Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Freitag, 15. April 2011

Kapitel 44 - Die Hoffnung stirbt zuletzt

Edward POV

„Edward, ich bin schwanger…“

Jetzt musste ich mich wirklich setzen.

Ihre Worte wiederholten sich ständig in meinem Kopf und dennoch fiel es mir in diesem Moment schwer zu begreifen, dass dies die Wirklichkeit war.
Bella würde sicherlich nicht scherzen, wenn es um so ein Thema ging, soviel stand fest.

Aber wir hatten doch immer verhütet, wie konnte das möglich sein?

Angestrengt dachte ich nach, rechnete in meinem Kopf zurück und richtete meinen Blick auf, als mir schließlich etwas auffiel.

Der Abend in St. Louis, bevor Tanya aufgetaucht war…

Das musste es gewesen sein und wenn ich jetzt zurückdachte, konnte ich mich auch nicht daran erinnern, dass wir beide wirklich vorgesorgt hatten.
Demnach müsste Bella jetzt schon im dritten Monat sein.

Aufgeregt blinzelte ich, während mir wirklich bewusst wurde, was sie mir hier gerade erklärt hatte.

Bella war schwanger….
Ich wurde erneut Vater…

So unglaublich das für mich in diesem Moment auch klang, mit jeder weiteren Sekunde verschwand der Schockzustand, in dem ich mich befunden hatte und machte der Freude platz.

„Du…Du bist schwanger…“, wiederholte ich ihre Worte noch einmal und sprang so schnell vom Sofa auf, dass Bella erschrocken zusammen zuckte.

Sie warf mir einen verwunderten Blick zu, denn anscheinend hatte sie nicht mit dieser Reaktion gerechnet.
Zumindest nicht so schnell, denn nur wenige Sekunden zuvor hatte ich mich gar nicht vom Fleck gerührt.

„Ja… Das sagte ich ja bereits…“, murmelte sie und begutachtete aufmerksam mein Gesicht.

Ich freute mich wirklich über diese Nachricht und hätte sie beinahe umarmt - ohne darüber nachzudenken - konnte mich aber im letzten Moment noch zusammenreißen.

Da war jedoch etwas, welches meine Aufmerksamkeit besonders in Anspruch nahm.

Bella wirkte nicht gerade glücklich…

„Freust du dich denn gar nicht…?“, fragte ich sie und meine Stimme hatte einen leicht traurigen Unterton.


Natürlich waren die Umstände nicht gerade die besten, aber dennoch trug sie ein neues Leben in sich.
Da gab es doch sicherlich etwas dabei, was sie glücklich machte und ich zweifelte stark daran, dass Bella dieses Kind nicht wollte.

So war Bella einfach nicht und so würde sie niemals sein.

„Schon… Aber es gibt so viele Dinge, an die ich denken muss…“, gestand sie mir schließlich nach einigen Sekunden der Stille und ließ sich dann seufzend auf der Couch nieder.

Einen Moment lang blieb ich an Ort und Stelle stehen, rührte mich nicht und sah zu Bella herüber, die sich verzweifelt durch ihre Haare fuhr.

Nach einigen Sekunden riskierte ich es schließlich, auf sie zuzugehen und mich zu ihr zu setzen.

Zu meinem Erstaunen protestierte sie nicht, oder rückte ein Stück von mir weg.
Sie blieb einfach ruhig neben mir sitzen und starrte auf den Boden.

„An was für Dinge denn?“, fragte ich vorsichtig und versuchte ihr in die Augen zu sehen, doch sie versteckte ihr Gesicht vor mir.

Ihre Haare fielen ihr ins Gesicht und meine Hand streckte sich schon automatisch in ihre Richtung, um diese aus ihrem Gesicht zu streichen, aber ich konnte mich im letzten Moment noch zurückhalten, auch wenn es schwer war.

Ich wollte mein Glück nicht noch mehr strapazieren, denn immerhin schien sie in diesem Moment bereit zu sein, sich mit mir zu unterhalten.

„Nessie… Ich habe jahrelang Geld für sie gespart, damit sie, falls sie kein Stipendium bekommt trotzdem zur Uni gehen kann, aber jetzt... ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie ich das alles alleine schaffen soll. Eine Zeit lang werde ich dann nicht arbeiten können und wenn ich wieder arbeiten gehe, dann weiß ich nicht, wie ich das mit einem Baby anstellen soll. Früher war das anders… da hatte ich Jake, aber jetzt…“

Bella klang wirklich unheimlich verzweifelt und es tat weh zu hören, dass sie mich gar nicht in ihre Zukunftsplanung mit einbezog, aber was konnte ich denn schon erwarten?
Ich hatte sie betrogen, hatte ihr Vertrauen mit den Füßen getreten und unsere Beziehung zerstört, auch wenn ich genau das niemals gewollt hatte.

„Und ich… und ich…“

Bella versuchte zu sprechen, doch ihre Stimme brach und das nächste, was ich hörte war ein leises Schluchzen.

Sie weinte…

Es brach mir das Herz, sie so verzweifelt und traurig zu sehen, dass ich sie in den Arm nehmen wollte, aber sie würde es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht wollen.

Schluchzend vergrub sie ihr Gesicht in ihren Händen und wandte sich ein Stück von mir ab.

Bella fluchte leise und es schien so, als wollte sie sich kontrollieren, aber es ging einfach nicht.

„Bella…?“, flüsterte ich leise, da ich ehrlich gesagt nicht wollte, dass sie wütend wurde, wenn ich sie jetzt ansprach, aber sie reagierte nicht.

Ihr leises Schluchzen zu hören machte mich regelrecht wahnsinnig, also streckte ich meine Hand nach ihr aus.

Ich wollte sie trösten, zumindest ein bisschen, aber ich war mir nicht sicher, ob sie es überhaupt zulassen würde.
Vorsichtig zog ich meine Hand wieder zurück, entschied mich dann aber doch dafür, meine Hand langsam auf ihre Schulter zu legen.

„Hey…“

Sie schluchzte auf, als sie mich etwas sagen hörte, also blieb ich erst einmal still und strich vorsichtig mit meiner Hand an ihrer Schulter entlang, um sie ein wenig zu trösten.

Es beruhigte mich, dass Bella es zuließ und sie mich nicht gleich anschrie.
Sie war nun einmal besser als ich, sie brüllte nicht gleich herum, so wie ich es immer getan hatte…

„Bella… Du bist nicht alleine, ich hoffe, dass weißt du… Du hast Vanessa, Jake und Emily und na ja… ich… ich... würde dich auch unterstützen, wenn du das zulassen würdest…“, erklärte ich ihr mit leiser Stimme und sie schüttelte leise schluchzend ihren Kopf.

„WEIßt DU EIGENTLICH, WIE VERDAMMT WEH ES TUT? ES TUT IMMER NOCH SO SEHR WEH, JEDEN VERDAMMTEN TAG!“, rief sie mir plötzlich entgegen.

Die Tränen liefen an ihren Wangen herab und die pure Trauer und Verzweiflung standen ihr ins Gesicht geschrieben.

Ich unterbrach sie nicht und versuchte auch nicht, mich zu verteidigen, sondern ich ließ es zu, dass sie mich anschrie.

Natürlich verdiente ich es und vielleicht war es auch das, was sie einmal brauchte.
Dass sie ihrer Wut freien Lauf ließ und dass sie dies der Person mitteilte, die für ihre Gefühlslage verantwortlich war.

„WIESO NUR? WIESO HAST DU MIR DAS ANGETAN? INTERESSIERT ES DICH DENN GAR NICHT, DASS DU MIR DAS HERZ GEBROCHEN HAST? DU ENTSCHULDIGST DICH DIE GANZE ZEIT, ABER DAS MACHT ES AUCH NICHT WIEDER GUT!“

Ihre Hände hatten sich zu Fäusten geballt und ich sagte auch nichts, als sie verzweifelt mit ihren Händen gegen meine Brust schlug.
Es tat nicht weh, aber es war fast unerträglich zu sehen, wie fertig sie war.

„WIESO HABE ICH MICH NUR AUF DICH EINGELASSEN?! ICH…ICH HÄTTE GLEICH WISSEN MÜSSEN, DASS ICH DIR NIEMALS GENUG SEIN WERDE... DASS... DASS... ICH…“

Ihre Worte kamen immer stockender und ich befürchtete, dass sie kurz davor war, zusammenzubrechen.

Bella wollte noch etwas sagen, doch stattdessen ließ sie ihre Hände an meiner Brust herab gleiten und ihr Kopf sank schluchzend nach unten.

„Bella…“

Meine Hände legten sich an ihre Schultern, ich wollte sie wieder beruhigen, auch wenn ich derjenige war, gegen den sich all ihre Wut richtete, aber sie musste sich wieder beruhigen.

„Sch...schon gut... Lass mich... Gib mir einen Moment…“, sagte sie und rückte ein Stück weg.

Langsam ließ ich von ihr ab und erhob mich vom Sofa, um ihr den nötigen Abstand zu geben, den sie brauchte.

Seufzend schlenderte ich zum Fenster herüber und warf einen Blick nach draußen.
Mein Garten sah so aus wie immer, der Rasen war gemäht und alles sah so aus, als wäre nie irgendetwas vorgefallen.

Nachdenklich fuhr ich mir mit beiden Händen durch die Haare und versuchte eine Lösung für unsere Situation zu finden.

Bella war schwanger.

Sie trug mein Kind unter ihrem Herzen und ich wollte, dass sowohl sie, als auch das Kind keine Sorgen haben müssten, aber gerade sah alles ganz anders aus.

Es war verständlich, dass Bella sich so viele Gedanken machte und ich wusste bereits jetzt, dass sie sich nicht so einfach von mir helfen lassen würde.

„Tut mir leid…“, hörte ich Bella schließlich nach einiger Zeit der Stille sagen und sie riss mich damit aus meinen Gedanken.

Seufzend drehte ich meinen Kopf in ihre Richtung, um zu sehen, wie es ihr gerade ging.

Sie weinte nicht mehr, was schon einmal gut war, und sie regte sich auch nicht mehr auf, aber dennoch konnte ich die Enttäuschung und die Traurigkeit in ihren Augen sehen.
Oft genug hatte ich mich für das, was ich ihr angetan hatte verflucht, doch gerade in diesem Moment war es am schlimmsten.

Ich hasste mich wirklich für das, was ich getan hatte.

„Du brauchst dich nicht dafür entschuldigen…“, entgegnete ich leise und wandte mich von dem Fenster ab, damit ich mich zu ihr drehen konnte.

„Doch schon. Ich wollte nicht so... reagieren“, sagte sie schnell und ich zwang mich dazu, nichts darauf zu erwidern, weil ich ganz genau wusste, dass Bella jetzt an dieser Meinung festhalten würde.

Etwas dagegen zu sagen, würde die Sache nur verschlimmern, also nahm ich ihre Entschuldigung - wenn auch gezwungener weise - an.

„Ähm… Du... Warst du schon beim Arzt?“, fragte ich sie vorsichtig, nachdem wir uns einige Sekunden einfach nur angesehen hatten.

Die Stille brachte mich beinahe um den Verstand und meine Gefühlslage schwankte noch immer zwischen glücklich und schuldbewusst.

Bella schüttelte den Kopf, bevor sie mir antwortete.

„Nein, aber ich wollte gleich morgen früh einen Termin machen.“

Unsicher fuhr ich mir durch meine Haare.

Es war für mich noch immer unglaublich, dass Bella wirklich schwanger war, aber sie würde es mir sicherlich auch erst dann sagen, wenn sie sich sicher war und ich zweifelte auch ganz bestimmt nicht an ihrer Glaubwürdigkeit.

Was mich jedoch an dieser Sache störte war, dass ich es anscheinend nicht fertig brachte eine ‚richtige’ Familie zu gründen.
Bella bekam ein Baby und dennoch würde ich nicht immer bei unserem Kind sein können.
Natürlich würde ich mich um das Kind kümmern, aber es wäre dennoch nicht das Gleiche.

Ich hatte wirkliche Pläne für die Zukunft mit Bella gehabt.
Ein Baby stand zwar auch auf meiner imaginären Liste, aber nicht zu dieser Zeit.
Doch ich war derjenige gewesen, der diese Pläne einfach zerstört hatte.

Das Leben war grausam.

Innerhalb von wenigen Sekunden konnte sich alles schlagartig ändern und genau so war es auch geschehen.

„Okay…Und hast du… Hast du es Nessie schon gesagt?“, wollte ich von ihr wissen und musterte aufmerksam ihre Gesichtzüge.

Den Blick hatte sie zu Boden gerichtet, während sie nervös an ihrem Pullover herum zupfte und dann den Kopf schüttelte.

„Nein, noch nicht aber ich wollte es nachher tun. Sie ist gerade noch unterwegs.“

„Denkst du, wir sollten es den beiden gemeinsam sagen?“, fragte ich vorsichtig und ging einen Schritt näher, auch wenn ich darauf bedacht war, den nötigen Abstand einzuhalten.

„Ich würde es besser finden, wenn wir es jeder für sich machen. Du erzählst es Emily und ich werde es Vanessa erzählen“, erklärte sie mir und ich sah, wie sie gleich wieder ein wenig nervöser wurde.

„Bella… Ich glaube wirklich, dass du dir nicht so einen großen Kopf machen musst. Nessie wird sich sicherlich darüber freuen.“

Ich zwang mir ein Lächeln auf und als sie mich ansah merkte ich schnell, dass es sogar ein echtes Lächeln war.

Bella war froh darüber, dass ich sie ein wenig beruhigte, das konnte man deutlich sehen, auch wenn sie es vielleicht nicht zugeben würde, doch mich machte diese Tatsache alleine schon glücklicher.

Nur wenige Sekunden später bemerkte ich, dass ihre Hand beinahe automatisch zu ihrem Bauch wanderte und sich ein kleines Lächeln auf ihren Lippen abzeichnete.

Dieser Anblick erfüllte mich voll und ganz mit Stolz.

Bald würde ich erneut Vater werden und schon bei Emily war ich unheimlich glücklich gewesen, auch wenn ich damals so jung gewesen war und eindeutig andere Pläne gehabt hatte, aber ich war stolz auf meine Tochter.

Insgeheim fragte ich mich, ob es ein Mädchen oder ein Junge werden würde, doch da müsste ich mich wohl noch ein wenig gedulden.

„Wie lange weißt du es schon?“

Ich riskierte es und ließ mich wieder neben ihr auf der Couch nieder.

Bella wandte mir ihr Gesicht zu und es sah so aus, als ließ sie sich das alles noch einmal durch den Kopf gehen.

„Ich habe es heute Mittag erfahren“, gestand sie mir und ein leiser Seufzer entwich ihren Lippen.

Ein wenig ungläubig sah ich sie an und blinzelte.

Sie hatte es erst heute erfahren und war dann gleich zu mir gefahren, um es mir zu sagen?

Ich war wirklich überrascht über diese Tatsache und Bellas Lächeln wurde ein wenig breiter, was mich nur noch mehr irritierte.

„Edward denkst du wirklich, dass ich es dir verheimlicht hätte? Für mich war es klar, dass ich es dir gleich sagen werde. Ehrlich gesagt hatte ich schon ein wenig Angst vor deiner Reaktion, aber da du es so gut aufgenommen hast, bin ich zumindest ein wenig beruhigt“, erklärte sie mir und ich erwachte so langsam wieder aus meiner Starre.

„Danke…“, war das erste Wort, welches mir dazu in den Sinn kam.

„Wieso bedankst du dich?“

Bella legte fragend ihren Kopf schief und ich lächelte.

„Einfach dafür, dass du es mir gesagt hast und du nicht darüber nachgedacht hast, ob du es mir überhaupt sagen sollst. Ich freue mich einfach und ich danke dir, dass du hier bist und mit mir redest.“

„Nun… Das... Das war doch selbstverständlich.“

Bella erhob sich von ihrem Platz und wirkte für einen kurzen Moment ein wenig unbeholfen, da sie anscheinend nicht so recht wusste, was sie mir jetzt sagen sollte.

„Ich sollte jetzt gehen“, erklärte sie mir schließlich und vermied es, mich anzusehen.

„Jetzt schon?“, fragte ich sofort und stand in Windeseile von der Couch auf.

„Ja… Ich möchte gerne da sein, wenn Nessie nach Hause kommt und es ihr dann sagen… Aber…“

Sie hielt einen Moment inne.

Bella hatte mir den Rücken zugewandt und atmete einmal tief ein, bevor sie sich zu mir wandte.

„Ich werde morgen zum Arzt gehen und mich dann bei dir melden…“

Ich sah es in ihren Augen, wie schwer es ihr fiel das zu sagen.

Auch wenn sie versuchte, ihre Wut und Enttäuschung zu überspielen, so konnte man es ihr doch ansehen, wie sehr sie diese Situation mitnahm.

Wie sehr hätte ich mir gewünscht, dass ich diesen Fehler nicht gemacht hätte…
Dass dies alles gar nicht passiert wäre und Bella und ich uns jetzt gemeinsam über unser Baby freuen würden, aber leider war die Begeisterung ein wenig gedämpft.

Wie gerne hätte ich einfach nur ihre Hand genommen, hätte sie geküsst und umarmt und ihr gesagt, wie glücklich ich über diese Nachricht war, aber stattdessen hielt ich mich zurück.

„Okay…“, sagte ich stattdessen nur und stand ein wenig unbeholfen neben ihr, bevor ich sie bis zur Haustür begleitete.

Die nächste Frage, die mich quälte war, wie ich mich wieder von ihr verabschieden sollte.

Normalerweise war es immer ein Kuss gewesen, aber jetzt sollte ich wohl besser noch nicht einmal daran denken.

Ich könnte es riskieren, sie zu umarmen doch ich wusste schon jetzt, dass sich Bella dann unwohl fühlen würde.

Ein Händeschütteln wäre viel zu kurios, dafür kannten wir uns einfach viel zu gut, also beschränkte ich mich auf die einzige Variante, die mir noch blieb.

„Dann… Bis Bald, Bella…“, sagte ich mit leiser Stimme und hielt ihr die Tür auf.

Ich hörte sie leise neben mir seufzen und sie richtete ihren Blick auf, um mich anzusehen.

„Wenn wir telefonieren, können wir noch einmal besprechen, wann wir uns wieder sehen. Es gibt da ja noch so einige Dinge zu klären“, murmelte sie leise und ich nickte.

Mir war es weit aus mehr als nur recht, wenn ich sie noch einmal wieder sehen würde und die Chance bekam, ein weiteres Gespräch mit ihr führen zu können.

„Gut…“

Ich konnte nicht anders, als sie anzusehen.

Auch wenn sie ein wenig müde und bedrückt aussah, so war sie doch immer noch die schönste Frau für mich.

Bella wich meinem Blick schnell aus und ehe ich mich versah, verschwand sie auch schon mit einem leisen ‚Bis bald’ aus meinem Haus.

Einen Moment lang sah ich ihr noch hinterher, bevor ich seufzend die Tür hinter mir schloss.

Mein Weg führte mich zurück ins Wohnzimmer und ich fuhr mit beiden Händen durch meine Haare.

Ich hatte vielleicht mit vielem gerechnet, aber nicht mit der Tatsache, dass ich bald wieder Vater werden würde.
Wahrscheinlich würde ich es erst richtig registrieren, wenn Bella beim Arzt war und sie mir das Ultraschallbild zeigen würde.
Ich hoffte, dass ich auch eines bekommen würde, aber das würde ich schon bald herausfinden.

Mein Blick fiel aus dem Fenster und ich sah Bella, wie sie zu ihrem uralten VW herüber lief.

Noch immer bereitete es mir jedes Mal aufs Neue Sorgen, wenn sie in diesen wandelnden Schrotthaufen einstieg und losfuhr, aber Bella war nun einmal viel zu stolz, als dass sie es zugelassen hätte, dass ich ihr ein Auto schenken würde.

Für mich wäre es kein Problem gewesen.

Geld hatte ich genügend und doch hatte sie mir immer wieder böse Blicke zugeworfen, als ich ihr diesen Vorschlag gemacht hatte.

Meine Hand legte sich an den Fensterrahmen und ich beobachtete sie dabei, wie sie gerade verzweifelt versuchte, das Türschloss ihres Wagens aufzubekommen.

Einige Monate zuvor an einem frühen Sonntagmorgen, hatte ich mich nach draußen geschlichen und das Türschloss so gut es mir möglich war wieder repariert, aber so wie es aussah, war bei dem Ding wirklich nicht mehr viel zu retten.
Ich wusste noch ganz genau, dass sie sich damals gefreut hatte, auch wenn sie es nicht gerne hatte, wenn ich an ihrem Auto herumfummelte, aber als sie am Abend das Türschloss öffnen wollte und es auch gleich beim ersten Mal klappte, hatte sich ihr Gesichtsausdruck gleich verändert und ein strahlendes Lächeln hatte sich auf ihrem wunderschönen Gesicht gezeigt.
Das war es mir alle Mal wert gewesen und ich würde es auch immer wieder tun.

Ich würde alles für sie tun, das stand vollkommen außer Frage.

Bella gab es für einen kurzen Moment auf, an ihrem Türschloss zu rütteln und schloss ihre Augen.
Sie sah nicht einmal wütend aus, was mich ziemlich verwunderte, denn normalerweise trieb sie dieses Türschloss regelmäßig in den Wahnsinn.

Dann, als sich ihre Augen langsam wieder öffneten, sah sie mich an.

Ihr Blick hielt mich gefangen, ich wagte es nicht wegzusehen und ich blinzelte noch nicht einmal, weil ihr Blick etwas ganz besonderes hatte.

Zum ersten Mal seit so langer Zeit sah sie mich wirklich wieder an und ich konnte sogar einen kleinen Funken Hoffnung in ihren schokoladenbraunen Augen erkennen.

Genau das war der Augenblick in dem mir klar wurde, dass ich jetzt handeln musste.

Ich wollte nicht länger Trübsaal blasen, mich in Selbstmitleid suhlen und mich und die Welt verfluchen.

Nein!

Ich wollte sie wieder zurückgewinnen und mir war es verdammt noch mal egal wie lange es dauern würde.

Selbst wenn es zehn Jahre dauerte, ich würde nicht aufgeben, denn ihr Blick sagte mir einfach, dass es noch Hoffnung gab.
Dass sie mich tief im Inneren immer noch liebte, auch wenn sie mich für das, was ich getan hatte hasste, aber ich würde es wieder gut machen.
Für uns und für unser gemeinsames Baby.

Bella blinzelte einige Male und schüttelte fast unmerklich den Kopf, als versuchte sie sich wieder selbst in die Realität zu befördern.

Als sich ihre Hand diesmal an das Türschloss legte, ging diese sofort auf und sie kniff ungläubig ihre Augenbrauen zusammen, was mir sogleich ein kleines Lachen entlockte und dieses Lachen war echt.

Ich war verwundert, dass sich mein Lachen so fremd anhörte, aber es sollte mich auch nicht wundern, denn immerhin erinnerte ich mich noch nicht einmal mehr genau daran, wann ich das letzte Mal gelacht hatte.

Bella stieg in ihren ‚Wagen’ ein und bevor sie losfuhr bemerkte ich, wie sie noch einen kurzen Blick in den Rückspiegel warf.

Alles sah für mich plötzlich ganz anders aus.

Etwas sagte mir, dass es noch Hoffnung gab und ich würde diesen kleinen Hoffnungsschimmer auch nutzen.

Die nächste Frage, die mir durch den Kopf ging war, wie Emily wohl diese Nachricht aufnehmen würde.
Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis sie wieder nach Hause kam und ich war entschlossen, ihr diese Nachricht gleich mitzuteilen.

Als ich das Wohnzimmer verließ, um in die Küche zu gehen und ich dabei einen kurzen Blick in den Spiegel, der im Flur hang, warf, blieb ich stehen.

Mein derzeitiges Spiegelbild passte nicht mehr zu meiner derzeitigen Stimmung und erst jetzt wurde mir bewusst, wie fertig ich wirklich war.

In den letzten Wochen hatte ich in versucht mich in die Arbeit zu stürzen, aber schon nach einigen Tagen wurde mir klar, dass es keinen Sinn hatte, da ich mich absolut nicht konzentrieren konnte, also hatte ich mir wohl oder übel einige Tage frei genommen.

Dementsprechend sah ich jetzt auch aus.

Meine Schlaflosigkeit zeichnete sich in Form von dunklen Augenringen ab und rasiert hatte ich mich auch schon seit einigen Tagen nicht mehr.

Ich beschloss, das schnellstmöglich zu ändern und verschwand in das große Badezimmer im ersten Stock.

Nachdem ich unter die Dusche gesprungen und mit dem Rasieren fertig war, warf ich noch einmal einen Blick in den Spiegel.

Es hatte jetzt einfach keinen Sinn mehr, Trübsaal zu blasen, ich musste richtig aktiv werden und das hier war doch schon einmal der erste kleine Schritt in die richtige Richtung.

Ich musste wieder leben und Bella beweisen, dass ich es wirklich ernst meinte.

Als wäre es abgesprochen gewesen, hörte ich nur wenige Sekunden später, wie die Haustür aufgeschlossen wurde.

„Dad, ich bin wieder da!“, hörte ich Emily rufen.

Es waren auch noch andere Stimmen zu hören, die ich jedoch nicht so richtig einordnen konnte.

Mit schnellen Schritten verließ ich das Bad und stürmte beinahe schon zu schnell die Treppe herunter.

„Heeey, man kann dein Gesicht wieder sehen!“, bemerkte Emily als erstes und lachte leise, als sie meinen leicht irritieren Blick sah.

„Steht dir viel besser. Weißt du, der Holzfäller Look ist nicht so wirklich bei Frauen beliebt“, erklärte sie mir und streckte mir demonstrativ die Zunge heraus, bevor sie ihre Arme nach mir ausstreckte und mich mit einem Kuss auf die Wange begrüßte.

„Hey mein Schatz“, begrüßte ich sie lächelnd und Emily musterte mit einem kritischen Gesichtsausdruck mein Gesicht.

„Ich würde ja fragen, ob du im Lotto gewonnen hast, aber wir sind nicht gerade arm, also würde das nicht dieses Grinsen in deinem Gesicht erklären.“

Emilys Augen blieben weiterhin kritisch auf mich gerichtet, während ich sah, wie Daniel den Raum betrat.
Er war wie immer ein wenig zurückhaltend, versuchte wahrscheinlich meine Reaktionen auf ihn abzuschätzen, doch seit diesem einen Abend hatte ich begriffen, dass er meine Tochter wirklich glücklich machte, also wieso sollte ich noch etwas dagegen haben?

„Hallo Daniel“, begrüßte ich ihn lächelnd und wenige Sekunden später legte sich Emilys Hand an meine Stirn, was mich erst recht verwirrte.

„Hey Mr. Cullen“, grüßte er mich zurück und lachte, als er zu seiner Freundin herüber sah.

„Fieber hast du nicht.“

„Emily, lass das“, murmelte ich seufzend und sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust.

Verwundert richtete ich meinen Blick auf, als zwei weitere Personen mein Wohnzimmer betraten, bis mir plötzlich wieder einfiel, dass meine Eltern mich ja heute nach langer Zeit mal wieder besuchen wollten.
So wie ich meine Mutter kannte, bemerkte sie auch sogleich, dass ich es vollkommen vergessen hatte.

„Du solltest dich etwas schämen“, hörte ich Esme sagen, aber dennoch trug sie ihr bezauberndes Lächeln auf den Lippen, während sie mich begrüßte.

„Hey Mom. Hey Dad.“

„Endlich sieht man wieder dein Gesicht“, sagte meine Mutter und ich seufzte leise.

Wie lange müsste ich mir diese Worte jetzt noch anhören, aber um ehrlich zu sein, hatten sie ja auch recht.

„Dad, erzählst du mir jetzt, was los war und warum du plötzlich den Robotermodus ausgeschaltet hast? Ich meine, ich freue mich ja, aber irgendetwas muss doch passiert sein“, sagte Emily sofort und warf mir einen ungeduldigen Blick zu.

Wenn sie etwas wissen wollte, dann am liebsten sofort, aber ich konnte nicht direkt mit der Tür ins Haus fallen.

„Vielleicht solltet ihr euch erst einmal setzen, ich mache euch einen Kaffee“, erklärte ich meinen Gästen und deutete auf die Couch.

„Man, Dad!“, beschwerte Emily sich und folgte mir sofort in die Küche.

„Los, jetzt sag schon!“

Emily blieb mir dicht auf den Fersen und ich kannte sie so gut, dass sie nicht locker lassen würde, bis ich ihr die Wahrheit sagen würde.

„Emily…“

„Ich will es aber jetzt wissen! Irgendetwas Tolles ist passiert und tolle Nachrichten hört man immer gerne. Alsoooo?“

Sie legte fragend ihren Kopf schief und strahlte mich vorfreudig lächelnd an.

Seufzend stellte ich die Kaffeetasse in meiner Hand zur Seite und sah zu meiner Tochter herüber.

Ihr Lächeln steckte mich an und ich warf einen kurzen Blick aus dem Fenster, bevor ich zu sprechen begann.

„Bella war heute hier bei mir.“

Emily öffnete ihren Mund und sie wollte schon drauflos plappern aber ich schüttelte den Kopf.

„Nein, es ist nicht was du denkst.“

„Ach Scheiße“, murmelte Emily frustriert und ich konnte nicht anders, als leise über ihren schmollenden Gesichtsausdruck zu lachen.

„Was ist es dann?“, wollte sie wieder von mir wissen und runzelte ihre Stirn.

„Also…“, fing ich an und atmete einmal tief durch.

„Bella war bei mir um mir etwas zu sagen.“

„Das sagtest du bereits. Dad, komm schon! Mach es doch nicht so spannend.“

Emily bewegte sich unruhig von einer Stelle zur anderen und ich fragte mich ernsthaft, woher sie das hatte.

„Bella... Also sie ist… Bella ist schwanger“, brachte ich es schließlich zustande, diesen Satz zu beenden und Emily klappte augenblicklich der Mund auf.

Einige Zeit lang war es still, nur die Nebengeräusche und das Gespräch aus dem Wohnzimmer war zu hören und ich machte mir so langsam schon Sorgen, dass Emily doch nicht so ganz von dieser Neuigkeit begeistert sein würde.

„VERARSCH MICH DOCH NICHT!“, rief sie laut aus und zuckte aufgrund ihrer Lautstärke zusammen.

„Emily!“, hörte ich meine Mutter mit tadelnder Stimme aus dem Wohnzimmer sagen.

„Wirklich?“, sagte Emily sofort etwas leiser und ich sah, wie sich ihr überraschter Gesichtsausdruck in ein strahlendes Lächeln verwandelte.

Ich nickte bestätigend und schon wenige Sekunden später, quietschte Emily vergnügt auf und sprang mir um den Hals, womit ich überhaupt nicht gerechnet hätte.

„Das ist ja großartig!!“

Emily drückte mich so feste wie sie nur konnte und diese Bärenkräfte konnte sie wohl nur von ihrem Onkel geerbt haben.

„Du freust dich also?“, fragte ich noch einmal, nachdem Emily mich wieder freigegeben hatte und ich warf ihr einen prüfenden Blick zu.

„Und wie ich mich freue! Das ist klasse! Ich kriege tatsächlich einen kleinen Bruder oder eine kleine Schwester!!“

Sie kicherte zufrieden und umarmte mich noch einmal.

Ich wusste, dass es Emily ein wenig mitnahm, dass sie ihren Halbbruder noch nicht gesehen hatte, aber das Kind konnte ja nichts dafür, dass seine Mutter so eine grausame Frau war und vielleicht würde Emily ja doch noch einmal die Chance bekommen.

„Außerdem werde ich es wieder gut machen… Meine Fehler…“, erklärte ich ihr leise und Emilys Lächeln wurde breiter, da sie sich genau das so sehr gewünscht hatte.

„Dad, das ist toll! Wirklich! Und ich glaube wirklich, dass dir Bella auch verzeihen wird… Sie wird ihre Zeit brauchen und dich auch so manchmal abweisen, aber du darfst nicht aufgeben, ja? Tu es für unsere Familie…“, sagte sie und ich war wirklich stolz, dass sie uns alle schon als eine Familie ansah.

Uns allen hatte es sehr wehgetan zu sehen, wie diese Familie zerbrach aber jetzt schien es so langsam wieder bergauf zu gehen.

„Und tu es für meinen kleinen Bruder oder meine kleine Schwester!“

Ich nickte lächelnd. Das strahlende Gesicht meiner Tochter gab mir noch ein bisschen mehr Hoffnung, denn sie glaubte an die Liebe zwischen Bella und mir.

Genauso wie auch ich daran glaubte.

Wir konnten es schaffen und wir würden es auch schaffen und einer Sache war ich mir besonders sicher:

Ich würde niemals aufgeben. 

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