Bella POV
Ich konnte einfach nicht glauben, was er mir eben erzählt hatte.
Wie oft wollte Tanya Edward noch belästigen und wie lange würde es wohl noch dauern, bis Emily es mitbekommen würde?
Und vor allem, wieso jetzt? Wieso tauchte sie jetzt, nach über 16 Jahren wieder in seinem Leben auf, wenn er doch gerade erst dabei war, es wieder in den Griff zu bekommen?
Was zum Teufel erlaubte sich diese Frau?
Edward dachte, dass sie uns jetzt in Ruhe lassen würde, was hieß, dass er mich schon automatisch in sein Leben mit einbezog und das war etwas, was ich wirklich wundervoll fand.
Zu wissen, dass er mich in seinem Leben haben wollte, mich schon nach diesen wenigen Wochen mit einbezog, war ein schönes Gefühl.
Aber wieso glaubte er zu wissen, dass Tanya auf einmal Ruhe geben würde?
Was hatte er ihr am Telefon gesagt, dass er es sich nun so erhoffte, endlich Ruhe vor ihr zu haben?
Ich konnte verstehen, dass er womöglich noch so durcheinander war, dass er mir darüber nichts erzählen konnte und ich wollte ihn auch nicht drängen, mir von dem Telefonat zu berichten.
Natürlich war ich neugierig, aber ich wollte, dass Edward es von sich aus tat und nicht, weil ich ihn aushorchte, wie eine eifersüchtige Kuh.
Dass Tanya wieder in seinem Leben aufgetaucht war, verhieß nichts Gutes, weder für ihn, noch für Emily.
Zu gern hätte ich gewusst, was in Edwards Kopf vorging, wie er fühlte, ob es wirklich nur die Wut war, die er verspürte, denn schließlich war Tanya die einzige Frau, für die er Gefühle gehegt hatte. Jedenfalls bis ich auftauchte.
Sie war damals einfach abgehauen, hatte einen Zettel dagelassen und sich nie wieder blicken lassen, aber war er wirklich über sie und ihre Taten hinweggekommen oder hatte er es nur verdrängt?
Er hasste sie für das, was sie ihm und Emily angetan hatte, das wusste ich und niemand auf dieser Welt könnte ihm das jemals übel nehmen, aber in mir war eine kleine Stimme, welche ab und zu zum Vorschein kam und flüsterte, dass dieser Hass noch lange nicht hieß, dass seine Gefühle für diese Frau gestorben waren.
So gut es ging versuchte ich diese Stimme zu ignorieren, jedes Mal, wenn ich sie leise sprechen hörte, bedeckte ich sie mit der Wut, welche ich in mir trug.
Wut, dass diese Frau sich dachte, sie könnte wieder zurückkommen, als ob nie etwas passiert wäre und sich einfach wieder in Edwards und Emilys Leben einmischen.
Eine ganze Weile standen wir noch vor seinem Schreibtisch und hielten uns in den Armen.
Ihn einfach nur so nah bei mir zu haben, ließ all meine unschönen Gedanken verschwinden und ich hoffte sehr, dass es Edward mit meiner Anwesenheit genauso erging.
Eigentlich wollten wir uns einen schönen Abend zu zweit machen, da Emily heute bei uns übernachtete und ich Alice wieder als Ausrede benutzt hatte, um mich mit Edward treffen zu können, doch leider würde dieser Abend nicht so unbeschwert verlaufen, wie ich es mir erhofft hatte.
Irgendwann hatten wir uns in sein Schlafzimmer begeben, in sein riesiges Bett gelegt und uns gegenseitig in den Armen gehalten.
Die meiste Zeit über schwiegen wir, doch wenn einer von uns etwas sagte, war es nur irgendetwas Belangloses, fast schon so, als würde man über das Wetter reden.
Wollte er mir nichts über sein Gespräch mit dieser Person erzählen, oder brauchte er einfach nur Zeit um es zu verarbeiten?
Die Gedanken, welche in meinem Kopf herumschwirrten, waren nur schwer zu kontrollieren, aber was hätte ich sonst denken sollen?
Doch ich konnte nur abwarten und hoffen, dass er sich mir, nachdem der erste Schock überwunden war, anvertrauen würde.
Das nächste, was in mein Bewusstsein drang, waren die hellen Sonnenstrahlen, welche durch das Fenster fielen.
Es war nicht mein Fenster und schnell bemerkte ich die warmen Arme, welche sich um mich gelegt hatten und an die ich mich instinktiv geschmiegt hatte.
Ich hatte gar nicht gemerkt, wie ich bei Edward eingeschlafen war, aber schließlich war es auch nicht das erste Mal gewesen, dass ich in seinen Armen in das Reich der Träume abgedriftet war.
Bei Edward fühlte ich mich immer geborgen und sicher, auch wenn das Ereignis des Abends nicht gerade für meinen inneren Frieden gesorgt hatte.
Zwar konnten wir unsere Zweisamkeit genießen, doch die Atmosphäre zwischen uns war etwas angespannt.
Ich konnte mir denken, dass das Gespräch mit dieser Hexe - namens Tanya - nicht gerade ruhig verlaufen war, aber ich kam mir so hilflos vor, einfach nur neben ihm zu liegen und vergebens darauf zu warten, dass er mir davon erzählte.
Es grenzte schon beinahe an ein Wunder, dass ich es geschafft hatte, trotz meiner vielen Gedanken, einzuschlafen.
„Auch schon wach?“, hörte ich die wunderschöne Stimme in meiner Nähe fragen und kuschelte mich schon automatisch an den warmen Körper, welcher direkt neben mir lag.
„Mhmm“, nuschelte ich nur, bettete meinen Kopf in die Beuge zwischen seinem Hals und seiner Schulter und hauchte ihm einen Kuss auf seine Haut.
Es war so schön neben ihm aufzuwachen und ich fand es irgendwie traurig, dass es eine Seltenheit war.
Die Tatsache, dass wir beide unsere Beziehung geheim hielten, brachte nun einmal auch ein paar Opfer mit sich.
In der Öffentlichkeit waren wir nicht mehr als gute Freunde und auch vor unserer Familie mussten wir unser Schauspiel weiter aufrechterhalten, was nicht immer einfach war.
Bei mir war es schon selbstverständlich, dass ich immer seine Nähe suchte, wenn ich ihn sah, aber jedes Mal musste ich mich daran erinnern, dass ich mich zurückhalten musste.
Irgendwann würden wir es unseren Familien und Freunden erzählen, aber erst dann, wenn ich mir sicher sein konnte, dass es mit uns funktionieren würde.
Noch immer nagten die Zweifel an mir und besonders jetzt waren sie größer, als ich es eigentlich gedacht hätte.
Es war nicht das erste Mal, dass Tanya versuchte mit Edward in Kontakt zu treten, aber diesmal war es irgendwie anders.
„Hast du gut geschlafen?“, fragte mich Edward und schon im nächsten Moment konnte ich seine Lippen an meinem Haaransatz spüren, wie er mir einen Kuss darauf hauchte.
„Mhmm“, antwortete ich wieder und wollte diesen seltenen Moment zwischen uns einfach nur genießen.
Es war das erste Mal, dass wir so zusammen eingeschlafen waren.
Sonst war es immer so, dass ich entweder bei einem Film an ihm gekuschelt einschlief oder nach dem Sex, wie nach unserem ersten richtigen Date.
Allein schon wenn ich an diesen wunderschönen Abend zurückdachte musste ich lächeln und schmiegte mich noch näher an ihn.
„Morgen“, murmelte ich irgendwann, nachdem ich noch eine Zeit lang seine Streicheleinheiten an meinem Körper genossen hatte.
„Guten Morgen, mein Sonnenschein“, erwiderte er nur darauf, was mir wieder einmal ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
Ohne meine Augen zu öffnen hob ich nur widerwillig meinen Kopf, allerdings mit dem Ziel, seine Lippen mit meinen vereinen zu können.
Nur einen kurzen Moment war es mir möglich, sie zu spüren, viel zu schnell löste er sich von mir, was mich dazu zwang, meine Augen wieder zu öffnen, welche direkt in sein Grün blickten.
Sie waren anders, ein anderer Ausdruck war in ihnen zu erkennen, als ich ihn sonst kannte.
Irgendwie forschend und unentschlossen, was mich verwirrt meine Stirn runzeln ließ.
„Stimmt was nicht? Hab ich Mundgeruch?“ Automatisch hielt ich mir meine Hand vor dem Mund und sah ihn aus großen Augen an.
Gott, das war vielleicht peinlich…
„Keine Sorge, das ist es nicht“, lächelte er leicht, doch so schnell, wie sich das Lächeln auf seinen Zügen gezeigt hatte, war es auch schon wieder verschwunden.
„Was ist los?“, fragte ich leicht alarmiert und versuchte mich aufrecht hinzusetzen, wodurch Edward gezwungen war, seine Arme um mich herum etwas zu lockern.
„Nichts, es ist nur… wegen gestern da… da war ich nicht besonders redselig“, erklärte er mir und blickte mir weiterhin in die Augen.
Ich nickte nur, wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte und erwiderte seinen Blick.
War er bereit, mir mehr über sein Gespräch mit Tanya zu erzählen?
Musste er einfach nur eine Nacht darüber schlafen, damit er soweit war?
„Tanya ist hier in der Stadt. Sie weiß von dir, sie weiß sogar, wie du heißt und sie hat Emily gesehen.“
Sie war hier in der Stadt?
„Hat sie… hat sie etwa mit Emily geredet?“, wollte ich von ihm wissen und musterte ihn neugierig, wenn auch etwas geschockt.
Tanya war in Chicago… so weit war es schon gekommen, dass diese Frau Edward nicht nur telefonisch belästigte, sondern auch noch so dreist war und wieder an den Ort erschien, dem sie vor so vielen Jahren den Rücken gekehrt hatte.
„Nein! Nein, ich denke nicht. Sie hat uns ‚nur’ beobachtet. Na ja, was heißt nur… Aber glaub mir, hätte sie auch nur versucht mit Emily in Kontakt zu treten, da wäre ich ganz sicher nicht so ruhig geblieben“, gab er mir zu verstehen, beugte sich vor und hauchte mir einen Kuss auf meine Stirn.
Automatisch schloss ich meine Augen, genoss diese unschuldige Berührung, diesen harmlosen Kuss, ehe dieser Moment auch wieder vorbei war.
„Du weißt, dass du es Emily bald sagen musst, oder? Wenn sie es allein herausfindet oder wenn Tanya doch noch auf die Idee kommen sollte, mit Emily in Kontakt zu treten… das wäre katastrophal. Edward, sie sollte es von dir erfahren“, redete ich auf ihn ein und streichelte mit meiner Hand seine raue Wange entlang.
Für Edwards Beruf war es wohl wichtig, dass er sich jeden Tag rasierte und somit gepflegt erschien, ich jedoch fand den Ansatz seines Bartes mehr als sexy.
„Ich weiß“, seufzte er und unterbrach dabei meine Gedanken, welche eindeutig nicht in die momentane Situation hineinpassten.
„Da gibt es noch was, was ich dir erzählen sollte“, begann Edward und sah mich unsicher an.
Kurz hielt ich den Atem an, wartete darauf, dass er fort fuhr und hoffte darauf, dass es nichts allzu schlimmes war, denn so wie Edward mich gerade ansah, konnte es nichts Gutes bedeuten.
Er biss sich auf seine Unterlippe und das war normalerweise etwas, was nur von mir kommen konnte, aber bei Edward hatte ich diese Eigenschaft noch nie beobachten können.
Der Druck seiner Hände um meinen Körper hatte sich verstärkt, er zog mich näher zu sich heran, was meine inneren Alarmglocken aufschrillen ließ.
Was hatte er mir zu erzählen, was solch eine Reaktion in ihm hervorrief?
„Tanya hat gestern etwas gesagt. Dass ich sie noch lieben würde, dass du nur eine Übergangslösung wärst und ob ich mir nicht vorstellen würde, wie mein Leben hätte verlaufen können, wenn sie damals nicht abgehauen wäre“, erklärte er mir, doch ich konnte nichts tun, als ihn weiterhin anzustarren. Ich hatte das Gefühl, dass es nicht das einzige war, was er mir zu sagen hatte, also versuchte ich zu warten, ohne dass ich zu sehr über seine Worte nachdachte.
„Und ich hab es getan. Ich habe mir vorgestellt wie es gewesen wäre und ich fürchte, dass Tanya es irgendwie falsch verstanden haben könnte.“
Ich bewegte mich nicht. Zu sehr war ich geschockt von dem, was er mir gerade mitgeteilt hatte. Meine Ängste, welche ich versucht hatte, so gut es ging zu unterdrücken, kamen wieder zum Vorschein und im Moment fand ich keinen Weg, sie wieder in die hinterste Ecke zu verbannen, in welche sie sich bis eben noch befunden hatten.
„Oh“, bekam ich nur heraus, versuchte mich aus seinem Griff zu befreien und wandte meine Augen von ihm ab.
„Nein, warte! Bella, hör mir zu!“, hielt er mich auf und nahm mein Gesicht in seine Hände.
„Ja, ich habe darüber nachgedacht, einfach weil es etwas ist, worüber ich mir die letzten 16 Jahre den Kopf zerbrochen habe, schließlich ist Tanya Emilys Mutter, aber jetzt habe ich dich und ich habe es dir nur gesagt, weil ich nicht will, dass irgendwelche Geheimnisse zwischen uns sind.“ Intensiv sah er mich aus glühenden, grünen Augen an und ich entspannte mich allmählich.
Er hatte mir die Wahrheit gesagt. Natürlich war es nicht angenehm zu hören, dass er sich vorgestellt hatte, wie ich nicht in seinem Leben vorhanden wäre und er stattdessen Tanya an seiner Seite hätte, aber er war ehrlich.
Allein schon, dass er mir davon erzählt hatte, obwohl er es mir hätte verheimlichen können zeigte, dass ich ihm vertrauen konnte.
Er hatte mir mittlerweile bewiesen, dass er mich wollte. Wirklich mich als Person, als Frau und als Partnerin, da konnte ich ihm solch einen Gedanken doch nicht übel nehmen, oder?
Schließlich war Tanya und ihr Verschwinden lange Zeit das gewesen, was den bösen Edward zum Vorschein gebracht hatte, da war es doch normal, dass er all diese Gedanken nicht auf Eis legen konnte.
Unsere Beziehung war noch frisch und es würde seine Zeit brauchen, bis er sich völlig von ihr abgekapselt hatte, es wäre um einiges einfacher, wenn Tanya ihn nicht immer mit ihren Anrufen belästigen würde.
Ich hoffte nur, dass sie ihm nicht auch noch das Leben schwer machte und vor seiner Haustür auftauchte, selbst wenn sie anscheinend in der Stadt war, doch was ich noch mehr hoffte war, dass Emily von all dem nichts mitkriegen würde.
Sie war ein gutes Kind, aber wenn sie die Tatsache, dass ihre Mutter noch lebte von jemand anderem als Edward erfahren würde… das wäre eine Katastrophe!
Ein Lächeln bildete sich langsam auf meinem Gesicht, als ich meine Hände auf seine legte, welche noch immer mein Gesicht festhielten und ich mich langsam zu ihm hinüberbeugte.
Als unsere Lippen sich trafen, war es wie wenn zwei Hälften ineinander verschmolzen und zu einem Ganzen wurden.
Ein Gefühl, welches mir in den letzen Jahren fremd gewesen war, doch durch Edward wurde ich damit vertraut.
Wir küssten uns eine ganze Weile, ließen unsere Zungen miteinander spielen, jedoch ohne dass uns die Leidenschaft übermannte.
Nur widerwillig ließen wir voneinander ab, doch als unsere Augen sich trafen, in einander verschmolzen, konnte ich den Verlust seiner Lippen auf meinen verkraften.
„Du bedeutest mir mehr, als ich es je für möglich gehalten hätte. Du bist die Frau, die ich liebe.“
Ich erstarrte.
Das Einzige, was sich an meinem Körper bewegte, waren meine Augen, welche wie verrückt blinzelten und von Sekunde zu Sekunde größer zu werden schienen und ich schon die Befürchtung hatte, dass sie mir bald raus fallen würden.
Edwards grüne Augen blickten weiterhin in meine, ich jedoch hatte das Gefühl, als ob ich mehr durch ihn hindurch sah, als das ich ihn wirklich ansah.
Das musste… das konnte nicht… meinte er das ernst? Hatte er überhaupt registriert, was er da gesagt hatte?
„Bella?“, hörte ich ihn fragen und riss mich so aus meinen Gedanken.
Kurz schüttelte ich meinen Kopf, was ihn dazu brachte mein Gesicht loszulassen, mich allerdings etwas verwirrt musterte.
„Was hast du gesagt?“, wollte ich noch einmal wissen, in der Hoffnung, dass ich mich vielleicht doch verhört hatte oder er es doch nicht so meinte, wie er es gesagt hatte, sondern dass es einfach so passiert war, ohne sich dessen Bedeutung bewusst zu sein.
„Ich liebe dich, Bella“, sagte er noch einmal nachdrücklich und versuchte intensiv in meine Augen zu blicken, während ich versuchte jeglichen Blickkontakt zu vermeiden.
Das konnte er nicht ernst meinen. Diese drei Worte sollte man nicht aussprechen, wenn man sich seiner Gefühle nicht vollkommen bewusst war und wie konnte er schon so empfinden, wenn wir doch erst seit wenigen Wochen zusammen waren?
Wir kannten uns noch nicht richtig und unsere Beziehung war noch nicht einmal offiziell, wieso sagte er solche Worte?
„Ich muss gehen“, sagte ich und warf einen schnellen Blick auf die Uhr, welche direkt auf der Kommode neben seinem Bett stand.
Es war neun Uhr am Morgen und ich hoffte, dass Nessie und Emily noch am schlafen waren, schließlich waren sie Teenager und in ihrem Alter schlief man normalerweise immer lange, aber bei den Mädchen konnte man sich nie sicher sein.
Ich hoffte nur, dass sie mir meine Ausrede, dass ich wieder einmal bei Alice eingenickt wäre, abkaufen und nicht weiter nachfragen würden.
Alice immer wieder als Ausrede zu benutzen war zwar nicht immer die beste Lösung, aber es war die einzige, welche plausibel genug war, doch sobald Jake in seine neue Wohnung einziehen würde, konnte ich es mir nicht mehr erlauben, die Nacht einfach bei Edward zu verbringen.
Zwar war Nessie alt genug, dass ich sie durchaus mal alleine lassen konnte, aber sie war immer noch meine Tochter und die Gegend, in der wir wohnten, war auch nicht die sicherste. Auch wenn mir dort bisher noch nie etwas passiert war, aber die Wohnung war nicht ohne Grund so billig und bis jetzt hatte ich immer noch Jake, der wenigstens mit Nessie, und in diesem Fall auch mit Emily, Zuhause war und im Fall der Fälle auf sie aufpassen konnte.
„Du gehst?“, fragte Edward und in seiner Stimme schwang ein Hauch von Traurigkeit und Verwirrung mit, was ich ihm noch nicht einmal verübeln konnte, aber ich war einfach noch nicht bereit gewesen, diese drei Worte von ihm zu hören, geschweige denn, diese Worte selber auszusprechen und sie auch so zu meinen.
Ich war mir ja noch nicht einmal sicher, ob er sie auch wirklich so meinte.
Sicher, wir beide empfanden viel füreinander, aber konnte man wirklich schon von Liebe sprechen?
Liebe brauchte Zeit sich zu entwickeln und meiner Meinung nach waren wir noch in der Entwicklungsphase, in der wir den anderen besser kennen lernten, seine Nähe suchten, aber Liebe…?
„Ja… ähm… weißt du, die Kinder! Ich muss doch das Frühstück machen“, versuchte ich mich herauszureden und bemühte mich weiterhin, nicht in die Tiefen seiner grünen Augen zu schauen.
Ich sprang vom Bett und suchte meine Schuhe, welche ich mir gestern Abend noch ausgezogen und irgendwo hingeschmissen hatte.
Auch Edward folgte meinem Beispiel und stieg aus seinem Bett, doch anstatt dass er ins Bad ging, so wie ich es vermutet hatte, konnte ich ihn ganz dicht hinter mir spüren.
„Bella“, sagte er und schon im nächsten Moment hatte er seine Hand an meinem Oberarm gelegt.
In genau diesem Moment fand ich meine Schuhe, nicht weit von dem Ort entfernt, an dem wir standen, also lief ich sofort dorthin und griff danach, was dazu führte, dass Edward wieder von mir ablassen musste.
Als ich mich wieder auf das Bett setzte und versuchte mir meine Schuhe zuzubinden, kniete sich Edward vor mir und ich konnte aus dem Augenwinkel erkennen, dass er mich genau musterte.
„Alles in Ordnung?“, fragte er mich, legte seine Hand auf mein Knie ab und streichelte mit seinem Daumen feine Kreise, welche mir normalerweise eine Gänsehaut beschert hätte, wenn ich nicht so verwirrt gewesen wäre.
„Natürlich“, antwortete ich nur und versuchte mir nicht anmerken zu lassen, wie sehr mich sein Geständnis aus der Bahn geworfen hatte, doch mir war völlig bewusst, dass mir dieser Versuch mehr als nur misslang.
„Ich muss nur gehen… du weißt schon… kochen“, murmelte ich vor mich hin und sprang wieder von seinem Bett auf, was Edward dazu brachte, durch meine plötzliche Bewegung auf seinen Hintern zu plumpsen.
„Bella“, sagte er nur wieder, stand auf und kam wieder auf mich zu, was ich dieses Mal jedoch nicht verhindern konnte.
Es fiel mir leichter, als ich gedacht hätte, nicht in seine Augen zu sehen.
Wie könnte ich ihm überhaupt wieder in die Augen blicken? Er hatte mir gesagt, er würde mich lieben, aber was erwartete er denn von mir?
Wie konnte ein Mann wie Edward Cullen es war, jemanden wie mich lieben?
Ja, wir hatten Gefühle für einander und fühlten uns sehr zueinander hingezogen, aber Liebe? In so kurzer Zeit?
Und wieso musste er durch diese Worte unsere schöne Zeit ruinieren?
In dem einen Moment war ich panisch, weil er mir das mit Tanya gesagt hatte und im anderen Moment war ich in Panik, weil er die Worte gesprochen hatte, die normalerweise jede Frau von ihm hätte hören wollen.
Edward griff mit seiner Hand nach meinem Gesicht, legte sie auf meine Wange und zwang mich dazu, ihn anzusehen, was ich aber nur ungewollt zuließ, doch bevor er noch etwas sagen konnte und ich mich in seinen Augen verlieren würde, stellte ich mich auf meine Zehenspitzen und gab ihm einen Kuss auf den Mund.
„Ich muss los, wir sehen uns später, okay?“, fragte ich noch einmal, wartete jedoch nicht seine Antwort ab und war im nächsten Moment schon aus seinem Schlafzimmer raus.
So schnell wie noch nie eilte ich die Treppen nach unten, griff nach meiner Jacke und Tasche, in der sich meine Autoschlüssel befanden und begab mich, ohne mich noch einmal im Haus umzusehen, so schnell wie möglich auf den Weg nach draußen.
Als ich Zuhause angekommen war, war noch alles dunkel.
Die Mädchen schienen noch zu schlafen und auch Jakes Schnarchen aus dem Wohnzimmer drang in meine Ohren.
Ich liebte Jake, aber es wurde wirklich Zeit, dass er hier auszog und ich war froh darüber, dass er schon bald in seine neue Wohnung ziehen konnte.
Zu sagen, dass ich Jake liebte, war einfach.
Jake und ich kannten uns, seitdem wir zur High School gingen und damals war es noch leicht, die Worte ‚Ich liebe dich’ auszusprechen.
Man hatte keine große Lebenserfahrung und womöglich kannte man noch nicht einmal wirklich die schwere Bedeutung dieser Worte.
Bis heute liebte ich Jacob, aber auf eine ganz andere Art und Weise, wie es früher der Fall war.
Er ist der Vater meiner Tochter und bis heute auch mein bester Freund, ohne den ich nicht leben könnte.
Dass Jake und ich, vor nicht allzu langer Zeit, wieder mit einander geschlafen hatten, war keineswegs beabsichtigt gewesen und ich war froh, dass sich die Stimmung zwischen uns von Tag zu Tag entkrampfte.
Ich war geschockt gewesen, als Edward mir gesagt hatte, dass er wusste, dass Jake und ich Sex hatten, schließlich hatte ich nicht vorgehabt, ihm irgendwann davon zu erzählen.
Die Geschichte mit Edward und mir hatte dort gerade erst angefangen und außerdem waren wir zu dem Zeitpunkt noch lange kein Liebespaar.
Edward zu sagen, ich würde ihn lieben, war eine ganz andere Sache, wie wenn ich es Jake sagen würde.
Hochgerechnet kannten Edward Cullen und ich uns vielleicht gerade einmal ein halbes Jahr und die meiste Zeit davon war er nicht gerade die freundlichste Person gewesen.
Wir waren gerade einmal wenige Wochen zusammen, da fand ich es etwas übereilt, schon von Liebe zu sprechen.
Seitdem meine Ehe mit Jake ihr Ende fand, war Nessie die einzige Person gewesen, zu der ich diese Worte gesagt hatte und das schon seit über elf Jahren.
Die Liebe zwischen Jake und mir war mit der Zeit verloren gegangen und mit Edward wollte ich einfach nichts überstürzen.
Ich wollte mir sicher sein, ihn wirklich zu lieben, wenn ich ihm diese Worte sagte, aber dies würde Zeit in Anspruch nehmen, schließlich waren wir noch immer in der Kennenlern-Phase und bevor ich ihn nicht besser kennen würde, würde ich diese Worte auch nicht aussprechen können.
Allerdings stand uns noch ein ganz anderes Problem bevor. Irgendwann müssten wir den anderen von unserer Beziehung erzählen, was aber auch nicht möglich wäre, wenn ich mir meiner Gefühle für ihn nicht sicher sein konnte.
Ich hoffte nur, dass Edward nicht auf die falschen Schlüsse kam, als ich vor ihm praktisch davongelaufen war.
Er sollte nicht denken, dass ich nicht das gleiche empfinden könnte, aber in dem Moment war ich einfach so überrascht, dass ich nicht wusste, wie ich darauf reagieren sollte.
Erwidern konnte ich es noch nicht und mich hatte nichts darauf vorbereitet, dass er mir diese Worte schon so früh sagen würde.
Dass er sie jemandem wie mir überhaupt schon sagte, grenzte ja schon an ein Wunder.
Der Nachmittag kam schneller, als ich es erwartet hatte.
Nachdem ich uns allen ein paar Pancakes gemacht hatte, war es Zeit für Emily wieder nach Hause zu ihrem Dad zu fahren.
Jake musste sich um ein paar Angelegenheiten wegen seiner neuen Wohnung kümmern und würde sich danach mit seiner neuesten Flamme treffen, weshalb auch er innerhalb kürzester Zeit aus der Wohnung verschwand und nur noch Nessie und ich übrig blieben.
Während sie sich im Wohnzimmer ihren Hausaufgaben widmete, erledigte ich den Abwasch und sah immer mal wieder zur Uhr.
Edward müsste bald auftauchen, wenn ich ihn heute Morgen nicht vergrault hatte, und ich wusste immer noch nicht, wie ich mich ihm gegenüber verhalten sollte.
Sollte ich so tun, als ob nichts gewesen wäre oder sollte ich ihm sagen, warum ich mich so verhalten hatte?
Vielleicht wäre es auch besser zu warten, bis er das Thema anschneiden würde, aber wie sollte ich ihm begreiflich machen, dass es nicht an ihm lag?
Dieser Satz wurde schon so oft in Filmen, Büchern und Theaterstücken verwendet, dass dessen Bedeutung heutzutage als eine Ausrede galt.
Er war wirklich ein wundervoller Mann und ich war verliebt in ihn, hegte große Gefühle für Edward, aber von Liebe konnte ich noch lange nicht reden.
Zu gern wollte ich wissen, was ihn so sicher machte, mich zu lieben, denn ich hatte keinerlei Zweifel erkennen können.
Die Frage war nur, ob er sich wirklich sicher war, mich zu lieben, oder ob er sich nur sicher war zu glauben, dass er mich lieben würde.
Ich kam gar nicht erst dazu, mir weiterhin darüber Gedanken zu machen, da mich die Türklingel wieder zurück in die Gegenwart holte und ich vor lauter Schreck den Teller in meinen Händen in die Spüle fallen ließ, welcher aber Gott sei Dank nicht zerbrach.
Nachdem ich einen schnell Blick auf die Uhr geworfen hatte, griff ich zügig nach einem Küchentuch, trocknete mir meine Hände ab und eilte zur Wohnungstür, während Nessie noch konzentriert über ihren Hausaufgaben hockte.
Ob sie die Türklingel überhaupt gehört hatte?
Sobald ich den Knopf betätigt hatte, welcher die untere Haustür für Edward öffnete, versuchte ich so geduldig wie möglich am Türdurchgang auf ihn zu warten.
Vielleicht sollte ich froh sein, dass er nach meiner Aktion heute Morgen überhaupt noch aufgetaucht war, schließlich war es nicht das erste Mal gewesen, dass ich praktisch vor ihm geflohen war.
Es dauerte nicht lange, bis ich seine Schritte im Hausflur wahrnahm und nur wenige Sekunden später konnte ich seine Gestalt auf den Treppen erkennen.
Geschmeidig meisterte er die letzten Stufen und kam geradewegs mit seinem typischen Edward Cullen Lächeln auf mich zugeschlendert.
Bei seinem Anblick konnte ich gar nicht anders, als dieses Lächeln zu erwidern. Egal wie verwirrt ich momentan war, aber ihn so zu sehen verschaffte in mir ein Gefühl der Freude und mir fiel ein Stein vom Herzen, dass er nicht gekränkt zu sein schien.
Vielleicht war es aber auch, weil er über seine Worte nachgedacht hatte und sie doch nicht ernst meinte…
„Hey“, hörte ich seine Stimme flüstern als er mich erreichte und mich aus seinen grünen Augen ansah.
Anders als heute Morgen, wo ich ihm nicht in die Augen blicken konnte, schien ich dieses Mal wieder in dieses grüne Meer zu versinken.
Sein Blick huschte kurz hinter mir, wahrscheinlich um sicher zu gehen, dass niemand da war, der uns beobachten würde und sobald er sich davon überzeugt hatte, dass die Luft rein war, beugte er sich zu mir herab und brachte unsere Lippen zum verschmelzen.
Dieser Kuss fühlte sich anders an als die, die wir bisher miteinander geteilt hatten.
Es fühlte sich zwar nicht schlecht an, aber ich konnte mich nicht so fallen lassen wie ich es sonst immer getan hatte, so als ob sein Geständnis und mein Verschwinden irgendetwas zwischen uns verändert hatte.
Edward neigte dazu, gewisse Sachen zu übereilen, das hatte ich schon damals bei Emily gemerkt, als sein Auftauchen bei der Kunstausstellung nicht dazu geführt hatte, dass seine Tochter ihm um den Hals fiel.
„Alles okay bei dir?“, fragte Edward, nachdem er sich von mir gelöst hatte und seine Stirn für kurze Zeit an meiner verweilte.
Ich nickte nur, die Augen noch immer geschlossen, und ging einen Schritt zurück, damit er in die Wohnung hinein gelangen konnte.
Sobald er an mir vorbei ging und ich somit die Tür hinter ihm schließen konnte, machte ich mich mit ihm zusammen auf dem Weg in die Küche, da das Wohnzimmer von Nessie belagert wurde.
„Hallo Nessie“, rief Edward, als wir an dem Wohnzimmer vorbei liefen, doch Nessie reagierte nicht wie üblich, wenn sie auf Edward traf.
Normalerweise wurde sie dann schüchtern und man konnte eine Mischung aus Angst und Respekt in ihren Augen erkennen, diesmal jedoch erhob sie nicht einmal ihren Blick von ihrem Schulprojekt, sondern hob zur Begrüßung einfach nur die Hand.
Es hätte mich gewundert, wenn Nessie nicht gerade völlig in ihrem Element war und dabei immer alles um sich herum nicht wahrnahm, aber Edward schien diese lockere Begrüßung ziemlich zu verwirren.
Mit gerunzelter Stirn sah er zu mir herüber, doch ich deutete nur mit einem Kopfnicken zur Küche.
„Möchtest du einen Kaffee?“, fragte ich ihn, sobald er sich an den kleinen Küchentisch gesetzt hatte und sich in den Stuhl lehnte.
Zugegeben, es war schon etwas komisch, Edward in meinem bescheidenen Heim zu sehen, aber je öfter er hier war, desto mehr gewöhnte ich mich an diesen Anblick.
„Gern“, lächelte er und sah mich aus seinen grünen Augen musternd an, doch noch ehe ich wieder in seinem Grün versinken würde, wandte ich mich zur Theke und bereitete die Kaffeemaschine vor.
„Hat deine Tochter überhaupt registriert, dass ich es war, der sie begrüßt hat?“, wollte er von mir wissen und ich konnte sowohl die Verwirrung, als auch die Belustigung darüber, in seiner Stimme heraushören.
Auch ich musste lachend meinen Kopf schütteln und sobald ich die Kaffeemaschine soweit vorbereitet hatte und auf den Knopf drückte, drehte ich mich wieder zu Edward und setzte mich auf die schmale Küchentheke.
„Eher nicht“, bestätigte ich seine Vermutung und musste lächeln.
„Immer wenn Nessie an einem Bauprojekt arbeitet, ist sie ganz in ihrem Element“, erklärte ich ihm und dachte an den Tag zurück, als Nessie ihre Leidenschaft für das Bauen entdeckt hatte.
An ihrem fünften Geburtstag hatte Jake unserer Tochter Legosteine geschenkt, was ich eigentlich ziemlich unpassend für ein Mädchen fand, doch Nessie hatte, entgegen meinen Erwartungen, unheimlich viel Spaß an ihnen gehabt.
Was ihr als Kind Spaß bereitet hatte, wurde mit zunehmendem Alter immer ernster.
Schon damals baute sie kleine Häuser mit den Legosteinen und irgendwann kam dann ihr Wunsch auf, Architektin zu werden.
Sie bewunderte immer die Bauarten der Häuser, wollte selbst welche konstruieren und oft erzählte sie mir auch immer irgendwelche Sache, von denen ich nicht die geringste Ahnung hatte.
Auch das war ein weiterer Grund, weswegen Jake und ich uns entschlossen hatten, sie auf eine Privatschule zu schicken.
Mit ihrem Verstand und ihrem Können, hatte sie eine gute Chance ein Stipendium zu bekommen und sich so ihren Traum, Architektin zu werden, zu verwirklichen.
„Bauprojekt?“, hakte Edward noch einmal nach, legte seinen Kopf schief und sah mich ehrlich interessiert an.
Dass Edward ehrliches Interesse an Nessie zeigte und an die Dinge, die sie interessierte, bewies mir nur noch mehr, dass er es wirklich ernst mit mir meinte.
Schließlich war es notwendig, dass er sich mit Nessie verstand, wenn wir uns eine gemeinsame Zukunft aufbauen wollten. Ich wollte ja auch nicht mit einem Mann zusammen sein, vor dem meine Tochter Angst hatte, egal wie alt sie auch war.
Nessie war mein Leben und wenn ich Edward als einen Teil meines Lebens haben wollte, mussten sich die beiden verstehen, da führte kein Weg daran vorbei.
„Naja, Ness will später mal Architektur studieren und hat sich auch in der Schule für die entsprechenden Kurse eingetragen und im Moment sitzt sie wohl an ihrem neuesten Projekt“, grinste ich ihn an, wissend, dass Edward und Nessie dieselbe Leidenschaft zu teilen schienen.
Eine Gemeinsamkeit, auf die man, im wahrsten Sinne des Wortes, bauen konnte.
„Sie will Architektur studieren?“, fragte er mich und sah mich aus großen Augen an, als ob er nicht glauben würde, was ich ihm gesagt hatte.
„Hey, unterschätze meine Tochter nicht, sie ist sehr schlau und begabt und das sage ich nicht nur, weil ich ihre Mutter bin!“, stellte ich klar, sprang von der Theke hinab und lief auf ihn zu.
„Verdammte Scheiße“, hörten wir Nessie nebenan fluchen und wandten automatisch unsere Köpfe in diese Richtung.
„Ich glaube, ich habe sie noch nie fluchen gehört“, bemerkte Edward und hob verwundert seine Augenbrauen.
„Denkst du, es ist okay, wenn ich rüber gehe und ihr helfe?“, fragte er mich, stand auf und lief auf mich zu.
Ich nickte nur, kam ihm entgegen und legte meine Arme um seinen Hals, bevor ich ihm einen Kuss auf die Lippen hauchte.
„Das fände ich sehr schön“, gab ich als Antwort und sah in seine Augen.
„Gut“, lächelte er und legte seine Stirn an meine.
„Aber danach sollten wir reden.“ Obwohl er noch immer das Lächeln auf seinem Gesicht trug, konnte ich mir schon denken, worüber er reden wollte, doch noch ehe ich etwas darauf erwidern konnte, machte er kehrt und verließ die Küche.
Ich versuchte mich einen Augenblick zu sammeln, um nicht an das bevorstehende Gespräch zu denken, ehe auch ich mich auf den Weg ins Wohnzimmer machte, wo ich Edward neben Nessie sitzend, auf der Couch vorfand.
Es war ein komisches Bild, einfach weil ich es nicht gewohnt war, Edward und Nessie alleine zusammensitzend zu sehen.
Wie ich es von hier aus erkennen konnte, schien Nessie immer noch recht locker zu sein, während sie Edward von ihren Problemen erklärte.
Gebannt lauschte sie seinen Worten und nickte immer dann, wenn Edward eine kleine Pause einlegte.
Ich schnallte nicht das Geringste von dem, was Edward versuchte ihr beizubringen, aber solange Nessie es nachvollziehen konnte und sie sich dadurch vielleicht auch besser mit Edward verstand, dann brauchte ich das auch nicht zu begreifen.
Als ich mich gerade abwenden und wieder in die Küche gehen wollte, konnte ich ein Lachen vernehmen. Ein Lachen, welches sowohl von Edward, als auch von Nessie kam, was bei mir nur Verwirrung auslöste.
Wann hatte ich die beiden schon einmal zusammen lachen gesehen? Es war komisch aber nichts, woran ich mich nicht gewöhnen könnte.
Nessie wirkte jetzt sogar ein wenig entspannter, als noch wenige Minuten zuvor. Eigentlich hatte ich gedacht, dass sich die Beziehung zwischen meiner Tochter und meinem Freund erst mit der Zeit bessern würde, aber allem Anschein nach war nur ihr gemeinsames Interesse der Schlüssel dazu gewesen, aber ich wusste auch, dass Nessie noch etwas Zeit benötigen würde, bevor sie in Edwards Gegenwart wirklich sie selbst sein konnte.
Natürlich hatten sie jetzt ein Thema, worüber sie sprechen konnten und der erste Stein der Mauer war somit auch gefallen, aber sie konnten doch auch nicht immer nur über die Architektur reden, oder?
Leise drehte ich mich um und schlich wieder in die Küche.
Jetzt, wo ich mir sicher war, dass zwischen den beiden alles in Ordnung zu sein schien, wollte ich ihnen die Zeit geben, sich anzunähern.
Je eher Edward und Nessie gut miteinander auskamen, desto eher könnten wir unserem Versteckspiel ein Ende bereiten.
Doch auch wenn die zwei sich verstanden, hieß das noch lange nicht, dass Nessie und Emily uns auch als ein Paar akzeptierten und ich hatte Angst, wie sie darauf reagieren würden.
Ein Fehler von Edward oder von mir, könnte dazu führen, dass wir eine Freundschaft zerstören würden und das wollte ich um alle Fälle verhindern.
Nessie hatte damals in Phoenix nicht so viele Freunde, aber die, die sie hatte, waren nichts im Vergleich zu der Freundschaft, die sie mit Emily verband und ich würde es mir niemals verzeihen, wenn ich das Band zwischen den beiden zerstören würde.
Gerade als ich mir meine zweite Tasse Kaffee eingeschenkt hatte, merkte ich, wie ich von hinten von zwei Armen umschlungen wurde.
Mal abgesehen von der Tatsache, dass ich wusste, dass es sich dabei nur um Edward handeln konnte, erkannte ich ihn an seinem unwiderstehlichen Duft.
Ich war so mit meinen Gedanken und dem bevorstehenden Gespräch beschäftigt gewesen, dass ich gar nicht bemerkt hatte, wie er den Raum betreten und sich an mich herangeschlichen hatte.
„Hey“, flüsterte er mir in mein Ohr und hauchte einen Kuss auf meinem Nacken, was dazu führte, dass ich am ganzen Körper eine Gänsehaut bekam.
„Hey“, hauchte ich zurück, setzte meine Tasse auf die Theke ab und drehte mich zu ihm herum.
„Ihr zwei scheint euch ja doch gut zu verstehen“, sprach ich ihn sofort auf sein Gespräch mit Nessie an, bevor wir nachher ein etwas ernsteres Thema einschlagen würden.
„Ja, du hast eine tolle Tochter“, bestätigte er mir und sah lächelnd auf mich hinab.
„Und du hast recht, sie ist wirklich gut in dem Gebiet, da könnten sich die Neulinge in meiner Firma sogar noch eine Scheibe abschneiden“, bemerkte er und ich konnte nicht anders, als bei dieser Aussage zu lächeln.
Mir war durchaus bewusst, dass Nessie ein Händchen für die Architektur entwickelt hatte, aber von einem Fachmann, wie Edward es war, bestätigt zu bekommen, dass Nessie tatsächlich das Zeug zur Architektin hatte, ließ mein stolzes Mutterherz vor Freude anschwellen.
„Ehrlich?“, hakte ich noch einmal nach, einfach nur um sicher zu gehen, dass er das nicht einfach so dahersagte.
„Ja, ehrlich. Wieso hast du mir nie erzählt, dass sie Architektur studieren will?“, wollte er wissen und sah mich neugierig an.
Ich zuckte daraufhin einfach nur mit den Schultern, legte meine Arme um seinen Nacken und zog mich an ihm hoch, damit ich ihm, als Dank dafür, dass er Nessie geholfen hatte, einen Kuss geben konnte.
„Hat sich nie ergeben“, erwiderte ich, immer noch lächelnd, doch sobald ich Edwards ernsten Gesichtsausdruck registrierte, war auch mein Lächeln wie weggewischt.
Jetzt war es also soweit und wir würden über das sprechen, was heute Morgen zwischen uns vorgefallen war.
Ich schluckte und plötzlich war es für mich wieder unangenehm, in seine Augen zu blicken, also versuchte ich über seine Schulter hinwegzuschauen.
„Wieso warst du heute Morgen so schnell weg, als ich dir gesagt habe, dass ich dich-“
„Möchtest du noch einen Kaffee?“, unterbrach ich ihn, wandte mich wieder zur Theke und bereitete die Kaffeemaschine, auch ohne seine Zustimmung, auf eine weitere Tasse vor.
Wenn er diese Worte noch einmal ausgesprochen hätte, würde er es für mich nur noch schwerer machen, ihm eine weitere Abfuhr zu erteilen.
„Ich will keinen Kaffee, ich möchte mit dir reden“, sagte er und erhob dabei leicht seine Stimme, was mich kurz zusammenzucken ließ.
„Tut mir leid“, entschuldigte er sich auch sofort, als er meine Reaktion bemerkt hatte und strich sanft mit seinen Händen meine Arme entlang.
„Es ist nur… ich verstehe es nicht. Ich dachte, wir empfinden dasselbe und als ich dir dann gesagt habe, was ich fühle, hast du dich verkrampft und bist gegangen“, erklärte er mir und suchte meine Augen, was ich nur widerwillig zuließ.
Ich wusste nicht, wie weit er in der Lage war, darin lesen zu können und ich konnte nicht wissen, was ich in seinen Augen erkennen würde.
Zu sagen, was ich in dem Moment fühlte, als er mir gesagt hatte, dass er mich lieben würde, war nicht zu beschreiben.
Einerseits war es noch zu früh, diese Worte von ihm zu hören und ich war noch nicht bereit dazu sie auszusprechen, aber trotzdem dachte ich nicht schlecht über das, was Edward gesagt hatte.
„Edward, hör mir zu“, sprach ich, setzte mich auf die Theke drauf, woraufhin Edward sich sofort zwischen meine Beine stellte, und sah ihm in die Augen.
Tief atmete ich noch einmal durch und versuchte mir die Worte zurecht zu legen.
„Das heute Morgen… ich war einfach nur… geschockt, denke ich. Ich empfinde sehr viel für dich und das weißt du, aber wir sind erst seit Kurzem zusammen und wir haben es noch nicht einmal offiziell gemacht, da habe ich einfach noch nicht damit gerechnet, dass du schon sagst, dass du mich…“ Mir blieben die Worte im Hals stecken.
Ich konnte sie einfach nicht aussprechen. So lange hatte ich dieses eine Wort nicht mehr zu einem Mann gesagt, so lange hatte ich nicht mehr so empfunden, wie ich es für Edward tat, da musste ich einfach sicher sein, dass ich es auch ernst meinen würde.
Meine Gefühle waren einfach so durcheinander, da war es schwierig, die Art der Gefühle voneinander zu unterscheiden.
Ja, ich fühlte mich von Edward angezogen und mein ganzer Körper fing an zu kribbeln, wenn ich ihn sah oder sogar nur an ihn dachte.
Wenn Edward mich berührte war es so, als ob ein Feuerwerk in mir explodieren würde, aber konnte ich da schon von Liebe sprechen?
„Dass ich dich Liebe? Denn das tue ich. Und weißt du auch wieso?“, fragte er mich und sah mich durchdringend an. Das einzige, was ich nur Zustande brachte, war ein leichtes Kopfschütteln und ich wartete darauf, dass er mit seiner Erklärung fort fuhr.
„Weil du die beste Frau bist, die ich jemals getroffen habe. Du bist klug, bodenständig und hast einen fabelhaften Humor. Für deine Familie würdest du alles tun und auch Emily hast du schnell in dein Herz geschlossen, genau wie sie dich. Als ich jemanden brauchte, warst du für mich da, hast mir aus meinem Loch geholfen, obwohl wir uns überhaupt noch nicht kannten. Dein Temperament ist eines der Dinge, in die ich mich zuerst verliebt habe und Bella, ich könnte jetzt noch Stunden so weitermachen, aber Fakt ist, dass ich dich liebe!“
Nicht ein einziges Mal hatte er von mir weggesehen, als er mir seine Gefühle erklärt hatte.
Seine Augen waren so ehrlich, so durchdringend, dass ich mich nur schwer davon lösen konnte, aber ich musste es, damit ich einen klaren Kopf bewahren und über seine Worte nachdenken konnte.
„Danke“, antwortete ich darauf und sah hinab auf seine Finger, welche er auf meine Knie gelegt hatte.
„Aber, ich bin noch nicht soweit“, sagte ich darauf und wagte es, wieder einen Blick in seine Augen zu werfen. Sie sahen so traurig aus, aber ich wollte diese Worte einfach nicht aussprechen, ohne mir sicher zu sein.
Ja, ich vergötterte diesen Mann, aber es gab zu viele Menschen auf dieser Welt, welche die Worte Ich liebe dich einfach aussprachen, ohne dass sie es überhaupt so meinten und ich wollte auf gar keinen Fall zu dieser Sorte Mensch dazugehören.
„Ich will dir diese Worte nicht sagen, nur weil du sie zum ersten Mal laut ausgesprochen hast. Wenn ich sie dir sage, dann will ich zu hundert Prozent sicher sein, dass ich es auch so meine, verstehst du?“
Mit all meiner Macht versuchte ich, ihn genauso durchdringend anzusehen, wie er es getan hatte, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass es funktionierte.
„Du bist dir nicht sicher?“, fragte er mich und in seiner Stimme lag dieselbe Traurigkeit, die auch in seinen Augen ihren Ausdruck fand.
„Nein… Also doch. Ich bin ich dich verliebt, das ist unwiderruflich. Du hast mir den Kopf verdreht, aber… Das ist alles noch so neu für mich. All diese Gefühle, die ich wegen dir habe, sind so schwer voneinander zu unterscheiden und ich hoffe, dass du dich gedulden kannst, bis es soweit sein wird“, erklärte ich ihm, legte meine Hände an seinen Nacken und fing an, ihn dort etwas zu kraulen.
Genießerisch schloss er seine Augen, kam meinem Gesicht näher und hauchte mir einen Kuss auf meine Lippen, ehe er seine Stirn wieder an meine legte.
„Ich kann warten“, flüsterte er und öffnete seine Augen, die jetzt so nah waren, dass mir beinahe schwindelig wurde.
„Für dich, werde ich warten und wenn es sein muss, sogar ewig.“
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