Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Sonntag, 12. September 2010

Kapitel 13 - Zur falschen Zeit am falschen Ort

Bella POV

Es war still in unserer Wohnung.
Eine Stille, wie ich sie noch nie erlebt hatte und die ich, um ehrlich zu sein, auch nie erleben wollte.
Ich war zu Hause und ganz alleine.
Nessie würde heute bei Emily und ihren Großeltern übernachten und ich wusste nichts mit mir anzufangen.
Es war nicht so, als wäre sie die erste Nacht weg, aber noch nie fühlte ich mich so nutzlos, wie in diesem Moment.
Ich wusste einfach nichts mit mir anzufangen und das kam so gut wie nie vor.

Also saß ich hier in meinem Wohnzimmer, starrte auf einen imaginären Fleck auf dem Boden und dachte nach.
Fühlte sich Edward etwa die ganze Zeit so, seitdem seine Tochter bei ihren Großeltern lebte?
Erst jetzt schien ich langsam begreifen zu können, wie er sich fühlen musste.
Ein Abend war für mich ja schon unerträglich und wenn ich mir vorstellte, dass das über einen längeren Zeitraum so sein würde, wäre das unerträglich.
Er musste wirklich sehr stark sein, wenn er dieses Gefühl tagtäglich mit sich herumschleppte und versuchte damit zu leben.
Sollte ich ihn vielleicht mal besuchen gehen?
Ihm etwas Gesellschaft leisten?
Schließlich hätten wir beide etwas davon oder etwa nicht?

Entschlossen erhob ich mich von meiner Couch, zog mir meine Jacke über und verließ meine Wohnung.
Was war schon groß dabei, wenn ich zu ihm gehen würde?
Wir waren schließlich gerade dabei Freunde zu werden und so etwas taten Freunde doch, oder? Sich gegenseitig Gesellschaft leisten, wenn sich jemand einsam fühlte und man vielleicht noch darüber reden wollte.

Also setzte ich mich in meinen Wagen und fuhr los.
Da ich Nessie im vergangenen Jahr häufiger zu Emily gefahren hatte, wusste ich ungefähr wo ich hinmusste.

Es kam mir vor, als wäre ich eine halbe Ewigkeit gefahren, als ich endlich das Anwesen der Cullens erreichte.
Ich wohnte mitten in der Stadt und das Haus von Edward und Emily lag etwas außerhalb von Chicago.
Bisher hatte ich noch nie auf der Einfahrt gehalten.
Nessie bat mich immer darum sie vorher schon abzusetzen, damit ich mir diesen kleinen Umweg ersparen durfte.
Als ich das Haus von meiner Windschutzscheibe aus betrachtete, fiel mir beinahe meine Kinnlade auf den Schoß.
Ich wusste ja, dass Edward reich war, aber ich hatte ja keine Ahnung, dass er so reich war.
Das Haus war wirklich riesig, sehr prachtvoll, aber hatte trotzdem den Stil der heutigen Zeit.
Ich war mir fast schon sicher, dass meine Wohnung so groß war wie eine seiner Abstellkammern.
Was musste er nur gedacht haben, als er das erste Mal in meiner Wohnung war?

Langsam stieg ich aus meinem Wagen aus, konnte meine Augen aber immer noch nicht von dem Haus abwenden.
Ich war davon wirklich mehr als beeindruckt.
Dennoch fragte ich mich, ob da wirklich nur Edward und Emily lebten.
Vielleicht lebten da auch noch ein paar Bedienstete und ich wusste noch nicht einmal, ob Carol-Ann auch schon bei ihm eingezogen war.
Edward hatte mir zwar gesagt, dass er seine Verlobung auflösen wollte, aber wer wusste schon, ob er das wirklich getan hatte?
Bei unserem Essen erschien es mir nicht unbedingt, als wäre er sich seiner Entscheidung sicher gewesen und seitdem waren schon ein paar Tage vergangen.
Tage, in denen ich nichts mehr von ihm gehört hatte.

Ich lief noch den kurzen Weg von der Einfahrt, bis zu der Haustür entlang und blieb einen Moment dort stehen, atmete noch einmal tief durch und betätigte letztendlich die Klingel.
Wieso war ich nur so nervös?
Man war nicht nervös, wenn man einen Freund besuchen ging, egal wie gut derjenige aussah.
Also, wieso war ich es dann?

Eine Weile stand ich vor der Haustür, doch nichts regte sich.
War er überhaupt zu Hause?
Doch als ich einen Blick zur Einfahrt warf, erkannte ich seinen Wagen.
Vielleicht hatte er mein Klingeln nicht gehört?
In so einem großen Haus wäre das sicher nicht verwunderlich, dass man die Türklingel an bestimmten Orten leicht überhören konnte, also betätigte ich ein weiteres Mal den Knopf neben der Tür, welcher meine Anwesenheit vor seiner Haustür ankündigte.
Ich blieb still und versuchte den Geräuschen im Hausinneren zu lauschen.
Konnte es vielleicht sein, dass er einen Zweitwagen hatte und mit diesem unterwegs war?
Aber warum stand sein Audi dann auf der Einfahrt und nicht in einer Garage, die er mit großer Sicherheit besaß?

Gerade als ich mich wieder zum Gehen abwenden wollte, hörte ich es drinnen Poltern.
Entweder es war ein Einbrecher im Haus oder Edward war wirklich da.
Ich versuchte geduldig zu warten, konnte es aber nicht verhindern, dass mein Körper die ganze Zeit hin und her zappelte.
Was zum Teufel war nur mit mir los?
Mein Arm erhob sich ganz automatisch und griff nach dem goldenen Türklopfer an der weißen Haustür.
Ich wollte nicht unbedingt ein weiteres Mal die Klingel bedienen, also machte ich mich eben so bemerkbar.
Hatte er vielleicht geschlafen und ich hatte ihn dabei gestört?
Vielleicht wäre es doch besser gewesen, wenn ich ihn vorher angerufen und gefragt hätte, ob es in Ordnung wäre, wenn ich vorbei kommen würde.

Meine lauschenden Ohren konnten schnelle, stampfende Schritte hinter der Tür vernehmen, welche mit jeder Sekunde die verstrich immer lauter wurden und plötzlich wurde die Tür vor meiner Nase mit einem schnellen Ruck aufgeschlossen.
Ich erschrak, weil ich damit nicht gerechnet hatte, wich einen Schritt zurück und legte meine rechte Hand auf mein Herz.
„Gott, hast du mich erschreckt“, sagte ich und hob meinen Blick, damit ich ihn ansehen konnte.
Doch ich erschrak erneut, als ich in sein Gesicht blickte.
Die Ringe unter seinen Augen verrieten mir, dass er die Nacht entweder gar nicht oder eben sehr schlecht geschlafen haben musste.
Seine Augen besaßen keinerlei Ausdruck und seine Gesichtszüge wirkten verkrampft.
Das war nicht der Mann, mit dem ich gerechnet hatte.
Vom guten Edward war nichts zu sehen und ich befürchtete schon das Schlimmste.

„Was ist passiert?“, fragte ich ihn und machte einen Schritt auf ihn zu, doch er wich einfach zurück.
„Was willst du hier?“, stellte mir Edward barsch eine Gegenfrage und sah mich grimmig an.
Hatte ich etwas Falsches gesagt?
„Dich besuchen“, war meine schlichte Antwort und ging wieder einen Schritt zurück.
Ich wollte nicht, dass er sich irgendwie unbehaglich fühlte und schon gar nicht meinetwegen.
„Ich habe dich nicht darum gebeten“, erwiderte er nur darauf und ich zuckte zusammen, als mich die Kälte seiner Stimmer traf, mit der er diese Worte ausgesprochen hatte.
Mein Innerstes füllte sich mit Schmerz, als ich ihn so reden hörte.
Wenn er sonst so mit mir sprach, hätte ich ihm gehörig Kontra gegeben, aber nun…
Nun stand ich hier und sah ihn fassungslos an, konnte nichts darauf erwidern, blieb stumm und so war ich normalerweise nicht.

Seine Gesichtszüge bekamen einen genervten Ausdruck und ich fragte mich, wo der Mann abgeblieben war, der mich zum Essen ausgeführt hatte, denn von ihm war ich nicht das kleinste Bisschen zu erkennen.
Was war nur passiert?
Plötzlich wurde die Tür vor meinen Augen zugeschlagen und ich erschrak erneut.
Wenn es so weitergehen würde, dann würde ich auf diesem Anwesen noch einen Herzinfarkt erleiden.
Hatte er mir da gerade tatsächlich die Tür vor der Nase zugeknallt?!
Ohne jegliche Vorwarnung oder einem Abschiedsgruß?
Egal wie beschissen seine Laune auch war und egal, warum er diese Laune hatte, ich hatte es nicht verdient so behandelt zu werden.
Niemand hatte das, also klingelte ich Sturm.
Es war mir egal, wie sehr ihn das nerven würde, aber ich wollte, dass er wieder aus seinen vier Wänden raus kam.
Mittlerweile kannte ich Edward gut genug, dass ich wusste, wenn ich hier lang genug stehen und klingeln würde, er irgendwann die Tür aufreißen würde.
Und tatsächlich war es auch so, denn nur wenige Augenblicke später war die Tür vor meiner Nase verschwunden.
Ohne ihn zu beachten lief ich einfach an ihm vorbei, in das Innere des Hauses und blieb im Flur stehen.
Ich wollte es nicht noch einmal riskieren, dass er mir wieder die Tür vor der Nase zuschlug und außerdem wusste ich nicht, wie weit seine Nachbarn entfernt lebten.
Es sollte ja nicht jeder mitkriegen, wie wir uns in die Haare bekommen würden.

„TICKST DU NOCH RICHTIG?“, hörte ich ihn brüllen und bemerkte das lautstarke zufallen der Tür.
„ICH HABE DICH NICHT HIER REIN GEBETEN!!“
Diese Worte verliehen meinem Herzen einen weiteren Stich.
So langsam schien ich zu begreifen, warum es so wehtat, aber genau in diesem Moment wollte ich es einfach nicht wahrhaben.
Es tat verdammt weh, wie er mich behandelte und ich würde das nicht einfach auf mir sitzen lassen.
„OB ICH NOCH RICHTIG TICKE? WIESO ZUR HÖLLE KNALLST DU MIR DIE TÜR EINFACH VOR DER NASE ZU?“, brüllte ich ihn zurück an, als ich mich zu ihm herumgedreht hatte und verschränkte meine Arme vor meiner Brust.
Einerseits, damit der Schmerz in meinem Herzen nachließ und zum anderen, weil ich so unglaublich wütend war.
Wütend, dass er mich so behandelte wie das letzte Stück Dreck und wütend, weil ich diese Schmerzen empfand.
Ich wollte nicht so empfinden und wünschte mir, dass ich niemals hierher gekommen war.

„WEIL ICH DICH VERDAMMT NOCH MAL NICHT SEHEN WILL UND JETZT RAUS AUS MEINEM HAUS!“, brüllte er wieder und ich konnte ihn nur fassungslos ansehen.
Hatte er das gerade wirklich gesagt?
Zur visuellen Unterstreichung seiner Worte griff er nach dem Türknauf und öffnete mir die Tür.
Der Blick, den er mir gerade zuwarf, war tödlich.
Einen Augenblick lang stand ich noch wie erstarrt an Ort und Stelle und konnte einfach nicht fassen, was hier gerade passierte.
Tränen stiegen in mir auf, aber ich wollte nicht, dass er sie sah.
Wollte nicht, dass er sah, wie sehr mich sein Verhalten verletzte und meinem Herzen viele, kleine Schnitte verpasste.
Also lief ich schnell an ihm vorbei, hielt meinen Kopf gesenkt, blieb aber noch kurz am Türdurchgang stehen.
„Habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt?!“, fragte er noch einmal nachdrücklich und ich kniff schnell meine Augen zusammen, damit meine Tränen nicht aus ihnen entfliehen konnten.
Meinen Kopf wandte ich halb über meine Schulter, achtete aber noch darauf, dass meine Haare mein Gesicht verdeckten.
Ich wollte etwas sagen.
Irgendetwas, aber ich konnte es nicht.
„Glasklar“, sagte ich nur, atmete noch einmal tief durch und setzte mich in Bewegung, lief auf meinen Wagen zu, während ich versuchte die Autoschlüssel aus meiner Jackentasche herauszufischen.
Meine Hände zitterten und dieses Tun gestaltete sich als schwieriger heraus, als es sonst eigentlich immer der Fall war.

Wieso war ich Volltrottel nur auf die Idee gekommen ihn zu besuchen?
Hätte ich es nicht lieber lassen können? Dann wäre mir diese mehr als nur unangenehme Begegnung erspart geblieben.
Und dieser Schmerz… verflucht noch mal, wieso ließ er nicht nach?
Es sollte aufhören, sofort!
Aber es ließ nicht nach, schien nur noch größer zu werden und bohrte sich immer tiefer in mein Innerstes.
Ich hätte es niemals zulassen dürfen, dass er sich in mein Herz schlich.
Denn wäre dies nicht der Fall gewesen, dann würde es jetzt auch nicht so wehtun, wie wenn mir jemand tausend Nadeln in mein Herz stechen würde.

Meinen Wagen durch die Stadt, zurück zu mir nach Hause zu kutschieren, erwies sich als verdammt kompliziert.
Es war anstrengend sich auf den Verkehr zu konzentrieren, wenn in mir ein Orkan wütete.
Beinahe hätte ich sogar einen Unfall gebaut, aber ich konnte noch rechtzeitig ausweichen um es zu verhindern.
Die ganze Fahrt über hatte ich meine aufkommenden Tränen zurückgehalten, doch sobald ich das Auto vor dem Haus meiner Wohnung geparkt hatte, gab es kein Entrinnen mehr.
Ich ließ den Tränen freien Lauf, versuchte meinem Schmerz so zu entkommen, aber es ging nicht, wollte nicht verschwinden und das machte mich wütend.
So wütend, dass ich auf das Lenkrad vor mir mit meinen Fäusten einschlug, bis mir meine Hände wehtaten.
In diesem Moment war ich glücklicher denn je, dass Nessie nicht zu Hause war.
Sie sollte mich nicht so sehen.

Bevor ich aus dem Wagen stieg, versuchte ich mir mit dem Ärmel meiner Jacke die Tränen aus dem Gesicht zu wischen, doch es kamen immer wieder neue.
Ein Damm war in meinem Inneren gebrochen und machte sich durch die Tränen bemerkbar.
So viele Jahre war ich nicht mehr verliebt gewesen und ich hatte es schon fast vergessen wie es sich anfühlte, wenn man so verletzt wurde.
Das Schlimmste dabei war, dass ich erst in dem Moment gemerkt hatte, dass ich dabei war ihm mein Herz zu schenken, als er es einfach auf dem Boden geworfen und darauf herumgetrampelt hatte.

Auf dem Weg nach oben zu meiner Wohnung versuchte ich meine Tränen so gut es ging zurückzuhalten.
Ich wollte nicht, dass mir noch ein Nachbar entgegenkam und sofort sehen konnte, was mit mir los war.
Erst wenn ich meine eigenen vier Wände betreten würde, könnte ich meinem Schmerz freien Lauf lassen.

Sobald ich meine Etage erreicht hatte, zeigte sich in mir eine Spur Erleichterung.
Gleich wäre ich allein, konnte mich in Mitleid suhlen und versuchen bis zur Besinnungslosigkeit meinen Schmerz hinauszuweinen.
Hatte ich ihm wirklich schon so viel von meinem Herz geschenkt, dass es so sehr weh tat?
Eigentlich dachte ich, dass alles gut lief.
Dass er den brüllenden Edward fast hinter sich gelassen hatte und dem guten Edward genügend Platz machte.
Aber da hatte ich mich wohl geirrt.
So sehr, wie ich mich noch nie in einem Menschen geirrt hatte.
Ich dachte wirklich, dass er auf dem besten Weg war sich zu bessern, sich zu ändern, aber heute hatte er mir mehr als deutlich gezeigt, dass sich nichts verändert hatte.

Froh darüber, dass ich endlich vor meiner Haustür stand und ich es für meinen momentanen Zustand sogar recht schnell geschafft hatte die Wohnungstür zu öffnen, betrat ich mein vertrautes Heim.
Die Tür ließ ich schnell hinter mir fallen, lehnte mich mit dem Rücken dagegen, schloss meine Augen und atmete tief durch, versuchte mich irgendwie zu beruhigen, aber es klappte nicht.

„Bella?“, vernahm ich eine mir sehr vertraute Stimme aus dem Wohnzimmer und erschrak ein weiteres Mal an diesem Tag.
Schließlich hatte ich damit gerechnet, dass ich alleine sein würde, sobald ich durch meine Wohnungstür ging.
„Jake?“, fragte ich mit zitternder und leiser Stimme zurück und lief auf wackeligen Beinen zum Wohnzimmer.
Es war für mich ganz natürlich, dass Jacob einen Zweitschlüssel für unsere Wohnung bekommen hatte, aber bisher war er noch nie dazu gekommen diesen auch zu benutzen.
Vor allem dann, wenn niemand zu Hause war.

„Was tust du hier?“, fragte ich ihn, als ich den Durchgang zum Wohnzimmer erreicht hatte.
Ob er den Unterschied in meiner Stimme merken würde?
Jacob kannte mich wirklich gut, zu gut um ehrlich zu sein, aber ich wollte mit Niemandem über das reden, was vorgefallen war.
„Charlotte hat mich rausgeschmissen und da dachte ich…oh mein Gott, Bella! Geht es dir gut?“
Jacob kam sofort auf mich zu gerannt, als er mich erblickt hatte und nahm mich in eine feste Umarmung.
Ich musste ja wirklich sehr schlimm aussehen.
Auch ich schlang meine Arme um ihn, nachdem ich anfangs etwas gezögert hatte und krallte mich in seinem Shirt fest.
Die Tränen sollten nicht die Macht über mich gewinnen, aber egal wie sehr ich versuchte mich dagegen zu wehren, es half nichts.
Es tat so gut, dass Jake da war.
Jemand, der mich hielt, auch wenn er nicht wusste, was geschehen war.

„Sie hat dich rausgeschmissen?“, fragte ich ihn mit Tränen erstickter Stimme und realisierte eben erst sein gesagtes.
Wenn wohl etwas schief ging, dann richtig.
Jake war schon so oft geschieden worden und jetzt würde wohl wieder die nächste Scheidung vor der Tür stehen.
„Ja, hat sie, aber das ist jetzt unwichtig. Erzähl mir lieber, was mit dir passiert ist.“ Die Besorgnis in seiner Stimme war klar und deutlich herauszuhören, aber ich konnte ihm nicht erzählen, was passiert war.
Dafür war der Vorfall noch zu frisch.
„Oh Gott! Das tut mir so Leid für dich“, murmelte ich in sein Shirt und krallte mich noch mehr fest.
Mein stilles Weinen wandelte sich in ein leises Schluchzen und ich konnte die Geräusche nicht verhindern, die ihm meine Tränen verraten würden.
„Komm schon Kleines, erzähl mir was passiert ist.“
Jacob lockerte seinen festen Griff um meinen Rücken, griff stattdessen nach meinen Oberarmen und hielt mich ein Stück von ihm entfernt.
Aber ich konnte ihn nicht ansehen und starrte deswegen auf den Boden, versuchte still vor mich her zu weinen, aber es brachte nichts.
Mein Körper bebte wegen der Heulerei und langsam wurde ich zu schwach, um gegen die Tränen anzukämpfen.
„Er…ich…und dann…“, schluchzte ich drauf los und fing an nur noch mehr zu weinen, als ich mir seine genauen Worte in mein Gedächtnis rief.
Edward wollte mich nicht sehen und das hatte er mir mehr als deutlich klar gemacht.
Allein schon wenn ich an seinen Namen dachte, wurde mein Weinen nur noch lauter.
„Hey, beruhig dich doch. Komm mal mit.“
Normalerweise hätte ich dagegen protestiert, als Jacob mich in seine Arme hob, hinüber zur Couch trug und mich auf seinen Schoß setzte.
Sogar für das Protestieren war ich zu schwach.

„Er…Er…wieso?“
Ich lehnte meinen Kopf an seiner Schulter an, versuchte mich irgendwie zu beruhigen, aber egal was ich auch versuchte, es klappte nicht.
Bei Jake war es eigentlich immer der Fall, dass er einer der wenigen Menschen war, die es schafften mich zu beruhigen, wenn ich mal etwas aufgebracht war, aber selbst das half nicht.
„Bin ich….bin ich denn wirklich so…so ein grausamer Mensch?“, fragte ich sowohl mich selbst, als auch meinen besten Freund.
Jake malte mit seinem Finger imaginäre, kleine Kreise auf meinen Rücken, während er mich festhielt und enger an sich drückte.
„Natürlich nicht, wie kommst du nur darauf?“
Er sprach leise und mit so einem beruhigenden Ton in der Stimme, dass sich mein Körper tatsächlich für einen kurzen Moment entspannte.
„Wieso…ich…ich habe doch nichts getan…“, sagte ich nur, konnte auf seine Frage nicht antworten und stammelte nur Bruchstücke dessen aus, was sich in meinem Kopf angesammelt hatte.
Lauter Fragen, welche eine Antwort verlangten, sie forderten, aber keine bekamen.
Was hatte ich Falsches getan?
Was hatte ihn nur so aufgebracht?
Wieso hatte er mich so behandelt, als wäre ich das letzte Stück Dreck auf diesem Planeten?
Und das waren nur wenige der Fragen, die in meinem Kopf herumspukten, kombiniert mit seinen Worten.
Die Kälte in seiner Stimme hatte schon lange die Minusgrade erreicht.
Noch nie hatte ich ihn so kalt reden hören.
Er hatte schon öfter herumgebrüllt, sogar mich, aber nicht so.

„Niemand…mand will mich…“, flüsterte ich mehr zu mir selbst, hätte allerdings damit rechnen müssen, dass Jake mich hören würde.
„Wie kommst du auf diese absurde Idee?“, fragte mich Jacob und hob mit einer Hand mein Gesicht so an, dass ich von seiner Schulter ablassen und ihn ansehen musste.
Aber ich konnte ihm nicht in die Augen sehen, starrte auf sein schwarzes und von meinen Tränen leicht von Flecken übersäten T-Shirt.
„Bella, sieh mich an“, forderte er liebevoll, aber erst, als er den Druck an meinem Arm etwas verstärkte, konnte ich mich dazu durchringen meinen Blick zu heben.
„Du bist eine wundervolle Frau. So viele Männer würden sich um dich reißen, wenn du ihnen nur die Chance geben würdest“, teilte mir Jake seine Gedanken mit, aber ich schüttelte nur mit dem Kopf.
Ich wollte nicht irgendeinen Mann.
Edward war der erste Mann in den letzten elf Jahren zu dem ich mich hingezogen fühlte.
Und man konnte ja sehen, was dabei herausgekommen war.
Er wollte mich ja anscheinend nicht so, wie ich ihn wollte.
Man behandelte niemanden so, für den man tiefere Gefühle empfand.
Nicht einmal Freunde behandelte man so, wie er mich heute behandelt hatte, dabei dachte ich, dass wir wirklich auf dem besten Weg waren, um Freunde zu werden.
Wäre ich doch nur niemals zu ihm gefahren, dann wäre das alles nicht passiert und ich wäre mir meiner Gefühle für ihn immer noch nicht im Klaren.
Aber wäre die Bombe nicht so oder so irgendwann geplatzt?
Und war es nicht besser, dass sie früher geplatzt war?

Meine Stirn lehnte sich ganz automatisch an die von Jacob.
Ich schloss meine Augen, versuchte meine Gedanken irgendwie zu ordnen, was mir zwar nur schwer gelang, aber wenn ich mich bemühen würde, könnte ich dieses Chaos bestimmt wieder zurechtordnen.
„Jetzt hörst du mir mal zu. Du bist klug, hast einen wirklich tollen Humor und siehst auch noch toll aus. Und das sind nur wenige Sachen, die dich zu der wundervollen Person machen, die du bist und irgendwann wird das ein Mann auch zu schätzen wissen.“
Tief sah er mir mit seinen dunklen Augen in meine und legte solch eine Überzeugungskraft da rein, dass er mich schon praktisch dazu zwang ihm Glauben zu schenken.
„Danke“, sagte ich aufrichtig und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
Ich war ihm für so vieles dankbar.
Er war immer für mich da und wusste ganz genau, wann er die richtigen Worte sagen musste, damit ich mich besser fühlte.

„Immer wieder gern“, erwiderte er, beugte sich vor und gab auch mir ein Kuss auf die Wange.
Meine Hände hatte ich mittlerweile um seinen Nacken verschränkt, doch als er sich wieder von mir abwenden wollte, hielt ich ihn an Ort und Stelle fest.
Ich konnte mir nicht erklären, was mich in diesem Moment überkam, aber ich genoss einfach seine Nähe.
Wieder blickten wir uns gegenseitig in die Augen des anderen und ehe ich mich versah konnte ich seine Lippen auf meinen spüren.
Keiner von uns regte sich, unsere Lippen drückten sich einfach nur gegen die des anderen, doch nach einem Moment schloss ich meine Augen und fing an ihn zu küssen.
In keinerlei Weise konnte ich mir erklären, wie es überhaupt geschehen konnte, dass wir nun hier saßen und uns küssten. Es war einfach geschehen.
Es war ein Gefühl, was ich elf Jahre lang unterdrückt hatte.
Ein Gefühl, welches schon viel zu lange in mir schlummerte und darauf wartete, ausgelebt zu werden.
Aber niemals hätte ich gedacht, dass Jacob derjenige sein würde, der diesen Gefühlen eine Chance gab sich auszuleben.

Dieser Moment schien mir so absurd und trotzdem war er so real.
Der Kuss gewann immer mehr an Leidenschaft und sobald sich unsere Zungen gefunden hatten, gab es keinen Halt mehr.
Es fühlte sich so falsch an, meinem Ex Mann und besten Freund so zu küssen, aber das war etwas, was ich in diesem Moment brauchte.
Etwas, was wir beide brauchten, schließlich wurde er gerade von zu Hause rausgeschmissen und ich konnte wegen meiner eigenen Probleme noch nicht einmal in Erfahrung bringen, warum das der Fall gewesen war.

Irgendwann reichte mir diese Küsserei nicht.
Ich wollte mehr, wollte ihn spüren, wollte irgendetwas anderes fühlen, als diesen Schmerz in meiner Brust.
Meine Hände wanderten zum Saum seines Shirts, zogen es langsam hoch, bis wir unsere Lippen voneinander trennten und ich es irgendwo hinschmeißen konnte.
„Warte, warte“, sagte er, bevor sich unsere Lippen ein weiteres Mal hätten treffen können.
„Bist du dir sicher, dass du das willst?“, fragte er mich und sah forschend in meine Augen.
Seine Erregung konnte ich schon an meinen Oberschenkel spüren, wie sie sich dagegen presste und außerstande auch nur ein Wort zu sagen, nickte ich einfach nur und beugte mich wieder zu ihm, sodass sich unsere Lippen wieder vereinen konnten.
Jacob schien das wohl Antwort genug zu sein, denn nur kurz nachdem wir uns wieder küssten, hob er mich hoch und trug mich in Richtung Schlafzimmer.

Vor der Bettkante ließ er mich wieder zu Boden gleiten und sobald ich festen Boden unter meinen Füßen spüren konnte und mir sicher war, dass Jacob mich sicher an meinen Hüften festhielt, ließ ich von seinem Nacken ab und fing an mich auszuziehen.
Ich war froh, dass ich an diesem Tag nur eine Bluse angezogen hatte, so musste ich wenigstens nicht wieder von ihm ablassen und konnte weiterhin seine Zunge spüren, wie sie mit meiner spielte.
Es stellte sich als etwas problematisch heraus, als ich mir meine Hose ausziehen wollte, doch ich schaffte es ohne den Kuss auch nur einmal zu unterbrechen.
Auch Jacob hatte irgendwann von mir abgelassen und fing selbst an sich auszuziehen.
Doch ich hatte keine Geduld, zog ihn mit mir zurück, damit wir auf mein Bett fallen konnten.
Jacob stütze sich mit beiden Händen an meinem Bett ab, einen Arm jeweils rechts und links von mir, doch als ich mit meinen Lippen wieder nach seinen greifen wollte, stand er wieder auf.
Verwirrt blickte ich ihn an und konnte sehen, wie er etwas suchte, bis er nach seiner Hose griff und etwas aus dessen Tasche holte.
Verwirrt beobachtete ich, was er denn ausgerechnet diesem Moment suchen musste, aber als ich die Kondompackung in seiner riesigen Hand erkannte, wurde es mir sofort klar.
Ich war froh, dass er welche dabei hatte, denn ich hatte sie zu Hause nicht griffbereit.
Wieso sollte ich auch? Schließlich hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich genau jetzt Sex haben würde.
Als Jake wieder mir die Aufmerksamkeit schenkte und das letzte Stück Stoff an seinem Körper, seine Boxershorts, herunterzog, sah er mich intensiv an.
Und auch ich konnte meinen Blick nicht von ihm abwenden.
Er hatte in den letzten Jahren eindeutig an Muskelmasse zugelegt.

„Du siehst immer noch so schön aus, wie ich dich in Erinnerung hatte“, sprach er leise und so sanft, dass mich eine Gänsehaut überkam.
Nackt war er wieder auf mich zugekommen, fing an mich zu küssen und drückte mich weiter in die Matratze hinein.
Ich hatte überhaupt nichts dagegen einzuwenden, schlang meine Beine sogar noch um seine Hüften, damit er nicht wieder auf die Idee kam einfach so zu verschwinden.
„Du bist dir also wirklich sicher?“, fragte er mich erneut, diesmal jedoch mit eindeutig belegter Stimme.
Wieder nickte ich nur, drückte ihm noch zur Bestätigung wieder meine Lippen auf seine und ließ meine Zunge darüber wandern.
Ich war mir so sicher, wie ich es in dem Moment nun mal sein konnte.
Die Packung des Kondoms hatte er vorhin schon geöffnet, doch jetzt holte er es aus der Packung heraus und zog es sich über.
Tief sahen wir wieder in die Augen des anderen, ich konnte seinen Schwanz eindeutig an meinem Oberschenkel spüren, wie er langsam die Richtung meiner Mitte einschlug und als ich seine Spitze an meinem Eingang spüren konnte, musste ich leise stöhnen.
Beinahe hatte ich schon vergessen, wie gut sich so was anfühlen konnte und ich fragte mich, wie ich die letzten Jahre nur ohne dieses Gefühl leben konnte.
Natürlich hatte ich selber meine eigenen Methoden, wie ich mich befriedigen konnte, aber nichts konnte sich jemals so gut anfühlen, wie es ein Mann eben tat.
Ich drückte ihm mein Becken weiter entgegen, wollte ihn endlich spüren und schon im nächsten Moment konnte ich spüren, wie er in mich hinein drang.
Bei diesem Gefühl fingen wir beide an, an die Lippen des anderen zu stöhnen.
Ich brauchte einen Moment, bis ich mich an seine Größe gewöhnen konnte, schließlich war schon einige Zeit vergangen, seitdem ich das letzte Mal Sex hatte und Jacob wusste es.
Er ließ von meinen Lippen ab, küsste meine Wange hinab zu meinem Ohr, knabberte daran und wanderte wieder abwärts, damit er meinen Hals verwöhnen konnte.
Meinen Kopf ließ ich zurückfallen, genoss es so begehrt zu werden und ließ meine Hüfte kurz gegen seine stoßen um ihm zu signalisieren, dass er ruhig weitermachen konnte.
Seine Lippen weiterhin an meinem Hals geheftet fing er an sich in mir zu bewegen.
Erst langsam, dann immer schneller und nach kurzer Zeit war ich sogar soweit, dass ich seinen Bewegungen entgegenkommen konnte.
Mein Atem ging nur noch stockend, ich fing an zu keuchen und versuchte dieses Feuer in mir irgendwie zu mildern, aber es ging nicht.
Es fühlte sich so gut an und ich wollte nicht, dass er aufhörte.
Ich ließ meine Hände an seinen Rücken wandern, krallte mich darin fest, was ihn dazu brachte, fester in mich hinein zu dringen.
Mein Stöhnen wurde lauter, mein Atmen stockender und ich konnte den Orgasmus schon tief in mir spüren.
„Jake…“, brachte ich nur atemlos hervor und spürte schon, wie die ersten Wellen näher kamen.
„Gott, Bella! Ich…“, hörte ich Jacob sagen, doch auch er kam nicht weiter.
Seine Stöße wurden immer intensiver, fester und er drang tiefer in mich hinein und genau das war es gewesen, was mich letztendlich zu meinem Orgasmus geführt hatte, was wohl auch ihn dazu führte, sich in das Kondom zu ergießen.

Wir genossen unsere Leidenschaft, diesen unglaublichen Orgasmus und nachdem die ersten Wellen vorüber waren, ließ er sich neben mir fallen, zog mich aber noch so mit, dass ich meinen Kopf auf seine Brust betten konnte.

Obwohl ich den Sex mit ihm wirklich sehr genossen hatte, fühlte es sich mehr als nur falsch an, dass wir das getan hatten.
Schließlich waren wir seit elf Jahren nicht mehr zusammen, waren die besten Freunde und in einem Moment der Schwäche hatten wir miteinander geschlafen.
Es war so falsch, dass ich mit meinem Ex geschlafen hatte, obwohl ich erst heute entdeckt hatte, dass ich Jemandem mein Herz geschenkt hatte.
Jemand, der mein Herz gar nicht haben wollte und es in dem Müll geworfen hatte.

Allerdings blieb mir keine Chance weiter darüber nachzudenken, denn meine Lider fielen zu und das erste, was ich erkennen konnte, waren grüne Augen, so kalt wie der tiefste Winter.


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