Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Freitag, 13. August 2010

Kapitel 09 - Vatersorgen


Jacob POV


Endlich hatte das letzte Meeting dieses Tages ein Ende genommen.
Es kam mir wie Stunden vor, dass ich in diesem Raum, voll mit anderen Männern, an einem Tisch saß und meinem Chef dabei zuhörte, was er als nächstes mit der Firma vorhatte.
Allerdings hörte ich dieses eine Mal nur mit einem Ohr zu.

Meine Gedanken waren bei meiner Tochter, mit der ich den kommenden Nachmittag verbringen würde.
Nach längerem hatte ich mir mal wieder frei genommen und natürlich hatte ich meine freie Zeit mit meiner Tochter verplant.
Charlotte war deswegen etwas mürrisch, sagte jedoch nichts weiter dagegen.
Sie und Nessie kannten sich noch nicht, was ich aber irgendwann noch ändern wollte.
Ich wusste, dass meine vielen Ehen nicht gewöhnlich waren und ich alles etwas langsamer angehen lassen sollte, aber irgendwie klappte es nie, wie ich es mir immer wieder vornahm.
Mit Bella war es damals etwas anderes.
Sie war meine erste und meine längste Ehe, mit ihr hatte ich eine Familie gegründet.
Bella war diejenige, die mir den größten Schatz auf Erden geschenkt hatte… Vanessa.

Natürlich war ich damals geschockt gewesen, als Bella mir mitgeteilt hatte, dass wir beide ein Baby erwarten würden.
Schließlich war ich gerade erst 19 Jahre alt und erst ein Jahr auf dem College und hatte eine High School Schülerin geschwängert.
Aber sie war für mich nicht irgendeine High School Schülerin, sondern meine Freundin, meine erste Liebe.
Ich hatte Bella geliebt. Das tat ich wohl vom ersten Augenblick an und ein Teil von mir würde sie wohl immer lieben.
Nicht als Partnerin, sondern als beste Freundin und als die Mutter meiner Tochter.

Vanessa war das Wichtigste in meinem ganzen Leben.
Nie im Leben würde ich es zulassen, dass sie auf irgendeine erdenkliche Art und Weise verletzt werden würde.
Seit ihrer Geburt hütete ich sie wie meinen Augapfel.
Sie war so unschuldig und rein.
Eine Eigenschaft, die jedes Baby mit sich brachte, wenn es auf die Welt kam, aber bei Nessie blieb diese Eigenschaft noch bis heute vorhanden.
Eindeutig die Gene ihrer Mutter.

Ich war froh, als ich endlich in die Straße der Mount Carmel High School einbog.
Es würde zwar noch etwa zehn Minuten dauern, bis es zum Schulende klingeln würde, aber ich wollte lieber vorher dort sein.
Die Parkplätze an der Schule waren voll, aber ich hatte Glück, dass gerade ein anderes Auto direkt vor der Schule dabei war auszuparken.
Sobald ich mir den Parkplatz gesichert hatte, stieg ich aus meinem Wagen, lehnte mich an die Beifahrerseite und wartete auf das Klingeln, welches den gemeinsamen Nachmittag mit meiner Kleinen einläuten würde.

Als es soweit war und so gut wie alle Schüler der Schule aus den Ausgängen stürmten, hielt ich Ausschau nach Vanessa, konnte sie aber nirgendwo entdecken, was mich bei dieser Flut nicht wunderte.
Geduldig wartete ich, weiterhin am Wagen gelehnt und hielt weiterhin nach ihr Ausschau.

Weitere Minuten vergingen und die Menge an Schülern wurde immer weniger, doch als ich dann zu einem der vielen Ausgänge sah, konnte ich meine Tochter erkennen, wie sie gerade durch eine der offenen Türen ging.
Die Vorfreude auf den gemeinsamen Tag überkam mich, ich stieß mich von meinem Wagen ab und wollte gerade auf Vanessa zu gehen, als ich hinter ihr einen Jungen entdeckte.
Sie lachten zusammen und Nessie bemerkte mich noch nicht einmal.
Ihre Augen waren nur auf diesen großen, braunhaarigen Jungen gerichtet und genauso blickte er auf meine Tochter.
Meine Hände ballten sich augenblicklich zu Fäusten, während ich die beiden weiterhin beobachtete.
Alleine schon, wie dieser Kerl sie ansah, sie mit seiner Hand an ihrem Rücken anfasste, brachte mich fast schon zur Weißglut.
Was erlaubte er sich mein kleines Mädchen anzufassen?
Dazu hatte er gar kein verdammtes Recht!

„Hey Dad!“, hörte ich meine Kleine rufen und schenkte ihr meine volle Aufmerksamkeit.
Dieser Junge stellte sich mit Nessie zu mir und während ich Nessie in eine Umarmung zog und ihr einen Kuss auf die Wange gab, nutze ich die Zeit, damit ich diesem Kerl, über Nessies Schulter hinweg, böse Blicke zuwerfen konnte.
Entweder dieser Bengel ignorierte mich oder er bemerkte meine giftigen Blicke wirklich nicht, während seine Augen weiterhin auf meine Kleine gerichtet waren.
Der Junge hatte Glück, dass sich keine scharfen Gegenstände in meiner Nähe befanden, die ich gegen ihn hätte einsetzen können.
Wie konnte er es nur wagen, mein kleines Mädchen so anzugucken?

„Ich dachte wir treffen uns erst im Café“, sagte sie, als wir unsere Umarmung lösten und sie sich wieder zu diesem Mistkerl stellte.
Bewusst, verschränkte ich die Arme vor meiner Brust, in dem Wissen, dass meine Muskeln so besser zu Geltung kamen.
Vielleicht könnte ich dem Jungen ja so etwas Angst einjagen.
Während ich den braunhaarigen mit meinem Blicken erdolchte, konnte ich aus dem Augenwinkel erkennen, wie der Kopf meiner Tochter die ganze Zeit zwischen uns hin und her sah.
Nur kurz riskierte ich einen Blick zu ihr und sah, wie sie sich auf ihrer Unterlippe biss und auf den Boden blickte.
Dieses Verhalten kannte ich noch zu gut von Bella und konnte nur erahnen, was hier gerade vor sich ging.
Meine Arme verschränkte ich stärker aneinander, wollte meine Muskeln noch mehr betonen, aber dieser kleine Scheißer merkte es noch nicht einmal.
Er besaß doch tatsächlich die Frechheit meine Tochter anzustarren, während ich dabei stand.

„Ähm, Dad? Das ist Jackson, ein… Freund“, stellte sie mir diesen Jungen vor und zögerte, als sie das letzte Wort ausgesprochen hatte.
Nur ein Freund?
Und das sollte ich glauben?
Nicht bei diesen verdammten Blicken und dem Verhalten, welches meine Tochter an den Tag legte.
„Jackson, das ist mein Dad, Jacob“, fügte sie an Jackson gewandt kurz und knackig hinzu.
„Freut mich Sie kennen zu lernen, Sir“, sprach Jacky mich an und besaß die Frechheit, mir seine Hand entgegenzustrecken.
Ich allerdings starrte ihn nur weiterhin an und ignorierte diese Geste geflissentlich.
Wenn er bei mir einen guten Eindruck hinterlassen wollte, dann sollte er gefälligst die Finger von meiner Tochter lassen.
Am Besten noch, er sollte sie gar nicht erst ansehen und wenn möglich auch nicht mit ihr sprechen, sollte sie schlicht und einfach in Ruhe lassen und sie nicht belästigen.

„Dad?“, hörte ich Nessie leise fragen und wandte meinen Kopf langsam wieder ihr zu.
Sofort merkte ich, wie sich meine Gesichtszüge entspannten, sobald ich in das Gesicht meiner Tochter blickte.
Meine kleine, unschuldige Tochter.
Die neben diesem schmierigen Typen stand und sich von ihm einlullen ließ.
Ich kannte Jungs wie ihn, schließlich war ich auch mal in dem Alter und ich konnte mir nur zu gut denken, was in ihm vorging.
Und auf keinen Fall würde ich es zulassen, dass er meiner Kleinen zu nahe kam.
„Alles okay?“, fragte sie mich und blickte mich unsicher an.
Wieso war sie denn so verunsichert?
Verheimlichte sie mir etwas?
Hatte es vielleicht sogar etwas mit diesem Jungen zu tun?
„Klar, was soll schon sein?“, antwortete ich ihr mit einem Schulterzucken und lächelte sie noch einmal kurz an, ehe ich wieder zu diesem Kerl blickte und all die Nettigkeit aus meinen Zügen wieder verschwand.
Konnte er nicht gehen, damit ich den Tag mit meiner Tochter endlich beginnen konnte?
Musste er mich so nerven?

„Ähm…“, kam es verunsichert aus der Richtung von meiner Tochter, aber ich beachtete sie gar nicht.
Noch immer lag mein Blick auf diesem Kerl, der wohl auch mal endlich mitbekam, wie ich gerade versuchte ihn mit meinen Augen zu erdolchen.
Doch leider klappte es nicht so, wie ich es mir gedanklich ausmalte.
„Ich denke, ich sollte jetzt besser gehen“, kam es von Jacky, der zwischen Nessie und mir hin und her sah, sein Blick dann aber wieder an meiner Kleinen hängen blieb.
Am liebsten würde ich ihm die Augen ausstechen, damit er sie nie wieder ansehen konnte und erst recht nicht so, wie er es die ganze Zeit über tat.
„Oh…okay“, kam es von Nessie, die ihn irgendwie traurig ansah.
Sie konnte diesen Jungen doch nicht ernsthaft mögen… oder etwa doch?
„Mr. Black“, wandte sich der Kerl wieder an mich und begegnete wieder meinem scharfen Blick.
Ich konnte erkennen, wie seine Augen kurz meine Oberarme beobachteten und erkannte, wie er deutlich schluckte.
Das wollte ich ihm aber auch geraten haben.
Er sollte ruhig Angst vor mir bekommen und sich somit dann von meiner kleinen Tochter fernhalten.
Eine Augenbraue hochziehend sah ich ihn abwartend an.
Was auch immer er mir jetzt sagen wollte, er konnte es ruhig für sich behalten.
„Hat mich ge… ähm… vielleicht sieht man sich bald wieder“, murmelte er und blickte unsicher in meine eiserne Mine.
„Lieber nicht“, sagte ich eher zu mir selbst, aber die beiden schienen das wohl trotzdem verstanden zu haben.
Gut so.
Denn wer wusste schon, ob der Junge überhaupt so schlau war, dass er meine Körpersprache richtig interpretieren konnte?
Er wäre nie im Leben gut für Nessie, das sah man sofort.
„Dad!“, zischte mir meine Tochter zu und ich sah etwas in ihren Augen, was ich bisher von ihr noch nie zu sehen bekommen hatte… Wut.
In diesem Moment war die Ähnlichkeit zu ihrer Mutter unglaublich groß.

„Schon gut“, hörte ich Jacky sagen, der es doch tatsächlich noch wagte, mit seiner Hand, meine Tochter am Oberarm zu berühren, anscheinend um sie zu beruhigen.
Aber wenn hier jemand das Recht hatte sich aufzuregen, dann war ich das.
„Ich ruf dich dann an. Bye Ness! Auf…ähm… Mr. Black“, richtete er sich wieder an mich, aber als meiner Kehle ein Knurren entfuhr und meine Muskeln noch zusätzlich anfingen zu zucken, konnte er wohl gar nicht mehr schnell genug entkommen.

„Was sollte das?!“, hörte ich die Stimme meiner Tochter, als Jacky aus unserer Sichtweite verschwunden war.
Zufrieden lächelnd legte ich einen Arm um Nessies Schulter und führte Sie zu mein Auto, wo ich ihr die Beifahrertür direkt aufhielt, meine Tochter aber keinerlei Anstalten machte sich dort reinzusetzen.
Seufzend ließ ich die Tür wieder ins Schloss fallen, ehe ich mich an sie anlehnte, sodass ich Nessie direkt gegenüberstand.
„Ich habe dir nur einen Gefallen getan“, antwortete ich ihr gelassen und verschränkte meine Arme wieder vor der Brust, diesmal allerdings so, dass es nicht so bedrohlich aussah, wie bei dem Jungen.
„Einen Gefallen? Das denkst du?“, fragte sie mich in einem leicht hysterischen Tonfall und strich sich ihre Haare aus ihrem hübschen Gesicht.
Natürlich hatte ich ihr einen Gefallen getan. Wieso zweifelte sie das an?
Schließlich wollte ich sie doch nur beschützen.
Ich wusste, wie sehr Liebe wehtun konnte und diesen Schmerz wollte ich ihr besonders in diesem Alter am liebsten ersparen.
Sie hatte noch keine Ahnung vom Leben. Sie war noch ein kleines Kind, deshalb konnte sie nicht beurteilen, was richtig für sie war und was nicht.
Aber dafür war ich ja da.
Ich war ihr Dad und würde sie vor allem beschützen, was ihr nur im Entferntesten schaden konnte.
Und alle Jungs, die sie auch nur aus dem Augenwinkel ansahen, standen auf meiner Liste der Schädlingsbekämpfung auf Platz Nummer 1.
„Das denke ich nicht, das weiß ich!“ Ich blickte direkt in ihre braunen Augen und versuchte mit all meiner Kraft sie davon zu überzeugen, dass ich richtig gehandelt hatte und ich sogar noch viel zu nett zu diesem Jack war.
Allein schon wenn ich daran zurückdachte, wie er sie angesehen hatte, spannten sich all meine Muskeln wieder an.

„Und jetzt setz dich in den Wagen“, befahl ich ihr und öffnete erneut die Beifahrertür.
Irgendetwas vor sich hin murmelnd stieg sie letztendlich ein und verschränkte sofort die Arme vor ihrer Brust, sobald sie sich auf die Sitze niedergelassen hatte.
Ich wollte nicht, dass sie sich mir gegenüber so benahm, aber in anbetracht der Situation würde ich eben auch ihre Laune hinnehmen.
Sie musste verstehen, dass ich mich nur um sie sorgte und nicht wollte, dass ihr irgendjemand Leid zufügte.

Während der Fahrt sprach Nessie mit mir kein einziges Wort.
Sie war beleidigt, das sah man ihr sofort an.
Ihre Mutter machte immer die selbe Schnute, sobald sie beleidigt war oder ihr etwas nicht in den Kram passte.
Selbst die Musik, welche im Radio lief war abgrundtief schlecht, weshalb ich das Radio ganz ausschaltete.
Nach ein paar Minuten Fahrt war ich diese Stille allerdings satt.
Ich konnte es nicht ertragen, wenn meine Tochter nicht mit mir sprach.
„Jetzt sag doch bitte etwas“, bat ich Nessie und blickte sie kurz an, ehe ich meinen Blick wieder auf die Straße konzentrierte.
Seitdem sie in mein Auto gestiegen war, hatte sich ihre Haltung kein einziges Mal verändert: die Arme vor der Brust verschränkt und den Blick aus dem Seitenfenster gerichtet.
Ja, sie war eindeutig sauer auf mich. Spätestens jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, an dem ich es nicht mehr hätte leugnen können.
Nachdem sie immer noch nichts sagte und ich keine Lust mehr hatte die weitere Autofahrt schweigend zu verbringen, fuhr ich bei der nächst besten Möglichkeit rechts ran.
„Was tust du da?“, fragte mich Nessie, die einen Blick aus dem Fenster warf.
Wahrscheinlich um zu sehen, wo genau wir uns befanden.
„Mit dir reden“, war meine einzige Antwort darauf, als ich den Motor zum Schweigen brachte und ich mich abschnallte, damit ich mich besser zu ihr herumdrehen konnte.

„Hast du heute nicht schon genug geredet?“, kam es trotzig von ihr, was mich scharf die Luft einziehen ließ.
Nessie hatte bis jetzt noch nie so mit mir gesprochen und wenn, dann war es bisher immer nur aus Spaß.
Aber das hier war gerade kein Spaß.
Sie zeigte mir die kalte Schulter und warum?
Weil ich sie vor etwas beschützen wollte. Etwas, was ihr früher oder später wehtun würde.

„Wieso bist du so abweisend zu mir?“, fragte ich sie direkt und hoffte darauf, dass sie mir eine ehrliche Antwort darauf geben würde.
„Kommst du da nicht selbst drauf?“, stellte sie mir auch schon die Gegenfrage und blickte mich herausfordernd an.
Was sollte das denn jetzt werden?
„Vanessa Black, pass lieber auf, was du sagst“, warnte ich sie und zeigte mit meinem Finger auf sie.
Es war das erste Mal seit Jahren, dass sie vor dem Finger wieder zusammenzuckte.
Ich musste ja wirklich Furcht einflößend sein, wenn der Finger nach all diesen Jahren wieder seine eigentliche Wirkung auf Vanessa ausübte.
Natürlich würde ich ihr nie irgendetwas tun, aber ich duldete es auch nicht, dass sie so mit mir sprach.
Wenn es mal in einem Scherz geschah, aus reinem Spaß, dann wäre ich der letzte, der etwas dagegen sagen würde.
Aber diese Situation war viel zu angespannt, um sie irgendwie als spaßig betrachten zu können.

„Tut mir leid“, murmelte sie und ließ ihren Kopf etwas hängen.
Am liebsten hätte ich sie in den Arm genommen und ihr versichert, dass alles nur halb so schlimm war und ich ihr natürlich vergeben würde, schließlich war sie mein Fleisch und Blut und das eben war etwas, was ich im Eifer des Gefechts gesagt hatte, aber trotzdem wollte ich es ihr nicht zu leicht machen.
„Warum benimmst du dich so?“, fragte ich sie auch schon und ging gar nicht erst auf ihre Entschuldigung ein.
„Das eben, war eben peinlich für mich. Du warst peinlich“, antwortete sie mir und sah sich lieber die Gegend an, anstatt mich anzusehen.
Ich war peinlich? Ausgerechnet ich?
Eigentlich war ich immer der Meinung gewesen, dass ich ein ziemlich cooler Dad war, aber Nessie schien das jedenfalls anders zu sehen.
„Peinlich?“, fragte ich sie auch schon und war ehrlich neugierig auf ihre Antwort.
Die Sache vorhin mit diesem Jungen würde ich nicht als peinlich bezeichnen, eher als notwendig.
Schließlich war ich immer noch ihr Vater und auch, wenn ich mich nicht oft genug wie einer benahm hieß das nicht, dass ich mich weniger um sie sorgte.
Es war meine Aufgabe sie zu beschützen und genau das tat ich auch.
Egal, ob es sich dabei um einen brennenden Ofen handelte, in dessen Nähe sie als kleines Kind nicht kommen durfte oder ob es sich um einen Jungen handelte, der nicht gut für sie war.
Und wenn es darum ging mein Kind, mein eigenes Fleisch und Blut, zu beschützen, dann tat ich auch alles Menschenmögliche dafür, dass sie nicht verletzt wurde.
Nicht mehr und nicht weniger hatte ich heute getan.
Es gab also nichts, was ich mir vorwerfen lassen würde und schon gar nicht, dass ich peinlich war.

„Bist du jetzt auch noch taub geworden? Ja, peinlich!“
Ihre Stimme hatte einen fast schon hysterischen Ton und es war verblüffend für mich zu sehen, wie sehr sie ihrer Mutter in diesem Moment ähnelte.
Mehr denn je, ganz eindeutig.
„Du wirst dich jetzt erst einmal beruhigen und dann reden wir.“
Mit diesen Worten widmete ich mich wieder meinem Wagen und fuhr los.
Mein Plan war es, schon bevor ich Jacky getroffen hatte, in eine Eisdiele zu gehen, damit ich mich mit Nessie in aller Ruhe unterhalten konnte.
Ich wusste nicht warum, aber irgendwie war es so, dass Nessie und ich uns immer am Besten unterhalten konnte, wenn wir Eis aßen.

Doch mit bedauern musste ich feststellen, dass es dieses Mal nicht so war.
Egal wie oft ich versuchte sie in ein Gespräch zu verwickeln, sie sagte kein Wort, sondern schenkte mir nur ab und zu kurze, giftige Blicke.
Ich wollte mich nicht mit meiner Tochter streiten, auch wenn ich die Sache mit diesem Jungen noch lange nicht gutheißen konnte und ich versuchen würde, sie von dem männlichen Geschlecht fernzuhalten, bis sie 30 war.
Aber es machte mich regelrecht fertig, dass sie so abweisend zu mir war.
Und wessen Schuld war das?
Genau, das war allein die Schuld von diesem verdammten Bengel.
Wenn er nicht gewesen wäre, dann würden wir hier nicht schweigend Rumsitzen, sondern unseren Spaß haben.
In diesem Moment wünschte ich mir, dass er in die Hölle kommen würde und dass ich derjenige war, der ihn dorthin verbannte.

Sofort nachdem wir unser Eis verspeist hatten, verließen wir die Eisdiele und setzten uns in meinen Wagen… schweigend!
Normalerweise blieben wir immer noch sitzen und aßen sogar noch eine zweite Portion, aber heute war es nicht der Fall.
Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt unseren Tag so zu enden, aber für heute blieb mir keine andere Wahl.
Nessie schien auch so schon keine Lust auf mich zu haben und ich wollte es nicht noch schlimmer machen, indem ich sie dazu zwang ihre freie Zeit mit mir zu verbringen.
So ein Vater war ich nicht und so einer wollte ich auch nicht sein.

Also fuhr ich uns, nachdem unser Tag hiermit offiziell beendet war, zu Bella in die Buchhandlung.
Ich musste mit ihr über diese Situation reden und wir mussten uns einen Plan machen, was wir dagegen unternehmen würden.
Nach einem gemeinsamen Tag mit meiner Tochter redete ich immer mit Bella und erzählten uns von unserem Tag.
Wobei meistens ich derjenige war der sprach und ihr erzählte, wie der Tag mit Vanessa verlief.
Es war das erste Mal, dass wir schon so früh bei Bella auftauchen würden oder überhaupt bei ihr auf der Arbeit erschienen und wir uns nicht wie sonst am Abend bei ihr zu Hause trafen.
Nein, diesmal war es anders und es gefiel mir gar nicht.

Nessie saß, wie schon auf der Hinfahrt zur Eisdiele, mit vor der Brust verschränkten Armen in ihrem Sitz und starrte aus dem Fenster.
Hin und wieder warf ich ihr kurze Blicke zu, aber kein einziges Mal veränderte sie ihre Haltung.
Es machte mich traurig, wie sie sich mir gegenüber benahm, aber ich würde mich ganz sicher nicht für mein ‚peinliches’ Verhalten entschuldigen.
Mittlerweile hatte ich es aufgegeben ihr ein Gespräch mit mir aufzuzwingen.
Ich würde einfach mit Bella darüber reden und hoffen, dass sie vielleicht einen guten Rat für mich hatte und sie besser zu Nessie durchdringen konnte, damit sie wieder mit mir sprach.

Nach einer zwanzigminütigen, stillschweigenden Autofahrt, hielt ich direkt vor ‚Brandon Books’ meinen Wagen an und konnte von Glück reden, dass ich dort einen Parkplatz gefunden hatte.
Noch ehe ich mich abschnallen konnte, hatte Nessie es schon geschafft aus dem Wagen raus und in die Bauchhandlung reinzustürmen.
Ganz eindeutig das Temperament ihrer Mutter.

Wehmütig seufzend schüttelte ich meinen Kopf und stieg ebenfalls aus meinem Auto aus, nachdem ich den Motor ausgemacht und die Handbremse angezogen hatte.
Von Vanessa war keine Spur mehr, weshalb ich annahm, dass sie schon längst im Buchladen bei ihrer Mutter war und ihr vermutlich noch von unserem relativ kurzen Tag erzählte.

Sobald auch ich den Laden betreten hatte, bemerkte ich sofort die zwei Augenpaare, die auf mir lagen - Alice und Bella.
Meine Tochter sah mich nicht einmal mehr an.
„Jake“, hörte ich Bella nach mir rufen und kam direkt auf mich zu, um mich zu umarmen, woraufhin ich ihr einen Kuss auf die Wange drückte.
Ich war froh, dass Bella und ich uns so gut verstanden.
Es war selten, dass sich geschiedene Eltern so gut verstanden, das wusste ich, deswegen war ich umso glücklicher, dass es bei uns beiden anders war.

„Hey Kleines“, flüsterte ich ihr noch ins Ohr, bevor ich wieder von ihr abließ und auf sie herab sah.
Sie sah gut aus, aber das war nichts Neues.
Ich verstand nicht, wieso eine Frau wie sie keinen Mann hatte.
Nachdem unsere Ehe ein Ende gefunden hatte, hatte ich sie nie mit einem anderen Mann gesehen und sie hat mir auch nie von einem erzählt, an dem sie Interesse haben könnte.
Aber ich wusste auch, dass sie sich immer nur um Nessie gekümmert hatte und die Männer um sich herum wahrscheinlich noch nicht einmal wahrnahm.
Nun ja, bis jetzt jedenfalls.
Seitdem wir Edward Cullen getroffen hatten, hatte Bella schon oft angefangen von ihm zu sprechen.
Zwar kam meistens nichts Gutes aus ihrem Mund, wenn sie etwas über ihn verlor, aber da war wieder diese gewisse Leidenschaft in ihren Augen, die ich seit Jahren nicht mehr bei ihr gesehen hatte.

„Was macht ihr schon so früh hier? Nessie hat nur geschnauft, als ich sie danach gefragt habe“, verwirrt sah sie mich an und blickte kurz über ihre Schulter zu unserer Tochter, die gerade dabei war sich mit Alice zu unterhalten.
„Können wir kurz reden? Unter vier Augen?“, bat ich meine Ex-Ehefrau, die ihre Aufmerksamkeit wieder mir schenkte und mit ihrer Hand nach meinem Unterarm griff.
„Natürlich. Am Besten wir gehen nach hinten“, sagte sie, sah mich etwas verwirrt an und zog mich mit sich mit.

„Also, was ist vorgefallen? So habe ich euch noch nie erlebt“, begann sie, nachdem wir den Lagerraum erreicht und die Tür hinter uns geschlossen hatten.
Seufzend griff ich nach einem Hocker, der hier herumstand und setzte mich auf ihn drauf.
Ich sah zu Bella hinüber, die sich seitlich an ein Regal lehnte und mit vor der Brust verschränkten Armen zu mir herübersah.
„Nessie hat Kontakt mit Jungs“, klärte ich sie auf und ließ das Treffen mit Jacky noch mal Revue passieren.
Diese Kröte würde noch dafür büßen, dass meine Tochter nun so abweisend zu mir war.
Er würde leiden und dann im Höllenfeuer schmoren und sich wünschen, dass er mir niemals begegnet war.
„Was?“, hakte Bella noch mal nach und ließ ihre Arme wieder sinken, nur damit sie ihre Hände in ihre Hosentaschen vergraben konnte.
Ich begann, meiner besten Freundin über die heutigen Vorfälle zu berichten.
Wie ich Nessie von der Schule abholen wollte und sie dann das Gebäude mit diesem Jungen verließ.
Wie der Bengel meine Tochter ansah und Vanessas Verhalten, nachdem dieser Junge wieder weg war.

„Das ist nicht dein Ernst!“
Bella sah mich völlig entgeistert an, nachdem ich meine Erzählungen abgeschlossen hatte.
Ich wusste doch, dass wenigstens sie mich in dieser Hinsicht verstehen würde.
Sie war meine Seelenverwandte.
Auch, wenn wir als Liebespaar nicht funktioniert hatten, aber es war mir bestimmt, dass ich mit Bella eine so tiefgründige Freundschaft führte.
„Kein Wunder, dass Nessie so aufgebracht ist“, fuhr sie fort, woraufhin mir meine Gesichtszüge völlig entglitten.
Sie war also doch nicht auf meiner Seite?
Wie war das möglich?

„Jake“, fuhr Bella fort, kam auf mich zu und legte ihre Hände an meinen Schultern, als sie zu mir hinuntersah, was wirklich eine Seltenheit war.
Schließlich war ich etwa 40cm größer als sie und nur wenn ich saß hatte Bella die Möglichkeit mich von oben herab anzusehen.
„Ich denke du solltest langsam mal einsehen, dass Nessie erwachsen wird. Sie ist jetzt 16 und da ist es ganz normal, dass sie auch mit Jungs Kontakt hat. Du müsstest das eigentlich noch am Besten wissen“, klärte sie mich über ihre Gedanken auf, woraufhin ich nur seufzen konnte.
Natürlich war mich klar, dass es früher oder später soweit kommen würde, aber mir wäre später nun mal lieber gewesen.
„Ich habe einfach Angst, Bells“, gestand ich ihr und lehnte meinen Kopf an ihrem Bauch an, der direkt vor meinem Gesicht war.
Zärtlich, aber auf eine freundschaftliche Art und Weise, strich sie mit ihren Fingern durch meine Haare.
„Wovor?“, hörte ich sie fragen, woraufhin ich mich wieder von ihr weg lehnte, damit ich einen Blick in ihr schokoladenbraunen Augen werfen konnte.
„Davor, dass auch sie zu früh… schwanger werden könnte und… Bells, du warst damals ungefähr in Nessies Alter, als wir sie gezeugt haben“, erinnerte ich sie und es fiel mir unheimlich schwer, auch nur daran zu denken, wenn es wirklich so kommen sollte.
Nessie war noch jung und hatte so viele Möglichkeiten.
Wir schickten sie ja schließlich nicht umsonst auf eine Privatschule.
Es war nicht so, dass wir sie dazu gezwungen hatte, aber Nessie wollte selbst eine Chance haben, auf eine Elite Uni zu gehen und wenn sie auf eine Privatschule ging, stiegen ihre Chancen darauf ins Unermessliche.
Außerdem war ich noch lange nicht bereit mit 35 Jahren schon Großvater zu werden.
So langsam konnte ich wohl Charlie verstehen, warum er mich gehasst hatte, als er von Bellas Schwangerschaft erfuhr.
Schließlich war er gerade einmal 36 Jahre alt, als unser kleiner Engel zur Welt kam.

„Diese Angst habe ich auch“, gestand sie und strich mit ihren Fingern weiterhin durch meine Haare.
Allerdings ließ sie mir nicht die geringste Möglichkeit darauf auch nur etwas zu erwidern.
„Sie weiß, wie schwer wir es damals hatten und genau deswegen müssen wir ihr vertrauen“, versuchte sie mir zu erklären und ich wollte ihr wirklich vertrauen, denn schließlich hatte sie nichts getan, was mich dazu hätte bringen können es nicht zu tun, aber an meinen Ängsten änderte es nicht das geringste.
Meine Tochter wollte später aufs College, wollte einen Beruf ausüben und ich wollte nicht, dass ein Junge sie von diesem Vorhaben abbringen würde.
Nicht so, wie ich es bei Bella getan hatte.
Ich bereute es wirklich keine einzige Sekunde, dass wir Nessie bekommen hatten.
Sie war mein Leben, mein Ein und Alles und ich wusste, dass Bella nicht anders darüber dachte, aber auch wir hatten mal Träume.
Bella wollte auch mal aufs College und übte jetzt einen Beruf aus, den sie nicht aus vollem Herzen tat.
Sie liebte ihren Job, das wusste ich, aber sie hätte es sich gern zum Beruf gemacht, anderen Menschen zu helfen.
Und auch ich hatte damals mein Studium abgebrochen.
Noch eine Weile, nachdem ich von Bellas Schwangerschaft erfahren hatte, hatte ich noch eine Zeit lang weiterstudiert, bis ich dann merkte, dass das College meine ganze Zeit nur für sich einnahm und ich kaum Zeit für Bella hatte.
Und genau das wollte ich damals nicht, weshalb ich das College sausen ließ und mir einen Job suchte, womit ich meine Familie so gut es ging ernähren konnte.
Nessie sollte später mal nicht so eine ähnliche Erfahrung machen müssen.

„Du hast ja Recht“, gab ich mich letztendlich geschlagen.
„Aber sie ist doch noch mein kleines Mädchen. Ich meine, gestern habe ich ihr noch die Windeln gewechselt und heute, da hat sie Kontakt mit Jungs“, versuchte ich Bella zu erklären und sah sie dabei von unten mit meinem Dackelblick an.
Seufzend zog auch sie sich einen Hocker heran, setzte sich neben mich und lehnte ihren Kopf an meiner Schulter an.
„Sie wird wirklich rasend schnell erwachsen“, gab sie mir Recht, woraufhin wir beide wehmütig seufzten.

Eine ganze Weile unterhielten wir uns noch darüber, wie schnell unsere Tochter doch erwachsen wurde.
Es kam mir gar nicht so lange vor, als Nessie ihre ersten Schritte gemacht hatte, als sie ihr erstes Wort gesagt hatte oder auch, als sie angefangen hatte zu weinen, als wir sie zum ersten Mal in den Kindergarten brachten.
Und nun war meine Kleine 16 Jahre alt, besaß sogar schon einen Führerschein und würde in zwei Jahren die High School abschließen, nur um danach auf ein gutes College gehen zu können.
Wer konnte schon sagen, für welches College sie sich entscheiden würde?
Sie würde sich ein Leben ohne ihre Eltern aufbauen und dieser Gedanke machte mich irgendwie traurig.
So langsam konnte ich verstehen, warum es unseren Eltern so schwer gefallen war, als wir ihnen erzählten, dass wir von Phoenix nach Chicago ziehen würden.
Mir wurde schon beinahe schlecht wenn ich mir vorstellte, wie Nessie eines Tages so weit weg von uns leben würde.

Irgendwann saßen Bella und ich einfach nur da und hingen unseren Gedanken nach.
Ich persönlich versuchte mich gerade irgendwie von dem Gedanken abzulenken, dass meine Tochter bald ihr eigenes Leben führen würde und mir fiel prompt ein, wie ich schnell auf andere Gedanken kommen würde.
„Bells?“, fragte ich sie leise und drehte meinen Kopf so, dass ich sie ansehen konnte.
Nun ja, das Einzige, was ich zu Gesicht bekam, waren Bellas Haare.
„Jake“, sagte Bella meinen Namen und hob ihren Kopf von meiner Schulter, damit auch sie mich ansehen konnte.
„Was läuft da eigentlich zwischen dir und diesem Cullen?“, fragte ich sie und hatte sofort ein schelmisches Grinsen auf meinen Lippen.
Ich kannte Bella, besser als sie sich vermutlich selbst kannte und sie konnte nun wirklich nicht leugnen, dass sie auf eine verquere Art und Weise gefallen an ihm gefunden hatte.
„Da läuft gar nichts, ich helfe ihm nur, das ist alles“, gab sie nur von sich und klang dabei eine Spur gereizt.
Hatte ich da etwa einen wunden Nerv getroffen?
„Du sollst mich doch nicht anlügen, Bells. Also erzähl schon“, versuchte ich sie irgendwie aufzumuntern, dass sie mir etwas über ihn erzählte.
Sie wusste, dass sie mit mir über alles reden konnte, auch wenn es um andere Männer ging.
Wir waren jetzt schon viel länger Freunde, als das wir ein Paar gewesen waren und so funktionierten wir auch wirklich besser.
Es war für mich nie ein Problem gewesen wenn ich sah, dass andere Männer ihr Interesse an Bella zeigten, aber sie hatte es wirklich noch nie bemerkt, egal wie oft ich sie darauf ansprach.
Bei Edward Cullen sah das Ganze schon ein wenig anders aus.

„Ich habe ehrlich keine Ahnung, wie ich über ihn denken soll. Natürlich, er sieht gut aus und er kann auch durchaus charmant sein, wenn er will, aber er ist einer von diesen reichen Kerlen, die mit jemanden wie mir nichts zu tun haben wollen“, erzählte sie mir, woraufhin ich sie nur komisch anblicken konnte.
Das war doch nicht ihr Ernst, oder?
„Aber ihr habt miteinander etwas zu tun, Bella. Du hilfst ihm sein Leben wieder zu regeln“, erinnerte ich sie daran, dass sie durchaus eine Rolle in Edward Cullens Leben spielte, selbst wenn es keine allzu große Rolle war.
„Genau das ist doch der Punkt. Ich helfe ihm und das ist der einzige Grund, weshalb er überhaupt mit mir spricht oder soll ich dich da an die erste Begegnung an der Schule erinnern?“, fragte sie mich und war während ihres Redeschwalls von ihrem Hocker aufgestanden und lief wie eine Verrückte im Raum hin und her.
Ihre Reaktion auf ihn machte mich etwas stutzig, allerdings wollte ich heute noch nicht darauf eingehen.
Ich kannte Bella und wenn ich sie jetzt darauf ansprach, dann würde ihre Reaktion im Endeffekt dieselbe sein, die meine Tochter mir heute schon gezeigt hatte und darauf konnte ich getrost verzichten.

„Nachdem, was du mir schon alles über ihn erzählt hast, hat er sich doch jetzt schon innerhalb kürzester Zeit verändert. Und ich denke, wenn er nicht so oft herumbrüllen würde, dass du dich gut mit ihm verstehen könntest.“
Vorsichtig sah ich sie an, da ich nicht wusste, wie sie auf meine Worte reagieren würde.
Skeptisch musterte sie mich eine Weile, bevor sich etwas an ihrem Gesichtsaudruck änderte und sie anfing an ihrer Unterlippe zu knabbern.
Nun war es an mir, sie skeptisch zu betrachten und zog zur Verdeutlichung noch meine Augenbraue hoch.
„Bells? Was verschweigst du mir?“, fragte ich sie auf ihr Verhalten hin und es dauerte eine ganze Weile, bis sie mit der Antwort rausrückte.
„Er hat mich zu einem Essen eingeladen“, begann sie mir zu erklären, während sie sich wieder neben mich setzte und anfing, die Hände auf ihrem Schoß zu kneten.
„Ehrlich? Ein Date? Also irgendwie hätte ich es diesem Jungen nicht zugetraut. Du hast doch zugesagt, oder?“
Ich wusste ja, dass er Verlobt war und all dieser Kram, aber aus eigener Erfahrung hatte ich schon gelernt, dass eine Ehe nicht unbedingt viel zu bedeuten hatte.
Und besonders mit diesem blonden Püppchen konnte Edward keine ernsthafte Zukunft erwarten.

„Oh Gott, nein! Kein Date. Das hat er selbst gesagt. Außerdem ist er ja noch verlobt, wenn ich dich daran erinnern darf. Ich habe nein gesagt und dabei bleibt es auch.“
Stur wie eh und je verschränkte sie ihre Arme vor der Brust, aber ich konnte in ihren Augen ablesen, dass sie selbst davon nicht so überzeugt war, wie sie es mir gerade weismachen wollte.
Allerdings wollte ich sie dieses eine Mal in dem Glauben lassen, als würde ich es tun und gab mich geschlagen.
Noch einen Streit mit einem meiner Mädchen würde ich nicht ertragen.

„Du solltest aber anfangen, wieder öfter auszugehen. Ich meine, Nessie ist jetzt erwachsen, so wenig mir der Gedanke auch gefällt, aber du könntest wieder ausgehen.“
Dies war eine Sache, die ich ihr gegenüber schon lange mal ansprechen wollte, die Gelegenheit dazu hatte sich aber noch nie ergeben.
Sie hatte sich viel zu lange zurückgezogen und sich nur um unsere Tochter gekümmert, wofür ich ihr wirklich mehr als nur dankbar war, aber jetzt war es an der Zeit, dass sie auch mal an sich selbst dachte und endlich wieder ihren Spaß hatte.
„Du weißt, dass dich mein Liebesleben schon lange nichts mehr angeht?“, spielerisch piekste sie mir in die Seite, stand von ihrem Platz auf und ging herüber zur Tür.
Für sie schien unser Gespräch wohl beendet.

Doch bevor Bella die Tür öffnete, drehte sie sich noch einmal zu mir um und sah mich eindringlich an.
„Nessie wird schon nicht lange auf dich böse sein. Eigentlich ist es doch sogar normal, dass Teenager sauer auf ihre Eltern sind und bei ihr war es längst mal überfällig“, zwinkerte sie mir zu und verließ, ohne ein weiteres Wort zu sagen, wieder den Lagerraum.
Ihre Worte klangen so ehrlich und ich vertraute darauf, dass sie damit Recht behielt.
Vanessa und ich hatten bis jetzt immer ein gutes Verhältnis miteinander gehabt und diesen kleinen Streit würden wir auch durchstehen.

Bella verstand etwas davon, wie sie die Leute aufmuntern konnte und sie schien immer die richtigen Worte für einen zu finden.
Ich hoffte sehr, dass sie irgendwann auf einen Mann traf, der diese Eigenschaft von ihr zu schätzen wusste.
Sie hatte es verdient, wieder einen Mann an ihrer Seite zu haben, der sie glücklich machen würde und mein Gefühl sagte mir, dass auch ihr Glück nicht mehr weit entfernt sein musste.

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