Bella POV
In den letzten achtundvierzig Stunden hatte ich wohl die verschiedensten Gedankengänge und Emotionen erlebt, die man nur erleben konnte.
Ob es nur an der Schwangerschaft lag wusste ich nicht, doch als normal würde ich es auch nicht bezeichnen.
Ich hatte mich dazu entschlossen, zusammen mit Alice das Wellness Wochenende zu genießen und ich versuchte mir möglichst keine Gedanken zu machen, wie viel das alles gekostet haben mochte.
Natürlich blieb nicht aus, dass Alice mit mir ein Gespräch unter Frauen führen wollte, wobei es nicht wirklich bei nur einem einzigen Gespräch blieb und das Thema dabei war immer wieder dasselbe: Edward.
Sie konnte einfach nicht verstehen, warum ich ihn so sehr auf Abstand hielt. Niemand konnte das, doch war es wirklich so schwer zu verstehen, dass ich Angst hatte?
Angst davor, verletzt zu werden, wenn ich ihm eine weitere Chance geben würde.
Das Baby, unser Baby, hatte bisher nur dazu geführt, dass ich ihn wieder in mein Leben schloss. Ich ließ es zu, dass er wieder in meiner Nähe war und konnte mich mittlerweile sogar mit ihm unterhalten, ohne an diesen grauenvollen Schmerz zu denken, welcher nach unserer Trennung mein ständiger Begleiter gewesen war.
Seine Nähe war für mich erträglicher geworden, doch gleichzeitig stieg auch meine Sehnsucht nach ihm ins Unermessliche.
Ihn so oft in meiner Nähe zu haben, ohne ihn so zu berühren, wie wir es als Paar getan hatten, war seltsam.
Ich war so wütend…
Wütend, weil Edward unsere Zukunft aufs Spiel gesetzt hatte, weil er damals wegen Tanya so verwirrt war.
Wütend, weil Edward hätte wissen müssen, was ich für ihn empfinde.
Wütend, weil Edward wusste, was ich von einer Heirat hielt und er mir trotzdem diese eine wichtige Frage gestellt hatte, ohne meine Erklärung abzuwarten.
Wütend, weil alles so verlaufen war, wie es nun war.
Dabei wollte ich diese Wut gar nicht empfinden und in gewisser Weise war ich sogar froh, dass die verschiedenen Wellnessbehandlungen mir dabei halfen, etwas zu entspannen.
Doch diese Entspannung machte einer ganz anderen Emotion Platz: Trauer.
Ich war traurig, weil ich Edward nicht in meine Nähe lassen konnte, wann immer ich es wollte.
Traurig, weil ich mich durch die gegebenen Umstände nicht sofort auf meine Schwangerschaft freuen konnte, wie es in einer normalen Beziehung üblich gewesen wäre.
Traurig, weil ich niemanden an meiner Seite hatte, mit dem ich die verschiedenen Phasen meiner Schwangerschaft teilen konnte.
Traurig, weil ich ihn so sehr vermisste…
Alice war das ganze Wochenende über an meiner Seite gewesen, redete mit mir und versuchte mich davon zu überzeugen, dass ich die Dinge schlimmer sah, als sie waren.
Dass Edward mich lieben würde und so etwas nicht noch einmal geschehen würde.
Doch wer könnte mir das garantieren?
Ich wollte nicht, dass man mir das Herz brach. Nicht noch einmal und besonders nicht dann, wenn ich für ein kleines Wesen die Verantwortung haben würde.
Natürlich wäre es besser, wenn das Baby in einem stabilen Umfeld zur Welt kommen würde und wenn seine Eltern sich liebten… Doch die Liebe war dabei nicht das Problem.
Dass Edward mich immer noch liebte, war mir mittlerweile bewusst und meine Liebe zu ihm war nicht im Geringsten geschrumpft.
Doch was war eine Liebe ohne Vertrauen?
Vertrauen war die Basis einer Beziehung und ohne sie konnte man keine Partnerschaft Aufrecht erhalten.
Außerdem war dieser Vertrauensbruch nicht das einzige unserer Probleme gewesen…
Edward tat sich schwer damit, seine Emotionen zu verbergen, oder eher gesagt, er verwandelte all seine Gefühle in Wut um und das Ergebnis dabei war immer, dass er diese an mir ausließ und mich für Sachen anbrüllte, die ich nicht zu verantworten hatte.
Egal wie oft er sich danach auch immer bei mir entschuldigt hatte, es schmerzte einfach zu sehr.
Selbst wenn er Tanya nicht geküsst hätte, wäre unsere Beziehung spätestens dadurch irgendwann in die Brüche gegangen, denn niemand, der auch nur ein bisschen Selbstachtung hatte, würde sich solche Gefühlsausbrüche gefallen lassen, selbst wenn man diese Person so sehr liebte.
Es gab Frauen, denen war es egal, wie der Partner sie behandelte. Sie ließen es zu, dass man sie jeden Tag anschrie, ließen es zu, dass man sie schlug und wenn man eine dieser Frauen fragen würde, warum sie es zuließen und wieso sie nicht schon längst ihre Koffer gepackt hatten, antworteten sie immer „Ich liebe ihn einfach viel zu sehr“.
Doch was für eine Art von Liebe konnte das schon sein, wenn man sich vom eigenen Partner erniedrigen ließ? Bei den meisten Frauen war es wohl eher die Angst, wieder allein dazustehen, wenn man den Freund oder Ehemann verlassen würde.
Nein, von Liebe konnte da wirklich keine Rede mehr sein.
Vielleicht hatte man den Partner mal geliebt und natürlich sollte man auch die schlechten Eigenschaften des anderen akzeptieren, doch so etwas gehörte nicht dazu.
Selbst wenn es bei mir noch lange nicht so ausgeprägt war, wie bei anderen Frauen, schmerzte es mich trotzdem jedes Mal aufs Neue, wenn Edward seine Wut an mir ausgelassen hatte und mir für alles, was in seinem Leben schief ging, die Schuld zuwies.
Mehrmals hatte ich versucht ihm zu helfen, ihm beizustehen, doch letztendlich konnte man ja sehen, wohin das alles geführt hatte.
Doch ich konnte die ganze Schuld für das Ende unserer Beziehung nicht nur auf Edward abladen.
Auch ich hatte Fehler gemacht.
Jedes Mal, wenn ich mich ihm eigentlich hätte öffnen sollen, blockte ich ihn ab.
Nachdem ich elf lange Jahre lang jegliche romantische Gefühle ignoriert hatte, fiel es mir besonders schwer, diese wieder zuzulassen.
Edward war in dieser Hinsicht so anders als ich.
Für ihn waren diese Gefühle kein Problem. Ganz im Gegenteil sogar.
Er lebte sie aus.
Als er mir damals sagte, dass er mich lieben würde, war ich vollkommen überfordert, hatte Hals über Kopf meine Sachen gepackt, damit ich Zuhause nachdenken konnte.
Erst einige Wochen später hatte ich erkannt, wie sehr auch ich ihn schon liebte und kurze Zeit danach war ich bereit, ihm meine Gefühle zu offenbaren.
Vielleicht hatte er meine Gefühle für ihn schon vorher erkannt, vielleicht aber auch nicht.
Dasselbe war passiert, als er mich gefragt hatte, ob ich seine Frau werden wollte.
Ich war überfordert, besonders weil wir erst wenige Monate zusammen waren und wir nur wenige Wochen zuvor unsere Beziehung vor unserer Familie bekannt gegeben hatten und hinzu kam, dass er mich dann gefragt hatte, als wir eine Beziehungspause eingelegt hatten.
Es war ein Versuch gewesen, unsere Beziehung zu retten, doch das Ergebnis davon war das genaue Gegenteil.
Edward konnte meine Beweggründe einfach nicht verstehen und ich war nicht in der Lage gewesen, sie ihm zu erklären.
Nur aus diesem Grund fuhr ich zu ihm. Um ihm zu erklären, dass es nicht an ihm lag und dass ich ihn liebte, doch eine Ehe für mich keine Lösung war und dann… dann erwischte ich ihn mit Tanya und all meine Wünsche für die Zukunft lösten sich in diesem Moment in Luft auf.
Was ich nicht verstehen konnte war, wieso jeder in meiner Umgebung von mir verlangte, das Geschehene zu vergessen.
Ich konnte nicht einfach vergeben und so tun, als ob all das nie passiert wäre.
Konnte nicht so tun, als ob Edward und ich in unserer Beziehung nur auf rosa Wolken geschwebt wären.
Ebenso wenig konnte ich die Tatsache ignorieren, dass ich ihn trotz allem liebte.
Den guten Edward.
Den verantwortungsbewussten Edward.
Den liebenden Edward.
Den leidenschaftlichen Edward.
Den Edward, dem seine Familie, seine eigene Tochter, mehr bedeutete, als sein eigenes Leben.
Den Edward, der Temperament hatte, ihn jedoch unter Kontrolle halten konnte, ohne andere zu verletzen.
Den Edward, der nur deswegen so viel arbeitete, um seiner Tochter und allen anderen Personen, die er liebte, etwas bieten zu können.
Den Edward, der vergaß die Zahnpastatube zuzuschrauben.
Den Edward, der das Essen anbrennen ließ, weil er wegen unserem Date so nervös war.
Den Edward, der wusste, wie er mich überraschen konnte.
Den Edward, der mir jeden Tag aufs Neue seine Liebe bewies…
Doch wenn ich mir auch nur vorstellte, ihn irgendwann wieder als meinen Partner an meiner Seite zu haben, benötigte ich Zeit.
Nach unserer Trennung hatte ich versucht mit ihm abzuschließen, ihn aus meinem Herzen zu verbannen, doch es ging nicht und besonders jetzt war es einfach unmöglich, ihn zu verbannen.
Aber wollte ich das?
Wollte ich ihn wirklich aus meinem Herzen einfach löschen? Könnte ich das überhaupt?
Nein, dafür bedeutete er mir einfach zu viel.
Die ganze Situation überforderte mich und es war nicht gerade hilfreich, wenn jeder um mich herum versuchte auf mich einzureden.
Ihr liebt euch doch.
Ihr seid das perfekte Paar.
Ihr erwartet ein Baby.
Er hat einen Fehler gemacht, aber er bereut es.
Es war doch nur ein Kuss.
Ihr vermisst euch.
Gib ihm eine Chance.
Versuch es wenigstens.
Gib dir einen Ruck.
Verzeih ihm.
Du kannst deine Gefühle für ihn nicht einfach ignorieren.
Du wirst ihm nie vertrauen können, wenn du es nicht versuchst.
Du musst ihm zuhören.
Du musst ihn verstehen.
Denk an das Baby.
Denk an Nessie und Emily.
Du kannst ihn nicht ewig für etwas bestrafen, was er zutiefst bereut.
Wenn du ihm keine Chance gibst, wird er irgendwann aufgeben um dich zu kämpfen.
Zu lieben heißt auch, zu verzeihen.
Lass dir nicht zu viel Zeit.
Du bist verletzt, aber dein Verhalten verletzt auch ihn.
Hör auf, der Vergangenheit nachzutrauern. Blicke in die Zukunft.
Lerne, dir selbst zu vertrauen, dann kannst du auch ihm wieder vertrauen.
Ihr seid füreinander bestimmt. Eine Bestimmung wie diese kann man nicht einfach wegwerfen.
All diese Sätze und noch so viele mehr verfolgten mich schon seit Monaten.
Wie sollte ich da noch klar denken, wenn jeder, den ich kannte, versuchte auf mich einzureden?
Es waren meine Gefühle und es war allein meine Entscheidung, wie ich mit diesen umging.
Hatten sie überhaupt eine Ahnung davon, wie ich mich fühlte?
Wie sehr mich alles schmerzte?
Dachten sie etwa, ich wollte es so, wie es momentan war?
Dachten sie wirklich, dass ich mit den Umständen zufrieden wäre?
Wieso wollte niemand verstehen, wie schmerzhaft die Situation für mich war?
Wie gerne ich Edward wieder an meiner Seite hätte, ich ihm aber nicht vertrauen konnte?
Wie gerne ich Edward wieder an meiner Seite hätte, ich ihm aber nicht vertrauen konnte?
Und wie sollte ich dieses Vertrauen wieder aufbauen?
All diese Fragen häuften sich, seitdem ich erfahren hatte, dass Edward und ich ein Baby erwarteten.
Es war wie ein Teufelskreis, aus dem ich nicht wieder herausfand und ich hatte das Gefühl, als ob ich bald explodieren würde.
Vielleicht… Vielleicht war es nun an der Zeit, mit Edward zu reden. Zwar hatte er mir seine Sicht der Dinge erklärt und ich hatte ihn darum gebeten, mir Zeit zu geben, aber ich musste einfach mit ihm reden.
Er sollte wissen, wie ich mich fühlte. Er hatte ein Recht darauf.
Doch es gab eine Frage, die sich mir immer wieder aufdrängte: Würde ich auch wieder mit ihm reden, wenn ich nicht schwanger geworden wäre? Wäre ich irgendwann dazu in der Lage gewesen?
Es war schwierig, das zu sagen, doch mir war bewusst, dass ich darauf niemals eine Antwort bekommen würde.
Wichtig war, wie mein Leben jetzt verlief und welche Wendung es genommen hatte, dazu gehörte auch, dass meine Wut gegen Edward, oder wohl eher vor dem, was er getan hat, verflogen war. Sie war weniger präsent, dennoch gab es diese Momente, in denen dieser Zorn wieder zurückkehrte.
Wir alle machten Fehler, das gehörte einfach zum Leben dazu und ich musste einfach nur lernen, damit umzugehen.
Aus diesem Grund hatte ich mich dazu entschlossen, Edward noch am Sonntagabend - direkt nachdem ich vom Wellness Wochenende nach Hause gekommen war -anzurufen und ihn um ein Treffen zu bitten.
Ich wusste ja noch nicht einmal, was ich ihm genau sagen sollte, doch mittlerweile hatte ich es aufgegeben, mir vorher schon Gedanken über ein Gespräch zu machen.
Edward war verwirrt, als ich ihn fragte, ob wir uns am nächsten Tag nach der Arbeit in einem kleinen Café, direkt in der Nähe seines Arbeitsplatzes, treffen konnten.
Meist war da nicht viel los, aber ich wollte diese Unterhaltung weder bei ihm, noch bei mir führen, da ich dachte, oder wohl eher hoffte, dadurch die Fassung wahren zu können.
Tatsache war, dass ich noch immer schlecht schlafen konnte und auch meine Tränen waren noch lange nicht getrocknet.
Er fehlte mir, doch allein aus diesem Grund würde ich nicht wieder zu ihm zurückkehren, selbst wenn wir ein Kind erwarteten.
Aus den richtigen Gründen mit jemandem zusammen zu sein, konnte dennoch falsch sein. Man musste eine Verbindung zwischen zwei Personen fühlen und sie nicht argumentieren, denn genau das war es, was die Liebe ausmachte.
Als ich das Café erreichte, erblickte ich zuerst Edwards Wagen, welcher in unmittelbarer Nähe geparkt war.
Ich wusste nicht, ob ich überrascht sein sollte, dass Edward schon hier war.
Normalerweise arbeitete er immer länger als ich, was wohl daran lag, dass er in einer viel höheren Position arbeitete, als ich es jemals können würde, doch heute hatte er es wohl irgendwie geschafft, sich von seiner Arbeit früher zu befreien.
Meine Beine musste ich dazu zwingen, sich fortzubewegen und nicht schlapp zu machen.
Sie fühlten sich an wie Pudding und es nervte mich, dass mein Körper reagierte, als wenn ich sechzehn Jahre alt war und ich mich gleich mit meinem Schwarm traf, denn die Realität war eine ganz andere.
Ich war vierunddreißig Jahre alt und hatte meinen Ex-Freund, von dem ich schwanger war, darum gebeten, sich mit mir zu treffen. Warum zur Hölle fühlten sich meine Beine so an, als ob sie jeden Moment ihren Dienst verweigern würden?
Das Café erreichte ich ohne große Vorkommnisse. Ich stolperte nicht und kam nicht ins straucheln, war jedoch froh darüber, dass meine Beine sich mir nicht verweigerten.
Die große Glasfront des Cafés erstreckte sich über die ganze Vorderseite und verführte mich, einen Blick in das Innere hineinzuwerfen.
Sofort erblickte ich ihn.
Edward saß zwar im hinteren Teil, doch ihn würde ich wahrscheinlich selbst in einer riesigen Menschenmasse wieder finden.
Für einen Moment erlaubte ich mir, ihn zu beobachten.
Seine Haare waren wie üblich das reinste Chaos und standen wie wild von seinem Kopf ab. Die Hände hatte er um eine Tasse gelegt, was darauf hindeutete, dass er wohl schon länger dort saß und auf mich wartete.
Seit wann war er schon hier? Schließlich war ich selbst fast fünf Minuten zu früh dran.
Ich konnte erkennen, wie nervös er war. Sein Bein zuckte unter dem Tisch und er sah immer wieder zur Eingangstür, während er sich mit einer Hand durch die Haare fuhr und sie so nur noch mehr durcheinander brachte.
Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen als ich ihn so sah und nur für einen einzigen Moment nahm ich dieses Bild in mich auf, bevor ich das Café betrat und ihn von seinem Leid erlöste.
Sobald ich es betrat und das kleine Glockenspiel ertönte, welches über der Tür befestigt war, ruckte Edwards Kopf sofort in meine Richtung und ich erkannte, wie er erleichtert zu sein schien und lächelte.
Edward saß genau dort, wo wir auch sonst immer gesessen hatten, wenn wir früher hierher kamen. Dieser Ort hatte sich nach einer gewissen Zeit zu einem unserer liebsten Plätze entwickelt und wir hatten es immer genossen hier zu sitzen.
Dass ich diesen Ort vorgeschlagen hatte, fiel mir erst auf, nachdem ich unser Telefonat beendet hatte. Es war nicht absichtlich geschehen, rutschte einfach so aus mir heraus, als er gefragt hatte, wo wir uns denn treffen sollten.
Ich hoffte nur inständig, dass Edward sich keine allzu großen Gedanken machte, warum ich dieses Café ausgewählt hatte.
„Hallo Edward“, begrüßte ich ihn, als ich am Tisch angekommen war.
Edward sprang regelrecht von seinem Platz auf und wollte zu mir herüber gehen, achtete aber nicht auf seine Hand und stieß im nächsten Moment seine Kaffeetasse um, die mit einem lauten Klirren zu Boden fiel.
Etwas verwundert sah ich, wie der Kaffee sich auf dem gesamten Tisch ausbreitete und langsam auf den Boden tropfte.
„Ich… so ein Mist. Entschuldige“, murmelte Edward und schnappte sich eine Serviette.
„Das macht doch nichts.“
Ich hielt einen Moment inne und beobachtete ihn aufmerksam.
Mit gerunzelter Stirn und zittrigen Händen wischte er den Kaffee vom Tisch auf und entschuldigte sich bei der Kellnerin, die ihm aber sofort versicherte, dass es nicht so schlimm wäre.
Es war eindeutig nicht zu übersehen, dass Edward mehr als nur nervös war und ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen, während ich nach einer Serviette griff und ihm half, das Malheur zu beseitigen.
Wir kannten uns schon lange und dennoch war er jetzt so nervös, als wäre dies unser erstes Date, dabei wollte ich mich eigentlich nur mit ihm treffen, um über unsere Zukunft zu reden.
Ich hoffte wirklich, dass er es nicht irgendwie falsch aufgenommen und sich Hoffnungen machte, denn ich konnte weiß Gott nicht versprechen, dass ich es zuließ, wenn wir über uns sprechen würden.
Natürlich würde das auch noch etwas sein, über das wir reden mussten, aber ich war mir nicht sicher, ob ich heute schon bereit dazu war.
„Blöder Kaffee… Hat mir die Begrüßung versaut“, murmelte er leise vor sich hin, nachdem wir alles beseitigt hatten und ich lachte leise.
Leise seufzend wandte er sich schließlich zu mir und das mir bekannte Lächeln schlich sich auf sein Gesicht, jedoch war es dieses Mal ein wenig zurückhaltend, wenn nicht sogar vorsichtig.
„Hallo…“, sagte er schließlich, beugte sich zu mir und küsste meine Wange.
Ich erlaubte es mir für einen kurzen Moment meine Augen zu schließen und seinen wundervollen Duft einzuatmen, denn ich konnte einfach nicht anders.
Die Hormone machten mich in letzter Zeit verrückt, dass ich wahrscheinlich noch durchdrehen würde.
„Schön, dass du da bist“, flüsterte er mit leiser Stimme und ich erschauderte, als ich seine Nähe spürte.
Schnell, aber möglichst unauffällig, ging ich einen Schritt zurück und sah zu meinem Stuhl herüber.
Edward wäre nicht Edward, wenn er nicht sofort reagieren und mir den Stuhl zurecht schieben würde.
Ich bedankte mich mit einem Lächeln und ihn schien das für einen kurzen Moment zu verwirren, denn er stand immer noch dort neben mir, eine Hand an der Stuhllehne und sah mich aufmerksam und mit einer Spur Sehnsucht in den Augen an.
War es möglich, dass er mich vielleicht genauso sehr vermisste, wie ich ihn?
Mir entwich ein leises Seufzen, während ich Edward beobachtete, wie er gleich noch eine Tasse Kaffee für sich und einen Tee für mich – meinen Lieblingstee wohlgemerkt- bestellte und sich dann auf seinem Platz niederließ.
Nachdem wir einen Moment lang schwiegen und uns einfach nur ansahen bemerkte ich schnell, dass die Nervosität in Edward wieder anstieg.
Der Tisch wackelte, was wohl daran lag, dass er wieder unkontrolliert mit seinem Bein wippte und als ob er meine Vermutung bestätigen wollte, fuhr er sich mit einer Hand durch seine Haare und ließ diese so noch unordentlicher werden.
„Du weißt ja, dass ich mich gerne mit dir unterhalten wollte“, brach ich schließlich das Schweigen zwischen uns und Edward zuckte erschrocken zusammen.
Er war anscheinend so in seinen Gedanken gefangen gewesen, dass er nicht damit gerechnet hätte, dass ich etwas sagte, aber er sah sofort zu mir herüber.
„Ja…“, murmelte er vorsichtig und leise und ich lächelte, um ihn zumindest ein wenig zu beruhigen.
Edward sah wirklich so… hilflos aus und so kannte ich ihn nicht.
Automatisch wanderte meine Hand zu meinem Bauch, während ich darüber nachdachte, wie ich meine Gedanken am besten in Worte verpacken konnte.
„Ich hatte letztens ein Gespräch mit Jake…“, erklärte ich ihm schließlich und sah ihn an, um seine Reaktion darauf einschätzen zu können.
Edward rührte sich nicht einen Millimeter und ich fragte mich sogar, ob er überhaupt atmete, oder ob er gerade die Luft anhielt.
„Nun ja… Edward, ich habe es dir nicht gesagt, aber du bist nicht blöd und sicherlich weißt du ganz genau, dass es bei mir finanziell nicht gerade gut aussieht“, murmelte ich leise und schämte mich wirklich für diese Worte.
Ich war nur eine arme schwangere Frau, die sich einen reichen Typen gekrallt hatte, so oder so ähnlich würden sich wahrscheinlich gerade die anderen Mütter in der Schule das Maul über mich zerreißen.
Edward öffnete seinen Mund, um etwas darauf zu erwidern, doch ich schüttelte bittend meinen Kopf und sogleich schlossen sich seine Lippen wieder.
Ich war ihm dankbar, dass er mir einen Moment Zeit gab und nicht gleich weitersprach, denn ich wusste ganz genau, was er mir sagen würde.
„Aus diesem Grund habe ich dieses Gespräch mit Jake geführt… Ich... Nun ja, brauchte ein wenig Entlastung, denn das Baby wird bald da sein und das wird, wie du ja weißt eine Menge Geld kosten. Deswegen habe ich Jake gebeten, fürs Erste einmal Nessies Kosten zu übernehmen...“
Ich stoppte, als ich Edwards Gesichtsausdruck sah.
Er sah gekränkt aus und eine Spur traurig.
Am liebsten hätte ich ihm sofort die Sorgenfalten auf seiner Stirn geglättet, wollte ihm sagen, dass ich es schon irgendwie hinbekommen würde, aber stattdessen sah ich ihn einfach nur an.
„Du weißt, dass ich dir helfen würde… Das ich dir helfen kann“, versuchte er es, doch ich schüttelte sofort meinen Kopf.
Natürlich wusste ich, dass Edward mir helfen konnte. Er besaß Geld wie Heu und es machte ihm auch nichts aus, es auszugeben.
Wie oft hatten wir eine Diskussion geführt, wenn er mir etwas gekauft hatte, was in meinen Augen viel zu teuer war, aber so war Edward nun einmal.
„Ich weiß und das ist auch wirklich sehr nett von dir, aber du weißt, dass ich das nicht annehmen kann. Ich kann nicht von dir verlangen, dass du mein ganzes Leben finanzierst…“, murmelte ich leise uns senkte meinen Kopf, weil ich ihn in diesem Moment nicht mehr ansehen konnte.
Ich wusste ganz genau, was in seinem Blick geschrieben stand, denn wenn wir noch ein Paar wären, würde es diese Probleme nicht geben, aber es war nun einmal eine Tatsache, dass wir getrennt waren, auch wenn mich dieser Zustand derzeit erdrückte.
Jede einzelne Sekunde vermisste ich ihn und es wurde von Tag zu Tag stärker.
Lange könnte ich das sicherlich nicht mehr aushalten.
„Ja…“, murmelte er leise als Antwort und als ich meinen Blick wieder aufrichtete sah ich, wie er gedankenverloren mit seinen Fingern an seiner Tasse entlang strich.
„Aber du sollst wissen“, fing ich an und versuchte meine Stimme fest klingen zu lassen.
„Dass ich es dir natürlich nicht verweigere, dass du für unser Kind deinen Anteil zahlst. Ich weiß, ich war in letzter Zeit wirklich etwas… Nun... ich meine, dass ich mich in letzter Zeit etwas blöd verhalten habe und ich merke, dass du nicht weißt, was du tun kannst und was nicht, deswegen wollte ich dir das noch einmal klar machen.“
Ein Lächeln schlich sich auf Edwards Lippen, welches mich sofort ansteckte.
Er hatte ein wundervolles Lächeln, wenn es wirklich von Herzen kam und er steckte die Leute damit an. Man konnte nicht anders, als mit ihm zu lächeln und auch das war eine Eigenschaft an ihm, die ich wirklich sehr zu schätzen wusste.
„Aber tu mit den Gefallen und verwöhn unser Kind nicht zu sehr, ja?“, sagte ich mit einem leicht besorgten Gesichtsausdruck und er lachte leise.
„Ich werde es versuchen. Versprochen“, erklärte er mir lächelnd und ich seufzte.
„Danke.“
Wir schwiegen einen Moment lang und es war unmöglich, dass ich meinen Blick von seinem Gesicht abwenden konnte.
Sein Blick hatte etwas magisches, er hielt mich gefangen mit dem Grün seiner Augen und den ganzen Emotionen, die sich darin widerspiegelten.
Insgeheim überlegte ich, ob ich nicht jetzt vielleicht mit der Wahrheit rausrücken sollte.
Dass ich ihn vermisste, dass ohne ihn nichts mehr war wie vorher und dass ich das alles am liebsten vergessen und noch einmal neu anfangen würde, doch gerade als ich meinen Mund öffnete, um das Gespräch irgendwie zu beginnen, hörte ich den mir bekannten Klingelton, der direkt aus Edwards Richtung kam.
Er verkrampfte sich und ich war überrascht, dass er nicht sofort nach seinem Handy griff, denn es war eindeutig geschäftlich.
Das wusste ich aus dem Grund, dass Edward einen kleinen Tick hatte, was die Kontakte aus seinem Handy anging.
Für einige hatte er extra einen speziellen Klingelton, sodass er gleich wusste, wer sich da am anderen Ende meldete und ich hatte diesen Ton schon so oft gehört, dass ich wusste, dass es geschäftlich war.
Edward rührte sich nicht und ließ es einfach weiterklingeln, was mich dazu brachte, fragend eine Augenbraue hochzuziehen, doch er schüttelte nur mit dem Kopf.
Es war deutlich zu sehen, dass er jetzt noch ein wenig mehr aufgekratzt war und es störte mich nicht, dass dieser Anruf unser Gespräch unterbrach, denn Edward war nun einmal ein viel beschäftigter Mann.
Er hatte jahrelang hart für sein Geld gearbeitet und es war ihm sicherlich nicht in den Schoß gefallen.
Genauso hatte ich ihn auch kennen gelernt und ich musste mit dieser Tatsache leben.
Man musste ihm aber auch anerkennen, dass er trotz der vielen Zeit in der er arbeitete, sich früher immer auch Zeit für Emily und mich genommen hatte und das war das Bewundernswerte an ihm.
„Möchtest du nicht rangehen?“, fragte ich ihn schließlich verwundert, nachdem der Klingelton nach einer kurzen Pause erneut losging.
„Du wolltest gerade etwas sagen und außerdem sind wir heute hier um uns zu unterhalten“, gab er schulterzuckend zurück, doch an seiner Haltung konnte ich sehen, dass er dieses Gespräch schon annehmen wollte, wenn nicht sogar musste.
Ich seufzte und schüttelte lächelnd den Kopf.
„Nimm das Gespräch schon an, Edward. Ich bin nicht sauer deswegen. Ich weiß, dass du viel zu tun hast“, erklärte ich ihm und versuchte ihm mit meinem Blick klar zu machen, dass es mir wirklich nichts ausmachte, auch wenn ich dieses Gespräch gerne hier fortgeführt hätte, aber vielleicht war es besser, dass bei jemandem von uns zu Hause zu klären.
Außerdem hätte ich so noch ein wenig Zeit, mir Gedanken darüber zu machen, was ich ihm letztendlich sagen würde.
Edward warf mir einen entschuldigenden Blick zu und seufzte dann leise, während er das Handy aus seiner Hosentasche zog und es aufklappte, bevor er es an sein Ohr hielt.
„Cullen?“
Sofort konnte man sehen, wie er in den Business-Modus überwechselte.
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich, er wirkte konzentriert und ich gestattete mir, ihn dabei zu beobachten.
Als er meinen Blick bemerkte, schlich sich ein Lächeln auf seine Lippen und auch meine Mundwinkel zogen sich leicht nach oben.
Es war ein komisches Gefühl, dass sein Lächeln mich wieder so aus der Fassung brachte, aber ich mochte dieses Gefühl, das musste ich jetzt einfach zugeben.
„Er hat was gemacht? Die Statik falsch berechnet?“ Edward schnaubte und fuhr sich mit einer Hand durch seine Haare.
„Muss man denn alles selbst machen?“, brummte er leise vor sich hin und schien frustriert zu sein.
Ich war ein wenig besorgt, auch wenn ich nur eine ungefähre Ahnung hatte, worum es ging.
„Ja, ich komme vorbei und schaue es mir an. Zur Not werde ich es einfach machen“, sprach er weiter und murmelte noch einige Mhhhms und Ja’s, bevor er das Gespräch schließlich beendete.
„Du musst ins Büro, richtig?“ Ich legte fragend meinen Kopf schief und musterte ihn aufmerksam.
„Ja...“ Edward schien wirklich alles andere als erfreut über diese Tatsache zu sein, aber es ließ sich nun einmal nicht vermeiden.
„Bella, es tut mir wirklich leid, aber…“
Ich stoppte ihn, indem ich meine Hand mit einem Lächeln hochhob und er verstummte sofort.
„Ist schon okay. Wir holen den Rest des Gespräches einfach nach“, erklärte ich ihm und er seufzte.
„Das Gespräch hat ja leider nicht lange gedauert.“
„Nun ja, aber es war… schön dich zu sehen“, sagte ich leise und er sah mich einfach nur an und blinzelte einige Male, weil er sich wahrscheinlich nicht sicher war, ob ich das gerade wirklich gesagt hatte.
„Ähm… Ja... Es war auch schön, dich wieder zu sehen“, antwortete er schließlich lächelnd und erhob sich dann von seinem Stuhl.
„Hast du morgen schon etwas vor?“, fragte er mich vorsichtig und hielt inne, als er neben meinem Stuhl zum stehen kam.
„Nein, morgen klingt perfekt“, versicherte ich ihm mit einem Lächeln und er atmete erleichtert aus.
„Dann morgen also?“
Ich nickte und hielt automatisch die Luft an, als er sich zu mir beugte und sanft meine Wange küsste.
„Bis morgen, Edward.“ Meine Stimme war nur ein leises Flüstern, aber ich war mir sicher, dass er es gehört hatte.
„Und dann wird uns sicherlich niemand stören. Versprochen. Bis morgen, Bella“, erwiderte er mit einem Lächeln und wandte sich dann zum Gehen, auch wenn ich sehen konnte, dass es ihm schwer fiel.
Ja, auch ich konnte nicht leugnen, dass ich ihm meine wahren Gefühle schon bald offenbaren musste…
jaaaa sie hat es getan und ein neuer termin steht auch schon......solangsam muss ich baldrian nehmen um zu lesen....bitte lass beide keinen fehler machen...ich kann sie so schlecht leiden sehen und du bescfhreibst das toll....so richtig zum mitleiden.
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