Edward POV
Noch Tage nach Tanyas Anruf war ich unheimlich wütend.
Wie konnte sie es wagen, auch nur daran zu denken, sich wieder in mein Leben einzumischen!?
Sie war diejenige, die uns verlassen hatte.
Sie war diejenige, die unsere Tochter einfach so ohne Mutter zurückgelassen hatte.
Und was war jetzt!?
Tanya hatte mich einfach so angerufen und sich nicht einmal für das, was sie getan hatte entschuldigt.
Das hätte zwar auch nichts geändert, aber noch nicht einmal das hatte sie getan!
Sie war so herzlos, dass ich mich ernsthaft fragte, warum ich diese Frau so sehr geliebt hatte.
Tanya hatte zu mir gesagt, dass sie uns gerne wieder sehen wollte.
Sie wollte ihre Tochter kennen lernen, nach 16 beschissenen Jahren, in denen sie sich einen Dreck um Emily geschert hatte.
Wie sie mir auch noch berichtet hatte, erwartete sie erneut ein Kind und es hätte mich nicht wundern müssen, dass sie einfach so abgehauen war.
Mal wieder.
Oder vielleicht hatte der Kerl sie auch einfach nur sitzen gelassen, weil er nicht so dumm war, wie ich vor einigen Jahren.
Doch ich wollte ihre ganzen Erzählungen und ihre verdammte Lebensgeschichte nicht hören.
Es interessierte mich einfach nicht!
Ich hatte ihr klar gemacht, dass sie sich von Emily und mir fernhalten sollte.
Sie hatte sich 16 Jahre lang nicht für unser Leben interessiert, also hatte sie es jetzt auch nicht zu interessieren.
So einfach war das!
Bella hatte sich noch immer nicht bei mir gemeldet.
Ich hatte ihr einige Nachrichten auf ihre Mailbox gesprochen, doch wer wusste denn schon, ob sie diese nicht gleich wieder gelöscht hatte?
Wieder einmal hatte ich mich wie das größte Arschloch überhaupt benommen.
Und noch immer wusste ich nicht, aus welchem Grund sie eigentlich zu mir gekommen war.
Wieso hatte sich Bella auch diesen verdammt schlechten Zeitpunkt ausgesucht?
Ich war einfach nur vollkommen fertig und unheimlich wütend darüber gewesen, dass Tanya mich einfach so angerufen hatte.
Die ganze Wut, die ich all die Jahre über in mir trug, hatte ich leider an ihr ausgelassen.
Wieso musste sie die Person sein, die an diesem Abend vor meiner Tür gestanden hatte?
Bei jedem anderen wäre ich genauso wütend gewesen, aber bei Bella…
Das war einfach nicht richtig gewesen.
Zwischen uns lief es doch gerade so gut.
Sie hatte sich dazu bereit erklärt, zumindest mit mir befreundet zu sein und ich machte wie immer alles kaputt.
Wenn ich jetzt an ihren verletzten Gesichtsausdruck dachte und die Tränen, die sich in ihren wunderschönen Augen angesammelt hatten, wollte ich mir einfach nur noch in den Arsch treten.
Wieso sollte sie eigentlich überhaupt noch mit mir reden?
Wahrscheinlich hatte sie mich schon längst abgeschrieben, doch dieser Gedanke versetzte mir einen Stich.
Ich konnte und durfte sie jetzt nicht verlieren.
Schnell rappelte ich mich von meinem Sofa auf und schnappte mir meine Jacke.
Wenn sie nicht mit mir reden wollte und mir somit auswich, dann musste ich halt eben zu ihr fahren und versuchen, ihr die Sache irgendwie zu erklären.
Ich war mir nicht sicher, ob ich ihr die ganze Wahrheit sagen könnte, aber zumindest einen Teil davon und ich hoffte, dass sie es irgendwie verstehen könnte.
Mit schnellen Schritten verließ ich mein Haus, stieg in meinen Wagen und fuhr zu ihrer Wohnung.
Heute war Samstag, also müsste sie eigentlich zu Hause sein, wenn sie nicht etwas anderes vor hatte, was ich jedoch nicht hoffte.
Vor ihrer Haustür blieb ich noch einen Moment lang stehen, bevor ich schließlich wartete und die Klingel betätigte.
Ihre Wohnung befand sich im dritten Stock, einen Aufzug hatte dieses uralte Gebäude nicht, aber für mich war es auch kein Problem, diese lästigen Treppenstufen schnell zu überwinden.
Die Tür ihrer winzigen Wohnung war noch geschlossen, also klopfte ich einige Male und tigerte ziemlich ungeduldig vor der Tür hin und her.
Dass sie sich aber auch so lange Zeit lassen musste!
Ich wollte diesen Streit mit ihr aus der Welt schaffen, wollte, dass sie mir wieder ihr strahlendes Lächeln schenkte, welches mein Herz immer wieder aufs Neue so sehr berührte.
Ich hasste mich selbst dafür, dass es mir manchmal einfach nicht möglich war, mich zu korrigieren und verdammt…ich hatte sie verletzt und das so richtig.
Wusste sie etwa schon, dass ich derjenige war, der hier vor ihrer Tür stand und sie öffnete mir deswegen nicht?
Ich wollte schon beinahe drauf los plappern, als sich die Tür öffnete, damit sie mir diese nicht gleich wieder vor der Nase zuschlug, so wie ich Idiot es bei ihr getan hatte, aber als ich sah, wer mir da gerade die Tür öffnete, schloss ich meinen Mund wieder.
Vor mir stand Jacob Black, ihr Ex-Mann bekleidet nur mit einem schlichten weißen Handtuch um seine Hüften und grinste mich an.
Tausend Dinge schwirrten durch meinen Kopf und kein einziger Gedanke davon, gefiel mir.
Was tat er da in ihrer Wohnung und vor allem, warum kam er gerade aus der Dusche?
Ich war schon wieder kurz davor auszurasten und hier alles kurz und klein zu schlagen, aber stattdessen biss ich die Zähne zusammen und versuchte mich zu beherrschen.
„Oh hey Kumpel“, sagte Jake, klopfte mit seiner Hand auf meine Schulter und das Grinsen in seinem Gesicht wurde noch breiter.
Es war verdammt noch mal schwierig diesen Kerl nicht zu mögen, doch im Augenblick konnte ich ihn einfach nicht ausstehen.
Ich wollte ihn leiden sehen, weil er sich in Bellas Wohnung aufhielt und bei ihr DUSCHTE!
Hatte er zu Hause denn keine Dusche oder war er so ein Schmarotzer, dass er ihr auch noch das Wasser klaute?
„Was machst du hier?“, war meine einzige Frage und ich wusste nicht einmal, ob ich die Wahrheit wissen wollte.
„Ähm.. Ich wohne hier…“, antwortete Jake etwas verwirrt und kratzte sich am Hinterkopf.
Er wohnte hier?
Was zum Teufel hatte das denn jetzt wieder zu bedeuten?!
Jake sah mich ein wenig verwundert und mit hochgezogener Augenbraue an, während ich einfach nur dastand und nicht die geringste Ahnung hatte, was ich darauf erwidern sollte.
Und genau deswegen hatte ich es noch nie gut gefunden, dass die beiden sich auch nach ihrer Scheidung so gut verstanden hatten.
Man sah ja, wozu das letztendlich führte!
Er wohnte bei ihr!
Waren die beiden etwa wieder ein Paar?
Hatten sie nach all den Jahren wieder zueinander gefunden?
Verzweifelt fuhr ich mir mit einer Hand durch meine Haare und schnaubte.
Ich hatte es versaut…
Ich war so ein verdammter Idiot!
„Jake, wer ist denn da an der…“ Ich drehte meinen Kopf sofort in ihre Richtung und sah, wie sie erstarrte.
Sie bewegte sich keinen einzigen Millimeter mehr vom Fleck und ich starrte in ihr wunderschönes, leicht bedrücktes Gesicht.
Im nächsten Moment schien sie überrascht, doch dann wandelte sich ihr Gesichtsausdruck und sie funkelte mich wütend an.
„Was willst du denn hier?“ Die Schärfe in ihrer Stimme ließ mich zusammen zucken.
Anscheinend hatte ich sie dieses Mal wirklich verletzt und ich fühlte mich richtig beschissen.
„Ich muss mit dir reden…“, antwortete ich ernst, doch mein Gesichtsausdruck wirkte schuldig, was Bella jedoch nicht zu interessieren schien.
„Wieso? Willst du mich wieder anschreien? Mir die Tür vor der Nase zuschlagen? Oder mich aus meinen eigenen Vier Wänden raus schmeißen? Zuzutrauen wäre es dir ja“, entgegnete sie bissig und aus den Augenwinkeln sah ich, wie Jakes Blick zwischen uns hin und her wanderte.
„Okay… Ich glaube, ich sollte gehen… Dann könnt ihr euch in Ruhe unterhalten“, murmelte er ein wenig verwirrt und zog sich zurück.
Bella sah ihm hinterher und ich konnte sehen, dass sie nicht wollte, dass er verschwand, was mich nur noch wütender machte, doch ich schwor mir, dass ich nicht schon wieder ausrasten würde.
Nicht noch einmal und das auch noch vor ihr…
„Kann ich reinkommen?“ Ich warf ihr einen fragenden Blick zu und deutete vorsichtig auf die Tür.
„War es nicht eindeutig genug, dass ich deine Anrufe nicht beantwortet habe?“, fragte Bella mich und ihr zuvor noch wütender Gesichtsausdruck wirkte plötzlich traurig, gekrängt und zutiefst bedrückt.
Sie sah wirklich verletzt aus und ich wollte sie gerne in den Arm nehmen, doch das würde sie nicht zulassen.
„Ich möchte mich bei dir entschuldigen…“, sagte ich und sah, wie sie ironisch lachend den Kopf schüttelte.
„Wie oft willst du dich noch entschuldigen, Edward?“
„Lass es mich dir doch erklären…“, bat ich sie und legte meine Hand an den Türrahmen.
Meine Stimme klang beinahe schon flehend und ich konnte mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal so mit einer Frau geredet hatte.
Sie hatte mir schon so viele Chancen gegeben und immer wieder hatte sie mir verziehen.
Ich konnte schon verstehen, wenn sie das jetzt nicht mehr wollte.
Dass sie mich nicht mehr wollte…
Hatte sie mich denn jemals gewollt?
Ich wusste es nicht…
Bella sah mich einen Moment lang einfach nur an und sagte kein einziges Wort.
Vielleicht sah sie es in meinen Augen, dass ich es ernst meinte, denn sie seufzte und nickte schließlich.
Sie war eindeutig viel zu gutmütig für diese Welt…
Ich wartete noch einen kurzen Moment, bis ich ihre Wohnung betrat und die Tür hinter mir schloss.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, folgte ich ihr in die Küche und setzte mich auf einen Stuhl, auf den sie deutete.
„Möchtest du einen Kaffee?“, fragte sie mich, vermied es dabei mich anzusehen.
„Wenn du bereit bist einen für mich zu machen, dann gerne“, murmelte ich und beobachtete ununterbrochen ihren Rücken, den sie mir zugewandt hatte.
„Wieso bist du nur so gut zu mir?“ Meine Stimme war leise, doch sie hatte es eindeutig gehört, denn ich vernahm ein leicht gequältes Seufzen von ihr.
„Das frage ich mich auch immer wieder…“, erwiderte sie und starrte auf die Kaffeemaschine, bevor sie uns beiden schließlich frischen Kaffee eingoss.
„Aber wenn ich ehrlich bin…“, fing sie an, während sie sich zu mir umdrehte und die Kaffeetasse vor mir auf den Tisch stellte, den Blick immer noch von mir abgewandt.
„Ich hatte Zeit darüber nachzudenken… Ich glaube dir, dass es einen Grund dafür gab, warum du plötzlich so… wütend warst. Ich weiß nicht einmal, ob ich den genauen Grund wirklich hören will, aber na ja…“
Bella ließ sich auf einem Stuhl, gegenüber von mir, nieder und starrte auf ihre Kaffeetasse.
Nachdenklich strich sie mit ihren Fingern an dem Porzellan entlang und zwischen uns herrschte fast die absolute Stille, welche ab und zu von einem Seufzer ihrerseits unterbrochen wurde.
„Nun…“ Ich räusperte mich leise und fuhr erst fort, als Bella ihren Blick aufrichtete und ich sie endlich ansehen konnte.
Endlich sah ich wieder in ihre tiefgründigen, schokoladenbraunen Augen, die so viel Güte ausstrahlten, dass mir beinahe schwindelig wurde.
Ich war mir sicher, dass sie jetzt gerade in diesem Moment bis auf den Grund meiner Seele blicken konnte, denn ihre Augen veränderten sich.
Sie wurden ein wenig offener, wenn nicht sogar verständnisvoll und ich meinte auch eine Spur Besorgnis darin zu erkennen.
„Jemand ist wieder in meinem Leben aufgetaucht…“, begann ich mit meiner Erklärung und Bellas Augen weiteten sich für einen kurzen Moment, bevor sie dann leise schnaubte und ihren Blick aus dem Fenster richtete.
Da war es schon wieder…
Dieses Schutzschild, welches sie sich wohl in den letzten Jahren aufgebaut hatte, aber so wie es aussah, hatte es Risse bekommen.
Ich erblickte eine kleine Falte zwischen ihren Augenbrauen, während sie angestrengt aus dem Fenster sah.
„Und dieser ‚Jemand’ ist doch sicherlich eine Frau, oder?“ Ihre Stimme zitterte leicht und sie biss sich auf die Unterlippe.
„Ähm.. Ja..“, antwortete ich ein wenig verwundert und runzelte die Stirn.
Woher wusste sie das?
„Natürlich.. Was auch sonst… Wie konnte ich nur so dumm sein?“ Ich wusste nicht, ob Bella die letzten Worte wirklich laut aussprechen wollte, aber sie hatte es getan.
Ich sah, wie sie leise vor sich hin murmelnd den Kopf schüttelte und einmal ihre Augen zusammenkniff.
„Dumm? Wieso? Bella, ich verstehe nicht…“
Meine Hand streckte sich nach ihrer aus, die jetzt auf dem Tisch lag und ganz sanft strich ich mit meinen Fingerspitzen über ihren Handrücken.
Erschrocken zog sie ihre Hand zurück und sah mir direkt in die Augen.
„Entschuldige…“, murmelte ich, obwohl ich mich deswegen eigentlich nicht hatte entschuldigen wollen.
Doch sie schien nicht wütend darüber zu sein, sondern sie sah noch immer ziemlich traurig aus.
„Hast du dich denn nicht einmal gefragt, warum ich an diesem Tag vor deiner Tür stand? Warum ich mit dir reden wollte?“
„Ja, jede einzelne Sekunde habe ich mich das gefragt, verdammt!“, entgegnete ich viel lauter als ich es eigentlich beabsichtigt hatte, verstummte dann aber sofort und murmelte ein leises ‚Entschuldigung’.
„Wieso sagst du es mir nicht?“, fragte ich Bella nach einer längeren Pause und sie schüttelte den Kopf.
„Weil es jetzt so oder so nicht mehr relevant ist… Also… Was ist mit dieser Frau?“
Am liebsten hätte ich ihr sofort die ganze Wahrheit mitgeteilt, ihr alles aus meiner Vergangenheit erzählt, doch es ging einfach nicht.
Es war beinahe so, als konnte ich nicht mehr sprechen.
Die Worte in meinem Kopf waren klar, doch sie auszusprechen war unmöglich.
„Eigentlich nichts.. Aber eigentlich auch doch sehr vieles“, brachte ich schließlich zu stande und Bella schüttelte den Kopf.
„Ich habe keine Ahnung, was du da schon wieder vor dich hin faselst!“
„Glaub mir, ich würde es dir gerne sagen, wenn ich könnte, aber es geht einfach nicht… Es, na ja.. Es hat mit meiner Vergangenheit zu tun und ich habe noch nie darüber gesprochen… Mit niemandem…“, druckste ich vor mich herum und Bella seufzte leise.
„Wenn du niemals darüber redest, wie willst du das dann verarbeiten? Du musst dich auch einmal öffnen, Edward.“ Sie strich erneut mit ihren Fingerspitzen an der Kaffeetasse entlang und beobachtete mich eine ganze Weile schweigend.
Immerhin sah sie mich jetzt wieder an.
„Ich weiß nicht, was damals genau passiert ist, aber ich weiß, dass es sicherlich einen Grund dafür gibt, weswegen du so leicht ausrastest und so bist, wie du jetzt bist. Ich werde dich nicht jetzt nach dem Grund fragen, denn ehrlich gesagt, siehst du gerade auch ziemlich mitgenommen aus und ich glaube dir, dass es dir Leid tut… Aber… Was meinst du denn, wie oft ich es noch aushalte, dass du mich anbrüllst für Dinge, die ich nicht verbrochen habe?“
Ihre Augen beobachteten mich mit einem traurigen Ausdruck und bedauerlich lächelnd wandte sie sich schließlich von mir ab.
„Du musst wissen… Ich mag den anderen Edward viel lieber… Dieser Edward ist liebevoll, äußerst charmant und hat auch einen ausgezeichneten Humor…“
Ihr Lächeln, welches ich jetzt in ihrem Gesicht erkennen konnte, war ein echtes Lächeln.
„Wie bei unserem… Date…“ Bei dem letzten Wort richtete sie ihren Blick auf und sah mich an.
Hatte ich etwas verpasst?
Jetzt war es also doch ein Date?
Ich legte ein wenig fragend meinen Kopf schief und wartete darauf, dass sie weiter sprach.
„Ja… Da mochte ich dich wirklich sehr gerne.. Mehr als ich es eigentlich zugeben wollte… Doch als ich dich letztens so gesehen habe… Wie du mich angesehen hast… Deine Augen waren so kalt und voller Hass… Ich habe dich fast gar nicht wieder erkannt… Edward..“
Ihre Hände streckten sich nach meinen aus und sie hielt sie fest.
Diese Berührung löste einen regelrechten Stromschlag in mir aus und mein Herzschlag beschleunigte sich.
Es war so verdammt lange her, seitdem ich solche Gefühle gespürt hatte.
Die ganzen Jahre über hatte ich niemals wirklich jemand neues in mein Leben gelassen, außer die Person, die jetzt vor mir saß und meine Hände in ihren hielt.
Ihre Hände fühlten sich so gut an, so weich und sie waren im Gegensatz zu meinen so winzig.
Ich starrte auf unsere Hände und seufzte leise.
Es fühlte sich richtig an.
Wie konnte ich nur denken, dass sie mich nicht doch wieder eines Tages verletzen würde?
Diesen Gedanken hatte ich in den letzten Jahren bei jeder Frau an meiner Seite gesagt und bevor es soweit hätte kommen können, hatte ich mich von ihnen getrennt.
„Ich will dir doch nur helfen… Du musst mir vertrauen, sonst… Sonst klappt das auch sonst nicht mit uns, weißt du?“
Ich nickte und mein Mundwinkel zog sich zu dem Ansatz eines Lächelns hoch.
„Ich meine… Wie du mich behandelt hast.. Das war einfach… Ich war danach vollkommen fertig, ehrlich gesagt…“
„Es tut mir wirklich unaussprechlich leid, Isabella…“
„Vielleicht verzeihe ich dir ja.. Aber nur wenn du mich nicht mehr Isabella nennst!“, warnte sie mich und ich musste über ihren Gesichtsausdruck lächeln.
Sie sah aus wie eine kleine Raubkatze, die bereit zum Angriff war, aber schon wenige Sekunden später lächelte sie leicht.
„Bella…“ Ich versuchte all meine Gefühle für sie in meine Stimme zu legen um ihr zu zeigen, dass ich es wirklich ernst meinte.
Ihre Wangen röteten sich leicht und sie ließ meine Hände hastig wieder los, aber ich sah das nicht wirklich als Abfuhr.
Bella schien nur ein wenig nervös zu sein, aber sie hielt noch immer meinem Blick stand.
„Bitte Edward… Sag es mir einfach. Du musst mit jemandem darüber reden, sonst wird dich das dein Leben lang verfolgen… Du vertraust mir doch, oder?“
Ich sah ihr in die Augen und brauchte nicht einmal darüber nachzudenken.
Ja, ich vertraute ihr und das vollkommen blind.
Sie würde niemandem davon erzählen, wenn ich es nicht wollte.
Sie würde mir zuhören und bei mir sein…
Also wieso verdammt noch mal konnte ich es ihr nicht sagen?
Nun gut, ich wollte es, also würde ich es auch schaffen.
Ich hoffte nur, dass sie mich für das, was ich getan hatte nicht verurteilen würde…
Dann musste ich wohl oder übel damit leben, auch wenn mir klar war, dass ich das nicht konnte.
Ich brauchte sie!
„Okay…Also…“ Ich hasste es, wenn ich keinen vernünftigen Satz zu Stande bringen konnte, denn normalerweise war ich nicht solch ein Mensch.
Doch wenn es um dieses Thema ging, dann fiel es mir unheimlich schwer.
„Vielleicht sollten wir woanders darüber reden? Heute Abend vielleicht? Bei dir?“ Sie warf mir einen fragenden Blick zu, während sich mein Mund noch immer öffnete und dann gleich wieder schloss, weil ich kein einziges beschissenes Wort sagen konnte.
„Bei mir?“ Ich klang wie ein pubertierender Trottel und räusperte mich schnell.
„Ja… Ich meine… Deine Ex-Verlobte ist ja jetzt nicht mehr da und da dachte ich.. Naja, wir wären ungestört…“
Kurz war ich von dem Wort ‚ungestört’ abgelenkt, aber ich schaffte es doch noch mich weiter zu konzentrieren.
Moment Mal…
Woher wusste Bella eigentlich, dass ich Carol-Ann rausgeworfen hatte?
„Woher…?“, sprach ich meine Gedanken laut aus und runzelte die Stirn.
Dann fiel mir nur eine einzige Möglichkeit ein, woher sie es wissen konnte.
„Emily…“ Ich seufzte leise.
Sie war eine wirkliche Klatschtante und mich hätte es wirklich nicht wundern sollen, dass Bella es bereits wusste.
Vanessa schien ja genauso viel zu plaudern, wenn ich nicht gerade in der Nähe war.
„Ja.. Vanessa hat es mir erzählt. Zuerst dachte ich, dass du deswegen vielleicht so wütend warst…“
„Glaub mir, sie ist nicht der Grund dafür“, versicherte ich ihr schnell und Bella nickte.
„Okay… Gut…“, sagte sie und lächelte.
„Ich könnte heute Abend vorbeikommen…“, schlug sie nach einiger Zeit leise vor.
„Klar… Wenn du das möchtest.“
Sie versprach mir um acht Uhr bei mir zu sein, damit wir uns beide wirklich in Ruhe unterhalten konnten.
„Sag mal… Es geht mich ja eigentlich gar nichts an, aber was macht dein Ex-Mann halbnackt in deiner Wohnung?“, fragte ich sie leise, nachdem ich mich wieder von meinem Platz erhoben hatte.
Bella musste gleich noch in den Laden, wie sie mir es gerade mitgeteilt hatte und ich wollte sie wirklich nicht aufhalten.
„Ähm…“
Ich zog eine Augenbraue hoch, weil sich ihre Wangen wieder ganz leicht rosa färbten.
Es gefiel mir nicht, dass sie wegen einem anderen Mann errötete…
„Du hast Recht, Edward. Das geht dich eigentlich gar nichts an, aber seine Frau, nun ja bald wohl eher gesagt Ex-Frau, hat ihn aus der gemeinsamen Wohnung geschmissen“, erklärte sie mir und ich nickte nachdenklich.
Was gab es deswegen einen Grund für sie zu erröten?
Doch ich wollte sie nicht schon wieder verärgern, also fragte ich nicht weiter nach.
Sie begleitete mich noch zur Tür und ich wäre gerne länger bei ihr gewesen, aber sie musste ja noch in den Laden, also machte ich mich wohl oder übel auf den Weg nach Hause.
Ich hatte Bella am späten Nachmittag besucht, hatte noch immer Urlaub und wusste verdammt noch mal nichts mit mir anzufangen.
Jetzt war es kurz nach sieben und ungeduldig und mich ziemlich nutzlos vorkommend tigerte ich durch mein riesiges Haus.
Irgendwie wirkte es sogar ein wenig gespenstisch, wenn ich hier alleine war.
Dieses Haus war schließlich nicht nur für eine Person gebaut worden!
Meine Finger glitten wie immer durch meine Haare, eine Angewohnheit, die ich schon fast gar nicht mehr registrierte.
Ich hatte sogar in meiner Verzweiflung aufgeräumt, nicht das ich es nicht sonst auch immer tat, aber dieses Mal schien ich ja regelrecht pingelig geworden zu sein und verschob gefühlte Tausend Mal den kleinen Wohnzimmertisch, dabei stand er letztendlich wieder an seinem eigentlichen Stammplatz.
Wahrscheinlich war das alles einfach nur eine Beschäftigungstherapie für mich, bis Bella mich besuchen kommen würde.
Denn wenn ich ehrlich war, dann hatte ich nicht gerade viele Freunde, was aber hauptsächlich daran lag, dass ich mich niemandem öffnete.
Es gab viele Menschen, die mir in den Arsch kriechen wollten und versuchten, irgendwie eine Freundschaft heraus zu schlagen, aber ich ließ mich nicht darauf ein.
Ich ließ niemanden an mich heran außer meinen großen Bruder, seine Frau und meine Eltern, naja und … Bella.
Zuerst wollte ich es nicht, wollte nicht, dass sie mich mit ihren Rehaugen ansah und versuchte meine Geheimnisse zu entschlüsseln, doch das war am Anfang gewesen.
Jetzt brauchte ich sie und wollte ihr sogar erzählen, was es mit meiner Vergangenheit auf sich hatte.
Ich wollte ehrlich zu ihr sein und heute würde ich es ihr sagen, darin bestand kein Zweifel.
Plötzlich wurde ich panisch.
Ich hatte gar nichts für sie da…
Vielleicht wollte sie ja noch eine Kleinigkeit essen, wenn sie nach einem langen Arbeitstag sich noch dazu bereit erklärte, bei mir aufzutauchen und mir mein Gejammer anzuhören?
Wie ich schnell feststellte, hatte ich noch nicht einmal einen gescheiten Wein für sie da, denn in dem riesigen Schrank im Wohnzimmer befanden sich nur noch Scotch und etwas Whisky.
Auch wenn ich sie noch nicht so gut kannte vermutete ich, dass sie dieses Zeug sicherlich nicht trinken würde.
Ich hätte auch noch in den nächst besten Supermarkt fahren und etwas besorgen können, aber das würde ich zeitlich nicht mehr schaffen und ich wollte nicht, dass sie vor einer verschlossenen Tür stand.
Was wirklich essbares hatte ich auch nicht mehr im Haus, aber falls sie Hunger hatte, dann würde ich ihr etwas zu Essen bestellen.
Schon einmal ein Problem weniger, was ich zu lösen hatte, doch jetzt war ich wieder genau da, wo ich angefangen hatte!
Ich fühlte mich noch immer nutzlos und irrte durch mein Haus, bis ich mich irgendwann schließlich an mein Klavier setzte und gedankenverloren eine Melodie spielte, die mich schon seit Tagen nicht mehr los ließ.
Immerhin war das eine Beschäftigung, die mich die Zeit vergessen ließ, denn irgendwann klingelte es an der Tür und ich sprang wie von der Tarantel gestochen auf und raste zur Tür.
Ich hatte nicht daran gedacht, dass ich wohl besser die Tür nicht so aufreißen sollte, denn Bella warf mir einen zutiefst erschrockenen Blick zu.
Ich war ein Idiot, denn als sie mich das letzte Mal hier bei mir besuchen wollte, hatte ich ebenfalls die Tür aufgerissen und sie dann angebrüllt, deswegen verwunderte es mich nicht, dass sie jetzt nur dastand und mich ihre Rehaugen vorsichtig musterten.
„Tut mir leid…“, sagte ich hastig und sie gab ihre verkrampfte Haltung auf und entspannte sich sofort ein wenig.
„Ich wollte dich nicht erschrecken… Komm doch rein…“ Ich hielt ihr die Tür auf und lächelte, als ich sah wie sie mich noch immer ein wenig misstrauisch musterte.
„Danke…“, murmelte sie leise und runzelte die Stirn, als sie in meinen Flur trat.
Das letzte Mal hatte sie sicherlich nicht so viel Zeit gehabt, sich alles anzusehen, schließlich hatte ich sie ja aus meinen vier Wänden raus geschmissen.
„Dein Haus ist wirklich… groß…“, sagte sie und zog ihre Nase ein wenig kraus.
Ich lächelte und zuckte mit den Schultern.
„Man merkt erst, wie riesig ist es ist, wenn man ganz alleine hier ist“, erwiderte ich und merkte selbst, wie die Traurigkeit in meiner Stimme mitschwang.
Sofort zeigte sich ein mitfühlender Gesichtsausdruck auf Bellas Gesicht.
Eigentlich mochte ich es nicht, wenn man Mitleid wegen mir hatte, aus welchen Gründen auch immer, aber bei ihr war es etwas anderes, weil sie mir im nächsten Moment gleich ihr wundervolles Lächeln schenkte.
„Jetzt bin ich ja da…“, flüsterte sie leise, vermied es aber mich anzusehen.
Ich fühlte mich so dermaßen zu ihr hingezogen, dass ich ein riesengroßes Loch in meiner Magengegend verspürte, wenn sie nicht in meiner Nähe war.
Vorsichtig und behutsam legte ich meine Hand an ihren Rücken und murmelte, dass wir am besten in unser Wohnzimmer gehen sollten.
Sie nickte und ging voraus, während ich sie sanft in die richtige Richtung dirigierte.
Dieses Mal beschwerte sie sich nicht, dass ich sie berührte.
Bei unserem … Date war das ja schon etwas anders gewesen…
„Ähm.. Tut mir leid, aber ich habe nichts mehr zu Essen im Haus, ich kann uns aber gerne etwas bestellen, wenn du Hunger hast“, erklärte ich ihr hastig, nachdem sie sich auf meine Couch gesetzt hatte, welche nebenbei bemerkt noch ziemlich neu war.
Direkt nachdem ich Carol-Ann auf meiner alten Couch mit diesen Typen erwischt hatte, hatte ich mir gleich eine Neue besorgt.
Bella lächelte und schüttelte den Kopf.
„Ein Wasser reicht mir schon…“, erklärte sie mir und ich legte fragend meinen Kopf schief.
„Du hast keinen Hunger? Soll ich dir nicht vielleicht einen ähh.. Scotch oder so etwas anbieten?“
Ich fuhr mir mit meiner rechten Hand durch meine Haare und sah, wie sie die Bewegung meiner Hand verfolgte.
Als ich das Wort Scotch erwähnte, verzog sich ihr Gesicht zu einer Grimasse und ich musste lächeln.
Ich wusste doch gleich, dass sie so etwas nicht mochte.
„Nein, Danke. Ich möchte nur ein Wasser, wenn es dir nichts ausmacht.“
Ich nickte, entschuldigte mich kurz und raste in die Küche.
Schnell schnappte ich mir eine Wasserflasche aus dem Kühlschrank und ein leeres Glas aus dem Schrank und lief mit beidem in der Hand wieder zurück.
Ich würde mir wohl eher doch einen Schluck Scotch gönnen, sonst hätte ich Feigling sicherlich nicht die Kraft, ihr alles zu erzählen.
Als ich wieder ins Wohnzimmer kam sah ich, dass sie ihre Jacke, die sie anhatte auszog und wie dabei der Träger ihres Shirts verrutschte und etwas mehr Haut von ihrer Schulter preisgab.
Ich schluckte und versuchte meinen Blick abzuwenden, bis mir schließlich einfiel, wie unhöflich ich doch war.
Die Wasserflasche und das Glas stellte ich auf dem Tisch ab, den ich zuvor noch tausend Mal verschoben hatte und streckte meine Hand in ihre Richtung aus.
„Tut mir leid. Ich bin unhöflich.. Ich werde deine Jacke nehmen“, erklärte ich ihr und sie zögerte, reichte mir aber dennoch dankend ihre Jacke.
Für mich war es draußen noch nicht kühl, aber sie stammte aus Phoenix und fror fast immer.
Sie war eine kleine Frostbeule.
Während ich im Flur ihre Jacke an die Garderobe hängte, überlegte ich, ob ich nicht vielleicht den Kamin anzünden sollte, aber das hätte sicherlich einen viel zu romantischen Hintergrund und Bella würde sich zu unwohl fühlen, also drehte ich einfach ein wenig die Heizung auf damit sie nicht mehr fror.
„Sicher, dass du nichts möchtest?“, fragte ich, während ich mir etwas Scotch in mein Glas schüttete, dass ich aus dem Schrank für den Alkohol geholt hatte.
Bella seufzte leise und ich warf ihr einen fragenden Blick zu.
„Hatten wir das nicht schon einmal mit dem Alkohol?“
Jetzt war ich es, der leise seufzte.
„Ich weiß.. In letzter Zeit habe ich zuviel getrunken, aber ich halte mich zurück. Aber… Jetzt… Ich denke, ich kann es dir sonst nicht sagen, weil ich ein verdammter Feigling bin“, murmelte ich leise.
Eigentlich wollte ich das gar nicht laut sagen, aber jetzt konnte ich es auch nicht mehr ändern und trank einen Schluck.
„Okay…“, entgegnete Bella und ich schlenderte mit dem Glas in der Hand zu dem Sofa und setzte mich zu ihr.
Möglichst nicht zu nah, auch wenn ich das gerne gewollt hätte, aber ich konnte mich glücklich schätzen, dass sie überhaupt noch mit mir redete, also sollte ich mich benehmen.
Mein Glas stellte ich auf dem Tisch ab und schüttete ihr etwas ein, bevor ich das Glas in ihre Richtung hielt.
Ihre zierliche Hand streckte sich nach dem Glas aus und ganz kurz berührten ihre Fingerspitzen meine Hand, was mich beinahe in den Wahnsinn trieb.
So etwas hatte ich wirklich noch nie erlebt.
Auch nicht bei Tanya.
Natürlich hatte ich sie geliebt, war unheimlich glücklich gewesen und meine Gefühle spielten verrückt aber DAS hier war mir neu.
Wie eine kleine Berührung mich so dermaßen aus dem Konzept bringen konnte, dass ich beinahe das Glas fallen gelassen hätte, wenn sie es nicht schon in ihren Händen gehalten hätte.
Ich räusperte mich und wandte schnell den Blick von ihr ab.
„Danke, dass du hier bist“, sagte ich wahrheitsgemäß und starrte auf den Marmorfußboden unter meinen Füßen.
„Ist doch nicht der Rede wert“, entgegnete Bella und ich sah, wie sie mit ihrer Hand eine wegwerfende Handbewegung machte.
„Doch… Du hättest mir auch genauso gut in den Arsch treten können, weil ich so ein verdammter Mistkerl war…“
„Da hast du Recht“, stimmte sie mir nachdenklich nickend zu.
„Wieso bist du hier?“, fragte ich und drehte mein Gesicht in ihre Richtung.
„Ich denke du weißt, warum ich hier bin, Edward…“
Ja, ich konnte es mir denken, mal ganz abgesehen von dem Grund, dass sie mir helfen wollte.
Ich hoffte es, dass es auch noch einen anderen Grund gab…
„Also…“, sagte sie vorsichtig, nachdem wir uns geschlagene 15 Minuten angeschwiegen hatten.
„Also…“, wiederholte ich ihre Worte und rutschte unruhig auf meinem Platz umher.
Ich war wirklich nervös, wusste nicht womit ich anfangen sollte und mein Scotch war auch schon längst leer, aber ich wollte nicht noch einen trinken und Bella damit wieder wütend machen also ließ ich es bleiben.
Sie sagte nichts und ich wusste, dass sie mich zu nichts drängen würde, aber sie hatte die Wahrheit verdient und ich hoffte wirklich, dass sie mich nicht verurteilen würde.
„Okay… Ähm… Ich habe eine Frage an dich…“, fing ich an und wandte ihr meinen Oberkörper zu.
„Ja..?“ Ihre braunen Augen musterten mich aufmerksam und sie stellte das Wasserglas in ihren Händen auf den Tisch.
„Nun… Was würdest du schlimmer finden…Die Tatsache, dass deine Eltern bei deiner Geburt gestorben sind und du sie niemals kennen gelernt hättest, oder das sie nicht tot sind, dich aber niemals wollten. Dass sie dich niemals geliebt haben…“
Ich musterte jede noch so kleinste Regung in ihrem wunderschönen Gesicht.
„Edward.. Worauf willst du hinaus?“ Sie runzelte die Stirn und warf mir einen fragenden Blick zu.
„Bitte beantworte einfach meine Frage…“, murmelte ich leise und sie seufzte.
Sie schien genau über diese Frage nachzudenken und es dauerte einige Zeit, bis sie mir endlich antwortete.
„Nun ja… Es ist etwas anderes, wenn man seine Eltern niemals kennen gelernt hat. Man würde sie schon vermissen, aber trotzdem… Ich wüsste nicht, ob ich mit der Gewissheit leben könnte, dass meine Eltern mich niemals geliebt hätten. Nicht geliebt zu werden von den Menschen, die man am meisten in seinem Leben braucht ist grausam… Also würde ich sagen, ich fände es schlimmer… Aber was willst du mir damit sagen?“
Ihr Blick war vorsichtig und ihre Stimme sanft.
So sanft wie in diesem Moment hatte ich sie noch nie sprechen hören, doch für mich klang es einfach nur wundervoll.
Sie war wundervoll…
„Ich…“
Gott verdammt, ich sollte mich wirklich zusammenreißen.
Für andere mochte diese Geschichte vielleicht nicht so schlimm klingen, aber für mich war es schlimm gewesen und auch heute noch hatte ich in manchen Momenten damit zu kämpfen.
Ich fragte mich fast täglich, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte, ob es richtig war, Emily anzulügen.
Ob es wirklich das Beste für meine Tochter gewesen war.
„Sie.. Sie ist gar nicht tot…“ Ich wusste, dass Bella dachte, dass Tanya gestorben sei, doch das war nun einmal nicht die Wahrheit.
Ich hatte es Emily erzählt und meine Eltern, sowohl Emmett als auch Rosalie darum gebeten, es zu akzeptieren, dass ich mich für diese ‚Wahrheit’ entschieden hatte.
„Was? Wer ist nicht tot?“ Bella wirkte verwirrt und ein wenig geschockt.
Ich sah auf meine Hände, die bedrohlich zitterten und verschränkte sie schnell miteinander, damit dieses Zittern aufhörte, aber es war sinnlos.
„Edward…?“ Bellas Hand legte sich vorsichtig auf meine Schulter.
Sie wollte bei mir sein und auch wenn sie es in wenigen Minuten vielleicht nicht mehr sein würde, sie hatte die ganze Wahrheit verdient.
Genauso wie es Emily verdient hatte, die Wahrheit zu erfahren, aber erst einmal musste ich es Bella sagen, denn ohne sie hätte ich sicherlich nicht die Kraft, es meiner Tochter zu sagen.
„Tanya… Emilys Mutter… Sie lebt.“
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