Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Freitag, 25. März 2011

Kapitel 41 - Die Sorgen einer Tochter

Nessie POV

Ich konnte nicht beschreiben, wie ich mich fühlte, als ich Mom so auf ihrem Bett liegen sah.

In dem Moment, als ich die Haustür aufgeschlossen hatte und ihren Schlüssel auf dem Boden liegen sah, überkam mich sofort ein schlechtes Gefühl und ich rief nach ihr.

Erst als ich ein undefinierbares Geräusch vernommen hatte, welches aus ihrem Schlafzimmer kam, rührte ich mich mit vorsichtigen Schritten vom Fleck und musste ein Keuchen unterdrücken, sobald ich ihre Tür öffnete.

Mom lag auf ihrem Bett, zusammengerollt wie ein Embryo und umklammerte ihr Kopfkissen.
Ihr Gesicht hatte sie darauf gepresst, doch an dem Zucken ihrer Schultern und den Vibrierungen ihres Körpers konnte ich sehen, dass sie weinte.

Ich hatte Mom noch nie weinen gesehen… jedenfalls nicht so.

Zuerst war ich unschlüssig, was ich tun sollte, schließlich war solch eine Situation noch nie vorgekommen, doch was ich wusste war, dass ich für sie da sein wollte, denn sie war auch immer für mich da.

Sie war die beste Mom, die ich mir hätte wünschen können.

Mit vorsichtigen Schritten ging ich auf das Bett zu, streifte meine Schuhe ab und legte mich neben sie.  

Sobald ich meine Arme um sie schlang merkte ich sofort, wie sie sich zuerst versteifte und sogar den Atem anhielt.

Erst, als ich sie näher zu mir zog und sie dazu zwang, ihr Gesicht nicht mehr auf das Kopfkissen zu pressen, rührte sie sich wieder.

Dann sah ich in ihr Gesicht.

Es war rot vom ganzen Weinen.
Ihre Wangen waren nass und es rollten immer mehr Tränen aus ihren zusammengekniffenen Augen heraus.

Um ehrlich zu sein, machte mir dieser Anblick Angst.

Mom war normalerweise immer so stark und es schockierte mich, dass es etwas auf dieser Welt gab, was sie so reagieren ließ.

Meinen Kopf lehnte ich an ihrer Schulter, streichelte mit meiner Hand ihren Arm auf und ab und hoffte, dass ich sie irgendwie beruhigen konnte.

Was war nur geschehen, dass sie so sehr litt?

Ihr Weinen wollte einfach nicht aufhören und auch mir trieb es die Tränen in meine Augen, sie so zu sehen.

„Ich bin da“, flüsterte ich leise und drückte mich noch näher an sie heran, in der Hoffnung, dass es ihr bald wieder besser ging, doch das tat es nicht.

Es vergingen zwei Stunden, bis ihr Weinen langsam abebbte und eine weitere Stunde, bis sie gleichmäßig atmete und vor Erschöpfung eingeschlafen war.

Das Schockierende daran war, dass sie sogar im Schlaf stumme Tränen weinte.   

Drei Stunden lang hatte ich versucht, einfach für sie da zu sein, hatte sie in den Arm genommen und versucht sie zu trösten, doch wie konnte es mir gelingen, wenn ich nicht einmal wusste, was überhaupt geschehen war?
Wenn ich nicht einmal wusste, was der Auslöser dafür war?

Eine ganze Weile blieb ich noch mit ihr im Bett liegen, hatte meinen Kopf an ihre Schulter gelehnt und dachte nach, wie ich Mom helfen könnte, doch was konnte ich schon ausrichten?

Ich wollte sie nicht mit irgendwelchen Fragen löchern, aus Angst die falschen Fragen zu stellen, welche nur dazu führen würden, dass sie sich noch schlechter fühlte.
Wenn ich wissen wollte, was geschehen war, dann musste ich wohl oder übel abwarten, bis es ihr besser ging und sie es mir von sich aus erzählen würde, oder bis ich ihr eine Frage stellen konnte, ohne Gefahr zu laufen, dass sie in Tränen ausbrechen würde.

Es musste irgendetwas mit Edward sein.
Früher war Mom sonst nie so… labil gewesen.

Die letzten Tage war sie schon so komisch gewesen.
Sie war still geworden und lächelte nicht mehr so viel, wie am Anfang ihrer Beziehung zu Edward.

Generell hatte sich, seitdem sie aus St. Louis zurückgekommen war, etwas verändert und es nervte mich tierisch, dass Mom mir nicht sagen wollte, was denn passiert war.

Erst als Emily mich angerufen hatte um mir zu sagen, dass Edward ihr endlich die Wahrheit über ihre Mutter gebeichtet hatte und diese in St. Louis aufgetaucht war, konnte ich mir denken, was geschehen war.
Natürlich sprach Mom immer noch nicht über die ganze Sache, sonst wäre es nicht Mom, aber manchmal nervte es mich, dass sie mir manche Dinge nicht erzählte.

Klar wusste ich, dass sie mich nur schützen wollte, aber ich war fast siebzehn und schon alt genug um selbst zu wissen, was ich mir zumuten konnte und was nicht.

Mom hatte in den letzten Jahren so viel für mich getan, hatte so viel für mich aufgegeben, da wollte ich auch mal etwas für sie tun und für sie da sein und obwohl sie mir in den letzten Tagen nicht ermöglicht hatte, ihr zu helfen, konnte ich es wenigstens jetzt tun, allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die Umstände andere gewesen wären.

Sie hier so zu sehen, machte mich fertig und ich fühlte mich hilflos.

Kurz dachte ich darüber nach, Dad oder Alice anzurufen und sie um Hilfe zu bitten, aber dann dachte ich daran, dass Mom mich bestimmt umbringen würde, wenn ich es täte und sie sie dann so sehen würden, also ließ ich es bleiben.

Sie sollte sich erst einmal ausruhen, vielleicht würde sie dann mit mir reden und mir alles erklären können, vielleicht hatte ich dann die Möglichkeit ihr irgendwie zu helfen.

Ob ich Emily anrufen sollte?

Vielleicht wusste sie etwas… aber wenn nicht, wollte ich ihr nicht unnötig Sorgen bereiten, schließlich wusste ich nur zu gut, wie gerne  sie meine Mom und ihren Dad als Paar gesehen hatte und um ehrlich zu sein ging es mir nicht anders.

Ja, am Anfang hatte ich großen Respekt vor Edward gehabt und den hatte ich natürlich immer noch, aber dank meiner Mom hatte ich auch Edward besser kennengelernt und mit der Zeit hatte ich auch einen Weg gefunden, wie ich einen gesunden Respekt vor ihm bekam.

Dadurch, dass Emily mir immer Geschichten von ihrem Dad erzählt hatte, wie schnell er ständig wütend wurde und ich damals, als ich ihn zum ersten Mal getroffen hatte, auch so rumgebrüllt hatte, war mein Respekt vor Edward immens geworden und ich hatte sogar etwas Angst vor ihm.
Niemals war ich jemandem begegnet, der so… mürrisch war und so oft herumschrie, wie Edward es tat.
Es war ungewohnt für mich, wenn solch eine Person in meiner Nähe war und ich wurde immer sehr unsicher, wenn Edward und ich aufeinander trafen.

Doch als er mir dann bei meinem Schulprojekt geholfen und mir ein Praktikum in seiner Firma angeboten hatte, und das mit solch einer Freundlichkeit, die ich von ihm gar nicht kannte, war das Eis gebrochen und ich hatte angefangen, ihn lieb zu gewinnen.

Wie könnte ich auch jemanden nicht mögen, der meine Mom so glücklich machte, wie ich sie zuvor nie gesehen hatte?

Jedenfalls bis zu diesem Zeitpunkt…

Mein Blick fiel wieder auf meine Mutter und mir wurde das Herz schwer.

Mom wälzte sich hin und her, murmelte irgendetwas im Schlaf, was ich nicht verstehen konnte und ich versuchte sie weiterhin zu beruhigen, indem ich sie einfach hielt, doch sie bewegte sich so hektisch hin und her, dass ich gar keine Möglichkeit dazu hatte, sie länger als ein paar Sekunden zu halten.  

Es kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit, bis sie sich wieder beruhigt hatte und ich ohne Probleme wieder meine Arme um sie legen konnte, ehe auch ich in einen leichten Schlaf fiel.


Als ich wieder aufwachte, war es draußen schon wieder hell.
Es dauerte etwas, bis ich mir wieder ins Gedächtnis gerufen hatte, warum ich im Schlafzimmer meiner Mom eingenickt war, doch die Erkenntnis traf mich schneller, als mir lieb war.

Mom lag immer noch neben mir, ihre Haltung war unverändert, doch ihre Augen hatte sie geöffnet und starrte mit leerem Blick auf einen Fleck an der Wand.

„Hey Mom“, sagte ich ganz leise, aus Angst sie sonst zu verschrecken.

„Guten Morgen, Kleines“, antwortete sie mir darauf mit heiserer Stimme und drehte sich langsam in meine Richtung.

Ihre Augen waren noch vom vielen Weinen gerötet und auf ihrem Gesicht konnte man noch die trockenen Spuren ihrer Tränen erkennen.
Ich musste den Kloß in meinem Hals hinunterschlucken, als ich mir ihren gestrigen Zustand ins Gedächtnis rief.  

„Wie geht es dir?“, hakte ich vorsichtig nach und setzte mich leicht auf.

Mom blickte mich eine ganze Weile einfach nur an, ihre Augen waren dabei ausdruckslos und verrieten nicht im Geringsten, was sie gerade dachte.

„Ganz gut“, war das einzige, was sie sagte, ehe auch sie sich aufrichtete und aufstehen wollte.

„Mom?“, richtete ich mich an sie und fasste all meinen Mut zusammen ihr die nächste Frage zu stellen.
Mir war durchaus bewusst, dass sie mich eben angelogen hatte. Es war einfach nicht möglich, dass es ihr ‚ganz gut’ ging, nachdem sie gestern die ganze Zeit geweint hatte.

„Was ist passiert?“, fragte ich sie, woraufhin sie sich versteifte und mir einen seltsamen Blick zuwarf.

„Es ist… kompliziert“, sagte sie nur darauf und ging zum Schrank.

„Wieso?“, wollte ich von ihr wissen.
„Mom, du kannst mit mir darüber reden. Ich bin kein kleines Kind mehr. Du hast mir eine scheiß Angst eingejagt, als ich dich gestern so gesehen habe und natürlich frage ich mich, was der Grund dafür ist. So kenne ich dich gar nicht, also sag nicht einfach, dass es kompliziert ist“, bat ich sie und stand ebenfalls vom Bett auf.

Erst jetzt erkannte ich in der hintersten Ecke des Zimmers den Bilderrahmen, der auf dem Boden lag und die Scherben drum herum.

„Tut mir leid. Ich wollte dir keine Angst einjagen“, riss mich Moms Stimme aus meinen Gedanken, als ich mich fragte, ob es das Bild von ihr und Edward war, welches dort auf dem Boden lag.

„Edward und ich…wir… wir haben uns getrennt“, ließ sie die Katze aus dem Sack und ich starrte sie nur aus großen Augen an.

Natürlich hatte ich vermutet, dass irgendetwas mit Edward vorgefallen sein musste, aber eine Trennung?
Sie waren doch so glücklich gewesen und in meinen Augen waren sie das perfekte Paar geworden.
Mir gefiel die Vorstellung, dass Emily irgendwann zu meiner Familie gehören würde, dass sie meine Stiefschwester werden würde, aber anscheinend konnte ich diesen Gedanken jetzt vergessen.

Allerdings… vielleicht war doch noch nicht alles verloren.

„Ihr habt euch getrennt? Aber… wieso?“, verlangte ich zu wissen.

„Es ist eben-“

„Kompliziert, ja ich weiß, sagtest du schon. Aber was ist passiert? Ihr zwei wart doch so glücklich, da könnt ihr doch nicht auf einmal Schluss machen!“

In diesem Moment verhielt ich mich anders, als ich mich eigentlich verhalten wollte, aber die Nachricht, dass sich Mom und Edward getrennt hatten, schockierte mich einfach.
Es kam so plötzlich und auch wenn ich ihr eigentlich Zeit lassen wollte, so wollte ich auch Antworten haben.

Ja, vielleicht war es unfair von mir so zu handeln und sie so auszuquetschen, aber genauso unfair war es von ihr, mir nichts zu sagen, sondern einfach alles totzuschweigen.

Ich dachte, wir wären mehr als nur Mutter und Tochter.
Wir waren auch Freundinnen, das waren auch immer Moms Worte, wenn mich etwas mit Jackson beschäftigte, da fand ich es nur fair, wenn sie sich mir auch einmal anvertrauen würde.

„Süße, es ist ja nicht so, als ob wir einfach so Schluss gemacht hätten. Du hast gesehen, dass es in letzter Zeit nicht mehr gut zwischen uns lief. So sind Beziehungen eben. An einem Tag denkt man, dass man sich liebt und an dem anderen sieht die Welt schon wieder anders aus. Und jetzt würde ich gerne duschen gehen“, beendete sie einfach unser Gespräch, nahm ihre Sachen und verschwand aus dem Schlafzimmer.


~*~*~


Inzwischen war ein Monat seit der Trennung von Mom und Edward vergangen.

Emily hatte mich am selben Tag noch angerufen und mir berichtet, was bei ihnen Zuhause vorgefallen war.
Sie hatte mir  alles erzählt, was sie wusste und wenn es wirklich so vorgefallen war, dann war es wirklich kein Wunder, dass Mom an jenem Tag mit ihren Nerven völlig am Ende gewesen war.  
Zwar hatte ich sie seit diesem Tag nicht mehr darauf angesprochen, aber wenn das, was Emily gesagt hatte, wirklich stimmte, dann wollte ich nicht noch mehr Salz in die Wunde streuen.

Mom schien auch so immer noch vollkommen fertig zu sein.

Sie schlief immer öfter nach der Arbeit auf der Couch ein und auch am Wochenende fand ich sie öfters schlafend auf der Couch wieder.
Es war zwar nicht ungewöhnlich, dass Mom ab und zu vor dem Fernseher einschlief, aber dass es so oft vorkam, hatte ich bei ihr auch noch nie gesehen.

Es gab einige Sachen, die sich verändert hatten.

Als Mom zum ersten Mal nach ihrer Trennung Pancakes machte, musste ich feststellen, dass sie anders schmeckten.
Was anders war, konnte ich nicht genau sagen, aber sie hatten nicht mehr diesen besonderen Geschmack, den nur Moms Pancakes hatten und sie waren nicht mehr so fluffig, wie sonst.
Sie waren seitdem einfach anders und ich vermisste ihre Pancakes.

Außerdem hatte mir Emily erzählt, dass sich ihr Dad wieder Hals über Kopf in die Arbeit stürzte, Überstunden machte und dadurch weniger Zuhause war.

Ich selbst hatte Edward nicht mehr gesehen, seitdem mein Praktikum zu Ende gegangen war und selbst davor hatte ich ihn nicht mehr oft zu Gesicht bekommen.

Zum einen, weil ich nicht wusste, wie ich mich ihm gegenüber verhalten sollte, seitdem meine Mom und er ihre Beziehung beendet hatten, daher versuchte ich meine Arbeit so selbstständig wie möglich zu erledigen.

Zum anderen hatte Edward selbst viel zu tun, hatte irgendwelche Meetings oder wies seiner Sekretärin an, dass er nicht gestört werden wollte.

Und als wenn das alles nicht schon genug wäre, musste ich mich auch noch damit abfinden, dass Jackson in ein paar Monaten aufs College gehen würde, während ich noch ein Jahr auf der High School gefangen war.

Natürlich hatten Emily und ich uns noch gegenseitig, schließlich würde auch Daniel bald aufs College gehen, dennoch würde uns etwas fehlen.

Ich hatte nicht mehr die Möglichkeit Jackson zu sehen, wann ich es wollte und die Tatsache, dass er mir immer noch nicht gesagt hatte, welches College er aufsuchen wollte, machte alles auch nicht besser.

Die Angst, dass wir uns möglicherweise trennen müssten, machte mich traurig, doch schließlich ging es um seine Zukunft und auch ich würde nächstes Jahr auf ein College gehen, ohne dabei berücksichtigen zu können, für welches College sich Jackson entschieden hatte.

Doch es war gut, dass ich noch ein Jahr bei meiner Mom sein konnte.

Wenn ich mir vorstellte, dass ich sie in ein paar Monaten allein lassen würde… das konnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.
Nicht jetzt, wo sie wegen der Trennung so fertig war.

Als ich erfahren hatte, dass Mom und Edward ein Paar waren, dachte ich daran, dass Mom nicht alleine sein würde, wenn ich mich dazu entschließen sollte, nach Harvard oder Yale aufs College zu gehen.
Sie hätte dann wenigstens Edward… Dad hatte Leah und Alice hatte ihren Jasper.

Doch nun hatte Mom nur mich und ich wollte sie nicht allein lassen.
Nicht, wenn ihre depressive Stimmung weiterhin anhielt.

Sie versuchte zwar stark zu sein, das konnte ich ihr ansehen, aber sie war alles andere als das.
Die Trennung hatte ihr schwer zugesetzt und ich wusste nicht, wie ich ihr dabei helfen konnte.

Als Emily das erste Mal wieder zu Besuch war, dachte ich, dass es Mom wieder runterziehen würde, doch sie verhielt sich ihr gegenüber wie immer.
Jedenfalls soweit man das von Mom zurzeit behaupten konnte.

Sie war nicht mehr die Mom, die ich kannte.

Natürlich versuchte sie es zu sein, aber sie war anders.
Sie war nicht mehr so lebensfroh und tat quasi nur noch das Nötigste, aber ich sah, dass sie sich bemühte wieder alles normal werden zu lassen.

Dann stellte ich mir vor, wie ich mich wohl fühlen würde, wenn Jackson und ich uns trennen sollten.

Würde ich genauso reagieren wie Mom?

Schließlich waren wir uns in vielen Dingen ähnlich, also versuchte ich mich irgendwie in ihre Situation hineinzuversetzen.

Jackson und ich waren noch nicht sehr lange zusammen, trotzdem zerbrach es mir das Herz, wenn ich daran dachte, dass er bald aufs College ging und er dann dort jemand anderes kennenlernen würde.
Jemand, der besser zu ihm passen würde und in seiner Nähe wäre.
Kein High School Mädchen, welches immer noch nicht für Sex bereit war…

Es wunderte mich, dass Jackson so viel Verständnis dafür hatte, dass ich noch nicht mit ihm schlafen wollte, doch sein Verständnis war einer der Gründe, warum ich ihn nur noch mehr liebte, als ich es ohnehin schon tat.

Er war immer für mich da, wenn ich ihn brauchte und er wusste immer ganz genau,  wann er mich einfach nur in den Arm nehmen musste oder wann ich jemanden brauchte, der mir Mut zusprach.

Ich war froh, dass Dad Jackson mittlerweile akzeptiert hatte.

Er mochte ihn zwar immer noch nicht und wenn es sich vermeiden ließ, ließ ich die beiden nie alleine, wenn sie aufeinander trafen, aber er tolerierte ihn und das war ein guter Anfang.

Sicherlich hatte auch Mom zu diesem Ergebnis beigetragen. 

Ich wusste, dass sie mit Dad über sein Verhalten Jackson gegenüber geredet hatte, ansonsten würde Dad Jackson immer noch mit seinen Blicken erdolchen.
Das tat er zwar noch, aber immerhin nur dann, wenn Jackson es nicht mitbekam.

Genau in diesem Moment hörte ich unsere Türklingel läuten.

Wie von der Tarantel gestochen sprang ich auf, lief zur Tür und betätigte den Knopf, welcher die untere Tür öffnete.

Jackson wollte noch nach der Schule mit zu mir kommen, doch da meine letzten beiden Stunden überraschend ausgefallen waren, hatte Jackson sich dazu entschlossen einfach nachzukommen.

Ungeduldig wartete ich an der Tür und lauschte angestrengt den Geräuschen im Treppenhaus, bis ich seine Schritte vernehmen konnte, welche immer  lauter wurden, je mehr er sich näherte.

Auch wenn es gerade einmal ein paar Stunden her war, dass ich ihn gesehen hatte, freute ich mich riesig auf ihn.

Er gab mir die Kraft, die ich momentan brauchte.
Mit ihm konnte ich über alles reden, was mir auf dem Herzen lag.
Bei ihm fühlte ich mich geborgen.

„Hey“, hörte ich Jacksons Stimme sagen, als er unsere Etage erreicht hatte und mit einem leichten Lächeln auf mich zukam.

Ich konnte nicht anders, als dieses Lächeln zu erwidern, als er seine Arme um meine Hüfte schlang und mich an sich heranzog.

Meine Hände wanderten automatisch in seinen Nacken und ich stellte mich auf meine Zehenspitzen, damit ich seine Lippen mit meinen berühren konnte.  

Die Wärme, die durch meinen Körper strömte, immer dann wenn wir uns küssten, wurde nie weniger.
Das Kribbeln in meinem Bauch wurde sogar immer intensiver und ich hatte das Gefühl, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis ich bereit dazu war, mich ihm völlig hinzugeben.

„Komm rein“, hauchte ich ihm leise entgegen, sobald wir uns voneinander lösten und griff nach seinen Händen, um ihn in die Wohnung zu führen.   

Da Mom noch arbeiten war, ließen Jackson und ich uns im Wohnzimmer nieder, kuschelten uns aneinander und ließen nebenbei den Fernseher laufen.
Viel zu sehr war ich von Jacksons Wärme gefangen, als darauf zu achten, was gerade im Fernsehen lief.

„Wie geht es dir?“, fragte mich Jackson irgendwann, während er sanft mit seinen Händen meinen Arm auf und ab streichelte, was mir eine wohlige Gänsehaut verschaffte.

Jackson stellte mir diese Frage in letzter Zeit immer öfter.
So wie meine Mom sich verändert hatte, hatte auch ich mich verändert.

Ich machte mir viel mehr Sorgen und blieb daher öfter Zuhause, als ich es sonst tat, einfach nur aus dem Grund, weil ich Mom nicht alleine lassen wollte.
Immer, wenn ich mich dann doch dazu entschlossen hatte wegzugehen und versuchen wollte, etwas Spaß zu haben, plagte mich das schlechte Gewissen, auch wenn ich wusste, dass ich Mom ihren Freiraum lassen musste.

Doch es zerbrach mir das Herz, wenn ich mir vorstellte, wie sie allein in unserer kleinen Wohnung saß und niemand bei ihr war.
Wie schwer musste es wohl für sie sein, nur Paare um sich herum zu haben?

„Ich weiß es nicht“, antwortete ich meinem Freund ehrlicherweise, drehte mich in seinen Armen um und vergrub mein Gesicht an seiner Halsbeuge.

Am liebsten wollte ich für jeden da sein.

Für Mom, Emily und sogar für Edward, auch wenn es seine Schuld war, dass alles so weit gekommen war.
Er liebte meine Mutter, das wusste ich, deswegen verstand ich nicht den Grund, warum alles so kommen musste.

Emily war auch nicht mehr die Frohnatur, die sie einmal war.
Die Tatsache, dass Tanya in ihr Leben und das ihres Dads getreten war, war für sie alles andere als leicht.
Sie versuchte es zwar immer auf die leichte Schulter zu nehmen und machte einen auf cool, doch ich wusste, wie es wirklich in ihr aussah.  

Ihr Dad war genauso wenig er selbst, wie es meine Mom war, nur mit dem Unterschied, dass Edward erst vor kurzem wieder der Dad für Emily geworden war, den sie so viele Jahre lang vermisst hatte.
Ihn jetzt so zu sehen war für meine beste Freundin schwer und genau wie ich wusste sie nicht, was sie dagegen unternehmen konnte.

Konnte man überhaupt etwas dagegen unternehmen?

Nachdem meine Mom schon einen Monat lang wie ein Roboter durch das Leben wandelte, zweifelte ich daran, doch irgendwann müsste sich das doch bessern, oder?

„Worüber denkst du nach?“, hörte ich Jackson fragen und spürte im nächsten Moment seine wundervollen Lippen, wie sie meine Stirn berührten und er mir einen Kuss darauf hauchte.  

„Das Übliche“, antwortete ich ihm nachdenklich und kuschelte mich enger an seine Seite.  

„Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll. Ich fühl mich so… hilflos“, gestand ich, doch das war für Jackson nichts Neues.  

Schon ein paar Mal hatte Jackson versucht mir irgendwie zu helfen, doch wir kamen nie auf eine Lösung.

Dass er sich meine Probleme anhörte, ohne genervt zu sein, bedeutete mir eine Menge.
Manchmal fragte ich mich, wie ich einen so wundervollen Menschen wie ihn verdient hatte.

Wenn ich diese ganze Situation ohne ihn meistern müsste, wäre ich verloren und wieder musste ich daran denken, dass es nicht mehr lange dauerte, bis Jackson auf ein College gehen würde.

Oft versuchte ich dieses Thema zu verdrängen, doch wie sollte mir das gelingen, wenn der Tag, an dem er fort musste, immer näher rückte?

„Das wird schon wieder. Ich kenne deine Mom zwar nicht so gut, wie du es tust, aber was ich weiß, ist, dass sie eine starke Persönlichkeit ist. Und auch die stärksten Personen haben ihre schwachen Zeiten, aber weißt du was?“

Kopfschüttelnd und mit einem fragenden Gesichtsausdruck sah ich ihn an.

Seine grünen Augen blickten direkt in meine. Liebevoll hob er seine Hand, strich meine Wange entlang und klemmte mir eine Strähne hinter mein Ohr.

„Sie schaffen es, wieder auf die Beine zu kommen, doch es braucht Zeit. Irgendwann wird ihr klar werden, dass sie ihr Leben so nicht weiterführen kann, dass sie wieder anfangen muss zu leben, aber bis diese Erkenntnis kommt, kann es dauern. Das Einzige, was man für sie tun kann, ist da zu sein und ihr die Zeit zu lassen, die sie braucht“, beendete er seine kleine Rede und ich konnte ihn nur aus großen Augen anstarren.

„Du solltest Psychologie studieren“, sprach ich das erste aus, was mir durch den Kopf ging und lächelte ihn, dankbar für seine aufmunternden Worte, an.
Ob er recht behalten würde, würde sich zeigen, doch ich konnte nichts anderes tun, als ihm Vertrauen zu schenken und zu hoffen.

Jackson erwiderte mein Lächeln, nahm mein Gesicht in seine Hände und beugte sich zu mir hinab.

Dieser Kuss beinhaltete alles, was wir füreinander empfanden.

Liebe. Geborgenheit. Vertrauen. Anziehung.  

Es gab so viel, was ich für ihn fühlte, dass ich diese Gefühle niemals allein in Worte fassen konnte.

War die erste Liebe immer so stark?

Die erste Liebe… natürlich hoffte ich, dass die Beziehung zwischen Jackson und mir ewig halten würde.
Für mich war es unvorstellbar, irgendwann einmal jemand anderen an meiner Seite haben zu wollen, doch was konnte ich mit meinen sechzehn Jahren schon wissen?  

Bei Mom und Dad war es damals bestimmt nicht anders…


Die nächsten Stunden verbrachten Jackson und ich damit, uns über die Talkshows lustig zu machen, die im Fernsehen liefen.
Wir alberten herum, machten Witze und des Öfteren kam es vor, dass wir knutschend auf der Couch lagen.  

Jackson war bisher nie weiter gegangen, als seine Hand unter meinen Pullover wandern zu lassen und meinen nackten Bauch zu streicheln.
Nur ein einziges Mal wollte er weiter gehen, doch als ich mich unter seinen Berührungen verkrampfte, hörte er sofort auf und verstand, dass ich Zeit brauchte.

Auch heute war es nicht anders.  

Während er die nackte Haut an meinem Bauch streichelte, ließ ich meine Hand entweder an seinem Rücken auf und ab wandern, oder ich vergrub meine Finger in seinen weichen Haaren.

Als ich irgendwann hören konnte, wie ein Schlüssel in unsere Wohnungstür gesteckt wurde, schreckten Jackson und ich auf und setzten uns wieder normal hin.

„Hey ihr Zwei“, wurden wir von meiner Mom begrüßt, die mit einem gezwungenen Lächeln ins Wohnzimmer herein kam, bepackt mit einer vollen Einkaufstüte.

„Hey Mom! Du warst einkaufen?“, stellte ich ihr die unnötige Frage und deutete auf die Tüte in ihrer Hand.

„Hm? Ach so, das. Ja, war mal wieder nötig“, sagte sie nur, versuchte sich noch einmal ein Lächeln aufzuzwingen und verschwand wieder aus dem Raum, vermutlich um in die Küche zu gehen.

Seufzend sah ich wieder zu Jackson und bemerkte seinen besorgten Gesichtsausdruck.

„Sie sieht wirklich ziemlich fertig aus. Schläft sie nicht viel?“, fragte er mich und deutete mit seinem Kopf leicht in die Richtung, in der die Küche lag.

„Eigentlich schon. Naja, eher gesagt, sie schläft öfters mal auf der Couch ein, meistens für eine Stunde und nachts… manchmal höre ich sie weinen und wenn ich dann in ihr Schlafzimmer gehe sehe ich, dass sie schläft“, erzählte ich ihm, wobei schlafen relativ war.

Oft wälzte sie sich hin und her und manchmal konnte ich sogar hören, wie sie mitten in der Nacht aufstand und durch die Wohnung lief.

„Sollen wir ihr helfen, die Einkäufe einzuräumen?“, hörte ich meinen Freund wieder fragen, der mich immer noch mit einem besorgten Ausdruck in den Augen ansah.

„Ich mach schon. Du kannst ja dein Glück versuchen, etwas Sinnvolles im Fernsehen zu finden“, erklärte ich ihm und stahl mir noch einen Kuss, ehe ich von der Couch aufstand und mich zur Küche begab.

„Dann kann sich das ja nur noch um Jahre handeln“, konnte ich ihn noch murmeln hören und vernahm nur noch, wie er durch die verschiedenen Kanäle zappte.

Als ich in die Küche kam, sah ich Mom, wie sie ihre Hände auf den Küchentresen gestützt hatte und sich daran festzuhalten schien.

„Mom? Alles in Ordnung?“, fragte ich sie und ging schnell auf sie zu.

„Ja, alles okay. Mir war nur mal kurz schwindelig, aber es geht wieder“, antwortete sie mir, doch ihre Worte beruhigten mich keinesfalls. Eher das Gegenteil davon war der Fall.

„Vielleicht solltest du dich setzen und ich räume die Sachen ein“, befahl ich ihr eher, als dass ich es vorschlug und zerrte sie in unsere kleine Sitzecke, die wir in der Küche hatten.

„Es ist wirklich alles in Ordnung, Schatz. Mir geht’s wieder gut“, versuchte sie mir weis zu machen, doch ich achtete nicht darauf.

Ich setzte sie auf einem Stuhl ab und gab ich noch ein Glas Wasser, in der Hoffnung, dass es ihr wirklich bald besser gehen würde.

„Keine Widerrede. Ich mach das“, sagte ich und griff nach der Tüte.

Nachdem ich ungefähr die Hälfte der Sachen eingeräumt hatte, stutzte ich.

„Ähm… Mom?“, fragte ich und sah sie verwirrt an.

„Ja?“

„Du hast Tomaten gekauft“, gab ich nur von mir und hielt die Tüte mit den frischen Tomaten hoch.

„Ich weiß“, antwortete sie nur darauf, als ob nichts dabei wäre.

„Aber… du hasst Tomaten“, erinnerte ich sie und stellte die Tüte auf dem Tresen ab.

„Ach quatsch, ich hasse Tomaten nicht“, widersprach sie mir, doch ich musterte sie weiterhin komisch.

„Jetzt guck doch nicht so. Ja, bisher hatte ich vielleicht nicht wirklich viel für Tomaten übrig, aber ich hatte eben Lust darauf. Es gibt Menschen, die ändern ihre Meinung von einem Tag auf dem anderen…“

Den letzten Satz murmelte sie nur vor sich hin und ich wusste, dass sie sich damit nicht nur auf die Tomaten bezog, also ließ ich das Thema bleiben und räumte die restlichen Sachen ein.

Da es Mom immer noch nicht besser zu gehen schien und sie immer noch so blass war, zwang ich sie dazu, sich etwas hinzulegen und es wunderte mich, dass sie auf mich hörte und keine Widerworte gab. 

Sie verabschiedete sich noch von Jackson, für den Fall, dass sie nicht mehr aus dem Schlafzimmer kommen würde, solange er hier war, und ließ uns wieder alleine.

Jackson nahm mich einfach wieder in seine Arme und gab mir den Halt, den ich brauchte.

Zu sehen, wie schlecht es Mom ging, und das obwohl schon ein Monat vergangen war, nahm mir dir Hoffnung, dass es bald wieder bergauf gehen würde, doch ich versuchte, mich an Jacksons Worte zu erinnern und sie immer und immer wieder in meinem Kopf abzurufen.

„Alles wird wieder gut“, flüsterte Jackson mir ins Ohr, als ob er meine Gedanken gehört hätte.

Alles wird wieder gut… doch bis dahin stand uns noch ein langer Weg bevor.

3 Kommentare:

  1. da ich vermute das bella schwanger ist bin ich gespannt wie es weiter geht

    danke dafür das ich es lesen durfte danke auch dafür das es so spannend bleibt

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  2. ja wie ich das mit den tomaten gelesen hab, schoss mir auch sofort durch den kopf das bella schwanger sein könnte.....schade aber eigendlich auch das edward nicht wenigstens einen versuch startet mit bella zu reden..aber man weiß ja nie was noch kümmt :-)

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  3. das wird hoffendlich wieder denn ohne die beiden zusammen ist die story ein wenig komisch

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