Bella POV
Ich wachte an diesem Samstag ungewöhnlich früh auf, allerdings konnte ich nicht genau sagen, woran das liegen konnte.
Es ging mir einfach so viel durch den Kopf, dass mein Geist keine Möglichkeit fand dadurch zur Ruhe zu kommen und dadurch konnte auch mein Körper keine Ruhe finden.
Zum Einen war da das Date mit Edward Cullen gewesen.
Ungewöhnlich war, dass ich mich, trotz meiner Bedenken, wirklich gut mit ihm verstanden hatte.
Das Restaurant, in das er mich ausgeführt hatte, entsprach zwar nicht meinem Geschmack, seine Gesellschaft wurde für mich aber immer angenehmer, wodurch auch das Restaurant für mich erträglicher wurde.
Und was ich am wenigsten erwartet hatte: ich hatte sogar Spaß gehabt.
Ich lernte ihn etwas näher kennen und erkannte eine andere Seite an ihm.
Eine Seite, die ich bisher nur vermutet hatte, sich vorher nur selten hatte blicken lassen, aber gestern Abend war sie fast die ganze Zeit über präsent gewesen.
Er war wirklich sehr charmant und man konnte sogar sehr gut mit ihm lachen.
Der Abend fühlte sich beinahe an wie ein Date und ich wusste auch, dass Edward es als ein Date bezeichnen wollte, ich jedoch weigerte mich noch immer es als ein solches zu betrachten.
Dieser Mann war verlobt und so anziehend ich ihn mittlerweile auch fand, beharrte ich darauf, dieses Essen nicht als Date zu bezeichnen.
Als er mich am Ende des Abends auch noch küssen wollte bewies nur noch mehr, dass Edward unser Essen als ein Date ansah.
Es war nicht so, dass ich ihn nicht hätte küssen wollen, aber er war noch in festen Händen und zudem noch der Vater von der besten Freundin meiner Tochter.
Vanessa… Sie war der andere Grund, warum ich keinen Schlaf finden konnte.
Sie hatte mir immer noch keine näheren Informationen über sich und Jackson gegeben.
Ich hatte gehofft, dass sie von selbst zu mir kommen würde und mir von ihm und ihren Gefühlen für ihn erzählen würde, aber dem war nicht so.
Hatte die Reaktion ihres Vaters sie so sehr verschreckt, dass sie nun Angst hatte mir etwas von ihrer Gefühlswelt zu berichten?
Verstehen könnte ich es, schließlich hatte Jake sich wohl wirklich völlig daneben benommen, aber sie musste doch wissen, dass ich nicht genauso reagieren würde, wie ihr Vater es getan hatte, oder etwa doch?
Andererseits war es wirklich äußerst ungewöhnlich, wie Jacob sich verhalten hatte.
Es war einfach nicht typisch für ihn, dass er sich so sehr wie ein Vater verhielt, aber ich fand es gut, dass er es mal tat, auch wenn er sich dafür wohl den denkbar schlechtesten Zeitpunkt ausgesucht und seine Vaterrolle völlig übertrieben hatte.
Sie war immer noch etwas sauer auf ihren Dad und um ehrlich zu sein konnte ich sie auch verstehen.
Wenn mein Dad sich früher so bei Jake verhalten hätte, hätte ich wohl nicht anders reagiert.
Aber auch Jake konnte ich verstehen, schließlich ging es hierbei ja auch um mein kleines Mädchen, das viel zu schnell erwachsen wurde.
Natürlich hatte er überreagiert, aber er war nur ein sich sorgender Vater, der nur das Beste für seine Tochter wollte.
Nessie hätte allerdings auch einen schlimmeren Geschmack haben können.
Ich mochte diesen Jackson irgendwie, auch wenn ich ihn nicht gut genug kannte, dass ich das richtig beurteilen könnte, aber irgendwie mochte ich ihn.
Er schien wirklich nett und war mir gegenüber auch wirklich sehr freundlich und respektvoll gewesen.
Doch das wichtigste, was ihn mir sympathisch werden ließ, war die Tatsache, dass er meine Tochter wirklich zu mögen schien.
Wie er sie angesehen hatte und sich ihr gegenüber verhalten hatte… da sprach schon einiges für sich.
Ich war mir sogar fast schon sicher, dass er nur wegen ihr in den Buchladen gekommen war und ein Buch gekauft hatte, welches er wahrscheinlich noch nicht einmal aufgeschlagen hatte.
Es war ungewöhnlich, als ich die Richtung des Wohnzimmers einschlug und den Fernseher leise hören konnte.
Nessie schien also auch schon wach zu sein und es geschah wirklich nicht oft, dass sie früher als ich wach wurde.
Ob ihr auch etwas durch den Kopf ging und sie deshalb nicht schlafen konnte?
Als ich die Tür zum Wohnzimmer einen Spalt öffnete, erkannte ich Nessies Seitenprofil, wie sie auf der Couch saß und das Handy in ihrer Hand anlächelte.
Sie wirkte glücklich und das wiederum machte mich auch glücklich.
Zaghaft, aber doch laut genug, dass meine Tochter es wahrnehmen konnte, klopfte ich an den Türrahmen und trat in unser Wohnzimmer hinein.
„Guten Morgen, mein Schatz!“ Lächelnd ging ich auf sie zu und erst nachdem ich meine Worte gesprochen hatte, schien sie mich erst bemerkt zu haben.
„Hey Mom!“, rief sie fröhlich und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder ihrem Handy, nachdem es angefangen hatte zu piepsen.
Und schon war ich nur noch nebensächlich, aber bei Teenagern war das wohl normal.
Seufzend setzte ich mich neben Nessie auf die Couch, nachdem ich ihr einen Kuss aufs Haar gedrückt hatte und blickte auf den leise laufenden Fernseher.
Allerdings bekam ich nicht eine einzige Sekunde lang mit, was überhaupt dort lief und starrte ihn nur gedankenverloren an.
Ob ich sie mal wegen Jackson fragen sollte?
Wenn sie schon nicht zu mir kam, sollte ich dann nicht wenigstens einen Schritt auf sie zugehen und ihr zeigen, dass sie mit mir auch über dieses Thema reden konnte?
Schließlich wollte ich doch auch nur wissen, was in ihrem Leben vor sich ging und was der Grund dafür war, dass sie in genau diesem Augenblick so glücklich war.
War sie wirklich verliebt oder war es vielleicht doch nur eine kleine Schwärmerei?
Eigentlich konnte ich mir diese Frage schon selbst beantworten, aber ich wollte die Antwort so gerne von ihr hören.
Sollte ich sie fragen?
Aber was war, wenn ich mich ihr zu sehr aufdrängen würde, ich ihr dann auf die Nerven ging und sie mir nie wieder etwas von sich verraten wollte?
Obwohl sie meine Tochter war, konnte ich sie ja wohl schlecht dazu zwingen, so etwas zu tun.
Aber was wäre, wenn ich sie nicht fragen würde?
Würde sie denken, dass ich mich nicht für ihr Leben interessierte?
Das war doch alles Quatsch, was ich mir da gerade zusammen fabrizierte.
Ich würde sie einfach fragen. Schluss. Basta. Finito.
Wo war da das Problem?
Also drehte ich meinen Kopf nach rechts, damit ich einen Blick auf meine Tochter werfen konnte, die gerade fleißig dabei war etwas in ihrem Handy einzutippen und dabei einfach nicht aufhören konnte zu lächeln.
Jetzt oder nie!
„Schatz?“, fragte ich sie, nachdem sie zu Ende getippt hatte, damit sie mir wieder einen Teil ihrer Aufmerksamkeit schenken konnte.
Mit leuchtenden, braunen Augen sah sie auf, direkt in meine und ich hatte noch nie diesen Glanz darin gesehen.
Eine Art von Glanz, die ich in meinen Augen schon seit Jahren nicht mehr gesehen hatte.
„Soll ich uns Frühstück machen?“
Ich wusste, dass ich dumm war.
Dumm und feige, dass ich meiner eigenen Tochter noch nicht einmal eine Frage stellen konnte.
Eine Frage, die sich auf ihr Privatleben bezog.
Wollte ich es auf Grund meiner natürlichen Neugier wissen oder war es eher das besorgte Gen einer Mutter, welches mich so denken ließ?
„Klar“, antwortete sie mir mit einem dicken Grinsen im Gesicht doch wie es zuvor auch schon mal der Fall gewesen war, schien ihr Handy wieder interessanter zu sein als ich.
Da meine Tochter mich im Moment eh nicht weiter beachtete, machte ich mich seufzend auf den Weg in unsere kleine Küche, damit ich uns wenigstens ein nettes Frühstück zaubern konnte.
Nachdem ich einen Blick in unseren Kühlschrank geworfen hatte, hatte ich mich schnell dazu entschlossen uns Pancakes zu machen.
Nessie liebte Pancakes, genau wie ich und vielleicht würde ich es ja schaffen ihr beim Frühstück die eine oder andere Frage zu stellen.
Pancakes waren immer eine gute Methode um Jemandem die ein oder andere Antwort zu entlocken.
Meine Mom hatte damals dasselbe auch mit mir getan, wenn sie mir ein paar Fragen stellen wollte.
Ich wusste nicht wieso, aber bei Pancakes ließ es sich einfach gut reden.
Bei Edward Cullen hatte ich es damals im Diner genauso getan und wie man sah, funktionierte diese Methode nicht nur bei Teenagern, sondern auch bei erwachsenen Menschen.
Sobald die Pancakes und der Kaffee, der niemals fehlen durfte, fertig waren und ich mit meiner Tochter an unserem kleinen Esstisch saß, schwiegen wir eine Weile.
Allerdings war es eine Art von Schweigen, die ich nicht weiter benennen konnte.
Während ich mir darüber Gedanken machte, wie ich meine kleine Fragerunde am besten starten konnte, nahm Nessie die Stille um uns herum wohl gar nicht wahr und träumte vor sich hin.
Auch eine Eigenschaft, die sie eindeutig von mir hatte.
„Sag mal“, fing ich an und sobald diese Worte meine Lippen verlassen hatten bemerkte ich, was für ein bescheuerter Anfang das doch war.
Nun gut, daran war jetzt auch nichts zu ändern, also weiter.
„Was läuft da eigentlich zwischen dir und diesem Jungen….Jackson, richtig?“, fragte ich sie und oh Wunder, schon hatte ich ihre volle Aufmerksamkeit.
„Wieso, was soll mit ihm sein?“, stellte sie mir die Gegenfrage und blickte starr auf ihren Teller.
Obwohl ihr Gesicht von ihrem braunen Haar verdeckt wurde und ihre Nase nur ein paar Zentimeter über den Pancakes schwebte, konnte ich eine rote Nuance auf ihren Wangen erkennen.
„Nessie“, sprach ich ihren Namen mit etwas Nachdruck, allerdings keine Spur wütend oder sauer.
Das war eher die neugierige Stimmlage die verlangte, dass sie den Kopf wieder hochheben und mir in die Augen schauen sollte.
Da allein ihr Name in dieser Tonlage nicht half, legte ich meinen Zeigefinger auf ihr Kinn und hob es hoch, damit ihr Kopf wenigstens wieder gerade war und sie durch diese unbequeme Haltung wenigstens keine Nackenschmerzen bekommen konnte.
„Du weißt, dass du mir alles sagen kannst, oder?“
Ihre Augen immer noch auf ihren Teller gerichtet nickte sie, aber immerhin war ihr Kopf nicht mehr in einer solch unbequemen und vor allem ungesunden Position.
Doch da sie von alleine nicht zu sprechen begann, fing ich an ihr ein paar Fragen zu stellen.
„Seid ihr zusammen? Du und Jackson?“
Eine ganze Weile reagierte sie gar nicht, starrte weiterhin auf ihren immer noch halbvollen Teller, bis ich irgendwann ein Schulterzucken vernehmen konnte.
„Aber du bist in ihn verliebt, richtig?“
Ihr Kopf wurde knallrot, was ich als ein eindeutiges Ja wertete.
Da Nessie mir in vielen Dingen so ähnlich war, war es manchmal sogar sehr praktisch um uns auch mal ohne Worte zu verständigen.
Egal ob bewusst oder unbewusst.
„Und er ist auch in dich verliebt.“
Gut, letzteres war weniger eine Frage sondern viel mehr eine Aussage, aber es war wirklich offensichtlich, dass er sie sehr mochte, sogar in sie verliebt war.
Seine Blicke, die ich noch im Buchladen beobachtet hatte, sprachen Bände.
Die Art, wie er Nessie ansah, den Blick nicht von ihr lassen konnte und seine Augen bei ihrem Anblick leuchteten sagte schon mehr, als es Worte je zum Ausdruck bringen könnten.
Aber anscheinend schien es Nessie vollkommen anders zu sehen, denn prompt schüttelte sie den Kopf und sah mich aus traurigen Augen an.
Ich konnte es nicht ertragen, wenn meine Tochter mich so ansah, weshalb ich schon instinktiv zu ihr rückte, einen Arm um ihre Schulter legte und sie etwas zu mir zog, sodass ich meinen Kopf auf ihren betten konnte.
Wie sehr wünschte ich mir, dass sie mir einfach erzählen würde, was sie auf dem Herzen hatte und ich es ihr nicht erst aus der Nase ziehen musste.
Ja, ich war ihre Mutter und mit der Mutter redete man normalerweise nicht über solche Dinge, aber wir waren so viel mehr als nur Mutter und Tochter und vor allem waren wir anders als andere Mütter und Töchter.
„Was ist los, Süße? Willst du es mir nicht erzählen?“
Sanft streichelte ich mit meinen Fingerspitzen ihre langen braunen Haare, versuchte sie damit irgendwie zu trösten und zum Glück schien es zu klappen.
„Ich glaube, er mag mich nicht so wie ich ihn mag“, fing sie an und ich war froh, dass sie wohl endlich den Mut geschöpft hatte, um mir von ihrem Kummer zu erzählen.
„Wie kommst du darauf?“, wollte ich von ihr wissen und wich erschrocken zurück, als sie sich, wie von der Tarantel gestochen, plötzlich aufsetzte und sich die Haare raufte.
Okay, die Bombe war also geplatzt.
„Er…er…argh…! Er benimmt sich einfach nicht so, als ob er Interesse an mir hätte und behandelt mich wie jedes andere Mädchen auch. Und wenn er überhaupt jemals interessiert war, dann hat Dad ihn in die Flucht geschlagen. Was sollte sein Verhalten überhaupt? Er hat sch benommen wie der letzte Neandertaler. Ich meine, ich bin doch jetzt erwachsen genug, um auf mich selbst aufzupassen, da brauche ich keinen überfürsorglichen Vater. Du hättest es mal sehen müssen, wie er Jackson in die Flucht geschlagen hat und das meine ich wortwörtlich. Dad hat ihm eine Scheißangst eingejagt und sogar ich fand ihn furcheinflößend. Dad ist doch sonst nie so, also was zur Hölle ist
da in ihn gefahren? Aber ich muss ihm da wirklich gratulieren, denn wenn Jackson wirklich Interesse an mir hatte und ich meine damit mehr als nur Freundschaft, dann hat er es geschafft, dass Jackson jetzt… Mom, ich finde ihn wirklich toll und ich will, dass er mich genauso mag wie ich ihn. Es ist ja nicht so, als ob wir uns nicht verstehen würden, aber ich…“
Nessie holte einmal tief Luft, während ich mich von meiner eben neugewonnenen Erkenntnis erholte, dass meine Tochter so viele Wörter innerhalb nur weniger Sekunden sprechen konnte.
Das war etwas, was ich bei ihr wirklich noch nie erlebt hatte.
Hatte sie sich das etwa von Alice abgeschaut?
„Weißt du, was ich denke?“, fragte ich sie und hinderte sie noch rechtzeitig daran, dass sie sich ein weiteres Mal innerhalb kürzester Zeit in Rage redete.
„Ich glaube, dass er ganz schön bescheuert sein muss, wenn er sich nicht in ein so tolles Mädchen wie dich verliebt. Und das sage ich jetzt nicht nur, weil ich deine Mutter bin. Weißt du, ich habe euch letztens im Buchladen beobachtet und so, wie er dich angesehen hat, so guckt man keine platonischen Freunde an.“
Zärtlich strich ich ihr eine Strähne aus dem Gesicht und steckte sie hinter ihrem Ohr fest.
„Das war noch vor Dads Invasion“, murmelte sie, hatte aber auch wieder ein leichtes Lächeln im Gesicht.
„Und mit wem hast du dann gerade SMS geschrieben?“
Schon ehe ich die Frage richtig ausgesprochen hatte, machte sich wieder die Röte in ihrem Gesicht bemerkbar.
Wusste ich es doch, dass ich Recht gehabt hatte.
„Dad hasst ihn, oder?“
Nessies Augen wurden traurig, als sie mich das fragte.
Ich wusste, dass es auch für Nessie schwer sein musste mit ihrem Dad Streit zu haben.
Ihr Verhältnis glich eher dem eines Bruders mit seiner Schwester, aber nicht wie Vater und Tochter.
Fast hätte ich schon daran gezweifelt, dass sich Jake wie ein richtiger Vater benehmen würde, allerdings hatte er neulich das Gegenteil bewiesen.
Er wollte seine Tochter vor jeglichem Kummer beschützen, doch genau das nahm ich mir auch tagtäglich vor.
Zum ersten Mal schien Jake wirklich zu realisieren, dass unser kleines Mädchen gar kein kleines Mädchen mehr war, sondern zu einer wunderschönen jungen Frau heranreifte.
„Er hasst ihn nicht, Süße! Aber abgesehen von deinen Großeltern war er immer der einzige Mann in deinem Leben und du warst für ihn noch sein kleines Mädchen“, versuchte ich ihr Jakes Reaktion auf Jackson irgendwie zu erklären.
Es war Jakes Aufgabe Nessie zu erklären, was in dem Moment in ihn gefahren war.
„Wie war eigentlich dein Date mit Mr. Cullen?“, hörte ich meine Tochter nach einer ganzen Weile fragen.
„Das war kein Date!“, stellte ich sofort klar und verschränkte die Arme vor meiner Brust.
Nein, das war kein Date und ich weigerte mich es als ein solches anzusehen.
Außerdem hatte man mit vergebenen Männern keine Dates. Vor allem nicht mit Männern die verlobt waren.
Ich konnte es nicht abstreiten, dass ich wirklich anfing diesen Mann zu mögen.
Nur langsam verlor sein Schutzschild Kraft und entblößte mir immer mehr die Person, die sich wirklich hinter Edward Cullen verbarg.
Er war gar nicht mal so schlecht, wie ich es am Anfang angenommen hatte und das, obwohl ich meistens eigentlich immer richtig lag.
Aber den Edward Cullen, den ich in der Schule der Mädchen kennen gelernt hatte mochte ich immer noch nicht.
Der neue und vermutlich wahre Edward Cullen war derjenige, an dem ich langsam gefallen fand.
Ich genoss sogar seine Gesellschaft, mochte den sanften Ton in seiner Stimme, den ich erst neuerdings entdeckt hatte und ich blickte unglaublich gerne in seine grünen Augen.
„Was war es dann? Ein Essen unter Freunden?“ Skeptisch musterte sie mich und zog ihre feinen Augenbrauen in die Höhe.
„Ja. Genau das. Ein Essen unter Freunden.“
Es war wahrscheinlich noch zu früh um zu sagen, dass Edward Cullen und ich befreundet waren, aber mittlerweile konnte ich es mir wirklich gut vorstellen.
Er hatte sich geändert. Hatte gezeigt, dass er wirklich eine Veränderung in seinem Leben wollte, dass er sich selbst zum Positiven verändern wollte und das war ihm gelungen.
Die Züge auf seinem Gesicht waren nicht mehr so finster, wie sie es am Anfang waren.
Wenn man jetzt in sein Gesicht sah, besonders in seine grünen Augen, konnte man ein gewisses Funkeln erkennen.
Er schien befreiter, auch wenn ihm die Sache mit Emily noch schwer zu schaffen machte, aber er hatte neuen Mut und vor allem neue Hoffnung geschöpft.
Das Verhältnis zu seiner Tochter verbesserte sich nur langsam, aber es war wieder ein Lichtschimmer am Horizont zu erkennen.
Ich erzählte Nessie, wie der Abend mit dem Vater ihrer besten Freundin verlaufen war.
Wenn ich alles über sie und Jackson wissen wollte, dann war es nur fair, dass ich ihr auch
von meinem Abend mit Edward Cullen erzählte.
Natürlich war das Eine mit dem Anderen nicht zu vergleichen.
Meine Tochter war in Jackson verliebt, ich aber nicht in Edward.
Als ich Vanessa von dem teuren, französischen Restaurant erzählte und meiner Angst davor, dass ich aus Versehen Schnecken bestellte, brachte sie zum Lachen.
Selbst ich musste bei der bloßen Erinnerung daran lachen.
Nicht nur, dass das Bild von mir in so einem überteuerten Restaurant einfach nur lächerlich war.
Vor allem deswegen, weil ich mir wirklich nicht vorstellen konnte was ich getan hätte, wenn ich wirklich irgendetwas serviert bekommen hätte, worin sich Schnecken befanden.
Auf jeden Fall hätte ich es nicht zurückgegeben.
Ich mochte es nicht, wenn die Leute das Essen zurückgaben, welches sie bestellt hatten.
„Und am Ende hat Edward versucht mich zu küssen“, schloss ich mit meiner Erzählung ab.
Prompt wichen Nessie alle Gesichtszüge aus und sie starrte mich einfach nur ausdruckslos an.
Eigentlich war so etwas nicht unbedingt eine Sache, die man seiner Teenagertochter erzählte, aber ich sah auch keinen Grund ihr das zu verheimlichen.
„Ist alles okay, Schätzchen?“, besorgt blickte ich in ihr hübsches Gesicht und rüttelte mit einer Hand kurz an ihrer Schulter, woraufhin sie aus ihrer Trance endlich erwachte.
„Du nennst ihn jetzt also Edward? Und ihr habt euch geküsst?“
Ich wusste nicht, wie ich ihren Gesichtsausdruck und ihre Tonlage, als sie das sagte, einschätzen sollte, aber eine Sache musste ich noch klarstellen.
„Ja, ich nenne ihn von nun an Edward und nein, wir haben uns nicht geküsst. Er hat es versucht, aber ich habe ihm dann eine Ohrfeige verpasst.“
Die Tatsache, dass ich ihn plötzlich doch Edward nannte, verwirrte mich ja selbst noch, schließlich hatte ich mich bis gestern noch geweigert ihn beim Vornamen anzusprechen.
Und die Tatsache mit dem beinahe Kuss… es war nicht so, dass ich ihn abstoßend fand und unter anderen Umständen hätte ich es vielleicht sogar dazu kommen lassen, aber in dem Moment wäre es mehr als nur falsch gewesen.
Gerne hätte ich wieder das Gefühl genossen die Lippen eines anderen auf meinen zu fühlen oder auf irgendeine verquere Art und Weise fand ich diesen Mann wirklich anziehend.
Es stand außer Frage, dass sein Äußeres mehr als nur gut aussah, aber seit einer kurzen Weile strahlte er auch von innen heraus und genau das war es, was mich irgendwie zu ihm hinzog.
„Du hast ihn geschlagen? Wow…“
Eine Weile war es still, vermutlich weil meine Tochter die Tatsache verdauen musste, dass ich jemanden geschlagen hatte und dass es auch noch der Mann war, vor dem sie aus irgendeinem mir unerklärlichen Grund Angst hatte.
Dabei gab es überhaupt keinen Grund vor ihm Angst zu haben.
Jedenfalls nicht mehr.
Nessie war es nun mal nicht gewohnt, dass man sie anbrüllte und hatte vermutlich Angst in seiner Gegenwart etwas Falsches zu machen oder zu sagen, was Edward wieder auf die Palme bringen könnte.
Aber er war auf dem besten Weg dahin, dieses Verhalten abzulegen und ich bewunderte ihn dafür.
Nicht alle Menschen bewiesen die Stärke ihre schlechten Verhaltensweisen abzulegen, aber Edward Cullen war ein Löwe.
Er kämpfte dagegen an, wollte ein besserer Mensch werden und das war eine Sache, die wahre Stärke bewies.
Edward Cullen war ein Mensch, wie jeder andere von uns.
Er hatte sowohl seine guten, als auch seine schlechten Seiten und leider hatten seine schlechten Seiten eine zeitlang die Oberhand gewonnen.
Allerdings kamen die guten Seiten in ihm langsam zum Vorschein und genau diese Seite wollte ich besser kennen lernen.
Den guten Edward Cullen.
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