Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Freitag, 6. Mai 2011

Kapitel 47 - Veränderungen


Bella POV

Ich hatte schon völlig vergessen, wie es sich anfühlte, wenn man das eigene Kind auf dem Ultraschall sah.

Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich die Schwangerschaft schon längst realisiert hatte, doch als ich mein Baby am Ultraschallgerät erkennen konnte, wurde ich eines besseren belehrt.

Dieses Gefühl war einfach unglaublich und mit keinen Worten dieser Welt hätte man es jemals beschreiben können.
Ich hatte noch nicht einmal bemerkt, dass meine Hände zitterten, bis Edward sie in seine nahm, mich festhielt und einfach da war.

In diesem einen Moment vergaß ich einfach alles.
Alle Probleme. Alle Schwierigkeiten. Alle Vorkommnisse.

Es war schön, nicht von all den negativen Geschehnissen eingenommen zu werden, sondern einfach mal etwas anderes zu fühlen. Glück. Freude. Hoffnung.

Doch es war abzusehen, dass diese Gefühle nicht lange halten würden.

Der Moment, als Edward in seinem Wagen mit mir geredet hatte, wie er mir zu erklären versuchte, er würde um mich kämpfen, war seltsam.
All diese Worte wollte ich gar nicht hören, doch was blieb mir übrig?
Wieder einmal wegzulaufen, wie wir beide es in unserer Beziehung so oft getan hatten?
Nein, also musste ich ihm zuhören.

Ich hatte nicht mit dieser Rede gerechnet, doch das Schlimme daran war, dass ich mir Hoffnungen machte.
Hoffnung, dass wir das irgendwie hinkriegen würden, dass unsere Trennung nur vorübergehend war, doch ich konnte diesen Gedanken einfach nicht zulassen.

Es zerbrach mich, denn wenn ich die Hoffnung zuließ und ich dann wieder enttäuscht werden würde, wüsste ich nicht, wie ich das überleben sollte.

Vielleicht wäre ich irgendwann bereit, doch nicht jetzt. Noch lange nicht, dafür war es einfach zu frisch.

Dennoch hatte sich meine Laune im Laufe des Tages gehoben.

Es war etwas Vertrautes, mit Edward zu reden und es war süß, wie aufgeregt er wegen dem Termin beim Frauenarzt war und auch danach war es zwischen uns noch… normal, wenn man es so nennen wollte.

Ich war dankbar, als sich Edward dazu bereit erklärt hatte, sich meinen Wagen anzusehen.
Es war der falsche Zeitpunkt um stolz zu sein und darauf zu bestehen, dass Jake es sich ansehen würde, sobald er Zeit hatte.

Was ich nicht bedacht hatte, war die Leichtigkeit, die uns nach und nach umgab.

Wir lachten, wir scherzten und es kam mir vor, als wäre es wie früher, als wir noch ein Paar waren, als wir noch glücklich waren und das Problem war, ich ließ es zu.

Aber ich durfte es nicht zulassen, konnte es einfach nicht, auch wenn ich mir gewünscht hatte, auf eine normale und friedliche Ebene mit Edward auszukommen, doch das war mir zu nah, zu intim und zu… normal.

Mir blieb keine andere Wahl, als mich wieder etwas von ihm zu distanzieren und dabei mich selbst zu schützen.

Doch wie sollte ich das anstellen, ohne ihn komplett aus meinem Leben zu schließen? Denn es war klar, dass dies niemals mehr der Fall sein konnte.

Aber wie sollte ich einen Weg finden?
Ein Weg, der Edward sowohl in meinem Leben zuließ, ich ihn aber dennoch genug ausschließen konnte, damit er mir nicht wieder zu nah kam.

Wie sollte ich das anstellen?

War die Zeit wirklich die einzige Möglichkeit, wie wir miteinander umgehen würden?
Wie sich das alles ‚normal’ anfühlen würde, ohne dass ich mich zu sehr fallen ließ?
Dass wir eine bestimmte Richtung eingehen konnten, ohne dass meine Gefühle für ihn die Oberhand gewannen?

Ich wusste nicht, ob eine Beziehung zwischen Edward und mir noch möglich war.

Vertrauen war die Basis einer Beziehung und diese Basis aufzubauen, dauerte. Ganz besonders dann, wenn diese schon einmal vernichtet wurde.
Wie war es nur möglich, dass man sich das Vertrauen eines Menschen erst verdienen musste, allerdings nur ein einziger Wimpernschlag nötig war, um dies wieder zu verlieren?

Schmerzhaft wurde mir bewusst, dass es nichts brachte, andauernd über die Situation zwischen Edward und mir nachzudenken und vor allem, dass ich mich nicht jedes Mal distanzieren konnte, wenn die Stimmung zwischen uns auftaute.
Doch ich musste an das Baby denken und wie wichtig es sein würde, dass Edward und ich, als Eltern, uns verstehen würden und bis dahin würde es ein langer Weg werden.



Es brachte nichts, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, besonders jetzt nicht, wo ich in meinem Auto saß und jede rote Ampel und der kleinste Stau mich dazu brachte, meine Gedanken schweifen zu lassen.

Heute war Nessies Geburtstag und nur das zählte. Ich wollte ihr nicht die Stimmung vermiesen, indem ich mich meinen wirren Gefühlen hingab. Damit hatte ich schon genügend Zeit vergeudet.

Am Morgen hatte ich mir den Wecker extra früher gestellt, damit ich unser kleines Ritual durchführen konnte.

Es war schon zur Tradition geworden, dass ich Nessie an ihrem Geburtstag Pancakes zum Frühstück machte und dazu noch – je nachdem wie alt sie geworden war – siebzehn blaue Rosen, ihre Lieblingsblumen, in eine Vase legte und in der Mitte des Tisches platzierte.

Mit einem Muffin, dessen Mitte von einer angezündeten Kerze erleuchtete wurde, hatte ich mich in ihr Zimmer geschlichen, sie geweckt und ihr gratuliert.  
Auch das hatte sich, seit ihrem vierten Geburtstag, zu einer Tradition entwickelt,.

Ich liebte solche Traditionen. Es waren welche, die nur wir hatten, die nur wir miteinander teilten und niemals sollte sich das ändern.
Für mich war sie immer noch mein kleines Mädchen, auch wenn sie sich gerade zu einer wunderbaren jungen Frau entwickelte, doch ich war mir sicher, dass egal wie alt sie werden würde, selbst in fünfzig Jahren noch, würde sie immer mein kleines Mädchen bleiben.


An diesem Freitag würde eine ganz besondere Überraschung auf Nessie warten.

Nessie dachte, ich wäre bei der Arbeit, was auch normalerweise der Fall war, doch diesen einen Tag hatte ich mir schon vor langer Zeit frei genommen.

Meine Eltern hatten mich darum gebeten, sie vom Flughafen abzuholen und wir hatten Glück, dass sie einen Flug erwischt hatten, der dann landete, wenn Nessie noch ihren Schultag vor sich hatte.

Sie hatten darauf bestanden, in einem Hotel zu übernachten, egal wie oft ich ihnen einzureden versuchte, dass sie solange in meinem Zimmer schlafen konnten, während ich es mir auf der Couch gemütlich machen würde.

Die Straßen waren an diesem Morgen zum Glück nicht sehr voll, da die meisten Menschen schon arbeiten waren oder diejenigen, die nicht zur Arbeit mussten, vermutlich Zuhause in ihrem Bett lagen und einen freien Tag genossen.

Ich wünschte, auch ich hätte einen sorglosen Tag erleben dürfen, stattdessen müsste ich meinen Eltern von meiner Schwangerschaft erzählen, ohne zu wissen, wie sie darauf reagieren würden, erneut Großeltern zu werden.

Jahrelang hatten sie gehofft, dass ich noch einmal schwanger werden würde, hatten gehofft, dass Nessie kein Einzelkind bleiben würde und dass ich jemanden fand, mit dem ich den Rest meines Lebens teilen konnte.

Sie wussten mittlerweile, dass Edward und ich uns getrennt hatten.

Noch zu gut konnte ich mich an ihren Überraschungsbesuch erinnern, als sie das erste Mal auf Edward trafen und hofften, dass wir beide ein Paar werden würden und, wie mein Dad gesagt hatte, ein paar ‚stramme Burschen’ dabei herauskommen würden.
Das kuriose war, dass sie Recht behalten hatten.

Edward und ich waren ein Paar geworden, hatten uns geliebt und ohne, dass wir es wussten hatten wir sogar ein neues Leben erschaffen. Ich wusste, dass mein Vater sich wünschte, dass ein Junge in unserer Familie hineingeboren wurde.

Natürlich liebte er Nessie und mich abgöttisch, das stand vollkommen außer Frage, dennoch konnte er mit keiner von uns eines der Dinge tun, die er so gerne einem kleinen Jungen beigebracht hätte.

Nessie und ich waren genauso interessiert an Sport, wie mein Dad an einer Pediküre.

Es hätte ihn so sehr gefreut, einem kleinen Jungen das Ballspielen beibringen zu können oder mit ihm zu einer Sportveranstaltung zu gehen, doch anscheinend sollte es nicht so sein.

Mir war es egal, welches Geschlecht mein Baby haben würde. Mit kleinen Mädchen kannte ich mich besser aus, doch allein schon wegen meinem Dad hoffte ich, dass es ein Junge werden würde und er ihm alles beibringen konnte, was er seiner Tochter und Enkeltochter nie beibringen konnte, weil wir einfach nie irgendein Interesse daran gefunden hatten.

Doch wenn ich es schon geschafft hatte, Edward und Nessie von meiner Schwangerschaft zu erzählen, sollte ich es bei meinen Eltern auch schaffen.

Das Problem daran war allerdings, dass ich sie nicht enttäuschen wollte, da war es egal, dass ich vierunddreißig Jahre alt war und ich schon seit siebzehn Jahren mein eigenes Leben führte. Sie waren immer noch meine Eltern und ich wollte sie stolz machen.

Aber wie sollte ich das bewerkstelligen, wenn ich nicht mehr mit dem Vater meines Kindes zusammen war?
Die beiden wären enttäuscht, dass ich es wieder einmal nicht geschafft hatte, einen Mann lange genug an meiner Seite zu halten.

Schon damals, als ich ihnen erzählt hatte, dass Jake und ich uns scheiden lassen würden, konnte ich die Enttäuschung in ihren Gesichtern erkennen.
Sie hätten es niemals ausgesprochen, doch das brauchten sie auch nicht. Ich konnte es ihnen ansehen und ich war mir sicher, dass es heute genauso verlaufen würde, wie damals, vielleicht sogar noch schlimmer.

Als ich mit siebzehn schwanger wurde, hatte ich wenigstens den Vater meines Kindes an meiner Seite. Wir waren ein Paar gewesen und hatten sogar geheiratet, als Nessie zwei Jahre alt war.
Damals wollten wir einfach sicher gehen, uns in unser Familienleben eingewöhnen, bevor wir heirateten.

Ich war mir damals so sicher gewesen, Jake wäre der Eine für mich…  

Doch die Ehe hatte uns verändert. Unsere Beziehung wurde ganz anders und wir hatten uns voneinander entfernt, bis wir uns dazu entschlossen hatten, einfach nur noch Eltern zu sein und kein Liebespaar mehr.

Für meine Eltern war dies schwer zu begreifen, schließlich führten sie seit Jahren eine glückliche Ehe und hatten mich großgezogen, auch wenn nicht immer alles leicht gewesen war.

Sie hatten es geschafft und darum beneidete ich sie.

Da ich schon seit einigen Wochen wusste, dass meine Eltern uns zu Nessies Geburtstag besuchen würden, hatte ich beschlossen zu warten und ihnen persönlich über die neuen Umstände in meinem Leben aufzuklären.

Es war einfach kein Thema, welches man soeben am Telefon besprach, deshalb hatte ich mich bei den letzten Telefonaten mit meiner Mutter etwas zurückgehalten.
Natürlich hatte sie sofort gemerkt, dass mit mir etwas nicht stimmte.

Der reine Mutterinstinkt war immer wieder eine bemerkenswerte Sache und es hätte mir klar sein sollen, dass ihr diese Veränderung auffiel, schließlich war ich selbst Mutter und ich konnte mir vorstellen, wie besorgt meine eigene war, als ich ihr sagte, dass ich ihnen etwas mitteilen würde, sobald sie in Chicago waren.
Allein am klang meiner Stimme konnte sie erahnen, dass die Neuigkeit nicht unbedingt gut war.

Natürlich hatte ich meine Schwangerschaft schon längst akzeptiert und ich freute mich auf das Baby, doch dass Edward und ich, trotz Schwangerschaft, getrennt waren, machte es für niemanden leichter und ich befürchtete, dass meine Eltern es nicht leicht aufnehmen würden.

Schon als ich ihnen von der Trennung erzählt hatte, waren sie nicht begeistert gewesen.
Sie mochten Edward sehr, obwohl sie ihn nur einmal gesehen hatten, doch sowohl meine Mom, als auch mein Dad - der für so etwas eigentlich nicht empfänglich war – hatten die Anziehungskraft zwischen Edward und mir gespürt und sich wohl erhofft, dass Edward der Mann an meiner Seite war und es auch bleiben würde.

Auch ich hatte es mir mehr als alles andere gewünscht.

Er hatte mich glücklich gemacht, trotz all der Probleme, die zwischen und gestanden hatten und spätestens am Silvesterabend war ich mir sicher gewesen, dass wir beide alles schaffen könnten, doch so war es nicht gekommen und mittlerweile hatte ich versucht, diesen Umstand zu akzeptieren.

Mir blieb nur zu hoffen, dass meine Eltern sich nicht einmischen würden und die Situation so hinnahmen, wie sie nun einmal war.
Ihnen blieb gar nichts anderes übrig, denn es war mein Leben und nur ich konnte bestimmen, mit wem ich zusammen sein wollte, oder nicht.

Mit Edward wollte ich zusammen sein, wollte seine Nähe ständig spüren, seine Haut an meiner fühlen, doch ich konnte es nicht.  

Besonders seit der Schwangerschaft vermisste ich ihn so sehr und ich fühlte mich so einsam, dass es mir das Herz brach, doch noch mehr würde ich daran zerbrechen, wenn ich ihn wieder an mich heranlassen würde und er mir doch nur wieder all meine Hoffnungen und Träume zerstören würde, wie er es einst schon getan hatte.

Damit musste ich leben und ich würde es schaffen.


~*~*~


Als ich den Flughafen erreichte und mich durch die Menge kämpfte, konnte ich an der Anzeigetafel erkennen, dass der Flug meiner Eltern in Kürze landen würde.

Froh darüber, dass ich nicht mehr lange auf sie warten musste, suchte ich mir eine gute Ecke, an der ich stehen konnte um zu erkennen, wann die reisende Menge in die Empfangshalle lief und ich somit hoffentlich schnell meine Eltern ausfindig machen konnte.

Nur eine halbe Stunde später konnte ich die ersten Personen erkennen, die mit ihren Koffern in die Halle marschierten.

Einige trugen Anzüge und liefen gezielt in die Richtung der Ausgänge.
Andere wurden herzlich von Familie, Freunden oder dem Liebsten empfangen und blieben noch eine Weile an Ort und Stelle stehen, bevor sie sich auf den Weg nach draußen machten.

„Bella!“, hörte ich die Stimme meiner Mutter rufen, ehe ich meinen Blick von einem Liebespärchen abwandte, welches sich gerade innig umarmte, und ich in die Richtung blickte, aus der ich die vertraute Stimme vernommen hatte.

„Mom!“, rief ich erfreut, auch wenn ich selbst durch den Anblick des glücklichen Pärchens etwas traurig geworden war.

Elf Jahre lang hatte ich mich nicht nach diesen Gefühlen der Vertrautheit und des verliebt seins gesehnt, doch nun, da ich diese Empfindungen neu kennen gelernt hatte, auf so eine starke Art und Weise, wie sie mir bisher noch unbekannt gewesen war, vermisste ich es.

„Wo ist Dad?“, fragte ich sie, nachdem wir uns umarmt hatten und sah mich nach ihm um.

„Ach, wer weiß das schon. Also, was ist die Überraschung? Los, erzähl schon, ich werde auch nicht jünger.“ Ungeduldig sah sie mich an, doch ich konnte nicht anders, als bei ihrem Anblick die Augen zu verdrehen.

Manchmal schien es mir so, dass meine Eltern ihr Erwachsensein einfach beiseite legten und wieder Kind wurden.
Besonders in diesem Moment benahm sich meine Mutter nicht wie eine Frau in den Fünfzigern, sondern ehe wie eine fünfzehnjährige, die es nicht abwarten konnte, das Neuste zu erfahren.

„Wie, ‚wer weiß das schon’? Wo ist er?“, wollte ich von ihr wissen und wurde selber ungeduldig.

„Ach Schatz, er holt nur eben das Gepäck. Ich hab gesagt, ich suche schon mal nach dir und dass er nachkommen soll“, beantwortete sie mir meine Frage und drängte mich weiterhin, ihr von der Neuigkeit zu erzählen, doch der Flughafen war ganz bestimmt nicht der passende Ort dafür und besonders nicht dann, wenn mein Dad immer noch nicht da war.

Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, bis auch er die Halle passierte und nach uns suchte, doch er entdeckte uns schnell und kam, beladen mit einigen Koffern, auf uns zu.

Ich war froh, dass Charlie mich nicht bedrängte, sofort die Neuigkeit zu erzählen und nur er schaffte es, meine Mutter so weit zu beruhigen, dass sie sich ihre Neugierde für später aufhob.

Nachdem wir uns also noch eine Weile über die alltäglichen Dinge des Lebens unterhalten hatten, machten wir uns auf dem Weg.
Zuerst fuhr ich meine Eltern ins Hotel, damit sie dort einchecken und ihr Gepäck abladen konnten, bevor wir uns auf dem Weg zu meiner Wohnung machten.

Nessies Geschenk hatten sie wohl schon vorher in Moms Handtasche bereitgelegt, damit sie sich das Auspacken der Koffer für den Abend aufsparen konnten.

Aus irgendeinem Grund musste ich darüber nachdenken, dass Nessie, Jake und ich niemals als Familie irgendwohin verreist waren. Wir waren nur ab und zu nach Phoenix geflogen, seitdem wir in Chicago lebten, aber das wars auch schon und als Urlaub konnte man das nicht unbedingt bezeichnen.
Wir hatten immer auf unser Geld geachtet und wenn wir mal etwas mehr Geld als normalerweise besaßen, gaben wir es aus um Nessie eine Freude zu bereiten.

Das einzige Mal, als ich verreist war, war das kurze Wochenende mit Edward in St. Louis. Wobei man noch nicht einmal von einem Kurzurlaub sprechen konnte.
Wir waren nur eine einzige Nacht dort, bevor Tanya höchstpersönlich in unser Leben trat und alles zerstörte.

Die Nacht, welche ich mit Edward in dieser Hütte verbracht hatte, war unvergesslich für mich. Der Abend war einfach nur wundervoll gewesen, wie in einem Traum und die Tatsache, dass ich in jener Nacht geschwängert wurde, machte alles für mich noch unvergesslicher.

Und nun wo ich schwanger war konnte ich es erst recht vergessen mir irgendeine Art von Urlaub zu gönnen.
Nicht nur, weil ich nicht genügend Geld zur Verfügung hatte sondern auch weil ein neues Leben in mir heranwuchs und ich mich in nur wenigen Monaten nur noch darum kümmern würde.

Nichts anderes wäre mehr wichtig als sich um die eigene Familie zu sorgen und zu kümmern.


Wir hatten etwa noch eine Stunde Zeit bevor Nessie von der Schule wiederkommen würde und ich wusste, dass ich meine Eltern, besonders nicht meine Mutter, noch weiter hinhalten konnte.

Nachdem ich sie also aufgefordert hatte im Wohnzimmer Platz zu nehmen, ging ich in die Küche und bereitete für uns einen warmen Tee vor. In der Zeit, in der ich das Wasser kochen ließ überlegte ich mir, wie ich das Gespräch beginnen sollte.
Eigentlich war es unsinnig, schließlich hatte ich mir so oft schon bei so vielen Personen überlegt wie ich ihnen das mit meiner Schwangerschaft sagen sollte.

Sowohl bei Edward, Nessie und Jake, ja sogar bei Alice hatte ich mir Gedanken drum gemacht und doch war es immer anders gekommen, als ich es mir ausgemalt hatte.

Als ich mit einem kleinen Tablett, beladen mit unseren Tassen und diversen Keksen zurück ins Wohnzimmer ging, setzte ich mich gegenüber meiner Eltern auf einen kleinen Sessel.  

„Der Tee ist noch heiß“, warnte ich sie, einfach nur um mich von ihren neugierigen und besorgten Blicken abzulenken.

Wieso sorgten sich nur alle, kurz bevor ich ihnen von der Schwangerschaft erzählen wollte?
Hatte ich irgendetwas auf meiner Stirn kleben und wusste es nur nicht? War es für alle anderen sichtbar, nur für mich nicht?

„Schätzchen, was ist los?“, fragte mich meine Mutter als erstes.

In diesem Moment schien es so, als hätte die Sorge um ihre einzige Tochter die Überhand genommen. Wahrscheinlich war sie sich nicht mehr so sicher, ob ich ihr etwas Gutes oder Schlechtes mitzuteilen hatte.

„Ihr wisst doch, dass Edward und ich uns getrennt haben“, fing ich dieses Gespräch an, noch unwissend darüber, wie genau ich auf den Punkt kommen sollte, dass genau dieser mich geschwängert hatte.

„Seid ihr wieder zusammen?“ Hoffnungsvoll hatte sich mein Vater aufrecht aufgesetzt und sah mich aus seinen braunen Augen an.

„Nein“, klärte ich ihn sofort auf und ich konnte selbst die Traurigkeit in meiner Stimme heraushören.

In letzter Zeit musste ich immer wieder daran denken, wie anders alles gelaufen wäre, hätte Tanya sich niemals blicken lassen.

Wenn wir unser gemeinsames Wochenende in St. Louis genossen hätten und an dem Tag zurückgefahren wären, als wir es geplant hatten.

Wie ich von der Schwangerschaft erfahren hätte, wenn ich mit Edward noch zusammen gewesen wäre. Hätte er sich dann auch so gefreut? Freute er sich jetzt vielleicht nur, um mir wieder nahe zu kommen? Nein, das konnte ich mir nicht vorstellen, besonders nicht von dem Augenblick an, als er mit mir zusammen beim Frauenarzt gewesen war.

Die Art und Weise, wie er das Ultraschallbild festhielt und vor sich hinlächelte, als er es betrachtete. Wie glücklich er zu sein schien, als er einen kurzen Blick auf unser Kind werfen konnte, selbst wenn es noch so winzig war.
Wie hätte ich ihm da nicht das Ultraschallbild überlassen können?
Natürlich fiel es mir schwer, doch es war so schön gewesen, Edward so glücklich zu sehen, dass ich es aus einem plötzlichen Impuls heraus einfach beschlossen hatte, ihm das erste Bild unseres Kindes zu überlassen.

„Aber es hat etwas mit Edward zu tun“, führte ich meine Erklärung fort.

„Als Edward und ich vor einigen Monaten in St. Louis waren, da haben wir irgendwie alles um uns herum vergessen und… nun ja… Das Ergebnis davon ist, dass ich schwanger geworden bin“, teilte ich ihnen mit uns sah, wie sie sich von einem Moment auf den anderen nicht mehr bewegten.

Ihre Augen blickten zwar in meine Richtung, doch keines dieser Augenpaare sah wirklich mich an. Es war eher so, als ob sie durch mich hindurch sahen, als ob sie gerade in ihrer eigenen Welt gefangen waren.

„Wir… Wir werden wieder Großeltern?“ Renée fand als erste ihre Sprache wieder und auch ihr Blick sah nun etwas klarer aus.

Ich nickte nur und in genau in diesem Moment fielen sich meine Eltern in die Arme und lachten.

Sie lachten!

„Oh mein Gott, und ich dachte schon weiß Gott etwas ist passiert“, sagte mein Vater immer noch lachend und als ob meine Eltern es einstudiert hätten, sprangen sie gleichzeitig von der Couch auf, liefen um den Tisch herum und umarten mich. Dad links von mir und Mom auf meiner rechten Seite.


„Seit wann weißt du das schon? Und wieso hast du uns das nicht sofort erzählt? Wir sind doch deine Eltern“, polterte meine Mom los, nachdem meine Eltern mich ganze zehn Minuten lang in ihrer Euphorie umarmt und mich somit beinahe erdrückt hatten.

Ich hatte geahnt, dass dieses Thema noch aufkommen würde, also versuchte ich meinen unschuldigsten Blick aufzusetzen - der früher immer funktionierte, wenn ich mal Mist gebaut hatte – und versuchte ihr in die Augen zu blicken während ich sprach.

„Naja… ihr hattet doch sowieso vor zu kommen und da dachte ich mir, überrasche ich euch damit. Oder hättet ihr es lieber gefunden, wenn ihr von eurem Enkelkind am Telefon erfahren hättet?“

Sie wusste, dass ich Recht hatte und ich konnte es in ihren Augen ablesen, dass ihre Empörung schrumpfte.

Nachdenklich kaute sie auf ihrer Unterlippe herum – diese Eigenschaft hatte ich eindeutig von ihr – und dachte wohl darüber nach, ob sie weiterhin die Beleidigte spielen sollte, oder nicht.

„Hast ja recht“, gab sie schließlich nach und setzte sich, zusammen mit meinem Dad, wieder auf die Couch gegenüber.

Ich erzählte ihnen noch, dass ich im vierten Monat schwanger war, ich selbst es jedoch erst vor etwas über zwei Wochen erfahren hatte.

Meine finanzielle Lage verschwieg ich ihnen lieber, denn ich wusste, auch wenn ich schon lange nicht mehr von ihnen Abhängig war, sie sich trotzdem dazu verpflichtet fühlen würden, mir zu helfen.
Sie waren herzensgute Menschen und wirklich die besten Eltern, die man sich wünschen konnte, doch ich wollte nicht, dass sie sich große Sorgen machten.

Als ich Ihnen von meinem Arztbesuch erzählt hatte und dass mit dem Baby alles in Ordnung war, war Renée sofort Feuer und Flamme und wollte unbedingt das Ultraschallbild sehen.
In diesem Moment bereute ich es ein wenig, Edward das erste Bild unseres Kindes hinterlassen zu haben, doch als ich seinen traurigen Gesichtsausdruck gesehen hatte, als er es mir zurückgeben wollte, hatte ich einfach auf meinen Instinkt gehört und es ihm überlassen.

Vielleicht hätte ich es doch lieber nehmen sollen und hätte dann dafür gesorgt, dass Edward eine Kopie bekam.

Nessie hatte sich auch darauf gefreut, das Bild ihres Geschwisterchens zu sehen, aber immerhin hatte sie es im Nachhinein bei Edward bewundern können, als sie bei Emily zu Besuch gewesen war.

Es war nicht leicht, Moms Enttäuschung darüber wieder gut zu machen, doch ich war froh, dass Dad mir etwas half, sie wieder aufzumuntern.

Gerade als meine Eltern das Thema Edward etwas vertiefen wollte, hörten wir auch schon, wie ein Schlüssel in das Türschloss gesteckt wurde.

Meine Finger legte ich schnell auf meine leicht gespitzten Lippen und deutete meinen Eltern somit an, leise zu sein, während ich aufstand und meine Tochter an der Tür empfing.

„Hey mein Schatz! Wie war die Schule?“, fragte ich sie und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.

Nessie sah man ihre Verwirrung an.
Zum einen dachte sie ja schließlich, ich würde heute arbeiten, zum anderen begrüßte ich sie so euphorisch, dass sie natürlich misstrauisch wurde.

Es war lange her, seitdem ich sie so begrüßt hatte… viel zu lange…

„Wie immer…“, antwortete meine Tochter nur und ich konnte schon sehen, wie sie zu einer Frage ansetzen wollte, doch bevor auch nur ein Wort über ihre Lippen kommen konnte, hielt ich meine Hand an ihrem Mund.

„Komm mit“, sagte ich nur, nahm ihre Hände und führte uns in Richtung Wohnzimmer.

„Mom? Hast du irgendetwas genommen, was deine Laune… GRANDMA! GRANDPA!“, rief sie begeistert und völlig überrascht aus, als sie ihre Großeltern erblickte.

Nessie hatten wir in dem Glauben gelassen, dass ihr Großvater arbeiten müsste und es deshalb keine Chance für die beiden gab, an ihrem Geburtstag nach Chicago zu fliegen.
Natürlich war meine Kleine etwas traurig gewesen, doch sie akzeptierte es, obwohl sie eigentlich hätte wissen müssen, dass nichts und niemand sie hätte daran hindern können, Nessies Geburtstag zu feiern.

Dafür liebten sie Nessie viel zu sehr.

Mit Tränen in den Augen sah ich dabei zu, wie Nessie zu ihren geliebten Großeltern rannte und sie so feste umarmte, als ob sie Angst hätte, dass sie bald wieder verschwinden würden.

Uns allen war es damals schwer gefallen von Phoenix wegzuziehen und besonders Nessie hatte schon immer solch einen guten Draht zu meinen Eltern gehabt, dass sie oft versucht hatte sie zu überreden, mit uns nach Chicago zu ziehen, doch das war nicht möglich, so schön es auch gewesen wäre.

Seit über dreißig Jahren hatten sich meine Eltern ein Leben in Phoenix aufgebaut, da war es schwer, es einfach loszulassen.

Auch mir war es schwer gefallen, doch ich Tat es für meine Tochter, damit wir in der Nähe von Jacob bleiben und uns ein neues Leben aufbauen konnten.

„Ich dachte, ihr könnt nicht kommen“, gab Nessie leicht schmollend von sich und drückte die beiden noch näher an sich heran.

„Das solltest du ja auch denken. Alles Gute zum Geburtstag, Kleines.“

Liebevoll löste sich Renée als erste aus der Umarmung und steckte Nessie ihr braunes Haar hinters Ohr.

„Du wirst jedes Mal, wenn wir dich sehen, immer hübscher und erwachsener“, lächelte sie ihre Enkelin an, strich über ihre Wange und sah sich ihr Gesicht ganz genau an, als ob sie sich jedes kleinste Detail einprägen wollte.

Ich konnte meiner Mutter voll und ganz zustimmen. Nessie wurde mit jedem Tag, der verging, immer hübscher und reifte zu einer jungen Frau heran.
Es war unglaublich, wie schnell sie groß geworden war uns ich sehnte mich in die Zeit zurück, als sie noch ein kleines Kind war und immer mit ihren Puppen spielen wollte.

Ein kleines Lächeln huschte über meine Lippen, als ich daran dachte, wie sie sich als kleines Kind immer gewünscht hatte, dass ich ihr die Haare frisierte. Jake war dann immer beleidigt gewesen, als Nessie sich strickt weigerte, weil er ihr immer zu feste an den Haaren zog.

Im nächsten Moment legte ich meine Hände an meinem Bauch ab.

Eine winzige Wölbung war mittlerweile zu erkennen, aber wirklich nur, wenn man genau hinsah. Außenstehende würden sich nichts dabei denken, doch ich wusste, dass ein neues Leben in mir heranwuchs und es würde auch nicht mehr allzu lange dauern, bis man mehr sehen konnte.

Dieses kleine Wesen hatte mein Leben so durcheinander gebracht, doch auf eine gute Weise.
Selbst wenn es finanziell nicht unbedingt gut für mich stand, wusste ich, dass ich mich, falls es mal Hart auf Hart kommen sollte, an Jacob oder Edward wenden konnte.
Ich würde nicht zulassen, dass dem Baby irgendetwas fehlen würde.

Das Baby hatte es geschafft, mir neuen Lebensmut zu geben, die Kraft, die ich brauchte um wieder zu mir selbst zu finden, nicht mehr in meinem Selbstmitleid zu baden und somit konnte ich auch für Nessie wieder da sein.
Ich wandelte nicht mehr wie ein Gespenst durch das Leben, durch mein Leben, sondern genoss alles, was um mich herum geschah.


Eine ganze Weile saßen wir im Wohnzimmer und unterhielten uns über alles Mögliche, bis wir uns irgendwann nur noch über die verschiedensten Geschichten der letzten siebzehn Jahre unterhielten, dessen Augenmerk auf Nessie lag.

Ihre Geburt, die mich beinahe in den Wahnsinn getrieben hätte, ich jedoch all den Schmerz vergessen hatte, als ich ihren ersten Schrei hörte.

Der Tag, als wir sie zum ersten Mal gebadet hatten und Nessies ungläubiger Schrei, als sie zum ersten Mal mit dem Wasser in Berührung kam, sich jedoch schnell damit anfreundete und gar nicht mehr raus wollte.

Ebenso der Tag, als sie zum ersten Mal in den Kindergarten ging. Nessie war ein Einzelkind und dementsprechend fiel es ihr schwer, dass sie von einem Tag auf den anderen ihre Eltern für eine bestimmte Zeit am Tag nicht mehr bei sich hatte.
Es war so herzzerreißend gewesen, dass ich sie am liebsten noch ein weiteres Jahr bei mir behalten hätte, doch das war nicht möglich.

Wir hatten uns so viele Geschichten zu erzählen, dass ich völlig die Zeit vergaß und erschrak, als ich einen Blick auf die Uhr warf.   

Jake wollte direkt nach der Arbeit mit Leah vorbeikommen und auch Emily wollte uns besuchen, bevor die beiden Mädchen am Abend mit ihren Jungs feiern gingen, dabei hatte ich noch gar nicht den Tisch für Kaffee und Kuchen gedeckt, den ich servieren wollte.

Schnell machte ich mich an die Arbeit und war meiner Mom dankbar, als sie mir dabei helfen wollte.
Als auch Nessie sich erheben wollte, wehrte ich sie schnell mit den Worten ab, dass sie Geburtstag hatte und keinen Finger krümmen durfte, bis dieser wieder vorbei war.

Den Kuchen hatte ich noch vor einigen Tagen bei einer Bäckerei bestellt und ihn heute morgen, noch, bevor ich zum Flughafen gefahren war, abgeholt und in den Kühlschrank gestellt.

Während Renée den Tisch im Wohnzimmer deckte, kochte ich schon einmal den Kaffee, legte die Teller und das nötige Besteck heraus, welche meine Mom benötigte und schnitt schon einmal den Kuchen an, damit es später keine Sauerei geben würde.

Jake klingelte genau in dem Moment, wo ich den Kuchen auf den Tisch abgestellt hatte.

Mit seinem üblichen Grinsen betrat er den Raum, nachdem seine Tochter ihm geöffnet hatte und ich selbst noch im Wohnzimmer hörte, wie überschwänglich er ihr gratuliert hatte und wie er sagte, dass er es nicht glauben konnte, dass sie schon siebzehn wurde und dass die Zeit viel zu schnell verging.

Er wirkte nicht überrascht, seine ehemaligen Schwiegereltern in meinem Wohnzimmer zu sehen.

Ich hatte ihm nicht erzählt, dass sie kommen würden, da ich befürchtete, dass Jake sich womöglich in Nessies Gegenwart verplappern und ihr somit die Überraschung verderben würde, doch anscheinend hatte er sich schon gedacht, dass sie Nessies Geburtstag nicht verpassen wollten.

Sofort stellte er ihnen Leah vor, die sich heute wirklich besonders hübsch gemacht hatte, und ich musste lachen, als mein Dad Jake fragte, ob sie schon verheiratet waren.

Leah nahm es mit Humor und sagte nur, dass sie es sich zweimal überlegen würde, diesen Chaoten irgendwann zu heiraten, doch spätestens durch den liebevollen Blick, den sie Jake daraufhin zuwarf, wurde jedem bewusst, dass sie es nicht so meinte.

Das nächste Mal, als es klingelte, war ich diejenige, die die Tür öffnete.

Es dauerte nicht lange, bis ich Emilys rotblonden Schopf erkennen konnte, doch das war nicht das einzige, was meinen Blick einfing.

„Heeey Bella“, begrüßte sie mich überschwänglich und umarmte mich, während ich ihre Umarmung erwiderte und ihr einen Kuss auf die Wange drückte.

„Wie geht es meinem kleinen Geschwisterchen?“, wollte sie sofort wissen, nachdem sie sich von mir gelöst hatte und sah mich freudestrahlend an.

Ich konnte nicht anders, als ihr Lächeln zu erwidern.

„Ihr oder ihm geht es gut“, antwortete ich auf ihre Frage und legte automatisch beide Hände an meinen Bauch.

Das Lächeln auf ihrem Gesicht wurde noch breiter und sie sah noch einmal hinter sich, ehe sie in die Wohnung hineinspazierte und den Stimmen im Wohnzimmer folgte.

„Hey“, begrüßte mich nun auch Edward, der direkt hinter Emily aufgetaucht war und sah mich unsicher an.

Genauso unsicher war ich gewesen, ob ich ihn überhaupt einladen sollte.

Nicht, dass ich es nicht wollte, doch ich konnte die Stimmung, die zwischen uns herrschte, noch immer nicht richtig erfassen und nachdem wir uns neulich für diesen einen Moment so nah gekommen waren, wusste ich nicht, wie ich mich ihm gegenüber in Gegenwart meiner Familie verhalten sollte.

Allerdings hatte ich auch nicht gesagt, dass er nicht kommen durfte.

Er war willkommen, zumal auch er jetzt ein Teil meiner Familie war.
Sein Kind wuchs in mir heran und allein schon deswegen musste ich lernen, mit meinen Gefühlen in seiner Präsenz umzugehen.

„Hallo Edward“, grüßte ich ihn zurück und versuchte so ehrlich wie möglich zu lächeln, was mir sogar besser gelang, als ich es vermutet hatte.

„Ihrem Fuß scheint es wieder gut zu gehen“, murmelte er vor sich hin und als ich ihm einen verständnislosen Blick zuwarf, schüttelte er nur den Kopf.

„Unwichtig. Darf ich reinkommen?“, fragte er mich und schien noch verunsicherter zu sein, als noch vor wenigen Augenblicken.

Dachte er etwa, dass ich ihn wegschicken würde? War ich ihm gegenüber wirklich so abweisend?

„Natürlich“, erwiderte ich nur und hoffte, dass das Lächeln auf meinem Gesicht ihn etwas entspannen würde.

Zusammen gingen wir zum Wohnzimmer, wo die Anderen sich schon angeregt unterhielten und auch nicht damit aufhörten, als sie Edward und mich sahen.
Lediglich Jake warf ihm einen eindringlichen Blick zu, stoppte seine Unterhaltung mit Nessie jedoch nicht und meine Eltern strahlten, als ob wir gerade irgendeine große Neuigkeit verkündet hätten.

Nachdem Edward alle begrüßt hatte und meine Eltern ihn hocherfreut zu seiner baldigen Vaterschaft gratulierten, machten wir es uns auf der Couch bequem.

Die einzigen freien Plätze waren nebeneinander, als ob es alle beabsichtigt hätten, dass Edward und ich zusammen saßen.

Sein Duft hüllte mich die ganze Zeit ein, sogar als er sich etwas von mir abgewendet hatte um das Gespräch zwischen ihm und meinen Eltern zu vertiefen, während ich versuchte der Diskussion zwischen Nessie, Emily und Jacob zu lauschen.  

Bevor wir uns dem Geburtstagskuchen widmeten, beschlossen wir Nessie zuvor noch ihre Geschenke zu geben.

Besonders neugierig war ich darauf, wie Nessie auf das Geschenk ihres Vaters reagieren würde, doch bevor es soweit war, erkannte ich aus dem Augenwinkel, wie Edward ihr sein Geschenk überreichte.

Wo hatte er das auf einmal her? Hatte er es die ganze Zeit schon bei sich, nur ich hatte nicht darauf geachtet? Oder hatte Emily es für ihn in ihrer Tasche verstaut?

Nessie schien überrascht zu sein, dass auch Edward ihr was schenkte, doch sie nahm es freudig an und packte es vorsichtig aus.

„Wow“, murmelte Nessie, als sie sein Geschenk begutachtete, doch da sie etwas weiter von mir entfernt saß und das Geschenkpapier alles verdeckte, wusste ich nicht, was meine Tochter so staunen ließ, bis Edward zum reden einsetzte.

„Das sind dieselben Stifte, die ich bei meiner Architekturprüfung benutzt habe. Ich dachte mir, du würdest sie brauchen und sie als eine Art… Glücksbringer und Inspiration sehen. Genauso wie dein Praktikumszeugnis“, erklärte er und als Nessie einen Rahmen in ihren Händen hielt konnte ich mir denken, dass sich hinter den Gläsern ihr Zeugnis befand.

„Das ist nicht irgendein Zeugnis“, fing Edward wieder mit dem Erklären an.  

„Normalerweise stellen wir solche Zeugnisse nicht aus, aber du hast wirklich alle aus der Firma mit deinem Wissen und Können beeindruckt, besonders weil du noch zur High School gehst und trotzdem so wirkst, als wärst du schon im ersten Collegejahr. Das hier soll einfach als weitere Inspiration dienen und es soll dir zeigen, dass du wirklich gut bist und du niemals aufgeben darfst“, schloss er seine Rede lächelnd ab und ich musste mir ein paar Tränen verkneifen, welche aufgrund seines Geschenks für meine Tochter und dem Gedanken dahinter so rührend war.

Nessie stand plötzlich von ihrem Platz auf und nahm Edward so feste in ihre Arme, dass ich dabei deutlich schlucken musste.
Es war unglaublich wie dieses Mädchen ihre Angst vor Edward überwunden hatte und sich ihm nun dankbar um den Hals warf.

Sie hatte ihn wirklich sehr gern gewonnen, das konnte man sofort erkennen und auch Edward hatte Nessie bereits in sein Herz geschlossen.
Die Art und Weise, wie er ihre Umarmung erwiderte und dass er ihr solch ein Geschenk machte, zeigte nur umso mehr, wie sehr er meine Tochter tatsächlich mochte.


Alle nacheinander übergaben wir Nessie ihre Geschenke, nachdem wir diese kleine, aber dennoch sehr rührende Szene stillschweigend beobachtet hatten.

Jake übergab ihr seins als letztes.

Es war das kleinste von allen, jedenfalls schien es auf den ersten Blick so zu sein, und ich konnte mir denken, dass Nessie zuerst an Schmuck dachte, als sie die kleine Schachtel sah.

Die Neugier, mit der sie den Deckel langsam abnahm, konnte man förmlich aus ihren Augen ablesen.

Als der Deckel verschwunden war und sie Einblick auf den Inhalt der kleinen Packung hatte, runzelte sich zuerst verwirrt ihre Stirn, doch schon im nächsten Moment schien sie zu verstehen, was genau ihr Dad ihr gerade geschenkt hatte, denn ihre Augen wurden so groß wie noch nie.

Jacob hatte es tatsächlich geschafft, unsere Tochter sprachlos zu machen. Sie versuchte zwar einen Ton rauszubekommen, doch es gelang ihr nicht und das ließ Jacob solch ein dickes Grinsen auf sein Gesicht zaubern, wie ich es nur selten erlebt hatte.

Minuten schienen zu vergehen, bis Nessie aus ihrer Trance erwacht war und ihre Sprache wieder gefunden hatte.

„Du… Du schenkst mir ein… ein Auto? Ein AUTO?“

Ungläubig sah sie ihren Dad an, welcher ihre Vermutung nickend bestätigte.

Im nächsten Moment war Nessie auch schon von ihrem Platz verschwunden und umarmte ihn so feste, dass sogar Jacob nach hinten fiel und sie lachend in seine Arme schloss.

Belustigt beobachtete ich die Euphorie meiner Tochter und ihr glückliches Lachen gehörte noch immer zu eines der schönsten Dinge, welche ich in meinem Leben jemals gehört hatte.

„Darf ich es sehen?“, fragte sie, nachdem sie ihrem Dad ungefähr hundert Mal gedankt und ihm mindestens genauso viele Küsse auf die Wange gedrückt hatte.  

„Klar doch, da bestehe ich drauf. Es ist genauso eins, wie ich ihn in meiner Jugend gefahren habe“, erklärte er ihr und stand zusammen mit Nessie auf, während wir Anderen ihrem Beispiel folgten.

Ich hatte Nessies Auto bisher nur auf Bildern gesehen, die Jacob mir gezeigt hatte und war schon neugierig darauf, wie sie darauf reagierte, wenn sie es auf der Straße sehen würde.

Es war nichts besonderes, aber es konnte fahren und sie würde dann nicht mehr von allen anderen abhängig sein, wenn sie irgendwo hinfahren wollte.

Jacob wollte ihr das Benzin und die Versicherung bezahlen, solange sie noch keine feste Arbeit hatte und wir waren uns darin einig gewesen, dass sie sich erst einmal auf ihren High School Abschluss und auf das College konzentrieren sollte, bis es soweit war.


Emily folgte Nessie kichernd zur Tür, anscheinend konnte auch sie es kaum abwarten, das Auto ihrer besten Freundin zu sehen, auch wenn Nessies Auto nichts im Vergleich zu Emilys Porsche war.

„Bella?“, wurde ich von Edward aufgehalten, als ich den anderen zum Ausgang folgen wollte.

„Ja?“

Neugierig wandte ich mich ihm zu und sah, wie die Unsicherheit wieder in seine Augen zurückkehrte.

Er wollte doch jetzt nicht mit mir über neulich reden, oder? Wir waren zwar allein in der Wohnung, da die anderen schon längst nach unten gestürmt waren um Nessies Wagen zu betrachten, doch das hier war wirklich ein schlechter Zeitpunkt und Edward war für sein schlechtes Timing ja bekannt.

„Ich hab da noch etwas für dich“, sagte er und hielt mir ein in Geschenkpapier verpacktes Präsent hin.

Verwirrt nahm ich es entgegen und fragte mich, warum und vor allem was er mir schenken wollte, schließlich war mein Geburtstag schon längst vorbei.

„Da du Nessie vor siebzehn Jahren gesund zur Welt gebracht hast, dachte ich mir, dass du dir auch eine Kleinigkeit verdient hast“, beantwortete er meine unausgesprochene Frage und forderte mich dazu auf, das Geschenk zu öffnen.

Vorsichtig streifte ich das Klebeband vom Papier ab und hielt den Atem an, als ich den Inhalt erblickte.

Es war das Ultraschallbild unseres Kindes, eingerahmt in einem wunderschönen Bilderrahmen.

Er hatte es also nicht vergessen, mir eine Kopie anzufertigen…  

Ich war wie paralysiert, als ich mir das Bild ansah und ich dachte an den Frauenarztbesuch zurück. Dachte daran, wie schön sich der Herzschlag meines Babys angehört hatte und was für ein unbeschreibliches Gefühl es war, mein Kind das erste Mal auf diesem Monitor zu sehen.

„Danke!“ Mehr brachte ich einfach nicht zustande. Nur dieses eine Wort verließ meine Lippen, doch mein Blick war immer noch auf das Bild gerichtet.

Mit meinem Zeigefinger strich ich über das Glas des Rahmens, an der Stelle, wo sich der Kopf des Babys befand und konnte gar nicht aufhören, dabei zu Lächeln.

„Die Kopie habe ich behalten. Ich dachte mir, dass die Mutter lieber das Original haben sollte“, erklärte er mir, doch das einzige, was ich darauf erwidern konnte, war ein leichtes Nicken dafür, dass ich ihn verstanden hatte.

„Das ist… unbeschreiblich. Ich danke dir so sehr“, flüsterte ich aus Angst, diesen besonderen Moment durch ein lautes Geräusch zerstören zu können.

„Da ist noch etwas anderes drin“, sagte Edward nach einem Moment der Stille und deutete auf das Geschenkpapier, welches ich noch immer zwischen den Fingern hielt.

Ich musste mich dazu zwingen, meinen Blick vom Ultraschallbild zu lösen, doch ich tat es und blickte auf das Papier in meiner Hand.

Tatsächlich befand sich darin ein Umschlag, wahrscheinlich irgendeine Karte mit ein paar netten Worten darin. Möglicherweise weitere Entschuldigungen für seine Tat, doch so war es nicht.

„Ein Wellness Wochenende für zwei Personen“, las ich vor, was sich in dem Umschlag befand und sah ihn geschockt an.

Nicht nur, dass es viel zu teuer war… Es war für zwei Personen…!!

Doch noch ehe ich dagegen protestieren konnte, fing Edward an zu erklären.

„Du warst in den letzten Wochen doch so gestresst… Ach quatsch, in den letzten Monaten und ich finde, du hast dir etwas Erholung verdient. Und keine Sorge, das ist nicht für uns beide gedacht. Ich weiß, dass du noch nicht bereit bist, aber ich wollte auch nicht, dass du alleine dahin gehst. Du könntest mit Nessie dorthin oder auch mit Alice. Mit wem du willst.“

Ehrlich gesagt wusste ich nicht, was ich davon halten sollte.
Ich wusste, dass er es nur gut meinte, doch es war viel zu teuer und auch, wenn er in Geld schwamm, so wollte ich doch nicht, dass er unnötig viel Geld für mich ausgab.

„Es wäre auch gut für das Baby, weißt du? Wenn du etwas zur Ruhe kommst.“

Edward wusste, wie er mich zu etwas überreden konnte.

Wahrscheinlich hatte er an meinem Gesichtsausdruck ablesen können, dass ich dieses kostspielige Geschenk nicht annehmen wollte, doch mit der Erklärung, dass ein ruhiges Wochenende, nach dem ganzen Stress der letzten Monate, gut für das Baby wäre… dagegen konnte ich nicht ankommen und er kannte mich gut genug um zu wissen, wie sehr mir das Wohlbefinden unseres Babys am Herzen lag.

„Okay… Danke“, erwiderte ich nur und zögerte kurz, bevor ich ihn kurz umarmte.

Eine Umarmung, die etwa nur fünf Sekunden dauerte, doch seine Nähe, sein Duft und seinen Körper wieder an meinem zu spüren, auch wenn es nur ein Augenblick war, brachte mich durcheinander.

Das Lächeln, welches Edwards Mundwinkel umspielte, als ich mich wieder von ihm gelöst hatte, brachte mich völlig aus der Bahn, doch ich konnte nicht anders, als es zu erwidern.

„Sollen wir dann runter zu den Anderen?“, fragte ich ihn nach einer Weile und legte den Umschlag auf den Tisch in unserer Nähe, während ich das Bild unseres Babys fest an meine Brust drückte.

„Natürlich“, erwiderte er nur darauf, den Blick auf das Bild in meinen Händen gerichtet.

Auch ihm konnte man deutlich ansehen, wie glücklich er war, dass es unserem Baby gut ging und ich seine Geschenke angenommen hatte.

Ja, Edward und ich waren wirklich auf dem besten Weg, unsere Beziehung langsam wieder aufleben zu lassen.


1 Kommentar:

  1. schönnnnn....daumen drück das edward sich keinen fehler leistet....
    :-)

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