Edward POV
Okay… Ich war kurz davor durchzudrehen und das so richtig.
Unruhig lief ich in meinem Büro von einem Fleck zum anderen und registrierte gar nicht mehr, dass mein Telefon klingelte.
Bella hatte mich vor genau einer Woche gefragt, ob ich sie gerne zu ihrem Termin beim Frauenarzt begleiten würde und ich hatte sofort zugesagt.
Diese eine Woche kam mir wie eine halbe Ewigkeit vor, doch jetzt wo Bella auf dem Weg zu mir war, wusste ich erst, was das bedeutete.
Ich würde sicherlich einen Moment Zeit finden, um mich mit ihr zu unterhalten, denn wir waren alleine und dieses Mal konnte sie mir nicht einfach so ausweichen.
Wenn sie mir nur fünf Minuten geben und mir zuhören würde, wäre das schon ein großer Schritt in die richtige Richtung für mich.
Der andere Grund, der mich erst so richtig nervös machte war, dass ich endlich unser Baby sehen konnte.
Der Beweis dafür, dass in Bella ein neues Leben heranwuchs…
Sobald ich wieder daran dachte, beschleunigten sich meine Schritte und wenn ich so weiter machte, würde ich wahrscheinlich ein Loch in meinen Teppich laufen.
Das letzte Mal war ich bei Emilys Geburt so nervös gewesen.
Bella hatte vorgeschlagen, dass sie zuerst zu mir ins Büro kommen würde, bevor wir uns dann beide auf den Weg zum Arzt machen würden.
„Ähm.. Mr. Cullen?“, hörte ich Lauren durch die Sprechanlage meines Telefons und wie vom Blitz getroffen stand ich direkt neben meinem Telefon.
Anscheinend hatte sie es aufgegeben, mich telefonisch zu erreichen und riskierte es, mich möglicherweise zu stören, indem sie die Sprechanlage benutzte.
Lauren war mir gegenüber immer noch etwas zurückhaltend und sie wusste nicht so recht mit meiner Freundlichkeit, die einst für sie fremd gewesen war, umzugehen, aber so langsam verstanden wir uns besser.
„JA?“, brüllte ich viel zu laut in den Hörer und räusperte mich dann schnell in der Hoffnung, dass sie mich nicht für vollkommen übergeschnappt hielt.
Ja, ich war tatsächlich kurz davor durchzudrehen…
„Ihre Fr.. Ähm.. Miss Black ist jetzt hier“, sagte Lauren und ich schnappte mir meine Aktentasche samt Handy und verließ, ohne mich noch einmal umzusehen, mein Büro.
Mir war aufgefallen, dass Lauren Bella mochte, was auch wahrscheinlich daran lag, dass ich dank Bella grundsätzlich besser gelaunt war und meine Angestellten auch viel besser behandelte.
Ich fragte mich, ob es nur mir aufgefallen war, dass Lauren Bella fast als meine Freundin bezeichnet hatte, aber als ich Bellas Gesicht, ihre leicht geröteten Wangen und den bedrückten Blick sah wusste ich, dass auch sie es bemerkt hatte.
„Hey…“, sagte sie und ich sah, wie sie sich ein Lächeln aufzwang.
„Hey... Wollen wir los?“, fragte ich sie und deutete zur Tür herüber.
Als Bella langsam nickte, wandte ich mich noch kurz an Lauren und sagte ihr, dass sie nur noch ihre Sachen für heute fertig machen sollte und sie dann ebenfalls nach Hause gehen könnte.
Lauren nickte und schenkte Bella ein kurzes Lächeln, bevor ich Bella schließlich nach draußen begleitete.
„Danke, dass du dich dazu bereit erklärt hast zu fahren…“, murmelte sie leise und es bildeten sich tiefe Sorgenfalten auf ihrer Stirn.
„Ist alles okay?“, fragte ich und legte ganz instinktiv meine Hand auf ihre Schulter, während wir das Gebäude verließen und auf den Parkplatz zusteuerten.
„Mein Auto hat wieder einmal den Geist aufgegeben und na ja… Es ist einfach ärgerlich“, erklärte sie mir und mied den Blickkontakt mit mir.
„Soll ich den Wagen für dich in die Werkstatt bringen?“, schlug ich ihr vor und hoffte, dass sie zumindest einmal nachgeben würde.
„Nein danke, schon gut… Jake schaut sich den Wagen heute Abend mal an... Ist wahrscheinlich nur die Batterie... Ich habe keine Ahnung davon“, erklärte sie mir schulterzuckend.
„Ich hoffe es zumindest“, murmelte sie so leise, dass ich beinahe dachte, ich hätte es mir nur eingebildet, aber dem war nicht so.
„Was bedrückt dich, Bella?“, fragte ich sie besorgt und sie schüttelte seufzend den Kopf.
„Es ist einfach nur... Wenn etwas schief läuft, dann doch so richtig… Nun ja... nicht direkt schief aber… Ich habe keine Ahnung was ich machen soll, wenn es nicht nur die Batterie ist. Wenn das Auto kaputt ist dann… bin ich aufgeschmissen“, erklärte sie mir und ich war verwundert, dass sie mir ihre Sorgen jetzt so offen mitteilte.
„Falls es wirklich dazu kommen sollte, dass dein Auto den Geist aufgegeben hat, dann leihe ich dir meinen Audi“, sagte ich ihr, ohne darüber nachzudenken.
Für mich war das eine Selbstverständlichkeit, doch Bellas geschockter Blick ließ mich gleich wieder verstummen.
„Was? Nein! Kommt gar nicht in Frage, Edward.“
„Es ist ja nicht so, als ob ich nur einen Wagen hätte. Ich habe immer noch den Aston Martin“, bemerkte ich schulterzuckend und wir hielten kurz an, als wir an meinem Auto ankamen.
Bellas Blick blieb auf meinen Audi gerichtet und sie seufzte schwer.
„Edward… Das ist ja wirklich nett von dir, aber hör auf damit. Ich komme schon zurecht“, erwiderte sie leise, doch die Worte, die aus ihrem Mund kamen passten so gar nicht zu ihrem Gesichtsausdruck.
„Ist das wirklich so?“, wollte ich von ihr wissen und musterte sie aufmerksam.
„Ja, das ist so und jetzt hör auf mit der verdammten Fragerei!“ Sie biss sich angestrengt auf die Unterlippe, als versuchte sie sich zu kontrollieren und jetzt war es an mir, laut zu seufzen.
Bella klang eine Spur verärgert, doch ich würde mich nicht länger einfach so von ihr abweisen lassen.
Irgendwann müsste sie mit mir reden und jetzt, wo wir beide alleine unterwegs waren, war dies doch der perfekte Zeitpunkt, oder etwa nicht?
Ich öffnete ihr die Beifahrertür und sie stieg in meinen Wagen, bevor ich mich ebenfalls auf meine Seite begab.
Nachdem ich die Tür geschlossen hatte, steckte ich den Schlüssel in das Zündschloss, startete aber den Wagen nicht.
Bella warf mir einen verwunderten Seitenblick zu, sagte aber nichts.
„Bella…!“
Ich wollte jetzt mit ihr reden, bevor noch die ganzen anderen Probleme und neuen Dinge auf uns zukommen würden, denn ich wusste, dass Bella mit dieser Situation überlastet war.
„Edward.. nein“, sagte sie sofort, weil sie ganz genau wusste, was für ein Gespräch ich jetzt beginnen wollte, doch noch ein Nein würde ich nicht akzeptieren.
„Bella, gib mir ein paar Minuten, ja? Ich weiß, ich habe viel Mist gebaut, aber bitte gib mir zumindest die Chance dir zu erklären, was da genau passiert ist.“
Bella verschränkte die Arme vor ihrer Brust und starrte stur geradeaus, doch da war etwas in ihren Augen, was mich weitersprechen ließ.
Vielleicht hatte auch sie irgendwo tief in ihrem Inneren einen kleinen Funken Hoffnung, dass wir es irgendwie schaffen könnten.
„Um das gleich einmal klar zu stellen… Tanya ist fort. Ich weiß, vielleicht denkst du, dass es nicht der richtige Weg war, den ich gewählt habe, aber ich habe ihr einen Scheck geschickt mit dem Geld, welches sie unbedingt haben wollte und sie ist gleich am nächsten Tag abgereist. Sie wird uns nicht mehr belästigen. Nicht mich, nicht dich und auch nicht Emily. Ich habe mit Emily darüber geredet. Für sie war es hart, dass ihre eigene Mutter solche Dinge zu ihr gesagt hat, aber sie hat sich dafür entschieden, dass sie Tanya niemals als ihre Mutter ansehen könnte und würde. Emily hat zu mir gesagt, dass du für sie wirklich wie eine Mutter bist und sie dich von ganzem Herzen liebt.“
Für einen kurzen Moment stoppte ich mit meiner Rede, als Bella ihren Blick ruckartig in meine Richtung drehte.
Tränen der Rührung waren in ihren Augen zu sehen und ich wusste, dass sie Emily genauso sehr liebte, wie ich es tat und es war ein gutes Gefühl zu wissen, dass Bella für meine Tochter so wichtig war.
Die beiden verstanden sich super und waren füreinander da.
In der Vergangenheit hatte ich mir schon oft Sorgen gemacht, dass Emily eine weibliche Bezugsperson fehlte. Natürlich hatte sie noch meine Mutter, aber dennoch war es irgendwie nicht das Gleiche, wie mit Bella.
„Sie ist mir auch wichtig. Sehr sogar… Und ich würde niemals… nie im Leben würde ich sie im Stich lassen. Egal was zwischen uns beiden war“, wollte Bella noch einmal klar stellen und strich sich die Träne von der Wange, die versucht hatte sich ihren Weg nach unten zu bahnen.
„Das weiß ich und dafür bin ich dir auch dankbar. Wir wissen beide selbst, dass unsere Töchter immer an erster Stelle stehen werden... Das ist einfach so und so sollte es auch sein.“
„Ja...“, murmelte Bella und ein Lächeln huschte über ihre Lippen.
Ob sie es bewusst tat wusste ich nicht, aber ihre Hand fuhr automatisch an ihren Bauch und das Lächeln wurde ein klein wenig stärker.
Ich räusperte mich, bevor ich weitersprach und wandte meinen Oberkörper in ihre Richtung.
„Bella… Ich weiß, dass ich diese Dummheit niemals hätte begehen dürfen, aber leider kann ich es jetzt nicht mehr rückgängig machen. Dass ich dein Herz gebrochen habe… Dafür verachte und hasse ich mich jeden Tag… Aber… Es war einfach alles so verwirrend für mich. Die Frau, die mich damals einfach so mit einem Baby sitzen gelassen hatte stand wieder vor meiner Tür und ich hatte mir für Emily immer gewünscht, dass ihre ‚richtige’ Mutter sich für sie interessierte und sich um sie kümmerte. Ich war dumm und leichtgläubig, habe gedacht, dass sie es ernst meint mit Emily, aber dem war nicht so. Das Einzige, was sie wollte war mein Geld und sie wollte jemanden haben, der für sie sorgte. Jemand der viel Geld besaß, sodass sie ein tolles Leben haben würde. Es ging ihr nicht einen verdammten Moment lang um meine Tochter und ich hasse sie dafür, dass sie Emily so sehr verletzt hat, indem sie ihr diese schrecklichen Worte gesagt hat!“
Meine Hand formte sich zu einer Faust als ich an den Moment zurückdachte, als ich meine Tochter so aufgelöst in meinem Wohnzimmer hatte stehen sehen.
Emily war normalerweise immer eine starke Persönlichkeit gewesen, aber es war nicht verwunderlich, dass die Worte dieser Schlange sie so sehr aus dem Konzept gebracht hatten.
Meiner Tochter war sich dessen bewusst, dass Tanya sich nie wirklich für sie interessiert hatte, aber diese grauenvollen Worte zu hören, war etwas vollkommen anderes, als es sich nur vorzustellen.
„Und an diesem einen Abend dort… Ich war so durcheinander… Bella.. Ich wollte dich wirklich heiraten und glücklich machen und dein Nein hat mich vollkommen aus der Bahn geworfen und Tanya hat das ausgenutzt. Sie hat Dinge zu mir gesagt, die mich damals vollkommen verwirrt haben. Heute kann ich es nicht verstehen, aber ich war ein wenig angeschlagen… Ich habe mich nicht verstanden gefühlt… Habe gedacht, dass du mich nicht wirklich liebst, weil du mich nicht heiraten wolltest und…“
Ich wollte weiterreden, doch Bella unterbrach mich.
„Edward, du weißt verdammt noch mal ganz genau, dass das nicht stimmt. Dieses ‚Nein’ hatte nichts damit zu tun, wie sehr ich dich liebe“, murmelte sie und seufzte dann leise.
Meine Mundwinkel zogen sich leicht hoch.
Sie hatte „liebe“ und nicht „liebte“ gesagt.
Dieser kleine, aber dennoch erhebliche Unterschied gab mir noch mehr Hoffnung.
„Ja… Jetzt ist mir das auch bewusst. Und diese Dinge, die Tanya zu mir gesagt hat… Ich gebe zu, dass ich für einen dummen Moment lang wirklich daran geglaubt habe… Dass du mich nicht so sehr liebst, wie ich dich. Es war schwachsinnig ihr mit diesem Kuss beweisen zu wollen, dass ich sie nicht mehr liebe sondern dich, aber… Ich bin manchmal ein echter Vollidiot und mache ständig Fehler… Aber eins weiß ich ganz genau…“
Bella richtete langsam ihren Blick auf und sah mich an.
Ihre Augen wirkten traurig, aber in diesem Moment sah sie mich wirklich an.
Für einen kurzen Moment versank ich in ihren wunderschönen schokoladenbraunen Augen und vergaß alles um mich herum.
Vergaß die Probleme, die wir hatten und sah nur noch sie.
„Bella… Ich liebe dich! Und ich werde dich immer lieben, egal was zwischen uns sein wird. Ich werde dafür kämpfen, dass du mir vielleicht eines Tages verzeihen kannst und mir die Chance gibst, dir zu beweisen, wie ernst ich es mit uns beiden meine und dass wir beide ein Baby bekommen… Das ist wirklich das Schönste, was es auf der Welt gibt und dann auch noch mit der Frau, die ich so sehr liebe…Ich bin glücklich und ich würde noch glücklicher sein, wenn du uns eine Chance gibst… Und mit uns meine ich nicht nur uns beide sondern auch Emily, Nessie und... unser Baby.“
Diese Worte kamen direkt aus meinem Herzen und ich sprach sie mit soviel Überzeugung und Liebe aus, wie ich nur konnte.
Verwunderlicherweise protestierte Bella nicht sofort und sagte mir, dass es für uns beide nie wieder eine Chance geben würde.
Sie blieb still, musterte aufmerksam mein Gesicht und blinzelte einige Male.
Wahrscheinlich versuchte sie das, was ich gerade gesagt hatte irgendwie zu verinnerlichen.
„Es tut so weh, Edward…“, waren ihre ersten Worte, die sie sagte und ich rückte ein kleines Stück näher zu ihr.
„Ich weiß… Es tut mir so leid, was ich dir angetan habe“, sagte ich mit trauriger Stimme.
„Weißt du… Ich habe wirklich versucht dich zu hassen, aber es geht nicht. Ich werde dich niemals hassen können, weil ich dich noch immer liebe aber… Ich weiß nicht… Es ist schwierig…“
„Aber nicht unmöglich“, sagte ich hoffnungsvoll und auf Bellas Lippen zeigte sich ein leichtes Lächeln.
„Ja… Du hast recht. Unmöglich ist es nicht. Von heute auf morgen wird es aber auch nicht passieren“, antwortete sie seufzend.
„Das weiß ich… Das verlange ich auch gar nicht von dir… Nur gib mir einfach die Chance, es dir zu beweisen… und bitte lass mich dir helfen. Ich merke doch, dass es dir gerade nicht so gut geht und ich kann dir nun einmal helfen. Bitte Bella, vergiss einmal deinen Stolz und nimm meine Hilfe an. Ich verlange doch auch gar nichts dafür… Ich will nur, dass es dir und dem Baby gut geht und vielleicht… werde ich ja eines Tages auch ein wenig mehr von dem Kind haben“, bemerkte ich lächelnd und Bella warf mir einen verwunderten Blick zu.
„Was meinst du damit?“
„Naja… wenn wir… wenn das Baby da ist und wir… getrennt leben, dann werde ich alles verpassen“, erklärte ich ihr seufzend und versuchte zu lächeln, doch es gelang mir nicht, denn dieser Gedanke tat wirklich weh.
Zu wissen, dass ich nicht immer bei meinem Kind sein könnte, war nicht schön.
Natürlich würde ich mein Kind oft sehen und wir würden häufig etwas unternehmen, aber dennoch wäre es nicht das Gleiche.
„Hm…“
Bella schien in Gedanken versunken zu sein und sie runzelte ihre Stirn.
Dann zeigte sich plötzlich ein Lächeln auf ihren Lippen, welches von Zeit zu Zeit stärker wurde, aber ich wollte ihre Gedanken nicht unterbrechen und blieb still.
Es schien aber so, als dachte sie an etwas Gutes in der Zukunft und ich hoffte, dass ich auch darin eine Rolle spielte…
„Gib mir einfach Zeit, okay…?“, hörte ich Bella schließlich sagen und ich nickte sofort.
Das war das Beste, was ich jetzt von ihr bekommen konnte und es war bei weitem besser, als ein Nein.
„Okay…“
Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen startete ich den Wagen.
Während der Fahrt sprachen wir beide nicht viel.
Ich wurde mit jedem weiteren Moment nervöser und Bella schien vollkommen in ihren Gedanken gefangen zu sein.
Erst als ich auf dem Parkplatz ihrer Ärztin parkte, richtete sie ihren Blick auf und sah kurz zu mir herüber.
„Ist alles okay?“, fragte sie mich und legte leicht ihren Kopf schief, während sie mich aufmerksam musterte.
Hektisch nickend warf ich ihr einen kurzen Blick zu und sah, wie sich meine Hände an das Lenkrad krallten.
So gesehen ging es mir auch gut und es war alles okay, aber die Nervosität brachte mich fast um.
Mir ging durch den Kopf, wie ich diese Situation vor siebzehn Jahren erlebt hatte und so wirklich stellte ich keinen Unterschied fest.
Ich war genauso nervös wie damals.
„Vielleicht sollten wir einfach reingehen?“, schlug Bella vor und als ich zu ihr herüber sah, erstarrte ich für einen kurzen Moment und blinzelte.
Sie lächelte und es war eindeutig ein echtes Lächeln. Bella schien sich über irgendetwas zu freuen und ihr Lächeln ließ mein Herz gleich ein wenig schneller schlagen.
Es war fast das Lächeln, welches ich früher schon öfters gesehen hatte und es gab mir wieder ein wenig mehr Hoffnung.
„Ähm…“
Etwas unbeholfen saß ich neben ihr und wusste nicht so recht, was ich tun sollte.
Bella schüttelte lachend den Kopf, öffnete die Tür und ließ mich erst einmal auf meinem Platz sitzen.
Es dauerte einige Sekunden, bis mein Gehirn wieder funktionierte und in Windeseile hatte ich meinen Audi verlassen.
„Wie ich sehe, willst du doch nicht Wurzeln in deinem Wagen schlagen“, bemerkte Bella mit einem amüsierten Grinsen und beobachtete mich dabei, wie ich den Wagen mit einem Knopfdruck verriegelte und mich dann zu ihr begab.
„Ähm ja entschuldige… Ich bin ehrlich gesagt nur ein wenig nervös.“
„Ich weiß... Mir geht es auch so, aber das werden wir schon packen, oder?“
Ich nickte und war ein wenig über das ‚wir’ verwundert, sagte aber nichts weiter dazu.
Zusammen mit Bella lief ich über den riesigen Parkplatz, bis wir das Hochhaus erreichten, indem sich ihre Ärztin befand.
Für mich war es wirklich eine Ehre, dass sie mich gefragt hatte, ob ich sie begleiten wollte.
Damit hatte ich nicht gerechnet, aber sonst wäre es eben nicht Bella.
Als ich das Klingeln von Bellas Handy vernahm, warf ich einen kurzen Seitenblick zu ihr herüber und sah, wie sie in ihrer Handtasche nach ihrem Handy suchte und dabei leise vor sich hin fluchte.
Meine Mundwinkel zogen sich zu einem leichten Lächeln hoch, denn auch wenn sich so viele Dinge geändert hatten, so war doch eigentlich noch immer alles gleich geblieben.
Sie gab einen kleinen Freudenlaut von sich, als sie ihr Handy in der Hand hielt und legte es sich so schnell es ihr möglich war an ihr Ohr.
„Ja??“
Wir blieben vor dem Gebäude mit der riesigen Glastür stehen und ich lehnte mich an einen Laternenpfahl, während Bella telefonierte.
Auch wenn es ihr vielleicht bewusst war und sie es bereits bemerkt hatte, aber ich konnte einfach nicht anders, als sie dabei zu beobachten.
„Hey Jake, was gibt’s?“, fragte sie mit einem leichten Lächeln auf den Lippen und ihr Blick streifte mich kurz.
Wahrscheinlich war es ihr noch nicht einmal bewusst gewesen, aber immer, wenn wir uns nach dieser verdammt langen Zeit wieder einmal ansahen, fühlte ich mich unbeschreiblich gut.
Ja, ich vermisste sie jeden verdammten Tag und es machte mich fertig, dass ich nicht mehr in ihrer Nähe sein konnte, aber jetzt schien es so, als würde es wieder bergauf gehen.
Bella redete wieder mit mir und sie warf mir auch keine wütenden Blicke mehr zu.
Ihre Wut schien fürs Erste verraucht zu sein, aber dennoch konnte ich oft sehen, dass sie zutiefst traurig war und das wollte ich nicht.
Vielleicht würde unser Baby sie auch wieder auf schönere Gedanken bringen und die ganze Situation etwas anders sehen lassen.
Zumindest hoffte ich das.
„Du kannst heute Abend nicht vorbeikommen? Aber ich dachte du wolltest ein Blick auf mein Auto werfen…“ Bella klang enttäuscht und wenn ich mich nicht irrte, sogar ein wenig verzweifelt.
„Ein Meeting? Ja, okay dann geht es wohl nicht anders…“, antwortete sie wieder auf etwas, das Jake gesagt hatte und ließ ihren Kopf hängen.
Das war doch meine Chance…
Ich hatte vielleicht nicht so viel Ahnung von Autos wie Jake, aber immerhin noch so viel, dass ich kleinere Dinge reparieren und Fehler beheben konnte.
„Ja, kein Problem, Jake. Ich lasse mir da einfach etwas anderes einfallen. Bis dann“, hörte ich sie noch sagen, bevor sie dann seufzend das Handy wieder in ihrer Tasche gleiten ließ.
Ratlos fuhr sie sich mit geschlossenen Augen durch ihre Haare, denn das tat sie immer, wenn sie angestrengt über etwas nachdachte.
„Hey Bella…“, sagte ich mit sanfter Stimme und sie öffnete langsam ihre Augen, bevor sie mich direkt ansah.
„Wie wäre es, wenn ich mir gleich einfach dein Auto ansehe?“, fragte ich sie mit einem Lächeln auf den Lippen und Bella schien einen Moment lang verwirrt über mein Angebot zu sein.
„Bist du sicher, dass du das hinbekommst?“, fragte sie mich und zog kritisch eine Augenbraue hoch, was ich zuerst nur mit einem Lachen kommentierte.
„Hey, wer hat denn dein Türschloss damals repariert?“
„Man sieht ja, wie lange es gehalten hat“, erwiderte sie frech und lachte leicht.
„Aber na gut.. Wenn du das machen würdest, wäre ich dir wirklich dankbar, denn ich brauche mein Auto morgen…“, gab sie mit leiser Stimme zu.
„Natürlich. Mache ich doch gerne. Ich werde das schon irgendwie hinbekommen“, versprach ich ihr zwinkernd und legte meine Hand ganz behutsam an ihren Arm.
„Wollen wir?“, fragte ich und deutete mit meinem Kopf in die Richtung des Gebäudes.
Nachdem sie einmal tief eingeatmet hatte nickte sie und wir betraten zusammen das Hochhaus.
Die Praxis befand sich im 12. Stock und die Fahrt im Aufzug kam mir so vor, als wären Jahre vergangen.
Einen Moment lang hatte ich meine Nervosität vollkommen vergessen, weil ich nun einen Grund hatte, noch etwas länger bei Bella zu bleiben und später nach ihrem Auto zu sehen, aber jetzt kam mir sofort wieder der Grund in den Sinn warum wir hier waren.
Unser Baby…
Als die Aufzugtüren sich öffneten, zuckte ich erschrocken zusammen und stürmte schon beinahe aus dem Aufzug.
Bella folgte mir und es sah fast so aus als versuchte sie ein Lächeln zu unterdrücken.
Ich ließ sie vorausgehen, da sie nun einmal diejenige war, die hier einen Termin hatte und ich war nur ihr Begleiter.
Die Sprechstundenhilfe begrüßte uns freundlich und nachdem Bella ihr mitgeteilt hatte, dass sie um vier einen Termin hatte, bat die Frau uns im Wartezimmer Platz zu nehmen.
Nachdem wir uns beide einen Platz ausgesucht hatten, warf ich einen Blick auf die Uhr.
Es war bereits fünf Minuten nach vier, also wieso saßen wir noch immer hier?
Wieso machte man einen Termin, wenn dieser dann doch nicht eingehalten wurde?
Unruhig rutschte ich auf meinen Platz hin und her und erst jetzt fiel mir auf, dass mir alle Frauen in dem Wartezimmer einen Blick zuwarfen.
So wie es aussah, war ich hier der einzige Mann und das half nicht gerade dabei mich irgendwie wohler zu fühlen.
In der Hoffnung, dass es mich ein wenig ablenken würde ging ich zu dem Zeitschriftenstapel herüber und durchforstete die Sammlung nach etwas, was ich unter normalen Umständen auch lesen würde, fand aber nichts dergleichen und gab mich stattdessen einfach mit irgendeiner Frauenzeitschrift zufrieden.
„Also, wenn du Menstruationsprobleme hast, hättest du mir das ruhig sagen können. Die Tipps hättest du auch von mir bekommen“, hörte ich Bella neben mir sagen und wandte meinen Kopf in ihre Richtung.
Sie biss sich auf ihre Lippen und sah abwechselnd von mir zu der Zeitschrift herüber.
Meine Augen formten sich zu schlitzen und ich beugte mich näher zu ihr, um ihr etwas zuzuflüstern.
„Ich versuche mich einfach nur abzulenken und das war das Einzige, was ich hier finden konnte. Ich glaube die anderen Zeitschriften sind noch schlimmer.“
Sie lachte leise und ich verdrehte die Augen, während ich wieder einen Blick in die Zeitschrift warf.
Es tat gut, wieder mit ihr zu lachen und zusammen mit ihr etwas zu unternehmen und ich fragte mich, ob sie gerade an das Gleiche dachte.
Ob es für sie auch schön war, denn das hoffte ich zumindest.
Gefühlte zehn Stunden und zwei Frauenmagazine später hörte ich endlich die erlösende Stimme, die Bellas Namen aufrief.
Ich folgte Bella in das Behandlungszimmer und war erleichtert, dass die Ärztin bereits dort war und uns erwartete und wir nicht noch einmal einige Minuten warten mussten.
„Hallo Miss Black, wie geht es Ihnen?“, fragte die Ärztin Bella mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen.
„Danke Dr. Greene, mir geht es gut soweit...“, antwortete Bella, bevor sich die Ärztin dann zu mir herüber sah.
„Wie ich sehe, haben Sie auch Ihren Mann mitgebracht“, sagte die Ärztin an Bella gewandt und ich räusperte mich etwas unbeholfen.
„Ähm nein.. das ist nicht mein… wir sind nicht... mehr... also...“, druckste Bella vor sich herum und ich war ein wenig verwundert über ihre Reaktion, beschloss aber mich einfach bei der Ärztin vorzustellen, damit Bella sich nicht weiter da heraus reden musste.
„Oh..“
Die Ärztin entschuldigte sich bei uns beiden, aber es war ja eigentlich ‚normal’, dass der Ehemann die Frau mit zu diesem Termin begleitete. Oder zumindest der Partner und nicht der Ex-Partner aber ich hoffte immer noch, dass das ‚Ex’ bald wegfallen würde.
Bis dahin war es aber noch ein langer Weg.
Ich lauschte dem Gespräch, welches die beiden führten nur mit einem Ohr und dachte angestrengt über unsere Zukunft nach.
Es war nicht Bellas erste Schwangerschaft und ich wurde auch nicht zum ersten Mal Vater, also war uns das Meiste schon bekannt.
Erst als das Wort ‚Untersuchung’ im Gespräch fiel, horchte ich auf.
„Nun Miss Black. Da Sie die Schwangerschaft erst später bemerkt haben, werden wir jetzt noch die gynäkologische Untersuchung durchführen, den Mutterpass erstellen, etwas Blut abnehmen... Sie kennen das Ganze ja schon“, erklärte ihr die Ärztin lächelnd und ich sah, dass Bella bei der Erwähnung ‚Blut abnehmen’ erschauderte und ihre Gesichtsfarbe drastisch abnahm.
Trotzdem nickte sie tapfer und versuchte wie immer sich nichts anmerken zu lassen.
Ich erhob mich von meinem Platz und deutete zur Tür.
„Ähm… Ich… werde dann mal draußen warten“, murmelte ich und Bella nickte, während die Ärztin mich freundlich anlächelte.
„Keine Sorge, Mr. Cullen. Wir werden Sie wieder reinholen, wenn es Zeit für den Ultraschall ist“, versicherte die Ärztin mir und ich konnte nichts anderes tun, als zu nicken und dann den Raum wieder zu verlassen.
Draußen vor dem Untersuchungsraum kam ich mir wie ein Idiot vor und wusste nichts mit mir anzufangen.
Die Sprechstundenhilfen warfen mir alle einen kurzen Blick zu, während ich planlos von einer Ecke in die andere lief.
War es denn so ungewöhnlich, dass ein Mann diese Räumlichkeiten betrat oder warum fühlte ich mich wie ein Tier im Zoo?
Es war verwunderlich, dass ich nicht bereits einen Büschel Haare in den Händen hielt, weil ich mir die ganze Zeit mit meinen Fingern durch die Haare fuhr.
Ins Wartezimmer wollte ich nicht zurück, denn da würde ich nur wieder den Blicken der Anderen ausgesetzt sein und noch mehr Frauenzeitschriften wollte ich auch nicht lesen, also lief ich zu dem Wasserspender herüber und füllte einen Becher mit der kühlen Flüssigkeit.
Das beschäftigte mich aber auch nur fünf Minuten und leise vor mich hin grummelnd zerknüllte ich den Becher und warf ihn in einen Papierkorb.
„Kann ich Ihnen vielleicht irgendwie behilflich sein?“, fragte mich eine der Sprechstundenhilfen.
„Niemand kann mir gerade helfen“, dachte ich sarkastisch und zwang mir ein Lächeln auf.
„Nein, schon okay. Vielen Dank. Ich warte nur gerade auf meine Fr… also auf meine…“
Ich schnaubte über meine Dummheit und deutete dann auf den Untersuchungsraum.
„Ich warte nur hier bis die Untersuchung vorbei ist. Danke“, brachte ich schließlich noch den Satz hervor ohne zu Stottern.
Ich hoffte, dass es dem Baby gut ging und die Untersuchung gut verlaufen würde.
Bella war jetzt in der 12. Woche und mir war bewusst, dass sie sich Vorwürfe machte, dass sie die Schwangerschaft nicht schon früher bemerkt hatte, aber jetzt konnte man daran auch nichts mehr ändern.
Die Untersuchung schien Jahre zu dauern. So kam es mir zumindest vor und mein Herz rutschte mir fast in die Hose, als sich die Tür zum Untersuchungsraum öffnete und die Ärztin Ausschau nach mir hielt.
„Mr. Cullen?“
Ich flitzte mit schnellen Schritten in ihre Richtung und sie ließ mich wieder eintreten.
„Wie geht es dir?“, fragte ich Bella als erstes.
Ihre Gesichtsfarbe war besorgniserregend blass und sie schüttelte nur den Kopf.
„Mir geht’s gut, keine Sorge“, versicherte sie mir und ich blieb neben der Liege stehen, auf der sie sich hingelegt hatte.
Es dauerte einige Minuten, bis eine gesunde Röte sich wieder in ihrem Gesicht abzeichnete und ich konnte mich wieder ein wenig entspannen.
Bella schien jedoch alles andere als entspannt zu sein und ich sah, dass sie am ganzen Körper zitterte.
Die Untersuchung war soweit gut verlaufen, wie sie mir mitgeteilt hatte, aber ihre Nervosität schien sich jetzt ins Unermessliche zu steigern.
Ohne darüber nachzudenken, griff ich nach ihrer Hand und umschloss sie fest mit meiner. Mir war es in diesem Moment egal, ich wollte einfach nur für sie da sein und sie sollte wissen, dass sie nicht alleine war.
Zu meinem Erstaunen zog Bella ihre Hand nicht weg und sie warf mir auch keinen wütenden Blick zu.
Sie ließ es einfach zu und irgendwie schien es sie sogar zu beruhigen, denn das Zittern ließ ein wenig nach.
Wie gebannt starrte ich auf den Bildschirm des Ultraschallgerätes. Er war noch nicht einmal eingeschaltet, doch ich wagte es in diesem Moment nicht wegzusehen, denn ich hatte Angst, dass ich wohlmöglich nachher noch etwas verpassen würde.
Unbewusst strichen meine Finger behutsam über Bellas Hand, während ich weiterhin den Bildschirm anstarrte.
Als dieser angeschaltet wurde war ich derjenige, der sich anspannte.
Plötzlich schossen mir wieder tausend Fragen durch den Kopf, die ich mir schon oft gestellt hatte.
Ging es unserem Baby gut?
Würde es irgendwelche Komplikationen geben?
Bella schien meine Angespanntheit zu spüren, denn ich merkte, wie sie einmal kurz meine Hand drückte.
Verwundert sah ich zu ihr herüber.
Ihr Blick verriet mir, dass auch sie für mich da sein würde und für mich war das fast unglaublich.
Ich hatte ihr soviel Leid zugefügt und dennoch war sie in diesem Moment für mich da, obwohl ich doch eigentlich für sie da sein sollte.
Doch die Realität sah so aus, dass wir beide füreinander da waren, was noch um einiges besser war.
Ihre Gutmutigkeit war einfach nicht von dieser Welt und genau das war eines der Dinge, das ich so sehr an ihr liebte.
„Geht es dem Baby gut?“, hörte ich Bellas besorgte Stimme sagen, während die Ärztin einen Blick auf das Ultraschallbild warf und sich alles genau ansah.
„Ich mache mir ein wenig Sorgen… Mir geht es gut, aber ich war in letzter Zeit nicht gerade… gut zu meinem Körper“, murmelte sie leise und ich sah besorgt zu ihr herüber.
Das alles war meine Schuld gewesen.
Hätte ich nicht diesen dummen Fehler begangen, wäre es ihr in der letzten Zeit auch nicht so schlecht ergangen aber ich war froh, dass Bella jetzt wieder neuen Lebensmut gefunden hatte.
Es machte mich nervös und brachte mich fast um, da die Ärztin nicht sofort auf Bellas Frage antwortete, aber als sie sich umdrehte und uns beide anlächelte, fiel zumindest ein wenig der Anspannung von mir ab und auch Bella schien sich zu entspannen.
„Dem Baby geht es gut, Miss Black. Keine Sorge. Wie ich sehen kann ist das Baby sehr gut entwickelt und ich kann auch sonst keine Auffälligkeiten feststellen. Sehen Sie?“
Mein Blick wanderte von Bella wieder herüber zu dem kleinen Bildschirm.
Es dauerte einen Moment lang bis ich etwas erkennen konnte, aber dann sah ich deutlich unser Baby.
Ein strahlendes Lächeln zeigte sich auf meinen Lippen, als es sich bewegte.
Es schien sehr unruhig zu sein, was aber auch an Bellas Nervosität liegen konnte.
Das war unser Baby und das Wichtigste: Es war gesund.
Dieser Moment war einzigartig.
Das eigene Baby auf diesem kleinen Bildschirm zu sehen, der Beweis, dass dieses Baby lebte und wir es schon bald in unseren Armen halten würden.
„Überprüfen wir noch den Herzschlag“, hörte ich die Ärztin sagen und als ich im nächsten Moment das laute und schnelle Schlagen eines winzig kleinen Herzens hörte, hielt ich die Luft an.
Es war unbeschreiblich und ich erstarrte zu einer Statue, während ich weiterhin dem regelmäßigen Herzschlag unseres Babys lauschte.
Das war eindeutig das wunderschönste Geräusch auf der Welt…
Unserem Baby ging es gut und Bella drückte meine Hand so fest, dass sie beinahe schon taub wurde.
Am liebsten hätte ich die ganze Welt umarmt, doch stattdessen passierte etwas, mit dem ich absolut nicht gerechnet hätte.
Bellas Hand ließ meine los und ehe ich mich versah, hatten sich ihre Arme um meinen Körper geschlungen und sie umarmte mich.
Für einen kurzen Moment war ich mit dieser Situation überfordert.
Ich war vollkommen überrascht und wusste nicht, was ich tun sollte, bis ich schließlich nach einigen Sekunden aus meiner Starre erwachte und ihre Umarmung erwiderte.
Bella zitterte noch immer und ihrem leisen Schluchzen nach zu urteilen weinte sie, aber da sie zuvor ebenfalls dieses strahlende Lächeln im Gesicht hatte wusste ich, dass es Freudentränen waren.
Sie war genauso überglücklich wie ich und wir teilten diesen Moment gemeinsam.
Etwas Schöneres konnte es wirklich nicht geben.
Niemand konnte uns diesen gemeinsamen Moment wegnehmen und ich versuchte jede einzelne Sekunde davon auszukosten.
„Oh nein…“, murmelte sie geschockt und löste sich mit einer ruckartigen Bewegung wieder von mir.
„Was ist?“, fragte ich sie panisch und folgte ihrem Blick.
Ich musste lachen als ich sah, dass mein Anzug mit dem Gel bekleckert war, welches sich zuvor noch auf ihrem Bauch befunden hatte.
„So ein Mist. Das tut mir leid…“
Bella schnappte sich ein paar Papiertücher und versuchte das Gel von meiner Anzugjacke zu bekommen.
Ich stoppte sie mit einem Lächeln, während ich meine Hände über ihre legte.
Sie warf mir einen fragenden und zugleich schuldigen Blick zu.
„Ist schon okay, Bella. Kann ja mal passieren. Es ist nur ein Anzug“, bemerkte ich schulterzuckend und sie schnaubte leise.
„Wieso musst du auch deinen blöden Gucci Anzug anziehen, wenn wir zum Frauenarzt gehen?“, zischte sie mir zu und ich unterdrückte ein Grinsen.
„Ich werde das nächste Mal daran denken, wenn du mich wieder mit dem Ultraschallgel beschmierst.“ Ich unterdrückte ein Lachen, doch als ich sah wie Bellas Mundwinkel sich nach oben zogen, konnte ich nicht anders als leise lachend den Kopf zu schütteln.
„Blödmann“, murmelte sie noch immer lächelnd und nahm mir die gebrauchten Papierhandtücher ab, um sie in den Müll zu werfen.
Es tat gut zu sehen, wie glücklich sie in diesem Augenblick war.
Sie dachte nicht an ihre Sorgen, sie freute sich einfach nur.
Die Ärztin ließ es sich nicht nehmen, uns noch einmal zu gratulieren und stolz nahm ich das Ultraschallbild an, welches ich mir noch einmal ganz genau ansah.
Bella würde es sicherlich gerne behalten wollen, also musste ich es ihr gleich zurückgeben, aber zumindest für jetzt konnte ich diesen Anblick noch einmal genießen.
Insgeheim fragte ich mich gerade, ob es ein Junge oder ein Mädchen werden würde.
Die Ärztin konnte noch nichts Genaues erkennen, also mussten wir uns wohl noch einige Zeit gedulden, aber letztendlich war es mir auch egal, denn ich würde mich freuen, egal ob es ein Junge oder ein Mädchen werden würde.
Während ich mir weiter das Ultraschallbild ansah und über die Zukunft sinnierte, besprach die Ärztin noch einige Dinge mit Bella, die aber auch für uns beide nichts Neues waren.
Trotzdem war es genauso schön und aufregend wie beim ersten Mal und in mir keimte noch mehr Hoffnung auf, dass es zwischen Bella und mir wieder besser werden würde.
Dieses Kind würde uns für unser ganzes Leben aneinander binden und ich merkte auch, dass Bella wieder bereit war mit mir zu reden und sie hatte mich sogar hierhin mitgenommen.
Natürlich konnte das auch nur aus dem Grund sein, da ich nun einmal der Vater dieses Babys war und ich auch ein Recht dazu hatte, welches Bella mir niemals verwehren würde, aber ich hielt an meiner Meinung fest.
Für uns gab es noch Hoffnung.
Nachdem wir die Praxis wieder verlassen hatten, sprachen wir beide kein einziges Wort und hingen unseren eigenen Gedanken nach.
Schweigend liefen wir nebeneinander zum Parkplatz und als wir an meinem Auto ankamen, seufzte ich leise bevor ich Bella das Ultraschallbild reichte, welches ich mitgenommen hatte.
„Du möchtest es sicherlich haben“, erklärte ich ihr auf ihren fragenden Blick hin und Bella lächelte erneut, als sie es sich noch einmal ansah.
„Schon okay, Edward. Du kannst es gerne behalten“, antwortete sie und ich blinzelte verwundert.
„Nun, ich habe gesehen, wie du das Bild angesehen hast und ich konnte auch sehen, wie traurig du warst, als du darüber nachgedacht hast, dass du es wieder abgeben musst. Ich habe unser Baby immer bei mir und das war nicht das letzte Ultraschallbild, also behalt es ruhig. Du kannst mir ja eine Kopie davon machen.“
„Wow.. Danke“, antwortete ich mit einem Blick auf das Bild.
„Kein Problem“, erwiderte Bella schulterzuckend und ich öffnete ihr schnell die Tür, damit sie auf der Beifahrerseite Platz nehmen konnte.
Das Ultraschallbild verstaute ich sicher in meiner Anzugjacke und stieg dann ebenfalls in mein Auto ein.
Der Weg zu Bellas Wohnung verlief relativ ruhig.
Wir sprachen beide noch immer nicht gerade viel miteinander aber etwas hatte sich verändert.
Die Stimmung war eine andere und nicht mehr so angespannt wie zuvor.
Glücklicherweise konnte ich sogar einen Parkplatz in der Nähe ihrer Wohnung ergattern und ich warf einen kurzen Blick nach draußen.
Noch immer gefiel es mir absolut nicht, dass Bella in solch einer Gegend wohnte.
Erst recht nicht dann, wenn sie bald unser gemeinsames Kind zur Welt bringen würde.
Irgendwie musste ich sie doch dazu überreden können, sich eine andere Wohnung zu nehmen…
Es gab genügend Gründe dafür und diese Wohngegend war nur einer davon.
Ich musterte diese zwielichtigen Typen, die sich an der Straßenecke herumtrieben und mir kräuselten sich die Nackenhaare wenn ich mir vorstellte, dass Bella oder auch Nessie zu dieser Uhrzeit hier unterwegs waren.
Bald müsste ich dieses Thema ansprechen, das nahm ich mir fest vor.
Wenn sie mein Geld nicht annehmen wollte, dann musste ich vielleicht einmal mit Jake reden.
So wie ich ihn kannte, würde er mir doch sicherlich zustimmen.
„Was ist denn?“, fragte mich Bella, doch ich schüttelte nur mit dem Kopf.
Fürs Erste würde ich dieses Thema nicht ansprechen, denn jetzt würde ich mich erst einmal um ihr Auto kümmern.
„Gibst du mir deinen Autoschlüssel?“, fragte ich sie mit einem Lächeln und hielt meine geöffnete Hand in ihre Richtung.
Sie zögerte einen Moment und warf mir einen warnenden Blick zu, wobei ich ein Lachen unterdrücken musste, aber wenige Sekunden später ließ sie den Schlüssel in meine Hand fallen und wir stiegen gemeinsam aus.
Als wir vor ihrem Auto zum Stehen kamen, reichte ich ihr mein Jackett, welches sie ohne zu zögern annahm und festhielt. Ich hatte ihr ausreden können, dass sie mir die Reinigung bezahlte und war verwundert, dass sie es so schnell zugelassen hatte, aber wahrscheinlich ging es ihr finanziell nicht gerade sehr rosig.
Sie würde es niemals zugeben und meine Hilfe nahm sie immer nur sehr selten an.
Dass ich für unser Baby bezahlte war klar, aber wenn ich ihr etwas Gutes tun wollte, blockte sie sofort ab.
Ich krempelte die Ärmel meines Hemdes hoch, nachdem ich mit der Tür gekämpft und sie endlich aufbekommen hatte, damit ich den Hebel für die Motorhaube betätigen und sie öffnen konnte.
Zumindest versuchte ich es, denn die Fahrertür an Bellas Auto war nicht das Einzige, was klemmte.
Die Motorhaube schien auch noch zusätzlich zu streiken.
„Mach es nicht kaputt. Wenn du weiter so daran rüttelst, hast du die Motorhaube gleich in der Hand“, murmelte Bella neben mir leise und ich musste lachen.
„Dann würde ich mir aber erst recht Sorgen machen, wenn man dieses Ding so schnell abreißen kann“, erwiderte ich und grinste, als ich ihre wütend funkelnden Augen sah.
Nach etlichen Versuchen schaffte ich es aber doch noch irgendwie und öffnete die Motorhaube.
Leise vor mich hin murmelnd warf ich einen Blick hinein und hatte das Problem des Ganzen schnell entdeckt.
„Weißt du auch, was du da tust?“
In Bellas Stimme schwang eine Spur Besorgnis mit, als ich mich an einigen Kabeln zu schaffen machte.
„Jupp“, erwiderte ich kurz angebunden und sie bewegte sich unruhig neben mir von einem Fleck zum Anderen.
„Die Kabel waren einfach nur ein wenig locker“, erklärte ich ihr und sie atmete erleichtert aus.
„Immerhin kein Totalschaden…“
Ich verkniff mir eine weitere Bemerkung über ihr uraltes Auto und überprüfte, ob das Auto nicht jeden Moment auseinander fallen würde.
Schnell stellte ich fest, dass das Auto von innen besser aussah als von außen.
Jake kümmerte sich gut um diese Schrottkarre, aber bald würde auch er nichts mehr für dieses Steinzeitmobil tun können.
„Ansonsten ist alles okay“, sprach ich meine Worte noch einmal laut aus und sah zur ihr herüber.
Einige Sekunden lang sah mich Bella einfach nur an, doch dann fing sie auf einmal so laut an zu lachen, dass ich sie nur verwirrt ansehen konnte.
Angestrengt überlegte ich, ob ich gerade irgendetwas Dummes gemacht hatte, was sie so zum Lachen brachte, aber da war nichts gewesen.
„Was ist so witzig?“, fragte ich sie verwundert und sah mich um.
Als ich sie wieder ansah, lachte sie nur noch lauter.
Irgendetwas an mir brachte sie so zum Lachen, doch ich hatte keine Ahnung was es war.
Das Schöne daran war aber, dass Bella wirklich von ganzem Herzen lachte und sie konnte gar nicht mehr aufhören.
Sie schnappte nach Luft, hielt sich mit einer Hand an der Motorhaube fest und es dauerte einige Zeit, bis ihr Lachen leiser wurde und in ein Kichern überging.
„Dein Gesicht“, sagte sie schließlich, gefolgt von einem weiteren Lacher und ich runzelte verwundert die Stirn.
Was war denn bitte an meinem Gesicht so lustig?
Erst als ich einen Blick auf meine Hände warf erkannte ich den Grund für ihr Lachen.
Meine Hände waren mit Öl beschmiert und wahrscheinlich hatte ich einiges davon auch im Gesicht und mein Hemd war ebenfalls nicht verschont geblieben.
„Das findest du also witzig, ja?“, bemerkte ich grinsend und sie wich noch immer lachend einen Schritt vor mir zurück.
„Wie der große Edward Cullen in seinem tausend Dollar Hemd mit Öl beschmiert hier steht? Jaaa, dass finde ich sehr amüsant“, gab sie zurück.
Sie quietschte erschrocken auf, als ich meine Hand nach ihr ausstreckte und wenige Sekunden später ein wenig Öl ihre Wange zierte.
„Hey!“, beschwerte sie sich noch immer lachend und schubste mich ein wenig zur Seite.
„Jetzt sind wir beide mit Öl beschmiert. Gleichberechtigung“, entgegnete ich grinsend und sie funkelte mich mit ihren schokoladenbraunen Augen an, doch das Lächeln in ihrem Gesicht verschwand einfach nicht.
Sie war glücklich und es war schön sie so zu sehen.
Wir alberten herum, lachten zusammen und ich genoss diesen Moment, in dem wir einfach nur glücklich waren.
Für einen kurzen Moment schien es auch so zu sein, als hätte sie vergessen, was passiert war.
Es war so, als würde sie nur daran denken, wie es jetzt gerade war und wie es womöglich sein könnte.
Mir wurde schnell klar, wie sehr ich ihr herzliches Lachen vermisst hatte.
Das Strahlen in ihren Augen, wenn sie fröhlich war und ich konnte nicht genug davon bekommen.
In einem Augenblick kam ich ihr so nah, dass unser Lachen verstummte.
Meine Augen sahen direkt in ihre, unsere Körper standen so nah beieinander, dass nicht einmal ein Blatt Papier mehr zwischen uns gepasst hätte.
Ich spürte, wie Bella die Luft anhielt und automatisch fiel mein Blick auf ihre Lippen, doch ehe ich mich versah, hatte Bella sich von mir abgewandt und einen riesengroßen Abstand zwischen uns gebracht.
Mir fiel auf, dass ihr Atem sich beschleunigt hatte und sie ein wenig durcheinander wirkte.
„Tut mir leid...“, murmelte ich und musterte sie aufmerksam.
Ich wollte sie nicht bedrängen.
Wir hatten einfach nur zusammen ein wenig Spaß gehabt und ich hatte nicht genau auf das geachtet, was ich tat, denn es hatte sich wieder so wie damals mit ihr zusammen angefühlt.
„Schon..okay.. Nun, ich sollte jetzt. Ich werde jetzt reingehen“, erklärte sie mir, während sie einige Schritte rückwärts in die Richtung des Hauses ging.
„Okay…“
„Danke“, sagte sie noch und deutete auf ihren Wagen.
„Keine Ursache“, erwiderte ich schulterzuckend und seufzte, als sie sich von mir abwandte und mit dem Schlüssel in der Hand, die kleine Treppe hinauf lief, bevor sie die Haustür öffnete.
Während sie hineinging, warf sie mir noch einen kurzen Blick zu, bis die Tür schließlich ins Schloss fiel und ich blieb seufzend an Ort und Stelle stehen.
Langsam ließ ich mich auf der Treppe nieder und dachte über das, was da zwischen uns passiert war, nach.
Irgendetwas gab mir das Gefühl, dass der heutige Tag so einiges zwischen uns zum Guten geändert hatte.
Ich musste weiter machen und auch wenn ich noch tausende Abfuhren bekommen würde… Aufgeben kam für mich nicht in Frage.
Ich müsste Bella nur beweisen, dass ich es wirklich ernst meinte und sie nie wieder so sehr verletzen würde, wie ich es getan hatte.
Das würde sicherlich einige Zeit in Anspruch nehmen und es würde auch lange dauern, bis sie mir wieder vertraute, aber ich wusste, dass es das wert war.
Denn wenn es etwas im Leben gab, wofür es sich zu kämpfen lohnte, dann war es Bella, meine einzig wahre Liebe.
Wow einfach herrlich das kap
AntwortenLöschenUnd endlich hat Edward wieder zugang zu Bella gefunden aber das wird noch ein verdammt langer weg für die zwei werden
es wird ein langer weg...aber der erste schritt ist getan....wieder ein sehr schönes kap
AntwortenLöschen:-)