Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Freitag, 26. November 2010

Kapitel 24 - Gedankengänge

Edward POV

Es war elf Uhr abends, als ich in dieser Bar an der Theke saß.
Mit einem Glas meines Lieblings Scotch in der Hand warf ich einen Blick in meinen Terminkalender, der bereits jetzt schon wieder fast voll war.
Ja, irgendwann war auch der schönste Urlaub vorbei und am Ende meiner ersten Arbeitswoche hatte ich mich mit einigen Geschäftspartnern in dieser Bar getroffen.
Es war ein ziemlich beliebter Ort für Geschäftsleute und zugegeben war hier nichts billig, aber mich störte das nicht.
Meine wenigen Wochen Urlaub waren wirklich mit allen möglichen Höhen und Tiefen ausgefüllt gewesen, aber letztendlich bereute ich keinen einzigen Tag davon.
Bella und ich hatten uns dazu entschieden es zu probieren, nur waren die einzigen Personen, die von unserer Beziehung wussten, wir beide.
Wir wollten es nicht an die große Glocke hängen und erst einmal sehen, wie es sich zwischen uns entwickelte, bevor wir es irgendjemandem anvertrauen würden.
Ich lächelte bei der Erinnerung an unser erstes ‚richtiges’ Date.
Es war nicht wirklich unser erstes, aber immerhin waren wir uns diesmal einig, dass es sich wirklich um ein Date gehandelt hatte.

Ich ließ den Abend noch einmal in meinem Kopf Revue passieren und bei der Erinnerung daran, wie der Abend für uns beide geendet hatte spürte ich, wie sich deutlich etwas in meiner Hose regte und ich schnaubte.
Auf eine Errektion konnte ich jetzt in diesem Moment gut verzichten, also schob ich die Gedanken schnell beiseite, auch wenn ich gerne noch ein wenig darüber nachgedacht hätte.
Ich versuchte mich abzulenken und dachte an das Geschäftsgespräch, was sogar zu helfen schien und erleichtert trank ich einen Schluck von meinem Scotch.
Bella hätte mir sicherlich die Hölle heiß gemacht, wenn sie mich hier hätte sitzen sehen, aber es war mein erster Scotch an diesem Abend.
Vorher hatte ich mich nur auf Wasser beschränkt, denn sie hatte schon recht damit, dass ich nicht immer alles versuchen sollte, in Alkohol zu ertränken.

Ich schlug meinen Terminkalender wieder zu und verstaute ihn seufzend in der Innentasche meines Anzuges.
Mir hatte es niemand gesagt, aber ich sollte wirklich ein wenig kürzer treten, was das Arbeiten anging.
Manchmal konnte ich wirklich zu einem regelrechten Workaholic mutieren und ich hatte mir schon so manche Nächte in meinem Büro vertrieben, und war erst früh morgens wieder nach Hause gekommen, doch das wollte ich nicht mehr.
Ich wusste, dass ich meine Arbeit auch so schaffen konnte, aber ich war ein verdammter Perfektionist und wollte alles noch gefühlte tausend Mal überprüfen.
Doch mit der Zeit würde ich schon noch lernen, wie ich ein wenig kürzer treten konnte.

Gedankenverloren starrte ich auf die braune Flüssigkeit und klimperte mit den Eiswürfeln, als ich hinter mir eine bekannte Stimme hörte.
„Edward?“
Es war eindeutig eine tiefe, männliche Stimme.
Stirnrunzelnd drehte ich meinen Kopf zur Seite und starrte direkt in Jacob Blacks fröhliches Grinsen.
Verdammte Scheiße, dieser Typ war einfach immer fröhlich und gut gelaunt!
Ich hatte ihn noch nie anders gesehen, so hatte ich ihn kennen gelernt und das hatte sich bis jetzt auch noch nicht geändert.
Er hätte sich mal mit dieser Alice zusammen tun können, Bellas bester Freundin.
Sie war genauso eine Frohnatur wie er es war, aber wenn man mit den beiden in einem Raum eingeschlossen wurde, dann wäre das sicherlich eine Überdosis an Heiterkeit.

„Jacob…“ Meine Stimme klang ein wenig misstrauisch, aber dennoch lächelte ich.
Das Schlimme war, ich mochte diesen Kerl, auch wenn mir meine Eifersucht manchmal dabei im Weg war, schließlich war er einmal mit Bella verheiratet gewesen und die beiden hatten ein gemeinsames Kind.

Das hatte ich nun davon, dass ich noch etwas länger in dem Laden bleiben wollte.
Es hätte mich auch nicht verwundern müssen, dass ich einmal hier auf Jacob Black treffen würde, denn schließlich war auch er genauso ein Geschäftsmann wie ich und ich respektierte ihn sogar dafür, dass er es nach fast ganz oben geschafft hatte.
Genauso wie ich.
So gesehen waren wir uns doch ähnlicher, als man vielleicht anfangs vermuten würde.
Wie ich es bereits vermutet hatte, erklärte er mir, dass er ebenfalls geschäftsmäßig hier unterwegs war und nachdem ich zugestimmt hatte, ließ er sich seufzend auf einen Barhocker neben mir fallen.
„Man, war das ein anstrengender Tag“, murmelte er vor sich hin und ich brummte eine Antwort, weil ich sonst nicht wusste, was ich darauf hätte erwidern sollen.
Ehrlich gesagt fehlte mir Bella.
Zwischen uns lief es gerade sehr gut und es war alles noch in der Anfangsphase und jetzt hatte ich sie schon seit drei Tagen nicht mehr gesehen.
Ich merkte schnell, dass meine Gedanken sich wie die eines liebeskranken Teenagers anhörten, aber wenn ich mit ihr zusammen war, dann fühlte ich mich auch um einiges jünger.
Jacob bestellte sich ebenfalls einen Scotch und ich zuckte erschrocken zusammen, als sich eine Hand auf meine linke Schulter legte.
Diese gehörte eindeutig nicht zu Jacob, denn ich vermutete nicht, dass er einen knallroten Nagellack trug.

„Hallo Edward…“, säuselte eine mir bekannte Stimme in mein Ohr und ich schnaubte, bevor ich mich zu der Person umdrehte.
Natürlich.
Es war Jessica, eine Frau, mit der ich mal vor einigen Jahren zusammen gewesen war und sie nach der Trennung auch nie wieder gesehen hatte.
Ich musste ja heute wirklich unaussprechliches Glück haben!

An ihrem linken Ringfinger glitzerte ein riesiger Diamantring.
Anscheinend hatte sie es ja geschafft, sich irgendeinen reichen Kerl zu schnappen und ihn auch nicht zu vergraulen.
Aus den Augenwinkeln sah ich, wie Jacob neugierig in unsere Richtung starrte und ich machte mir nicht einmal die Mühe, nett zu Jessica zu sein, denn wenn sie etwas von einem wollte, hatte es immer einen Hintergedanken.
„Was willst du, Jessica?“
„Nana.. Begrüßt man denn so eine alte Freundin?“ Ihre Hand lag noch immer auf meiner Schulter und sie drückte sie leicht, was zur Folge hatte, dass ich nach ihrer Hand griff und diese mit einer vorsichtigen Bewegung von meiner Schulter entfernte.
Leise schnaubend glitten meine Finger durch meine Haare.
Jacob neben mir zuckte zusammen, als sein Handy klingelte.

Anscheinend fühlte er sich beim lauschen ertappt und ich sah, wie er das Handy aus seiner Innentasche hervorzog und das Gespräch annahm.
„Ich habe gehört, dass du wieder Single bist…“, schnurrte Jessica weiter und ich zog meine Augenbraue hoch, während ich sie ansah.
Was zum Teufel?
Hatten einige Frauen in dieser Stadt einen Club gegründet und warteten nur wie die Geier darauf, dass ich wieder Freiwild wurde?
Aber dem war nicht so, auch wenn ich das jetzt hier neben Jacob nicht so offen zugeben konnte.
„Wie ich sehe, bist du verheiratet“, entgegnete ich schlicht und ich verschluckte mich fast an meinem Drink, als Jacob neben mir ein ‚Hi Bella’ in den Hörer sprach.
Wieso rief sie eigentlich ihn an und nicht mich?
Ich wusste wie kindisch dieser Gedanke war, aber ich fragte mich das trotzdem.

„Ach na ja…“, hörte ich Jessicas nervtötende Stimme wieder.
Ich hatte sie schon beinahe vergessen und sah sie wieder an, während ich das Glas in meiner Hand langsam hin und her schwenkte.
„Die Ehe ist so ein weitläufiger Begriff, findest du nicht auch?“ Ihre Fingernägel strichen an meinem Oberarm entlang und ich versuchte mich wirklich zu beherrschen, sie nicht gleich anzubrüllen.
„Jessica, das kannst du gleich wieder vergessen. Es gibt da schon jemanden in meinen Leben“, sagte ich zu ihr und die Bewegung an meinem Arm stoppte.
Jessica fing sofort an darauf los zu plappern, aber ich hörte ihr gar nicht zu und versuchte lieber dem Gespräch von Jacob zu lauschen.
„Ich bin noch in der Bar.. Ich komme aber nachher nach Hause. Du brauchst nicht extra auf mich zu warten.“
Okay, dafür wollte ich ihm am liebsten eine reinhauen.
War ich denn der Einzige dem auffiel, dass die beiden sich immer noch wie ein verdammtes Ehepaar anhörten?
„Ich habe Edward getroffen“, plapperte er munter weiter und ich seufzte leise, während ich immer noch versuchte Jessica, an der anderen Seite meines Ohres, zu ignorieren.
Außerdem wohnte der Kerl neben mir, immer noch in Bellas Wohnung und das machte mich schon fast rasend!
„Wir sitzen hier und trinken Scotch…“
Gut, er hatte sich gerade den zweiten Schlag verdient.
„Nein, er unterhält sich gerade mit… einer alten Freundin oder so.“
Und das war der dritte Schlag…

Wäre das hier vor einiger Zeit passiert, dann hätte ich ihn wirklich geschlagen. Aber jetzt biss ich einfach nur die Zähne zusammen und schaffte es doch noch irgendwie Jessica abzuwimmeln, die mir trotz allem noch ihre Nummer zuschob und mir zweideutig zuzwinkerte.
Leise schnaubend zerknüllte ich den Zettel und ließ ihn auf der Bar liegen.
Es reichte schon, dass Carol-Ann mich immer noch nervte, indem sie sogar ein paar Mal versucht hatte Emily anzurufen.
Einmal hatte sie es sogar geschafft und bei der Erinnerung daran musste ich lächeln.
Ich wusste zwar nicht, woher meine Tochter dieses gesamte Repertoire an Schimpfwörtern her hatte, aber ich war schließlich auch einmal 16 gewesen und da hatte ich mich nicht anders verhalten.
Außerdem sagte mir Bella immer wieder, dass ich auch so schon genug für uns zwei fluchte.

„Eine Ex-Freundin?“, hörte ich Jacob neben mir fragen und sah, dass er das Handy wieder in seine Tasche steckte.
Ich hatte gar nicht bemerkt, dass er das Gespräch schon wieder beendet hatte.
„Ja..“, erwiderte ich und verdrehte die Augen.
Jacob lachte leise und griff wieder nach seinem Glas Scotch.
„Oh ja, also damit kenne ich mich aus. Ich hätte da noch so einige Ex-Frauen im Angebot…“, murmelte er scherzhaft und auch ich konnte ein Lächeln nicht mehr unterdrücken.
Das war noch so eine Sache, die wir gemeinsam hatten.
Zwar war ich nie verheiratet gewesen, aber was die Anzahl der Frauen anging, waren wir uns doch ziemlich ähnlich.
„Ja… Und eine hat dich gerade angerufen“, murmelte ich leise und richtete meinen Blick auf.
Ich starrte auf das Regal hinter dem Barkeeper und musterte die Flaschen in den verschiedensten bunten Farben.
„Oh.. Ja genau. Sie wollte nur wissen, ob sie mir noch etwas zu Essen machen soll“, erklärte er mir schulterzuckend und meine Augen verengten sich ein winziges bisschen.
Ich wollte derjenige sein, den Bella fragte, ob sie ihm noch etwas zu essen machen sollte…

„Ach.. Du wohnst noch immer bei ihr?“, fragte ich ihn und versuchte möglichst nicht wütend zu klingen.
„Ja, aber ich habe eine neue Wohnung gefunden und kann am Donnerstag dort einziehen.“ Jacob nickte und grinste – schon wieder!
„Ah…“, war meine einfache Antwort, obwohl ich innerlich schon fast Luftsprünge machte.
Ja, wenn ich ehrlich war, dann war ich schon ein besitzergreifendes Arschloch, aber ich versuchte mich bei ihr zurück zu halten, auch wenn das nicht gerade einfach war, wenn ihr Ex-Mann gerade bei ihr wohnte.

„Ich hab gehört, deine Tochter ist wieder bei dir eingezogen.“
Verwundert sah ich zu Jacob herüber und zog eine Augenbraue hoch.
„Oh.. Vanessa hat es mir erzählt.“
„Die beiden sind echte Klatschtanten“, murmelte ich und schüttelte grinsend meinen Kopf.
„Das kannst du laut sagen und sie werden viel zu schnell erwachsen.“ Jake seufzte und starrte in sein Glas, während ich einmal tief einatmete.
„Ja.. Viel zu schnell erwachsen ist genau der richtige Ausdruck…“
Wir beide schwiegen einen Moment und ich dachte über meine Tochter nach.
Sie war jetzt 16 Jahre alt und würde schon bald ihren 17. Geburtstag feiern.
Ehrlich gesagt ging mir das alles wirklich viel zu schnell und ich erinnerte mich gerne an die Zeit zurück, in der sie noch ein Kind gewesen war, doch die Zeiten waren jetzt schon lange vorbei…

„Sag mal, Cullen… Was läuft da eigentlich zwischen dir und Bella?“, fragte Jake mich schließlich, nach unserer gemeinsamen Schweigerunde und ich hielt in der Bewegung, das Glas an meine Lippen zu führen, inne.
„Wir sind nur Freunde“, antwortete ich beinahe schon viel zu früh und Jake zog eine Augenbraue hoch.
„Nur Freunde also? Ich meine… nach dem einen Vorfall zwischen euch beiden, war sie ziemlich aufgelöst und fertig…“
Ich wusste es, denn ich hatte den Schmerz, den ich ihr zugefügt hatte in ihren Augen gesehen und ich hasste mich noch jetzt dafür, dass ich ihr so wehgetan hatte.
„Ich merke doch, dass Bella verliebt ist… Nun ja, in der letzten Zeit haben wir nicht so häufig wie sonst miteinander gesprochen, denn nachdem wir das eine mal Sex hatten, war das alles ein wenig verkrampft und…“
Ich verschluckte mich an meinem Drink und hustete laut, das Glas fiel mir zu selben Zeit aus den Händen und der Inhalt breitete sich auf der Theke aus.

„Alles okay?“, fragte Jake neben mir und klopfte mir auf die Schulter, während ich lauthals fluchte, nachdem mein Hustkrampf sich endlich gelegt hatte.
Die beiden hatten miteinander geschlafen?
Wann zum Teufel?
Und wieso wusste ich nichts davon?
Verdammt noch mal, ich war so kurz davor wirklich auszurasten und dann würde ich diesen Laden wohl nie wieder betreten können.
Dabei mochte ich es doch eigentlich hier…
DU hast mit ihr geschlafen?“, fragte ich ihn ungläubig, während ich ihn mit meinen Blicken erdolchte.
„Ähm ja… Oh.. Scheiße.. Du wusstest gar nichts davon oder?“
„Sehe ich etwa so aus?“, fauchte ich gereizt und Jake runzelte die Stirn.
„Keine Sorge. Das war nur eine einmalige Sache und das war an dem Abend, als sie so aufgelöst war. Aber hey, deine Reaktion zeigt mir nur, dass ich recht habe.“ Er grinste und ich verfluchte ihn innerlich.
Was hatte dieser Typ nur an sich, dass man verdammt noch mal nicht sauer auf ihn sein konnte?
Eigentlich hatte ich ja noch nicht einmal das Recht wütend zu sein, denn immerhin waren Bella und ich da noch nicht einmal zusammen gewesen, aber trotzdem störte mich dieser Gedanke.
Ich brummte und fluchte leise vor mich hin.

Noch immer konnte ich den Gedanken nicht ertragen, dass Jacob immer ein Teil von Bellas Leben sein würde.
Er würde immer der Vater ihrer Tochter sein und auch ihr bester Freund.
Es ging einfach nicht anders, ich konnte meine ständig wachsende Eifersucht einfach nicht kontrollieren und bevor ich noch vollkommen durchdrehen würde entschied ich, dass es Zeit war, diesen Abend hier zu beenden.
Außerdem hatte Bella versprochen, dass sie später noch einmal bei mir vorbeischauen würde, wenn sie es denn nicht vergaß, denn immerhin wollte sie ja auch noch ein Essen für Jake zubereiten.

Ich kramte in der Jackentasche nach meiner Geldbörse und zog einen Einhundert Dollar Schein heraus, den ich auf die Theke warf.
Aus den Augenwinkeln sah ich deutlich Jacobs verwunderten Gesichtsausdruck und auch der Barkeeper glotzte den Geldschein so an, als wäre er eine Rarität.
„Stimmt so“, murmelte ich, da der Kerl hinter der Bar mir schon wieder das Wechselgeld in die Hand drücken wollte, aber ich winkte ab und erhob mich von meinem Platz.
„Du haust schon ab?“ Jake warf mir einen leicht verwunderten Blick zu, als er sich anscheinend von der Situation mit dem Geldschein erholt hatte.
„Ja, es war ein langer Tag. Bis dann Jacob und grüß Isabella von mir.“ Ich klopfte ihm kurz auf die Schulter, bevor ich mich von ihm abwandte und den Laden verließ.

Während ich über das eben erlebte nachdachte bestellte ich mir ein Taxi und wartete ungeduldig in der Dunkelheit.
Die gesamte Zeit über, in der ich auf das Taxi wartete und auch während ich nach Hause fuhr, dachte ich über Bella und mich nach.
Ich dachte bis jetzt immer, dass ich sie schon gut kannte, dass ich alles von ihr wusste, aber da waren noch so viele Dinge, die sie mir nicht gesagt hatte und das machte mich traurig und vor allem nachdenklich.
Ich hatte ihr mein Herz ausgeschüttet, hatte ihr alles gesagt, sogar die Sache mit Tanya und die Lüge, die ich bei Emily benutzt hatte.
Doch jetzt kam es mir so vor, als gäbe es da noch tausend Dinge, die ich nicht über Bella wusste.
Natürlich gehörten einige dieser Dinge zu ihrer Vergangenheit, aber wollte sie denn etwa nicht, dass ich sie kannte?
Wollte sie mir gegenüber in manchen Dingen so verschlossen sein oder traute sie sich einfach nicht mit mir zu reden?

Seufzend schloss ich die Tür zu meinem riesigen Haus auf und knipste das Licht im Flur an.
Es war niemand zu Hause, da Emily an diesem Abend bei Nessie übernachtete, aber ich hatte nichts dagegen.
Sie war noch jung und sollte diese recht unbeschwerte Zeit genießen, denn sowohl Bella als auch ich konnten es damals nicht.
Wir mussten schon früh erwachsen werden und es schien beinahe so, als würden wir diese verlorene Zeit zumindest jetzt ein wenig nachholen.
Zusammen mit Bella tat ich das wirklich gerne, daran bestand kein Zweifel, aber jetzt fühlte ich mich doch ein wenig niedergeschlagen, weil mich dieses Gefühl, dass sie mir noch einige Dinge verheimlichte, einfach nicht mehr los ließ.
Vielleicht war ich auch einfach nur paranoid und befürchtete, dass es irgendwann soweit kommen könnte wie damals mit Tanya.
Dass Bella einfach von dem einen auf den anderen Moment verschwinden könnte, weil sie die Nase voll von mir hatte oder weil ich ihr mit meinen ständigen Launen einfach nur viel zu anstrengend war.
Für mich war es noch immer unbegreiflich, dass sich so eine wundervolle, liebenswerte und tolle Frau für mich entschieden hatte, denn in den letzten Jahren war ich alles andere als ein toller Kerl gewesen.
Ja, ich hatte mich geändert, aber ab und an kamen immer noch einige alte Charakterzüge hervor und ich wusste ganz genau, dass Bella diese Art von mir nicht mochte.
Ich mochte es ja selber nicht, aber so leicht ließ sich das nun einmal nicht abstellen.

Mein Weg führte mich direkt in mein Arbeitszimmer und ich lief zu dem kleinen Schrank herüber, aus dem ich mir ein Glas und eine Flasche Scotch nahm.
Einen Schluck musste ich mir jetzt einfach genehmigen, nachdem was ich da gerade erfahren hatte.
Ich schüttete ein wenig der braunen Flüssigkeit in mein Glas und stellte den Scotch wieder zurück in den Schrank, bevor ich mich laut seufzend an meinen Schreibtisch setzte.
Außerdem schwirrte mir noch immer der Gedanke durch den Kopf, dass ich Emily bald schon die Wahrheit sagen müsste.
Irgendwann musste ich doch einmal diesen Schritt wagen, aber ich war einfach viel zu feige um das zu tun.
Zwischen uns lief es gerade so gut und ich wollte nicht alles sofort wieder zerstören und am Ende noch wohlmöglich riskieren, dass sie mich für immer verlassen würde.
Ich erinnerte mich noch zu gut an die Worte meiner Tochter, dass sie endgültig abhauen würde, wenn ich noch einmal solch einen Unsinn fabrizierte und diese Lüge zog sich schon durch ihr ganzes Leben.

Mein Blick fiel auf den Anrufbeantworter, auf meinem Schreibtisch, an dem das kleine rote Lämpchen brannte.
Während ich einen weiteren Schluck von dem Scotch trank, drückte ich auf den Knopf und lauschte der Ansage, bis die Nachricht endlich zu hören war.

„Edward, ich lasse mich nicht länger von dir abwimmeln! Was fällt dir eigentlich ein, mir meine Tochter vorzuenthalten?! Aber das ist ja klar, du warst doch schon immer so ein egoistisches Arschloch, aber ich lasse das nicht mehr mit mir machen! Ich WILL meine Tochter sehen und das werde ich auch, also hör gefälligst auf mich zu ignorieren!“

Ungläubig starrte ich meinen Anrufbeantworter an.
Vom einen auf den anderen Moment wurde ich so wütend, dass ich beinahe versucht war, das Glas einfach gegen die Wand zu pfeffern, aber ich zwang mich dazu, mich zumindest jetzt zu kontrollieren und nicht sofort auszuflippen.  
Angestrengt kniff ich meine Augen zusammen und versuchte ruhig zu bleiben, doch ich konnte es einfach nicht.
Was zum Teufel fiel dieser Frau denn eigentlich ein?
Wie konnte sie es überhaupt wagen, hier bei uns Zuhause anzurufen?
Es hätte ja auch gut möglich sein können, dass Emily da gewesen wäre und das Gespräch angenommen hätte.
War es das, was sie wollte?
Plötzlich tauchte diese Frau wieder in meinem Leben auf und wollte von einem auf den anderen Moment alles zerstören.
Ich glaubte nicht daran, dass sie Emily unbedingt wieder sehen wollte.
Es konnte ja schlecht möglich sein, dass ihr nach fast 17 Jahren plötzlich einfiel, dass sie ja eine Tochter hatte, die sie unbeschreiblich liebte.
Tanya hatte Emily noch nie geliebt, sie wollte meine Tochter ja noch nicht einmal haben!

Meine Hände zitterten beinahe unkontrolliert, als ich nach dem Telefon griff und ihre Nummer eintippte.
Sie hatte mich so oft angerufen, hatte es so oft probiert, dass ich ihre Nummer in der Zwischenzeit sogar schon auswendig kannte.
Für meinen Geschmack dauerte es viel zu lange, bis sich am anderen Ende ihre Stimme meldete.

„Was zum Teufel fällt dir eigentlich ein? Ich habe dir verdammt noch mal gesagt, du sollst mich nicht mehr anrufen!“, blaffte ich beinahe vollkommen außer mir in den Hörer.
Ich war ja schon fast blind vor Wut und mein ganzer Körper zitterte.
Nicht mehr lange und ich würde sicherlich explodieren!
„Edward… Wie ich sehe, hast du meine Nachricht gehört. Ziemlich spät für einen Anruf, findest du nicht auch?“ Ihre gespielt liebliche Stimme trieb mich nur noch mehr in den Wahnsinn und ich fluchte laut.
Es war mir verdammt noch mal egal, ob sie es hörte oder nicht, sie konnte ruhig wissen, wie wütend ich auf sie war!
„Es ist mir verdammt noch mal scheiß egal wie spät es ist! Ich habe dir gesagt du sollst uns in RUHE LASSEN!“ Mit jedem weiteren Wort wurde ich immer lauter, so schnell brachte mich diese Frau zur Weißglut.
„Jetzt hör auf mich anzubrüllen! Ich bin Emilys Mutter und das weißt du nur zu gut, schließlich warst du damals das Arschloch, dass mich geschwängert hat, also halt einfach deine Klappe und lass mich ausreden!“
Wenn ich nicht so wütend gewesen wäre, dann wäre mir sicher der Mund aufgeklappt über diese Frechheit, die sie an den Tag legte, aber jetzt war das vollkommen ausgeschlossen.
So langsam war ich es auch leid, ihr ständig auszuweichen und zu versuchen, ihre ganzen Anrufe zu ignorieren.

„Was willst du von mir, Tanya? Sag es mir einfach und lass uns in Ruhe…“, sagte ich und war sogar selbst verwundert, wie ruhig meine Stimme im Gegensatz zu vorher klang.
„Oh, na klar, ich weiß schon wen du mit ‚uns’ meinst. Du redest dabei nicht nur von Emily. Natürlich willst du mit deiner Bella zusammen sein und da passe ich natürlich nicht hinein. Ich hätte noch nicht einmal gedacht, dass du mit so einer ‚Frau’ etwas anfängst. Sie ist doch nicht einmal dein Typ!“
„Noch ein Wort über sie und du wirst mich erst richtig kennen lernen, Tanya! Wage es nicht, schlecht über Bella zu reden!“, presste ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und man konnte wahrscheinlich von Glück reden, dass ich das Telefon mit meiner Hand nicht zerquetschte.
„Denkst du etwa, ich habe Angst vor dir? Nein, da denkst du eindeutig falsch, mein Lieber. Was soll das überhaupt? Für dich ist sie doch nur die reinste Ablenkung, denn wie ich gehört habe, hattest du in den letzten Jahren nach mir nicht eine vernünftige Beziehung. Du bist von der einen Frau zur nächsten ins Bett gesprungen und jetzt auf einmal sollst du deine große Liebe gefunden haben? Wem willst du das erzählen? Du bist nur froh, dass du jemanden gefunden hast, indem du dich von mir ablenken kannst. Du bist doch nie über mich hinweg gekommen, Edward! Und dein Geschmack war ja auch schon einmal deutlich besser, wenn man sie sich so ansieht…“, murmelte sie leise und ich wollte gerade meinen Mund öffnen, als mir etwas an ihren Worten auffiel.
„Oh mein Gott…“ Ich rieb mit meiner Hand über mein Gesicht und schnaubte.
Ich hatte mir das letztens auf dem Jahrmarkt nicht nur eingebildet.
„Du warst letztens auf dem Jahrmarkt…“, fügte ich hinzu und für eine ganze Weile wurde es still am Telefon.
Dem Anschein nach war sie ja sogar in der Stadt und es war sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis sie auch hier bei mir auftauchen würde.

„Ja, ich war dort…“ Ihre Stimme klang plötzlich verändert, sie wirkte eine Spur traurig und augenblicklich erinnerte ich mich an damals, wie es einmal zwischen uns gewesen war.
Tanya war schon immer ein wenig selbstsüchtig gewesen, aber damals gab es auch einige Momente, in denen sie durchaus liebenswürdig gewesen war und ich runzelte verwirrt die Stirn.
Wieso zum Teufel dachte ich denn jetzt schon wieder an das, was längst in der Vergangenheit lag?
Ich war jetzt glücklich und das mit Bella und keiner anderen Frau!
Tanya gehörte der Vergangenheit an, doch wie sollte ich das realisieren, wenn sie sich jetzt ständig in mein Leben schlich?

„Unsere Tochter ist wunderschön…“, sagte sie leise und ich schwieg.
Wie sehr hatte ich mir immer gewünscht, dass sie schon damals so von Emily gedacht hätte, aber das war nun einmal nicht der Fall gewesen.
Vielleicht war Tanya ja doch erwachsen geworden und durchaus in der Lage ein Kind zu erziehen.
Schließlich wusste ich ja, dass sie vor einiger Zeit wieder ein Kind bekommen hatte.
Emily wusste ja nicht einmal, dass sie einen kleinen Halbbruder besaß!
„Ja… Das ist sie. Nur hätte ich mir von dir gewünscht, dass du damals schon so über sie gedacht hättest…“, sprach ich meine Gedanken laut aus und starrte auf das leere Glas, welches auf meinem Schreibtisch stand.
„Hör zu Edward... Ich weiß, ich habe Fehler gemacht und ich bin nicht perfekt, aber ich habe mich geändert! Ich würde wirklich gerne meine Tochter kennen lernen, was ist denn daran so unglaubwürdig?“
„Was daran so unglaubwürdig ist? Du wolltest sie nicht. Nicht, als sie noch nicht geboren war und auch dann nicht, als sie geboren wurde und das will einfach nicht in meinen Kopf hinein, wie eine Mutter ihr Kind nicht lieben kann. Was erwartest du denn von Emily? Sie kennt dich nicht und sie hat auch seitdem sie ein kleines Kind war nie wieder nach dir gefragt“, sagte ich mit ernsten Worten und hörte Tanya am anderen Ende leise seufzen, als würde ihr das alles wirklich leid tun, doch man konnte diese Zeit, in der sie ihre Tochter im Stich gelassen hatte nicht einfach ausradieren.
„Es tut mir wirklich-“, wollte sie sagen, doch ich unterbrach sie sofort.
„Bei MIR musst du dich nicht entschuldigen und selbst wenn du dich bei ihr entschuldigen würdest… Ich denke wirklich nicht, dass sie dir das irgendwie verzeihen könnte. Du hast 16 Jahre lang nichts von dir hören lassen, Tanya.“
„Ja, das mag vielleicht sein, aber ich möchte mich auch bei dir entschuldigen, Edward…“, flüsterte sie und ich runzelte erneut verwirrt die Stirn.
Erst drohte sie mir auf meinem Anrufbeantworter und jetzt das?
Ich wurde einfach nicht schlau aus dieser Frau…

„Wieso?“, fragte ich einfach nur, wusste nicht, was ich sonst noch dazu sagen sollte.
„Wieso? Weil ich dich damals verletzt habe und wie ich mich gerade benommen habe, war auch nicht gerade nett… Ich wollte dich nicht verletzen.. Ich.. Ich wusste einfach nur keinen Ausweg“, versuchte sie mir zu erklären und ich konnte nicht anders als leise zu lachen.
„Und da dachtest du, dass abhauen der richtige Weg wäre? Mich mit Emily einfach alleine zu lassen, das war eine gute Entscheidung? So denkst du doch darüber, oder?“
Ich ließ sie nicht zu Wort kommen, sondern redete einfach weiter.
„Tanya, lass es einfach. Entschuldige dich nicht bei mir und auch nicht bei Emily. Ich weiß ja nicht einmal, ob sie dir überhaupt zuhören würde. Lebe du dein Leben und lass uns unseres leben.“
„Aber-“
„Nein! Ich bin es leid, dass du immer wieder versuchst, dich in mein Leben zu schleichen. Lass uns einfach in Ruhe, ich bitte dich. Ich kann das nicht mehr…“
„Du… du liebst mich immer noch, oder? Tief in deinem Herzen tust du das doch noch, oder? Ist es nicht so Edward? Wäre es anders, dann würdest du doch gar nicht mit mir reden, oder?“

Normalerweise hätte mir die Antwort auf diese Frage sofort über die Lippen gehen müssen, aber es ging einfach nicht.
Mir schwirrten zu viele Gedanken durch den Kopf und in einem kurzen Moment dachte ich wirklich daran wie es hätte sein können, wenn sie nicht einfach so abgehauen wäre.
„Du solltest uns nicht mehr anrufen, Tanya“, sagte ich, nachdem ich diesen Gedanken so schnell wie möglich beiseite geschoben hatte.
„Das war keine Antwort auf meine Frage, Edward…“ Ihre Stimme klang eine Spur traurig, wenn nicht sogar etwas hoffnungsvoll.
Ich zuckte zusammen, als ich den Schlüssel hörte, der in die Haustür gesteckt wurde.
Das musste eindeutig Bella sein, denn ich hatte ihr vor ein paar Tagen noch einen Schlüssel in die Hand gedrückt, damit sie immer vorbei kommen konnte, egal wie spät es war und einerseits war ich in diesem Moment froh, dass sie den Schlüssel auch benutzte.
„Hör auf damit, Tanya. Lass uns einfach in Ruhe…“, sagte ich mit leiser Stimme in den Hörer und legte dann einfach auf.
Innerlich hoffte ich, dass sie nicht noch einmal versuchen würde mich anzurufen, zumindest nicht an diesem Abend, denn dann gäbe es sicherlich einige Dinge, die ich erklären müsste.
Ich löschte die Nachricht auf dem Anrufbeantworter und fuhr mir durch meine Haare.
Dieses Gespräch hatte mich vollkommen durcheinander gebracht und ich hörte Bellas sanfte Stimme, die fragend und möglichst leise nach mir rief.

„Ich bin im Arbeitszimmer…“, antwortete ich ihr und erhob mich von meinem Schreibtischstuhl.
Ich versuchte mich ein wenig zu beruhigen, doch so schnell klappte das bei mir meistens nie.
Als Bella in meinem Sichtfeld erschien, zwang ich mir ein Lächeln auf und als sie dieses strahlend erwiderte, vergaß ich sogar wirklich für einen Moment meine Sorgen.

Ich streckte meine Hand nach ihrer aus und zog sie in eine feste Umarmung.
Sie schien ein wenig erschrocken über meine stürmische Begrüßung zu sein, aber letztendlich schien sie sich zu freuen.
Ich drückte sie wieder ein kleines Stückchen von mir weg und meine Hände legten sich an ihre Wangen, bevor ich mich zur ihr beugte und meine Lippen auf ihre legte.
Vorher hatte ich mich so gefühlt, als würde ich ertrinken, doch erst jetzt fühlte ich mich wieder vollkommen.
Sie hatte mir gefehlt, dass merkte ich eindeutig und außerdem wollte ich die Dinge, die an diesem bescheuerten Tag passiert waren, vergessen.
Jetzt wollte ich einfach nur die gemeinsame Zeit mit ihr genießen.
Ihre Hände schlangen sich um meinen Nacken und sie ließ es zu, dass ich sie an die Wand drückte.
Meine Hände wanderten von ihren Wangen an ihrem Körper entlang, ich wollte jeden einzelnen Zentimeter ihres Körpers berühren, doch es dauerte nicht lange bis ich spürte, wie sich ihre Hand an meine Brust legte und sie mich sanft, aber bestimmt von sich wegdrückte.

„Edward… was ist los?“
Ich schloss für einen kurzen Moment meine Augen und legte meine Stirn an ihre.
Natürlich war ihr aufgefallen, dass ich vollkommen durcheinander und aufgekratzt war.
So war Bella nun einmal. Ihr entging einfach keine meiner Stimmungen.
„Heute sind einige Dinge passiert, aber ich will nicht darüber reden…“, sagte ich leise und öffnete meine Augen.
Augenblicklich fiel mir auf, wie Bella ihren Blick von mir abwandte und in die Richtung meines Schreibtisches sah und dann wieder zu mir.
„Du hast wieder getrunken… Was ist los? Du hast vorhin Jake getroffen…“, sagte sie und sah mich mit einem forschenden Blick an.
Natürlich wusste sie von dem Treffen, denn schließlich hatte Jake es ihr ja am Telefon erzählt und ich seufzte leise.
„Ja… Aber das ist nicht das Einzige, was mich so fertig macht“, gab ich leise seufzend zu und Bellas Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig.
Augenblicklich sah sie unheimlich besorgt aus und strich mit ihrer Hand an meiner Wange entlang.
„Was ist passiert? Erzähl es mir…“ Es war eine unausgesprochene Bitte und ich zögerte einen Moment, bevor ich schließlich zu erzählen begann.
Ich wollte ihr einfach nichts mehr verheimlichen, ich hatte genug davon, Leuten irgendwelche Dinge zu verschweigen.
„Ich habe darüber nachgedacht, ob du mir vielleicht einige Dinge verschweigst und ich habe Angst, dass ich dich eigentlich gar nicht richtig kenne…“, gestand ich und Bella warf mir einen verwirrten Blick zu.
„Aber ich verschweige dir nichts, Edward… Wie kommst du darauf?“, fragte sie und lächelte dann liebevoll.
Sie war so eine wundervolle Frau und augenblicklich trat mir mein schlechtes Gewissen in den Hintern.
Wie hatte ich vorhin bei dem Gespräch mit Tanya auch nur einmal daran denken können, wie es gewesen wäre, wenn Tanya nicht gegangen wäre?
„Naja… Jake.. also er hat mir da etwas erzählt, was zwischen euch vorgefallen ist“, erklärte ich ihr und Bellas Blick veränderte sich sofort.
„Oh… das…“ Sie wusste eindeutig nicht, was sie sagen sollte, aber jetzt, wo ich vor ihr stand und sie in meinen Armen hielt wusste ich ja, dass sie zu mir gehörte.
„Das ist nur einmal passiert.. Ich meine.. es war sicherlich nicht geplant… Ich war nur so verletzt und brauchte Jemanden, der für mich da war…“, erklärte sie mir und augenblicklich ergriff mich ein Anflug von Traurigkeit.
Ich war so ein verdammter Idiot gewesen und ich war nicht derjenige gewesen, der sich um sie gekümmert hatte.
Nein, ich war derjenige gewesen, der sie unheimlich verletzt hatte und da hätte es mich doch wirklich nicht wundern sollen, oder?

„Es.. es ist schon okay... Vorhin war ich wirklich ziemlich wütend, als ich es erfahren habe, aber ich bin ja selbst schuld… Ich habe dich schlecht behandelt und einerseits war es ja gut, dass sich Jacob um dich gekümmert hat… Mir gefällt zwar nicht, wie er es getan hat, aber jetzt können wir ja auch nichts mehr daran ändern… Nur ist es für mich noch immer schwierig, damit klar zu kommen, dass er immer ein Teil deines Lebens sein wird…“, gab ich seufzend zu und Bella gab mir einen kurzen und sanften Kuss.
„Ja.. Jake wird immer ein Teil meines Lebens sein, aber du bist der Mann, für den ich mich entschieden habe..“, sagte sie mit einem Lächeln auf den Lippen und ich tat es ihr gleich.
„Und dafür bin ich wirklich unheimlich dankbar…“, sagte ich leise und musterte aufmerksam ihre schönen Gesichtszüge.

„Aber.. das ist noch etwas, was dich bedrückt, oder? Was ist noch passiert?“
Sie schlang ihre Hände um meinen Bauch und lehnte ihren Kopf an meine Brust.
Bei ihr fühlte ich mich sicher und geborgen, sie gehörte einfach zu mir und ich wollte nicht, dass sich das jemals änderte, also sagte ich ihr die Wahrheit.
„Tanya hat wieder angerufen… Nun ja, eher gesagt hat sie auf meinen AB gesprochen und dann war ich so wütend, dass ich sie gleich zurückgerufen habe“, erklärte ich ihr mit ruhiger Stimme und sah, wie Bella ihren Kopf hob und mich wütend ansah.
Ich wusste, dass sie nicht wütend auf mich war, sondern auf Tanya.
Vor allem Bella konnte es nicht verstehen, wie eine Mutter so einfach ihr Kind im Stich lassen konnte.
„Sie lässt einfach nicht locker, oder?“ In Bellas Stimme schwang eine Spur Wut mit, die ich ihr wirklich nicht verübeln konnte.
„Nein… Aber ich denke, nach diesem Gespräch wird sie uns wohl in Ruhe lassen…“, murmelte ich und legte mein Kinn auf Bellas Kopf ab, während ich sanft über ihren Rücken strich.
Ich glaubte irgendwie nicht einmal selbst an meine Worte, doch für diesen Augenblick musste es reichen.
Ich wollte unseren gemeinsamen Abend nicht zerstören und ihr die anderen Dinge erzählen, die Tanya alle gesagt hatte und außerdem wollte ich Bella nicht verletzen.
Jetzt aber wollte ich einfach nur unseren gemeinsamen Abend genießen, auch wenn ich wusste, dass ich ihr das ganze Gespräch schon bald mitteilen musste…

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen