Bells, du bist ja auch schon da“, bemerkte er mit einem Grinsen und begrüßte seine Ex-Frau ebenfalls mit einem Kuss auf die Wange.

„Du meine Güte…“, sagte er und sein Blick verweilte länger als normal auf ihrem Bauch.  

Bella erdolchte ihn mit ihrem Blick und warnte ihn, dass er jetzt bloß nichts sagen sollte, falls er den Wunsch hatte, selbst noch einmal Vater zu werden.
Jake hob abwehrend seine Hände in die Luft und widmete sich dann sofort wieder Leah, die uns ebenfalls begrüßte.

Alice rief uns nach einiger Zeit zum Essen und es wunderte mich nicht, dass Emmett und Jake die ersten waren, die am Tisch saßen.
Es fehlte nur noch, dass sie sich um den besten Sitzplatz stritten.
Wir hatten alle zusammen viel Spaß beim Essen und amüsierten uns prächtig darüber, als Emily und Emmett um den letzten Rest der Pilzravioli kämpften.
Emmett fluchte und schien beleidigt zu sein, während Emily einen kleinen Freudentanz vollzog und ihm dann die Zunge heraus streckte.

„Und Eddie...“, hörte ich Emmett schließlich sagen, nachdem er seine beleidigte Phase wohl überwunden hatte.

Ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu, denn er wusste ganz genau wie sehr ich diesen Spitznamen verabscheute.

„Habt ihr euch jetzt für einen Namen entschieden? Naja eher gesagt für zwei, denn wir wissen ja nicht was es wird.“

„Doch wissen wir. Ein Junge“, hörte ich Alice sagen und Emmett lachte.

Bella saß mir direkt gegenüber und ihre Hände lagen auf ihrem Bauch während sie mich unentwegt ansah.
Wir hatten schon oft über einen Namen gesprochen, doch keiner schien uns so wirklich zuzusagen und so langsam war es zum verzweifeln.

„Ehrlich gesagt haben wir keine Ahnung“, sprach Bella meine Gedanken schließlich laut aus.

Sofort entbrannte eine hitzige Diskussion bei den anderen über den Namen unseres Babys.
Bella und ich sahen uns im ersten Moment verwundert an und lachten dann beide leise, während vor allem Alice und Emmett über die Namen stritten.

„Sie werden ihr Kind sicherlich NICHT Poppy nennen. Außerdem wird es eine Junge!“ Alice warf Emmett immer noch einen geschockten Blick zu.

„Ihr zwei könnt froh sein, dass ihr Jungs geworden seid“, hörte ich Rose zu ihren Kindern sagen und unterdrückte ein Lachen.

„Wieso glaubt mir niemand?“, beschwerte sich Alice und verschränkte die Arme vor ihrer Brust.

„Ich glaube dir, Liebling“, versicherte Jasper ihr und küsste sanft ihre Wange.

„Tut er nicht, dass sagt er nur, weil du mit ihm schläfst“, bemerkte Emmett und lachte, als er Jaspers verwunderten Blick sah.

Ich ließ meine Gedanken wandern und blendete die anderen aus.

Automatisch dachte ich an diesen einen Abend, an dem Bella und ich uns gemeinsam einen Film angesehen hatten, in dem die Kinder wirklich unheimliche Namen gehabt hatten.
Das war zu der Zeit gewesen, als sie noch nicht schwanger gewesen war, als alles noch zwischen uns gut war und ich erinnerte mich nur zu gut an Bellas empörten Gesichtsausdruck, als sie die Namen dieser Kinder das erste Mal im Fernsehen hörte.
Wir unterhielten uns darüber, was diese Eltern wohl dazu trieb, ihre Kinder so zu quälen und wir waren derselben Meinung, dass wir niemals so etwas unseren Kindern antun würden.

Das Gespräch wanderte in die Richtung, wie wir auf die Namen unserer Töchter gekommen waren und es wunderte mich nicht, dass Bella diejenige gewesen war, die Vanessas Namen letztendlich durchgesetzt hatte, denn wenn Bella etwas wirklich wollte, dann kämpfte sie auch solange dafür, bis sie ihr Ziel erreicht hatte.
Sie war schon immer ein Dickkopf gewesen und das würde sich auch niemals ändern.

Als mir plötzlich einfiel, dass uns damals bei dem Gespräch aufgefallen war, dass wir beide einen bestimmten Namen für einen Jungen mochten, fragte ich mich, warum mir das nicht gleich eingefallen war.

„Christopher!“, sagten sowohl Bella als auch ich fast gleichzeitig und ich warf ihr einen verwunderten Blick zu.

Sie tat es mir gleich, bevor sich schließlich ein Lächeln auf ihre Lippen schlich.
Anscheinend hatten wir an den gleichen Moment gedacht und es ließ mich noch ein wenig mehr Hoffnung schöpfen.

„Ach verdammt! Der Scheiß war doch abgesprochen! Wieso lasst ihr uns hier einen Namen suchen, während ihr ihn doch bereits schon wisst!“, beschwerte sich Emmett und warf mir einen bösen Blick zu.

„Das war nicht abgesprochen, Em. Wir… Ich meine... Ich habe mich nur an etwas erinnert, worüber wir einmal gesprochen hatten“, erklärte ich und Bella errötete, was mir bestätigte, dass sie an das Gleiche gedacht hatte.

„Na, sag das doch gleich… Fehlt nur noch ein Name für ein Mädchen“, schlussfolgerte Emmett und er gab ein leises „Au“ von sich, als Alice ihm gegen den Arm schlug, wobei ich behauptete, dass er es vielleicht noch nicht einmal gespürt hatte.

Alice war winzig und ich bezweifelte, dass sie in der Lage war, Emmett körperlich irgendwie weh zu tun, obwohl man sie weiß Gott nicht unterschätzen sollte.

Mit einer Kopfbewegung bedeutete ich Bella, dass ich mich alleine mit ihr unterhalten wollte und sie verstand meine Bitte sofort.
Möglichst unauffällig erhoben wir uns von unseren Plätzen und es schien keiner der Anwesenden zu merken, dass wir uns aus dem Staub machten, oder sie wollten uns einfach nicht aufhalten, was ich sehr zu schätzen wusste.

Im ersten Stock gingen wir in mein Arbeitszimmer. Hier hatten wir unsere Ruhe und konnten uns ungestört unterhalten.

Ich schloss die Tür hinter mir und sah, wie Bella schnaufend auf dem kleinen Ledersofa in der Ecke Platz nahm.
Sie sah ein wenig geschafft aus und ich bot ihr ein Glas Wasser an, welches sie dankend annahm.

Nervös ließ ich mich neben ihr nieder und beobachtete sie aufmerksam, während sie für einen kurzen Moment ihre Augen schloss und einmal tief durchatmete.

„Er ist heute wirklich ziemlich aktiv“, murmelte sie lächelnd und legte ihre Hand an ihren Bauch.

„Er?“ Ich zog fragend eine Augenbraue in die Höhe und grinste.

„Hey… Alice versucht mir jeden Tag einzutrichtern, dass es ein Junge wird und so langsam scheine ich mich an den Gedanken gewöhnt zu haben.“ Sie zuckte mit den Schultern, doch ich konnte das strahlende Lächeln in ihrem Gesicht sehen.  

Langsam richtete sie sich auf, stellte ihr Glas auf den kleinen Tisch und nahm meine Hände in ihre.
Meine Atmung stoppte, als sie meine Hände auf ihren Bauch legte und ich die Bewegung unseres Babys spüren konnte.

Dieser Moment war heilig.

Es war nicht das erste Mal, dass ich es spürte, aber dennoch war es jetzt in diesem Moment etwas anderes.

Die Stimmung zwischen uns hatte sich verändert.

Wir kamen uns wieder näher, lachten viel zusammen und verstanden uns immer besser.
Genau aus diesem Grund war es jetzt anders.
Wir erlebten diesen Moment nicht als einzelne Personen.
Diesen Augenblick erlebten wir gemeinsam, denn während meine Hände auf ihrem Bauch lagen, lagen ihre noch immer über meinen.

„Ich glaube, er hat dich vermisst“, gab sie leise zu und ich lächelte.

Vorsichtig und langsam legte ich meinen Kopf an ihren Bauch und schloss meine Augen.
Es war ein wirklich schönes Gefühl und mit nichts zu vergleichen.

„Wir freuen uns schon alle auf dich und können es kaum noch erwarten, bis du endlich da bist“, flüsterte ich an Bellas Bauch.

1 Kommentar:

  1. ein schönes essen und zum schluss des kaps ein sooooo schöner moment...toll hinbekommen
    :-)

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