Edward POV
Lustlos warf ich einen Blick auf den neusten Entwurf für ein Hotel, den ich vor einiger Zeit angefertigt hatte.
Ich war richtig stolz auf diesen Auftrag gewesen, doch jetzt konnte ich mich nicht einmal mehr richtig auf meine Arbeit konzentrieren.
Leise fluchend vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen und schob das riesige Blatt Papier zur Seite.
Vielleicht sollte ich mir irgendwann wieder einmal Urlaub nehmen.
Zugegeben konnte ich mich nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal Urlaub genommen hatte.
Es musste wohl schon Jahre her gewesen sein.
Als es an der Tür klopfte, richtete ich verwundert meinen Blick auf.
Ich erwartete niemanden und für heute standen auch keine wichtigen Termine an.
Lauren steckte vorsichtig ihren Kopf durch die Tür und ich warf ihr einen fragenden Blick zu.
„Ihr Bruder und seine Frau warten draußen. Sie würden sich gerne mit Ihnen unterhalten“, erklärte sie mir und sogleich bekam ich wieder ein schlechtes Gewissen.
Und wie lange war es jetzt her, seitdem ich meinen Bruder das letzte Mal gesehen hatte?
Ich wusste nicht einmal, woher plötzlich immer dieses schlechte Gewissen kam, doch ich hatte da schon so eine Vermutung.
Isabella hatte mir ihre Meinung über mein Verhalten und zu der Beziehung meiner Tochter ohne Umschweife mitgeteilt und das hatte wohl gesessen.
So gesehen kannte ich diese Frau nicht einmal und doch hatte sie es schon geschafft, mein Leben komplett umzukrempeln.
„Okay, danke Lauren. Lassen Sie die beiden herein“, sagte ich und lächelte.
Lauren blieb für einen Moment lang reglos an der Tür stehen und starrte mich verwirrt an.
Gott, war ich wirklich so ein Arschloch, dass meine Sekretärin sich wunderte, wenn ich einmal freundlich war?
„Ähm, ja natürlich Mr. Cullen“, sagte sie und schloss die Tür wieder hinter sich.
Bereits wenige Sekunden später wurde die Tür aufgerissen und mein großer Bruder betrat mit einem breiten Grinsen mein Büro.
„Oh Wow, du lebst also doch noch! Dann kann ich die Vermisstenanzeige ja wieder weg schmeißen!“, bemerkte er mit sarkastischem Unterton und ich erhob mich von meinem Stuhl um meinen Bruder zu begrüßen.
Wenige Sekunden später betrat auch seine Frau Rose mein Büro und lächelte mich liebevoll an.
Eine Hand lag auf ihrem kugelrunden Bauch und sie küsste meine Wange, bevor ich ihr einen Stuhl anbot, damit sie sich setzen konnte.
„Wo ist denn Püppi hin? Versteckt sie sich in deinem Schrank oder spielt sie gerade im Sandkasten?“, fragte Emmett und sah sich suchend um.
Es war kein Geheimnis, dass er Carol-Ann nicht leiden konnte, obwohl er sich noch relativ bemühte, nicht zu unfreundlich zu ihr zu sein.
Das alles tat er aber auch nur, weil ich sein Bruder war.
Schon oft genug hatte er mich für vollkommen bescheuert erklärt, dass ich mir so ein „dummes Blondchen“, wie er sie immer gerne bezeichnete angeschafft hatte.
Ehrlich gesagt wusste ich in letzter Zeit selbst nicht, was da in mich gefahren war.
Ich brauchte eine Auszeit und das möglichst dringend.
„Wie geht es dir und den Kleinen?“, fragte ich Rose um mich ein wenig abzulenken und ignorierte dabei Emmetts Frage.
„Uns geht es gut.. Der Entbindungstermin ist in drei Wochen“, erklärte sie mir stolz und strich mit ihrer Hand wieder über ihren Bauch.
Ich freute mich wirklich für die Beiden, dass sie sich gefunden hatten und jetzt eine kleine und glückliche Familie haben würden.
Immerhin einer aus unserer Familie, der das zu Stande bekam…
„Ja und deswegen gibt es auch einen Grund, warum wir hier sind“, erklärte Emmett sofort und ließ sich in meinen Bürostuhl fallen.
„Einen Grund?“ Ich warf ihm einen misstrauischen Blick zu.
„Eher gesagt ist es eine Bitte!“, fügte Rose schnell hinzu und setzte sich vorsichtig in einen Sessel.
Aufmerksam musterte ich meine hochschwangere Schwägerin und wartete darauf, dass die beiden mir ihre Bitte mitteilen würden.
„Wie gesagt, es dauert nicht sehr lange und die Zwillinge sind da.. Jedoch haben wir noch immer keinen Paten ausgesucht… Im Falle eines Falles wäre das nicht gerade gut“, murmelte Rose und ich konnte deutlich die Sorge in ihrem Gesicht nehmen.
„Moment mal.. Ihr wollt tatsächlich, dass ich der Patenonkel von euren Babys werde?“, fragte ich ziemlich ungläubig und beide nickten bestätigend.
„Hey, du bist mein Bruder. Mein einziger um es genauer zu sagen und Rosie hat keine Geschwister. Ich weiß, dass ich dir Vertrauen kann“, erklärte Emmett mir und zuckte mit den Schultern.
„Ich bin ja wohl nicht die richtige Wahl für so etwas oder habt ihr etwa nicht mitbekommen, dass Emily jetzt bei Carlisle und Esme wohnt?“, schnaubte ich und verschränkte die Arme vor meiner Brust.
„Mag ja sein. Aber ich wüsste wirklich sonst niemanden, dem ich meine Kinder wirklich anvertrauen würde. Außerdem bist du jetzt wirklich erwachsen, wenn man mal von deinem Frauengeschmack absieht. Und bei Emily hast du das ja sogar alleine recht gut hinbekommen… Naja… Außer dieser Sache, die da jetzt gerade so schief läuft…“
Ich warf meinem Bruder einen bösen Blick zu, doch er ignorierte mich einfach.
„Sagst du jetzt ja oder muss ich dich erst dazu zwingen?“ Auf Emmetts Gesicht lag ein breites Grinsen und er warf mir einen herausfordernden Blick zu.
Ich seufzte leise und wusste, dass ich aus dieser Sache nicht mehr so schnell herausfinden würde.
„Hey!“ Emmett warf einen Kugelschreiber in meine Richtung forderte somit meine gesamte Aufmerksamkeit.
„Ich weiß, dass du dich gut um meine Kinder kümmern würdest, denn wenn nicht, würde ich persönlich wieder auferstehen und dir den Arsch aufreißen. Nur damit das klar ist.“
„Ja, schon okay“, entgegnete ich und verdrehte die Augen.
Eine Zeit lang war ja auch alles okay gewesen zwischen Emily und mir, doch dann hatte sich irgendetwas verändert.
Ich wusste nur noch nicht was es war.
„Wie geht es dir denn jetzt gerade?“, wollte Rose mit einem besorgten Blick von mir wissen.
Wie sollte es mir schon gehen?
Ich fühlte mich richtig beschissen, jetzt wo meine Tochter nicht mehr bei mir war.
Es wäre zwar nicht dauerhaft, aber trotz allem kam mir das Haus ohne sie so unendlich riesig vor.
„Gut..“, log ich und zuckte mit den Schultern.
In ihren strahlenden, blauen Augen konnte ich sehen, dass sie mir diese Lüge nicht abkaufte, aber sie fragte erst einmal nicht weiter nach und dafür war ich ihr dankbar.
„Weißt du, was du dringend einmal brauchst?“ Emmett musterte mich ernst und ich schnaubte leise.
Heute musste er anscheinend unbedingt wieder den großen Bruder raushängen lassen.
„Was?“
„Urlaub. Ich glaube das letzte Mal, als du Urlaub hattest da war Emily acht Jahre alt.“ Er schüttelte den Kopf und ich dachte einen Moment lang darüber nach.
Emmett hatte Recht, auch wenn ich das nicht so direkt zugeben wollte.
Es war wirklich schon verdammt lange her!
Aber so einfach war das nun einmal nicht in meinem Beruf.
„Oh, Bro und jetzt komm mir bloß nicht damit, dass du keine Zeit hast dir Urlaub zu nehmen! Die Firma wird auch schon mal ein oder zwei Wochen ohne dich auskommen. Oder sind deine Angestellten alle nur zur Zierde da?“ Emmett verschränkte die Arme vor seiner Brust und ich fuhr mit seufzend durch meine Haare.
Diskutieren war da höchstwahrscheinlich zwecklos.
Es gab nur eine Person, gegen die ich wirklich nicht ankam und das war Emmett.
Okay, ehrlich gesagt gehörte Bella seit neustem auch dazu.
Sofort wanderten meine Gedanken zu ihr und ich dachte an das Gespräch, welches wir zusammen in dem Diner geführt hatten.
Zugegeben hatten wir uns sogar ziemlich gut verstanden und wenn ihr etwas an meiner Art und Weise nicht passte, dann sagte sie es auch.
Irgendwie… mochte ich das.
Verwirrt über meine eigenen Gedanken schüttelte ich den Kopf und sah zu meinem Bruder herüber.
Er hatte mich die ganze Zeit lang beobachtet und jetzt eine seiner Augenbrauen hochgezogen, während er mich noch immer aufmerksam musterte.
„Okay, beantworte mir die folgende Frage: Wen hast du kennen gelernt?“
Er erhob sich von meinem Stuhl und lief zu mir herüber.
Emmett umrundete mich einige Male und ließ mich dabei keinen einzigen Moment lang aus den Augen.
Meinem Bruder konnte ich nun einmal nichts vormachen, dass war schon immer so gewesen.
„Ich bin verlobt“, war meine recht erbärmliche Antwort darauf und wie ich es bereits vermutet hatte, schnaubte Emmett und schüttelte den Kopf.
„Oh man, Bro. Ja, schön und gut du bist verlobt. Warum eigentlich? Willst du dieses Blondchen denn überhaupt heiraten? So wie ich dich kenne, willst du das nämlich nicht und der einzige Grund, warum du mit ihr zusammen bist ist, dass du nicht alleine sein willst. Okay und vielleicht ist Blondie ja noch gut im Bett, das wäre zumindest eine bessere Erklärung“, fügte er noch schulterzuckend hinzu und ich sah meinen Bruder an.
Das hatte eindeutig gesessen.
Und leider musste ich zugeben, dass jedes einzelne Wort meines Bruders die Wahrheit war.
Wollte ich sie denn überhaupt heiraten?
Ehrlich gesagt nein und ich hatte auch beinahe schon den Grund dafür vergessen, warum ich um ihre Hand angehalten hatte.
„Auch wenn du manchmal so ein riesiges Arschloch bist, hast du doch etwas Besseres verdienst. Ich weiß du warst nicht immer so… Aber nach der Sache mit…“
„Halt die Klappe“, zischte ich.
Auf dieses Thema war ich immer noch ziemlich schlecht zu sprechen und Emmett hob abwehrend seine Hände in die Luft.
„Sorry… Jedenfalls.. Du bist doch nicht dumm, also wieso merkst du nicht, dass sie nur dein Geld will? Oder willst du es nicht merken?“
Emmett ließ nicht locker und nahm auch kein Blatt vor den Mund, aber eigentlich brauchte ich so etwas auch.
Irgendwie war es mir aber lieber, dass sie bei mir blieb, als das ich bald vollkommen alleine sein würde, da ja jetzt auch meine Tochter nicht mehr bei mir wohnte.
„Okay, komm mit….“, sagte Emmett ungeduldig, nachdem ich ihm nicht geantwortet hatte und er zerrte mich aus meinem Büro.
Rose folgte uns sofort, sagte aber kein Wort dazu.
„Hey Lauren.“ Emmett lächelte ihr freundlich zu, als wir vor ihrem Schreibtisch zum Stehen kamen und sie richtete leicht verwundert ihren Blick auf.
„Mr. Cullen.“ Sie erwiderte Emmetts Lächeln, warf mir aber noch einen vorsichtigen Blick zu, als wartete sie nur darauf, dass ich sie erneut wieder wegen irgendetwas anbrüllen würde.
Mir war aber einfach nicht zum brüllen zu Mute, auch wenn sich das gleich vielleicht ändern würde.
Das kam ganz darauf an, was Emmett jetzt wieder vorhatte.
„Mein Bruder nimmt sich die nächsten zwei Wochen frei. Sie kommen doch in der Zeit klar, oder?“, fragte er sie und Lauren nickte verwirrt.
Seitdem sie für mich arbeitete und das war nebenbei bemerkt auch schon seit einigen Jahren, hatte ich mir noch nie frei genommen und das ich es jetzt tat, schien sie ziemlich zu verblüffen.
„Hey“, zischte ich ihm genervt zu.
Er konnte doch nicht einfach veranlassen, dass ich mir so plötzlich frei nehmen konnte!
„Hier wird nicht diskutiert, Bruderherz. Wir gehen jetzt. Falls noch irgendetwas sein sollte“, sagte er noch einmal an Lauren gewandt.
„Sie wissen ja, wie Sie Ihren Chef erreichen könnten.“
Bevor ich auch nur zu einer Antwort ansetzen konnte, hatte er mich auch schon aus dem Vorzimmer nach draußen geschleift.
„Anders kriegt man dich ja nicht dazu, dir auch mal etwas Ruhe zu gönnen“, murmelte er kopfschüttelnd und als er sich sicher war, dass ich nicht mehr flüchten würde, ließ er mich wieder los.
„Wir gehen jetzt in das Café dort vorne und du erzählst deinem großen Bruder gefälligst, wer sie ist!“
Gegen Emmett hatte ich keine Chance, also folgte ich ihm wohl oder übel in das Café.
Ich brummte leise etwas vor mich hin, während Emmett zwei Kaffee für uns und einen Tee für Rose bestellte.
„Ich warte“, sagte er schließlich und grinste mich verschwörerisch an.
„Manchmal könnte ich dir echt eine reinhauen, weißt du das?“, zischte ich meinem Bruder zu und verschränkte die Arme vor meiner Brust.
„Ach, na dann probier mal!“ Er deutete mit seinem Zeigefinger auf seine Wange und hielt sie provozierend in meine Richtung.
Doch ich ließ mich nicht darauf ein, denn gegen Emmett hatte ich noch nie gewonnen.
„Ist es dir peinlich, über sie zu reden, weil sie genauso unterbelichtet ist, wie deine ach so tolle ‚Verlobte’?“, fragte Emmett mich herausfordernd.
„Sie ist nicht unterbelichtet!“, blaffte ich ihn wütend an und Emmett grinste, als hätte er damit genau das erreicht, was er wollte.
„Dein Geschmack für Frauen hat sich also verbessert?“, hakte er weiter nach und ich schnaubte genervt.
Ich antwortete nicht und beobachtete stattdessen Rose, die mir einen neugierigen Blick zuwarf, während sie vorsichtig einen Schluck von ihrem Tee trank.
„Ihr Name ist Bella“, sagte ich schließlich, damit er vielleicht endlich damit aufhörte, so über sie zu reden.
Ich wusste selbst nicht einmal, warum ich so gereizt darauf reagierte, dass Emmett so über sie sprach.
Anfangs waren meine Gedanken bezüglich Bella doch auch nicht besser gewesen, oder?
„Oha, hast du sie flach gelegt?“
„Verdammt noch mal, so ist es nicht!“ Meine Tasse stellte ich dabei viel zu feste auf dem Tisch ab, sodass etwas Kaffee überschwappte und auf meiner Hose landete.
Vielleicht war das auch die gerechte Strafe.
„Es ist also etwas Ernstes?“ Emmett schien ehrlich interessiert zu sein und das Grinsen aus seinem Gesicht war verschwunden.
Bevor mein Bruder aber wieder auf falsche Gedanken kommen könnte, erklärte ich ihm kurz, wie ich Bella kennen gelernt hatte.
„Okay, wenn ich das richtig verstehe… Diese Bella ist also die Mutter der besten Freundin von Emily richtig? Sie ist Single, wenn ich das aus deinen schleierhaften Erzählungen richtig herausgehört habe und du hast dich letztens mit ihr über die Sache mit Emily unterhalten, richtig?“
Ich nickte bestätigend, was zur Folge hatte, dass dieses breite Grinsen wieder in seinem Gesicht erschien.
„Nimm mir das bitte nicht übel, Edward“, hörte ich seine Frau sagen und ich richtete meinen Blick auf.
Bis jetzt hatte Rosalie nichts zu der ganzen Sache gesagt, aber sie schien sich doch noch anders entschieden zu haben.
„Aber du hast sie doch hoffentlich nicht gleich vergrault, oder?“
„Vergrault?“ Ich warf ihr einen ratlosen Blick zu und legte fragend meinen Kopf schief.
„Naja…“ Sie trank noch einen Schluck Tee, bevor sie mit ihrer Antwort fort fuhr.
„Manchmal verhältst du dich Frauen gegenüber nicht gerade sehr höflich.“
Ich hätte meinen Hintern darauf verwetten können, dass sie das nur so nett ausgedrückt hatte, weil sie mich mochte.
„Nicht sehr höflich?“
„Ja, du hast ein sehr lautes Organ“, fügte sie schulterzuckend hinzu und musterte mich aufmerksam mit ihren blauen Augen.
„Naja…“ Ich fuhr mir mit meiner Hand durch die Haare und seufzte leise.
Ich hoffte wirklich nicht, dass ich sie jetzt vergrault hatte, denn beim letzten Mal hatte sie mir ja richtig die Meinung gegeigt.
Ich war nicht einmal sauer auf sie, denn wahrscheinlich brauchte ich das irgendwie, damit ich wieder einen klaren Kopf bekommen konnte.
„Ich war bei unserem letzten Treffen nicht gerade sehr nett zu ihr… Sie hat mich am Ende regelrecht angeschrieen“, gab ich kleinlaut zu und hörte, wie Emmett neben mir leise lachte.
„Sie hat dich also fertig gemacht? Hey, diese Frau gefällt mir immer besser“, bemerkte er mit einem breiten Grinsen im Gesicht und ich verdrehte die Augen.
„Endlich mal eine vernünftige Frau, die dir auch mal den Kopf wäscht.“
Emmett klopfte brüderlich mit seiner Hand auf meine Schulter und ich musterte ihn ein wenig verwirrt.
Von Emmett war man ernste Gespräche nicht wirklich gewohnt, aber das schien für ihn kein Scherz zu sein.
Er konnte Carol-Ann nicht ausstehen und bei ihm musste das schon wirklich etwas heißen, denn Emmett mochte eigentlich so gut wie jeden.
„Also ich weiß ja nicht, was du getan hast, aber du solltest es schleunigst wieder gut machen“, sagte Emmett an mich gewandt und ich seufzte.
Das wusste ich selbst nur zu gut, doch es war leichter als gedacht, dass auch in die Tat umzusetzen.
Ich kannte sie nicht gut genug um zu wissen, was sie letztendlich als Entschuldigung annehmen würde.
Vielleicht sollte ich ihr einfach zeigen, dass ich mich bessern würde.
Das wäre sicherlich ein guter Anfang und vielleicht würde sie mir ja so meinen Ausbruch bei der Ausstellung verzeihen.
Rose, Emmett und ich waren noch ganze zwei Stunden in dem Café, bevor ich mich schließlich in meinen Wagen setzte und nach Hause fuhr.
Es war noch relativ früh und ich sah das Licht im Wohnzimmer brennen.
Carol-Ann war also doch zu Hause.
Das war in letzter Zeit ja wirklich zu einer Seltenheit geworden.
Irgendwie hatte ich jetzt aber keine Lust auf eine Aussprache, schließlich hatten wir uns letztens ja noch gestritten und noch nicht wieder vertragen.
In den letzten Nächten blieb sie immer länger Weg und schlief entweder wo anders oder kam erst mitten in der Nacht zurück.
Ich fragte nicht genauer nach dem Grund, denn ehrlich gesagt war es mir gerade auch egal.
Jetzt dachte ich eher daran, wie ich mich wieder bei Bella entschuldigen könnte.
Schließlich hatte sie mir in letzter Zeit ziemlich viel geholfen.
Immer noch in meinen Gedanken versunken, öffnete ich die Haustür und hörte Carol-Anns Stimme aus dem Wohnzimmer.
Anscheinend telefonierte sie gerade mit irgendjemand, aber selbst das war ja keine Seltenheit.
Als ich das Wohnzimmer betrat, richtete sie ihren Blick auf und strahlte über das Ganze Gesicht.
„Mary-Sue, mein Schatz ist gerade wieder da, ich rufe dich später wieder an okay???“
Ich warf ihr einen kurzen Blick zu, bevor ich meinen Schlüssel auf den Esszimmertisch warf und meine Jacke auszog.
Ehe ich mich versah, stand sie auch schon bei mir und sie kicherte zufrieden, als sie ihre Arme um mich schlang und sich an mich drückte.
„Ich bin nicht mehr sauer auf dich, Liebling“, sagte sie und sah zu mir auf.
Moment mal… War nicht ich eigentlich derjenige, der sauer hätte sein müssen?
Aber diskutieren konnte man nicht mit ihr.
Man konnte ja nicht einmal ein vernünftiges Gespräch mit ihr führen und ich fragte mich gerade ernsthaft, warum ich vorhatte sie zu heiraten.
Augenblicklich fiel mir wieder das Gespräch mit Bella ein.
Sie war unheimlich intelligent und es wurde auch sicherlich nicht langweilig mit ihr.
„Hast du mir zugehört???“ Carol-Anns Stimme riss mich wieder aus meiner kleinen Erinnerung, doch das Bild von Bella wollte einfach nicht aus meinem Kopf verschwinden.
„Ähm ja…“, murmelte ich und zwang mir ein Lächeln auf.
Ich beschloss die Sache einfach dabei zu belassen und nicht weiter auf diesen Streit zwischen uns letztens einzugehen.
Meine Hände legten sich an ihre Taille und ich erstickte ihr Kichern mit einem langen Kuss, welcher sie letztendlich auch zum Schweigen brachte.
Nur leider nicht lange genug, wie sich bald heraus stellen würde.
Ihre Hände vergruben sich in meinen Haaren und ich versuchte mich zu konzentrieren, doch noch immer schwirrte Bellas Gesicht erneut in meinen Gedanken herum.
In diesem Moment war ich wirklich mehr als nur verwirrt.
Was war heute nur mit mir los?
Ich dachte an ihr langes, mahagonifarbenes Haar, an ihre tiefbraunen Augen, die soviel Ehrlichkeit und Stolz widerspiegelten und an ihr Lächeln.
Wie es sich wohl anfühlen würde, ihre Lippen zu küssen?
Schnell löste ich mich von Carol-Ann und wich einen Schritt von ihr zurück.
Was verdammt noch mal war in mich gefahren?
Sie mochte mich ja nicht einmal. Bella half mir nur, weil sie sich auch Sorgen um Emily machte, also warum dachte ich dann so von ihr?
So wie ich Bella kannte, hätte sie mich sicherlich für diese Gedanken eigenhändig verprügelt.
„Was ist denn los?“ Carol-Ann schlang ihre Arme um meinen Hals und spitzte fordernd ihre Lippen.
Das war eine sehr gute Frage, denn ich wusste es ja selbst nicht einmal.
„Du bist so angespannt, du solltest wirklich etwas lockerer werden“, kicherte sie und ihre Hände wanderten von meinem Nacken bis zu meiner Brust.
Ich schloss meine Augen und versuchte Bella irgendwie aus meinem Gedächtnis zu verbannen, was sich als ziemlich schwierig heraus stellte, denn eigentlich wollte ich das gar nicht.
Ihre Hände bahnten sich den Weg zu meinem Gürtel und ich biss mir auf die Unterlippe.
Das, was ich hier gerade tat, war überhaupt nicht richtig.
Ich konnte doch unmöglich an Bella denken, wenn Carol-Ann gerade dabei war meine Hose zu öffnen.
Doch schon alleine der Gedanke daran, dass es nicht ihre Hände waren sondern die von Bella, beschleunigte meinen Atem.
Bevor Carol-Ann mich noch weiter in Beschlag nehmen konnte, riss ich mich zusammen und wich einen Schritt zurück.
Die deutlich sichtbare Erektion in meiner Hose war dieses Mal nicht Carol-Ann zu verdanken und ich fluchte leise.
„Was hast du denn? Hab ich etwas falsch gemacht?“ Carol-Ann zog einen Schmollmund, verschränkte die Arme vor ihrer Brust und fühlte sich sichtlich angegriffen.
„Tut mir leid.. Ich kann das nicht“, murmelte ich und schüttelte frustriert den Kopf.
Was hätte ich jetzt alles dafür gegeben, wenn Bella in diesem Moment hier gewesen wäre?
Zugegeben hätte sie mich wahrscheinlich wirklich verprügelt, aber das wäre mir immer noch lieber gewesen.
Und schon wieder kreisten meine Gedanken nur um sie.
Das war ein wirklicher Teufelskreis und ich fuhr mir mit beiden Händen verzweifelt durch meine Haare.
„Das sieht aber nicht nach ‚nicht können’ aus!“, fauchte Carol-Ann mich wütend an und als ich ihre glitzernden Augen sah befürchtete ich schon, dass sie jeden Moment wieder zu heulen beginnen würde.
Ich konnte sie ja schon fast gar nicht mehr ertragen mit ihrer ständigen Flennerei und dem ständigen Meckern über alles Mögliche, was ihr nicht passte.
„Halt doch einfach mal für fünf Minuten deine Klappe, okay?“, sagte ich zwischen zusammengepressten Zähnen, nachdem sie immer noch leise vor sich hinjammerte.
„Du sagst ich soll meine Klappe halten??“ Ihre Stimme wurde mit jedem weiteren Wort höher, ja schon beinahe hysterisch und ich schnaubte leise.
„Ja, verdammt noch mal!“, brüllte ich, wütend über diese verwirrenden Gedanken in meinem Kopf und wütend über mich selbst, dass ich so ein Idiot war.
Ich hörte, wie Carol-Ann leise zu schluchzen begann und ich schüttelte seufzend den Kopf.
Das hatte ich ja wieder klasse hinbekommen!
„Du kannst richtig fies sein, Edward!“, beschwerte sie sich und es war ziemlich schwierig, sie bei ihrem Schluchzen überhaupt verstehen zu können.
Ich fluchte, wandte mich von ihr ab und lief die Treppen hinauf in die obere Etage.
Wieso verdammt noch mal konnte sie nicht einfach ruhig sein und was war in mich gefahren, dass ich meine Verlobte so behandelte?
Doch ich wollte jetzt nicht mit ihr reden, ich wollte sie nicht mehr sehen, also lief ich in unser Schlafzimmer und knallte die Tür hinter mir zu.
Laut vor mich hin fluchend, setzte ich mich auf den Rand des Bettes.
Normalerweise hätte man damit rechnen können, dass eine Verlobte zumindest versuchen würde, diesen Streit irgendwie wieder zu lösen, doch da hatte man natürlich nicht die Rechnung mit Carol-Ann gemacht.
Nur wenige Sekunden später hörte ich, wie die Haustür mit einem lauten Knall ins Schloss fiel und kurz darauf einen startenden Motor, bis schließlich vollkommene Stille herrschte.
Ich versuchte irgendeinen klaren Gedanken zu fassen, doch es war sinnlos.
Leise ausatmend fuhr ich mit meinen Händen durch meine Haare und versuchte zu verstehen, was da gerade in mir vorging.
Ich hatte gerade sozusagen meine eigene Verlobte vergrault, aber bei mir war das ja schon nicht mehr außergewöhnlich.
Es schien beinahe so, als würden alle Personen in meinem Leben, die ich liebte verschwinden, sich von mir abwenden und das war alles nur ganz alleine meine Schuld.
Ich musste mit jemandem reden, jemand, der meine Situation verstehen konnte und da fiel mir nur eine einzige Person ein.
Ich kramte in meiner Hosentasche nach meinem Handy und suchte die Nummer aus meinem Telefonbuch heraus.
Nachdem ich den passenden Knopf gedrückt und das Handy an mein Ohr gelegt hatte, ließ ich mich zurück auf das Bett fallen und lauschte dem Freizeichengeräusch.
Es dauerte verdammt lange, bis sie sich endlich am anderen Ende der Leitung meldete.
„Ja?“
Ihre Stimme klang noch genauso, wie ich sie in Erinnerung hatte.
Weich, klar und immer eine gewisse Spur von Misstrauen darin, die mir sofort ein Lächeln auf die Lippen zauberte.
„Hallo??“, hörte ich erneut ihre Stimme, als mir einfiel, dass ich eigentlich noch kein einziges Wort gesagt hatte.
„Bella…“ Meine Stimme klang irgendwie heiser und ich räusperte mich schnell, wobei es am anderen Ende der Leitung verdächtig still wurde.
„Ähm… Mr. Cullen?“ Sie klang überrascht und auch eine Spur wütend, was ich ihr nicht verübeln konnte.
„Woher haben Sie meine Nummer?“, fragte sie sofort weiter, ohne das ich auch nur Zeit hatte ihr zu antworten.
„Nun ja, in Emilys Zimmer hängt dieser Zettel, auf dem die Telefonnummern der gesamten Eltern stehen“, erklärte ich ihr schlicht.
Ich hörte, wie sie leise schnaubte und etwas vor sich hin murmelte, was ich nicht so recht verstehen konnte.
„Wühlen Sie etwa in Emilys Sachen herum?“, fragte sie mich sofort und meine Stirn legte sich in Falten.
„Nein, ich weiß doch, wo der Zettel hängt.“
Eine kurze Zeit lang blieb es still, bis Bella schließlich wieder Luft holte und erneut zu sprechen begann.
„Was wollen Sie von mir? Wollen Sie mich wieder anbrüllen und mir Vorwürfe für irgendwelche Sachen machen, die ich nicht verbrochen habe?“ Jetzt klang sie wirklich wütend und ich seufzte leise.
„Es tut mir wirklich leid, dass ich Sie neulich so angebrüllt habe“, erklärte ich wahrheitsgemäß.
Bella antwortete mir nicht, also musste ich wohl erst einmal das Reden übernehmen.
„Wissen Sie… Wenn etwas vollkommen aus dem Ruder läuft, oder ich nicht mehr weiter weiß… Naja, dann werde ich schon einmal laut.. Es war sicherlich nichts gegen Sie“, versuchte ich es ihr weiter zu erklären.
„Na schön. Auch wenn es nichts gegen mich war, haben Sie es trotzdem getan und ich lasse mich nicht ständig von Ihnen anbrüllen. Das habe ich Ihnen bereits schon einmal erklärt.“
Sie war wirklich ziemlich hartnäckig, was das anging, aber ich konnte ja auch nicht einfach so von ihr Verlangen, dass sie das alles vergaß.
„Es tut mir wirklich leid.“
„Was wollen Sie? Wieso rufen Sie mich an?“, fragte sie, ohne etwas auf meine Entschuldigung zu erwidern.
Irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass ich so schnell nicht wieder da raus kommen würde.
„Ich wollte einfach… Naja… Mit jemandem reden…“, murmelte ich nach einiger Zeit der Stille.
Im Hintergrund hörte ich es leise rascheln und dann seufzte sie leise.
„Was ist passiert?“ Bella klang noch immer ziemlich distanziert, aber ich war froh, dass sie nicht schon längst aufgelegt hatte.
Andere hätten das sicherlich schon längst getan, aber Bella tat es nicht.
„Carol-Ann ist weg.“
„Wieso? Haben Sie Ihre Verlobte etwa auch angebrüllt?“ Ich konnte deutlich eine Spur Sarkasmus aus ihrer Stimme heraus hören.
„Ähm.. Ehrlich gesagt, ja.“
„Sie lernen es auch nie, oder?“, fragte Bella mich und seufzte erneut.
Ich mochte ihre Stimme und ich mochte die Art, wie sie redete.
Sie sagte immer das, was sie dachte und genau so jemanden brauchte ich jetzt.
„Was ist denn nun schon wieder passiert, was Ihnen nicht gepasst hat?“, wollte sie von mir wissen und ich schluckte.
Ich konnte ihr ja schlecht erzählen, dass ich meine Verlobte angebrüllt hatte, weil ich vollkommen durcheinander war und eigentlich Bella meine Erektion galt.
Sie würde noch schneller wieder auflegen, als das ich ihr das alles erklären konnte.
Dabei hatte ich selbst nicht einmal eine Erklärung für das.
Es war einfach so passiert und ändern konnte ich es jetzt auch nicht mehr.
Ich wollte es auch gar nicht ändern, wenn ich ehrlich war.
„Ich denke… Naja das macht mich alles immer noch fertig… Die Sache mit Emily…“, erklärte ich ihr schnell.
Das war natürlich die Wahrheit, auch wenn ich einen anderen Aspekt, der deutlich zu meiner Verwirrung beitrug, verschwieg.
„Mr. Cullen…“ Sie atmete einmal tief ein und es schien beinahe so, als suchte sie nach den richtigen Worten.
„Das braucht seine Zeit. Schließlich kann nicht alles von heute auf morgen wieder gut sein, oder? Geben Sie ihr die Zeit, die sie braucht. Und machen Sie sich nicht selbst deswegen fertig.“
„Ich mache mich nicht selbst deswegen fertig“, erwiderte ich beinahe schon eine Spur bockig und musste fast über mich selbst lachen.
Dass dies eine Lüge war, hätte wohl auch der größte Trottel auf Erden erkannt.
„Ach nein?“ Natürlich wusste auch Bella, dass es eine Lüge war, sonst wäre es ja auch nicht Bella gewesen.
„Ich denke…“, fing ich nach einer kleinen Pause wieder an und richtete mich langsam auf.
„Das ich die ganze Verlobungssache viel zu schnell angegangen bin.“
Ich hatte recht viel Zeit damit verbracht, darüber nachzudenken.
Jetzt war ich ja selbst schon so weit, dass ich mich fragte, was eigentlich in mich
gefahren war.
Die eigentliche Frage war doch, ob ich Carol-Ann denn wirklich über alles liebte und das tat ich nicht.
Wenn ich mich recht erinnerte, dann war es schon einige Jahre her, seitdem ich das letzte Mal verliebt gewesen war.
16 Jahre um es genauer zu sagen, doch seit diesem einen verdammten Tag in meinem Leben, hatte ich mich nie wieder verliebt.
Ich war ein Bilderbuch-Idiot, soviel stand fest.
„Hmm… Vielleicht besitzen Sie ja doch mehr Gehirn, als ich es zuerst vermutet hatte“, hörte ich Bella leise murmeln und augenblicklich musste ich lachen.
„Sie haben doch nicht vor sich schon wieder zu betrinken, oder?“, fragte sie misstrauisch, als mein Lachen soweit verstummt war und ich zog eine Augenbraue hoch.
„Ähm.. Nein, eigentlich nicht, wieso?“
„Weil ich sonst vorbei kommen muss“, erwiderte sie schlicht und ich lächelte.
„Dann trinke ich doch.“ Das Grinsen in meinem Gesicht war sicherlich heraus zu hören, denn am anderen Ende hörte ich Bella leise fluchen.
„Ich mache keine Scherze, Mr. Cullen. Lassen Sie das. Es bringt Ihnen eh nichts, wenn Sie sich betrinken. Danach wird es Ihnen nur noch schlechter gehen!“ Sie verlieh ihren Worten ziemlich viel Nachdruck und wartete geduldig auf meine Antwort.
„Okay…“
„Okay?“ Bella schien sich nicht so wirklich sicher zu sein, ob sie sich nicht vielleicht doch verhört hatte.
„Ja okay.. Ich werde nichts trinken“, versprach ich ihr.
Schließlich wollte ich mich ja auch wirklich bessern und dann sollte ich auch vielleicht endlich damit anfangen, ihren Rat anzunehmen.
„Gut…“ Einen Moment lang schwiegen wir und doch war es eine angenehme Stille.
Normalerweise verabscheute ich solche Momente am Telefon, aber jetzt war es etwas anderes.
Mit ihr war es etwas anderes.
„Sie wollen sich also von Ihrer Verlobten trennen?“, fragte sie mich nach einiger Zeit und klang dieses Mal gar nicht Sarkastisch oder gar wütend.
„Ich denke schon….“ Ich wusste es ja selbst nicht so genau.
Was hatte es denn schon für einen Sinn, wenn ich mit ihr zusammen blieb, obwohl ich sie gar nicht liebte?
Ehrlich gesagt, war sie so oder so einfach nur eine Frau an meiner Seite gewesen.
Niemand besonders, auch wenn diese Worte für sie sicherlich nicht gerade nett klangen.
Aber wer konnte schon sagen, ob sie mich wirklich liebte?
Das konnte nur sie selbst.
Vielleicht war sie aber auch einfach nur in mein Geld verliebt, so wie Emily es bereits gesagt hatte.
Ich sollte auch einmal mehr auf meine Tochter hören…
„Sie denken? Was hat das nun wieder zu bedeuten?“ Bella seufzte leise.
Wahrscheinlich war für sie ein Kleinkind nicht so anstrengend, wie ich es manchmal war.
„Ich bin mir nicht sicher“, erwiderte ich und fuhr mir mit einer Hand durch meine Haare.
„Wenn Sie schon darüber nachdenken müssen, dann denke ich nicht, dass es noch viel Sinn hat. Aber das ist Ihre Entscheidung. Wenn Sie mit Püpp… ähm Carol-Ann glücklich sind, dann bleiben Sie bei ihr und wenn nicht, dann eben nicht.“
Das klang um einiges einfacher, als es letztendlich war.
Aber ich wusste gar nicht mehr, wie es war alleine zu leben.
Nach dem College hatte ich immer irgendeine Frau an meiner Seite gehabt, doch glücklich war ich damit nie gewesen, wenn ich jetzt so darüber nachdachte.
Vielleicht hatte ich insgeheim ja auch einfach nur nach einem Ersatz für Emilys Mutter gesucht, auch wenn das vollkommener Schwachsinn war.
„Ich möchte Sie gerne zu einem Essen einladen, Isabella“, sagte ich plötzlich und ohne groß darüber nachzudenken.
Ich wollte mich mit ihr unterhalten, mich bei ihr entschuldigen und vor allem wollte ich sie wieder sehen.
„Wie bitte? Was ist denn jetzt in Sie gefahren? Trinken Sie doch?“, fragte sie ungläubig und schon wieder musste ich grinsen.
„Nein. Das ist mein ernst.“
„Aha…“ Sie klang alles andere als begeistert und das konnte ich ihr beim besten Willen nicht verübeln.
„Ist das ein Ja?“, fragte ich und wartete gespannt auf eine Antwort von ihr.
„Das ist ein Nein und ich werde auch sicherlich nicht mit Ihnen essen gehen, Mr. Cullen. Wieso sollte ich mich auf ein Date mit Ihnen einlassen? Außerdem sind Sie noch verlobt.“ Diese Frau war eindeutig hartnäckig und ließ sich nicht so schnell klein kriegen, so gut kannte ich sie schon, um das zu wissen.
„Wer hat denn etwas von einem Date gesagt?“
„Vergessen Sie es!“, fauchte Bella schon beinahe in den Hörer und ich seufzte.
Das würde auch vorerst ihr letztes Wort bleiben, aber so schnell gab ich nicht auf.
„Ich muss jetzt auflegen. Vanessa ist da“, fügte sie distanziert hinzu.
Ich wollte das Gespräch gerne noch länger fortführen, aber sie wollte es anscheinend nicht, also müsste ich es vorerst einmal akzeptieren.
„Dann… Wünsche ich Ihnen noch einen schönen Abend, Isabella“, sagte ich wahrheitsgemäß und lächelte.
„Wünsche ich Ihnen auch und ich weiß es, wenn Sie etwas trinken werden oder nicht. Ich warne Sie.“
„Ich werde enthaltsam bleiben, Ma’am“, versicherte ich ihr und lachte, als ich ihr schnauben am anderen Ende hörte.
„Ach ja… und Danke“, fügte ich noch schnell hinzu und wieder setzte eine kurze Stille ein.
„Kein Problem… Ich muss dann jetzt mal…“, sagte sie noch ein wenig verwirrt und legte dann schließlich auf.
Eins jedoch war jetzt vollkommen sicher.
Ich war noch verwirrter, als ich es vornherein schon gewesen war.
Jetzt musste mir nur noch klar werden, was ich als nächstes tun würde.
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