Edward POV
Den gesamten Vormittag über hatte ich den riesigen Stapel auf meinem Schreibtisch bearbeitet und endlich hatte ich diesen lästigen Papierkram hinter mir.
Jetzt, nachdem ich das letzte Stück Papier verstaut hatte, wanderte mein Blick zu den Bildern auf meinem Schreibtisch herüber.
Das erste Bild, welches ich mir ansah, war ein älteres Bild von Emily, auf dem sie gerade einmal sechs Jahre alt war.
Emily wollte mich jedes Mal am liebsten erschlagen wenn sie entdeckte, dass es noch immer auf meinem Schreibtisch stand, aber bis jetzt hatte ich mich immer noch durchsetzen können, dass dieses Bild an Ort und Stelle blieb.
Das andere Foto war von Bella und mir, welches wir zusammen geknipst hatten.
Ich erinnerte mich immer wieder gerne an diesen Tag, denn wir beide hatten unheimlich viel Spaß gehabt und es war die allerschönste Zeit unserer Beziehung gewesen.
Innerlich hoffte ich, dass ich in Zukunft noch so einige schöne Momente mit ihr erleben würde und die Zeichen dafür standen noch nicht einmal so schlecht.
Als ich vor einigen Tagen ihr Auto repariert hatte, gab es da diesen einen besonderen Moment, der uns für wenige Sekunden wieder so nah zueinander gebracht hatte, dass dieser Gedanke seit Tagen immer und immer wieder in meinem Kopf abspielte.
Ich dachte an ihren Blick und überlegte ständig, wie es wohl gewesen wäre, wenn ich sie einfach geküsst hätte.
Sicher war jedoch, dass ich mir bestimmt eine Ohrfeige eingefangen hätte, denn so war Bella nun einmal und es wäre ja nicht das erste Mal gewesen.
Ich lachte, als sich die Erinnerung unseres „Nicht-Dates“ in meinen Kopf schlich.
Diese Frau hatte wirklich ein unbeschreibliches Temperament, aber genau das war eines der Dinge, die ich so sehr an ihr liebte.
Sie war einfach Bella, sie spielte mir nichts vor und ich hatte sie genauso lieben gelernt, wie sie nun einmal war.
Insgeheim fragte ich mich, ob Bella dieses Bild ebenfalls noch besaß, oder ob sie es bereits aus ihrem Leben verbannt hatte, was ich nicht hoffte.
„Mr. Cullen?“, Laurens Stimme ließ mich zusammenzucken und riss mich aus meinen Gedanken und Erinnerungen.
„Ja?“
„Ihre Tochter und Ihr Bruder sind hier…“, hörte ich sie durch die Sprechanlage sagen und ich runzelte verwundert die Stirn.
Ich konnte mich nicht daran erinnern, dass wir verabredet waren, aber meine Familie schien in letzter Zeit eine Vorliebe für Spontanbesuche entwickelt zu haben.
Vor allem Emmett konnte so etwas besonders gut.
„Okay, lassen Sie die beiden…“ Ich kam nicht einmal dazu, den Satz zu Ende zu sprechen, als meine Tochter schon mit einem breiten Grinsen in mein Büro stürmte, gefolgt von meinem Bruder.
Er verhielt sich alles andere als ein Mann, der nächstes Jahr vierzig wurde, aber so war mein großer Bruder nun einmal.
„Heey Daaad“, sagte Emily fröhlich, kam zu mir und küsste zur Begrüßung meine Wange.
Wenige Sekunden später musterte sie mich aufmerksam und fuhr dann mit ihrer Hand durch meine Haare und zerrte einmal an ihnen.
„Hey“, beschwerte ich mich und versuchte ihre Hand abzuschütteln, doch sie ließ nicht so schnell locker.
„Du hast dir die Haare abgeschnitten. Steht dir super“, erklärte sie mir breit grinsend und stieß dann mit ihrem Ellbogen in meine Seite.
„Ich denke, ich kenne den Grund für deinen Friseurbesuch.“
Ich seufzte und versuchte meine Tochter erst einmal weitestgehend zu ignorieren.
„Hey kleiner Bruder!“, begrüßte mich Emmett, das breite Grinsen noch immer auf seinen Lippen und er kam zu mir, verpasste mir aber einen Schlag gegen den Hinterkopf, als er neben mir stand.
„Verdammt noch mal, was soll das?“
„Was fällt dir ein, mir nicht zu sagen, dass Bella schwanger ist?“, beschwerte er sich und warf mir einen gespielt bösen Blick zu.
„Ich weiß es doch selbst noch nicht so lange. Reg dich wieder ab“, murmelte ich und erhob mich von meinem Bürostuhl, da ich befürchtete Emmett würde mir gleich noch einmal eine verpassen.
„Klar. Und wann bitte hättest du es mir erzählt? Wenn das Kind aufs College geht?“ Emmetts Grinsen wurde breiter.
Er hatte es schon immer geliebt, mich auf die Palme zu bringen und das würde sich auch sicherlich niemals ändern.
Ich beschloss, einfach nicht weiter auf seine Kommentare einzugehen und wandte mich stattdessen an meine Tochter.
Hoffentlich konnte ich von ihr ein paar verwertbare Antworten erhalten.
„Wieso seit ihr eigentlich hier?“, fragte ich sie und meine Tochter warf mir einen gespielt bösen Blick zu.
„Willst du uns etwa schon wieder loswerden?“
Schnell schüttelte ich den Kopf und sie streckte mir die Zunge raus, was ich mit einem Seufzen quittierte.
„Okay, der Grund warum wir hier sind… Ich werde gleich zu meinen beiden Cousins fahren und Onkel Emmett wird dich heute Abend entführen“, erklärte Emily mir und lächelte zufrieden.
„Er wird was machen?“ Fragend zog ich eine Augenbraue in die Höhe und musterte meinen Bruder aufmerksam.
Auf seinem Gesicht hatte sich wieder ein breites Grinsen ausgebreitet.
„Wir beide…“ Er deutete mit seinem Zeigefinger abwechselnd auf mich und dann wieder auf sich.
„Werden heute Abend mal wieder einen richtigen Männerabend verbringen. Zusammen mit den Jungs. Ich will gar nicht erst wissen, wie lange es her ist, seitdem du richtig unter Männern warst. Nimm es mir nicht übel, aber entweder du warst nur mit Bella unterwegs, hattest Emily zu Hause oder du warst alleine. Du wirst noch zum Weichei, wenn das so weitergeht.“ Emmett lachte, als er meinen bösen Blick sah und ich ihm gerade eine Beleidigung an den Kopf pfeffern wollte, aber Emily unterbrach mich.
„Japp, genau ein Männerabend. Jake und Jasper werden auch da sein und DU ziehst endlich mal die Sachen an, die wir vor langer Zeit mal zusammen gekauft haben. Ich sehe dich ja nur noch in Anzügen, du musst mal wieder ein wenig lockerer werden, Dad.“ Emily schüttelte seufzend den Kopf, während sie mich musterte und ich starrte die beiden mit einem verwirrten Gesichtsausdruck an.
„Was heißt denn hier bitte ‚lockerer werden’?“, wollte ich von ihr wissen.
„Mach einfach das, was ich dir gesagt habe. Ihr werdet bestimmt Spaß haben.“, flötete sie vergnügt und tätschelte meinen Arm, als wäre ich ein kleines Kind.
Ja… Dieser Abend konnte sicherlich noch interessant werden.
Da Emmett gerade Urlaub hatte, ließ er es sich nicht nehmen, es sich den gesamten Nachmittag über in meinem Büro bequem zu machen.
Er konnte froh sein, dass ich heute nicht so verdammt viel zu tun hatte, sonst hätte ich ihn wahrscheinlich eigenhändig rausgeschmissen.
Emily hatte sich gleich nach unserem Gespräch zu Rose und den Zwillingen aufgemacht, damit die vier zusammen einen schönen Tag verbringen konnten und auch ich hatte mir fest vorgenommen, meine Neffen am Wochenende zu besuchen.
Gegen vier Uhr am Nachmittag hatte ich es schließlich aufgegeben weiterzuarbeiten, da Emmett mich die gesamte Zeit über mit Fragen über Bella löcherte.
Er wollte wissen, wie meine Pläne waren sie zurückzuerobern, aber einen genauen Plan hatte ich selbst noch gar nicht im Kopf.
Natürlich gab es da schon einige Dinge, die ich im Sinn hatte, aber ob diese letztendlich zum gewünschten Ziel führen würden, stand noch in den Sternen.
Als Emmett und ich bei mir zu Hause ankamen, fand ich einen Zettel von Emily, in dem sie mir drohte, dass sie es schon herausfinden würde, wenn ich nicht die Sachen anziehen würde, die wir einmal zusammen gekauft hatten und ich gab mich schließlich seufzend geschlagen.
Mein Bruder plapperte vergnügt weiter, während ich in die obere Etage lief und in meinen Kleiderschrank ging.
Irgendwo in der hintersten Ecke fand ich schließlich die teure Blue Jeans und das rote Shirt, welches ich erst einmal getragen hatte.
Erst jetzt wurde mir bewusst, wie lange es wirklich her war, dass ich in der Öffentlichkeit etwas anderes getragen hatte, als einen Anzug.
Wenn ich irgendwo hinging, kam ich meist von der Arbeit und hatte keine Zeit mich umzuziehen und außerdem hatte ich mich so sehr daran gewöhnt, dass mir alles andere fremd vorkam.
„Dieser Jeansstoff fühlt sich nicht gut an“, murmelte ich frustriert, als ich wieder ins Wohnzimmer kam und Emmett zog eine Augenbraue hoch.
„Fühlt sich nicht gut an...“, äffte er mich nach und verdrehte dann die Augen.
„Junge, das sind einfach nur ein paar Jeans. In dem Outfit siehst du gleich viel jünger aus. Ende zwanzig, Anfang dreißig vielleicht“, bemerkte Emmett und ich warf einen kurzen Blick in den Spiegel.
„Wenn ich Bella wäre, würde ich glatt über dich herfallen.“
Er lachte, als ich ihm einen warnenden Blick im Spiegel zuwarf und ignorierte mich, während er einfach weiter sprach.
„Apropos, du hast bald Geburtstag.“
„Gut zu wissen“, erwiderte ich sarkastisch.
Ich hatte mir noch gar keine Gedanken darüber gemacht, ob ich meinen Geburtstag überhaupt feiern wollte, denn der 37. Geburtstag war weiß Gott nichts Besonderes.
Wäre eine Geburtstagsfeier die richtige Idee?
Sollte ich Bella dazu einladen und würde sie überhaupt erscheinen?
Ich schnaubte, denn mir fiel schnell auf, dass ich mich wie ein pubertierender Trottel benahm und verbannte diese Gedanken aus meinem Kopf.
Da Emmett so sprunghaft war, ließ er das Thema Geburtstag nach wenigen Sekunden schon wieder fallen und wechselte zum nächsten Thema, was mir jedoch ganz recht war.
Über meinen Geburtstag wollte ich nicht nachdenken, denn ich hatte gerade wichtigere Dinge zu erledigen.
Mein Bruder und ich nahmen uns ein Taxi, um zu der Bar zu gelangen.
Zuerst hatte ich vorgeschlagen, dass wir mit meinem Wagen hinfahren könnten, doch da Emmett Alkohol mit eingeplant hatte, entschieden wir uns schnell für die andere Variante.
Schließlich hatte ich auch keine Lust, meinen Wagen am nächsten Tag irgendwo in der Innenstadt zu suchen, weil ich am Abend zuvor zu betrunken gewesen war und nicht mehr wusste, wo ich mein Auto geparkt hatte.
Das war mir bis jetzt einmal passiert und ich würde es nie wieder soweit kommen lassen, dass hatte ich mir geschworen.
Als das Taxi vor der Bar hielt, sah ich Jacob und Jasper bereits vor dem Eingang stehen.
Insgeheim fragte ich mich, wie Jake wohl auf mich reagieren würde, denn seit der Trennung von Bella hatte ich ihn nur ein einziges Mal gesehen und man konnte sich schon beinahe sicher sein, dass er nicht auf meiner Seite war, sondern auf ihrer.
Auch wenn sie ein geschiedenes Ehepaar waren, so waren sie dennoch die besten Freunde.
Es hatte mich immer geärgert, dass Bella einen so guten Draht zu ihrem Ex-Mann hatte, dennoch hätte ich niemals zugegeben, dass ich eifersüchtig war, obwohl das wirklich jeder sehen konnte.
Wenn ich jetzt aber darüber nachdachte war ich froh, dass Bella eine Person in ihrem Leben hatte, die sich immer um sie kümmern würde.
Jake war sicherlich für Bella da gewesen.
Ich wollte mir nicht einmal ausmalen, wie es für sie gewesen wäre, wenn sie nicht diese Freundschaft zu ihm hätte.
Im Großen und Ganzen konnte ich also sagen, dass ich froh darüber war, dennoch bereitete es mir gerade ein ungutes Gefühl, dem Mann gegenüber zu treten, der Bellas Tränen, die unbestreitbar meine Schuld waren, getrocknet hatte.
„Was? Hast du etwa Angst vor Jake?“, fragte mich Emmett, während wir noch einen Moment im Taxi saßen und ich dem Fahrer sein Geld gab.
„Wie kommst du denn auf diesen Müll?“, wollte ich von meinem Bruder wissen und er lachte leise.
„Na dein Blick sagt ja schon alles, aber keine Sorge, er wird dich schon nicht zu Brei schlagen“, versicherte Emmett mir und ich beschloss, ihm das einfach zu glauben.
Eine andere Wahl hatte ich gar nicht.
Während wir aus dem Taxi stiegen überlegte ich, wie lange es jetzt wohl her war, seitdem ich Jasper das letzte Mal gesehen hatte.
Es waren bestimmt Monate, denn ich hatte ihn kennen gelernt, als wir alle zusammen einen Ausflug zum Jahrmarkt unternommen hatten.
Zu der Zeit, als Bella und ich unsere Beziehung noch geheim hielten, aber er hatte uns sofort durchschaut, wie so viele andere auch.
Jasper war jedoch besonders gut darin, denn schließlich beschäftigte er sich unter anderem jeden Tag aufs Neue damit, die Verhaltensweisen von Menschen zu erforschen und unsere Körpersprache hatte wohl für sich gesprochen.
Emmett ging voraus, während ich ihm stillschweigend folgte.
Er selbst kannte Jake noch gar nicht aber ich war mir sicher, dass die beiden sich wunderbar verstehen würden und so war es auch.
Als erstes begrüßte ich Jasper und wandte mich dann Jacob zu, der mir einen undefinierbaren Blick zuwarf.
Er trug sein Pokerface und ich hatte nicht die geringste Ahnung was er dachte, als ich ihm die Hand reichte.
„Hallo Edward“, sagte er und seiner Haltung nach zu urteilen schien es so, als wollte er mich doch am Leben lassen.
Vielleicht war seine Wut mir gegenüber verraucht, auch wenn er es wahrscheinlich nie vergessen würde, was ich seiner besten Freundin angetan hatte.
„Glückwunsch übrigens. Du wirst ja bald Vater“, hörte ich ihn sagen und wandte meinen Blick wieder zu ihm herüber, nachdem ich mich gerade mit Jazz unterhalten hatte.
„Ähm ja.. Danke“, murmelte ich ein wenig verwundert und erst recht war ich verwirrt, als Jake sogar lächelte.
Dachte er vielleicht auch, dass es noch eine Chance für mich und Bella gab?
Er kannte sie schließlich unheimlich gut, sogar besser als ich es tat, das musste ich wohl oder übel zugeben und vielleicht konnte er mir ja einen Rat geben.
Sicherlich würde ich das im Laufe des Abends noch herausfinden.
Es war nicht verwunderlich, dass die Bar ziemlich voll war, aber wir fanden noch einen Platz für uns vier in einer Ecke des Ladens und ließen uns auf den bequemen Sitzen nieder.
Emmett und Jake waren sofort in ein Gespräch über Hanteln und alle möglichen Fitnessgeräte, deren Namen ich noch nie zuvor in meinem Leben gehört hatte verwickelt und es schien auch nicht so, als wären sie in der nächsten Zeit wirklich ansprechbar.
Nachdem wir uns alle etwas bestellt hatten seufzte ich leise und stützte mein Gesicht mit meiner linken Hand ab, während ich mit einem Bierdeckel spielte.
„Und wie geht es dir gerade?“, hörte ich Jasper neben mir fragen und sah, dass er mich aufmerksam musterte.
Wahrscheinlich wusste er schon längst wie ich mich fühlte, nur war er so höflich vorher zu fragen, ob ich auch über meine Gefühlslage sprechen wollte.
Erst zuckte ich nur mit den Schultern und schnipste einen Papierschnipsel von Tisch, bevor ich dann zu Jasper herüber sah.
„Hey, ich bin mit Alice zusammen, da braucht man keine Klatschblätter“, scherzte er und ich musste grinsen.
Alice war wirklich eine tolle Frau und eine fantastische Chefin für Bella.
Es war schön zu wissen, dass sie Bella eine Chance gegeben hatte, auch wenn sie keinen High School Abschluss hatte, denn Bella war wirklich alles andere als blöd.
Die Umstände damals waren nur anders gewesen und sie wollte sich um Nessie kümmern, was ich durchaus verstehen konnte.
Bella war schon immer unheimlich selbstlos gewesen.
Sie hatte sich fast siebzehn Jahre lang nur um ihr Kind gekümmert und ihre Ansprüche und Wünsche dabei vollkommen zurückgeschraubt.
Erst als wir beide uns kennen gelernt hatten, lebte sie auch wieder für sich und man hatte es ihr angesehen, dass ihr das durchaus gut getan hatte.
Bella hatte mir gegenüber nie erwähnt, dass sie ihren High School Abschluss gerne nachholen würde, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass dies ein Wunsch war, den sie vor mir nicht äußern wollte.
Vielleicht schämte sie sich auch, weil ich studiert hatte und sie nicht einmal einen Abschluss besaß.
Für mich war das unverständlich, denn ich kannte die Hintergründe, aber Bella war manchmal einfach undurchschaubar und das würde sich auch sicherlich niemals ändern.
„Naja...“, murmelte ich schließlich nach einer längeren Pause und trank einen Schluck von meinem Scotch, den mir die Bedienung gerade gebracht hatte.
Es beruhigte mich ein wenig, dass Jasper einen nicht zu einer Antwort drängte und ich konnte in Ruhe nachdenken.
„Bella hat mich letztens zur ersten Untersuchung mitgenommen und ich bin ihr noch jetzt unendlich dankbar dafür. Auch wenn ich der Vater bin… na ja... wenn man bedenkt, was ich ihr angetan habe, hätte es sicherlich nicht jede Frau getan. Bella ist immer so selbstlos… Jetzt wo sie weiß, dass sie schwanger ist, scheint sie ihre Gefühle vollkommen zurückzustecken. In erster Linie geht es ihr nur um das Baby und das finde ich wirklich bewundernswert, denn ich weiß, dass ich sie sehr verletzt habe...“, erklärte ich und starrte das Glas in meinen Händen an.
„Bella ist eine starke Persönlichkeit, dass steht vollkommen außer Frage aber ich glaube, dass sie dir mit der Zeit verzeihen wird“, hörte ich Jasper nur sagen und warf ihm einen verwunderten Blick zu.
„Wieso?“ Diese Frage war für mich absurd, aber ich fragte mich, warum Jasper so sehr davon überzeugt zu sein schien, denn immerhin hatte er eine unglaubliche Menschenkenntnis.
„Nun… Bella liebt dich noch immer und so wie ich euch beide damals beobachtet habe, wird diese Liebe zwischen euch auch immer bestehen. Vielleicht gibt es jetzt einige Änderungen, denn ihr seid getrennt und es sind einige Dinge zwischen euch vorgefallen, aber trotzdem ändert das einfach nichts daran, dass ihr euch immer lieben werdet. Man merkt dir außerdem an, dass du es kaum abwarten kannst, bis das Baby endlich da ist. Du freust dich richtig darauf, bist glücklich und wirst für dein Kind da sein, egal was passiert und das wird sie auch zu schätzen wissen“, beendete Jasper seine kleine Rede und ich musste das Gesagte erst einmal verdauen.
Es von jemand Außenstehenden zu hören war immer etwas anderes, aber er hatte schon Ahnung von dem, was er da sagte, also konnte ich ihm ruhig glauben.
„Hey Cullen…“
Ich wandte meinen Kopf in Jakes Richtung und wartete, bis er weiter sprach.
„Manchmal würde ich dir am liebsten immer noch gerne den Kopf abreißen für das, was du getan hast, aber ich kann Jasper da nur zustimmen. Bella braucht dich. Ihr fehlt etwas und sie wird bald schon merken, was es ist“, bemerkte er und ich lächelte.
Es war schon nett von Jake, dass er so etwas zu mir sagte, obwohl er mich am liebsten wohl doch noch verprügeln würde, nur würde Bella das sicherlich nicht gerne sehen.
Wir beide kannten sie und so wie es aussah, hatten wir den gleichen Gedanken, denn wir mussten beide gleichzeitig anfangen zu lachen.
„Gib einfach nicht auf, egal wie lange es auch dauern wird“, sagte Jasper neben mir und klopfte mir auf die Schulter.
„Das hatte ich auch nicht vor.“
Der erste Schritt in die richtige Richtung war getan.
Bella und ich unterhielten uns wieder und ich hatte ihr gesagt, dass ich nicht aufgeben würde.
Sie wusste, dass ich um sie kämpfen würde und schon bald hätte ich die Gelegenheit ihr zu beweisen, dass ich es wirklich ernst meinte.
Bis jetzt hatte ich noch niemandem erzählt, dass ich demnächst einen Kurs zur Aggressionsbewältigung besuchen wollte.
Dieser Begriff hörte sich für mich ziemlich heftig an, aber ich konnte es nicht bestreiten, dass ich im Bezug auf meine Gefühle manchmal einfach keine Kontrolle hatte.
Es war nicht normal, dass ich unter gewissen Umständen so sehr ausflippte, dass ich danach nicht einmal mehr wusste, was ich gesagt oder getan hatte.
Wie es dazu gekommen war, wusste ich selbst nicht.
Wahrscheinlich hatten sich meine Aggressionen mit den Jahren angestaut und kamen jetzt immer wieder zum Vorschein, ohne das ich sie kontrollieren konnte und genau das wollte ich ändern.
Schon so oft hatte ich Bella verletzt, indem ich sie angebrüllt hatte und bei Emily war das nicht anders gewesen und da ich wusste, dass ich es alleine nicht hinbekommen würde, suchte ich mir eben professionelle Hilfe.
Ich wollte allen zeigen, dass ich bereit war mich zu ändern und ich wollte mir selbst beweisen, dass ich es schaffen konnte, wenn ich es nur wollte.
Wann ich Bella davon erzählen wollte, wusste ich noch nicht.
Vielleicht wenn ich selbst ein paar Mal dort hingehen würde und mir einen Überblick verschaffen konnte.
Dann konnte ich immer noch entscheiden.
Ich konnte nicht einmal sagen, wie Bella diese Nachricht aufnehmen würde.
Das sie mich auslachen würde, wagte ich zu bezweifeln, denn so war Bella bei weitem nicht.
Sicherlich wäre sie überrascht und erstaunt, dass ich so einen Schritt wagte, aber was sie dazu sagen würde, konnte ich mir nicht ausmalen.
Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als die Kellnerin ein volles Glas Scotch vor mir auf den Tisch stellte und ich konnte nicht anders, als sie verwundert anzusehen, schließlich hatte ich noch ein halbvolles Glas in der Hand.
„Hat Ihnen die Frau dort vorne an der Bar spendiert“, erklärte sie mir mit einem Lächeln und ich folgte ihrem Blick.
An der Bar saß eine Gruppe von Frauen, welche alle zu uns herüber sahen und eine – wahrscheinlich diejenige, die mir den Drink spendiert hatte – winkte lächelnd in meine Richtung.
Ich seufzte und zwang mir ein Lächeln auf, denn schließlich wollte ich nicht unhöflich sein.
Diese Frau konnte ja nicht wissen, dass mein Leben gerade nicht sonderlich rosig war und ich bald Vater wurde.
„HEY! Und wo bleibt mein Drink??“, beschwerte sich Emmett so laut, dass ich erschrocken zusammen zuckte und Jake schien seine Empörung zu teilen.
„Emmett, du bist verheiratet“, murmelte ich und verdrehte die Augen, da er sichtlich beleidigt zu sein schien.
„Ja, ich weiß. Danke, dass du mich daran erinnerst, Bro. Was würde ich nur ohne dich machen?“ Seine Antwort triefte nur so von Sarkasmus und er grinste mich wieder mit diesem typischen Emmett-Grinsen an.
„Ich mein ja auch nur. Wieso bekommst du einen Drink und wir nicht? Es geht hier ums Prinzip!“
„Ich weiß nicht. Vielleicht gehst du hin und fragst mal nach!“, blaffte ich zurück und grummelte dann leise etwas vor mich hin.
Schnell wurde mir bewusst, dass ich diesen ‚Vorschlag’ lieber nicht hätte machen sollen, denn Emmett befand sich schon wenige Sekunden später an der Bar bei der Gruppe von Mädels, die sicherlich alle um einiges jünger waren als wir.
Wahrscheinlich waren sie in Carol-Anns Alter.
Jake, Jasper und ich blieben an Ort und Stelle und beobachteten das Treiben an der Bar, bis Emmett schließlich wenige Minuten später mit einem beleidigten Gesichtsausdruck wieder zurückkam und sich schwerfällig neben mir auf den leeren Platz fallen ließ.
„Und? Was sagen sie?“, wollte ich von ihm wissen und schwenkte das Glas mit langsamen Bewegungen in meiner Hand.
„Sie sagen ich bin zu alt. ZU ALT“, wiederholte er seine Worte und sah mich an, als wäre ich dafür verantwortlich.
„Sie haben gesagt... ‚Dein Freund ist ja ganz süß, aber du bist irgendwie zu alt’“.
Er ahmte die Mädchen so nach, dass ich es mir schon bildlich vorstellen konnte.
Einen Moment lang saßen wir alle einfach nur am Tisch und sahen uns an, bis wir schließlich allesamt in Gelächter ausbrachen.
Es tat wirklich gut, mal wieder richtig zu lachen, genau wie es letztens zusammen mit Bella der Fall gewesen war und ich fühlte mich gleich etwas befreiter.
„Ja... Edward ist ja auch derjenige gewesen, der die jungen Hühner angeschleppt hat. Ich sage ja nur Carol-Ann.“
Emmett stieß mir mit seiner ganzen Kraft den Ellbogen in die Rippen, sodass ich fluchend zusammen zuckte und ihm einen bösen Blick zuwarf.
„Wie konntest du nur mit so einem Blondchen zusammen sein?“
Ich hatte längst aufgehört zu zählen, wie oft Emmett mir diese Frage gestellt hatte.
Jake lachte und schien sich prächtig zu amüsieren, während Jasper fragend eine Augenbraue hochzog.
„Wer ist Carol-Ann?“, wollte er von mir wissen und ich schüttelte den Kopf.
„Niemand.“
„Sie war mal seine ‚Verlobte’. Ich glaube, ich hätte mir tatsächlich den Gnadenschuss verpasst, wenn er sie wirklich geheiratet hätte.“
Emmett schnaubte und klopfte mir dann brüderlich auf die Schulter.
„Nicht nur das. Emily hätte ihn wahrscheinlich eigenhändig ermordet“, fügte Jake hinzu und da musste ich ihm uneingeschränkt recht geben.
Zu dieser Zeit hatte ich einfach jemanden an meiner Seite gebraucht, weil ich nicht allein sein wollte.
Für Emily hatte ich mir einfach jemanden gewünscht, der die Mutterrolle in ihrem Leben übernehmen konnte.
Wie ich dabei aber auf Carol-Ann kam, war selbst mir bis heute ein Rätsel.
Damals war ich einfach vollkommen vom Weg abgekommen und Bella war diejenige gewesen die mir gezeigt hatte, was wirklich im Leben zählte.
Bella war diejenige gewesen, die gleich von Anfang an gesehen hatte, dass etwas Gutes in mir steckte und nur ihr hatte ich es zu verdanken, dass ich wieder ich selbst war.
Sie hatte sich in mich verliebt, mit all meinen schlechten Seiten und ich würde es sicherlich noch einmal schaffen, dass sie sich auch in diesen Edward verliebte.
In den neuen Edward.
Der Edward, der sein Leben in den Griff bekommen hat.
ja so ein abend unter freunden tut gut...toll das auch jake zu ihm hält und ihm mut macht
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