Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Freitag, 23. Juli 2010

Kapitel 06 - Aller Anfang ist schwer


Edward POV


Zugegeben war ich ein wenig nervös, als ich meinen Audi auf dem Schulparkplatz abstellte und aus dem Wagen ausstieg, doch ich versuchte mir möglichst nichts anmerken zu lassen.
Bereits jetzt konnte ich einen riesigen Haufen von Schülern und Eltern erkennen, doch ich kannte nicht eine einzige Person.
Das war ja auch nicht möglich, denn immerhin war ich nie bei irgendwelchen Veranstaltungen dieser Art gewesen.
Auf Isabellas Rat hingegen, hatte ich mir einen Tag frei genommen und wollte meine Tochter überraschen.
Es war schon schlimm gewesen, dass sie sich in der vergangenen Woche nicht gemeldet hatte, aber ich ließ ihr die Zeit, auch wenn es mir schwer fiel.
Außerdem wusste ich, dass sie bei meinen Eltern gut aufgehoben war und falls es irgendwelche Probleme oder Schwierigkeiten gegeben hätte, dann hätten sie mich sicherlich darüber informiert.
Isabella hatte mir mitgeteilt, dass diese Ausstellung der Schule in der Sporthalle stattfinden würde.
Wo auch sonst?
Das war schon früher so gewesen und würde sich auch sicherlich nicht ändern.
In den letzten Monaten fühlte ich mich schon seit langem wie ein richtig schlechter Vater.
Es musste schließlich auch einen Auslöser dafür gegeben haben, dass Emily mir gegenüber so abwesend geworden war.
Ich seufzte leise und richtete meine Krawatte, während ich auf den Eingang der Sporthalle zu lief.
Einige der Mütter drehten sich zu mir um und warfen mir einen neugierigen Blick zu.
Sie kannten mich sicherlich nicht, da ich vorher noch nie wirklich hier gewesen war und ehe ich versah, versperrte mir auch schon eine Brünette Mutter den Weg.

„Kann ich Ihnen vielleicht helfen?“, fragte sie und lächelte mich erwartungsvoll an.
Im Vergleich zu allen anderen Eltern war ich nun einmal relativ jung und wahrscheinlich wusste sie nicht so recht, wo sie mich einordnen sollte.
„Nein, eigentlich nicht“, erwiderte ich und zwang mir ein Lächeln auf.
Ich musste ja nicht gleich an diesem Tag alle Mütter gegen mich aufhetzen, aber wenn ich mir ihre lüsternen Blicke ansah, dann war wohl eher das Gegenteil der Fall.
„Ich bin nur auf der Suche nach meiner Tochter und einer…“ Ich stoppte und runzelte die Stirn.
Als was konnte ich Isabella denn nun bezeichnen?
„Nach einer Bekannten…“, sagte ich schließlich und anscheinend schien das Hoffnung in dieser Frau zu wecken.
„Sind Sie alleine hier oder ist Ihre Frau noch hier irgendwo, Mr. …?“
„Cullen“, erwiderte ich und räusperte mich.
„Ich bin nicht verheiratet.“
Mein Gefühl sagte mir, dass ich diese Information lieber für mich hätte behalten sollen.

„Mr. Cullen!“ Die Stimme kannte ich und mein Kopf schnellte in die Richtung, aus der ich die Stimme vernahm.
„Oh, Gott sei Dank…“, murmelte ich leise, als ich Isabella entdeckte und sie mir zuwinkte, während sie auf mich zukam.
Immerhin eine Mutter, die ungefähr im selben Alter war wie ich.
„Wenn Sie mich bitte entschuldigen würden…“, sagte ich halbherzig zu der Brünetten und wandte mich von ihr ab.
„Isabella“, sagte ich und meine Stimme klang irgendwie erleichtert.
Ich war es einfach nicht gewohnt, mir irgendwie fehl am Platz vorzukommen.
Ihre schokoladenbraunen Augen funkelten mich für einen kurzen Moment an, denn sie war wohl immer noch nicht bereit, mich mit meinem Vornamen anzureden.
„Mr. Cullen, Sie sind früh dran“, bemerkte sie und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht.
Ihre Wangen waren leicht gerötet und sie warf einen kurzen Blick durch die Halle.
Anscheinend war ich wirklich viel zu früh, denn die Aufbauarbeiten waren gerade in vollem Gange.
Es war nicht verwunderlich, dass auch Isabella hier mithalf.
„Naja, ich komme meist immer zu früh“, erklärte ich ihr schulterzuckend und sie biss sich auf ihre Unterlippe, als müsste sie sich ein Lachen verkneifen.
Ich warf ihr einen verwirrten Blick zu und runzelte dann die Stirn.
„Vergessen Sie es einfach…“ Isabella winkte mit ihrer Hand in meine Richtung und kicherte leise.
„Sie sollten vielleicht nur ein bisschen lockerer werden“, fügte sie zwinkernd hinzu und ich schnaubte leise.
Wieso sollte ich lockerer werden?

„Oh Oh.. Rückzug..!“ Sie griff nach meiner Krawatte und zerrte mich plötzlich und ohne Vorwarnung direkt in die Sporthalle.
„Hey, was soll das verdammt noch mal?“, beschwerte ich mich, als ich unsanft mit meinem Rücken gegen die Wand stieß.
Was war denn plötzlich in sie gefahren, dass sie mich an meiner Krawatte durch die Gegend schleifte?
„Klappe“, murmelte sie und ich warf ihr einen finsteren Blick zu.
Wie sprach sie denn mit mir?
Ich öffnete meinen Mund, um ihr zu sagen, dass sie so nicht mit mir reden konnte, doch ich hatte die Rechnung ohne sie gemacht.
„Psst“, warnte sie mich und legte ihre Hand auf meinen Mund, sodass ich nicht dazu kam etwas zu sagen.
Ich schnaubte leise und wusste noch immer nicht, was das hier gerade sollte, als Isabella schließlich auf eine Person deutete, die an uns vorbei lief.
Es war eindeutig die Direktorin und wie immer sah sie nicht gerade sehr freundlich aus.
Ich konnte sie nicht ausstehen und anscheinend ging es Isabella da nicht anders.
„Entschuldigen Sie bitte, aber ich hatte beim besten Willen keine Lust, ein Gespräch mit dieser Kröte anzufangen“, murmelte sie leise und warf mir einen kurzen, aber dennoch sehr vielsagenden Blick zu.
Unwillkürlich musste ich lächeln, doch ich kam nicht dazu ihr zu antworten.

„Hey Mom…“, hörte ich die Stimme ihrer Tochter und sie erschien gleich in meinem Blickfeld.
Als sie mich entdeckte erstarrte sie für einen kurzen Moment.
„Oh.. Hallo Mr. Cullen!“, sagte sie hastig.
Man konnte beinahe meinen, dass sie irgendwie Angst vor mir hatte, doch ich konnte mir den wirklichen Grund dafür nicht erklären.
„Schatz, was gibt’s?“, fragte Isabella ihre Tochter, ließ meine Krawatte los, gab meinen Mund wieder frei und wandte sich von mir ab.
„Ähm…“ Vanessa räusperte sich und sah dann zu ihrer Mutter herüber.
„Da sind noch einige Kisten, die wir jetzt so langsam wegräumen sollten, aber alleine schaffe ich das nicht“, gab sie zu und deutete auf einen riesigen Haufen von Kisten, nicht weit entfernt von uns.
„Ich kann das auch machen“ schlug ich vor und zuckte mit den Schultern, als die Beiden mir einen ungläubigen Blick zuwarfen.
„Sie wollen freiwillig helfen?“, fragte Isabella und zog eine Augenbraue hoch.
Eindeutig hielt sie mich für ein eingebildetes Arschloch.
Gut, ich musste zugeben, dass ich mich ihr gegenüber nicht gerade sehr höflich verhalten hatte, aber ich war wütend gewesen und hatte irgendeinen Schuldigen für das Verhalten meiner Tochter gesucht.
„Ist das ein Problem?“, fragte ich und runzelte die Stirn.
„Nein.. Ich wundere mich nur.“ Sie zuckte mit den Schultern und deutete mit ihrer Hand auf die Kisten.
„Dann zeigen Sie mal was Sie können.“

Ich zog mein Jackett aus und reichte es ihr, bevor ich die Ärmel meines Hemdes aufknöpfte und sie ordentlich hochkrempelte.
Aus den Augenwinkeln sah ich, wie sie mich dabei beobachtete und ein Lächeln huschte über meine Lippen, dabei wusste ich nicht einmal warum.
Vielleicht lag es an ihrem Blick, aber vielleicht war es auch etwas vollkommen anderes.
„Halten Sie bloß Ihre Klappe“, warnte sie mich und schüttelte ihren Kopf.

Ich ließ das Ganze unkommentiert und schlenderte zu den Kisten herüber.
Die beiden folgten mir, als wollten sie mich überwachen, aber schließlich wusste ich nicht einmal, wohin diese Dinger eigentlich sollten.
„Wo soll ich sie hinbringen?“, fragte ich Vanessa und sie zuckte zusammen, als hätte ich sie gerade erschreckt.
„Entschuldige“, murmelte ich. Ich wusste zwar nicht warum sie sich erschreckt hatte, aber ich entschuldigte mich trotzdem.
„Ähm.. Ich kann es Ihnen zeigen“, schlug sie mit leiser Stimme vor.
Isabella tätschelte die Schulter ihrer Tochter und sagte ihr, dass sie jetzt noch etwas mit einer anderen Mutter besprechen musste, also ließ sie uns beide alleine.
Vanessa warf mir einen unsicheren Blick zu und zupfte nervös an ihrem Oberteil herum.
Anscheinend sprach sie nicht gerade sehr viel, also schnappte ich mir zwei Kisten und hob sie hoch.
Vanessa griff sich eine kleinere Kiste, die anscheinend nicht so schwer war und ich folgte ihr in den Raum, in dem die ganzen Sachen gelagert wurden.
„Du weißt nicht zufällig wo Emily ist, oder?“, fragte ich sie, nachdem ich die Kisten schnaubend auf dem Boden abgestellt hatte und zu ihr herüber sah.
„Sie hilft gerade auch bei den Aufbauarbeiten. Wahrscheinlich ist sie hier irgendwo, aber wo genau kann ich Ihnen auch leider nicht sagen“, sagte sie und warf mir einen vorsichtigen Blick zu.
Ich zwang mir ein Lächeln auf und merkte schnell, dass Vanessa ziemlich schüchtern war.
Es war schon erstaunlich, dass sie und Emily beste Freundinnen waren, denn eigentlich waren sie grundverschieden.
Zumindest wenn ich an das dachte, was ich alles von meiner Tochter wusste.
Bestimmt verschwieg sie mir einiges und bei diesem Gedanken fuhr ich mir seufzend durch meine Haare.

Vanessa und ich sprachen nicht gerade viel miteinander, während wir die restlichen Kisten in dem Raum verstauten.
Gerade als ich die letzte Kiste an ihren Platz gestellt hatte, hörte ich wie sich jemand hinter uns leise räusperte.
„Sie haben ja wirklich ganze Arbeit geleistet“, bemerkte Isabella mit einem Grinsen und sah kurz zu ihrer Tochter herüber, die anscheinend ziemlich erleichtert darüber war, dass sie sich jetzt nicht mehr unbedingt mit mir unterhalten musste.
„Es waren nur ein paar Kisten“, erwiderte ich schulterzuckend.
„Mom? Ich gehe wieder zu den anderen, okay?“, sagte Vanessa an ihre Mutter gerichtet, die lächelnd nickte und ehe ich mich versah, war ihre Tochter auch schon wieder verschwunden.

„So gesehen, bin ich Ihnen ja jetzt einiges schuldig“, murmelte ich und nahm mein Jackett wieder an mich, welches sie mir reichte.
„Sind Sie das?“ Sie zog fragend eine Augenbraue hoch und zusammen verließen wir den Raum.
„Naja.. Einerseits für das Gespräch, andererseits für die Rettung vor dieser Frau, einige Minuten zuvor und natürlich die zweite Rettung im Bezug auf die Direktorin“, erklärte ich ihr und sie musste lachen.
„Sie sind mir nichts schuldig“, erwiderte sie und ich warf ihr einen kurzen Blick zu.
„Ich würde Ihnen aber gerne dafür danken“, erklärte ich ihr noch einmal und beharrte weiterhin darauf.
„Wie wäre es dann einfach mit einem stinknormalen „Danke“?“, schlug sie vor und sah mich vielsagend an.
Meine Mundwinkel zuckten.
Diese Frau war ziemlich schlagfertig und ließ sich nicht so schnell von irgendjemandem einwickeln.
Das musste man ihr wirklich lassen.
„Nun gut… Danke“, sagte ich schließlich, nachdem ich nicht mehr die Befürchtung hatte, dass ich lachen musste und sah zu ihr herüber.
„Na das ist doch schon einmal ein Anfang“, sagte sie und blieb stehen.
Aufmerksam sah sie sich um und ich folgte ihrem Blick, als sie zu lächeln begann.
Sofort schnellte mein Blick in die Richtung, in die sie sah und ich zog verwundert eine Augenbraue hoch.
Ihr Ex-Mann, wie ich es in dem letzten Gespräch zwischen uns erfahren hatte, kam auf uns zu und wieder trug er dieses breite Grinsen auf den Lippen.
Aber ich hatte ihn ja auch nicht anders kennen gelernt.
„Na wenn das nicht meine Lieblings Ex-Frau ist“, bemerkte er, als er in Hörweite war und küsste dann ihre Wange.
Lieblings Ex-Frau?
Wie viele hatte er denn, oder war das einfach nur ein Scherz?
„Oh..“ Er wandte sich schließlich an mich und reichte mir seine Hand.

„Mr. Cullen. Was machen Sie denn hier?“, wollte er von mir wissen, lächelte aber trotzdem noch.
Entweder er war wirklich immer so freundlich oder er tat einfach nur so.
„Ich schaue mir die Ausstellung an“, erwiderte ich schlicht und Jacob grinste sogleich wieder.
„Apropos…“ Er wandte sich wieder an Isabella und sah sich dann suchend um.
„Wo treibt sich unsere Tochter herum?“
„Sie müsste hier irgendwo sein, du kannst sie ja suchen gehen“, erwiderte sie lächelnd und Jacob verabschiedete sich sogleich wieder von uns, um sich auf die Suche nach seiner Tochter zu begeben.

„Ehrlich gesagt, finde ich es wirklich gut, dass sie hier sind. Ich hätte nicht damit gerechnet, also habe ich Emily und Nessie auch nichts gesagt“, erklärte sie mir und ihre schokoladenbraunen Augen musterten mich aufmerksam.
„Ich dachte, ich nehme mir einen Tag frei“, antwortete ich schulterzuckend.
„So wie Sie es vorgeschlagen haben.“
„Irgendwie überrascht es mich, dass sie auch mal Ratschläge annehmen“, sagte sie wahrheitsgemäß.
„Ich habe ja wirklich einen wunderbaren ersten Eindruck bei Ihnen hinterlassen, nicht wahr?“ Ich seufzte leise und lächelte.
„Das kann man wohl sagen. Ich mag Sie nämlich nicht besonders, müssen Sie wissen.“
„Mit ‚nämlich nicht besonders’ kann ich leben“, entgegnete ich und jetzt war sie es, die
leise seufzte.
Sie war ehrlich und das gefiel mir irgendwie.
In den letzten Jahren hatte ich das Gefühl, dass die meisten Frauen nicht wirklich ehrlich zu mir waren.
Entweder sie verstellten sich und verbargen ihr Innerstes, oder sie fügten irgendwelche Dinge hinzu, die sie vielleicht interessanter erschienen ließen.
Aber Isabella war keineswegs so.
Sie sagte das, was sie dachte und verstellte sich auch nicht.
Sie war einfach so.

„Warum starren Sie denn so? Hab ich vielleicht irgendetwas an der Wange hängen?“, wollte sie von mir wissen und runzelte die Stirn.
Ich lachte leise und schüttelte den Kopf, während ich meine Hände in meinen Hosentaschen vergrub.
Bevor ich darauf etwas erwidern konnte, hörte ich eine mir sehr bekannte Stimme.
„Edward?“
Sofort drehte ich mich um und sah in das leicht verwirrte Gesicht meiner Tochter.
„Was machst du denn hier?“, fragte sie mich leicht ungläubig und ihre großen, smaragdgrünen Augen musterten mich skeptisch.
Anscheinend wusste sie nicht so recht, ob ich nicht vielleicht einfach nur eine Halluzination ihrerseits war.
„Ich wollte mir die Ausstellung ansehen. Aber wenn du etwas dagegen hast, verschwinde ich wieder…“, fügte ich schnell hinzu und deutete in Richtung Ausgang.
Ich meinte Isabella leise seufzen zu hören.
„Nein, schon okay…“ Sie schien sich immer noch nicht sicher zu sein, dass das hier alles gerade wirklich passierte und das machte mich ehrlich gesagt ziemlich traurig.
Ich war nie bei irgendeiner Veranstaltung gewesen und das war sicherlich auch ziemlich ungewohnt für sie.
„Es ist… schön, dass du hier bist“, murmelte sie, kam zu mir herüber und gab mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange.
Eine liebevolle Begrüßung sah anders aus, aber ich konnte wohl eher froh sein, dass sie mich überhaupt ansah und mit mir sprach.
„Wie geht es dir?“, fragte ich Emily und musterte sie aufmerksam.
Sie strich sich eine ihrer rotblonden Locken aus dem Gesicht und nickte dann.
„Mir geht’s gut… Und dir?“
Jeder musste merken, wie verkrampft diese Situation zwischen uns beiden war und mit Sicherheit entging es auch Isabella nicht.
„Gut“, erwiderte ich schlicht und zwang mir ein Lächeln auf.
Für eine kurze Zeit herrschte absolute Stille zwischen uns, bis sich schließlich Isabella mit einem strahlenden Lächeln an uns wendete.
Sie legte eine Hand an Emilys Arm und ihre andere an meine, während sie uns abwechselnd mit ihrem strahlenden Gesicht ansah.
Ich runzelte die Stirn und warf einen fragenden Blick auf ihre Hand, die noch immer an meinem Arm lag.
„Wie wäre es, wenn wir uns einfach deine Zeichnungen ansehen? Anscheinend hat die Ausstellung ja bereits begonnen, aber immerhin haben wir die öde Rede dieser Hexe verpasst.“
Emily lachte leise über diese Bemerkung und Isabella ging zusammen mit Emily voraus, während ich den Beiden stillschweigend folgte.

Es dauerte nicht lange, bis wir schließlich an einer Wand ankamen, an der einige Bilder ausgestellt waren.
Ich warf einen erstaunten Blick zu den Bildern herüber.
Sie waren wirklich gut, obwohl die Bezeichnung gut untertrieben war…
Sie waren einfach großartig.
Mein Blick fiel auf den Namen, der auf dem Schild direkt daneben stand.

Emily Cullen

Verwundert sah ich zu meiner Tochter herüber.
Hatte sie diese Bilder wirklich gezeichnet?
Technisches Zeichnen war für mich kein Problem, doch mit wirklicher Kunst hatte ich nicht viel am Hut.
Dieses Talent schien sie wohl von ihrer Mutter geerbt zu haben und ich schloss wütend für einen kurzen Moment meine Augen.
Mit meinen Fingen massierte ich meine Schläfen und versuchte mich zu kontrollieren.
Ich war wegen Emily hier und das war doch in diesem Moment das Einzige, was zählte.
„Du hast das gezeichnet?“, fragte ich, nachdem ich mir sicher war, dass ich nicht doch noch ausrasten würde.
Ich war wirklich beeindruckt von ihren Bildern. Sie waren großartig und irgendwie machte es mich traurig, dass ich nichts von diesem Talent wusste.

„Klar…“ Emily zuckte mit den Schultern, als wäre das wirklich nichts Besonderes.
„Ich wusste gar nicht, dass du so fantastisch zeichnen kannst.“
Mein Blick wanderte wieder zu den Bildern herüber und ich war wirklich stolz auf meine Tochter.
„Ich zeichne schon seitdem ich Acht bin, Dad“, sagte sie leise und ihre Stimme klang traurig.
Mein Blick schnellte zu ihr herüber und als ich ihren verletzten Blick sah, traf es auch mich.
Wie hatte ich das nicht wissen können, dass meine Tochter so begabt war?
Was verdammt noch mal hatte ich denn in den ganzen letzten Jahren getan?
Natürlich.. Ich hatte hart gearbeitet, aber war es das alles wirklich wert gewesen?
Ich seufzte leise und senkte meinen Kopf.
Ich fühlte mich elendig und wollte am liebsten alles ungeschehen machen, doch so einfach ging das nun einmal nicht.
Es war erstaunlich, wie sehr dieses Gespräch mit Isabella mir die Augen geöffnet hatte.
Aber trotz allem würde es noch ein langer Weg sein, bis meine Tochter mir wieder wirklich vertrauen konnte.

„Ich verschwinde dann mal wieder. Wir sehen uns“, sagte Emily und ihre Stimme klang nun eine Spur wütend.
Ich richtete meinen Blick auf und sah direkt in ihr enttäuschtes Gesicht.
Ohne ein weiteres Wort lief sie an mir vorbei und ich sah ihr hinterher.
Ich wollte sie zurückhalten, ihr sagen, dass ich doch nur wegen ihr hier war, aber das hatte keinen Sinn.
Sie würde mir eh nicht zuhören.
Meine Hand bildete sich zu einer Faust und ich dachte erst gar nicht daran, mich wieder zu beruhigen.
Es hatte doch alles eh keinen Sinn mehr.
Meine Tochter hasste mich und wieso sollte sich das je wieder ändern?
Ich fluchte laut und erntete einige abfällige Blicke von den Müttern, die sich in der näheren Umgebung befanden.

„Hey..“ Ich spürte eine Hand, die sich an meine Schulter legte, doch ich stieß sie sofort weg.
„Das war doch schon einmal ein guter Anfang“, hörte ich die Stimme von Isabella hinter mir.
Ich drehte mich so ruckartig zu ihr um, dass sie erschrocken zusammen zuckte.
„Ein guter Anfang? Ein guter Anfang?! Verdammte Scheiße, das ist alles andere als ein guter Anfang. Es hat alles nur noch schlimmer gemacht“, blaffte ich sie wütend an.

Mein Unterbewusstsein sagte mir, dass es nicht richtig war, sie deswegen anzubrüllen, doch ich konnte einfach nicht anders.
Ich war verzweifelt und wütend darüber, dass ich die Beziehung zu meiner Tochter zerstört hatte.
Isabella schien im ersten Moment geschockt zu sein, sie starrte mich mit großen Augen und geöffneten Mund an.
„Das hat doch alles keinen Sinn mehr“, wütete ich weiter und murmelte dann leise vor mich hin, die Hände noch immer zu Fäusten geballt.
Wenige Sekunden später hörte ich, wie Isabella empört schnaubte und ich sah wieder zu ihr herüber.
„Es hat alles keinen Sinn mehr? Sie denken also wirklich, dass das alles keinen Sinn mehr hat? Gut… Wenn Sie es nicht einmal versuchen wollen, kann es ja auch gar nicht klappen. Und denken Sie etwa, dass Ihre Tochter Ihnen sofort in die Arme fällt, nur weil sie einmal, wirklich nur EINMAL, auf solch einer beschissenen Veranstaltung aufgetaucht sind!? Gut, wenn Sie so denken, mir doch egal! Besaufen Sie sich doch und versinken in Selbstmitleid, aber verschonen Sie mich mit ihren verdammten Wutausbrüchen! Meine Schuld ist das sicherlich nicht!“, brüllte sie und funkelte mich wütend an.
Ich blinzelte verwirrt über ihren kleinen Wutausbruch und beobachtete sie dabei, wie sie sich schnaubend ihre Haare aus dem Gesicht strich.

„Äh…“ Ich wollte irgendetwas darauf erwidern, doch ihr Blick brachte mich tatsächlich sofort zum Verstummen.
„Hören Sie… Entweder Sie wollen, dass ich Ihnen dabei helfe und lassen ihre schlechte Laune zu Hause, oder Sie können selbst sehen, wie Sie mit dieser Situation fertig werden. Das liegt ganz bei Ihnen.“
Sie warf mir einen eindringlichen Blick zu und ich nickte, anstatt ihr zu antworten.
Isabella atmete leise aus und musterte noch einmal mein Gesicht, bevor sie sich schließlich von mir abwandte und verschwand.
Scheiße.
Jetzt hatte ich Isabella direkt auch noch vergrault, dabei wollte sie mir doch eigentlich nur helfen.
Ich wusste immer noch nicht, warum sie mir helfen wollte, aber wie sollte ich es ohne sie schaffen?
Ich musste mir wohl irgendetwas überlegen, um es wieder gut zu machen.

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