Edward POV
Da stand ich nun.
Mitten in einer kleinen Seitenstraße von Chicago und starrte auf den Namen des Ladens "Brandon Books". War ich hier wirklich richtig?
Es musste so sein, denn die Informationen, die ich erhielt waren immer richtig.
Meine Hand legte sich an die Türklinke und meine Aufmerksamkeit wurde kurzzeitig von einem kleinen Windspiel in Anspruch genommen, welches an der Tür befestigt worden war.
Ich zog eine Augenbraue hoch und ließ die Tür langsam wieder ins Schloss fallen.
Als ich meinen Blick aufrichtete, entdeckte ich sie.
Sie saß auf einem Stuhl hinter der Kasse und las mit einem zufriedenen Lächeln ein Buch.
Ich räusperte mich leise, was zur Folge hatte, dass sie erschrocken von ihrem Platz hochfuhr.
"Verdammt noch mal", zischte sie und legte sich eine Hand an ihr Herz.
"Entschuldigung", murmelte ich und zog eine Augenbraue hoch.
"Begrüßen Sie so immer die Kunden?", wollte ich von ihr wissen und sie funkelte mich wütend an.
"Mr. Cullen... Möchten Sie ein Buch kaufen?", fragte sie mich und legte das Buch, welches sich zuvor noch in ihren Händen befunden hatte, zur Seite.
Meine Bemerkung bezüglich der Kunden überging sie einfach.
"Eigentlich nicht", gestand ich schulterzuckend und sie seufzte leise.
"Was wollen Sie dann? Ihnen ist doch klar, dass dies hier ein Buchladen ist, oder?"
"Natürlich. Ist ja nicht zu übersehen", entgegnete ich und deutete mit meiner Hand auf das riesige Bücherregal hinter ihr.
Sie hingegen verdrehte die Augen und schnaubte nur leise.
Okay, also gute Laune hatte sie heute anscheinend nicht, aber das würde mich nicht von meinem Vorhaben abbringen.
Darüber nachzudenken war jedoch um einiges leichter, als es auch wirklich umzusetzen, also stand ich einige geschlagene Sekunden lang vor ihr und schwieg.
“Haben Sie die Sache mit Ihrer Verlobten geklärt?“, fragte sie mich und sah mich aus den Augenwinkeln prüfend an.
“Nicht so wirklich“, gestand ich schulterzuckend.
“Sie müssen auch Etwas tun und nicht nur ständig davon reden“, erwiderte sie und seufzte leise.
“Wenn ich wüsste, wo sie sich aufhält, würde ich das auch klären.“
Wir beobachten uns einen Moment lang schweigend und sie ließ mich nicht eine einzige Sekunde lang aus den Augen.
“Vielleicht ist sie ja mit irgendeinem Jüngling durchgebrannt.“
Ihre Mundwinke zuckten leicht. Anscheinend war es für Bella sehr amüsant, doch irgendwie fand ich es auch lustig.
“Hm… Das wäre natürlich eine Möglichkeit, aber ich schätze, Carol-Ann hat einfach nur irgendwo ihren Spaß…“, entgegnete ich schulterzuckend und hörte, wie Bella leise etwas vor sich hin murmelte, doch ihre genauen Worte konnte ich nicht verstehen.
“Wie geht es Ihrer Tochter?“, fragte sie schließlich und ließ das vorherige Thema damit einfach fallen.
Sie erwähnte auch nicht in irgendeiner Art und Weise das Telefonat. Wahrscheinlich tat sie einfach nur so, als wäre es gar nicht passiert.
“Genau deswegen bin ich auch hier“, erklärte ich, obwohl das auch nicht ganz der Wahrheit entsprach.
Bevor sie etwas darauf erwidern konnte, kam eine wirklich sehr kleine Frau aus einem der hinteren Räume getänzelt und strahlte über das ganze Gesicht.
Ich fragte mich ernsthaft, warum sie so glücklich aussah.
“Bella ich habe hier noch einige… Oh…“ Sie stoppte, als sie mich sah und musterte mich dann aufmerksam.
Viel zu aufmerksam, denn es war beinahe so, als würde sie jeden einzelnen Zentimeter meines Körpers scannen und anschließend analysieren.
Wenige Sekunden später zeigte sich wieder ein zufriedenes Lächeln in ihrem Gesicht.
Sie warf einen kurzen Blick zu Bella herüber und kicherte dann vergnügt.
“Alice, was ist denn?“, fragte Bella sie und seufzte leise.
“Ach, nichts nichts…“, entgegnete sie, nuschelte noch irgendetwas davon, dass sie noch etwas im Lager vergessen hätte und war so schnell wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht war.
Ich sah dieser Alice stirnrunzelnd hinter, bevor ich mich wieder an Bella wandte.
“Sie sagten etwas davon, dass Sie wegen Ihrer Tochter hier seien“, erinnerte sie mich noch einmal und wartete geduldig auf eine Antwort.
Ich musterte aufmerksam ihr Gesicht und ich merkte erst viel zu spät, dass mein Blick viel länger als normal auf ihren Lippen verweilte.
„Ähm ja…“, sagte ich und vergrub beide Hände in meinen Hosentaschen.
„Ist ihr etwas passiert?“, fragte Bella besorgt, nachdem ich nicht gleich mit der gesamten Wahrheit heraus rückte.
„Nein.. Ihr geht es gut. Sie hat mich sogar gestern Abend kurz einmal angerufen“, erklärte ich ihr mit einem Lächeln auf den Lippen.
Es war kein besonders langes Gespräch, aber das war mir auch egal.
Glücklich machte mich alleine schon die Tatsache, dass Emily mich alleine von sich aus angerufen hatte.
Bella schien sich ebenfalls darüber zu freuen und erwiderte mein Lächeln strahlend.
„Hören Sie.. Tut mir leid wegen vorhin“, murmelte sie und seufzte dann.
„Weswegen?“ Ich hatte nicht die geringste Ahnung, warum sie sich hätte entschuldigen müssen.
„Naja, ich war gerade sehr unhöflich und es liegt eigentlich nicht an Ihnen. Dieser Tag ist nur einfach nicht einer meiner Besten“, erklärte sie mir und lächelte entschuldigend.
„Schon okay.. So wie ich mich Ihnen gegenüber verhalten habe, könnten Sie noch die nächsten 20 Jahre mir gegenüber unhöflich sein“, entgegnete ich schulterzuckend und brachte sie mit dieser Aussage zum Lächeln.
„Also, Mr. Cullen. Weswegen sind Sie hier?“, fragte Bella mich ein weiteres Mal und musterte mich aufmerksam.
“Sie erinnern sich doch sicherlich noch an unser Telefonat, oder?“, fragte ich.
“Ja, wieso?“
„Ich wollte mich gerne bei Ihnen bedanken, Isabella“, erklärte ich und sah zu dem Bücherregal herüber.
Irgendwie war es mir auf eine gewisse Art und Weise unangenehm, wenn sie mich so ansah.
Es war beinahe so, als könnte sie hinter meine Fassade schauen und als wüsste sie längst, was ich getan hatte.
„Deswegen hätten Sie doch nicht extra vorbei kommen müssen.“ Ihre Stimme war freundlich und aus den Augenwinkeln sah ich, wie sie sich von ihrem Platz erhob und das Buch zur Seite schob.
„Nun ja, ich wollte nicht einfach nur Danke sagen“, fügte ich hinzu und wagte einen kurzen Blick in ihre Richtung.
„Wollten Sie nicht?“ Sie starrte mich ein wenig verdutzt an und blinzelte verwundert mit ihren Augen.
„Ich wollte Sie gerne zum Essen einladen“, erklärte ich ihr und war froh, dass ich es jetzt endlich laut ausgesprochen hatte.
Für eine ziemlich lange Zeit sagte sie überhaupt nichts.
Ihr Blick war recht ausdruckslos, während sie mich unverwandt anstarrte und dabei fast nicht einmal blinzelte.
Dann veränderte sich plötzlich ihr Gesichtsausdruck von vollkommen verwirrt, bis wütend und wieder zurück.
„Sie…? Was…? Geht das schon wieder los?“ Sie schüttelte den Kopf und schloss ihre Augen.
„Mr. Cullen, Sie müssen mich nicht zum Essen einladen, nur weil Sie ein schlechtes Gewissen haben. Das ist wirklich unnötig“, erklärte sie mir hastig und schüttelte noch immer ihren Kopf.
„Aber ich tue das nicht, weil ich ein schlechtes Gewissen habe“, verteidigte ich mich sofort und versuchte meine Stimme ehrlich klingen zu lassen, denn ich meinte es auch so.
„Warum tun Sie es dann?“, fragte sie mich und ich meinte zu sehen, wie ihre Wangen sich leicht rosa färbten.
Am Telefon war sie um einiges schlagfertiger. Jetzt hingegen schien sie eher etwas nervös zu sein.
„Ich sagte doch schon, dass ich mich bei Ihnen bedanken möchte… Außerdem..“ Ich räusperte mich und schwieg einen Moment, während mich Bella weiterhin beobachtete.
„Ich.. Naja, Emily ist nicht mehr zu Hause und Carol-Ann.. Sie wissen ja, dass sie weg ist…“, erklärte ich ihr und seufzte leise.
„Verstehe ich das richtig? Sie wollen also nur mit mir essen gehen, weil sonst niemand verfügbar ist??“, fragte sie ziemlich ungläubig und starrte mich fassungslos an.
Es war wirklich schön, wie sie noch zusätzlich das Messer in der Wunde umdrehte.
“Nein, so ist es nicht. Ich möchte wirklich mit Ihnen ausgehen“, versuchte ich ihr meine Ansicht klar zu machen, doch sie schien noch immer misstrauisch zu sein.
„Gerade war es noch ein einfaches Essen und jetzt wollen Sie mit mir ausgehen? Ausgehen? Haben Sie getrunken?“ Sie machte einen vorsichtigen Schritt auf mich zu und entweder ich irrte mich oder sie versuchte gerade wirklich zu erschnüffeln, ob ich Alkohol getrunken hatte oder nicht.
Dann, nur wenige Sekunden später richtete sie ihren Blick auf und sie musterte mich mit großen Augen.
Sie schien ein wenig verwirrt zu sein und ich zog fragend eine Augenbraue hoch.
“Was ist?“
“Sie.. Sie haben nichts getrunken…“, murmelte sie und begab sich in sicherer Entfernung zu mir hinter den Tresen.
“Ähm nein. Ich bin vollkommen nüchtern.“
“Ihr Aftershave irritiert mich“, sagte sie und fluchte dann im nächsten Moment leise.
Ich musste über ihre Reaktion lächeln und ich konnte es auch einfach nicht zurückhalten, auch wenn sie mir dafür einen vernichtenden Blick zuwarf.
“Mögen Sie es etwa nicht?“, fragte ich sie und runzelte die Stirn.
“Sind Sie hier, weil wir über Ihr Aftershave reden wollen oder über andere Dinge?“ Natürlich merkte ich, dass sie mir auswich, aber ich wollte mich nicht mit ihr anlegen oder gar mit ihr streiten, also beließ ich es bei ihrer Antwort.
Sind Sie sicher, dass Ihnen das nicht vielleicht peinlich ist?“ Sie klang noch immer wütend und wenn ich mich nicht irrte, dann sogar vielleicht eine Spur schnippisch.
„Was sollte mir peinlich sein?“ Ich runzelte die Stirn und legte meinen Kopf schief, während ich sie aufmerksam musterte.
“Na das mit dem Essen.“
“Und wieso bitte sollte mir das peinlich sein?“ Ich verstand überhaupt nicht, worauf sie hinaus wollte
„Wieso? Erinnern Sie sich denn nicht mehr an unser erstes Treffen?“, fragte sie mich und jetzt war sie es, die ihre Arme vor der Brust verschränkte.
Oh doch und wie ich mich daran erinnerte.
Keine Frau, wirklich keine Frau hatte sich bis jetzt so mit mir angelegt, wie sie es getan hatte.
Das musste man ihr wirklich anerkennen.
Sie war mehr als nur eine starke Frau und ich musste zugeben, dass ich das an ihr bewunderte.
„Okay, dann sehen Sie dieses Essen als Dankeschön und Wiedergutmachung“, versuchte ich es noch einmal und sie musterte mich kritisch.
“Sie lassen nicht locker oder?“
Ich musste grinsen, versuchte mich aber dennoch zu beherrschen.
Nein, ich würde ganz sicherlich nicht locker lassen, denn ich wollte wirklich mit ihr zusammen essen gehen.
Ich wollte sie besser kennenlernen. Vielleicht auch viel zu sehr, wenn es nach mir ging.
“Nein, werde ich nicht. Aber sehen Sie es doch einfach so, Isabella… Sie möchten mir gerne helfen, also wieso können wir uns nicht einfach ein wenig besser kennenlernen.. Vielleicht ja auch einfach nur als… Freunde…“
Ich verzog mein Gesicht zu einer Grimasse, denn das war eigentlich nicht das, was ich wollte, aber vielleicht konnte ich sie so ja doch noch zu einem Treffen überreden.
“Schließlich waren wir ja auch zusammen in dem Diner und da war es auch kein Date, oder etwa nicht?“
„Es ist aber kein Date“, sagte sie noch einmal mit viel Nachdruck in der Stimme.
Ich zog verwundert eine Augenbraue hoch.
Anscheinend konnte sie mich wirklich nicht ausstehen, aber ehrlich gesagt brauchte ich sie auch ein wenig.
Ohne sie würde ich das nicht durchstehen, da war ich mir sicher.
„Es ist kein Date“, stimmte ich zu und hoffte wirklich, dass sie jetzt Ja sagen würde.
„Na gut… Dann ja…“, sagte sie schließlich etwas verzögert und ich seufzte erleichtert.
Ich wusste nicht einmal, warum genau sie jetzt Ja gesagt hatte.
Vielleicht hatte sie ja Mitleid mit mir oder sie hätte wirklich nichts gegen eine Freundschaft einzuwenden.
Obwohl ich mir nicht einmal sicher war, ob ich es für immer bei einer Freundschaft belassen könnte.
„Merken Sie sich das, es ist kein Date!“
Ich lachte leise über ihren eindringlichen Gesichtsausdruck und ignorierte den bösen Blick, den sie mir zuwarf.
“Ich habe es schon verstanden, es ist kein Date auch wenn mich diese Tatsache, dass Sie nicht mit mir ausgehen wollen ein wenig kränkt“, bemerkte ich lächelnd.
“Es ist ja nicht so…“, fing sie an und zupfte an ihrer Bluse, als wenn sie über die Worte, die sie sagen wollte ganz genau nachdachte.
“Naja.. Sie sind ja auch ein sehr attraktiver Mann, aber wenn ich mich recht entsinne, dann sind Sie immer noch verlobt und in Ihrem Leben gibt es gerade Dinge, die wichtiger sind, als mit irgendwelchen Frauen auszugehen.“
“Sie finden mich also attraktiv?“ Meine Mundwinkel zuckten leicht und ihre anderen Aussagen überging ich einfach.
“Ja, aber ich habe noch etwas vergessen: Sie sind ein Arschloch!“, fügte sie fast schon fauchend hinzu.
Bella verschränkte die Arme vor ihrer Brust und setzte sich wieder auf den Stuhl hinter dem Tresen, während sie mich wütend anfunkelte.
In diesem Moment sah sie wirklich sehr… hübsch aus, auch wenn sie wütend war und mich mit ihren Blicken erdolchte.
„Hätten Sie heute Abend Zeit?“, fragte ich sie und ein Lächeln umspielte meine Lippen.
Ich wusste nicht einmal, warum ich lächelte.
Es dauert ganz schön lange, bis sie mir antwortete, aber ich hatte noch den ganzen Tag Zeit.
Schließlich hatte ich Urlaub und wusste nichts mit mir anzufangen.
„Heute Abend? Ja..“, antwortete sie und schien sich von ihrem kleinen Wutanfall wieder erholt zu haben.
„Gut. Dann hole ich Sie um acht Uhr ab“, entgegnete ich und sie zog eine Augenbraue hoch.
„Öhm… Wenn es Ihnen recht ist“, fügte ich schnell hinzu und sie lächelte.
„Ja, okay. Acht Uhr klingt gut…“
*~*~*~*~*~*~*
Pünktlich um acht Uhr stand ich schließlich vor ihrer Haustür und betätigte die Klingel.
Ich runzelte verwundert die Stirn, als ich aus der Wohnung ein Poltern vernahm, gefolgt von einem lauten Fluchen.
„Schatz, wärst du so lieb und machst die Tür auf?“, hörte ich Bellas Stimme aus der Wohnung.
Anscheinend war sie noch nicht fertig und ich seufzte leise.
„Was? Wieso?“ Das musste wohl ihre Tochter sein und sie klang nicht gerade sehr begeistert.
Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich sogar sagen, ihre Stimme wirkte panisch.
„Weil ich hier noch halbnackt bin!“, zischte Bella leise, doch ich konnte sie trotzdem noch verstehen.
Ich kam nicht um den Gedanken herum, sie mir vollkommen nackt vorzustellen und schüttelte den Kopf, damit ich mich wieder beherrschen konnte.
Jedoch war das leichter gesagt als getan.
Ich hatte die Vermutung, dass sie in der Realität sicherlich noch besser aussah, als in meinen Gedanken.
Leise fluchend fuhr ich mir durch meine Haare.
Wahrscheinlich würde sie mich eigenhändig kastrieren, wenn sie von meinen Gedanken wüsste, aber sie würde es ja auch nicht erfahren, also konnte ich beruhigt sein.
„Ach Mom! Du stehst schon seit dem du nach Hause gekommen bist vor dem Spiegel und hast dich in der Zeit einhundert Mal umgezogen!“, jammerte ihre Tochter und ich hörte Schritte im Flur.
„Schatz bitte mach einfach die Tür auf…“
„Aber ich habe irgendwie Angst vor ihm!“, hörte ich Vanessa wieder sagen und ich runzelte die Stirn.
Wieso hatte dieses Mädchen denn Angst vor mir?
„Du hast Angst vor Mr. Cullen?“, hörte ich jetzt wieder Bellas Stimme.
„Wieso nennst du ihn noch immer Mr. Cullen?“, fragte ihre Tochter, anstatt ihr eine Antwort zu geben und ich meinte, Bella leise schnauben zu hören.
„Vanessa…“
„Jaja, ich geh ja schon. Aber dafür bist du mir etwas schuldig!“
Die Schritte wurden lauter und nach einigen weiteren Sekunden öffnete sich schließlich die Tür.
Zum Vorschein kam als erstes das mahagonifarbene Haar ihrer Tochter und dann sahen mich ein paar schokoladenbraune Augen ein wenig unsicher an.
„Guten Abend, Mr. Cullen“, sagte sie leise und öffnete die Tür schließlich ganz.
Ich wusste wirklich nicht, warum sie Angst hatte, aber fragen wollte ich sie auch nicht.
Das würde sie wahrscheinlich nur noch mehr verunsichern.
Erst jetzt fiel mir auf, wie viel Ähnlichkeit Vanessa sowohl mit ihrer Mutter, als auch mit ihrem Vater hatte.
Das Meiste hatte sie jedoch von Bella.
„Guten Abend, Vanessa“, erwiderte ich lächelnd und für einen kurzen Moment starrte sie mich vollkommen verwirrt an.
Dann machte sie eine leichte Verbeugung in meine Richtung und ich runzelte die Stirn.
Hatte sie sich da gerade eben wirklich verbeugt?
„Kommen Sie doch rein…“ Vanessa ging einen Schritt zur Seite und ließ mich eintreten.
„Ähm.. Meine Mom müsste eigentlich gleich fertig sein“, fügte sie hinzu und ich nickte.
Mein Blick fiel in den winzig kleinen Flur und auch der Rest der Wohnung war nicht gerade groß.
Es war verwunderlich für mich, wie die beiden in dieser Wohnung hier leben konnten.
„Wir können so lange in der Küche warten“, hörte ich Vanessa sagen und augenblicklich huschte sie an mir vorbei.
Ich folgte ihr und ließ meinen Blick zu dem Wohnzimmer herüber schnellen, welches auch nicht gerade sehr groß war.
An einer Wand befand sich ein großes Bücherregal und in der Mitte ein kleiner Fernseher.
Ich entdeckte viele Familienbilder und ein kleines Sofa, welches an der anderen Wand stand.
Die Küche war wohl fast einer der kleinsten Räume in dieser Wohnung und ich setzte mich an einen freien Stuhl gegenüber von Vanessa.
Sie war deutlich nervös und rutschte auf ihrem Stuhl herum, während sie ständig meinem Blick auswich.
Ich überlegte, Vanessa nach Emily zu fragen, ließ es dann aber doch bleiben.
„Oh!“ Vanessa sprang von ihrem Stuhl auf und ich warf ihr einen erschrockenen Blick zu.
„Es tut mir leid.. Ich bin so unhöflich.. Möchten Sie vielleicht etwas trinken?“, fragte sie hastig und ich warf einen Blick auf meine Armbanduhr.
„Nein, schon okay danke. Deine Mutter müsste ja gleich fertig sein“, entgegnete ich und Vanessa ließ sich wieder zurück auf ihren Stuhl fallen.
Geschlagene fünf Minuten schwiegen wir uns an, bevor ich schließlich das Klacken von hohen Schuhen auf dem Boden vernahm.
Sofort drehte ich meinen Kopf zur Seite und staunte nicht schlecht, als Bella schließlich im Türrahmen stehen blieb.
„Hey…“, sagte sie mit einem Lächeln auf den Lippen.
Ich hingegen war unfähig, irgendetwas darauf zu erwidern.
Sie trug ein schwarzes, schlichtes Kleid, welches sich perfekt an ihren Körper anschmiegte.
Es reichte ihr bis zu den Knien und zu dem Kleid trug sie ein paar hohe Schuhe.
Ihre Haare hatte sie ein wenig hochgesteckt, doch einige Locken fielen heraus und umrahmten dabei ihr Gesicht.
Sie sah wirklich unbeschreiblich schön aus und ich verstand nicht im Geringsten, wie ich am Anfang so falsch über sie hatte denken können.
„Hallo“, brachte ich schließlich doch noch hervor, doch ich hatte immer noch nicht die Kraft wegzusehen und starrte sie unentwegt weiter an.
Sie runzelte ihre schöne Stirn und für einige Sekunden herrschte die absolute Stille in dieser kleinen Küche.
“Ich vertraue Ihnen nicht, denn sicherlich werden wir gleich in ein schickes Restaurant gehen und da ich mich nicht blamieren wollte, habe ich das hier angezogen“, erklärte sie mir ihr auftreten und deutete an sich herab.
Ich nickte einfach nur und versuchte, sie nicht zu offensichtlich anzustarren.
„Wollen wir?“ Bella sah mich fragend an und ich bemerkte, wie ihr Blick kurz zu ihrer Tochter herüber schnellte.
„Natürlich… Gerne.“ Ich erhob mich von meinem Platz und schob den Stuhl wieder dahin zurück, wo er hin gehörte.
„Gut. Bis später Schatz“, sagte Bella an ihre Tochter gewandt.
„Ja, bis später Mom. Ich wünsche euch beiden.. ähm naja viel Spaß“, murmelte sie etwas unsicher und verschwand dann in ihrem Zimmer.
„Also… Wo genau fahren wir hin?“, fragte Bella mich, während wir noch durch ihre winzige Wohnung liefen und ich die Haustür öffnete.
„Das werden Sie ja dann sehen“, erwiderte ich lächelnd und schon beinahe automatisch legte sich meine Hand behutsam an ihren Rücken und führte sie nach draußen.
Dank des Kleides berührte ich ein Stück ihrer nackten Haut und ich ließ es mir nicht nehmen, noch einmal zu ihr zu sehen.
Sofort erwiderte sie meinen Blick und sah zu meiner Hand herüber, die an ihrem Rücken gelegt war.
„Entschuldigung“, murmelte ich und zog meine Hand wieder zurück, als ihre Augen mich aufmerksam musterten.
Ich ließ sie vorrausgehen und lief hinter ihr die Treppen hinab.
„Das ist ein wirklich sehr schönes Kleid“, sagte ich wahrheitsgemäß und musterte sie noch einmal, was dieses Mal jedoch wieder nicht unbemerkt blieb.
„Versuchen Sie gerade mit mir zu flirten?“ Sie zog eine Augenbraue hoch und ich war für einen kurzen Moment wirklich sprachlos.
„Ähm…“
„Ich meine nämlich Ihnen gesagt zu haben, dass dies hier kein Date ist. Sonst gehe ich die Treppenstufen wieder hinauf, okay?“ Sie blieb an der vorletzten Treppenstufe stehen und drehte sich zu mir um.
Wie gerne hätte ich ihr gesagt, dass ich dieses Date irgendwie doch lieber hätte, doch so wie ich sie jetzt kannte, würde sie dann wirklich einfach gehen.
„Ja.. Schon okay. Ich wollte Ihnen nur ein Kompliment machen“, verteidigte ich mich leise brummend und hob abwehrend meine Hände hoch.
„Interessant. Ich hätte nicht gedacht, dass Sie auch ein Kleid schön finden können, welches nicht gerade 1000 Dollar gekostet hat“, murmelte sie.
„Es kommt immer darauf an, wer in dem Kleid steckt.“ Ich wusste nicht, ob sie mich gehört hatte, aber ihre Wangen färbten sich wieder leicht rosa also vermutete ich, dass sie es sehr wohl gehört hatte.
„Wir sollten jetzt los“, sagte sie hastig und öffnete die Tür, bevor ich das übernehmen konnte.
Sie stürmte beinahe schon auf den Bürgersteig nach draußen, blieb dann aber etwas ratlos stehen und sah sich um.
„Oh man…“, murmelte sie schließlich, als ihr Blick auf meinem schwarzen Audi verweilte.
„Was ist denn?“, fragte ich sie stirnrunzelnd und versuchte ihre Reaktion irgendwie zu verstehen.
„Ihr Auto ist doch sicherlich zehnmal so teuer als meine Wohnung“, erklärte sie mir und lief mit vorsichtigen Schritten auf mein Auto zu.
„Woher wissen Sie, dass es mein Auto ist?“ Stirnrunzelnd beobachtete ich jede Regung in ihrem Gesicht.
„Ich bitte Sie! Sehen Sie hier irgendwo noch solch einen Wagen herum stehen?“, fragte sie mich und deutete zusätzlich mit ihrer Hand auf die parkenden Autos.
Na gut, sie hatte recht.
Die anderen Autos, die hier parkten waren nicht gerade sehr neu.
„Ich steige aber nur dort ein“, bemerkte sie, während ich die Beifahrertür öffnete.
„Wenn Sie mir versprechen, dass Sie nicht schnell fahren werden.“
Unwillkürlich musste ich lächeln, während ich die Augen verdrehte.
„Gut, ich werde mich beherrschen“, versprach ich ihr und öffnete die Beifahrertür.
Bella starrte mich für einige Sekunden vollkommen verblüfft an und stieg dann in mein Auto, während sie stirnrunzelnd den Kopf schüttelte.
„Danke“, hörte ich sie noch sagen, bevor ich die Tür schloss und zur Fahrerseite herüber lief.
Sie warf einen Blick aus dem Fenster, während ich einstieg und ich startete ohne ein weiteres Wort den Wagen.
„Ich habe doch gesagt, Sie sollen langsam fahren!“, sagte sie nach einigen Minuten Fahrt und ihre Stimme klang ungewöhnlich hoch.
„Aber ich fahre doch langsam“, verteidigte ich mich und hörte, wie sie leise schnaubte.
„Wenn Sie das langsam nennen, was verstehen Sie dann unter schnell?“ Ihre schokoladenbraunen Augen musterten mich und formten sich zu Schlitzen, da ich als Antwort nur mit den Schultern zuckte.
Wie sie es wünschte, fuhr ich etwas langsamer, auch wenn mich dieses Tempo beinahe in den Wahnsinn trieb.
„Danke“, murmelte sie und verschränkte die Arme vor ihrer Brust.
Den Rest der Fahrt über sprachen wir nicht miteinander, aber wahrscheinlich war sie auch immer noch ein wenig sauer, dass ich so schnell gefahren war.
Ich wusste es nicht, aber ich fragte auch nicht genauer nach und parkte meinen Audi schließlich in der Nähe des Restaurants.
Bella sah sich kritisch um.
Anscheinend schien ihr diese Umgebung nicht zu gefallen, obwohl ich doch extra die beste Gegend in Chicago ausgesucht hatte.
Was konnte man denn schon daran auszusetzen haben?
Zusammen verließen wir mein Auto und ich führte sie zu dem französischen Restaurant.
Ebenfalls das Beste in ganz Chicago, doch Bella runzelte nur ihre Stirn.
„Was ist?“, fragte ich sie, während wir das Restaurant betraten und zusammen zum Empfang herüber liefen.
„Das hier ist doch alles viel zu teuer“, jammerte sie wie ein kleines Mädchen und ich zog eine Augenbraue hoch.
„Ich werde natürlich zahlen“, erwiderte ich schlicht und fing mir sofort den nächsten bösen Blick von Bella ein.
„Ich sagte Ihnen doch, dass es kein Date ist, sonst gehe ich wieder!“
„Wie wollen Sie denn ohne mich nach Hause kommen?“, fragte ich sie und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.
Irgendwie war es sehr amüsant, wenn sie sich über gewisse Dinge aufregte und ich sie damit noch aufziehen konnte.
„Ich nehme den Bus, was sonst?!“ Ihre Antwort klang schnippisch und ich funkelte sie an.
„Sie wollen tatsächlich am Abend mit dem Bus durch Chicago?“
Dachte sie denn nicht darüber nach, was ihr alles passieren konnte?
„Wäre nicht das erste Mal, dass ich mit dem Bus fahre.“ Bella zuckte mit den Schultern und sah sich ein wenig unsicher in dem Restaurant um.
„Tut mir leid, aber das würde ich nicht zulassen.“
“Dann werde ich eben meinen Ex-Mann anrufen. Der hat kein Problem damit, mich wieder abzuholen!“, sagte sie schnippisch, während wir zusammen zum Empfang liefen.
Ich achtete nicht auf ihre letzten Worte, sondern teilte der Frau, die mich freundlich begrüßt hatte einfach meine Reservierung mit.
Sie führte uns an einen Tisch und ich war erstaunt, dass Bella sich nicht beschwerte.
Die Kellnerin reichte uns die Speisekarte, nachdem wir Platz genommen haben und ich warf einen kurzen Blick hinein.
Lange hielt ich es aber nicht aus und schielte über den Rand der Speisekarte.
Mit gerunzelter Stirn und kritischem Blick starrte Bella auf die Karte und blätterte recht planlos die Seiten um.
„Ganz ehrlich? Ich verstehe nicht ein einziges Wort. Sind wir hier in Frankreich?“, fragte sie mich und richtete dann ihren Blick auf.
Natürlich hatte sie es jetzt gemerkt, dass ich sie beobachtet hatte, aber sie ließ es unkommentiert.
„Ich möchte ungern Schnecken oder etwas Vergleichbares essen“, fügte sie hinzu und schüttelte sich.
“Ich nehme einfach das hier.. Das ist doch ein Salat oder?“, fragte sie unsicher und zeigte mir, was sie sich bestellen wollte.
Ich konnte mir ein Lächeln einfach nicht verkneifen, nickte aber, um ihr zu bestätigen, dass es sich bei ihrer Wahl wirklich um einen Salat handelte.
“Gut…“ Sie schien zufrieden mit ihrer Wahl zu sein und als die Kellnerin zu uns kam, bestellte ich das Essen und noch einen Wein für sie dazu.
Ich beschränkte mich lediglich auf Wasser, schließlich hatte ich ja schon in den letzten Tagen genug Alkohol für uns beide getrunken.
Bella sah sich erneut in dem Restaurant um und schließlich blieb ihr Blick an mir hängen.
“Sie finden meine Reaktionen anscheinend sehr amüsant, liege ich da richtig?“ Sie zog eine Augenbraue hoch, doch ich konnte ein Lächeln auf ihren Lippen sehen.
“Ein wenig vielleicht“, erwiderte ich schulterzuckend und trank einen Schluck von meinem Wasser.
„Ich meine nur.. Wir hätten nicht unbedingt in so ein teures Restaurant gehen müssen...“, murmelte sie und ich sah, dass sie sich sichtlich unwohl fühlte.
“Vielleicht ein anderes Mal“, entgegnete ich leise und erntete dafür einen leicht verwirrten Blick ihrerseits.
“Also…“, sagte ich und stellte mein Wasserglas wieder auf den Tisch.
“Sie verstehen sich sehr gut mit ihrem Ex-Mann, Isabella.“
Ich wollte ehrlich gesagt nicht lange um den heißen Brei herum reden.
Das Einzige was mich interessierte war, warum sich die beiden noch so gut verstanden.
“Das sehen Sie richtig, Mr. Cullen. Aber ehrlich gesagt wüsste ich nicht, was Sie das angeht“, erwiderte sie und starrte auf ihr Weinglas.
“Ich möchte Sie einfach besser kennenlernen“, erklärte ich und wandte meinen Blick nicht von ihr ab.
“Ach und da fragt man dann seit Neustem direkt solche Dinge?“
“Es interessiert mich nun einmal.“
War das denn so schwer zu verstehen?
Ihre Augen formten sich zu schlitzen und sie funkelte mich wütend an.
“Also manchmal sind Sie echt unausstehlich“, zischte sie und warf einen Blick aus dem Fenster.
Wir schwiegen einige Sekunden lang und ich wollte nicht, dass sie jetzt wütend auf mich war.
Also tat ich das, was ich eigentlich nicht sehr oft tat.
Ich entschuldigte mich bei ihr.
“Hören Sie.. Es tut mir leid, wenn ich Ihnen zu Nahe getreten bin, aber ich würde Sie wirklich gerne kennenlernen. Sie haben mir schließlich mit Emily geholfen.“
Als ich den Namen meiner Tochter aussprach, sah sie wieder zu mir herüber und seufzte leise.
„Jacob und ich, wir waren nicht lange verheiratet. Ich wurde viel zu früh schwanger, wir haben es probiert damals, aber als Ehepaar sind wir gänzlich ungeeignet. Als Freunde hingegen passen wir einfach perfekt zu einander.“
Ich runzelte die Stirn und dachte über das nach, was sie gesagt hatte.
“Das verstehe ich nicht“, gab ich ehrlicherweise zu und Bella zuckte mit den Schultern.
“Manchmal verstehe ich es selber nicht, aber er ist mein bester Freund“, erklärte sie mir und damit schien das Thema erst einmal beendet zu sein.
Damit gab ich mich auch erst einmal zufrieden. Fürs Erste zumindest.
“Was ist mit Ihrer Verlobten?“, fragte Bella und ich merkte, dass sie schnell von sich ablenken wollte.
“Was soll mit ihr sein?“
“Na, Sie wollten sie doch ursprünglich heiraten oder? Sonst wäre sie doch sicherlich nicht ihre Verlobte…“
An dieser Tatsache war natürlich etwas Wahres dran, aber ehrlich gesagt wusste ich es selber nicht mehr.
In Gedanken suchte ich nach einer geeigneten Antwort für ihre Frage, doch ich fand einfach keine und fuhr mir frustriert mit meiner Hand durch meine Haare.
“Sie wollen nicht alleine sein, oder?“, hörte ich Bella sagen und richtete meinen Blick auf.
In ihrer Stimme lag eine Spur Mitleid und ich fragte mich, ob ich manchmal wirklich so leicht zu durchschauen war.
Aber im Bezug auf Carol-Ann war das doch auch irgendwie offensichtlich, oder nicht?
“Okay.. Keine Antwort ist auch eine Antwort, aber was bitte haben Sie sich denn dabei gedacht?“
Im ersten Moment starrte ich sie ein wenig verwirrt an und dann musste ich doch tatsächlich lachen.
Und ich hatte schon lange nicht mehr so sehr gelacht.
Ihr Gesichtsausdruck war aber auch wirklich Gold wert!
“Ist das denn so witzig?“, fragte sie, stimmte aber ebenfalls in mein Lachen ein.
“Ich finde einfach nur Ihren Gesichtsausdruck unbezahlbar“, erklärte ich ihr, nachdem ich mich wieder beruhigt hatte.
“Und ich wusste nicht, dass Sie auch mal lachen können. Steht Ihnen viel besser“, entgegnete sie und bevor ich etwas darauf erwidern konnte, kam auch schon die Kellnerin mit unserem Essen.
Bella atmete erleichtert aus als sie sah, dass ihr Essen wirklich nur ein Salat war und ich unterdrückte ein Grinsen.
Trotzdem schien es so, als durchforstete sie den Salat mit der Befürchtung, dass sie doch noch irgendwo eine Schnecke oder ähnliches entdecken würde.
Ich musste erneut lachen, was sie sofort dazu veranlasste ihren Blick wieder aufzurichten.
“Ich denke, ich kann Ihnen versichern, dass dieser Salat eindeutig schneckenfrei ist.“ Das Grinsen in meinem Gesicht konnte ich einfach nicht länger verbergen und sie schüttelte lächelnd den Kopf.
„Was ist mit Emilys Mutter passiert?“, fragte sie plötzlich nach einer längeren Pause, in der wir stillschweigend gegessen hatten und mir fiel beinahe meine Gabel aus den Händen.
Ich spürte, wie sich mein ganzer Körper verkrampfte, wie sich die Wut immer mehr in mir anstaute und ich biss mir auf die Unterlippe, um nicht laut zu fluchen.
Als ich die Augen wieder öffnete sah ich, wie Bella mich mit einem fragenden Blick musterte, während sie gerade ein kleines Salatblatt verspeiste.
“Nichts ist mit ihr…“, antwortete ich mit leiser und dennoch bedrohlicher Stimme.
Ich versuchte mich wirklich zu beherrschen, wollte sie nicht noch einmal einfach so anbrüllen, auch wenn ich jetzt bereits kurz wieder davor stand.
Dieses Thema hatte ich in den letzten Jahren immer versucht zu verdrängen.
Es war schwierig, aber es klappte.
Zumindest an manchen Tagen.
“Ich dachte mir nur, vielleicht kann ich Ihnen besser helfen, wenn ich weiß was passiert ist.“
“Könnten wir bitte…“ Ich atmete einmal tief durch und sah ihren verwunderten Ausdruck auf dem Gesicht.
“Können wir bitte einfach das Thema wechseln?“
Einerseits war ich ziemlich stolz auf mich, dass ich nicht direkt wieder losgebrüllt hatte, auch wenn es ziemlich schwierig war, aber bis jetzt lief der Abend doch recht gut und außerdem hatte ich Bella schon genug angeschrieen.
Das würde sicherlich für die nächsten 10 Jahre reichen.
„Oh… Verstehe.. Entschuldigen Sie bitte, Mr. Cullen“, murmelte sie mit einem schuldbewussten Gesichtsausdruck und stocherte in ihrem Salat herum.
“Es ist einfach nur…“ Ich schnaubte und fuhr mir mit einer Hand verzweifelt durch meine Haare.
Was für eine Erklärung wollte ich denn ihr jetzt schon geben? Aber sie hatte es doch verdient, eine Erklärung zu erhalten, oder etwa nicht?
Schließlich hielt sie es immer noch mit mir aus, obwohl ich sie nicht gerade sehr nett behandelt hatte.
“Schon okay… Lassen wir das Thema einfach fallen. Ich frage auch nicht mehr danach.“
Irrte ich mich, oder konnte ich da eine Spur Mitgefühl in ihren tiefbraunen wunderschönen Augen sehen?
Ich schüttelte kurz mit geschlossenen Augen den Kopf, um wieder einen klaren Gedanken fassen zu können und lächelte sie dankbar an.
“Wissen Sie…“ Sie schob ein Stück Tomate an den Rand des Tellers und erst jetzt fiel mir auf, dass sich bereits ein kleiner Tomatenhaufen auf ihrem Teller angesammelt hatte.
Anscheinend konnte sie Tomaten nicht ausstehen, aber ich ließ das Ganze unkommentiert, auch wenn ich sie weiter dabei beobachtete.
“Ich bin Ihnen ja schon wirklich dankbar, dass Sie mich nicht wieder angebrüllt haben“, erklärte sie mir und grinste.
Ich merkte, dass sie die von vor wenigen Sekunden angespannte Stimmung wieder auflockern wollte und ganz automatisch musste ich ebenfalls lächeln.
„Ich versuche mich zu bessern“, antwortete ich ehrlich und sie nickte anerkennend.
“Das ist wirklich ein Schritt in die richtige Richtung. Ich bin stolz auf Sie.“ Sie schien diese Worte wirklich ernst zu meinen, denn der Blick, den sie mir zuwarf war ehrlich und kein spöttisches Lächeln zierte ihr aufmerksames Gesicht.
“Ähm… Danke…“, antwortete ich etwas unsicher und trank einen großen Schluck von meinem Wasser.
“Ich sage nur wie es ist…“, erwiderte sie schlicht und einen Moment lang sahen wir uns einfach nur an.
Ihr Blick war so durchdringend, dass ich mich nach wenigen Sekunden räusperte und meinen Blick von ihr abwandte.
Sie war wirklich hübsch, dass musste ich zugeben und ich fragte mich ehrlich, warum mir das nicht schon eher aufgefallen war.
Isabella brauchte keine teuren Kleider, Schuhe oder Schmuck um schön auszusehen.
Ich dachte über das nach, was mir durch meinen Kopf schwirrte und schnaubte leise.
Eindeutig verwirrten mich meine Gedanken und sie fragte auch nicht nach, wofür ich ihr ziemlich dankbar war.
Bella und ich waren noch ziemlich lange in dem Restaurant und von Stunde zu Stunde verstanden wir uns besser.
Insgeheim fragte ich mich, wann ich das letzte Mal so sehr gelacht hatte wie mit ihr zusammen.
Ich unterhielt mich gerne mit ihr.
Sie war schlagfertig, sagte gerne das, was sie dachte und verschonte mich keineswegs mit ihrer Meinung.
Ich mochte das.
Außerdem war sie unheimlich intelligent und hatte einen fabelhaften Humor.
Es war schon bereits fast Mitternacht, als ich mich neben ihr in meinen Audi setzte und sie nach Hause fuhr.
In ihrer winzigen Wohnung brannte noch immer Licht, als ich in der Nähe ihrer Wohnung parkte.
Hier einen Parkplatz zu bekommen war wirklich grauenhaft und ich stellte den Motor ab.
Bella warf mir einen verwirrten Blick zu, als ich zusammen mit ihr Ausstieg.
“Was tun Sie da?“, fragte sie mich mit großen Augen.
Ihr Körper war noch dem Auto zugewandt und ich vermutete, dass sie sich gerade von mir verabschieden wollte.
“Es ist ein langer Weg, bis zu Ihrer Haustür“, erwiderte ich schulterzuckend und schloss meinen Wagen ab.
“Das ist wirklich sehr freundlich, Mr. Cullen aber ich denke, ich schaffe diesen Weg alleine.“
Bellas Blick wanderte über die Straße und von weitem entdeckte ich eine Horde Männer, die sich lauthals lachend unterhielten.
Das Klimpern von Bierflaschen, welches aus einer der Gassen kommen musste war ebenfalls nicht zu überhören.
“Mir wäre es lieber, wenn ich Sie das Stück noch begleite…“, entgegnete ich und legte meinen Kopf etwas schief, während ich sie fragend ansah und auf eine Bestätigung wartete.
“Na gut…“, sagte sie schließlich etwas kleinlaut und ich lächelte.
Bella war eine starke Frau, aber sie hatte doch auch ein wenig Angst, alleine durch diese Straße zu gehen.
Wirklich sicher schien es hier ja nicht zu sein und einige der Häuser erschienen mir ziemlich baufällig.
“Danke…“, sagte ich wahrheitsgemäß und begab mich zu ihr auf den Bürgersteig.
Ich vergrub meine Hände in den Hosentaschen, während ich neben ihr her lief.
Wir beide sprachen kein einziges Wort miteinander, bis wir letztendlich vor ihrer Haustür stehen blieben.
„Danke… Also Danke, dass sie mich hierhin begleitet haben und für den Abend natürlich… Er war… schön…“, sagte sie und meine Mundwinkel hoben sich zu einem Lächeln.
“Ich danke dir für den Abend, Bella“, sagte ich.
In diesem Moment erschienen mir diese Höflichkeiten sinnlos und übertrieben.
Wir hatten uns besser kennen gelernt und ich vermutete, nein ich hoffte sogar, dass dies nicht das letzte Mal sein würde, dass ich mich mit ihr unterhielt.
Bella zog eine Augenbraue hoch, sagte aber nichts weiter dazu, dass ich das Siezen einfach so aufgegeben hatte.
“Okay.. Dann werde ich jetzt mal nach oben gehen…“, sagte sie, wandte mit ihren Rücken zu, doch ich dachte nicht daran, sie jetzt so schnell gehen zu lassen.
“Warte!“
Ich war ein wenig verwundert über die Tatsache, dass sie wirklich stehen blieb und sich mit einem fragenden Blick zu mir umdrehte.
“Ja?“
Ich grübelte nicht lange darüber nach, was ich im nächsten Moment tat.
Ich wusste nicht einmal warum ich sie jetzt so überfiel, aber ich konnte nicht anders.
Mein Blick fiel auf ihre wunderschönen, geschwungenen Lippen und ich beugte mein Gesicht langsam zu ihrem.
Doch mit dem, was nur wenige Sekunden später passierte hatte ich absolut nicht gerechnet.
Meine Lippen berührten ihre kaum, als mich eine flache Hand mitten auf meiner linken Wange traf.
Ihre Hand um es genauer zu sagen.
Verdammt…
Diese Frau war klein und man traute ihr solche Kräfte gar nicht zu, aber es tat ziemlich weh und ich legte meine Hand an meine Wange.
“Autsch…“, murmelte ich und sah in ihr Gesicht.
Ihre braunen Augen wirkten geschockt und verwirrt zugleich.
“Was sollte DAS denn bitte werden?“, fragte sie mich und ihre Hand schien immer noch bereit für einen weiteren Schlag zu sein, falls ich es ein weiteres Mal probieren würde.
“Ich wollte dich küssen“, erwiderte ich, als wäre es eine Selbstverständlichkeit und sie schien nach den richtigen Worten zu suchen.
Zuerst befürchtete ich, dass sie mich anbrüllen würde, aber sie seufzte leise und schüttelte den Kopf.
„Mr. Cullen…“ Ich verdrehte die Augen, da sie immer noch meinen Nachnamen benutzte.
Wann würde sie mich endlich mit meinem Vornamen anreden?
“Sie können doch nicht einfach versuchen mich zu küssen.. Ich meine… Sie sind doch noch verlobt und außerdem… Nur weil wir uns heute Abend so gut verstanden haben, heißt das doch noch lange nichts. Und muss ich Sie erst daran erinnern, dass dies hier kein Date war?“
Sie seufze leise und strich sich einige ihrer Haarsträhnen aus dem Gesicht, die sich aus ihrer Hochsteckfrisur gelöst hatten.
“Sie überstürzen immer alles und wollen, dass alles gleich funktioniert… Aber so läuft das im Leben nicht…“, erklärte Bella mir und richtete ihren Blick auf.
Mit dieser Reaktion hatte ich irgendwie nicht gerechnet.
“Du könntest mir zeigen, wie es funktioniert…“, murmelte ich leise und lächelte sie vorsichtig an.
Sie sah auf den Boden, aber dennoch zierte ein wunderschönes Lächeln ihre Lippen.
Bella wandte mir ihren Rücken zu und lief die Treppe bis zu ihrer Haustür hoch.
Ich wollte schon protestieren, doch sie drehte sich noch einmal zu mir um.
Das Lächeln, was sie mir gerade schenkte, war mir vollkommen neu und ich schluckte.
“Gute Nacht, Edward…“, sagte sie mit leiser Stimme, doch ich verstand jedes einzelne Wort von dem, was sie gesagt hatte.
Es war eine indirekte Antwort auf meine kleine Bitte und ich seufzte leise.
Anscheinend gab es doch noch Hoffnung und es war ein wenig ungewohnt, dieses Gefühl zu verspüren, aber ich mochte es.
Als sich die Haustür hinter Bella schloss, blieb ich noch einen Moment lang vor ihrer Haustür stehen, bevor ich mich schließlich mit einem zufriedenen Grinsen wieder auf den Weg zu meinem Auto machte.
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