Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Dienstag, 6. Juli 2010

Kapitel 02 - Schlimmer geht's immer

Edward POV

„Alles klar, Matt. Dann sieht es wohl so aus, als bräuchten wir nur noch die Genehmigung.“
Ein zufriedenes Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, während ich mich entspannt in meinem Bürostuhl zurücksinken ließ.
„Lass das nur mal mein Problem sein“, erwiderte mein Partner und ich hörte ihn am anderen Ende der Leitung leise lachen.
Natürlich. Er war der Beste, wenn es darum ging, eine Genehmigung zu bekommen.
Letztendlich war es mir auch egal, wie er es anstellte.
Die Hauptsache war, dass er sie besorgen konnte.
Ich verschränkte die Arme hinter meinen Knopf und vernahm ein leises piepsendes Geräusch von meinem Telefon.
Es war Lauren, meine Sekretärin.
Ich schnaubte genervt, denn ich hatte ihr noch gesagt, dass dieses Gespräch wirklich wichtig wäre und sie mich nicht stören sollte.
Aber anscheinend war es für sie zu kompliziert, meinen Anweisungen zu folgen.
„Matt, wir besprechen den Rest später, okay? Kümmere du dich noch um diese Angelegenheit und wir haben den Auftrag.“
Ich verabschiedete mich noch von meinem Kollegen, legte auf und drückte den Knopf, damit Lauren mir wahrscheinlich zum hundertsten Mal wieder den Nerv rauben konnte.

„Was, verdammt noch mal!“, blaffte ich in den Hörer und warf dem Telefon einen vernichtenden Blick zu.
„Mr. Cullen…“, fing sie an und räusperte sich dann leise, bevor sie weiter sprach.
„Ich wollte sie wirklich nicht stören, aber…“
„Warum tun Sie es dann?“ Meine Antwort brachte sie für einen kurzen Moment aus dem Konzept, doch noch bevor ich etwas hinzufügen konnte, sprach sie bereits wieder.
„Mrs. Meyer ist in der Leitung und es geht um ihre Tochter“, erklärte sie mir schließlich.
Ich seufzte und fuhr mir mit meinen Händen durch meine Haare.
Der wievielte Anruf der Direktorin musste das jetzt wohl sein?
Es würde nicht mehr viel dazu fehlen, dass meine Tochter schließlich einen Verweis von der Schule bekommen würde und das wollte ich um jeden Preis vermeiden.
Ich hatte keine Ahnung, was in Emily gefahren war, denn noch vor einiger Zeit war sie eine wirkliche Musterschülerin gewesen.
Gute Noten, keine Probleme.
Eine Bilderbuchtochter, wenn man das so nennen wollte.
Aber seit einem Jahr ging es ziemlich abwärts mit ihr und ich hatte nicht die geringste Ahnung, woran das lag.
„Ähm.. Mr. Cullen?“
Anscheinend war ich vollkommen in meinen Grübeleien versunken gewesen und hatte kein einziges Wort gesagt.
„Ja, stellen Sie Mrs. Meyer durch“, sagte ich und trank schnell einen Schluck von meinem Kaffee, bevor ich auch schon die Stimme von Emilys Direktorin am anderen Ende hörte.

„Mr. Cullen?“
„Guten Morgen Mrs. Meyer. Ich hoffe doch sehr, es gibt keine Schwierigkeiten.“ Mein Blick blieb auf das Telefon gerichtet und ich hörte sie leise seufzen.
„Doch die gibt es, Mr. Cullen. Ich würde Sie bitten, dass Sie mich um 11 Uhr in meinem Büro aufsuchen“, gab sie zurück und meine Hand ballte sich zu einer Faust.
„Was hat sie jetzt wieder angestellt?“, fragte ich zwischen zusammengebissenen Zähnen.
„Ich werde Ihnen alles erzählen, wenn Sie um 11 Uhr zu mir kommen. Ich hoffe doch sehr, dass sie diesen Termin wahrnehmen können“, sagte Mrs. Meyer mit viel Nachdruck in der Stimme und ich verdrehte die Augen.
Diese Frau war einfach nur nervtötend.
„Natürlich werde ich da sein.“ Dachte diese Frau etwa, ich würde mich nicht um meine Tochter kümmern?
Mrs. Meyer sollte sich wirklich etwas dankbarer zeigen bei der Summe, die ich jedes Jahr der Schule spendete.
„Gut, ich erwarte Sie in meinem Büro“, sagte sie und verabschiedete sich.

Wut staute sich in mir zusammen.
Warum machte Emily in letzter Zeit nur so viel Unsinn?
Was brachte sie dazu?
Laut fluchend schleuderte ich eine Akte von meinem Schreibtisch und sie landete mit einem lauten Knall an der gegenüberliegenden Wand.
Vor meinem Büro hörte ich Stimmen, doch ich war in diesem Moment viel zu sehr damit beschäftigt mich über das Verhalten meiner Tochter aufzuregen, als das ich eher darauf geachtet hätte.
Wenige Sekunden später öffnete sich die Tür und ich erblickte meine Verlobte, die Lauren einen wütenden Blick zuwarf.
„Ich brauche keine Erlaubnis um meinen zukünftigen Ehemann zu sehen“, giftete sie meine Sekretärin an.
Einen kurzen Moment funkelten sich die beiden an und ich hatte keine Lust darauf, dass sich die beiden noch an die Gurgel springen würden, also winkte ich Carol-Ann zu mir.
„Schon okay, Lauren“, murmelte ich und warf einen Blick zu der Akte herüber, die ich noch vor wenigen Sekunden an die Wand geschleudert hatte.
„Sehen Sie? Er hat nichts dagegen und merken Sie sich das gefälligst, Sie inkompetentes Ding!“, fauchte Carol-Ann noch immer ganz aufgebracht und strich sich ihre langen blonden Locken aus dem Gesicht.
Ich konnte deutlich sehen, dass Lauren sich jeglichen weiteren Kommentar verkniff und verschwand wieder an ihren Schreibtisch.
Nachdem Carol-Ann die Tür geschlossen hatte, wandte sie sich, mit einem Lächeln, mir zu.

In ihren Händen trug sie ziemlich viele Einkaufstaschen, die sie neben meinem Schreibtisch abstellte, bevor sie sich schließlich auf meinem Schoß nieder ließ und ihre Arme um mich schlang.
„Liebling, ich habe dich schon vermisst“, schnurrte sie und kicherte vergnügt, als sich meine Hand an ihren Rücken legte und ich sie ein Stück näher zu mir heran zog.
„Was ist passiert? Warum schaust du so grimmig? Du weißt genau, davon bekommt man nur Falten, Schatz“, plapperte sie und ich nahm ihr Gesicht in meine Hände.
Sofort legten sich meine Lippen auf ihre.
Das war die einzige Möglichkeit, sie zum Schweigen zu bringen, wenn sie wieder einmal viel zu viel redete.
„Ich muss zur Schule“, murmelte ich grimmig, nachdem ich sie wieder frei gegeben hatte.
Es war bereits halb elf, also musste ich bald los fahren und hatte nicht viel Zeit, mich mit
meiner Verlobten zu beschäftigen.
„Wieso?“, fragte sie und kraulte meinen Nacken, während ihre blauen Augen mich mit einem fragenden Gesicht musterten.
„Emily“, erwiderte ich und strich mit meiner Hand über mein Gesicht.
Meine Tochter brachte mich noch einmal zur Weißglut, soviel stand fest.
„Ist ihr etwas passiert?“, fragte Carol-Ann und sah mich besorgt an.
„Nein, sie hat nur schon wieder was weiß ich angestellt!“
Ich setzte Carol-Ann auf dem Boden ab, damit ich mich von meinem Bürostuhl erheben konnte.
Schnell griff ich nach den Schlüsseln meines Audis und warf ihr einen kurzen Blick zu, während ich mein Portmonee aus der Hosentasche fischte.
„Du kannst ja in der Zwischenzeit einkaufen gehen oder so.. Ich weiß, wir wollten eigentlich meine Pause zusammen verbringen, aber daraus wird wohl nichts…“
Ich zog meine Black Card hervor und hielt sie in ihre Richtung.
„Kauf dir was Schönes“, fügte ich hinzu.
„Das ist wirklich sehr lieb von dir, Edward, aber ich werde mitkommen. Emily liegt mir doch so sehr am Herzen…“, sagte sie mit ernstem Gesichtausdruck und legte eine Hand an ihr Herz.
„Dann komm…“, sagte ich zu ihr, nachdem ich die Kreditkarte wieder verstaut hatte und legte meine Hand an ihre Taille, damit ich sie zu mir herüber ziehen konnte.

Im Vorbeigehen rief ich Lauren noch zu, dass ich gegen Mittag wieder hier sein würde und alle Anrufe auf mein Handy weitergeleitet werden sollten.
Mit Carol-Ann an meiner Seite lief ich zu meinem Audi und öffnete ihr die Tür, bevor ich schließlich einstieg und den Wagen startete.
Ich war gerade einmal fünf Minuten unterwegs, als mein Handy schon wieder klingelte.
„Cullen?“, blaffte ich in den Hörer und starrte mit einem grimmigen Blick auf die Fahrbahn.
Carol-Ann tätschelte beruhigend meinen Oberschenkel, doch auch sie konnte mich jetzt nicht beruhigen.
Meine Tochter wusste genau, dass ich viel zu viel zu tun hatte und doch machte sie solch einen Unfug.
Trotzdem musste ich immer wieder in der Schule erscheinen und vernachlässigte so meine Arbeit.
Es war wieder einmal ein Kunde, der mich anrief und ich versuchte mich zu beherrschen, sagte ihm aber, dass wir das Gespräch lieber auf den Nachmittag verschieben sollten.
Nach 15 Minuten hielt ich mit quietschenden Reifen vor der Schule meiner Tochter an und stieg aus dem Wagen aus.

Es raubte mir beinahe den letzten Nerv, als mein Handy erneut klingelte.
Wütend griff ich danach, klappte es mit einer schnellen Bewegung auf und hielt es an mein Ohr, bevor ich in den Hörer brüllte.
Es war Lauren, die mir anscheinend auch noch unbedingt auf die Nase binden musste, dass mein nächster wichtiger Termin bereits im Büro war und auf mich wartete.
Großartig.
Genau das hatte ich jetzt noch hören wollen!
„Verschieben Sie den Termin auf den Nachmittag. Ich muss mich hier erst um Etwas kümmern, verdammt!“, bellte ich ins Telefon und Lauren verabschiedete sich hastig wieder.
Sie wollte meinem Wutanfall sicherlich nicht noch weiter ausgesetzt sein.
Ich entdeckte meine Tochter auf dem Flur zusammen mit zwei anderen Personen, aber auf die achtete ich nicht weiter.
Ich war ganz alleine auf meine Tochter konzentriert und als ich ihre abwertende Haltung mir gegenüber sah und sie die Arme vor ihrer Brust verschränkte, machte mich das nur noch wütender.
Was dachte sie sich eigentlich?
Ich kam direkt vor ihr zum Stehen und klappte das Handy mit einer schnellen Bewegung zu, bevor ich es in meine Hosentasche wandern ließ.
„Emily Elizabeth Cullen, was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?“
Ihr Blick sagte mir, dass es ihr scheiß egal war, was ich ihr sagen würde.
Sie interessierte es einfach nicht und ich war so langsam dabei zu verzweifeln, doch jetzt im Moment wurde ich ganz alleine von meiner Wut beherrscht.
„Dass ich Einspruch erhebe“, konterte Emily und sie hielt meinem Blick mühelos stand.
Meine Hand ballte sich zu einer Faust und ich schnaubte.
„Komm mir nicht so, junges Fräulein! Wegen dir wurde ich aus einem wichtigen Meeting gerissen und ich hab noch tausende von Sachen auf meinem Schreibtisch liegen, die erledigt werden müssen. Also erzähl mir, was du angestellt hast, dass mich deine Direktorin anruft“, forderte ich von ihr.
Es kam keine Antwort von ihr, wie ich es bereits erwartet hatte.
Ich erkannte meine Tochter beinahe gar nicht wieder.
Sie hatte sich so sehr verändert und ich kannte nicht einmal den Grund dafür.
Was verdammt noch mal hatte ich falsch gemacht?
„Warum fabrizierst du überhaupt so einen Scheiß? Verdammt Emily!“
Ich wusste es wirklich nicht und fuhr mir wütend mit einer Hand durch meine Haare.
Wie lange sollte das denn noch so weitergehen?

Ich wollte gerade mit meiner Standpauke fortfahren, als ich hörte wie sich jemand leise
räusperte.
„Vielleicht sollten Sie Emily lieber erst fragen, was passiert ist, bevor Sie sie so anbrüllen.“
Mein Blick schnellte in die Richtung, aus der die Stimme kam.
Es war eine Frau. Sie musste ungefähr in meinem Alter sein und ich hatte nicht die geringste Ahnung, was ihr das Recht gab, sich in dieses Gespräch einzumischen.
Wer war sie überhaupt?
„Und Sie sind…?“, sprach ich meine Gedanken laut aus und dachte nicht einmal daran, meine Stimme freundlicher klingen zu lassen.
Schließlich mischte sie sich in Dinge ein, die sie gar nichts angingen.
Sie öffnete ihren Mund, um mir zu antworten, doch meine Tochter kam ihr zuvor.
„Das ist Miss Black, Nessies Mutter“, erklärte sie mir und deutete auf die Frau.
„Bella, das ist Edward, mein Vater.“ Emilys Stimme klang viel freundlicher, als sie mit dieser Miss Black sprach.
Bei dem Wort Vater verzog sie ihr Gesicht und warf mir einen kurzen Seitenblick zu.
Miss Black streckte ihre Hand nach mir aus.
Anscheinend wollte sie höflich sein und sich vorstellen, doch das interessierte mich nicht.
Mein Blick wanderte zwischen Emily und dem anderen Mädchen hin und her.
„Also, warum bin ich verdammt noch mal hier?“, fragte ich ein weiteres Mal.
Irgendwann würde ich schon noch den Grund dafür erfahren, aber ich wollte ihn jetzt wissen und nicht erst von dieser Hexe von Direktorin.
„Wir haben geschwänzt“, erklärte meine Tochter mir und zuckte mit den Schultern, als wäre es das normalste auf der Welt.
„Geschwänzt? Sag mal spinnst du? Wegen deiner Dummheit verpasse ich jetzt einen Termin mit einem meiner wichtigsten Kunden.“
Es war einfach nicht zu fassen!
Wie oft hatte sie jetzt schon die Schule geschwänzt?
Es war nur meinem Charme und dem Geld, welches ich der Schule gespendet hatte, zu verdanken, dass sie noch auf diese Schule gehen durfte.
Nicht mehr lange und auch ich könnte sie da bald nicht mehr rausreden.

„Hören Sie“, unterbrach mich die Stimme dieser Frau.
„So schlimm ist diese Geschichte nun auch nicht, schließlich ist ja niemand gestorben.“
Sie versuchte höflich zu bleiben, doch ihre schokoladenbraunen Augen warfen mir einen wütenden Blick zu.
Anscheinend hatte sie etwas dagegen, wie ich mit meiner Tochter sprach.
Wütend funkelte ich sie an.
„Sie sind also die Mutter von dem Mädchen, die meine Tochter zum Schwänzen angestiftet hat?“
Es war klar, dass es einfach an diesem anderen Mädchen liegen musste.
Ich wusste, dass sie etwa vor einem Jahr nach Chicago gezogen waren und seitdem hatte sich Emily grundlegend verändert.
Es konnte also nur daran liegen.
„Angestiftet?“ Sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust und hielt mühelos meinem Blick stand.
Anscheinend wollte sie sich mit mir anlegen.
Das hatte ich bis jetzt auch noch nicht erlebt, dass eine Frau sich mir so gegenüber verhielt.
„Hören Sie mal, ich kann nicht bestreiten, dass meine Tochter auch etwas damit zu tun hat und sie ist weiß Gott auch kein Engel, aber zu so etwas gehören immer noch zwei. Und ihr Verhalten macht die ganze Sache auch nicht besser!“
Sie besaß also tatsächlich die Frechheit mein Verhalten zu kritisieren.
Mein Blick wanderte an ihr auf und ab.
Sie hatte langes, mahagonifarbenes Haar und eine sehr helle Haut, welche man vielleicht sogar als hübsch bezeichnen konnte, wenn man einmal von ihrem Klamotten absah.
Eindeutig war diese Kleidung aus irgendeinem Billig-Laden und nicht weiter erwähnenswert.
Unscheinbar.
„Können Sie sich diese Schule überhaupt leisten?“, wollte ich von ihr wissen.
Was tat sie hier überhaupt? Sie passte nicht hier hin und würde es auch sicherlich nie im
Leben tun.
Ich sah, wie sie die Luft anhielt und mich noch wütender anfunkelte.
„Na hören Sie mal…!“ Sie ging einen Schritt auf mich zu und ich unterdrückte ein Lachen.
Was wollte sie denn schon gegen mich ausrichten?
Wollte sie mir etwa drohen?
Konnte sie gerne haben.
Doch ihre Tochter legte ihre Hand an ihren Arm, was sie sofort zum Verstummen brachte.
Unsere Blicke verließen sich nicht einen Moment lang und ich wäre auch sicherlich nicht der Erste, der seinen Blick abwenden würde.

Hinter mir vernahm ich eilige Schritte, die eindeutig von einer Frau stammen mussten.
Von meiner zukünftigen Frau, um es genauer zu sagen.
Ich hatte nicht einmal bemerkt, dass sie jetzt erst hier auftauchte.
Wahrscheinlich hatte Carol-Ann noch irgendetwas in meinem Wagen gesucht oder was weiß ich getan.
Meine Augen verließen nicht einen Moment lang die von Miss Black, bis ich schließlich die genervte Stimme meiner Tochter hörte.
„Hätte ich mir ja denken können, dass das Püppchen noch auftaucht“, murmelte sie leise und ich sah, wie ihre beste Freundin direkt neben ihr auftauchte.
Ich hatte ihren Namen schon glatt wieder vergessen.
Es war irgendein ungewöhnlicher Name.
Er erinnerte mich an irgendein Monster, doch ich wusste ihn nicht mehr und das war mir in diesem Moment auch relativ egal.
„Benimm dich, verdammt noch mal“, zischte ich meiner Tochter zu und atmete angestrengt aus.
Wegen diesem ganzen Scheiß hier bekam ich noch Kopfschmerzen…
Auch wenn Emily Carol-Ann nicht leiden konnte, so hätte sie doch wenigstens höflich sein können, oder war das etwa auch schon zu viel verlangt?
Es hatte mich schon genug Nerven und Zeit gekostet, meiner Tochter solch eine Zukunft zu ermöglichen und jetzt trampelte sie einfach darauf herum, als wäre es nur ein wertloses Stück Papier.
Niemand konnte sich wahrscheinlich auch nur ansatzweise vorstellen, wie schwer es für mich gewesen war, gleichzeitig ein Baby zu versorgen und solch einen Erfolg im Beruf zu haben.
Ich beobachtete, wie Carol-Ann Emily in ihre Arme schloss, doch ihr schien das ganz und gar nicht zu gefallen.
„Oh Schätzchen, ich habe mir ja solche Sorgen um dich gemacht!“, sagte sie, ließ schließlich von Emily ab und lief sofort zu mir herüber.
Miss Black schien über diese Situation recht verwirrt zu sein, aber mir war es auch egal, was sie darüber dachte.
„Mhm, das glaube ich dir sofort.“ Der Blick meiner Tochter sprühte nur so vor Hass und ich seufzte leise.
Wie sollte das mit den beiden nur klappen?

„Finden Sie nicht auch, dass die hallenden Flure hier nervig sind?“, hörte ich plötzlich Mrs. Black sagen und ich warf ihr einen verwirrten Blick zu.
Verständnislos zog ich eine Augenbraue hoch, doch noch bevor ich etwas darauf erwidern konnte, unterbrach Carol-Ann mich.
„Oh Gott wie unhöflich von mir, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt“, sagte sie hastig und lächelte strahlend.
„Ich bin Carol-Ann Lewis, Edwards Verlobte und Emilys Stiefmutter.“
Ich wusste natürlich, dass es Carol-Ann immer wieder genoss im Mittelpunkt zu stehen.
Etwas, das wir beide auf jeden Fall gemeinsam hatten und ich ließ ihr diese Genugtuung.
Die beiden schüttelten sich kurz die Hand und ich sah, wie Emily die Augen verdrehte.
„Das hätte sie gern.“
„Isabella Black, Vanessas Mutter“, antwortete Miss oder Mrs. Black und ich seufzte leise.
„Und Schuld daran, dass wir hier sind“, murmelte ich leise, doch an ihrem Gesichtsausdruck konnte ich nur zu gut erkennen, dass sie jedes einzelne Wort verstanden hatte.
„Was sagten Sie gerade?“ Ihre Stimme klang voller Wut und wahrscheinlich hoffte sie, dass sie sich verhört hatte, doch sie hatte mich schon richtig verstanden.
„Verdammt Edward, halt die Klappe!“

Mein Blick schnellte kurz zu Emily herüber. Es schmerzte, wenn sie so mit mir sprach, aber ich wusste auch, dass sie das extra tat um mich nur noch mehr zu reizen, also ignorierte ich sie.
„Ich sagte, dass Sie verdammt noch mal Schuld sind, dass wir hier sind“, blaffte ich und spürte, wie sich die Wut erneut in mir ansammelte.
War diese Frau so schwer von Begriff?
„Seit Sie hier aufgekreuzt sind, gibt es nur noch Ärger, also kann es ja nur an Ihnen und Ihrer verdammten Erziehung liegen.“ Ich war eindeutig frustriert und ließ es an dieser Frau aus, aber mir war es egal, was sie von mir dachte.
„Sie geben mir also die Schuld? Haben Sie schon einmal bemerkt, wie Sie mit Ihrer eigenen Tochter umgehen, Sie… Sie..“ Ihr Zeigefinger erhob sich und deutete in meine Richtung.
Ihre ganze Hand zitterte, doch als ihre Tochter eine Hand an ihren Arm legte, schien sie sich sofort zu beruhigen.
Was wollte sie denn schon gegen mich ausrichten?
Sie konnte mir so viele Beleidigungen an den Kopf werfen, wie sie nur wollte.
Bevor ich jedoch zu einer Antwort ansetzen konnte, wurde ich von einer mir unbekannten Stimme abgelenkt.

„Hey Bells“, hörte ich einen mir unbekannten Mann sagen und ein breites Grinsen lag auf seinen Lippen.
Er war um einiges größer als ich, wahrscheinlich sogar an die 2 Meter groß und zusätzlich war er noch sehr muskulös.
Dieser Kerl hätte einem wahrscheinlich sogar Angst machen können, wenn da nicht dieses breite Grinsen in seinem Gesicht wäre.
„Jake. Da bist du ja endlich.“ Miss Black schien erleichtert zu sein und ich sah, wie dieser Jake sich zu ihr herunter beugte und ihre Wange küsste.
Mein Blick schnellte zwischen den beiden hin und her und ich versuchte diese Situation zu analysieren.
War er etwa ihr Ehemann? Aber dann würde die Begrüßung sicherlich anders ausfallen.
Und wieso hieß es ‚Miss Black’ und nicht ‚Mrs. Black’?
Sicher war jedoch, dass er der Vater von Emilys Freundin war, denn die beiden begrüßten sich herzlich und außerdem hatte sie ihn Dad genannt.
Das erklärte wohl dann auch ihre gebräunte Haut, denn Miss Black war beinahe so bleich wie ein Gespenst.

„Was soll diese Versammlung hier? Was hast du wieder angestellt?“, wollte er von seiner Tochter wissen und warf ihr dann einen gespielt tadelnden Blick zu.
Man konnte sofort sehen, dass er nicht sauer war oder etwas dergleichen.
Er schien das Ganze eher irgendwie amüsant zu finden.
„Du hast doch nicht etwa das Chemielabor abgefackelt, oder?“, fragte Jake und runzelte die Stirn.
Die Wangen seiner Tochter färbten sich rot und sie schüttelte hastig den Kopf.
„Nein, Dad!“
„Braves Mädchen. Du musst uns ja nicht alles nachmachen.“ Er gluckste leise und wandte sich dann wieder an seine Frau oder was auch immer sie für ihn war.
„Also. Wieso hat mich diese verbitterte alte Hexe aus meinem Büro gerufen?“, fragte er und legte seine Hände an seinen Hinterkopf.
Man sah sofort, dass er mehr als nur einmal in der Woche im Fitnessstudio vorbeischaute.
„Vanessa hat geschwänzt“, erklärte Miss Black ihm und Jake zuckte mit den Schultern.
„Und was sonst noch?“
„Nichts“, entgegnete sie wieder und Jake schnaubte leise.
„Man muss ja jetzt nicht gleich ein Drama draus machen. Als ob wir alle hier noch nie geschwänzt hätten!“ Nachdem er zu Ende gesprochen hatte, warf er einen Blick zu seiner Tochter herüber und ließ die Arme nach unten sinken.
„Aber Vanessa…“ Er versuchte einen ernsten Blick aufzusetzen, scheiterte aber kläglich daran.
„Das du das nicht noch einmal tust.“ Er erhob seinen Zeigefinger und wedelte damit in
die Richtung seiner Tochter.
„Lass doch mal diesen Finger aus dem Spiel“, zischte Miss Black. Sie schien ein kleines bisschen genervt zu sein, aber das lag wahrscheinlich an der Auseinandersetzung mit mir vor wenigen Minuten.
„Hast du etwas gegen meinen Finger? Früher hattest du nie etwas gegen den Finger und…“
„Jacob!“, unterbrach sie ihn sofort, schlug mit ihrer Hand gegen seinen Arm, während ihre Wangen einen rosa Ton annahmen.
Immerhin hatte sie jetzt ein wenig Farbe im Gesicht.
Sonst musste man sich ja sogar noch Sorgen machen, dass sie jeden Moment umkippen würde.
„Aua!“, beschwerte er sich, obwohl ich hätte schwören können, dass es ihm sicherlich nicht wehgetan hatte.
„Ugh…“ Ihre Tochter verzog das Gesicht und wandte sich schließlich wieder meiner zu.

„Oh..“ Jake wandte sich jetzt an uns.
Anscheinend hatte er uns vorher nicht einmal bemerkt.
Er hatte ganz alleine nur Augen für Miss Black und seine Tochter.
„Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Jacob Black.“ Er reichte seine Hand in meine Richtung und ich zögerte, bevor ich sie schließlich ergriff.
„Edward Cullen“, erwiderte ich mit ernster Miene.
„Und ihre Tochter heißt?“ Er wandte sich jetzt an Carol-Ann, die ihm einen verwirrten Blick zuwarf.
„Das ist nicht meine Tochter!“, brüllte ich und Emily schnaubte.
„Musst du jetzt auch noch Mr. Black anbrüllen?“ Sie warf mir einen warnenden Blick zu und ich versuchte mich zu beherrschen, auch wenn mir das nur schwer gelingen wollte.
„Oh naja.. Ich dachte.. Ach scheiß egal..“ Er zuckte lachend mit den Schultern und reichte auch Carol-Ann seine Hand, die sich ihm schließlich als meine Verlobte vorstellte.
„Meinen Glückwunsch“, fügte er auf ihre Erklärung hinzu und sie kicherte zufrieden, bevor sie sich lächelnd an mich schmiegte.
„Ich hoffe nur ihr Verlobter wird nach der Hochzeit nicht mehr so griesgrämig durch die Gegend laufen.“
Ich schnaubte verächtlich und warf diesem Typen einen wütenden Blick zu.
Was erlaubte er sich eigentlich, in meiner Gegenwart, so über mich zu sprechen?
„Ich bin die Tochter“, sagte Emily schließlich und erschien direkt neben Jacob.
Ein Lächeln lag auf ihren Lippen, was mich nur noch wütender machte.
Warum verhielt sie sich nur mir gegenüber so abwertend?
„Oh.. Hey!“ Jake wandte sich ihr mit einem Lächeln zu und reichte ihr die Hand.
„Hab schon viel von dir gehört“, fügte er breit grinsend hinzu und deutete zu seiner Tochter herüber.
Mein Blick wanderte zu der Tür der Direktorin herüber, die sich endlich mal nach ziemlich langer Zeit öffnete.
Anscheinend konnten wir jetzt endlich dieses Gespräch hinter uns bringen.
Immerhin gab es dann ein Problem weniger.

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