Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Freitag, 22. Oktober 2010

Kapitel 19 - Schmetterlingsflügel



Bella POV


Ein paar Tage waren vergangen, seitdem Edward und ich Sex im Lagerraum von Alice’ Buchladen gehabt hatten. Ich konnte es immer noch nicht glauben, dass wir ausgerechnet an meinem Arbeitsplatz Sex hatten.
Früher, auf der High School, war es üblich gewesen, dass Jacob und ich an ungewöhnlichen Orten miteinander geschlafen hatten, aber nun war ich in den Dreißigern und eine erwachsene Frau.
Wie konnte ich es nur soweit kommen lassen?
Ich war einfach über ihn hergefallen und schließlich war Edward auch nur ein Mann, wie hätte er dann ‚Nein’ sagen sollen?

Seitdem ging ich ihm so gut es ging aus dem Weg.
Edward hatte schon ein paar Mal versucht mich anzurufen, doch immer wenn ich sah, dass er es war, nahm ich nicht ab.
Auch seine Textnachrichten ließ ich unbeantwortet.
Einmal kam er sogar wieder in den Laden, doch zum Glück hatte ich ihn schon gesehen,  sodass ich mich noch rechtzeitig hinter dem Tresen verstecken konnte.
Ich wusste, dass ich mich kindisch benahm, aber ich war einfach noch nicht bereit dazu ihn zu sehen.
Zu viel schwirrte mir durch den Kopf und meine Gefühle waren das reinste Durcheinander. Ich brauchte Klarheit, bevor ich mich ihm wieder gegenüber stellen konnte.
Zum Glück war Alice zu diesem Zeitpunkt mit mir hinter dem Tresen.
Sie musterte mich zwar skeptisch, aber ich deutete ihr an, dass sie so tun sollte, als ob ich nicht da wäre und ich ihr später noch alles erzählen würde.
Alice wusste, dass ich sonst nicht so war, aber dieser Mann brachte mich so sehr um den Verstand, dass ich einfach nicht nachdachte, bevor ich etwas tat und mich nun hinter dem Tresen an meinem Arbeitsplatz versteckte.
Und als ich dann hörte, wie Edward den Laden betrat und Alice nach mir befragte, fing mein Herz erneut an zu flattern.
Nach diesem einen Abend hatte ich seine Stimme nicht mehr zu hören bekommen.

Einen Nachteil hatte es, dass ich mich feige hinter dem Tresen versteckt hatte: mein Auto stand noch draußen, wodurch Edward die Gewissheit haben sollte, dass ich auf der Arbeit war.
Aber Alice wäre nicht Alice, wenn sie ihm nicht glaubhaft irgendeine Ausrede aufgetischt hätte.
Ich dachte zwar nicht, dass Edward es ihr abkaufen würde, aber er nahm es hin.
Zu meinem Glück, konnte ich Alice, nachdem Edward wieder verschwunden war, nichts von diesem besonderen Abenden erzählen, da eine Welle von Kunden, bis zu unserem Feierabend, ständig hineingeschneit kam.


Und nun saß ich hier in meinem Wohnzimmer, zusammen mit meiner Tochter und ihrer besten Freundin. Die Tochter des Mannes, mit dem ich vor einigen Tagen unglaublichen Sex gehabt hatte.
Der Mann, in den ich mich verliebt hatte und zu dem ich jetzt den nötigen Abstand suchte, damit ich mich nicht noch mehr verlor.

Nachdem ich uns etwas Leckeres zu Abend gekocht hatte und die Küche nun auch wieder sauber war, baten mich Emily und Vanessa noch darum ihnen Gesellschaft zu leisten und mir noch einen Film mit ihnen anzusehen, bevor Emily nach Hause gehen würde.
An dem Ort, wo auch der Mann lebte, mit dem ich geschlafen hatte.
Ich wusste, dass Emily wieder zu ihrem Vater gezogen war.
Doch Edward war nicht derjenige gewesen, der mir davon berichtet hatte.
Wie denn auch, wenn ich seine Anrufe ignorierte und ihm aus dem Weg ging?
Es war Nessie gewesen, die mir diese Botschaft mitgeteilt hatte und am liebsten hätte ich Edward sofort angerufen und ihm gesagt, wie sehr ich mich darüber freute.
So sehr hatte er sich gewünscht, dass Emily wieder zu ihm zog und sich sein Verhältnis zu ihr besserte.
Ich war stolz auf ihn. Stolz darauf, dass er sich so sehr verändert hatte, dass es auch seiner Tochter aufgefallen war.
Dies war der erste Schritt in die richtige Richtung und ich konnte mir vorstellen, wie glücklich er über dieses Ereignis in seinem Leben war.
Schade war nur, dass ich diesen Moment nicht mit ihm teilen konnte. Ich wollte es, aber wenn ich ihn jetzt sehen oder mit ihm sprechen würde, könnte ich es nicht aushalten.
Er würde mich jetzt nicht mehr brauchen… Emily war wieder zu Hause und er war auf dem besten Weg den bösen Edward hinter sich zu lassen.
Der Gedanke, dass ich für ihn überflüssig wurde, schmerzte.
Meine Gefühle waren noch immer ein Chaos und ich konnte ihm einfach nicht gegenübertreten, solange ich, was meine Emotionen betraf, noch ein Wrack war.
Ihn so nah bei mir zu haben, ihn in mir zu haben, war einfach überwältigend gewesen.


„Der Hintern von diesem Kerl ist nicht zu verachten“, hörte ich Emily sagen, welche mich aus meinen Gedanken riss.
Überrascht sah ich zu ihr hinüber und folgte ihrem Blick auf den Fernseher.
Nicht ein einziges Mal hatte ich mich auf diesen Film konzentriert und war einfach nur meinen Gedanken nachgegangen, welche nur noch um Edward Cullen kreisten.
Der, wie ich vermutete, Hauptdarsteller des Filmes, hatte sich gerade von seinem Bett erhoben, nur mit hautengen Boxershorts bekleidet.
Wenn ich da an Edwards Boxershorts dachte… Stopp!
Ich konnte hier doch nicht mit zwei Teenagern herumsitzen und daran denken, wie sexy Emilys Vater in seinen Boxershorts ausgesehen hatte.
Wie perfekt sich der Stoff an seinen Hintern geschmiegt hatte und seine Erregung deutlich hervorhob… Aufhören!

„Der ist doch viel zu alt für dich“, sagte ich gespielt mahnend in Emilys Richtung.
Immerhin konnte ich mich noch davon abhalten zu sagen, dass der Hintern ihres Vaters viel besser aussah.
Himmel, das wäre wirklich nicht angebracht gewesen, wenn mir das herausgerutscht wäre.
Aber es war die Wahrheit. Der Hintern dieses Mannes sah nicht annähernd so gut aus, wie Edwards.
Schon allein in seinen Stoffhosen sah er zum anbeißen aus, aber als ich ihn auch noch berührt hatte, seine Erregung so näher an mich gedrückt hatte… Schluss damit!


„Er ist doch bestimmt gerade mal 25. Höchstens 27“, erwiderte Emily und sah zu ihrer besten Freundin, welche bestätigend nickte.
„Also zu alt für euch“, gab ich wieder von mir, lächelte die zwei Mädels an und sah wieder zum Fernseher in der Hoffnung, dass ich wenigstens noch den Rest des Filmes mitbekam.
„Und zu jung für dich“, hörte ich Nessie sagen und sah sie gespielt empört, aus schmalen Augen an.
„Willst du mir etwa damit sagen, dass ich alt bin?“
Nessie tat unschuldig, aber in ihren Augen konnte ich den Schalk erkennen.
Edward hätte für mich genau das passende Alter
Wieso zur Hölle musste ich alles Mögliche immer mit Edward in Verbindung bringen?


Ich erschrak, als ich das Klingeln an der Türe vernahm.
Wer konnte es um diese Zeit nur sein?
Etwas zu Essen hatten wir uns nicht bestellt, schließlich hatte ich uns vor dem Film noch etwas gekocht.
Ich fand es immer schön, wenn meine Tochter und ihre beste Freundin freiwillig etwas Zeit mit mir unternehmen wollten.
Sie wussten, dass sie sich in meiner Gegenwart nicht sehr zurückhalten mussten und ihren Gedanken freien Lauf lassen konnten.
Durch sie konnte ich einen Teil meiner ‚verlorenen’ Teenagerzeit wieder nachholen.

„Oh, das ist bestimmt mein Dad“, hörte ich Emily rufen und beobachtete, wie sie von der Couch aufstand und hinüber zur Wohnungstür lief, damit sie auf den Schalter drücken konnte um ihm so die Tür unten zu öffnen.
Für Emily war unsere kleine Wohnung mittlerweile ein zweites Zuhause geworden und ich hatte auch nichts dagegen einzuwenden, wenn sie sich so benahm, als wäre es wirklich ihr zu Hause.
Ganz im Gegenteil, ich war sogar froh, dass sie sich hier bei uns so wohl fühlte.

Aber was wollte Edward hier? Und wieso wusste Emily, dass es ihr Dad war?
Panik stieg in mir hoch, denn das war eine Situation, mit der ich nicht gerechnet hatte.
Ich konnte mich kaum in meinen eigenen vier Wänden vor ihm verstecken und selbst wenn ich es tun würde wüsste ich nicht, wie ich es Nessie und Emily erklären sollte.

„Dein Dad?“, fragte ich sie und hoffte, dass der Schock in meiner Tonlage nicht zu sehr zu hören war.
Ich war noch nicht bereit dafür, ihn zu sehen. Nicht jetzt und vor allem nicht in der Gegenwart unserer Töchter.
Es wäre das erste Mal, dass ich ihm direkt ins Gesicht blicken würde, nach diesem unglaublich erotischen Ereignis im Lagerraum.
Wie sollte ich es nur schaffen?
„Ja, mein Wagen ist in der Werkstatt und seinen Zweitwagen wollte er mir nicht geben, also hat er gesagt, dass er mich abholen kommt“, antwortete Emily auf meine Frage und musterte mich komisch.
Wusste sie etwas?
Benahm ich mich zu auffällig?
Ganz ruhig, Bella! Du schaffst das!
Ein paar Mal atmete ich tief ein und aus in der Hoffnung, mich so etwas beruhigen zu können.
Doch als ich das Klopfen an der Wohnungstür vernahm, versteifte sich mein Körper abrupt.
Es musste doch irgendeinen Weg geben ihm jetzt nicht gegenüber zu treten.
Aber verdammt noch mal, mir fiel nichts ein!       

„Hey Dad!“, konnte ich wieder Emilys Stimme vernehmen, nachdem ich das Öffnen der Wohnungstür vernommen hatte.
„Hey mein Schatz“, ertönte der Klang seiner Stimme im nächsten Moment, was mich nur noch mehr dazu brachte, mich zu versteifen.
Oh nein, ich konnte es jetzt noch nicht.
Schon im Buchladen, als ich dem kurzen Gespräch zwischen ihm und Alice gelauscht hatte, war es für mich kaum noch auszuhalten.
Wenn ich ihm jetzt auch noch nach Gegenübertreten würde…. Nein, das ging nicht!

„Ich muss mal auf die Toilette“, informierte ich meine Tochter und hoffte, dass es nicht zu offensichtlich war, dass ich mich in Wahrheit nur vor Edward verstecken wollte.
Natürlich waren mir Nessies misstrauische Blicke nicht entgangen, aber sie würde nichts sagen, da war ich mir sicher.
Sobald ich die Toilettentür erreicht und hinter mir abgeschlossen hatte, ging ich hinüber zum Waschbecken, damit ich mir kaltes Wasser ins Gesicht spritzen konnte.
Du musst dich beruhigen!
Mein Verhalten war wirklich mehr als nur kindisch und peinlich, aber im Moment sah ich einfach keinen anderen Ausweg.

Die kühlen Tropfen, mit denen ich versuchte meine viel zu warme Haut abzukühlen, halfen nicht viel, aber wenigstens etwas.
Angestrengt versuchte ich den Stimmen außerhalb dieses Raumes zu lauschen, doch nur gedämpft drangen sie an meine Ohren.
Ich konnte sie sprechen hören, verstand aber kein Wort von dem, was gesagt wurde.
Meine Hoffnung lag darin, dass Edward und Emily bald gehen würden.
Es war nicht so, dass ich sie rausschmeißen wollte, aber es würde viel zu auffällig werden, wenn ich noch länger im Bad bleiben würde.

„Bye Bella! Und danke für das leckere Essen“, hörte ich Emily rufen und konnte im nächsten Moment hören, wie eine Tür ins Schloss fiel, ganz offensichtlich war es die Eingangstür.
Erleichtert atmete ich aus, bevor ich nach der Türklinke griff und mich wieder auf dem Weg ins Wohnzimmer machte.
Innerlich machte ich mich schon auf einen argwöhnischen Blick von Nessie gefasst, doch als ich das Zimmer betrat, stockte mir der Atem.
Dort, an der gegenüberliegenden Wand, stand Edward in all seiner Schönheit.
Ich konnte mich nicht bewegen, konnte nicht atmen, nicht denken.
Das Einzige, was ich konnte, war ihn mir anzusehen.

Diese bronzenen Haare, die wild von seinem Kopf abstanden.
Wie sie sich angefühlt hatten, als ich meine Finger darin vergrub, während er sich in mir bewegte…
Seine grünen Augen, wie sie mich musterten.
Wie er mich ansah, während wir Sex gehabt hatten...
Hände, die in seinen Hosentaschen vergraben waren.
Die meinen Körper liebkosten und überall, wo er mich berührte, Elektrizität in mein Innerstes befördert hatte…
Lippen, die zu einem leichten, schiefen Lächeln verzogen waren.
Lippen, die überall auf meinem Körper zu spüren waren und einen warmen Schauer durch ihn jagte...

Was machte er hier? War er nicht gerade eben mit seiner Tochter gegangen? Und wo war Nessie? Waren wir hier gerade etwa alleine?
„Bella“, hörte ich seine wunderschöne Stimme sagen und sah, wie er sich von der Wand abgestützt hatte.
Wie er meinen Namen gestöhnt hatte, kurz vor seinem Orgasmus...
Egal was er tat, immer wieder blitzten Bilder von dieser Nacht, unserer Nacht, in meinem Kopf auf.
Mir wurde heiß bei der Erinnerung, wie sich seine nackte Haut an meiner angefühlt hatte, wie er sich in mir gefühlt hatte, sich bewegt hatte…
Wie er mich dazu gebracht hatte, alles um mich herum zu vergessen und nur er es war, dem meine ganze Aufmerksamkeit gegolten hatte...  

„Ich habe versucht dich anzurufen“, gab er von sich und ich beobachtete ihn dabei, wie er langsam auf mich zukam.
Mein Blick blieb an ihm haften und ließ nicht einen einzigen Moment von ihm ab.
Wie ich mich nach jedem Stoß fester an ihn gekrallt hatte…
„Ich weiß“, war das Einzige, was ich von mir geben konnte, während ich ihn weiterhin ansah.
Schritt für Schritt kam er mir immer näher, doch ich besaß nicht genügend Kraft um ihm auszuweichen.
Wie sein Stöhnen in mein Ohr drang…
„Wieso bist du gegangen? Wieso ignorierst du mich?“, fragte er und sein Blick hatte etwas Trauriges.
War es mein Verschulden, dass er so traurig war? Konnte es sein, dass ihm der Sex genauso viel bedeutet hatte, wie mir?
Die elektrische Spannung in mir, als seine Zunge meine Nippel umkreiste…

„Ich…“, fing ich an, wusste aber nicht, was ich darauf erwidern sollte.
Mit seinem Besuch hatte ich nicht gerechnet, also hatte ich mir auch keine Worte zurechtgelegt, die ich ihm bei unserem nächsten, unvermeidbaren Zusammentreffen entgegengebracht hätte.
Edward kam immer näher und noch immer war ich von seiner Erscheinung geblendet und schaffte es einfach nicht den Blick von ihm abzuwenden. Auch dann nicht, als er mich erreicht hatte und mir nun so nahe stand, dass ich mir sicher war, dass er mein Herz schlagen hören konnte.
Das Gefühl seiner nackten Haut an meiner…
Seine Augen brannten sich in meine, hielten mich gefangen und gaben mir das Gefühl, als ob Edward genau das damit erreichen wollte.
Er war schon so nah, dass ich seinen süßlichen Atem auf meinem Gesicht spüren konnte.
Wie sein Stöhnen in meine Ohren drang und sein Atem die feuchte Haut meines Halses streichelte…
Immer wieder schoben sich die verschiedensten Bilder in meinen Kopf.
Bilder von dem Abend, als ich Sex mit diesem Gott vor mir gehabt hatte.
„Edward…“, versuchte ich erneut etwas zu sagen, verstummte jedoch, als ich aus dem Augenwinkel seine Hand erkennen konnte, welche sich meinem Gesicht vorsichtig näherte.
Mein Atmen blieb stehen und ich versuchte mich so wenig wie möglich zu bewegen.
Dieser Mann hatte etwas an sich, was mich voll und ganz einnahm.
Er war der Einzige, der es schaffte, dass ich alles um mich herum vergaß, wenn er in meiner Nähe war.
Er war es, der mein Herz in tausend kleine Teile zerspringen lassen könnte, wenn ich ihn hinein lassen würde.
Doch durch ihn fühlte ich mich wieder lebendig.
Die Schmetterlinge in meinem Bauch waren zu neuem Leben erwacht.
Es war mittlerweile über elf Jahre her, als ich sie zuletzt dort gespürt hatte und mir ein angenehmes Kribbeln verschafften.
Was mich wunderte war, dass diese Schmetterlinge stärker waren, als ich sie jemals zuvor gespürt hatte.

Als seine Fingerspitzen meine Wange berührten war es, als ob sich all die Schmetterlinge in meinem Bauch auf meinem ganzen Körper verteilten und intensiver wurden.
Mein Braun war noch immer in seinem Grün gefangen und als er seinen Kopf auch noch zu mir herunterbeugte hätte ich schwören können, dass in meinem Inneren ein Feuer entzündet wurde.
Es war nicht dieselbe Art von Feuer, welches sich im Lagerraum bei mir entfacht hatte.
Nein, dieses Feuer war nicht gefangen von der Leidenschaft, es war intim und zärtlich.
Der Atem, den ich zuvor noch angehalten hatte, kam nun nur noch abgehackt.
Sein Gesicht kam immer näher und ich konnte nichts dagegen tun. Ich wollte es erst gar nicht versuchen.
Die andere Hand legte er an meiner Hüfte ab, drückte mich so näher an sich, was mir nur mehr als recht war.
Dieser Augenblick war so intim, so gefühlvoll, dass ich ihn um nichts in der Welt unterbrechen wollte.
„Bella“, hörte ich ihn noch leise flüstern, bevor seine Lippen meine hauchzart berührten.
So leicht, wie die Flügel der Schmetterlinge in meinem Bauch.

Als ob wir uns an den Anderen verbrannt hätten, fuhren wir auseinander, als wir hörten, wie ein Schlüssel in das Schlüsselloch meiner Wohnungstür hineingesteckt wurde.
Mit vor Schreck geweiteten Augen sah ich hinüber zu Edward.
Was war gerade nur wieder passiert?
Wie schaffte er es nur immer wieder, dass sich mein Verstand abschaltete?
Natürlich hatte es sich schön angefühlt… sehr schön sogar, aber ich durfte es nicht zulassen.
Wieso war er mir nur gerade so nah gewesen?
Was bezweckte er damit?

„Bin daaaa, wer nooooch?“, hörte ich Jake rufen, nachdem er die Tür wieder ins Schloss fallen ließ und hörte die immer lauter werdenden Schritte, während er sich dem Wohnzimmer näherte.
Was wäre geschehen, wenn Jake plötzlich nicht aufgetaucht wäre?
Hätte ich wirklich alles um mich herum vergessen und es womöglich noch im Wohnzimmer mit ihm getrieben?

Ich konnte den Blick nicht definieren, den Edward mir zuwarf und obwohl ich wirklich gern gewusst hätte, was in ihm vorging, zwang ich mich dazu wegzusehen.
Mein Blick ging herüber zur Wohnzimmertür, in der Jacob auch schon im nächsten Moment zu sehen war.
Sollte ich ihn dafür schlagen oder doch lieber umarmen, dass er hier aufgetaucht war, als Edward und ich uns näher kamen?

„Oh, wir haben Besuch“, hörte ich Jacob sagen und konnte genau sehen, wie er zwischen Edward und mir hin und her sah.
Sein Blick war aufmerksam, schien unser Verhalten zu studieren und ich wusste, dass es nicht mehr lange brauchen würde um zu verstehen, was zwischen Edward und mir vorging.
Jacob war alles andere als dumm und außerdem kannte er mich gut. Besser als jeder andere.
„Oh…!“, rief er etwas lauter aus, als ihm wohl ein Licht aufgegangen war.
„Versteh schon.“

„Jacob!“, mahnte ich ihn, bevor er noch dazu kam einen seiner Sprüche auszulassen.
Die Situation war schon komisch genug, da waren seine idiotischen Kommentare in allen Lebenslagen nicht unbedingt das, was ich von ihm hören wollte.
Abwehrend hob er die Hände nach oben, grinste vor sich hin und richtete seine Aufmerksamkeit an Edward, damit er ihn begrüßen konnte.

„Wo ist denn Nessie?“, fragte Jake, nachdem er es sich auf der Couch bequem gemacht hatte, während Edward und ich immer noch an derselben Stelle standen, seitdem Jake hier eingetroffen war.
Ich hatte mich nicht mehr getraut Edward anzusehen, nachdem was vor wenigen Minuten beinahe passiert wäre.
Zu gern hätte ich ihn angesehen, seine Reaktionen auf Jacobs Auftauchen eingeschätzt, aber ich traute mir selbst nicht über dem Weg.
Wenn ich ihn ansah und er meinen Blick erwidern würde, dann würde ich mich nur wieder in seinen grünen Augen verlieren.
Sie waren so intensiv und so ausdrucksstark, dass man in diesem Meer aus Grün nur versinken konnte.

„Sie macht mit Emily eine kleine Spritztour mit meinem Aston Martin und müsste gleich wieder hier sein“, hörte ich Edward leicht säuerlich sagen und bei dem Klang seiner Stimme reagierte mein Körper sofort.
Die einzelnen, kleinen Härchen meiner Arme richteten sich auf und auf meinem ganzen Körper bildete sich eine Gänsehaut.
Hatte mich seine Anwesenheit so sehr verwirrt, dass ich nicht einmal auf den Gedanken kam ihn zu fragen, wo Emily und Nessie abgeblieben waren?
Und wieso ließ er seine Tochter mit meiner in so einem schnellen Wagen fahren? Allein und um diese Uhrzeit! Was, wenn ihnen etwas passieren sollte? Wieso hatte mir Nessie nicht Bescheid gesagt, dass sie kurz wegfahren würde?
Natürlich, sie war alt genug und musste mich nicht mehr bei jeder Kleinigkeit um Erlaubnis bitten, aber trotzdem hätte ich gern gewusst, dass sie in solch einem Wagen mitfuhr.
Dieser Mann würde bald dafür verantwortlich sein, dass sich mein Gehirn verflüssigte und nur noch eine klebrige Masse übrig blieb.

Nur wenige Augenblicke später hörte ich das Schloss der Wohnungstür knacken und wusste, dass es sich dabei nur um Nessie handeln konnte.
Ehrleichterung überkam mich als ich feststellte, dass es ihr gut ging und dass ich nicht mehr länger schweigend mit Edward und Jacob in diesem Raum sein musste.

„Ähm… Mr. Cullen?“, richtete sich meine Tochter an Edward, sobald sie zu uns gestoßen war.
„Emily wartet unten auf Sie.“
Nessie sprach gerade mal so laut, dass man sie verstehen konnte.
Ihre Haltung war steif und in ihrer Stimme lag eine Spur Angst und Respekt.
Ich konnte nicht verstehen, warum Vanessa Angst vor Edward hatte.
Vielleicht hatte der erste Eindruck bei ihr wirklich sehr große Spuren hinterlassen und um ehrlich zu sein konnte ich es ihr noch nicht einmal verübeln.
Sie war es nun mal nicht gewohnt, dass in ihrer Gegenwart so geschrieen wurde und ich konnte mir vorstellen, dass sie seinen Zorn ungern auf sich lenken wollte.
Dabei brauchte sie keine Angst vor ihm zu haben.
Edward war jetzt anders.
Er hatte gelernt sein Temperament zu zügeln, doch manchmal erkannte ich, dass er sich noch zusammenreißen musste.
Aber allein schon das bewies seinen guten Willen, sich zu ändern.

Meine Tochter stand direkt neben dem Türrahmen, starrte leicht verängstigt in die Richtung, an der Edward stehen müsste und bewegte sich keinen einzigen Zentimeter, bis Edward wohl irgendetwas getan hatte, was sie erleichtert ausatmen ließ.
Vielleicht war es ein Nicken, vielleicht aber auch ein beruhigendes Lächeln… ich wusste es nicht und traute mich noch immer nicht in seine Richtung zu sehen.
Besonders nicht jetzt, wo sowohl Jake, als auch Nessie anwesend waren.
„Dann werde ich mal verschwinden“, hörte ich Edward wieder sagen und konnte aus dem Augenwinkel erkennen, wie er auf mich zukam.
Panik ergriff mich, aber ich versuchte sie mir nicht anmerken zu lassen.
Würde ich vor ihm zurückweichen, damit ich mich selbst vor ihm schütze konnte, dann würde dass sowohl für Nessie, als auch für Jake, eine Menge Fragen aufwerfen.
Also musste ich versuchen mich zu kontrollieren, wenn er mir näher kam.
Wenn ich durch den Mund atmen würde, könnte ich wenigstens seinem unwiderstehlichen Duft standhalten.
Es war nicht viel, aber wenigstens etwas, was mich daran hinderte ihn vor Publikum zu mir herunterzuziehen, nur damit ich diese Lippen wieder auf meinen spüren konnte.

Innerlich bereitete ich mich auf seinen atemberaubenden Anblick vor, bevor er vor mir stand und ich den Kopf anhob.
Das Erste, was ich sah, waren seine Augen… so klar, so schön und vor allem – so grün.
In meinem ganzen Leben hatte ich noch nie irgendjemanden mit solchen grünen Augen gesehen.
Weder im realen Leben, noch im Fernsehen hatte ich jemals jemanden zur Kenntnis genommen, dessen Augen so grün waren, wie die von Edward.

Reiß dich zusammen, rief ich mir innerlich zu und versuchte so gut es ging seinem Blick standzuhalten.
Es war sogar noch schwerer, als ich es befürchtet hatte, aber es funktionierte.
Mein Arm brannte, als er seine Hand auf den Stoff meines Pullovers legte und sich zu mir hinunterbeugte.
Als seine Lippen mit meiner Wange in Berührung kamen, schloss ich für einen kurzen Augenblick meine Augen, wollte dieses Gefühl einfach nur genießen und in mich aufnehmen.
„Bis morgen“, sagte er, sobald seine Lippen sich viel zu schnell von mir gelöst hatten und wandte sich von mir ab.
Morgen? Was war morgen? Hatte ich etwas verpasst?
„Morgen?“, fragte ich deshalb noch einmal in die Runde, meine Stimme war jedoch etwas höher, als sie es eigentlich sein sollte.
Auf Edwards Lippen konnte ich den Ansatz eines Lächelns erkennen.
Er sah so schön aus, wenn er lächelte…

„Der Elternabend an Nessies Schule“, vernahm ich Jakes Stimme, als ob sie ganz weit weg wäre, aber trotzdem schaffte sie es mich aus meinen Schwärmereien zu zerren.
Elternabend?!
Das hatte ich ja schon ganz vergessen!
Wieder einmal ein Beweis dafür, dass Edward Cullen meine Sinne vernebelte und mich dazu brachte, alles um mich herum zu vergessen.
„Natürlich“, gab ich von mir und hoffte, dass keiner den leicht geschockten Ton im meiner Stimme bemerkt hatte.
Schock, weil ich sonst immer an diese Veranstaltungen dachte und weil es Edward Cullen war, der mich dazu brachte diese Erinnerung aus meinem Gedächtnis zu löschen.


Der nächste Tag kam viel zu schnell.
Nachdem Edward mit Emily nach Hause gefahren war, bekam ich sowohl von meiner Tochter, als auch von meinem besten Freund einen kritischen Blick zugeworfen, welche ich jedoch nicht weiter beachtete.
Ich wusste ja, dass mein Verhalten merkwürdig war und überhaupt nicht dem ähnelte, wie ich mich sonst immer verhielt, aber was sollte ich machen? Wie sollte ich ihnen das erklären? Zu lügen käme für mich nicht in Frage, genauso wenig wie die Wahrheit, weswegen ich also lieber schwieg.

Bis zu Nessies Schule, an der in einem der vielen Räume der Elternabend stattfinden würde, würde es nicht mehr lange dauern.
Ständig biss ich mir auf meiner Unterlippe herum und meine Finger trommelten auf meinem Oberschenkel herum, während ich mit diesem auf und ab zappelte.
Man konnte durchaus sagen, dass ich nervös war und die ganzen Schmetterlinge in meiner Bauchgegend machten es für mich nicht gerade leichter.

„Baust du seit neuestem Kaffeebohnen an oder warum bist du so hibbelig?“, fragte Jake und man konnte deutlich den neckischen Unterton in seiner Stimme vernehmen.
Böse wandte ich meinen Blick vom Seitenfenster ab, nur damit ich ihn aus schmalen Augen ansehen konnte.
Seine Augen waren stets auf die Straße gerichtet, schließlich war er ja auch derjenige, der fuhr, dennoch konnte er es sich nicht nehmen mir, wenn der Verkehr es zuließ, belustigte Blicke zuzuwerfen.
Am liebsten hätte ich ihn für diesen Spruch geschlagen, aber ich wollte nicht unser beider Leben und das der anderen Autofahrer gefährden, nur weil er mich nicht in Ruhe lassen konnte.
„Halte deine Klappe und konzentriere dich lieber aufs Fahren“, pfefferte ich ihm entgegen und versuchte im Gegenzug endlich mal still zu sitzen, doch innerlich waren es immer noch die Schmetterlinge, die wie wild und in vorfreudiger Erwartung in meinem Bauch herumflogen.

Das Erste, was ich sah, als wir den Parkplatz der High School erreichten, waren bronzefarbene Haare.
Der Besitzer dieser Haare lehnte gemütlich an seinem schwarzen Audi und schien auf irgendetwas zu warten. Auf uns? Auf mich?
In meinem Bauch fing es noch stärker an zu Kribbeln und ich konnte schon beinahe all die Schmetterlingsflügel hören, wie sie wild gegeneinander schlugen.
Edwards Gesicht hellte sich auf, als seine grünen Augen auf meine Gestalt trafen.
Genau in diesem Moment stieg eine Wärme in mir auf und die Schmetterlinge in meinem Inneren flogen nur noch schneller und wilder.
Die Art, wie er mich ansah, wie er mich anlächelte, brachte all meine Gefühlswelt durcheinander.

„Hey“, hörte ich diese melodische Stimme in dem Moment, als ich die Tür zu Jacobs Wagen zuschlug.
Mein Herzschlag fing an sich zu beschleunigen, meine Atmung wurde immer stockender.
Dies waren die typischen Reaktionen, wenn ich Edward Cullen sah, hörte oder sogar an ihn dachte.
Sogar sein Duft schaffte es diese Reaktionen bei mir hervorzulocken.

Die Begrüßung war relativ kurz ausgefallen.
Nachdem Edward mir, wie er es sich in den letzten Wochen angewöhnt hatte, einen Kuss auf die Wange gab, wodurch sich die hübschen, fliegenden, kleinen Tiere in meiner Bauchgegend wieder meldeten, nickte er Jacob einfach nur höflich zu.
Es fühlte sich anders an, wenn Edward mir einen Kuss auf die Wange gab.
Bevor wir miteinander geschlafen hatten, ich ihn in mir spüren konnte, waren diese unschuldigen Küsse zwar intensiv genug, dass sich mein Herz erwärmte, doch nun, nachdem ich wusste, wie es sich anfühlte, wenn er mir so nah war, wenn er in mir war, bekam das Wort intensiv eine neue Bedeutung für mich.
Wenn ich jemals geglaubt hatte zu wissen, was wahre Leidenschaft bedeutet, so wurde ich nun eines besseren belehrt.

Damals, bei der Kunstausstellung, waren mir die anzüglichen Blicke der anderen Mütter, egal ob verheiratet oder geschieden, durchaus aufgefallen.
Es war nicht zu übersehen, wie attraktiv sie Edward Cullen fanden und um ehrlich zu sein konnte ich es ihnen noch nicht einmal verübeln.
Doch nun, in diesem Raum, fielen mir diese Blicke noch mehr auf.
Die Art, wie sie ihn ansahen, als ob er etwas zu Essen wäre, störte mich.
Was mich nicht störte war die Tatsache, dass sie Jacob genauso ansahen, jedoch waren diese Blicke weniger lüstern als die, die Edward zugeworfen wurden.

Es war komisch direkt zwischen den einzigen beiden Männern zu sitzen, mit denen ich jemals geschlafen hatte.
Zu beiden war mein Verhältnis momentan etwas verkrampft.
Bei Jake und mir war es ein Akt der Verzweiflung gewesen. Die plötzliche Einsamkeit, die uns beide ergriffen hatte, hatte uns übermannt und so kam eins zum anderen.
Unser Verhältnis war noch immer nicht das Beste und noch lange nicht so, wie es davor gewesen war, aber ich wusste, dass wir es mit der Zeit schaffen würden.
Wir hatten schon eine Scheidung überlebt, da würden wir dies auch überleben.

Bei Edward war es alles andere als pure Verzweiflung gewesen.
Es war ein Akt der puren Leidenschaft.
Immer wenn ich in seiner Nähe war, fing mein Körper an anders zu arbeiten.
Die Fähigkeit des Denkens fiel bei mir aus und besonders an diesem einen Abend hatte die Leidenschaft über meinem Verstand gesiegt, woraufhin sich meine kleinen Mitbewohner in meiner Bauchgegend mächtig zu freuen schienen.
Edwards Art mich zu berühren war einzigartig.
Noch nie hatte ich mich so begehrt gefühlt, wie bei ihm, aber ich wusste, dass es nur eine reine Wunschvorstellung sein musste.
Wie konnte er jemanden wie mich begehren, wenn er vorher doch anscheinend Gefallen an einer Barbietruppe gefunden hatte?

Ein Stupsen an meiner Rechten brachte mich wieder zurück in die Gegenwart.
Erschrocken darüber so plötzlich aus meinen Gedanken gerissen worden zu sein und darüber, dass der Elternabend schon längst begonnen hatte, wandte ich mich an denjenigen, der mich angestupst hatte.
Sofort wurde ich wieder meinen Gedanken zum Fraß vorgeworfen.
Grüne Augen trafen auf meine und ein sanftes Lächeln schmiegte sich an Edwards Lippen.
Lippen, welche sich perfekt an meine schmiegten...
Ich war eindeutig verloren…

Nur am Rande nahm ich wahr, wie er mir einen Zettel in die Hand drückte, während ich ihn weiterhin wie eine Bekloppte anstarrte.
Meine Hand, welche mit seiner, wenn auch nur kurz, in Berührung kam, ging sofort in Flammen auf, welche sich über meinen ganzen Körper verteilten.
„Lies es“, flüsterte er mir leise zu und ließ wieder von mir ab.
Ob er wirklich daran interessiert war, was diese verblödeten Lehrer dieser Privatschule zu sagen hatten, oder ob es nur Schein war, konnte ich nicht sagen.
Erst, als ich ihn noch einmal genau betrachtete erkannte ich, wie er aus den Augenwinkeln zu mir hinüber sah.
Immerhin war ich nicht die Einzige, die den Erzählungen der Lehrer und den Kommentaren und Fragen der anderen Eltern nicht folgte.

Das Papier in meinen Händen wurde fest von mir umschlossen und ich atmete noch einmal tief durch, ehe ich meine Hände unter den Tisch gleiten ließ.
Zuerst tat ich noch so, als ob ich den Erzählungen von Mr. Gregory, Nessies Geschichtslehrer, interessiert folgen würde, nickte sogar einige Male, damit ich den Schein auch wirklich wahren konnte.
Währenddessen faltete ich unter dem Tisch Edwards Zettel langsam aus, doch meine leicht zitternden Hände machten es mir nicht gerade leicht.
Ich wusste nicht, was mich erwarten würde, wenn ich die Worte, welche Edward auf diesem Blatt  geschrieben hatte, lesen würde.
Es war wie ein Rückblick in meine alte High School Zeit, wie ich versuchte aufmerksam dem Geschehen im Raum zu folgen, während ich eigentlich gar kein Interesse daran hatte, was diese versnobten Lehrer und die anderen Eltern zu sagen hatten.

Mir nervös auf die Lippe beißend blickte ich nach unten und las, was Edward in einer wunderschönen, geschwungenen Schrift zu Papier gebracht hatte.


Können wir nachher reden?
Bitte?


Er wollte reden? Warum? Wieso wollte er darüber reden? Was wollte er sagen? Wieso jetzt? Und warum hier?
Tausende von Fragen rumorten in meinem Kopf, aber auf eine Antwort war nicht zu hoffen.
War ich bereit darüber zu reden? Über das, was zwischen uns vorgefallen war?
Oder wollte er über etwas anderes mit mir reden?
Schließlich hatten wir uns vorher gut verstanden, auch wenn ich diese Spannung zwischen uns bei jedem Treffen zu spüren bekommen hatte.
Aber wieso sollte ich nicht mit ihm darüber reden?
Ich wollte schließlich auch nicht, dass irgendetwas zwischen uns stand, dafür genoss ich seine Gegenwart immer viel zu sehr.
Auch wenn ich es später irgendwann vielleicht einmal bereuen würde, so hätte ich doch wenigstens noch etwas Zeit mit ihm verbringen können, oder?

Bevor ich nach meiner Tasche greifen konnte um mir einen Stift rauszusuchen, wurde mir schon von meiner Linken einer hingehalten.
Überrascht schwankte mein Kopf in diese Richtung und konnte einen grinsenden Jake vor mir erkennen, welcher mir auch noch frech zuzwinkerte und mir den Stift schon fast in meine Rippen bohrte.
Aus schmalen Augen sah ich ihn an, während ich ihm den Stift aus der Hand riss und ein „Idiot“ hinterher murmelte.
Das Einzige, was er darauf antwortete, war sein Gekicher, aber ich versuchte es nicht länger zu beachten und konzentrierte mich stattdessen wieder auf die Worte, die Edward mir auf den Zettel in meinen Händen hinterlassen hatte.


Okay…

Eine Weile überlegte ich noch, ob ich noch etwas schreiben könnte, aber ich wusste nicht was. Natürlich war mir klar, dass ich ihm das auch durch ein Kopfnicken hätte signalisieren können, aber in Edwards Nähe vergaß ich des Öfteren mal solch simple Sachen.  
Meinen Blick weiterhin auf das Kopfende des Tisches gerichtet legte ich den Zettel auf Edwards Schoß ab, ohne diesen zu berühren, bevor ich meine Hand wieder auf meinen legte.
Nur aus dem Augenwinkel konnte ich sehen, wie Edward nach dem Zettel griff und wie sich ein kleines Lächeln auf seinen Lippen bildete.


Es schien mir wie eine verdammte Ewigkeit, als das letzte Wort gefallen war und wir uns erheben konnten.
Einerseits konnte ich dieses Gespräch mit Edward kaum noch erwarten und andererseits wollte ich diesen Moment so lange es ging hinauszögern.
Schließlich hatte ich ihn nicht umsonst in den letzten paar Tagen ignoriert.
Ich hatte Zeit für mich gebraucht.
Schon oft wollte ich mir die passenden Worte zurechtlegen, denn mir war klar, dass ein Gespräch unausweichlich für mich war.
Aber gab es für diese Situation überhaupt die passenden Worte? Wenn ja, dann musste ich sie noch finden.

„Wie es aussieht wirst du deinen Dildo nicht mehr brauchen“, hörte ich Jakes Stimme auf den Weg nach draußen gerade einmal so laut fragen, dass ich ihn hören konnte.
Wie zur Hölle…?!
Abrupt blieb ich stehen und drehte mich fassungslos zu Jacob.
Was?“, fragte ich noch einmal um sicher zu gehen, dass ich mich nicht gerade verhört hatte.
Leider hatte ich es nicht.
„Na der Dildo in deinem Nachtschränkchen. Hab ihn letztens gefunden, als ich nach Batterien gesucht habe“, teilte er mir mit diesem typischen Jacob Grinsen mit und am liebsten hätte ich ihm genau dieses dämliche Grinsen in diesem Moment aus dem Gesicht geschlagen.
Es war der Moment, als ich ein unterdrücktes Kichern ganz in meiner Nähe wahrnahm.
Tatsächlich war es gerade Edward, der die Lippen aneinanderpresste und versuchte sich ein Lachen zu verkneifen.
Auch ihn sah ich aus schmalen Augen an, verschränkte meine Arme vor meiner Brust und sah immer abwechselnd zwischen den beiden Männern hin und her.
„Jake, du hättest doch nur was sagen müssen, wenn du auch einen willst. Dann hätte ich dir doch auch einen gekauft“, grinste ich ihn an und konnte mit Genugtuung sein plötzlich verdutztes Gesicht erkennen, ehe ich mich auf den Absatz umdrehte.

Ich wusste nicht, wie lange die zwei Männer verdutzt dort stehen blieben.
Eher gesagt war Jacob der Einzige, der wirklich verdutzt aussah, während Edward sich noch mehr anstrengen musste nicht laut loszulachen.
Ich war schon fast am Wagen angekommen, als ich Edward etwas sagen hörte, was ich schon beinahe verdrängt hatte und die Schmetterlinge in mir wieder zu neuem Leben erwachen ließ.
„Ich bringe sie dann nach Hause“, sagte er an Jake gewandt und ich blieb an Ort und Stelle stehen, als ich mich zu den beiden herumdrehte.
„Natürlich nur, wenn du das möchtest“, wandte er sich an mich und hatte wieder dieses sanfte Lächeln auf seinen Lippen, was die Schmetterlinge in meinem Bauch wieder Loopings fliegen ließ.
Ich nickte um zu signalisieren, dass es für mich okay war.
Es wäre unsinnig, wenn Jake die ganze Zeit, während Edward und ich reden würden, auf mich wartete.
Schließlich wusste ich ja auch nicht, wie lange dieses Gespräch dauern würde und ich wollte auch nicht riskieren, dass Jacob, neugierig wie er war, uns vielleicht sogar beobachtete oder belauschte.
„Das wirst du mir noch büßen, du kleine Ratte“, flüsterte Jake mir spielerisch ins Ohr, als er mich umarmte und dann in sein Auto stieg.

Da war sie also.
Die Stunde der Wahrheit.
Würden wir hier draußen auf dem Parkplatz reden? Wer wusste schon, wer da nicht alles vorbeikommen und unser Gespräch hören konnte.
Oder würden wir in seinem Auto reden?
Dort hätten wir zwar mehr Privatsphäre, allerdings würde es für mich schwerer sein auf so engem Raum mit ihm zusammen zu sein.
Neugierig, und auch ein wenig ängstlich, sah ich ihn an, verlor mich wieder in seinem Grün und sah nur aus dem Augenwinkel, wie Jake mit seinem Auto an uns vorbeifuhr.
Wohin würde das Gespräch führen? Wie würde es verlaufen?
Alles Fragen, auf die ich bald eine Antwort bekommen würde.

Mit einem Kopfnicken deutete er auf seinen Audi um mir zu signalisieren, dass wir unser Gespräch dort führen würden.
Das Kribbeln in meinem Bauch wurde stärker und meine Nervosität nahm stets zu.
Edward Cullen machte aus mir eine Person, die ich nicht kannte.
Er machte mich nervös und brachte mich dazu Dinge zu tun, die ich sonst nie tat.

„Also…“, fing er an, sobald wir in seinem Auto saßen.
„Also…“, erwiderte ich nur, einfach weil ich nicht wusste, was ich sonst sagen sollte.
Für kurze Zeit entstand eine unangenehme Stille.
Keiner von uns wusste wohl so recht, was er sagen oder wie er anfangen sollte, dabei war ein Gespräch wirklich unausweichlich und ich war froh, dass ich wenigstens ein paar Tage hatte über diese Situation nachzudenken.
„Bereust du es?“, hörte ich Edward irgendwann fragen, was mich dazu brachte mich in meinem Sitz so zu drehen, dass ich ihn anschauen konnte.
„Nein“, erwiderte ich prompt und konnte erkennen, wie seine grünen Augen eine Spur heller wurden und sich auf seinen Lippen ein leichtes Lächeln bildete.
„Wieso bist du so schnell gegangen?“, fragte er mich und sah mich aus den Tiefen seiner grünen Augen an.
Kurz kämpfte ich mit mir selbst, ob ich ihm die Wahrheit sagen oder ihm etwas vorlügen sollte.
Die Entscheidung war schnell gefallen.
„Ich war verwirrt“, gab ich offen zu und sah an ihm vorbei aus dem Fenster.
„Ich mache so etwas sonst nicht. Einfach über jemanden herfallen und… Es tut mir leid, wenn ich… wenn du dich zu irgendetwas gezwungen…“ Doch ich schaffte es gar nicht diesen Satz zu Ende zu sprechen, da mich Edward einfach unterbrach.
„Da war nichts erzwungen, Bella. Ich fand es sehr schön“, offenbarte er mir.
Kurz überlegte ich, ob er seine Worte wirklich ernst meinte, aber so, wie er es gesagt hatte, klang es wie die Wahrheit, was mir nur durch den Ausdruck seiner Augen bestätigt wurde, als ich mich wieder dazu durchrang ihn anzusehen.
„Ich fand es auch sehr schön“, erwiderte ich nur und verlor mich in seinem Grün.

„Bella, ich… Ich möchte nur, dass du weißt, dass ich das ernst meine. Das mit uns“, sagte Edward mit sanfter Stimme.
Mein Innerstes war hin und her gerissen.
Wieso sollte er das ernst meinen? Und wieso mit mir?
Aber andererseits… Er klang so ehrlich und auch in seinen Augen konnte ich keine Anzeichen einer Lüge entdecken.
„Ernst?“, flüsterte ich in die Stille seines Wagens hinein und sah hinab auf meinen Schoß.
Die Schmetterlinge in meinem Bauch flatterten fröhlich herum, als ich Edward dieses eine Wort aussprechen hörte.
„Ja“, antwortete er nur und hob mein Kinn mit seinen Fingern an.
Wieder einmal verlor ich mich in seinen Augen.
Es war, als ob unsere Augen magnetisch wären und man sie nur mit voller Kraft auseinander bringen konnte.
Nur er schaffte es mich so fühlen zu lassen.
Natürlich hatte ich Jake damals geliebt, sehr sogar, aber nie hat es sich so intensiv angefühlt, wie bei Edward, dabei war es gerade mal am Anfang.
Ich war in Edward verliebt, aber von Liebe konnte man noch nicht sprechen.
Liebe war etwas, was sich mit der Zeit entwickelte.
„Ich denke…“, fing ich an und versuchte mich auf das, was ich sagen wollte zu konzentrieren, als er seine Finger von meinem Kinn nahm und ich immer noch in seinen Augen gefangen war.
„… wir sollten das mit der Freundschaft noch mal versuchen.“
Ungläubig sah er mich an.
Seine Augen weiteten sich und erst an dieser Reaktion bemerkte ich, dass er es wirklich ernst zu meinen schien.
„Freundschaft? Ehrlich, Bella! Wir haben es versucht, aber es hat nicht geklappt.“
Edwards Stimme war leise und klang so traurig, dass ich ihn am liebsten wieder in meine Arme genommen hätte.
„Jedenfalls für den Anfang und dann werden wir ja sehen, wo uns das hinführt“, schlug ich vor, versuchte ihn dadurch irgendwie aufzumuntern.
Ich meinte es ernst, was ich da gesagt hatte.
Wenn er wirklich mehr wollte, mussten wir erst sehen, wo uns das alles hinführte und da bot sich eine Freundschaft an.
Außerdem gab es dabei noch andere Faktoren zu beachten.
Nessie und Emily waren in der ganzen Sache auch mit verwickelt und wenn es zwischen uns böse enden würde, dann würden auch sie darunter leiden und das war das Letzte, was ich wollte.

„Na gut“, gab Edward nach einigen Minuten der Stille nach.
Minuten, in denen wir beide unseren Gedanken nachgegangen waren.
„Das ist mir lieber als ein klares ‚Nein’. Also Freunde“, sagte er und versuchte mich anzulächeln.
Es blieb bei dem Versuch. Es war nicht das typische Edward Cullen Lächeln, was ich so sehr vergötterte.
„Freunde“, stimmte ich ihm zu und noch nie in meinem ganzen Leben hatte sich etwas so falsch angefühlt, wie in diesem Moment.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen