Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Dienstag, 6. Juli 2010

Kapitel 01 - Eine Frechheit jagt die Andere

Bella POV

Unruhig lief ich im Flur der Schule auf und ab.
Meine Schritte waren das einzige Geräusch und hallten durch die ganzen Flure.

Was hatte sie angestellt?

Völlig unvorbereitet hatte mich die Direktorin auf der Arbeit angerufen und mir mitgeteilt, dass ich so schnell wie möglich zur Schule kommen sollte.
Weitere Informationen wollte sie mir allerdings nicht mitteilen.
Hätte sie mir denn nicht wenigstens verraten können, wie es meiner Tochter ging?
Was war vorgefallen?
Hatte sie sich verletzt? Hatte sie etwas angestellt?
Diese Unwissenheit machte mich noch schier wahnsinnig und das war wohl auch der Grund für mein hin und her tigern in den Fluren.
Wusste diese Direktorin denn Nichts von den Ängsten einer Mutter?
Besonders dann, wenn diese Mutter auch noch alleinerziehend war!

Immer wieder sah ich unruhig auf meine Armbanduhr.
Wieso hatte mir Mrs. Meyer, die Direktorin dieser Privatschule gesagt, dass ich so schnell es ginge hier erscheinen sollte, wenn ich doch nur wieder warten musste?
Diese Warterei war ja nicht zum Aushalten.
An ihrer Art mit Eltern umzugehen merkte man, dass sie keine Kinder hatte.
Denn wenn es der Fall gewesen wäre, dann hätte sie noch versucht mich am Telefon zu beruhigen oder hätte mir wenigstens ein paar Informationen gegeben.
Aber nichts davon war der Fall und das machte mich noch verrückt.

Es vergingen kaum zehn Sekunden, als ich wieder auf meine Uhr sah und ich endlich andere Schritte in diesem riesigen Flur hallen hörte als meine.
Hektisch durchsuchte ich meine Umgebung als ich sah, wie jemand um die Ecke bog.
Nessie!
Ich war erleichtert als ich die zierliche Gestalt meiner 16-jährigen Tochter erblickte.
Immerhin schien sie nicht verletzt zu sein und das war im Moment das Wichtigste für mich.

Ich erfuhr an meinem siebzehnten Geburtstag von der Schwangerschaft.
Zu diesem Zeitpunkt damals empfand ich dieses Wissen, diese Tatsache, als einen Fluch.
Es wollte einfach nicht in meinen Kopf, warum ausgerechnet ich so früh schwanger wurde.
Meine Eltern waren nicht gerade begeistert gewesen, als ich ihnen von meiner Schwangerschaft erzählte.
Nach einem Schockzustand, der ungefähr drei Wochen anhielt, akzeptierten sie es und sahen ein, dass nichts daran zu ändern war.

Bevor ich zur Welt kam, erlitt meine Mom eine Fehlgeburt.
Sie wusste wie es sich anfühlte ein Kind zu verlieren, also kam eine Abtreibung nicht in Frage.
Selbst wenn sie diesen Vorschlag gemacht hätten, hätte ich mich dagegen gewehrt.
Schließlich wuchs ein Leben in mir heran.
Als mein Dad vorschlug, dass ich das Baby bekommen könnte, ich aber die Möglichkeit hatte es zur Adoption freizugeben, war dieser Gedanke für mich unerträglich.
Ich wollte nicht, dass jemand anderes mein Baby großzog.
Zwar war ich anfangs über die Schwangerschaft nicht froh gewesen, aber ich akzeptierte sie.
Besonders nach Dads Vorschlag mit der Adoption.
Spätestens nach der Geburt empfand ich meine Situation gar nicht mal als einen Fluch, sondern als einen Segen.

Erleichtert, dass es meiner Kleinen gut zu gehen schien, ging ich schnellen Schrittes auf sie zu und nahm sie in meine Arme.
„Mom, bitte! Du erdrückst mich ja fast“, hörte ich meine Tochter erstickt murmeln.
„Oh!“ Abrupt ließ ich wieder von ihr ab, nahm ihr Gesicht jedoch sofort in meine Hände und sah in ihre Augen, die meinen so ähnlich waren.
„Geht es dir gut, Kleines?“, fragte ich sie besorgt und sah forschend in ihre schokoladenbraunen Augen.
Ich konnte zwar keine äußeren Verletzungen erkennen, trotzdem fragte ich lieber vorsichtshalber nach.
Schließlich konnte man ja nie wissen.
„Keine Sorge, mir geht es gut.“
Gott sei Dank! Ihr ging es gut.
„Was ist passiert? Warum hat mich deine inkompetente Direktorin angerufen und wollte, dass ich hier erscheine?“, fragte ich sie und in ihren Augen erschien die pure Schuld.
„Na ja… also..“ Nessie schien ihre nächsten Worte gut zu überlegen.
„Raus mit der Sprache, was ist los?“, wollte ich von ihr wissen und sah sie aufmunternd an.
Nessie konnte mir alles sagen, das wusste sie.
„Wir haben geschwänzt“, brachte sie nach ein paar Anlaufschwierigkeiten schließlich hervor.
„Tut mir sehr leid, Mom“, fügte sie noch leise hinzu.
Seufzend ließ ich meine Hände wieder von ihr ab, sodass sie wieder an meinen Seiten lagen.
Wieder einmal bemerkte ich, wie ähnlich mir meine Tochter doch war.
Und das nicht nur äußerlich.
Auch ich hatte früher immer wieder gerne die Schule geschwänzt, genauso wie ihr Vater.
War ja zu erwarten, dass sie ganz nach ihren Eltern kam.

„Und deswegen hat mich diese alte Hexe angerufen? Nur deswegen?“, fragte ich sie schließlich und umarmte sie vor Erleichterung noch ein weiteres Mal.
„Du weißt, dass ich das nicht gut finde“, flüsterte ich ihr ins Ohr, nachdem ich ihre Haare dahinter gesteckt hatte.
Ich konnte ihr Nicken an meiner Schulter spüren und hörte sie ein leises „Tut mir wirklich leid“ murmeln, woraufhin ich sie noch etwas fester in eine Umarmung schloss.
Nessie wusste, wie hart ich dafür arbeiten musste, dass sie diese Privatschule besuchen konnte.
Die Mount Carmel High School war zwar teuer, aber für meine Tochter war die beste Schule gerade gut genug.
Das Gute war, dass Nessies Vater sich nun auch an diesen immensen Kosten beteiligte.
Ich musste zwar trotzdem noch ein halbes Vermögen dafür aufbringen, aber es erleichterte mich ungemein.

Neben mir hörte ich ein leises Seufzen.
Verwirrt runzelte ich meine Stirn, denn ich hatte vorher niemanden hier bemerkt oder jemanden kommen hören.
Auf dieses Seufzen folgte ein Murmeln, welches in etwa so klang wie „Ich wünschte ich hätte so eine Mom“.
Ich wandte mich von meiner Tochter ab und erblickte ein hübsches junges Mädchen vor mir.
Mich überkam ein schlechtes Gewissen, als mir bewusst wurde, dass ich sie scheinbar ignoriert hatte und ich mich voll und ganz auf Nessie konzentriert hatte.
Das Mädchen war wirklich hübsch und hatte dieselbe zierliche Figur wie die meiner Tochter.
Ihre rotblonden Locken, fielen in sanften Wellen an ihren Schultern herab und betonten ihre grünen Augen nahezu perfekt.
Das musste Emily sein, Nessies beste Freundin.
Ich hatte sie leider noch nicht persönlich kennen lernen dürfen, aber Nessie erzählte mir viel von ihr.
„Du musst dann wohl Emily sein“, wandte ich mich nun auch ihr zu und lächelte sie an.
Ihre einzige Reaktion darauf war ein Nicken und mit einem schüchternen Lächeln reichte sie mir ihre Hand.
Diese Geste ignorierte ich jedoch vollkommen und zog sie, wie Nessie vorhin auch in meine Arme. Nur nicht ganz so stürmisch, wie es bei ihr der Fall gewesen war.

„Es freut mich dich endlich mal kennen zu lernen. Ich hab schon so viel von dir gehört. Nur Gutes, versteht sich“, richtete ich mich wieder an sie, als ich von ihr abließ.
In einem kleinen Dreieck standen wir uns nun in diesem riesigen Flur gegenüber.
Man könnte sagen, dass ich die Spitze des Dreiecks darstellte.
„Freut mich auch Sie mal kennen zu lernen, Miss Black.“
Schüchtern lächelte sie mich an.
Durch Nessie wusste ich allerdings, dass sie keineswegs schüchtern war.
Vielleicht hatte sie durch diese Aktion genauso ein schlechtes Gewissen, wie Nessie es auch hatte.
Vielleicht fürchtete sie sich ja auch davor, dass ich ihr die Schuld dafür geben würde, dass meine Tochter geschwänzt hatte.
„Nenn mich doch Bella. Als du vorhin ‚Wir’ gesagt hast, nehme ich mal stark an, dass du dich und Emily gemeint hast“, wieder richtete ich mich an mein Kind, die nur mit einem leichten Lächeln auf den Lippen vorsichtig nickte.
„Es ist meine Schuld. Ich hab sie irgendwie dazu überredet und…“ Mit einer Hand schnitt ich ihr das Wort ab.
„Du brauchst mir nichts zu erklären“, versuchte ich ihr zu verstehen zu geben, dass ich nicht sauer über ihre Schulschwänzerei war. Sauer war ich eher auf die Direktorin.
„Ihr seid Teenager und Teenies machen so etwas eben.“

Ich wollte nicht, dass sie sich um irgendetwas sorgte.
Sie war ein gutes Mädchen, das wusste ich durch Nessies vielen Erzählungen von ihr und hier und jetzt konnte ich mich selbst davon überzeugen.
„Aber wenn sich diese Sache häuft, müsst ihr mit Konsequenzen rechnen.“
Ich sah diese ganze Angelegenheit wirklich nicht sehr streng, schließlich brachte Nessie immer gute Noten mit nach Hause. Aber sie musste lernen, dass auch ich so etwas nicht dulden würde, wenn sich diese Geschichte öfter wiederholte.
Beschämt richteten beide ihren Blick nach unten.
„Wir haben uns früher jedenfalls nie erwischen lassen. Allerdings könnte es auch daran liegen, dass ich auf eine öffentliche Schule ging“, versuchte ich zu scherzen und stupste meiner Tochter mit dem Ellbogen in die Seite.
Sie achtete nicht auf ihr Gleichgewicht und fiel auf Emily, die es jedoch schaffte sich irgendwo fest zu halten, damit beide nicht die Bekanntschaft mit diesem glatt polierten Marmorboden machen mussten.
Diese Ungeschicklichkeit hatte Nessie eindeutig von mir geerbt.
Immerhin hatte ich es dadurch geschafft, dass die Stimmung doch noch etwas gehoben wurde und wir drei anfingen zu lachen.

Trotzdem unser Gelächter so laut war, konnte ich die lauten Fußtritte hören, die wieder durch die Flure hallten.
Anscheinend war es bei den Privatschulen normal, dass die Flure dermaßen hallten.
Sie sollten einem wohl imponieren, aber das taten sie nicht. Jedenfalls nicht bei mir, denn mich nervte es nur.
Musste das nicht besonders nervig sein, wenn hunderte von Schüler durch diese Flure gingen?
Ich konnte mich nicht daran erinnern, dass die Flure an meiner alten High School so gehallt hatten, aber diese Zeiten waren für mich ja auch schon fast 17 Jahre her.
Außer diesen lauten Schritten, die sich schon fast wie ein Stampfen anhörten, nahm ich noch eine sehr aufgebrachte Stimme wahr.
Emily, die sich von unserem Gelächter eben noch die Hand an ihrer Seite hielt, hielt plötzlich in ihrer Bewegung inne und ihr Gesicht erstarrte zu einer undurchdringlichen Maske.
„Na das kann ja heiter werden“, murmelte sie vor sich hin und verschränkte die Arme vor ihrer Brust - die typische Abwehrhaltung.
Nessie wusste anscheinend, warum sie so reagierte und drückte einmal ihren Oberarm so als ob sie ihr zeigen wollte, dass sie für sie da war.
Ja, die beiden waren wirklich sehr gute Freundinnen, das sah man ihnen an.
Schon im nächsten Augenblick kam eine Gestalt um die Ecke, aus der auch Nessie vorhin aufgetaucht war.
Es war ein Mann und er schien wirklich sehr aufgebracht zu sein.
Die lauten Schritte und diese aufgebrachte Stimme schienen also diesem Mann zu gehören, der in sein Telefon schimpfe, als ob es kein Morgen gäbe.
Stirnrunzelnd sah ich ihn mir genauer an.
Trotz der Entfernung, die jedoch auf Grund seiner schnellen und lauten Schritte immer kürzer wurden, schien er groß zu sein.
Seine hellbraunen Haare, die durch das Licht an der Decke rötlich schimmerten waren durcheinander, aber es schien irgendwie gewollt.
Der Anzug, den er trug war bestimmt so teuer wie die Kosten eines Semesters. Da brauchte ich gar nicht auf das Etikett zu gucken, das sah man einfach.

Da meine Tochter auf eine Privatschule ging und ich anscheinend die einzige Mutter hier war, die hart für ihr Geld arbeiten musste, erkannte man die Unterschiede zwischen Markenklamotten und … nun ja… meinen Klamotten sehr schnell.
Kurz bevor dieser uns erreichte, klappte er sein Handy so wütend zu, dass ich dachte, dass das Display im Inneren einen Schaden bekommen hätte, und steckte es in seine teure Hosentasche.
Er sah die ganze Zeit nur mit zusammengekniffenen Augen zu Emily herüber und sobald er bei uns ankam und somit unser kleines Dreieck zerstörte, fing er wieder an zu Brüllen, diesmal allerdings nicht ins Telefon, denn dieses Gebrüll richtete sich ganz allein auf die beste Freundin meiner Tochter.
„Emily Elizabeth Cullen, was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?“, fragte er sie aufgebracht und ich konnte mir dieses Szenario nur verwirrt angucken.
War das ihr Vater? Er benahm sich jedenfalls wie ein Vater. Oder besser gesagt, er benahm sich wie mein Vater als ich ihm erzählt hatte, dass ich schwanger war.
Er sah wirklich jung aus für einen Vater, vielleicht nur ein paar Jahre älter als ich.
Also war ich womöglich doch nicht der einzige Elternteil dieser Schule, der so früh ein Kind bekommen hatte.
„Dass ich Einspruch erhebe“, erwiderte Emily schroff und sah diesen Mann herausfordernd an. Ich verkniff mir dabei ein Lachen, denn ich persönlich fand Emilys Antwort ziemlich pfiffig.
„Komm mir nicht so, junges Fräulein! Wegen dir wurde ich aus einem wichtigen Meeting gerissen und ich hab noch tausende von Sachen auf meinem Schreibtisch liegen, die erledigt werden müssen. Also erzähl mir was du angestellt hast, dass mich deine Direktorin anruft“, fuhr er unbeirrt fort und ich konnte nicht fassen, was ich da gerade sah.
Wie ging er denn mit ihr um?
Natürlich hatten die beiden einen Fehler gemacht und auch wenn er ihr Vater war, gab es ihm nicht das Recht sie so anzubrüllen. Vor allem dann nicht, wenn er noch nicht wusste, was denn genau passiert war.
Sie hatten nur die Schule geschwänzt und nicht das Chemielabor in Brand gesetzt, so wie ich es beispielsweise mal getan hatte.
Ja, Schulschwänzen gehörte zu meinem kleinsten Vergehen.
Ich wollte gerade eingreifen, damit ich Emily etwas helfen konnte, als sein Gebrüll wieder in meinen Ohren hallte.

„Warum fabrizierst du überhaupt so einen Scheiß? Verdammt Emily!“
Na Hallo, ich hatte noch nie gehört, wie ein Mann in so einem teuren Anzug fluchte. Ich räusperte mich kurz, bevor ich mich in das Gespräch einmischte.
„Vielleicht sollten Sie Emily lieber erst Fragen was passiert ist, bevor Sie sie so anbrüllen“, wollte ich ihm in einem ruhigen Tonfall erklären.
Abrupt wandte er seinen Kopf in meine Richtung und ich zuckte aufgrund dieser hektischen Bewegung zusammen.
„Und Sie sind…?“, fragte er mich sogleich und seine Stimme klang immer noch genauso wütend, wie zuvor. Wobei ‚fragen’ eigentlich nicht das richtige Wort dafür war. Anbrüllen traf es eher.
Ich wollte gerade zu einer Antwort ansetzten, als ich auch schon Emilys Stimme hörte.
„Das ist Miss Black, Nessies Mutter“, antwortete sie ihrem Vater an meiner Stelle.
„Bella, das ist Edward, mein Vater“, wandte sie sich in einem viel freundlicheren Ton an mich.
Das Wort ‚Vater’ allerdings klang aus ihrem Mund eher wie ein Schimpfwort.
Da ich höflich sein wollte, streckte ich Mr. Cullen meine Hand entgegen, aber er schien diese Geste vollkommen zu ignorieren und sah mit zusammengekniffenen Augen zwischen meiner Tochter und Emily hin und her, bis sein Blick bei Emily haften blieb.

„Also, warum bin ich verdammt noch mal hier?“, forderte er seine Tochter wieder zu einer Antwort auf.
Ich bemerkte sofort, wie Emilys Haltung angespannter wurde und warf einen Seitenblick zu Nessie, die nervös auf ihrer Unterlippe kaute.
„Wir haben geschwänzt“, antwortete Emily ihrem Vater mit einem Schulterzucken.
„Geschwänzt? Sag mal spinnst du? Wegen deiner Dummheit verpasse ich jetzt einen Termin mit einem meiner wichtigsten Kunden“, brüllte er sie wieder an.
Er konnte doch nicht so mit seiner eigenen Tochter umgehen!
Natürlich hatte sie einen Fehler gemacht, aber er tat ja gerade so, als ob sie einen Mord begangen hätte.
Meine Güte, anscheinend hatte ich mich doch geirrt.
Er benahm sich nicht so wie mein Vater, als er von meiner Schwangerschaft erfuhr.
Nein, er benahm sich noch viel schlimmer!

„Hören Sie“, versuchte ich es wieder „So schlimm ist diese Geschichte nun auch nicht, schließlich ist ja niemand gestorben.“ Ich tat mein Bestes um meine Tonlage freundlich zu halten aber um ehrlich zu sein, fiel mir diese Sache im Moment schwerer als ich dachte.
Ich konnte nicht mit ansehen, wie er so mit seiner Tochter umsprang.
Mir tat Emily leid, auch wenn sie ihrem Vater ganz gut Paroli bieten konnte.
Wenn mein Vater immer so reagiert hätte wenn ich mal wieder Mist gebaut hatte, dann wäre ich ihm gegenüber wohl genauso trotzig wie Emily gewesen.
Wieder schnellte sein Kopf in meine Richtung, was mich diesmal allerdings nicht erschrak.
Ich sah ihm in die Augen und wollte wissen, ob es vielleicht nur elterliche Überfürsorge war die ihn so handeln ließ, oder ob er sich seiner Tochter gegenüber immer wie ein Arschloch benahm.
Mir wurde klar, dass Emily ihre Augenfarbe von ihrem Dad hatte. Das selbe Grün, welches mir wie Smaragde entgegenfunkelte.
Nicht, dass ich jemals in meinem Leben einen Smaragd gesehen hätte. Obwohl ich mir sicher war, dass einer der reichen Mütter dieser Schule bestimmt welche besaßen.
„Sie sind also die Mutter von dem Mädchen, die meine Tochter zum Schwänzen angestiftet hat?“, fuhr er mich barsch an und mein Gesichtsausdruck fiel in sich zusammen.

Wie bitte?
Hatte er sie noch alle!? Ging es ihm noch gut?
Wollte er gerade tatsächlich meine Kleine für etwas verantwortlich machen, was beide zu verschulden hatten?
„Angestiftet?“ Sofort verschränkte ich die Arme vor meiner Brust, ahmte somit Emilys Haltung nach und sah ihn ebenfalls mit zusammengekniffenen Augen an.
„Hören Sie mal, ich kann nicht bestreiten, dass meine Tochter auch etwas damit zu tun hat und sie ist weiß Gott auch kein Engel, aber zu so etwas gehören immer noch zwei. Und Ihr Verhalten macht die ganze Sache auch nicht besser!“
Ich wollte beinahe noch mit meinem Fuß auf dem Boden stampfen, wie ein kleines fünfjähriges Kind, aber dann dachte ich mir, dass ich so bestimmt nicht autoritärer gewirkt hätte.
Sein Blick wanderte an meinem Körper auf und ab und seine nächste Bemerkung lies auch nicht lange auf sich warten.
„Können Sie sich diese Schule überhaupt leisten?“, fragte er mich nach etwas längerem Schweigen und ich hielt angespannt die Luft an.
Fein, jetzt fing es also an spannend zu werden, indem er mich persönlich beleidigte.
Immerhin ließ er so Emily in Ruhe und das war doch schon mal etwas.
„Na hören Sie mal…!“ Ich ging schon einen Schritt auf ihn zu, als ich jedoch die Hand meiner Tochter an meinem Oberarm spürte, hielt ich inne.
Es entstand eine angespannte Stille und meine Augen verließen kein einziges Mal die grünen von Mr. Cullen.
Wie sehr wünschte ich mir in diesem Moment, dass ich mit meinen Augen Blitze auf ihn schießen könnte!

Wieder einmal hörte ich Schritte in diesem Flur hallen, diesmal waren es jedoch eindeutig weibliche.
Absätze, die mit dem Marmorfußboden Bekanntschaft machten und immer schneller und lauter wurden, je näher sie uns kamen.
Mr. Cullen und ich unterbrachen unser Blickduell kein einziges Mal, bis uns Emilys Stimme unterbrach.
„Hätte ich mir ja denken können, dass das Püppchen noch auftaucht“, konnte ich sie nur murmeln hören und Nessie stellte sich augenblicklich wieder an ihre Seite.
Die Stille um uns herum führte dazu, dass diese Schritte noch lauter in meinen Ohren hallten.
„Benimm dich, verdammt noch mal“, zischte Mr. Cullen seiner Tochter zu, ehe uns eine aufgetakelte Blondine erreicht hatte, die Emily sofort in ihre Arme schloss.
Diese jedoch lies ihre Hände an ihren Seiten und ballte diese zu Fäusten.
So fest, dass ihre Knöchel weiß hervortraten und wenn ich nicht vorher gesehen hätte, dass sie abgekaute Fingernägel hatte, dann würde ich Angst haben, dass sie sich diese ins eigene Fleisch rammte und ihre Handflächen zu bluten anfangen würden.
Es war kaum zu übersehen, wie sehr sie diese Blondine, die immer noch ihre Arme um sie schlang und Emilys Abneigung völlig ignorierte, zu hassen schien.
Ich wusste zwar nicht, welche Rolle sie in ihrem Leben spielte, aber anscheinend war sie in Emilys Augen nicht in ihrem Leben willkommen.

„Oh Schätzchen, ich habe mir ja solche Sorgen um dich gemacht“, fing diese Frau an zu reden, als sie von Emily wieder abließ und sich an Mr. Cullens Seite stellte.
Schätzchen?
Sie sah gerade mal ein paar Jahre älter als meine Tochter aus und benutzte das Wort Schätzchen?
„Mhm, das glaube ich dir sofort“, erwiderte Emily auf ihre Aussage und sah sie mit Abschaum in den Augen an.
Blondie schien es allerdings nicht viel auszumachen.
„Mom“, hörte ich die Stimme meiner Tochter leise sagen.
Es war das erste Mal seit Mr. Cullens Auftreten, dass ich wieder ihre Stimme hörte und ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder meinem Kind zu.
Neugierig blickte ich sie an.
Ich konnte die Sorge in ihren Augen erkennen. Sorgen um ihre beste Freundin, die zu Hause anscheinend kein leichtes Leben hatte.
Wenn ihr Vater sich hier schon so benahm, wie war er dann erst zu Hause?

Nessie und ich hatten eine gute Mutter – Tochter Beziehung, weshalb es mir auch so leicht fiel, ihre Bitte in ihren Augen abzulesen.
Ich sollte irgendetwas tun, um sie Spannung etwas aufzulockern.
Es war mir vorhin schon einmal gelungen, vielleicht würde es ja wieder funktionieren.
„Finden Sie nicht auch, dass diese hallenden Flure hier nervig sind?“, fragte ich Mr. Cullen und seine Begleitung die mich ansahen, als wäre ich geisteskrank.
„Oh Gott wie unhöflich von mir, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt“, fing Blondie wieder an zu reden und sah mich dabei mit einem falschen Lächeln an.
„Ich bin Carol-Ann Lewis, Edwards Verlobte und Emilys Stiefmutter.“ Kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, streckte sie mir ihre Hand entgegen, so wie ich es am Anfang bei Mr. Cullen getan hatte.
Stiefmutter?
Ich versuchte mich an das heutige Datum zu erinnern… nein, den ersten April hatten wir heute jedenfalls nicht.
Verwirrt starrte ich zu den beiden Teenagern und dann zu der Frau, die nicht viel älter sein musste als die beiden.
Anders als Mr. Cullen, ignorierte ich die Geste ihrer ausgestreckten Hand nicht, schüttelte sie jedoch nur sehr kurz.
„Das hätte sie gern“, sagte Emily wieder.

Ihr Vater schien dies auch nicht überhört zu haben und sah sie mit einem Blick an, der ihr wohl sagen sollte, dass sie sich gefälligst zu benehmen hatte.
Ich an Emilys Stelle, könnte das wohl auch nicht.
„Isabella Black, Vanessas Mutter“, machte ich mich mit der blonden Carol-Ann bekannt.
„Und Schuld daran, dass wir hier sind“, hörte ich den einzigen Mann in dieser Runde nuscheln.
Bitte? Hatte ich mich gerade verhört?
„Was sagten Sie gerade?“, fragte ich ihn auch sofort und wollte für ihn hoffen, dass ich mich wirklich bloß verhört hatte.
„Verdammt Edward, halt die Klappe!“
Diese Worte kamen doch tatsächlich aus Emilys Mund.
So sehr mich ihr Dad im Moment nervte, wünschte ich doch keinem Elternteil, dass das Kind einen beim Vornamen nannte.
„Ich sagte, dass Sie verdammt noch mal Schuld sind, dass wir hier sind“, schleuderte er mir auch schon seine Worte entgegen.
Okay, anscheinend hatte ich mich doch nicht verhört.
Was erlaubte sich dieser Mann eigentlich?
Nur weil er viel mehr Geld besaß als ich, hieß es noch lange nicht, dass er mit mir umgehen konnte wie er wollte.

„Seit Sie hier aufgekreuzt sind, gibt es nur noch Ärger, also kann es ja nur an Ihnen und Ihrer verdammten Erziehung liegen“, fuhr er mit seinen Beleidigungen fort.
„Sie geben mir also die Schuld? Haben Sie schon einmal bemerkt, wie Sie mit Ihrer eigenen Tochter umgehen, Sie… Sie..“ Wütend ging ich näher auf ihn zu und hob meinen Zeigefinger.
Dieser Mann hatte wirklich Nerven!
„Mom, komm schon“, hörte ich meine Tochter sagen, aber auch sie konnte mich jetzt nicht davon abbringen, diesem Arschloch die Meinung zu geigen.
Er konnte sagen so viel er wollte, konnte mich beleidigen bis er schwarz wurde, aber wenn es um die Erziehung ging, da sollte er sich selbst an die eigene Nase fassen.
Ich wusste, dass ich nicht die perfekte Mutter war.
Nein, das war ich keineswegs!
Aber ich unterstellte Leuten nicht, die ich nicht kannte, dass sie ihr Kind nicht richtig erzogen hätten.
Mr. Cullen sah mich abwartend und mal wieder mit zusammengekniffenen Augen an und als sich mein Zeigefinger auf seine Brust absetzten wollte und ich ihm meine Meinung geigen wollte, hörte ich hinter mir eine sehr vertraute Stimme.

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