Bella POV
Meine Gefühle der letzten paar Wochen waren nur schwer zu beschreiben. Zum Teil lag es wohl an der Schwangerschaft, die meinen kompletten Hormonhaushalt völlig auf den Kopf stellte, zum anderen war es wegen Edward.
Es tat so gut, mit ihm über meine Gedanken und Gefühle zu reden und von ihm einfach nur in den Arm genommen zu werden. Dort fühlte ich mich geborgen und sicher und war davon überzeugt, dass wir es schaffen konnten.
Ich brauchte ihn. Himmel, wie sehr ich ihn brauchte.
Mein Herz schrie nach ihm, wollte ihn rund um die Uhr bei sich haben und es zerriss mich immer wieder, wenn das Baby mich trat, aber er nicht da war…
Doch da war auch noch mein Verstand, welcher mich immer wieder warnte, wenn ich kurz davor war ihm wieder mein Herz zu öffnen und dass ich mir noch Zeit lassen sollte, denn wir hatten alle Zeit der Welt uns wieder zu nähern.
Aber irgendwann konnte ich einfach nicht mehr, konnte nichts mehr für mich behalten und ließ einfach alles raus.
Es tat so gut und war so befreiend, dass ich es bereute, es nicht schon vorher getan zu haben.
Die ganze Zeit hatte ich mir den Kopf über alles Mögliche zerbrochen, hatte versucht alles zu analysieren und gründlich zu überdenken und hatte mich nicht getraut, mein Herz sprechen zu lassen.
Jetzt, wo ich es endlich geschafft hatte, meinem Herzen die Überhand zu lassen und dabei meinen Verstand unterdrückte, ging es mir besser.
Ich fühlte mich befreiter und auch meine Träume waren nicht mehr von Kummer überzogen. Sie zeigten Hoffnung. Hoffnung auf eine wunderbare Zukunft, eine Familie zu werden. Eine richtige Familie.
Allerdings war mir durchaus bewusst, dass es bis dahin noch ein langer Weg werden würde.
Der erste Schritt war getan und ich hatte mich Edward geöffnet, doch wie viele Schritte waren noch notwendig? Wie lange würde es brauchen, bis ich mich ihm wieder bedingungslos öffnen konnte?
Ich musste aufhören, so viel darüber nachzudenken, was in der Zukunft passieren könnte.
Viel wichtiger war es doch, in der Gegenwart zu leben, denn nur so hatte ich eine Chance, die Zukunft zu beeinflussen.
Doch in letzter Zeit geschah es immer öfter, dass ich meine Gedanken schweifen ließ, sobald ich mal etwas Zeit für mich hatte.
Ungeduldig saß ich auf meiner Couch im Wohnzimmer und wartete darauf, dass Edward bald kommen würde.
Die Zeiger der Uhr schienen mich zu verspotten. Dieses Ticken war lauter, als ich es normalerweise wahrnahm und es nervte mich gewaltig.
Vielleicht sollte ich die analoge Wanduhr gegen eine digitale Uhr eintauschen, so würde mir wenigstens dieses nervige Geräusch erspart bleiben.
Nach einer mir schier endlosen Zeit hörte ich endlich die Türklingel und sprang so schnell auf, als wäre ich von einem Blitz getroffen worden. Jedenfalls kam es mir so vor, denn auch wenn ich erst im 6. Monat schwanger war, hatte sich meine Bewegungsfreiheit eindeutig eingeschränkt und ich wollte nicht einmal daran denken, wie es in drei Monaten sein würde.
Als ich damals mit Nessie schwanger war, kam ich mir beweglicher vor, was wohl eher daran lag, dass ich noch junge siebzehn Jahre alt war und mein Körper besser mit der zusätzlichen Last umgehen konnte.
Damals hatte ich immer versucht, meine Schwangerschaft zu verbergen, hatte mir Oberteile angezogen, welche mir mindestens zwei Nummern zu groß waren oder ich hatte mir Sachen von Jake geborgt.
Einerseits hatte ich mich natürlich gefreut, andererseits hatte ich mich geschämt, so früh schwanger geworden zu sein und ich wollte nicht, dass man es mir ansah.
Nur deswegen hatte ich damals auf eine Schwangerschaftsgymnastik verzichtet.
Meine Mutter hatte mir mit den Dingen geholfen, die sie noch aus ihrer Schwangerschaft wusste und ich hatte mir Tipps und Anregungen aus Zeitschriften geholt und hatte mir sogar das ein oder andere Buch gekauft, damit ich diese Übungen richtig machte.
Doch bei dieser Schwangerschaft wollte ich mich nicht davor drücken, einen Schwangerschaftskurs zu besuchen, denn ich war stolz auf meinen Bauch und alt genug, sodass ich mich für nichts schämen musste.
Und genau diese Erfahrung wollte ich mit Edward teilen, was auch der Grund dafür war, weshalb ich etwa eine halbe Stunde vor der Zeit schon fertig war und ich nervös im Wohnzimmer auf ihn gewartet hatte.
Ich machte mir gar nicht erst die Mühe, ihm die untere Tür mit dem Summer zu öffnen, sondern sprintete aus meiner Wohnung, schloss hinter mir noch ab und machte mich dann auf den Weg nach unten.
Alles, was ich für die Schwangerschaftsgymnastik brauchte, hatte ich schon in meinem Wagen, also musste ich keine Tasche mit mir herumschleppen.
Sobald ich unten angekommen war, riss ich die Tür auf.
Das erste was ich sah, war, wie Edward ein weiteres Mal die Klingel drücken wollte, schreckte jedoch sofort zurück, als er mich schon vor sich stehen sah.
„Hallo Bella“, lächelte er mich an und ich konnte gar nicht anders, als dieses Lächeln zu erwidern.
Die Spannung zwischen uns war viel gelöster, das konnte man regelrecht spüren und es war ein tolles Gefühl, in seiner Gegenwart nicht mehr so verkrampft zu sein.
„Hallo Edward“, erwiderte ich, stellte mich auf meine Zehenspitzen und drückte ihm einen leichten Kuss auf die Wange.
Womit ich jedoch nicht gerechnet hatte war, als er - kurz nachdem ich mich von ihm gelöst hatte – mir ebenfalls einen Kuss auf die Wange gab und allein schon diese kleine und unschuldige Berührung seiner Lippen auf meiner Haut, brachte meinen ganzen Körper zum Kribbeln.
Und dann gab es da noch einen Moment, an dem wir uns einfach nur in die Augen sahen.
Es war wie früher, beinahe magisch, und ich musste mich selbst zusammenreißen, um mich nicht in diesem grünen Meer zu verlieren.
Ich räusperte mich, wandte meine Augen von ihm ab und blickte über seine Schulter auf einen imaginären Punkt.
„Wie geht es dir? Und dem Baby?“, fragte er mich und ich musste lächeln, woraufhin sich meine Hände automatisch auf meinen Bauch legten und sanft darüber streichelten.
Seit wenigen Wochen konnte ich die ersten Bewegungen spüren und ich hatte schon beinahe vergessen, was für ein grandioses Gefühl das war, zu spüren, wie sich das eigene Kind bewegte und zu wissen, dass es ihr oder ihm gut ging.
Das letzte Ultraschallbild war einfach nur atemberaubend gewesen.
Unser Baby hatte am Daumen gelutscht und immer, wenn ich unser Kind am Ultraschallgerät sah und wir dann die Herztöne zu hören bekamen, musste ich vor lauter Freude anfangen zu weinen und jedes Mal überfiel ich Edward mit einer Umarmung, doch er schien nichts dagegen zu haben.
Allerdings schien er auch nie etwas dazuzulernen, denn immer wieder vergaß ich, dass ich noch das Gel auf meinen Bauch hatte und Edward einen teuren Anzug trug.
„Dem Baby geht es gut. Heute Nacht war es sehr aktiv, weshalb ich nur wenig Schlaf bekommen habe, aber was solls“, erklärte ich ihm und strahlte ihn an.
Das Glück einer werdenden Mutter war so viel mehr wert, als ein paar Stunden ruhigen Schlaf, aber immerhin hielt es sich noch in Grenzen und wenn ich abends von der Arbeit nach Hause kam und ich auf der Couch einschlief, war das Baby meist ruhig.
Ich bemerkte, wie Edward auf meinen Bauch starrte und dabei völlig verträumt wirkte, als wäre er in eine andere Welt hineingetaucht.
Durch ein Räuspern versuchte ich ihn wieder in die Gegenwart zu befördern und schon im nächsten Moment flog sein Kopf nach oben und seine Augen trafen erneut auf meine.
„Wir sollten uns auf den Weg machen“, bemerkte ich leise. Sein Blick machte mich nervös und ich musste mich dazu zwingen, diese Nervosität nicht zu zeigen, indem ich mir auf die Lippe biss oder ungeduldig hin und her zappelte.
„Natürlich“, antwortete er mir mit einem leichten Lächeln, doch als wir losgingen, gingen wir beide in unterschiedliche Richtungen.
„Ähm… Edward?“, rief ich ihn und als er sich umdrehte und sah, dass ich nicht direkt hinter ihm war, runzelte er verwirrt seine Stirn.
„Ich dachte, dass wir meinen Wagen nehmen.“
Auf Edwards Gesicht war nur noch die Verwirrung zu erkennen und noch bevor er etwas sagen und dagegen protestieren konnte, kam ich ihm zuvor.
„Bitte, Edward. Ich hab da schon alles drin und außerdem… ist dein Wagen zu protzig. Wir gehen ja nur zu einem Schwangerschaftskurs und nicht zur königlichen Hochzeit“, erklärte ich ihm und wartete darauf, dass er irgendetwas erwiderte.
„Protzig?“, fragte er nur und hob seine Augenbraue.
„Ja, protzig. Es ist mehr wie eine High Tech Anlage auf vier Rädern und kein Auto. Ich fühle mich darin einfach nicht wohl. Edward, willst du etwa, dass das Baby und ich uns unwohl fühlen?“, versuchte ich ihn zu überzeugen und hoffte, dass meine Stimme weinerlich und bittend genug klang, damit er nachgeben würde.
Mit meinen Händen streichelte ich meinen Bauch, wollte so meine Aussage unterstützen und hoffte, dass er meiner Bitte nachkam.
Es dauerte eine Weile, bis sich seine Gesichtszüge änderten und ich sehen konnte, wie seine Fassade brach.
„Aber nur unter einer Bedingung: Ich fahre!“, verlangte er und streckte mir seine Hand entgegen.
Diesmal war es an mir, ihn verwirrt anzustarren.
„Was denn? Denkst du wirklich, dass ich dich gerne mit diesem Schrotthaufen fahren lasse? Wenn ich dir schon kein neues Auto kaufen darf und du auch nicht in meinem Audi fahren willst, dann lass mich wenigstens fahren. Bitte, Bella! Es würde mir viel bedeuten.“ Mit seinen Augen versuchte er mich zu hypnotisieren, mich davon zu überzeugen, dass er fahren durfte und wenn er nicht diese Bemerkung über mein Auto gemacht hätte, wäre es ihm wahrscheinlich auch noch gelungen.
„Schrotthaufen? Du bezeichnest mein Auto als Schrotthaufen? Im Gegensatz zu deinem, hat meins wenigstens Charakter“, erwiderte ich und war schon kurz davor, ihm wie eine zwölfjährige die Zunge rauszustrecken.
So absurd es vielleicht klingen mochte, doch diese Leichtigkeit zwischen uns, wie wir miteinander umgingen, hatte mir tatsächlich gefehlt.
„Du hast mein Auto doch eben noch protzig genannt“, entgegnete er, doch ich schüttelte nur meinen Kopf.
„Das ist etwas anderes“, sagte ich und musste mir ein Lachen verkneifen.
„Und wieso?“, wollte er von mir wissen und verschränkte spielerisch seine Arme vor seiner Brust. Dadurch, dass er sich fest auf die Lippen biss, konnte ich sehen, dass er sich ebenfalls ein Lachen verkniff.
„Ich bin schwanger, ich darf das“, antwortete ich ihm mit einem leichten Schulterzucken, so als ob diese Antwort selbstverständlich wäre.
Eine ganze Weile starrten wir uns gegenseitig an, versuchten unser Lachen zu unterdrücken, bis ich irgendwann nicht mehr konnte und so sehr lachte, wie ich es schon seit Monaten nicht mehr getan hatte, und es dauerte auch nicht lange, bis Edward ebenfalls in lautes Gelächter ausbrach.
Manchmal benahmen wir uns schlimmer als unsere eigenen Kinder, doch ich fand, dass ein jugendhaftes Verhalten in unserem Alter sehr erfrischend sein konnte.
Schließlich sagte man doch nicht umsonst, dass man nur so jung ist, wie man sich fühlt.
Es dauerte eine ganze Weile, bis wir uns wieder beruhigten. So zu lachen war einfach viel zu befreiend, als dass wir es irgendwie hätten aufhalten können, doch schließlich schafften wir es, den Lachkrampf zu besiegen und liefen auf mein Auto zu.
Edward streckte mir wieder seine Handfläche entgegen, als Zeichen dafür, dass ich ihm meinen Schlüssel überreichen sollte und nur widerwillig ließ ich es zu.
Ich war schon kurz davor, einen dieser Standardsprüche zu nutzen, dass ich zwar schwanger, aber nicht todkrank wäre, doch ich wusste, dass es bei Edward nichts bringen würde.
„Weißt du überhaupt, wie man einen Schaltwagen fährt?“, überkam mich plötzlich die Erkenntnis, als wir im Auto saßen.
„Natürlich kann ich das, für wen hältst du mich?“, fragte er mich fast schon empört, steckte den Schlüssel ins Zündschloss und schnallte sich an, was ich ihm sofort nachmachte.
Insgeheim fragte ich mich, wie lange es wohl her war, dass er einen Wagen gefahren hatte, bei dem man die Gänge manuell umschaltete, doch vielleicht war es besser für mich, es gar nicht zu hinterfragen.
Ihm war meine Sicherheit und die des Babys wichtig, also versuchte ich, ihm zu vertrauen.
Er löste die Handbremse, griff zum Schlüssel und drehte ihn herum, woraufhin mein Auto einen Satz nach vorne machte und ich mich so sehr erschreckte, dass ich aufschrie und meine Hand ans Herz legte, während meine andere Hand auf meinem Bauch ruhte.
„Spinnst du? Willst du, dass ich unser Kind hier gebäre?“, fuhr ich ihn aufgebracht an.
Entschuldigend sah er zu mir herüber und wirkte so unschuldig wie ein kleiner Schuljunge.
„Du musst auf die Kupplung treten, wenn du den Wagen startest. Hast du nicht gerade noch gesagt, du kannst einen Schaltwagen fahren?“, fragte ich ihn etwas bissiger, als beabsichtigt.
„Kann ich ja auch. Es ist eben schon ein paar Jahre her, seitdem ich einen gefahren habe“, antwortete er mir kleinlaut und zuckte dabei mit den Schultern.
Ich war kurz davor ihm zu sagen, dass ich mich umentschieden hatte und wir doch seinen Wagen nehmen konnten oder dass ich doch darauf bestand, mein Auto selbst zu fahren, doch ich ließ es bleiben.
Immer noch war ich davon überzeugt, dass Edward es nicht vorgeschlagen hätte zu fahren, wenn er nicht wusste, wie es ging und hoffte, dass es nur eine Startschwierigkeit war und gab meiner Neugier nicht nach, ihn zu fragen, wie er ‚ein paar Jahre’ definierte.
Also lehnte ich mich zurück, versuchte mich, so gut es in dieser Situation möglich war, zu entspannen, während Edward den Wagen neu startete und dieses Mal, Gott sei Dank, die Kupplung durchdrückte und in den ersten Gang wechselte.
Doch das Auto zu starten war noch das geringste Problem und ich schwor mir, dass ich auf dem Rückweg darauf bestehen würde, selbst zu fahren. Vorausgesetzt, mein Auto würde bis dahin noch funktionieren.
Ständig vergaß Edward, in den nächsten Gang zu wechseln und wenn er es tat, dann war der Gang nicht richtig drin und der Motor fing an zu knurren.
Immerhin lernte Edward aus seinen Fehlern und das schneller, als ich es vermutet hätte und wir kamen sogar unbeschadet an. Mein Wagen lief sogar noch einwandfrei, doch ich hoffte, dass durch Edwards Fahrweise sich nicht nachträglich irgendein Defekt zeigen würde.
Ganz der Gentleman, der er nun einmal war, stieg Edward als erster aus und hielt mir meine Tür auf, noch bevor ich es tun konnte und ich dankte ihm, indem ich ihm ein Lächeln schenkte, woraufhin er dieses Lächeln erwiderte. So langsam aber sicher kam die Leichtigkeit zwischen uns zurück und wir gingen entspannter und freundlicher miteinander um.
Wir holten noch die Sachen aus dem Auto, die ich für den Kurs extra eingepackt hatte. Beinahe hätte Edward vergessen, dass man meinen Wagen manuell abschließen musste, nicht so wie seinen eigenen, also ging er noch einmal zur Fahrertür und schloss ab. Dann endlich machten wir uns auf den Weg in das Gebäude, in dem der Schwangerschaftsgymnastikkurs stattfinden würde.
Niemals hätte ich gedacht, dass solch ein Kurs so teuer sein könnte und ich war etwas niedergeschmettert, als ich die Preise gesehen hatte, schließlich wollte ich es diesmal richtig machen, doch mir hatte das Geld gefehlt.
Einen Tag, bevor ich mich über die Preise erkundigt hatte, hatte ich mit Edward über diese Kurse gesprochen und dass ich gerne einen mit ihm zusammen aufsuchen würde, schließlich wäre es für ihn auch wichtig, mit dabei zu sein.
Er hatte sich gefreut, dass ich ihn gefragt hatte und war schon ganz aufgeregt, genau wie ich, doch als ich dann erfahren hatte, wie viel so etwas kostete und dass die Krankenkasse die Kosten nicht übernehmen würden, war ich ziemlich geschockt.
Ich wusste nicht mehr genau wie Edward es geschafft hatte, doch er hatte mich dazu überredet, dass er die Kursgebühr übernehmen würde. Schließlich war es auch sein Kind und auch er wollte nur das Beste, also ließ ich es irgendwann doch zu.
Für mein eigenes Fleisch und Blut würde ich jederzeit meinen eigenen Stolz in die hinterste Ecke verbannen und so tun, als ob es gar nicht existieren würde.
„Bist du nervös?“, hörte ich Edward fragen und wandte meinen Kopf in seine Richtung.
„Ein bisschen“, gab ich zu und biss auf meine Unterlippe herum.
Es war zwar nicht meine erste Schwangerschaft, dafür war diese aber schon etwas über siebzehn Jahre her und ich war noch nie bei einem Schwangerschaftskurs. Das alles war für mich eine vollkommen neue Erfahrung und das machte mich etwas nervös.
„Ich auch“, bemerkte Edward und sah mich aufmunternd lächelnd an.
Wir erreichten das Gebäude und gingen hinein, während ich mich an Edwards Arm festkrallte und mich unsicher umsah.
Eigentlich hatte ich erwartet, dass es etwas fröhlicher aussehen würde, doch allein schon der Flur war so weiß, wie die Wände in einem Krankenhaus.
Ein Schild zeigte uns den Weg zum Kurs. Stillschweigend liefen wir durch die Gänge und folgten den Schildern, die nach jeder Ecke auftauchten.
Mal mussten wir nach links, mal nach rechts und ich fragte mich, wie groß dieses Gebäude war. Es kam mir vor, als würden wir seit einer halbern Stunde danach suchen, doch schließlich fanden wir die Tür zum Saal und ich war erleichtert, dass wir nicht noch weiter laufen mussten.
Ich hatte schon Angst gehabt, dass wir durch unseren anfänglich Lachanfall und Edwards Schwierigkeiten, mein Auto richtig zu fahren, zu spät kommen würden und war erleichtert zu sehen, dass die Kursleiterin noch nicht da war.
Edward und ich suchten uns einen Platz in der Nähe der anderen Paare, welche schon vor Ort waren und ihre Matten ausgebreitet hatten.
Irgendwie verursachte der Anblick dieser Paare ein Stich in meinem Herzen. So wie sie sich ansahen, so verliebt und glücklich… Ich vermisste es, mich so zu fühlen und ich wünsche in diesem Moment mehr denn je, dass all die Vorkommnisse zwischen Edward und mir nie passiert wären.
Ich wünschte mir, dass Edward und ich als ein ganz normales Paar an diesem Kurs teilnehmen konnten, dass wir unsere Liebe genießen konnten und dass nie etwas zwischen uns vorgefallen wäre.
Aber die Realität war anders…
Wir liebten uns zwar, niemand von uns würde das bestreiten, aber wir waren kein Paar.
Es war zwar schön, all diese Erfahrungen der Schwangerschaft zu erleben, doch ich würde sie noch mehr genießen, wenn ich einen Partner an meiner Seite hätte. Wenn Edward bei mir wäre, wenn dieses Vertrauen nicht zerbrochen worden wäre, dann wäre so vieles einfacher.
„Alles okay mit dir?“, hörte ich die Stimme des Mannes fragen, der mein Herz erobert hatte und auch immer nur ihm gehören würde.
Seine Hand streichelte sanft meinen Rücken auf und ab und ich konnte die Besorgnis aus seiner Stimme heraushören.
„Ja, alles gut. Ich war nur in Gedanken“, gab ich zu und lächelte ihn beruhigend an.
Ich war froh, dass ich mir schon Zuhause bequeme Klamotten angezogen hatte, denn ich wusste nicht, ob ich hier eine Möglichkeit finden würde, mich entsprechend umzuziehen.
„Oh mein Gott“, hörte ich plötzlich eine mir entfernt bekannte Stimme und zuckte bei ihrem Klang zusammen.
Edwards Hand auf meinem Rücken stoppte und ich drehte meinen Kopf in die Richtung, aus der ich die Stimme vernommen hatte.
Das erste, was ich erblickte, war langes, blondes Haar und ein schweinchenrosa Sportoutfit.
Es dauerte eine ganze Weile, bis ich registrierte, dass Carol-Ann, Edwards Ex-Verlobte, sich auf uns zu bewegte und dass sie diejenige war, der diese Stimme gehört hatte.
Was machte sie hier?
„Edward“, sagte sie entzückt und drückte ihm links und rechts einen Kuss auf die Wange, bevor sie ihre Aufmerksamkeit mir schenkte.
„Und Sie sind Bella, richtig?“, fragte sie mich und ehe ich mich versah, hatte sie auch mich auf die Wangen geküsst.
„Richtig“, konnte ich nur darauf antworten, immer noch erstaunt darüber, was sie hier tat.
„Es ist schön euch zu sehen“, bemerkte sie wieder in einem entzückten Tonfall.
Edward hatte kein Wort gesagt, seitdem sie zu uns herübergelaufen war und uns begrüßt hatte, sondern starrte sie einfach nur an. Wieso starrte er sie so an?
Mein Blick fiel wieder auf Carol-Ann und erst jetzt fiel mir der Klunker an ihrem Ringfinger auf und ihre Hand, die sie auf ihren Bauch gelegt hatte. Sie war schwanger! Sie war schwanger?
„Mr. Cullen“, hörte ich eine andere Stimme rufen, jedoch war es diesmal eine, die mir gänzlich unbekannt war.
Edward erwachte aus seiner Starre und richtete seinen Blick auf eine andere Person.
Es war ein Mann, vermutlich in den Sechzigern. Er war groß und seine Haare waren überwiegend Grau und auch die Falten auf seinem Gesicht waren unverkennbar.
„Mr. Percey?“, wandte sich Edward fragend an den Mann und streckte ihm seine Hand entgegen.
„Schön Sie zu sehen, alter Junge. Wie geht es Ihnen?“ Der ältere Herr wirkte freundlich und ich fragte mich, woher Edward ihn kannte. War er vielleicht mit Carol-Ann verwandt?
Schließlich war er einmal mit ihr verlobt gewesen und kannte dadurch bestimmt ihre Familie.
„Mir geht es wunderbar, Sir. Und Ihnen?“, stellte Edward ihm die Gegenfrage und ich konnte sehen, wie er seine Stirn vor Verwirrung runzelte.
„Könnte nicht besser sein, nicht wahr, Schatz?“, antwortete er und sah zu Carol-Ann hinüber.
Ungläubig riss ich meine Augen auf. Schatz?!
Dieser Mann könnte ihr Großvater sein! Um ehrlich zu sein konnte dieser Mann wahrscheinlich sogar mein eigener Großvater sein! Aber vielleicht irrte ich mich ja auch…
„Allerdings, Liebling“, stimmte sie ihm zu und rieb über ihren runden Bauch.
Oh mein Gott…!!
„Ähm… Mr. Percey, darf ich Ihnen Bella vorstellen?“, hörte ich irgendwann wieder Edwards Stimme, woraufhin der Mann mir seine Aufmerksamkeit schenkte.
„Bella, was für ein wunderschöner Name. Reizend, Sie kennenzulernen.“
„Ganz meinerseits“, gab ich immer noch etwas verwirrt von mir, während er mir seine Hand entgegenstreckte und sie schüttelte.
„Wann ist es soweit?“, fragte er uns und deutete auf meinen Bauch, welchen ich nun mit meinen Händen schützend umschlang.
„In drei Monaten“, antwortete Edward für uns und ich konnte spüren, wie er wieder mit seiner Hand meinen Rücken streichelte und dabei mit Stolz zu mir herübersah und mich anlächelte und ich konnte gar nicht anders, als ebenfalls zu lächeln.
Nur noch drei Monate und unser Baby wäre da. Ich freute mich schon sehr, fragte mich ständig, ob es ein Junge oder ein Mädchen werden würde und ob das Baby mehr nach mir oder nach Edward kommen würde.
„Wunderbar, meinen Glückwunsch. Bei uns ist es in sechs Wochen schon soweit“, verkündigte Mr. Percey voller Stolz und ich wusste nicht, ob ich Mitleid mit ihm haben sollte, weil er Carol-Ann allem Anschein nach geheiratet hatte oder wenigstens mit ihr verlobt war, oder ob ich mich für die beiden freuen sollte, dass sie ein Baby erwarteten.
Denn irgendwie überkam mich ein Ekel, wenn ich daran dachte, wie Carol-Ann mit jemandem schlief, der wahrscheinlich dreimal so alt war wie sie selbst und ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, dass Liebe darin im Spiel war.
Als ich mir Carol-Anns Bauch noch einmal ansah, stutzte ich. Sie sah nicht so aus, als wäre sie schon im achten Monat schwanger. Aß sie denn nicht genug? War ihr nicht bewusst, dass das Baby Nahrung brauchte? Wollte sie etwa tatsächlich auf ihre Figur achten? Oder nahm sie einfach nicht zu, ganz im Gegensatz zu mir?
„Oh, vielleicht werden unsere Kinder ja zusammen aufwachsen“, rief sie auf einmal freudig und klatschte vergnügt in ihre Hände.
Ein Grauen durchfuhr mich, wenn ich daran dachte, dass mein Kind mir ihrem zusammen aufwachsen sollte. Natürlich würde das Kind nichts dafür können, dennoch legte ich keinen Wert darauf, Carol-Ann in Zukunft des Öfteren zu sehen.
„Ja, wer weiß“, versuchte ich einfach nur höflich zu sein und hoffte, dass die Kursleiterin bald auftauchen würde.
Doch ich hatte mehr Glück, denn nachdem wir noch ein paar Worte gewechselt hatten, gingen sie wieder weg, als sie ein anderes Paar erblickten, welche sie begrüßen wollten.
„Das glaube ich nicht“, hörte ich Edward neben mir vor sich hin murmeln und blickte ihn fragend an.
„Wer war das? Woher kennst du ihn?“, wollte ich von Edward wissen und hoffte, dass er meine Neugier befriedigen würde und nicht einfach sagte, dass es unwichtig wäre.
„Mr. Percey war früher mein Chef. Er ist schon vor einigen Jahren in Rente gegangen“, antwortete er mir und ich konnte nicht anders, als ihn erschrocken anzustarren.
„Rente? Aber eine verfrühte Rente, oder?“ Fragend blickte ich ihn an, doch Edward schüttelte nur seinen Kopf.
„Himmeldonnerwetter“, murmelte ich vor mich hin und konnte immer noch nicht fassen, dass Carol-Ann ein Kind von einem Rentner bekam.
Allein diese Vorstellung ließ mich erschaudern, dabei dachte ich doch damals schon, dass der Altersunterschied zwischen ihr und Edward viel zu groß wäre.
Als die Kursleiterin zur Tür hereinkam, breiteten Edward und ich noch schnell unsere Matten aus und ließen uns darauf nieder.
Sie begrüßte alle mit einem Lächeln auf den Lippen, welches für mich etwas künstlich aussah, und erklärte für alle Neulinge den heutigen Ablauf.
Bei den ersten Übungen fragte ich mich, wieso die Männer überhaupt alle mitgekommen waren, schließlich sollte nur die Frau die Übung machen, während der Mann daneben saß und einfach nur beobachtete.
Ich kam mir wie ein Idiot vor, all diese Streck- und Dehnübungen zu machen, während Edward einfach nur da saß und zuschaute.
Irgendwann kamen wir dann zu dem Teil, an dem auch die Männer etwas tun konnten.
Edward befolgte den Anweisungen von Mrs. Miller, der Kursleiterin, und setzte sich mit gespreizten Beinen auf unserer Matte, während ich es mir zwischen seinen Beinen gemütlich machen sollte.
Ihn so nah bei mir zu haben, ihn so nah bei mir zu spüren, ließ meinen ganzen Körper prickeln.
Meine Hormone spielten in letzter Zeit verrückt und ich konnte nicht unterscheiden, was eine natürliche Reaktion von mir war und was nur an der Schwangerschaft lag, doch bei Edward hatte ich mich schon immer so gefühlt.
Meinen Rücken hatte ich an seine Brust gepresst und ich genoss die Wärme um mich herum, während ich es mir erlaubte für einen kurzen Moment meine Augen zu schließen und seinen verführerischen Duft einzuatmen.
Im nächsten Moment konnte ich spüren, wie sich Edwards Hände auf meinen Bauch legten.
Ganz vorsichtig, als ob er etwas Zerbrechliches berühren würde, lagen sie auf den Seiten meines Bauches, doch ich wollte nicht, dass er so vorsichtig war.
Behutsam legte ich meine Hände auf seine und übte leichten Druck auf ihnen aus, wollte ihm zeigen, dass ich nichts gegen seine Berührungen hatte.
Das Kribbeln in mir verstärkte sich und wurde durch jeden meiner Atemzüge, in denen ich nur noch mehr von seinem Duft einatmete, intensiver.
Sein Atem streifte meine Wange, was bei mir eine Gänsehaut auslöste, die sich über meinem ganzen Körper erstreckte.
Die Atemübungen, welche die Kursleiterin uns aufgetragen hatte, sie nachzuahmen, versuchte ich so gut es ging zu machen, doch Edwards Gegenwart machte es mir schwer, mich auf irgendetwas zu konzentrieren, was nicht mit ihm zu tun hatte.
Für einen Moment schaltete ich meinen Verstand ab und erlaubte es mir, meinem Herzen die Führung zu übernehmen.
Ich ließ es zu, dass meine Fingerspitzen über seinen Handrücken strichen und sanft jeden seiner Knöchel liebkosten. Erlaubte es mir, über seine Arme zu streicheln und ich konnte die Härchen spüren, die sich unter meiner Berührung aufrichteten.
Zu wissen, dass ich immer noch diese Reaktion in ihm hervorrufen konnte, beruhigte mich irgendwie, denn auch wenn er mir immer wieder sagte, dass er mich liebte, zeigte mir nun auch sein Körper, dass er mich noch begehrte.
Mein natürlicher Instinkt übernahm die Führung über mich.
Das Kribbeln in mir nahm sekündlich zu, mein Herzschlag verdoppelte sich und ich drehte meinen Kopf in seine Richtung, da ich dem Drang, ihn zu sehen, nicht widerstehen konnte.
Sofort blickte ich in diese unwiderstehlich grünen Augen und verlor mich ihnen.
Die Intensität, die sie ausstrahlten, heizte meine innere Unruhe nur noch mehr an.
Mein Verstand war mittlerweile nicht mehr, als ein leises Flüstern, dafür schien mein Herz nur noch lauter nach ihm zu schreien. Es sehnte sich nach ihm, mit jeder einzelnen Faser meines Seins vermisste ich ihn und wollte nichts mehr, als ihn bei mir zu haben.
Edward schien genauso benommen von diesem Augenblick zu sein wie ich.
Die Spannung um uns herum war fast greifbar und ich wagte es nicht, diesen Moment zu ruinieren. Dafür fühlte es sich einfach zu gut an.
Als er auch noch begann, seine Hände auf meinem Bauch zu bewegen und ihn sanft streichelte, musste ich mich schon beinahe dazu zwingen, durch dieses unglaublich gute Gefühl in mir, nicht zu stöhnen.
Die Zeit um uns herum schien still zu stehen. Nichts war mehr wichtig, nichts hatte noch eine Bedeutung. Das einzige, was zählte, war dieser Moment.
Seine Augen lösten sich zaghaft von meinen, blickten auf meine Lippen und blieben dort für eine Weile hängen, bis er mir wieder in die Augen sah.
Wir fixierten uns gegenseitig, kosteten jede Sekunde aus, in der unsere Gefühle unser Handeln beherrschte und gerade in dem Moment, als Edward seinen Kopf neigte, spürte ich den Tritt in meinem Bauch.
Edward hielt augenblicklich in seiner Bewegung inne, blickte aber weiterhin in meine Augen.
Ich war wie erstarrt, wusste nicht, was ich sagen oder tun sollte, doch ich wollte dieses Gefühl nicht verlieren.
Es vergingen nur wenige Sekunden, bis ich einen weiteren Tritt spüren konnte und ich das Lächeln erblickte, welches sich augenblicklich auf Edwards Lippen schlich.
„Ich habe es gespürt“, wisperte er in mein Ohr.
„Unser Baby. Es hat sich bewegt. Ich konnte es fühlen“, sagte er schon beinahe ehrfürchtig und ich konnte nicht anders, als dieses Lächeln mit derselben Intensität zu erwidern.
Edward hatte in den letzten paar Wochen, seitdem ich das Baby zum ersten Mal gespürt hatte, immer wieder gehofft, dass er es auch einmal spüren konnte, doch bisher war es erfolglos.
Entweder es geschah gar nichts, oder das Baby trat, aber er konnte es noch nicht spüren.
Doch heute war es anders und ich konnte es an seinem Gesicht ablesen, wie sehr er sich darüber freute.
Das Glück strahlte aus seinen Augen, ließen sie funkeln, und das breite Lächeln wollte gar nicht mehr von seinen Lippen verschwinden.
„Unser Baby…“, murmelte ich leise und blickte auf meinen Bauch herab.
Eine Hand legte ich wieder behutsam auf seine, die andere Hand ließ ich direkt zu meinen Bauch wandern.
So wie ich meine Hand auf seine gelegt hatte, legte er diesmal seine andere Hand auf meiner ab und gemeinsam warteten wir gespannt darauf, ob unser Baby sich noch einmal bemerkbar machen würde.
Die Leute um uns herum waren uns in diesem Moment völlig egal.
Zum ersten Mal hatte Edward unser Baby spüren können und das war das einzige, was uns im Augenblick interessierte.
Seinen Kopf hatte er auf meiner Schulter abgelegt, als wäre es ganz natürlich, doch ich konnte nicht anders, als alles zu genießen.
Mein Herz pochte immer noch wie wild, doch immerhin hatte sich meine Atmung wieder normalisiert.
Hier mit ihm zu sein und diesen Augenblick auszukosten war alles, was ich im Moment wollte. Alles, was ich im Moment brauchte und ich wusste, mehr denn je, dass Edward und ich es schaffen konnten, denn nur mit ihm konnte ich mich so gut fühlen.
Nur mit ihm konnte ich mich komplett fühlen, denn er war meine andere Hälfte.
boaaaa das diese frau es geschafft hat schwanger zu werden.....
AntwortenLöschendas einfangen der stimmung zwischen bella und edward ist in diesem kap wieder besonders gut gelungen
:-)