Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Freitag, 24. September 2010

Kapitel 15 - Déjà-vu

Bella POV


„Jake!“, rief ich durch unsere kleine Wohnung und hetzte schnellen Schrittes in unser Wohnzimmer, wo ich ihn vermutete.
Ich hasste es, dass wir uns in letzter Zeit so oft stritten und egal wie oft ich mir vornahm mein Temperament etwas zu zügeln, klappte es einfach nicht.
In letzter Zeit waren es immer mehr Sachen, die mich zur Weisglut trieben.
Besonders dann, wenn ich Jacob gefühlte tausend Mal um etwas bitten musste und er dann dieser Bitte nicht nachging.
Es geschah wirklich nicht oft, dass ich jemanden um Hilfe bat, aber er war mein Ehemann und natürlich erhoffte ich mir, dass er mich auch etwas entlastete.

Als ich den Durchgang zum Wohnzimmer erreicht hatte, konnte ich Jake seelenruhig vor dem Fernseher sitzen sehen.
Sich anscheinend keiner Schuld bewusst drehte er sich zu mir herum und sah mich mit seinem typischen Jacob-Grinsen an.
„Hey Kleines! Was ist los?“, fragte er mich und streckte seine Hand nach mir aus.
Allerdings blieb ich an Ort und Stelle stehen, verschränkte meine Arme vor meiner Brust und versuchte ihn so emotionslos wie möglich anzusehen.
„Du hast vergessen die Wäsche von der Reinigung zu holen. Du hattest mir versprochen, dass du das nach der Arbeit erledigen würdest. Aber anscheinend hast du es ja vergessen. Wie so oft in letzter Zeit!“ Schon beinahe theatralisch warf ich meine Arme in die Höhe und tigerte durch unser kleines Wohnzimmer hin und her.
An Nessies Vorschule war heute ein Elterntreffen und da Jacob arbeiten musste und nicht mit mir dahin konnte, war ich alleine dorthin gegangen.

Dies hatte zur Folge, dass ich es nicht mehr rechtzeitig geschafft hätte unsere Wäsche von der Reinigung zu holen, also hatte ich Jake darum gebeten.
Allerdings wünschte ich mir jetzt, dass ich mir vor dem Treffen mit den anderen Eltern die Zeit genommen und es selber erledigt hätte.
In Jakes Gesichtzügen machte sich ein schuldbewusster Ausdruck breit, woraufhin ich nur genervt aufstöhnte  und zu unserem alten, aber gemütlichen Sessel neben dem Sofa lief und mich hinplumpste.
Es war anstrengend.
Meine Ehe mit Jake lief nicht mehr so gut, wie es vorher einmal der Fall gewesen war.
Wir unternahmen nicht mehr viel als Pärchen und stritten uns nur noch die meiste Zeit.
Hinzu kam, dass wir uns auch noch um ein fünfjähriges Kind kümmern mussten.
Ich liebte Nessie, das stand außer Frage und sie war ein wirklich wundervolles Kind, aber trotzdem war es anstrengend.
Früher hatte ich nie daran gedacht, dass ich mit 22 Jahren verheiratet wäre und eine
fünfjährige Tochter hätte, um die ich mich kümmern musste.
Jake musste arbeiten, damit er mich und unsere Tochter irgendwie durchs Leben bringen konnte und auch ich arbeitete seit zwei Jahren halbtags in einem kleinen Geschäft als Aushilfe, damit wir besser über die Runden kommen konnten.
Doch in letzter Zeit hatte ich das Gefühl, dass mir Jake kaum noch eine Hilfe war.
In seiner Firma herrschte in letzter Zeit ein Mangel an Angestellten, weshalb Jake sich des Öfteren dazu bereit erklärte mehr zu arbeiten, als er eigentlich müsste.
Er war gerade mal 24 Jahre alt, musste sich noch behaupten und ich konnte verstehen, dass er das tat, schließlich tat er es für uns, seine Familie.
Aber für uns, als Familie, für uns als Paar, war es nicht förderlich.
Wir wurden uns fremd.

„Tut mir leid“, hörte ich Jake sagen und konnte aus dem Augenwinkel erkennen, wie er sich vor mir hinkniete und seinen Kopf auf meinen Oberschenkel abstützte.
Mit bittenden Augen sah er mich von unten aus an, hatte seinen typischen Dackelblick aufgesetzt, der bei mir leider immer wieder seine Wirkung zeigte.
Aber wir konnten auf diese Art und Weise doch nicht immer unsere Probleme lösen, oder?
So konnte doch keine vernünftige Beziehung funktionieren und irgendwie fehlte uns die Zeit daran zu arbeiten.
Wenn es weiterhin zwischen uns funktionieren sollte, dann mussten wir beide etwas dafür tun.
Es war nur so, dass das alles in letzter Zeit irgendwie nicht mehr funktionierte.
Ich liebte Jake und ich hatte auch das Gefühl, dass sich daran niemals etwas ändern würde und versuchte deswegen, irgendwie alles aufrecht zu erhalten.
Nicht nur für uns beide, sondern auch für Nessie.
Sie sollte nicht mitkriegen, wie oft wir uns in letzter Zeit stritten, aber es kam immer öfter vor, dass wir unsere Streitereien nicht vor ihr verbergen konnten.
Sollte etwa so unser zukünftiges Leben aussehen? 

„Was nützt es mir denn, wenn du dich jedes Mal dafür entschuldigst, du es beim nächsten Mal aber auch nicht besser machst?“, fragte ich ihn und verschränkte meine Arme wieder vor meiner Brust.
Ich versuchte so leise wie möglich zu Reden, da wir Nessie noch vor einer halben Stunde ins Bett gebracht hatten und ich nicht vor hatte, sie ungewollt zu wecken.  
„Bella, ich habe es vergessen und es tut mir leid, okay? Was soll ich denn noch tun?“ Auch Jacob versuche seine Stimmlage ruhig zu halten und sah mir dabei eingehend in meine Augen.
„Du vergisst aber ziemlich viel in letzter Zeit. Vielleicht solltest du dich mal untersuchen lassen“, giftete ich ihn an, versuchte trotz meines aufkeimenden Temperamentes still zu bleiben und erhob mich wieder von dem Sessel.
Seine ständigen Entschuldigungen gingen mir langsam aber sicher auf die Nerven.
Ich konnte nicht ständig alles allein erledigen und Jacob war mir nicht wirklich eine große Hilfe.
„Bella komm schon, das ist nicht fair“, versuchte er mich wieder zu beruhigen.
„Da hast du Recht, es ist nämlich nicht fair. Es ist nicht fair, dass ich an alles denken muss und es ist auch nicht fair, dass ich die Sachen, die du vergessen hast zu erledigen, ich dann wieder machen muss. Also ja, Jacob! Es ist nicht fair!“
Ich wusste nicht, wie lange wir dort standen und uns einfach anstarrten.
Sein Gesicht zeigte keine einzige Regung, während auch ich versuchte mich wieder zu beruhigen.
Ständig stritten wir uns nur und ich war es leid, mich ständig mit ihm über irgendetwas zu streiten.
Es war anstrengend und ich brauchte meine Kraft für andere Sachen, besonders für Nessie.



„Daddy?“, hörte ich unsere Tochter und sofort wandten wir unsere Köpfe in die Richtung, aus der wir Nessies Stimme gehört hatten.
Dort stand sie, klein und verängstigt und hatte ihren Lieblingsteddybären fest an sich gekuschelt.
Ihre braunen Augen glitzerten, als ob sie jeden Moment weinen würde und sowohl Jacob, als auch ich liefen sofort zu ihr hin.
„Was ist los, Prinzessin?“, fragte Jake unsere Kleine und hob sie hoch auf seine Arme.
Ich stand direkt neben ihm und strich Nessie die Haare aus dem Gesicht, während ich sie besorgt musterte.
„Da ist ein Monster unter meinem Bett“, flüsterte sie mit
tränenerstickter Stimme und schmiegte sich an ihren Vater, während die ersten Krokodilstränen aus ihr herauskamen.
Mein Herz fing beinahe an zu brechen, als ich sie so verängstigt musterte.
„Soll Daddy mal nachsehen?“, fragte ich Nessie, während ich mit meiner Hand weiterhin versuchte sie durch meine Streicheleinheiten irgendwie zu beruhigen.
Sobald sie nickte, gab Jacob unserer Kleinen noch einen Kuss aufs Haar, bevor er sie mir gab, damit er ungestört in ihr Zimmer gehen konnte.
Mit Nessie auf meinem Arm ging ich ihm hinterher, schließlich sollte sie selbst auch sehen, dass sich nichts unter ihrem kleinen Bett befand.
Sie war zwar etwas schwer für mich um sie auf Dauer zu halten, aber ich wollte sie gerade jetzt auch nicht wieder auf den Boden absetzen.
Ich streichelte ihren Rücken entlang und hoffte, dass sie sich so beruhigen würde, aber noch immer konnte ich ihr Schniefen hören und merkte, wie der Stoff meines Oberteils ihre kleinen Tränen in sich aufnahm.
„Siehst du? Da ist nichts.“ Jake hielt demonstrativ Nessies kleine rosa Bettdecke hoch, damit auch sie unter ihrem Bett nachsehen konnte, dass dort kein Monster auf sie lauerte, allerdings kuschelte sie ihr Gesicht nur noch mehr an meinen Hals.
„Komm, wir schauen zusammen nach“, bot ich meiner Kleinen an und kniete mich langsam mit ihr hin, damit wir einen besseren Blick unter dem Bett haben konnten.
„Du brauchst keine Angst zu haben mein Schatz.“
Ich versuchte sie allein durch meine Tonlage irgendwie dazu zu ermuntern, sich zu trauen.
Nur langsam ließ sie von mir ab und widmete sich schniefend ihrem Bett, während sie es sich genau besah, als wollte sie sicher gehen, dass sich wirklich kein Monster darunter befand.
„Vielleicht hat es sich im Schrank versteckt?“, fragte sie etwas verängstigt und kuschelte sich an meine Brust, während ihre Kulleraugen ihren Dad anstarrten.
Ohne zu murren lief Jake herüber zu Nessies Schrank.
Unser kleiner Engel war eines der wenigen Dinge, um die wir uns nicht stritten.
Er war ein wirklich guter Vater und für Nessie immer da, wenn sie ihn brauchte.
Nur als Ehemann wurde es mit ihm schwierig.

„Hier ist auch kein Monster“, sagte Jake in seiner überzeugendsten Stimme, nahm Nessie wieder in seine Arme und ging mit ihr herüber zum Schrank.
„Kein Monster oder etwas anderes, was dir weh tun könnte. Siehst du?“
So wie beim Bett, nahm Nessie auch den Schrank ganz genau unter die Lupe.
„Okay“, sagte sie so leise, dass ich sie fast kaum verstanden hätte und gab ihrem Daddy einen Kuss auf die Wange.
„Danke Daddy“, hörte ich sie noch leise sagen und drückte ihren geliebten Teddybären ganz fest an sich.
Es war derselbe Teddybär, den Jake Nessie direkt nach ihrer Geburt gekauft hatte und sie liebte ihn noch heute.

Wir brachten unseren kleinen Engel noch ins Bett und blieben so lange bei ihr, bis sie eingeschlafen war.
Als wir dann Nessies Zimmer verließen und uns selber fertig machten, um zu Bett zu gehen, sprachen wir kaum ein Wort miteinander.
Irgendwie war es in letzter Zeit so, dass wir uns fast nichts mehr zu sagen hatten.
Entweder wir stritten uns oder wir erzählten kurz und bündig wie unser Tag verlaufen war.
Ich war froh, dass wir nicht zu offensichtlich in Nessies Gegenwart stritten, jedoch war ich mir sicher, dass auch sie spüren musste, dass ihre Eltern nicht mehr so glücklich waren, wie es einst einmal der Fall gewesen war.

Es vergingen Stunden, in denen ich neben Jake lag und wir beide, wie so oft in den letzten paar Monaten, mit dem Rücken zu dem jeweils anderen in unserem Bett lagen.
In Gedanken versuchte ich unsere Situation zu durchdenken.
Ich wollte unsere Ehe wirklich retten, aber irgendwie sah ich keinen Ausweg mehr.
Wir hatten uns festgefahren. Alles lief nur noch automatisch.
Mir war klar, dass es nicht einfach sein würde in unserem Alter schon so eine große Verantwortung tragen zu müssen, aber wenn man wirklich einander liebte, von ganzem Herzen, dann würde man doch einen Weg finden, oder nicht?
Das Problem war, dass ich diese tiefe Liebe, welche ich mal für Jacob empfunden hatte, nicht mehr wieder finden konnte. Ich hatte sie verloren.

Meine Gedankengänge wurden unterbrochen, als Jacobs Schnarchen immer lauter wurde und ich meinen Kopf unter mein Kopfkissen steckte und ich so sein Geschnarche dämpfen konnte.
Doch leider war es nicht so effektiv, wie ich es mir gewünscht hatte und ich wunderte mich, dass Nessie dadurch noch nicht aufgewacht war und in unserem Schlafzimmer stand.
Sollte so, wirklich, der Rest meines Lebens aussehen?
Eigentlich hatte ich es mir immer sehr schön vorgestellt, wie es sein würde zusammen mit Jacob alt zu werden, aber diese Vorstellung bekam in den letzten paar Monaten eine deutliche Wendung.
Konnte es sein, dass ich es vielleicht ein wenig übertrieb?
Vielleicht, war ich momentan einfach nur überfordert und dachte deswegen so.
Ich konnte doch nicht eine siebenjährige Beziehung einfach so wegschmeißen, oder?
Es war ja nicht so, dass ich nicht versucht hatte unsere Ehe noch irgendwie zu retten.

Vor etwa zwei Monaten hatte ich meine Mom darum gebeten, Nessie für eine Nacht zu nehmen, weil ich wieder etwas Zeit alleine mit meinem Ehemann verbringen wollte.
Es war ein Versuch unsere Ehe zu retten, aber es endete in einer Katastrophe.
Ich konnte nicht mehr sagen, warum wir uns gestritten hatten, aber es endete damit, dass Jacob auf der Couch im Wohnzimmer übernachtet hatte.
Aber ein Leben ohne Jake konnte ich mir auch nicht vorstellen und vor allem, und das war das Wichtigste, was wurde aus Nessie?
Mir war klar, dass Jacob immer für unsere kleine Prinzessin da sein würde, aber wie würde sie es aufnehmen? Wie würde Jacob es aufnehmen, wenn ich ihm meine Gedanken mitteilen würde?
Eigentlich war ich mir ziemlich sicher, dass auch er es so empfinden musste. Wir beide waren nicht glücklich, so wie es momentan zwischen uns lief.

Irgendwann wurde mir sein Schnarchen zu viel.
Hatte es mich schon immer so gestört oder hatte ich dem einfach nie solch eine große Beachtung geschenkt?
„Jake“, rief ich noch seinen Namen, versuchte dabei allerdings nicht allzu laut zu sein und rüttelte ihn an seinen Schultern.
Sein Schnarchen erstarb, aber schon nur wenige Sekunden später fing sein Schnarchkonzert wieder von vorne an.
War es gerade auch schon so laut gewesen oder hatte es an Lautstärke dazu gewonnen?
„Wach auf“, sagte ich etwas lauter und rüttelte ihn etwas fester.
Er fing an sich zu bewegen und murmelte irgendetwas vor sich hin, was ich nicht so recht verstand, aber in diesem Moment war es mir auch relativ egal, was er gesagt hatte.
„Jetzt wach doch auf! Wir müssen reden.“
Ich wusste, dass der Zeitpunkt um zu reden, ungünstig war.
Es war drei Uhr in der Nacht und wir mussten beide früh aufstehen, allerdings erschien mir dieser Moment genauso gut wie jeder andere zu sein.
Ich wollte das nicht unbedingt mit ihm besprechen, wenn Nessie im anderen Zimmer spielte und wenn Nessie in der Vorschule war, war Jacob arbeiten.
So schien es mir also das Beste zu sein und ich wollte auch nicht bis zum nächsten Abend warten.
Ich konnte einfach nicht mehr warten und mir weiterhin darüber den Kopf zerbrechen, wie es mit uns weitergehen sollte.
Ich brauchte Klarheit!

Verschlafen blickte er mich ein.
Ein Hauch von Verwirrung lag in seinen Augen als er registrierte, dass es draußen noch dunkel war und als sein Blick auf die Uhr auf seinem Nachttisch fiel, setzte er sich sofort aufrecht.
„Was ist passiert? Ist etwas mit Nessie?“, fragte er mich auch sofort und sah schon regelrecht panisch aus.
„Nein, ihr geht es gut. Es ist nur…“ Ich wusste nicht, wie ich meine Gedanken und Gefühle in Worte fassen sollte.
Wie machte man seinem Ehemann, und dem Vater des Kindes klar, dass man sich nicht mehr wohl fühlte?
„Jake, ich denke wir müssen reden“, brachte ich diese Tatsache sofort auf den Punkt und sah ihn unsicher an, nur um zu erkennen, dass er mir verschlafen, aber dennoch verständnisvoll zunickte.
Anscheinend konnte er sich denken, worauf dieses Gespräch hinauslaufen würde.


Ein Geräusch, welches ich schon seit Jahren nicht mehr gehört hatte, riss mich aus meinen Träumen.
Träume über meine Vergangenheit.
Ich fragte mich, warum ich ausgerechnet jetzt davon geträumt hatte. Es war Jahre her, dass ich an den Augenblick zurückgedacht hatte, als Jake und ich uns dazu entschlossen hatten unserer Ehe ein Ende zu setzen.
Plötzlich bekam ich etwas zu hören, was ich überall wieder erkennen würde…Jakes Schnarchen.
Das konnte nicht wahr sein…oder doch?
Hatte ich wirklich mit Jake…?! Ich konnte es noch nicht einmal zu Ende denken.
Innerlich hoffte ich, dass es noch eine Nachwirkung meines Traumes, meiner Erinnerung war, dass ich sein Schnarchen hörte, aber als ob man mir etwas beweisen wollte, konnte ich das Schnarchen nun klar und deutlich hören.
„Oh nein!“, murmelte ich, öffnete meine Augen und wandte meinen Kopf in die Richtung, aus der ich das Geräusch vernommen hatte.
Und da lag er, mein Ex Ehemann und bester Freund seit elf Jahren, der Vater meiner Tochter. Nackt. Nackt und in einem Bett, in dem noch nie ein nackter Mann gelegen hatte.
Ich hatte Sex mit Jacob! Scheiße!!
Wieso? Wieso hatte ich es nur getan?! Wieso hatten wir es getan?  
Es war eigentlich völlig unnötig, dass ich auch noch an mir herunter sah, aber ich tat es dennoch.
Wahrscheinlich in der Hoffnung, dass ich noch komplett angezogen war und zwischen uns doch nichts passiert war, was allerdings dann nicht erklären würde, warum ein nackter Mann neben mir in meinem Bett lag.
Aber es war nicht irgendein Mann, es war Jake.
Der Jake, mit dem ich, als ich 15 war, zusammen kam.
Der Jake, mit dem ich so viel Mist in der Schule gebaut hatte, dass ich es gar nicht mehr an einer Hand abzählen konnte.
Der Jake, der mich geschwängert hatte, als ich 17 war.
Der Jake, der mir mit 19 einen Heiratsantrag gemacht hatte und wir uns im selben Jahr noch das Ja Wort gaben.
Der Jake, von dem ich mich vor elf Jahren hatte scheiden lassen.
Der Jake, der mittlerweile viel länger mein bester Freund war, als dass wir verheiratet waren.
Wieso also hatten wir es nur getan?

„Verdammte Scheiße“, rief ich nun aus, sprang mit dem Laken um meinen nackten Körper herum vom Bett und suchte meine Klamotten zusammen.
Eigentlich hatte ich ja damit gerechnet, dass Jacob durch mein Geschrei und meinem Gefluche aufwachen würde, aber ich hätte es besser wissen müssen.
Seelenruhig schlief und schnarchte er weiter vor sich her.
Wieso passierte das ausgerechnet mir?
Jake und ich verstanden uns doch so gut und nun hatten wir einen Fehler begannen.
Es war, wie wenn ein Blitz bei mir eingeschlagen hätte, als mich die Erinnerungen vom gestrigen Tag übermannten.
Wie ich zu Edward gefahren war und wie kalt er mich behandelt hatte.
Wie ich realisiert hatte, dass ich viel mehr für ihn als nur simple Sympathie oder Freundschaft empfand.
Wie ich nach Hause kam und Jake mich getröstet hatte und eins zum anderen gekommen war…
Ich fühlte mich schrecklich.
Es war nicht so, dass der Sex mit ihm schlecht gewesen war, denn das war es niemals gewesen.
Aber die Tatsache, dass wir Sex gehabt hatten war es, was die ganze Situation für mich so furchtbar machte.

Sobald ich mein Höschen wieder gefunden hatte, fischte ich aus meinem Schrank ein T-Shirt raus, welches mir bis kurz über die Knie ging.
Meine restlichen Klamotten, zusammen mit dem Laken schmiss ich erst einmal in eine Ecke und würde sie dann später in den dafür vorhergesehenen Wäschekorb im Badezimmer reinschmeißen.
Ich griff nach Jakes Boxershorts, welche sich in meiner Nähe befand und schmiss sie aufs Bett und traf so sein Gesicht.
Vielleicht würde er wenigstens davon aufwachen und das bevor Nessie nach Hause kommen würde.
Verdammt! Nessie!
Panisch hetzten meine Augen durch mein Schlafzimmer, bis sie endlich die roten, leuchtenden Buchstaben der Uhr kreuzten. Zehn Uhr am Morgen.
Fuck!
Es würde nicht mehr lange dauern, bis sie nach Hause kommen würde.
Für gewöhnlich, wenn sie bei Emily schlief, war sie spätestens um elf Uhr wieder hier und ich wollte es nicht riskieren, dass sie Jake nackt in unserer Wohnung antreffen sollte.

„Wach doch auf!“, rief ich in Jakes Richtung und schmiss ihm auch seine Hose aufs Bett.
 „Nicht das Hähnchen, nimm die Salami!“, hörte ich ihn panisch rufen und sah, wie er nun senkrecht im Bett saß.
Erschrocken, da ich mit diesem idiotischen und sinnlosen Ausruf nicht gerechnet hatte, hüpfte ich einen Schritt zurück und hielt mir automatisch meine Hand ans Herz, nur damit ich es unterhalb meiner Handfläche schneller schlagen spüren konnte.
War das etwa eine neue Angewohnheit von ihm so aufzuwachen?
„Zieh dich an“, murmelte ich in seine Richtung und suchte nach seinem Shirt, welches jedoch nirgends zu finden war.
Wo war dieses verdammte Teil nur hin?
„Bella?“ Jakes Stimme klang fragend und ein wenig verwirrt und diese Tatsache konnte ich durchaus nachvollziehen, denn ich war nicht weniger verwirrt.
Am Liebsten hätte ich in sein Gesicht gesehen, damit ich die Emotionen darin raus lesen konnte, aber es ging nicht.
Nach letzter Nacht hatte ich das Gefühl, als ob ich ihm nie wieder ins Gesicht blicken konnte.

„Gibt’s doch nicht“, murmelte ich vor mich hin, als ich mich hinkniete um nachzusehen ob sein Shirt vielleicht unter dem Bett verschwunden war.
„Hey…Bella jetzt beruhige dich doch mal“, konnte ich wieder Jakes Stimme vernehmen, welcher versuchte beruhigend auf mich einzureden.
Aber von beruhigen war nicht die Rede. Oh nein, ich würde mich erst dann wieder beruhigen, wenn das gestrige Ereignis, oder noch besser, der gesamte gestrige Tag ausgelöscht werden würde.
„Verdammt, wo ist das hin?“, keifte ich und krabbelte durch das gesamte Schlafzimmer, auf der Suche nach seinem dummen, schwarzen Shirt.
„Was machst du da?“, drang Jakes Stimme zu mir hindurch und zum ersten Mal, seitdem er aufgewacht war, sah ich wieder in seine Richtung.
Zu sehen war er, der nackt in meinem armen, unschuldigen Bett saß. Seine Füße waren auf den Boden und die Decke war zur Seite geschoben, sodass der Blick auf seine Männlichkeit einwandfrei war.
„Jake!“, rief ich entsetzt und mit piepsiger Stimme, kniff schnell meine Augen zusammen und ließ meine Hände direkt vor meinen Augen wandern.
Mir war durchaus bewusst, dass ich letzte Nacht noch mit ihm geschlafen hatte und wir uns auch schön öfter nackt gesehen hatten, aber in diesem Moment war es etwas völlig anderes.
„Könntest du dir bitte etwas anziehen?“, fragte ich ihn und behielt meine Augen weiterhin geschlossen.
„Was?“, fragte er verwirrt und konnte den Stoff meiner Bettdecke im Hintergrund rascheln hören.
„Oh…“, murmelte er wieder, während ich wieder etwas rascheln hörte und darauf wartete, dass ich endlich wieder meine Augen öffnen konnte.
„Bist du jetzt plötzlich schüchtern geworden? Es ist ja nicht so, als hättest du mich noch niemals nackt gesehen. Kannst wieder gucken“, hörte ich Jake sagen und das Grinsen in seinem Gesicht war kaum zu überhören.
Als ich meine Augen wieder öffnete und in seine Richtung sah, konnte ich gerade sehen, wie er sich seine Jeans wieder zuknöpfte und sich wieder auf mein Bett draufsetzte.
Die Laken waren völlig zerwühlt, was aber auch kein Wunder war bei dem, was wir in der letzten Nacht getan hatten.
Wie konnten wir uns nur so gehen lassen? Uns von unserem Schmerz so leiten lassen?
Beschämt vergrub ich mein Gesicht in meine Hände und murmelte irgendwelche Flüche hinein, in der Hoffnung, dass ich dadurch alles rückgängig machen konnte.
Mir war durchaus bewusst, dass es so nicht möglich war, dass ich die Zeit nicht zurückdrehen konnte, aber hoffen durfte man doch noch, oder?

„Jake, ich denke wir müssen reden.“
Ohne nachzudenken hatten diese Worte meine Lippen verlassen, aber um ein Gespräch würden wir eh nicht drum herum kommen. Besonders nicht dann, wenn diese Sache zwischen uns und unserer Freundschaft stehen sollte.
 „Okay, reden wir“, sagte er und lehnte sich mit dem Rücken am Kopfteil meines Bettes, welches in der letzten Nacht seiner Unschuld beraubt wurde.
Gerade als ich zum Reden ansetzen wollte, hörte ich das Öffnen der Wohnungstür…Nessie!
Dabei konnte es sich nur um Nessie handeln. Verdammte Scheiße!
Sie sollte auf keinen Fall mitbekommen, was sich zwischen ihrem Dad und mir abgespielt hatte.
Völlig panisch sah ich wieder herüber zu meinem Ex Mann, der wohl den gleichen Gesichtsausdruck wie ich haben musste.

„Mom, ich bin wieder da!“, hörte ich Nessie rufen, woraufhin die Tür wieder geschlossen wurde und ich mich für etwas entschied, was ich seit über 17 Jahren nicht mehr getan hatte und zwang Jake dazu sich zu verstecken. 


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