Edward POV
Unfähig mich auch nur einen einzigen Millimeter vom Fleck zu bewegen, stand ich draußen in meiner Einfahrt und starrte Bellas Wagen hinterher, welcher sich mit jeder weiteren Sekunde immer mehr von mir entfernte.
Die ganze Zeit über konnte ich an nichts anderes denken, als an ihren Gesichtsausdruck, als sie mich zusammen mit Tanya gesehen hatte.
Jetzt wusste ich nicht einmal mehr, warum ich es getan hatte, warum ich diese Frau geküsst hatte.
Vermutlich lag es daran, dass sie meinen wunden Punkt getroffen und sie es so wieder irgendwie fertig gebracht hatte, mich zu manipulieren.
Den Ausdruck in Bellas Augen würde ich mein Leben lang nicht wieder vergessen.
Ich hatte den Schlüssel in der Haustür nicht gehört und dementsprechend erschrocken war ich, als ich Bella plötzlich nach Luft schnappen hörte.
Augenblicklich hatte ich mich von Tanya gelöst, hatte sie losgelassen und zu Bella herüber gesehen.
Von da an wurde mir erst bewusst, was ich da gerade wirklich getan hatte.
Einen Moment lang stand Bella einfach nur da und sagte gar nichts, sie rührte sich nicht einmal, bis sie schließlich aus ihrer Starre erwachte und ihre Stimmung augenblicklich umschlug.
Wut, Trauer und Unglauben zeichneten sich in ihren hübschen Gesichtszügen ab und ich wollte gerade meinen Mund öffnen, um ihr die Sache doch noch irgendwie erklären zu können, aber ich kam nicht mehr dazu, da sie sich bereits umgedreht hatte und regelrecht vor mir flüchtete.
Ich achtete nicht auf Tanya, die irgendetwas zu mir sagte, sondern lief Bella hinterher.
Als ich die Haustür aufstieß, war sie bereits an ihrem Auto, doch das Schicksal schien es aus irgendwelchen kuriosen Gründen gut mit mir zu meinen, denn ihr Türschloss klemmte - wieder einmal.
Nur zu gut erinnerte ich mich daran, wie ich ihr einige Male vorgeschlagen hatte, das Schloss reparieren zu lassen, aber Bella war einfach viel zu stur gewesen.
Wahrscheinlich befürchtete sie, dass ich ihr altes Auto verschrottete und ihr stattdessen einen schicken Sportwagen vor die Tür stellen würde.
Minutenlang hatte ich versucht sie dazu zu bringen mir zuzuhören, aber es war sinnlos und ich konnte es sogar nachvollziehen.
In ihrer Situation hätte ich sicherlich nicht anders reagiert, aber ich wollte ihr zumindest die Situation erklären.
Ich konnte nicht einmal genau sagen, was Bella dachte, denn sie war viel zu sehr damit beschäftigt, an ihrem Türschloss zu rütteln und mir Beschimpfungen an den Kopf zu werfen.
Nie hatte ich mich selbst mehr gehasst als in diesem Moment.
Innerlich verfluchte ich mich für das, was ich meiner Bella angetan hatte und am liebsten wollte ich sie in den Arm nehmen, doch sie ließ es nicht einmal mehr zu, dass ich meine Hand an ihren Arm legte.
Es war vorbei….
Sie wollte mich nie wieder sehen und als ich in ihre Augen gesehen hatte, als sie diese Worte sagte, wusste ich, dass Bella das auch genauso meinte.
Ich hatte es versaut.
Wieder einmal und dieses Mal gab es keinen Ausweg mehr.
Als mir diese Tatsache bewusst wurde, brach eine Welt für mich zusammen.
Zwar war es mein Verschulden gewesen, aber dennoch hatte ich es nicht absichtlich gemacht.
Für sie mochte sich das vielleicht wie eine faule Ausrede anhören, aber ich konnte es mir einfach nicht anders erklären.
Mit leerem Blick starrte ich auf den kahlen Asphalt und versuchte in meinem Kopf eine Lösung für dieses Desaster zu finden, aber die gab es nicht.
„Es ist vorbei…“
Diese Worte verfolgten mich, ich wurde sie einfach nicht mehr los und meine Hände begannen zu zittern.
Nicht, weil ich wütend war, sondern weil ich es einfach nicht begreifen konnte und wollte, was da gerade geschehen war.
Tanya kannte meinen Schwachpunkt und wusste, wie sie mich um den Finger wickeln konnte und ich war auch noch so dumm und ließ mich darauf ein.
Bella hatte etwas Besseres verdient, als so einen Mann wie mich.
Ich liebte sie, das stand vollkommen außer Frage, aber dennoch hatte ich sie verletzt und das würde sie mir sicherlich nie wieder verzeihen.
Nie wieder…
„Edward…?“
Tanyas Stimme rückte für mich in weite Ferne, ich reagierte nicht einmal auf ihre Worte, die sie sagte und registrierte sie auch nicht.
In diesem Moment war mir fast alles egal.
Bella sollte wieder zurückkommen und ich wollte mit ihr reden.
Das war das einzige, was zählte. Das einzige, was ich wollte.
Mir wurde bewusst, dass ich ihr vielleicht doch lieber hätte zuhören sollen, bevor ich einfach so losgestürmt und zu Tanya aufgebrochen war, aber die Vergangenheit ließ sich nun einmal nicht ändern, das war die traurige Wahrheit.
Ein grelles Licht blendete mich und mit geschlossenen Augen wandte ich meinen Blick ab.
Woher dieses Licht kam wusste ich nicht und es erregte auch nicht weiter meine Aufmerksamkeit.
Es gab so viele Dinge, die ich tun wollte, aber mein Körper bewegte sich einfach nicht, ich war praktisch wie gelähmt.
Noch nie hatte ich eine Frau so sehr geliebt wie ich Bella liebte und es war traurig, dass mir das erst jetzt schmerzhaft bewusst wurde.
„Dad…?“
Die Stimme meiner Tochter ließ mich augenblicklich zusammenzucken.
Ich hatte sie nicht einmal kommen hören, aber vielleicht erklärte ihr Auftauchen auch dieses Licht von vor wenigen Minuten, welches sicherlich zu den Scheinwerfern ihres Porsches gehörte.
„Was ist passiert? Warum stehst du hier draußen und... Ich habe gerade Bella wegfahren sehen“, murmelte sie und ihre Stimmlage verriet mir, dass sie bereits schlimmes ahnte.
Nur langsam schaffte ich es, meinen Blick von der Stelle abzuwenden, die ich zuvor so lange angestarrt hatte und sah in die besorgten grünen Augen meiner Tochter.
Emily musterte mich aufmerksam und aus den Augenwinkeln sah ich eine Person, die sich direkt neben ihr befand.
Vermutlich war es Daniel und ich lag mit dieser Annahme richtig, als ich einen kurzen Blick zu ihm herüber warf.
Emilys Blick wanderte langsam an mir vorbei und starrte ohne irgendeine Gefühlregung im Gesicht zu Tanya herüber.
„Hallo Emily“, hörte ich Tanya sagen und sah, wie sie an mir vorbei auf Emily zuging.
Ich war immer noch nicht in der Lage, etwas Gescheites von mir zu geben, also blieb ich erst einmal still und beobachtete die Situation.
Sicherlich hatte sich Emily nicht gewünscht, ihre Mutter auf diese Art und Weise zu treffen.
Meine Tochter blieb neben mir stehen und ihre Augen formten sich zu Schlitzen, während sie Tanya weiterhin beobachtete.
„Du... Was hast du gemacht?“, wollte sie von Tanya wissen und verschränkte dann demonstrativ die Arme vor ihrer Brust.
Tanya legte fragend ihren Kopf schief und ich sah, wie sie Emily aufmerksam musterte.
„Es tut so gut, dich zu sehen…“, hörte ich meine Ex-Freundin nach einiger Zeit sagen und sie seufzte leise.
„Hör auf so einen Müll zu reden und sag mir gefälligst, was hier passiert ist!!“
Emilys Stimme erhob sich mit jedem weiteren Wort ein wenig, doch irgendwie schaffte sie es, noch nicht zu schreien, doch ich befürchtete, dass dies bald der Fall sein würde.
„Emily, ich kann verstehen, dass du wütend bist, aber lass mich das erklären.“
„Bitte, ich warte!“
Emily tippte ungeduldig mit ihrem Fuß auf den Boden und dachte noch immer nicht daran, zumindest ein wenig freundlich zu sein, aber ich konnte das verstehen.
Ich wollte mir gar nicht erst vorstellen, wie es für meine Kleine sein musste, nach so vielen Jahren ihrer Mutter gegenüberzustehen.
Eine Mutter, die ihre Tochter niemals gewollt hatte und innerlich spürte ich, dass sich das auch bis heute nicht geändert hatte.
Nur mit einem Ohr lauschte ich Tanyas Erzählung.
Es war zu schmerzhaft für mich, diesen Abend noch einmal erleben zu müssen, indem ich ihren Worten lauschte, also wandte ich mein Gesicht ab und schloss meine Augen.
Angestrengt versuchte ich eine Lösung für diese Situation zu finden, aber mir wollte beim besten Willen einfach nichts einfallen.
Mein Gehirn war wie leer gefegt.
Ständig schob sich Bellas zutiefst trauriges und enttäuschtes Gesicht vor mein geistiges Auge.
Ich schüttelte mich, versuchte den Gedanken wieder zu verdrängen und befand mich blitzschnell wieder in der Realität.
„Du hast WAS gemacht?“ Emilys Hände ballten sich zu Fäusten, sie zitterte so sehr das ich befürchtete, sie würde jeden Moment einen Wutanfall erleiden.
„Ich weiß, Emily, das wird für dich sicherlich ziemlich verwirrend sein und ich fühle mich deswegen auch schuldig, aber dein Vater und ich… wir beide…“, wollte sie erklären, doch Emily ließ sie nicht einmal zu Wort kommen.
„Die Kombination von meinem Dad und dir gibt es nicht mehr und das schon seit ziemlich langer Zeit! DU SOLLTEST DIR DAS VERDAMMT NOCH MAL MERKEN!“
Meine Tochter machte einen Schritt in Tanyas Richtung, doch sie bewegte sich keinen einzigen Millimeter.
„WIE KANNST DU EINFACH SO HIER AUFTAUCHEN UND UNSER LEBEN ZERSTÖREN?! WAS FÄLLT DIR EIN? GEH WIEDER DAHIN ZURÜCK, WO DU HERGEKOMMEN BIST!“
Wie ich es bereits vermutet hatte, folgte der Wutausbruch gleich wenige Sekunden später.
Emily wurde rasend vor Wut.
Sie hatte so einiges von mir geerbt, aber ich hatte immer gehofft, dass es nicht die schlechten Eigenschaften waren.
„Du verstehst das nicht. Zwischen deinem Vater und mir, da war weitaus mehr als du gedacht hast. Wir haben uns geliebt und das gibt mir sehr wohl das Recht, hier zu sein!“
Tanya schien die ganze Sache nicht mehr so ruhig angehen zu wollen, wie ich es vielleicht vermutet hatte.
Sie öffnete gerade ihren Mund, um noch etwas hinzuzufügen, doch Emily war schneller.
Ungläubig registrierte ich, wie meine Tochter ihre Hand ausstreckte und Tanya eine schallende Ohrfeige verpasste.
Tanya schien genauso verdutzt zu sein wie ich es war.
Mit großen Augen legte sie ihre Hand an ihre Wange und starrte Emily an.
Daniel reagierte sofort, legte seine Hände an Emilys Arme und hielt sie davon ab, Tanya noch mehr anzutun, als diese ‚harmlose Ohrfeige’.
„Lass mich los!“, beschwerte sie sich lauthals und hörte nur Fetzen davon, was Daniel ihr zuflüsterte.
Irgendwie schaffte es dieser junge Mann, dass sich Emily nach einigen Minuten beruhigte und er sie los lassen konnte.
„Emily, wir sollten wirklich darüber red…“
„VERZIEH DICH!“, zischte Emily gereizt in Tanyas Richtung, aber immerhin verzichtete sie dieses Mal darauf, auf sie loszugehen.
Natürlich hätte ich etwas tun oder sagen müssen, aber ich war noch immer viel zu geschockt.
Zu sehr hielten mich die Erinnerungen an Bellas Gesichtsausdruck gefangen und ich begriff, dass ich eine riesengroße Dummheit begangen hatte.
Wie ich das Ganze wieder hinkriegen sollte, war mir schleierhaft.
Natürlich war Bella in diesem Moment besonders wütend gewesen, aber irgendetwas sagte mir, dass sie in nächster Zeit nicht so schnell bereit sein würde, mir zu verzeihen.
Wenn sie mir überhaupt verzeihen würde…
„Edward…?“
Tanyas Stimme ließ mich aufblicken und als ich ihren schuldbewussten Gesichtsausdruck sah spürte ich, wie sich die Wut mehr und mehr in mir ausbreitete.
Ich hatte mir geschworen, Bella nie wieder zu verletzen und doch hatte ich das Schlimmste getan, was man einer Person überhaupt antun konnte.
Ihr das Herz zu brechen hatte ich nie gewollt und dennoch hatte ich es getan.
Natürlich gehörten zu so einem Kuss immer noch zwei, aber in diesem einen verdammten Moment hatte ich nicht nachgedacht.
Die Tatsache, dass ich Tanya nicht mehr liebte, sondern sie nur noch ein schwacher Schatten meiner Vergangenheit war, hätte mir auch so bewusst werden sollen und ich hasste mich dafür, dass ich mich so von dieser Frau hatte manipulieren lassen.
„Was?“
Meine Stimme klang gepresst, dabei wusste ich nicht einmal den Grund dafür, warum ich mich eigentlich zurückhielt.
Tanya hatte mich an der Nase herumgeführt, sie hatte mit mir gespielt, hatte meine Erinnerungen und Ängste zu ihren Vorteilen ausgenutzt und mich dazu gebracht, so die Beziehung von Bella und mir zu zerstören.
Mir wurde klar, dass sie das schon seit längerem genauso geplant hatte.
Wahrscheinlich hatte sie nur darauf gewartet, dass Bella diesen Kuss sehen würde, sodass sie jetzt freie Bahn hatte, doch da hatte sie sich geschnitten.
Wie konnte ich nur so dumm sein und mich von ihr einwickeln lassen?
Ich war doch nicht mehr neunzehn, sondern sechsunddreißig!
„Denkst du denn nicht, wir sollten uns über das, was passiert ist, unterhalten?“
Tanya warf mir einen fragenden und zugleich unschuldigen Blick zu, der mich nur noch wütender machte.
„Was zum Teufel willst du von mir?“
Langsam drehte ich mich zu meiner Ex-Freundin um und spürte, wie meine Stimme immer mehr und mehr an Kraft gewann.
Der Schock war vorüber und jetzt wurde ich erst so richtig wütend.
Wütend auf die Person, die es auch verdient hatte.
„Du weißt doch, was ich von dir will, Edward. Ich will, dass wir eine…“
„HALT.DEINE.KLAPPE!“, rief ich ihr entgegen und Tanya verstummte sofort.
Ihre blauen Augen musterten mich aufmerksam.
Sie schien zu verstehen, dass sie ihre ‚Chance’ gerade eben verspielt hatte und missbilligend verschränkte sie ihre Arme vor der Brust.
„Wie bitte?“
Sie zog eine Augenbraue hoch und warf mir einen beinahe schon überheblichen und arroganten Blick zu.
Jetzt zeigte sich wirklich ihr wahres Gesicht.
Sie war auch früher schon öfters so gewesen, doch ich hatte immer darüber hinweggesehen. Tanya war einfach eine geldgeile und ruhmsüchtige Frau und das hatte sich bis heute nicht geändert.
„ICH HABE GESAGT, DU SOLLST DEINE KLAPPE HALTEN! ICH WEIß, WAS DU VON MIR WILLST! DU WILLST MEIN GELD, DU WILLST IN EINEM SCHÖNEN HAUS WOHNEN UND DIR UM NICHTS MEHR SORGEN MACHEN MÜSSEN, ABER DAS KANNST DU VERGESSEN!“
„Hör auf mich anzuschreien“, entgegnete sie und ging einen Schritt auf mich zu.
„Du hast keine Ahnung, glaub mir! Du verstehst NICHT was ich wirklich will!“, versuchte sie mir doch tatsächlich klar machen zu wollen.
„ICH SCHREIE SO VIEL WIE ICH WILL UND DU HAST MIR NICHTS ZU SAGEN! DU WILLST MEIN GELD HABEN? FEIN, ICH GEB DIR EINEN SCHECK UND DANN VERSCHWINDEST DU! FÜR IMMER!!“, rief ich ihr entgegen und in diesem Moment sah ich wirklich rot.
Vor mir stand nur noch Tanya, alles andere hatte ich vollkommen ausgeblendet und meine gesamte Wut projizierte sich jetzt nur noch auf sie.
Solch einen Wutanfall wie jetzt hatte ich zuvor noch nicht erlebt.
„Ich will nicht nur diesen verschissenen Scheck von dir haben, ich will dich, verdammt noch mal!! Wie kannst du nur mit so einer wie dieser Bella zusammen sein??! Wie verzweifelt musst du eigentlich gewesen sein, als du mit ihr zusammen gekommen bist? Gott, das bist doch nicht du!!“
Tanyas Stimme bekam einen leicht hysterischen Ton, anscheinend schien sie sich genauso aufzuregen wie ich, aber sie hatte noch nicht mit dem Schreien angefangen.
Zumindest noch nicht.
„Rede noch einmal so über Bella und ich vergesse mich wirklich“, murmelte ich leise und mit bedrohlicher Stimme.
Sie hatte nicht das Recht, so über Bella zu reden oder auch nur so über sie zu denken.
Bella war tausend Mal besser als die Frau, die da gerade vor mir stand.
Meine Bella hatte ein gutes Herz, sie dachte zuerst an ihre Mitmenschen und dann erst an sich – sie war einfach zu gut für diese Welt und das liebte ich so sehr an ihr. Sie hatte mir geholfen, wieder zu meiner Tochter und zu mir selbst zu finden. Sie hatte meine guten Seiten wieder hervorgeholt und mich aus meinem Loch gelockt. Sie hatte mir das Lachen zurückgebracht und mich wieder spüren lassen, was Leben bedeutet, wie man es lebt und fühlt…
Tanya hingegen…
Sie war egoistisch, wollte schon damals unbedingt berühmt und reich werden und das ließ sie auch über Leichen gehen.
Es interessierte sie nicht, wie es anderen dabei ging und ich fragte mich gerade ernsthaft, warum ich mich damals in sie verliebt hatte.
War ich etwa so dumm gewesen und hatte versucht, nur das Gute in ihr zu sehen?
Doch jetzt überlegte ich, ob Tanya überhaupt noch irgendeine gute Seite an sich hatte, oder ob sie jetzt vollkommen durchgedreht und größenwahnsinnig war.
Ihre Modelkarriere hatte nicht lange gehalten und schon bald hatte sie sich ihr Geld anders verdienen müssen.
Wahrscheinlich hoffte sie, dass sie dank mir wieder zu mehr Berühmtheit kommen würde und da ich auch noch das passende Kleingeld dazu besaß, war ich für sie die perfekte Wahl für eine neue Karriere.
Sie wollte sich in ein gemachtes Nest setzen und nichts anderes.
„Du solltest jetzt gehen. Verschwinde aus unserem Leben, Tanya. Such dir von mir aus irgendeinen reichen Mann der es zulässt, dass du ihn nach Strich und Faden verarscht, aber mit mir wirst du das sicherlich nicht machen. Du hast mich damals verlassen und damit ist unsere Geschichte beendet. Du interessierst dich nicht ein winziges bisschen für Emily und schon das ist Grund genug, dich zu hassen“, erklärte ich ihr mit ruhiger aber dennoch bedrohlicher Stimme und sah sie dabei unentwegt an.
„Aber…“
„Nein, nichts aber! GEH JETZT!“
Ich sah, wie sie angestrengt nach den richtigen Worten suchte.
Wahrscheinlich überlegte sie, wie sie mich wieder um den Finger wickeln konnte, aber der Zug war längst abgefahren.
Ich hatte verstanden, was sie wirklich wollte, leider nur viel zu spät, doch jetzt konnte ich nur das Richtige tun und mit meiner Vergangenheit abschließen.
„Schön. Wenn du denkst, du wirst mit dieser Frau glücklich! Nicht mein Problem! Du wirst nie wieder glücklich werden, weil du einfach viel zu verbissen bist und dich an vergangene Dinge festklammerst! Du wirst schon bald merken, was du an mir hattest und dass du etwas verpasst!“
Tanya ging einen Schritt auf mich zu und sah mich eindringlich an, doch mich ließ das vollkommen kalt.
„Verschwinde von meinem Grundstück“, sagte ich bestimmend.
Einen Moment lang standen wir uns einfach nur gegenüber und sahen uns an.
Keiner rührte sich, bis Tanyas Augen sich schließlich zu Schlitzen formten, ihr Kinn sich in die Höhe reckte und sie an mir vorbeilief.
Ich drehte mich um und sah, dass sie Emily nicht einmal eines Blickes würdigte, was mir meine Vermutung nur noch mehr bestätigte.
Emily war ihr egal und es tat weh zu sehen, dass eine Mutter so herzlos sein konnte.
Tanya lief mit schnellen Schritten zu ihrem Wagen, stieg ein und bevor sie losfuhr, sah sie mich mit einem herausfordernden Blick an.
Sicherlich würde sie sich irgendwie rächen wollen oder es noch einmal probieren, doch das konnte sie jetzt vergessen.
Ich war ein für alle Mal fertig mit ihr und ich spürte, wie eine riesengroße Last von meinen Schultern fiel. Endlich hatte ich mich von meinen alten Geistern befreit.
Die quietschenden Reifen von Tanyas Wagen waren das letzte, was ich hörte bevor es in der Straße bedrohlich still wurde.
Als ich ein leises Schluchzen hörte, wandte ich meinen Kopf ruckartig in die Richtung meiner Tochter.
Daniel hatte ihre Arme um sie gelegt und sie weinte, während ihr Kopf an seiner Brust lag.
„Emily…“, murmelte ich leise und legte meine Hand an ihre Schulter.
Es schmerzte zu sehen, wie meine Tochter so traurig war und ich konnte es nicht ertragen, wenn sie weinte.
„Lass mich…“ schluchzte sie und stieß meine Hand mit schwachen Bewegungen ihrer Schultern weg.
Natürlich hatte ich vermutet, dass es sie mitnehmen würde, aber dass es sie so sehr belastete war mir dennoch neu.
Emily war nach außen hin immer so stark gewesen, doch jetzt zeigte sie, wie sehr es sie wirklich bedrückte.
Gerne hätte ich sie in den Arm genommen und wäre für sie da gewesen, doch es war schließlich auch meine Schuld, dass wir in dieser Situation waren, also konnte ich verstehen, warum sie so abweisend reagierte.
„Ich werde sie in ihr Zimmer bringen, Mr. Cullen“, versicherte Daniel mir und ich nickte dankbar.
Er war wirklich ein guter junger Mann und er tat meiner Tochter gut.
Ich hatte nie etwas gegen ihn gehabt, eher war da die Angst gewesen, dass er mir sie wegnimmt, aber dem war nicht so.
Jetzt war ich einfach nur froh, dass er bei ihr war und sie vielleicht ein wenig aufbauen konnte.
„Danke“, murmelte ich leise und beobachtete, wie Daniel meine weinende Tochter ins Haus begleitete.
Wenn etwas schief ging, dann doch so richtig.
Einige Minuten lang – ich wusste nicht genau wie lange, stand ich noch dort vor meinem Haus und dachte über das Geschehene nach.
Wie sollte es jetzt weiter gehen?
Würde Bella wieder mit mir reden und würde sie sich meine Erklärung für das, was ich getan hatte überhaupt anhören wollen?
Ich hoffte es sehr, denn Bella war mein Ein und Alles und ich wusste, dass auch Emily sie liebte.
Erst nach einiger Zeit raffte ich mich schließlich auf und betrat mein Haus.
Es war unheimlich still und man konnte meinen, dass alles so wie immer war.
Dass dieser Vorfall von vor wenigen Minuten erst gar nicht passiert war, aber dem war nicht so.
Mein Blick wanderte zu der Treppe in den ersten Stock.
Daniel kam gerade aus Emilys Zimmer und richtete seinen Blick auf, als er mich entdeckte.
„Sie ist jetzt in ihrem Zimmer…“, erklärte er mir seufzend und ich vergrub die Hände in meinen Hosentaschen.
„Danke, dass du dich um sie gekümmert hast“, entgegnete ich und zwang mir ein Lächeln auf.
Ich war ihm wirklich dankbar dafür und es tat gut zu wissen, dass Emily so einen fürsorglichen Freund hatte, der sich um sie kümmerte.
So wie es normalerweise auch sein sollte…
„Kein Problem. Ich hoffe, Sie kriegen das bald wieder hin“, sagte er noch leise.
Ich klopfte ihm kurz auf die Schulter, als er an mir vorbeilief und das Haus verließ.
Bevor ich mich schließlich dazu entschloss, in den ersten Stock zu gehen, brauchte ich einen Moment, denn ich wusste beim besten Willen nicht, wie Emily reagieren würde, wenn sie mich jetzt sah.
Trotzdem wollte ich ihr das Gefühl geben, dass ich für sie da war, auch wenn sie meine Hilfe vielleicht gar nicht annehmen würde.
Mir wäre es sogar egal, wenn sie mich anbrüllen würde, denn ich hatte das verdient.
Als ich vor ihrem Zimmer stand, klopfte ich leise an die Tür und wartete, bis ich eine Antwort hörte.
Verwunderlicherweise brüllte sie mir nicht entgegen, dass ich verschwinden sollte, sondern Emily bat mich sogar herein.
Langsam öffnete ich die Tür und seufzte traurig, als ich sah, wie Emily auf ihrem Bett lag und ihr Gesicht in ihrem Kopfkissen vergrub.
„Emily…?“, fragte ich vorsichtig und nur langsam richtete sie ihren Blick auf.
„Wieso hast du das getan? Wieso machst du nur so dumme Sachen?“, wollte sie traurig von mir wissen und ihre Augen glänzten vor Tränen.
„Es tut mir leid…“, murmelte ich leise und lehnte mich an den Türrahmen.
„Das musst du nicht mir sagen, sondern Bella… Aber Dad…?“
„Ja, Kleines?“
„Bitte bring das wieder in Ordnung, ja?“
Vorsichtig richtete sich Emily auf und legte ihren Kopf auf ihren Knien ab.
„Ich werde es versuchen…“, versicherte ich ihr und seufzte erneut.
„Nicht versuchen, du musst…“, murmelte Emily und ihre smaragdgrünen Augen sahen mich aufmerksam an.
Emily hatte Recht.
Irgendwie musste ich das wieder gerade biegen, auch wenn ich noch nicht wusste, wie.
so tanja ist er erstmal los, ich hoffe das bleibt auch so...ich bin ja nun sooo gespannt wie er das mit bella wieder hinbekommt
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