Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Freitag, 8. April 2011

Kapitel 43 - Ein- und Ausatmen

Bella POV

Seit zwei Monaten war mein Leben zur Routine geworden.  

Morgens stand ich auf, noch bevor mein Wecker zum Einsatz kommen konnte, ging zur Arbeit und kam völlig erschöpft wieder nach Hause.

Ich strengte mich wirklich an, dass mein Leben wieder in geregelten Bahnen verlief, doch es war nicht möglich.

Jedenfalls nicht im Moment.

Als Edward mich vor wenigen Wochen anrief, hätte ich ihn am liebsten ignoriert, und trotzdem wollte ich ihn anschreien, für das, was er mir angetan hatte.
Was er uns angetan hatte, und damit meinte ich nicht nur Edward und mich.

Sowohl Nessie, als auch Emily litten unter unserer Situation und es tat mir furchtbar leid, dass wir ihnen das Ganze zumuten mussten.

Es war eben doch ein Fehler gewesen, mich auf Edward Cullen einzulassen.  

Die Freundschaft zwischen Nessie und Emily hatte zwar nicht unter unserer Entscheidung leiden müssen, dennoch tat die Situation beiden weh.

Sobald Edward mir am Telefon gesagt hatte, dass er nur wegen Emily anrief, wurde ich aufmerksam und sobald er den Namen Tanya auch nur erwähnte, schlich sich in meinem Kopf diese eine Szene, die sich vor zwei Monaten abgespielt hatte, und ich wurde wütend.

Noch wütender wurde ich, als er mir erzählte, was sich zwischen Emily und Tanya abgespielt hatte.
Diese Frau war wirklich noch herzloser, als ich es jemals für möglich gehalten hätte.

Wie konnte eine Frau, eine Mutter, nur solche Sachen zum eigenen Kind sagen?
Zum eigenen Fleisch und Blut, welches man neun Monate in sich getragen hatte?

Und wie konnte Edward diese Frau nur küssen?
Wie hat er ihr jemals auch nur ein Wort glauben können?
Der Frau, die ihn und Emily im Stich gelassen hatte?
Die zugelassen hatte, dass die eigene Tochter ohne Mutter aufwuchs?

Also machte ich mich sofort auf den Weg zum Cullen-Anwesen und da ich nicht die Nerven besaß, zu klingeln und darauf zu warten, dass mir jemand die Tür öffnete, benutzte ich den Zweitschlüssel, den ich bis zu diesem Zeitpunkt immer noch besessen hatte.  

Es schmerzte mich, Emily so verletzlich zu sehen und als sie mich dann auch noch darauf ansprach, dass wir uns schon länger nicht mehr gesehen hatten, plagte mich das schlechte Gewissen.

Ich wollte nicht meine Beziehung zu Emily verlieren.

Die Kleine lag mir sehr am Herzen und ich fühlte mich für sie verantwortlich, doch als ich sie so sah und mit ihr sprach wurde mir erst richtig bewusst, wie sehr ich mich doch zurückgezogen hatte und das versuchte ich in den letzten Wochen zu ändern.

Edward den Zweitschlüssel wiederzugeben war genau die richtige Entscheidung gewesen.

Es war der erste Schritt, mit diesem Thema vollkommen abzuschließen und ihn aus meinem Leben zu verbannen, doch ich wollte mich anstrengen, dass das Gleiche nicht auch mit Emily passieren würde.
Sie sollte wissen, dass sie immer zu mir kommen konnte, egal wie die Sache zwischen mir und ihrem Dad ausgegangen war.  

Ich musste an den Moment zurückdenken, als Nessie Jacob darum gebeten hatte, uns einen Besuch abzustatten.

Der Tag, nachdem ich vor den Augen meiner Tochter zusammengebrochen war…
Der Tag, an dem es zwischen Edward und mir ein Ende genommen hatte…

Nessie hatte ihrem Dad am Telefon nicht gesagt, warum er kommen sollte, diese Aufgabe hatte sie mir überlassen, worüber ich mehr oder weniger froh war.
Hätte Nessie ihm am Telefon über die neuesten Ereignisse in Kenntnis gesetzt, war ich mir sicher, dass er erst zu Edward gefahren wäre um ihm seine Meinung zu sagen, bevor er irgendwann bei uns aufgetaucht wäre.

Jacob war ein sehr temperamentvoller Mensch und er hasste es, wenn die Menschen, die er liebte, verletzt wurden.
Er rastete regelrecht aus und war schon kurz davor zu Edward zu fahren um ihm auf seine eigene Art und Weise zu zeigen, wie es sich denn anfühlte, verletzt zu werden, doch ich war froh darüber, dass ich ihn daran hindern konnte.
Wie ich es geschafft hatte, war mir rätselhaft, doch irgendetwas an meinem Anblick oder an meinen Worten ließ Jake wieder zu Sinnen kommen.

Natürlich hatte Jake von mir verlangt, ihm zu erzählen, was genau vorgefallen war. 
Von meiner frühen Rückkehr aus St. Louis bis zu dem Tag, als die Beziehung zwischen Edward und mir ein Ende fand.
Grob hatte ich versucht, die letzten Ereignisse zusammenzufassen, ohne zu sehr ins Detail zu gehen, denn ich ahnte, wenn ich dies täte, würden meine Tränen wieder kommen und der Verlust in meinem Herzen, meiner Seele, würde wieder meine Gefühlsregungen kontrollieren.

Doch so sehr ich mich auch bemüht hatte, konnte ich mich irgendwann nicht mehr zurückhalten und weinte mich an Jakes Schulter aus.

Ungern erinnerte ich mich an diese Zeit zurück, an der ich sowohl vor meiner Tochter, als auch vor meinem Ex-Ehemann die Fassung verloren hatte, doch Nessie und Jake waren die Menschen in meinen Leben, die mir den nötigen Halt gaben und auch Emily zählte ich mittlerweile dazu.

Es war schon schwer genug, mein jetziges Leben ohne Edward weiterzuführen, doch wenn ich meine Familie nicht hätte, die Säulen, die es schafften, mich aufrecht zu halten und mir den nötigen Halt gaben, könnte ich nicht leben.  


Genauso schwierig wäre die Vorstellung davon, mit jemandem zusammenzuarbeiten, dessen Name nicht Alice Brandon war.  

Jeder andere Chef hätte mich vermutlich schon gefeuert, auch wenn ich mir wirklich die allergrößte Mühe gab, mich auf der Arbeit zu konzentrieren, aber meine Gedanken schweiften so oft ab, dass ich oft nicht einmal merkte, wenn ein Kunde mich ansprach.

Mein riesiges Glück war, dass meine Chefin sich im Laufe der Zeit zu einer sehr guten Freundin von mir entwickelt hatte und ich hoffte sehr, dass unsere Freundschaft noch lange halten würde.

Natürlich hatte ich auch Alice über die neuesten Umstände in meinem Leben informiert.

Sie hatte sofort gemerkt, dass etwas nicht stimmte und dass meine Stimmung noch schlimmer geworden war als die, die ich schon vorher mit mir herumgetragen hatte, also blieb mir nichts anderes übrig, als auch Alice noch in einer ruhigen Minute davon zu berichten, dass ich wieder Single war.

„Erde an Bella!“, holte mich Alice’ Stimme in die Gegenwart zurück und wedelte mit ihrer kleinen Hand vor meinem Gesicht herum.

Wenn ich jedes Mal einen Penny kriegen würde, immer wenn sie das in den letzten zwei Monaten gemacht hatte, könnte ich mir davon locker ein neues Auto leisten und vielleicht sogar ein Haus davon kaufen.  

„Hast du noch eine von diesen Tabletten für mich, oder nicht?“, fragte sie und sah mich bittend aus ihren himmelblauen Augen an.

„Tabletten?“, hakte ich verwirrt nach, da ich wirklich nicht wusste, wovon sie gerade sprach.

„Du weißt schon. Diese guten, pflanzlichen, gegen Menstruationsbeschwerden“, erklärte sie mir und endlich verstand ich, wovon sie gerade gesprochen hatte, während ich wieder in den Tiefen meiner Gedanken versunken war.

„Öhm…ich denke schon“, antwortete ich ihr, immer noch leicht verwirrt, weil ich so plötzlich aus meinen Gedanken gerissen worden war.

Irgendwann musste das doch mal aufhören, oder?

Ich konnte doch nicht ständig an diese Zeit zurück denken, sondern sollte endlich damit anfangen, mein Leben fortzuführen.  

Es würde mir nicht weiterhelfen, ständig in Gedanken zu sein und dabei die Welt um mich herum zu vergessen.

Nein, das war alles andere als hilfreich!  

Die Tabletten, von denen Alice eben gesprochen hatte, müssten sich in meiner Handtasche befinden, diese hatte ich jedoch im hinteren Teil des Ladens verstaut, so wie ich es immer tat, weshalb ich mich also auf den Weg dorthin machte um meiner Freundin, hoffentlich, bei ihren Unterleibsschmerzen behilflich sein zu können.  

Alice hatte Glück, dass sich noch welche in meine Tasche befanden, allerdings war ich mir nicht mehr sicher, wie viele ich noch hatte und ob ich vielleicht noch zur Apotheke fahren musste, um neue zu besorgen, doch als ich die Schachtel öffnete sah ich, dass sie noch so gut wie voll war.

Erst dachte ich mir nichts dabei, doch dann…

„Scheiße“, flüsterte ich leise und weitete vor Schreck meine Augen.

„Oh nein. Nein…“, sagte ich nun etwas lauter und ließ bei dieser Erkenntnis die Packung auf den Boden fallen.

Wie lange hatte ich diese Tabletten schon nicht mehr gebraucht?
Oder anders gefragt: Wie lange hatte ich schon meine Periode nicht mehr gehabt, sodass diese Tabletten völlig unnötig für mich geworden waren?

Angestrengt versuchte ich darüber nachzudenken, doch in Anbetracht dessen, was mir vor wenigen Sekunden bewusst geworden war, war es ziemlich schwierig sich zu konzentrieren.  

Zwei Monate… und genau in dieser Zeit hatte ich nicht ein einziges Mal meine Periode bekommen.

Hinzu kam noch, dass ich mich morgens öfter übergeben musste.

Nicht jeden Morgen, ansonsten wäre es mir vielleicht sogar aufgefallen, aber an manchen Tagen kam es vor, dass ich aufwachte und so schnell wie möglich zur Toilette eilte.
Allerdings hatte ich geglaubt, dass diese Übelkeit auf meine Albträume zurückzuführen war, welche mich Nacht für Nacht heimsuchten.

Oh mein Gott und dann noch die Tomaten!

Hätte mir das nicht bewusst werden müssen, als ich plötzlich die Lust dazu verspürte, Tomaten zu essen?

Ich hasste Tomaten, so wie Nessie es gesagt hatte und es gab nur eine Zeit in meinem Leben, an der ich Tomaten ganz und gar nicht verabscheut hatte.
Zu dieser Zeit war ich mit Nessie schwanger gewesen…

Oh Gott, nein!

Das durfte einfach nicht sein!

Nicht jetzt und ganz besonders nicht unter diesen Umständen!

Okay, Bella… bleib ganz ruhig’, versuchte ich mir in Gedanken Mut zuzusprechen und atmete einige Male ein und aus.

„Hast du sie entdeckt?“, hörte ich plötzlich Alice’ Stimme und ihr schwarzer Haarschopf erschien an der Tür.

„Was? Ach so, ja!“

Benommen schüttelte ich meinen Kopf, versuchte meine Gedanken zu vertreiben und mir nichts anmerken zu lassen, was schwieriger war, als ich zugeben wollte, doch ich durfte jetzt keine Panikattacke kriegen.

Nicht, bevor ich mir nicht absolut sicher war.  

„Alice? Ist es okay, wenn ich früher Feierabend mache? Ich muss da noch etwas… erledigen“, wandte ich mich an meine Chefin, nachdem ich die Packung vom Boden aufgehoben hatte und sie ihr reichte.  

Ich hoffte sehr, dass ich nach außen hin ruhig und gelassen wirkte, doch in meinem Inneren herrschte das reinste Chaos.

Nur durch reine Willenskraft schaffte ich es, mich irgendwie zusammenzureißen, um nicht zu hyperventilieren.

„Geht es dir gut?“, erwiderte sie nur auf meine Bitte und legte ihre Stirn in Falten.  

„Ja… klar. Mir ist da nur gerade was eingefallen. Also, ist das möglich?“, stellte ich ihr erneut die Frage und versuchte mich davon abzuhalten, nicht nervös mit meinen Fingern herumzuspielen.

„Sicher. Du hast sowieso schon zu viele Überstunden, da sollte es kein Problem sein, wenn du ein paar Stunden vorher Feierabend machst“, sprach sie die erlösenden Worte aus, woraufhin ich sie dankbar anlächelte.

Schnell griff ich nach meiner Jacke, verzichtete allerdings darauf, mir diese anzuziehen und griff hastig nach meiner Tasche.

Ich brauchte einfach Gewissheit, am besten sofort!

„Danke, Ali“, verabschiedete ich mich noch von ihr, gab ihr einen Kuss auf die Wange und hastete so schnell wie ich konnte zu meinem Auto.

Dass mein Türschloss wieder einmal klemmen musste, machte mich rasend, was nur dazu führte, dass ich immer stärker daran rüttelte, es aber überhaupt nicht half.   

Verdammtes Ding!

Für einen kurzen Moment ließ ich den Schlüssel wieder los und versuchte mich zu beruhigen, indem ich wieder ein und aus atmete.
Es half zwar nicht lange, doch für diesen Moment war es durchaus hilfreich.

Als ich das nächste Mal am Schloss rüttelte, bekam ich die Tür endlich auf, stieg in meinen Wagen und fuhr los, allerdings nicht ohne mich vorher anzuschnallen.

So schnell, wie es die Verkehrsregeln erlaubten, fuhr ich in den nächsten Drogeriemarkt.
Wenn die Straßen frei waren, gab ich etwas Gas, allerdings nicht so sehr, dass ich dafür hätte angehalten werden müssen.
Das konnte ich mir beim besten Willen nicht leisten, erst recht nicht dann, wenn ich wirklich… schwanger sein sollte.

Da ich in der Nähe des Drogeriemarktes keinen Parkplatz finden konnte, wurde ich dazu gezwungen, weiter weg zu parken, wodurch ich ein ganzes Stück laufen musste.

Nur aus dem Augenwinkel konnte ich erkennen, wie mir die anderen Passanten argwöhnisch hinterher blickten, als ich schnell an ihnen vorbei lief, doch das war mir herzlich egal.
Für mich war es nur wichtig, so schnell, wie meine Beine mich tragen konnten, die Drogerie zu erreichen, damit ich dann umso schneller nach Hause fahren konnte.

Ich hatte Glück, dass der Laden nicht allzu voll war und ich, ohne die menschlichen Hindernisse, problemlos in die Abteilung gelangte, die ich suchte.

Nie würde ich es verstehen, warum die Schwangerschaftstests in der Nähe der Kondome lagen.

Als ich die riesige Auswahl an Tests begutachtete, welche in diesem Geschäft angeboten wurde, seufzte ich frustriert auf.
Noch gut konnte ich mich daran erinnern, dass es vor siebzehn Jahren, als ich noch mit Nessie schwanger war, keine so große Auswahl gab.

Was unterschied den einen von dem anderen?
  
Doch anstatt mir die Rückseite jeder Verpackung genauestens durchzulesen, griff ich nach vier verschiedenen Marken, ohne dabei auf den Preis zu achten, und stürmte zur Kasse.

Wie viel Geld hatte ich überhaupt dabei?  

Freundlich lächelte mich die Verkäuferin an, doch als sie sah, was ich auf das Fließband gelegt hatte, wandelte sich ihre Freundlichkeit in etwas anderes um, was ich nicht genau definieren konnte.

Mitleid? Verständnis? Mitgefühl?

Beim besten Willen, ich konnte ihren Gesichtsausdruck nicht definieren, und um ehrlich zu sein interessierte es mich auch gar nicht.
Sie sollte einfach nur schnell die Preise einscannen und mich bezahlen lassen, damit ich schnell von hier verschwinden konnte.  

Sobald sie endlich damit fertig war und sie mir den Preis nannte, den sie für diese Tests verlangte, musste ich erst einmal schlucken.
Die Dinger waren teurer, als ich gedacht hatte.
Das hatte ich nun davon, wenn ich in all der Eile die Preise einfach ignorierte.

Als ich feststellte, dass mein Bargeld nicht ausreichte, musste ich wohl oder übel mit meiner Karte zahlen, was nur noch mehr Zeit in Anspruch nahm, doch mir blieb keine andere Wahl.  

Nachdem auch das endlich erledigt war, lief ich mit der Tüte, in der ich die Tests eingepackt hatte, wieder zurück zu meinem Auto.

Immerhin meinte es das Autoschloss diesmal gut mit mir und entriegelte sich schon nach dem zweiten Mal rütteln.

Während der ganzen Fahrt nach Hause sandte ich ein Stoßgebet nach dem anderen in den Himmel, dass die Tests alle negativ ausfallen würden.

Ich konnte einfach nicht schwanger sein!

Edward und ich hatten doch immer verhütet, wie hätte das also passieren sollen?

Andererseits gab es schon genug Anzeichen dafür, die dafür sprachen, dass ich schwanger war… aber wie sollte ich das dann alles meistern?  

Ich beschloss, dass ich mich erst einmal lieber aufs Autofahren konzentrieren und die Tests machen sollte, sobald ich Zuhause angekommen war, bevor ich mir noch weiter Gedanken machen würde.

Die Hoffnung, dass alles bloß ein Missverständnis war und dass mein Instinkt mich täuschte, gab ich nicht auf.


Als ob das Universum mir einen Streich spielen wollte, wurde jede einzelne Ampel immer dann rot, wenn ich nicht mehr weit davon entfernt war, sodass ich noch genügend Spielraum hatte, um zu bremsen.

Es kam mir wirklich so vor, als ob ich mindestens schon drei Stunden mit meinem Wagen durch Chicago fuhr, um zu meiner Wohnung zu gelangen, dabei konnte nicht mehr als eine halbe Stunde vergangen sein, als ich endlich Zuhause angekommen war.

Man konnte von Glück reden, dass ich einen Parkplatz direkt vor der Haustür bekommen hatte.

Nachdem ich also nach meiner Tasche und der Tüte griff, schloss ich mein Auto ab und machte mich schnell auf den Weg in mein trautes Heim.

Der Ort, an dem ich in ein paar Minuten schon wissen würde, inwiefern ich mit meinen Vermutungen richtig lag oder nicht.

Nessie war noch in der Schule, doch es würde bestimmt nicht lange dauern, bis sie wieder Zuhause war, also musste ich mich beeilen, noch bevor sie merken würde, was vor sich ging. Sie würde bestimmt schon misstrauisch werden, wenn sie sah, dass ich vor ihr Zuhause war, doch darum würde ich mich kümmern, wenn es soweit war.

Ich wollte meine Tochter zwar nicht belügen, doch es reichte schon, dass ich mir die ganze Zeit über Gedanken machte und Glück hatte, dass ich nicht schon längst vor lauter Panik und Aufregung in Ohnmacht gefallen war.  

Die Wohnung kam mir irgendwie so anders vor, als ich sie betrat.

Optisch hatte sich nichts verändert, alles stand noch an seinem Platz, und doch war das Gefühl anders.

Doch was war es?  

In diesem Moment fühlte ich mich nicht heimisch.
Nicht so, wie es sonst immer der Fall war, wenn ich nach Hause kam.

Über zwei Monate lang hatte ich nichts mehr um mich herum wahrgenommen, hatte meine eigene Routine entwickelt und jeden Tag auf dieselbe Art und Weise verbracht.

Lag es also vielleicht daran, dass ich nun etwas tun musste, was nicht in mein routiniertes Leben hineinpasste?  

Schnell lief ich zum Badezimmer, allerdings blieb ich vor der Tür stehen und atmete ein letztes Mal tief ein und aus.

Du schaffst das, versuchte ich mir wieder einzureden, griff nach der Türklinke und betrat den Raum.

Auch hier sah es aus wie immer, genau wie in der gesamten Wohnung auch.

Der einzige Unterschied war der, dass die Angst Besitz von mir ergriff.
Dass ich in diesem Raum in den nächsten Minuten auf ein Stäbchen pinkeln würde, eher gesagt auf vier Stäbchen, nur um danach zu erfahren, ob ich tatsächlich schwanger war, oder nicht.

Wenn ich es war, würde sich mein ganzes Leben ändern.

Ich müsste aufhören zu arbeiten, dabei war das Geld doch sowieso schon so knapp und ich sparte immer noch für Nessies Studium, doch jetzt blieb mir wirklich zu hoffen, dass sie ein Stipendium an der Uni bekommen würde, wo sie auch wirklich studieren wollte.

Es war sogar möglich, dass ich für Nessie und mich dann eine neue Bleibe suchen musste, eine günstigere Wohnung, was allerdings zur Folge haben würde, dass wir noch weniger Platz hatten.

Doch das Schlimmste war: Ich müsste ihm wieder unter die Augen treten.

Ich müsste Edward sagen, dass ich schwanger war, dass er Vater werden würde, doch wie in Gottes Namen sollte ich das schaffen?

Zwei Monate war es her, dass wir uns getrennt hatten und es waren etwa drei Wochen vergangen, als ich ihn zum letzten Mal gesehen und ihm den Schlüssel zurückgegeben hatte.

Ein Baby war ein kleines Wunder, ein winziges Etwas, was uns ein Leben lang aneinander binden würde und ich wusste nicht, ob ich wirklich so stark war, wie ich sonst immer dachte, diese Bürde auf mich zu nehmen.

Doch es bestand keinen Zweifel: Wenn ich es war, musste ich es ihm sagen.

Bevor ich mich noch weiter in meinen Gedanken verlieren konnte, griff ich in die Tüte und holte den ersten Test heraus.

Zu sagen, ich war nervös, wäre untertrieben.

Meine Hände zitterten, meine Augenlider zuckten, ich hatte schwitzige Hände und mein Herz raste, als ob ich gerade einen Marathon laufen würde.

Unwillkürlich musste ich an die Zeit denken, als ich bei meiner ersten Schwangerschaft einen Test gemacht hatte.

War ich da genauso nervös und ängstlich? 

Die Umstände waren anders, schließlich war ich damals noch so jung, hatte keinen High School Abschluss und konnte somit auch nicht auf ein College gehen.
Meinen Eltern und Jake von meiner Schwangerschaft in Kenntnis zu setzen war eines der schwersten Dinge, die ich jemals tun musste.
Umso erleichterter war ich gewesen, als mich jeder von ihnen unterstütze, nachdem der erste Schock vorüber war.

Doch jetzt…

Ich war ja noch nicht einmal mehr mit dem Kindsvater zusammen…

Damals hätte ich nicht gewusst, was ich ohne Jake getan hätte.
Sowohl während, als auch nach meiner Schwangerschaft hatte er sich immer so liebevoll um mich gekümmert, dass ich gar nicht daran denken wollte, wie es gewesen wäre, wenn er sich, wie die meisten jungen Väter, seiner Verantwortung entzogen hätte.

Doch die Vergangenheit konnte ich nicht mit der Gegenwart vergleichen.

Ich hatte einen Job und meine Tochter war zu einer wunderschönen jungen Frau herangewachsen.
In etwa einem Jahr würde sie sogar auf ein College gehen und anfangen, ihr eigenes Leben zu leben, was mir, allein bei dem Gedanken, jetzt schon das Herz brach.
Dass sie bald nicht mehr immer um mich herum sein würde, dass sie ihre Mutter nicht mehr brauchte, war kein schöner Gedanke.

Und trotzdem gab es eine Gemeinsamkeit zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Ich hatte verdammte Angst vor dem Ergebnis und davor, wie mein Leben weiter verlaufen würde, wenn der Test positiv ausfiel.

So schnell wie möglich hatte ich versucht, die Tests hinter mich zu bringen.

Die Gewissheit hatte über meine Angst gesiegt, doch jetzt hieß es warten, dabei war ich nun wirklich nicht der geduldigste Mensch.

Damit ich auch wusste, wann genau diese Warterei ein Ende hatte, fischte ich mein Handy aus meiner Hosentasche und starrte die ganze Zeit auf die Uhrenanzeige.

Immer wieder, wenn der Bildschirmschoner anging hoffte ich, dass die Uhrzeit sich geändert hatte, dass eine weitere Minute vergangen war, in der ich dem Ergebnis näher kam, doch die Zeit schien nur dahin zu schleichen.  

Anfangs hatte ich mich noch auf den Toilettensitz gesetzt, doch ich konnte es nicht mehr aushalten, einfach nur zu sitzen und lief schließlich durch mein Badezimmer.
Es war so klein, dass mir schnell schwindelig wurde, da ich immer wieder nach kürzester Zeit umdrehen musste, doch ich ignorierte es und hoffte einfach nur, dass die Zeit so schneller vorüber ging.

Die Tests lagen auf der Waschmaschine, wo ich vorher noch eine dicke Schicht an Toilettenpapier ausgebreitet hatte.
Sie schienen mich zu verhöhnen, immer wieder wenn ich in deren Richtung sah, weshalb ich versuchte, diese Ecke des Badezimmers zu vermeiden, solange die Zeit noch nicht rum war.

Die Warterei schien kein Ende nehmen zu wollen.  

Mein Handy hatte ich immer griffbereit in meiner Hand, drückte immer auf irgendwelche Knöpfe, damit der Bildschirmschoner nicht ansprang, bis ich dann endlich, nach gefühlten Stunden, die Uhrzeit sah, auf die ich solange gewartet hatte.

Gerade, als ich mich umdrehen und zu den Tests laufen wollte, hielt ich in meiner Bewegung inne.

Würden alle Tests positiv ausfallen, würde sich mein Leben drastisch verändern.

Wenn die Tests allerdings negativ ausfallen würden, wäre ich dann erleichtert?

Natürlich hatte ich das Bedürfnis, irgendwann noch mal ein Kind zu bekommen, aber jetzt wäre wirklich der denkbar schlechteste Zeitpunkt, den es nur geben könnte.

Zum ungefähr zehntausendsten Mal an diesem Tag versuchte ich meine Gedanken zu ordnen, indem ich in Ruhe ein und ausatmete.

Du schaffst es, versuchte ich mir Mut zu machen.

Du musst dich nur umdrehen und dann kannst du entscheiden, wie dein nächster Schritt aussieht.

Es würde nichts bringen, mir andauernd Gedanken über mögliche Situationen zu machen.
Nicht, bevor ich das Ergebnis nicht kannte.

Langsam drehte ich mich um und lief sehr langsam auf die Waschmaschine zu.
Je näher ich ihr kam, desto schneller schlug mein Herz.

Sobald ich direkt davor stand, schloss ich noch ein letztes Mal meine Augen, atmete tief durch und griff, sobald ich meine Augen wieder geöffnet hatte, nach der ersten Packung und griff nach der Packungsbeilage um zu erfahren, welches Ergebnis bedeuten würde, dass ich schwanger wäre, oder nicht.  

Lange las ich es mir genau durch, verglich es mit dem dazugehörigen Test und griff schnell nach der nächsten.


Positiv…

Schwanger…


Der dritte Test sagte dasselbe aus und der vierte war eines von den neueren, an denen ich nicht nur diesen farbigen Strich sah, sondern auch direkt ablesen konnte, dass ich wirklich schwanger war.

Schwanger… 3+… Scheiße!


Natürlich war mir bewusst, dass ich seit mehr als drei Wochen schwanger sein musste, dennoch griff ich nach der Packungsbeilage und durchforstete die einzelnen Zeilen, bis ich fand, wonach ich suchte.

Weiter als 5. Woche… mehr stand da nicht.

Was war das nur für ein blöder Test, der mir nicht sagte, in welcher Woche ich genau schwanger war? Wofür gab es diese Dinger überhaupt?

Angestrengt versuchte ich darüber nachzudenken, wann es denn hätte passieren können, doch mein Gehirn verweigerte mir zu diesem Zeitpunkt jegliches Denken.

Wie gebannt starrte ich zwischen den Tests hin und her, hoffte, dass sich das Ergebnis dadurch irgendwie ändern ließ, doch es war unmöglich.

Ich war schwanger… und Edward, der Mann, der mir das Herz gebrochen hatte, war der Vater.

Ohne, dass ich es kontrollieren konnte, wanderte meine rechte Hand zu meinem Bauch.

Ein Baby… ein neues Leben, welches in mir heranwuchs…

Wie sollte es jetzt nur weitergehen?

Das Geld, welches ich verdiente, reichte gerade mal dazu, dass Nessie und ich über die Runden kamen und uns ab und zu mal etwas gönnen konnten.
Nessie verdiente sich sogar ihr eigenes Geld bei Alice, da ich nicht genug verdiente, um ihr Taschengeld zu geben. 

Außerdem versuchte ich noch genügend Geld für ihr Studium beiseite zu legen.
Natürlich würde auch Jake einen großen Teil davon bezahlen, dennoch war ein Architekturstudium verdammt teuer, vor allem wenn sie die Möglichkeit bekommen sollte, an einer Eliteuniversität studieren zu können.
Hinzu kam noch das Geld für die Privatschule, doch da hatte ich mittlerweile schon vorsorgen können, sodass ich den Anteil, den ich für die Schule bezahlte, schon beisammen hatte.

Wie sollte ich da nur ein weiteres Kind ernähren?

Niemals hätte ich damit gerechnet, dass wenn ich ein weiteres Kind bekommen sollte, ich es unter solchen Umständen bekommen würde.

Ich arbeitete hart und hatte sowieso schon das Gefühl, nicht genug für meine Tochter da zu sein, doch sie war fast schon siebzehn, hatte einen Freund und brauchte mich nicht mehr so sehr, wie es früher der Fall war.

Doch ein Baby würde meine ganze Aufmerksamkeit beanspruchen und hinzu kam, dass ich nicht arbeiten gehen konnte, wenn das Baby erst einmal da war.

Die nächste Frage, die sich mir stellte, bereitete mir noch mehr Angst ein: Wie sollte ich es Edward erzählen?

Noch heute tat es furchtbar weh, auch nur an ihn zu denken.

Die Bilder von diesem einen Tag, wie er Tanya geküsst hatte, wie seine Hände an ihren Wangen lagen, verfolgten mich noch heute, sowohl wenn ich bei Bewusstsein war, als auch in meinen Träumen und es tat jedes Mal weh, an diesen verfluchten Tag zurück zu denken.

Es war schon schwer genug gewesen, Edward zu sehen, als ich wegen Emily zu ihm gefahren war, doch nun…

Nun würde Edward für immer ein Teil meines Lebens sein, daran führte kein Weg vorbei.

So viele Gedanken schwirrten durch meinen Kopf…

Es gab so vieles, woran ich jetzt denken musste, was ich machen musste und vor allem, wie ich mein Leben nun regeln sollte.

Alles würde sich ändern…  

„Oh Scheiße“, murmelte ich, noch immer etwas unter Schock von dem Ergebnis und ließ mich auf die kalten Fliesen des Badezimmerfußbodens plumpsen.  

Die Tatsache, schwanger zu sein, wurde mir immer bewusster und wenn ich daran dachte, was auf mich zukommen würde, wurde meine Luftzufuhr geringer.  

Oh Gott, wie sollte ich das alles nur schaffen?

Ich wusste, ich musste es Edward sagen.
Ob er davon begeistert sein würde, bezweifelte ich, doch was ich wusste, war, dass er mich unterstützen würde.

Das Problem dabei war nur, dass ich nicht wusste, wie ich ihm jemals wieder gegenüber stehen konnte, ohne dabei zusammenzubrechen und an das zu denken, was er mir angetan hatte.

Was er uns angetan hatte!

Doch nun war es meine Pflicht, ihm von der Schwangerschaft in Kenntnis zu setzen und meine Gefühle von nun an zu verschließen.


„Mom?“, hörte ich die Stimme meiner Tochter im nächsten Moment rufen und schreckte auf.

War es etwa schon so spät?  

„Verdammt“, rief ich, leider viel lauter, als ich es beabsichtigt hatte, sodass Nessie es gehört hatte.

Schnell versuchte ich wieder auf die Beine zu kommen, sah zu den Tests herüber und stellte mir die Frage, was ich nun damit anstellen sollte.

Irgendwie musste ich sie verstecken, schließlich sollte Nessie noch nicht erfahren, dass sie bald ein Geschwisterchen kriegen würde… Allein schon diese Worte zu denken, machte die Tatsache realer und trotzdem konnte ich es noch nicht richtig glauben, dass ein Baby in mir heranwuchs.

„Mom? Warum bist du im Bad? Alles okay?“, fragte sie, während ich mich im Badezimmer umsah, wo ich die Tests verschwinden lassen konnte, ohne dass Nessie sie finden würde.

„Ähm, ja. Alles bestens. Bin gleich fertig.“

Ich versuchte, nicht zu nervös zu klingen.

Es war schon schlimm genug, dass mir schon der Kopf rauchte, da wollte ich Nessie nicht auch noch mit meinem Verhalten beunruhigen.

Jedenfalls nicht noch mehr, als ich es seit zwei Monaten ohnehin schon tat und es tat mir leid, dass sie mich so sehen musste und ich ihr all den Kummer bereitet hatte, den auch sie ohne Zweifel verspürte.

Mein Blick blieb an unserem kleinen Schrank heften und ich holte eines der kleineren Handtücher hervor und packte all die Tests darauf.
Die Packungen versuchte ich so weit klein zu kriegen, dass auch diese noch Platz im Handtuch fanden.

Jetzt blieb nur noch die Frage: Wohin damit?

Würde ich es im Bad verstecken, war die Gefahr zu groß, dass Nessie es finden könnte.
In meinem Schlafzimmer dagegen war die Wahrscheinlichkeit viel geringer, dass Nessie es fand, doch wie sollte ich die Tests unbemerkt in mein Zimmer schaffen?

Schnell versuchte ich mir eine Lösung einfallen zu lassen, ging verschiedene Möglichkeiten durch, die nicht zu auffällig waren und ich unbemerkt aus dem Badezimmer gehen konnte.

„Schatz?“, rief ich nach meiner Tochter und versuchte durch die Geräusche in unserer Wohnung festzustellen, wo sie gerade war.

„Ja?“, erwiderte sie und klang viel näher, als ich es eigentlich vermutet hatte.

„Könntest du unten nachsehen, ob wir Post haben? Ich hab es vorhin vergessen“, bat ich sie und ich war froh darüber, dass ich keine wirkliche Lüge gebrauchen musste.  

Als ich nach Hause kam, war es für mich einfach nur wichtig gewesen, in meine Wohnung zu flüchten und die Schwangerschaftstests zu machen, doch gerade in diesem Moment war es mir nur mehr als recht, dass ich für die Post keinen Kopf gehabt hatte.

„Ähm… Sicher“, sagte sie nur darauf und ich konnte schon die Skepsis spüren, welche in ihrer Stimme mitschwang.

Es war ein verdammt mieses Gefühl, meiner Tochter gegenüber nicht offen sein zu können, doch ich musste erst einmal selber mit dem Gedanken fertig werden, dass ich wieder Mutter werden würde.

Sobald ich hören konnte, wie sich die Tür zu unserer Wohnung schloss, griff ich nach dem Handtuch und lief schnell in mein Schlafzimmer.

Wo sollte ich die Tests hinpacken?

Kommode? Nein.

Schrank? Nein.

Bett? Ja!

Dort würde bestimmt niemand so schnell nachsehen und vor allem nicht Nessie.

Die Kommode und mein Kleiderschrank waren da viel gefährlicher.
Ich wusste, dass Nessie sich ab und zu mal gerne Oberteile von mir borgte und auch in meinen Schubladen stöberte sie gerne einmal herum, weshalb mir also nur die Möglichkeit blieb, den Beweis meiner Schwangerschaft, samt Handtuch, unter dem Bett zu verstecken.

Sobald ich mir sicher sein konnte, dass nichts unterm Bett hervorlugte, ging ich wieder hinaus und lief in die Küche.

Mein Blick fiel sofort auf den Kühlschrank, indem ich die Tomaten gebunkert hatte und gerade, als ich diesen öffnete, kam Nessie wieder.

„Keine Post. Nur Werbung und eine Karte vom neuen Chinesen um die Ecke“, rief meine Tochter durch die Wohnung und kam zu mir in die Küche.

„Oh, gut. Möchtest du auch eine Tomate?“, fragte ich sie daraufhin und versuchte ihren Blick zu meiden.

Mir war durchaus klar, dass sie wusste, dass hier irgendetwas faul war, womit sie ja noch nicht einmal Unrecht hatte, aber ich konnte ihr einfach noch nichts sagen.

Zuerst müsste ich selber diese neue Situation verinnerlichen und vor allem musste ich mir den nötigen Mut zusprechen, um mit Edward zu reden, bevor ich auch nur daran denken konnte, Nessie die Neuigkeit zu berichten.

Natürlich vertraute ich meiner Tochter, doch ich wusste ja selbst nicht, was ich darüber denken sollte und ich brauchte zuerst einen Plan, bevor ich auf die Fragen, welche sie mir ohne Zweifel stellen würde, antworten konnte.

Fragen, die ich mir selbst stellte und ich hätte gerne jemanden, der mir darauf Antworten geben würde, doch ich musste es alleine schaffen.  

„Nein, danke“, antwortete Nessie auf meine Frage und ich konnte deutlich aus ihrer Stimme heraushören, wie misstrauisch es sie doch machte, dass ich auf einmal so viele Tomaten aß.

Wieso hatte ich selbst nicht gemerkt, dass es komisch war?
Dass der einzige Zeitraum, indem ich Tomaten geliebt hatte, vor siebzehn Jahren war, als ich schwanger wurde?
Hätte mir das nicht sofort bewusst werden sollen?

„Mom, ist wirklich alles okay mit dir? Und warum bist du eigentlich schon so früh Zuhause? Fühlst du dich nicht gut? Vielleicht solltest du lieber zu einem Arzt. Wenn du willst, kann ich ja für dich dort anrufen und einen Termin machen“, fing meine Tochter an sich um Kopf und Kragen zu reden.

„Schatz, beruhige dich doch. Mir geht es gut, ich wollte mir nur mal einen freien Nachmittag gönnen“, log ich sie an und drehte mich in ihre Richtung.

Als ich sie direkt ansah und ihren sorgenvollen Blick bemerkte, der in ihren braunen Augen abzulesen war, bekam ich sofort ein schlechtes Gewissen.
Ich belog meine Tochter und das war ein Gefühl, welches mir ganz und gar nicht gefiel.

Sie machte sich Sorgen und ich war der Grund dafür.
Wie konnte ich nur zu so einer schlechten Mutter werden?
Meine Aufgabe war es, mein Kind vor Kummer zu schützen und nicht ihm welchen zu bereiten.

In mir breitete sich wieder Panik aus und ich musste mich beherrschen, meiner Tochter nicht noch mehr Sorgen zu bereiten, indem ich vor ihren Augen einen Panikanfall bekam.

Was war, wenn ich diesem Kind eine schlechte Mutter sein würde?
Dieses Lebewesen war zu den Zeiten entstanden, als Edward und ich noch glücklich waren.   

In diesem Moment fiel es mir wie Schuppen von den Augen… das Ferienhaus in St. Louis!

Oh Gott…

Es konnte nur dort gezeugt worden sein.

Unser Essen… der Kamin… der flauschige Teppich und das Kondom, welches Edward neben uns hingeworfen, aber anscheinend nie benutzt hatte… Oh verdammt, wie konnte uns das nicht auffallen?
Wie konnte nur so etwas passieren?

Ja, dieser Abend war wunderschön gewesen und vor allem sehr intensiv, sodass wir alles um uns vergessen hatten, aber wie konnte uns nur dieses Malheur passieren?
Wie konnten wir nur so verdammt unvorsichtig gewesen sein?

Ob das Kondom immer noch dort lag?

Schließlich waren wir an dem Abend sofort nach oben gegangen und am nächsten Tag hatte schon das Unheil an unserer Tür geklingelt.

Der Grund, warum ich nicht mehr mit Edward zusammen war, hatte in diesem Moment begonnen.

Ich hätte es schon dort ahnen müssen, dass ich ihm nicht genug war.
Dass er noch zu tiefe Gefühle für diese Frau hatte.
Dass sie noch immer die Macht hatte, ihn zu blenden und ihn zu manipulieren.

Er hatte ja sogar geglaubt, dass diese Frau wirklich eine Beziehung zu Emily aufbauen wollte.
Dass sie ihren Fehler wieder gutmachen wollte, doch ich hatte ihr Spiel durchschaut und Edward war derjenige gewesen, der mir nicht geglaubt hatte.
Er war derjenige, der mir nicht genug vertraut hatte.

Edward hatte lieber der Frau vertraut, die ihn vor fast siebzehn Jahren im Stich gelassen hatte, als der Frau, die an seiner Seite war, ihn liebte und versucht hatte, für ihre Beziehung zu kämpfen.

Ich hatte es über mich ergehen lassen, dass er mich anbrüllte, wenn er fertig mit den Nerven war, hatte alles erduldet, bis er den Bogen zu sehr überspannt hatte.

Er hatte Tanya geküsst, nachdem er mich um meine Hand gebeten hatte und das war der Tag, an dem unsere Beziehung ihr Ende fand.
Der Tag, als ich anfangen wollte ihn zu vergessen, ihn aus meinem Leben zu streichen, doch nun war es nicht möglich.

Ich war schwanger und das, weil wir zu dumm gewesen waren, nicht zu verhüten, weil wir uns von unseren Emotionen hatten leiten lassen.

Wie sollte ich das nur schaffen, Edward wieder in mein Leben zu lassen?

Allein schon, wenn ich an ihn dachte, brach es mir immer und immer wieder das Herz, doch wenn ich ihn von nun an immer wieder sehen müsste, konnte es nichts Gutes verheißen.  

Doch mir blieb keine andere Wahl.

Mit Sicherheit würde ich nicht so eine falsche Schlange wie Tanya sein und ihm sein eigenes Kind verschweigen, wobei ich ehrlich gesagt sagen musste, dass es nicht Tanyas Stil wäre.
Nein, sie würde ihm sofort von dem Kind erzählen, sein Geld abstauben und dann abhauen.  

So herzlos war ich nicht und das würde ich auch niemals sein.

Auch wenn Edward verdammten Mist gebaut hatte und ich ihn für das hasste, was er mir angetan hatte, so war mir klar, dass ich ihm niemals sein eigenes Kind verschweigen könnte.

Und ich musste es ihm schon bald mitteilen.  

Nessie wurde immer misstrauischer, machte sich immer mehr Sorgen und ich wollte nicht, dass dieser Zustand noch lange anhielt.
Auch sie musste bald die Wahrheit erfahren.

Mir brummte der Schädel vom vielen Denken.

„Kleines, ich geh noch eben einkaufen, der Kühlschrank wird immer leerer. Soll ich dir etwas mitbringen?“, wandte ich mich wieder an Nessie und aß noch schnell die Tomate auf, welche ich aus dem Kühlschrank geholt und auf dem Schneidebrett zerkleinert hatte.

Ich musste hier raus und wenn ich in den Supermarkt ging konnte ich darauf hoffen, dass ich meine Gedanken für einen Moment vergessen und mich auf den Einkauf konzentrieren würde.  

„Hmm… vielleicht etwas Schokolade? Ich glaube wir haben keine mehr. Soll ich mitkommen?“, fragte sie mich, doch ich schüttelte nur den Kopf.

„Nein, erledige du lieber in Ruhe deine Hausaufgaben, bevor du nachher wieder weggehst. Und du kriegst deine Schokolade“, antwortete ich ihr, ging zur ihr herüber und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.

„Ich hab dich furchtbar lieb, Kleines“, sprach ich leise und drückte sie feste an mich.

Es tat mir so unendlich leid, dass ich in den letzten Wochen so abweisend war.
Nessie hatte so eine Mutter nicht verdient.

Mir war die ganze Zeit schon bewusst gewesen, dass ich mich anders benahm als früher, doch erst jetzt konnte ich wirklich sehen, was ich meiner Tochter mit meinem Verhalten angetan hatte.

„Ja, ich hab dich auch lieb“, entgegnete sie mir und drückte mich mit einem Seufzer ebenfalls an sich.

Schnell verabschiedete ich mich noch von ihr, lief hinaus zu meinem Auto und fuhr zum Supermarkt.

Die Fahrt dorthin verlief relativ problemlos.

Manchmal, wenn ich an einer roten Ampel stand, war ich so sehr in meinem Gedanken vertieft, dass ich gar nicht merkte, wie die Ampel auf grün schaltete und ich somit den Zorn einiger Autofahrer auf mich zog, als ich nicht sofort losfuhr.

Es nervte mich selbst, dass ich so oft meinen eigenen Gedanken zum Opfer fiel, aber ich konnte nichts dagegen tun.

Die Situation fühlte sich nicht real an, und doch wusste ich, dass ich all dem nicht entfliehen konnte.

Wie konnte sich mein Leben nur so schnell ändern?  

Noch vor wenigen Monaten waren Edward und ich ein glückliches Paar gewesen.
Natürlich gab es die eine oder andere Streiterei, doch so waren wir und das gehörte zu jeder Beziehung dazu.

Ich hatte gedacht, wir wären stark genug, hatte gehofft, dass wir alles zusammen meistern konnten, doch ich hatte mich getäuscht.

Vielleicht waren wir doch zu verschieden. Wir lebten in zwei verschiedenen Welten, da war es doch nur logisch, dass es nicht gut ausgehen würde.

Edward war ein Gefühlsmensch.
Sein Instinkt leitete ihn, beherrschte sein Denken und ließ ihn unüberlegte Dinge machen.

Der Fast-Kuss bei unserem Nicht-Date, das erste Mal, als er mir die drei Worte gesagt hatte, der Heiratsantrag… und letzten Endes das, wodurch unsere Beziehung sein Ende fand: Sein Kuss mit Tanya.

Ich dagegen war ein Kopfmensch.
Bevor ich in meinem Leben eine Entscheidung fällen konnte, wog ich die Vor- und Nachteile dessen immer wieder in meinem Kopf ab.
Nur selten tat ich etwas aus einem reinen Gefühl heraus und vertraute auf mein Herz, doch vielleicht hätte ich genau das tun sollen.

Edward und ich waren zu verschieden und genau das war es, was ihn in die Arme einer anderen Frau getrieben hatte.

Und nun war ich schwanger und mein Kind müsste von Anfang an die Erfahrung machen, getrennt lebende Eltern zu haben.

Niemals hätte ich mir solch eine Situation gewünscht.  

Es war schon schlimm genug, dass Jake und ich uns hatten scheiden lassen, als Nessie gerade einmal fünf Jahre alt war.
Ihr Dad wohnte nicht mehr bei uns, obwohl wir uns nach wie vor so gut verstanden, doch es war anders geworden.

Nun würde ich erneut Mutter werden, ich konnte es immer noch nicht glauben, doch diese Situation war weitaus komplizierter.


Den Supermarkt erreichte ich schneller, als ich es gedacht hätte.

Wahrscheinlich war ich so oft in meinem eigenen Gedanken versunken gewesen, war von ihnen gefangen genommen worden, dass mir gar nicht auffiel, wie die Zeit an mir vorbei rannte.  

Immerhin konnte ich mich noch aufs Fahren konzentrieren, doch wahrscheinlich wäre es klüger und vor allem sicherer für alle, wenn ich meine Gedanken verbannen würde, solange ich noch hinterm Steuer saß.

Der Parkplatz des Supermarktes war voll, trotzdem ließ ich es mir nicht nehmen, die Runde zu fahren, in der Hoffnung, dass ich in der Nähe vom Eingang einen freien Platz erwischen würde.

Falsch gedacht.

Entweder war alles besetzt, oder die Leute parkten so schrecklich, dass es unmöglich war in die kleine Lücke hineinzugelangen.
Mein Auto an sich würde vielleicht noch hineinpassen, aber öffnen könnte ich meine Tür nicht mehr.
Wieso zur Hölle verstanden so viele Fahrer nicht, wie man ordnungsgemäß parkte?
Die weißen Linien waren nicht umsonst auf dem Boden aufgemalt worden!

Mir blieb also nichts anderes übrig, als mir weiter hinten einen Platz zum Parken zu suchen.
Das Gute war, da ich sowieso nicht so viel Geld dabei hatte und ich heute schon viel mehr ausgegeben hatte, als eigentlich geplant war, würde ich nur das Nötigste einkaufen müssen, also musste ich immerhin am Ende meines Einkaufs keine schweren Tüten über den ganzen Parkplatz schleppen.

So wie immer, ging ich herüber zum Kofferraum und nahm den Korb, welchen ich immer griffbereit hatte, heraus.
Für einen kleinen Einkauf war solch ein Korb für mich immer viel angenehmer, als ein Einkaufswagen.

Als erstes steuerte ich die Gemüseabteilung an.
Die Packung Tomaten, welche ich noch Zuhause hatte, war schon zu Hälfte leer, also brauchte ich dringend Nachschub, besonders da ich jetzt wusste, woher meine plötzliche Leidenschaft für die Tomaten herkam.

Zum zweiten Mal an diesem Tag, ließ ich meine Hand zu meinem Bauch wandern.

In mir war ein Lebewesen, doch es fiel mir schwer, es zu begreifen, schließlich war es gerade mal ein paar Stunden her, seitdem ich davon erfahren hatte.
Das Gefühl, welches ich dabei empfand, wenn ich meinen Bauch berührte, war sowohl positiv, als auch negativ.

Positiv, weil ein neues Leben in mir wuchs.
Ich würde eine neue Aufgabe haben, welche mir helfen konnte, wieder nach vorn zu blicken.

Negativ, weil ich Angst vor dem hatte, was die Zukunft für mich bringen würde.
Eine Zukunft als alleinerziehende Mutter in den Dreißigern, welche gerade einmal so viel Geld zur Verfügung hatte, dass man davon leben konnte.

Gedankenverloren griff ich nach zwei Tomatenpackungen.
Eigentlich hätte ich die frischen bevorzugt, welche ich mir selbst in eine Tüte hätte packen können, doch diese waren viel zu teuer.

Den Henkel meines Korbes hielt ich mit beiden Händen fest, schlenderte damit durch die Gänge und griff nur ab und zu in die Regale um etwas in den Korb zu werfen.

Heute musste ich speziell darauf achten, was ich später an der Kasse zahlen würde.
Ich könnte es mir nicht noch einmal leisten, mit meiner Karte zu bezahlen.

Als ich das Nötigste erledigt hatte und ich bemerkte, dass noch einiges an Geld übrig geblieben war, lief ich wieder zurück in den ersten Gang und kaufte für Nessie die Schokolade, welche sie so sehr mochte.
Sie gehörte zu den Teuersten, die sie in ihrem Sortiment hatten, doch ich wollte meiner Tochter wenigstens eine Kleinigkeit gönnen und ich wusste, dass sie sich darüber freuen würde.
Dies sollte eine kleine Entschädigung für das sein, was sie wegen mir in den letzen Wochen durchleben musste.

In meinem Kopf ging ich noch einmal meine Einkaufsliste durch und besah mir dabei den Korb an und als ich bemerkte, dass ich soweit alles hatte, machte ich mich auf den Weg zur Kasse.

Als ich an dem zweiten Gang vorbei lief, stockte ich.

Nein, das konnte nicht sein, doch als ich bewusst nach links blickte, entdeckte ich ihn.

Genau wie damals, vor einigen Monaten, stand dort Edward Cullen und besah sich das Whiskeysortiment des Supermarkes.

Mein Herz raste, als ich ihn sah, doch es war nicht so, wie früher.

Niemals hätte ich gedacht, ihn irgendwann noch einmal hier anzutreffen.

Es war ein Schock, besonders heute, wo ich von der Schwangerschaft erfahren hatte.

Am liebsten würde ich weiterlaufen und ihn einfach ignorieren.
So tun, als ob er niemals dort gestanden hätte, doch es ging nicht.

Es tat weh, ihn zu sehen und sofort schlichen sich wieder diese Bilder in meinen Kopf.


Wie er Tanya geküsst hatte…

Wie er mir zum Auto hinterher gerannt war…

Wie ich ihn angebrüllt hatte…

Wie ich ihn für das hasste, was er getan hatte…

Wie er mich wegen Emily anrief…

Wie er mich ansah, als ich ihm den Zweitschlüssel wieder in die Hand gedrückt hatte…


All diese Ereignisse liefen wie in einem Film vor meinem geistigen Auge ab.

So viel war zwischen uns passiert und das innerhalb von kürzester Zeit.

Andere Paare durchlebten solche Dinge innerhalb von Jahren und entweder sie schafften es, diese Dramen zu überwinden, oder sie scheiterten, genau wie Edward und ich gescheitert waren.

Hätte er Tanya ebenfalls geküsst, wenn wir schon seit Jahren ein Paar gewesen wären?
Lag es an der Tatsache, dass wir noch an den Anfängen unserer Beziehung waren, dass er bei Tanya so schwach wurde?

Doch war nicht genau das das Schlimme an dem Ganzen?
Wenn eine Beziehung schon nach so kurzer Zeit scheiterte, war es dann nicht der Beweis dafür, dass man nicht zusammengehörte?
Dass die Liebe, die einen verband, doch nicht so stark war, wie man behauptete?

Nun, ich hatte daran geglaubt, dass wir uns gegenseitig so sehr liebten, dass uns nichts hätte auseinander bringen können.
Doch er hatte eine andere geküsst, seine Exfreundin, die Mutter seiner Tochter, also konnte seine Liebe zu mir nicht stark genug sein, falls überhaupt etwas davon jemals vorhanden war.

Unschlüssig stand ich mitten im Supermarkt und überlegte hin und her, ob ich zu ihm gehen, oder ihn ignorieren und einfach weitergehen sollte.

Es tat weh, ihn zu sehen und wenn ich jetzt auf ihn zugehen und mit ihm reden sollte, würde es mich umbringen.

Doch was blieb mir für eine andere Wahl?

Ich trug etwas in mir, was auch zu Edward gehörte und laut meinen Berechnungen müsste ich schon im dritten Monat sein, was hieß, dass ich es nicht mehr lange verbergen können würde.

Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis Nessie selbst all die Hinweise zusammenzählte und von alleine darauf kam, dass ich schwanger war und wenn Nessie es wissen würde, würde auch Emily bald davon erfahren.
Natürlich wusste ich, dass ich meine Tochter darum bitten könnte, es noch für sich zu behalten, doch genauso wusste ich auch, wie schwer es ihr fallen würde, vor Emily ein Geheimnis zu wahren.

Und wenn Emily es wissen würde, würde auch Edward es erfahren.

Doch es war meine Aufgabe, es ihm zu erzählen.

Meine Aufgabe war es, ihm von der Schwangerschaft zu erzählen und als ob mir jemand ein Zeichen setzen wollte, traf ich ihn in diesem Supermarkt, genau an derselben Stelle, wie viele Monate zuvor.

Mein Mut wurde erneut auf die Probe gestellt, und das innerhalb eines einzigen Tages.
Erst der Schwangerschaftstest und nun stand Edward hier.

Einatmen und ausatmen… das hatte mir heute schon mehrere Male geholfen und ich hoffte, dass die Wirkung, mich zu beruhigen, nicht verloren ging.

Langsam schritt ich durch den Gang, kam Edward immer näher und erst jetzt fiel mir auf, dass er keine für ihn typische Kleidung trug.

Edward trug eine verwaschene Jeans – ich hatte ihn noch nie mit Jeans gesehen – und dazu ein zerknittertes, weißes Hemd.

Es passte gar nicht zu ihm.

Je näher ich ihm kam, desto schneller schlug mein Herz.
Meine verschwitzen Hände umklammerten den Griff meines Einkaufkorbes und ich hatte das Gefühl, dass ich beim Laufen schwankte, so sehr schwirrte mein Kopf.

Genau so fühlte ich mich, als ich die Tests gemacht hatte.

Gerade, als Edward nach einer Flasche greifen wollte, erreichte ich ihn.

„Du trinkst wieder?“

Es war das erste, was mir in den Kopf kam und ohne, dass ich es hätte kontrollieren können, hatte diese Frage schon meine Lippen verlassen.

Sein Kopf ruckte so schnell in meine Richtung, dass ich diese Bewegung nicht einmal mitverfolgen konnte und er blinzelte einige Male, während seine grünen Augen mich ungläubig musterten.

„Bella…“, flüsterte er so leise, dass ich es unter dem ganzen Tumult, welcher hier im Supermarkt herrschte, beinahe nicht verstanden hätte.

Seine Augen brannten sich in meine und es war ein Wunder, dass ich unter diesem intensiven Blick nicht einknickte.  

Egal wie oft ich versucht hatte, mir das Gegenteil einzureden, aber ich vermisste ihn.
Doch genauso sehr schmerzte es mich, ihn zu sehen und dabei zu wissen, dass er eine andere mir vorgezogen hatte.

Edwards Augen wurden von einem dunklen Schatten umrahmt, seine Wangenknochen waren viel deutlicher zu erkennen und sein Gesicht wurde von einem Bart versteckt.
Anders als der Drei-Tage-Bart, welchen ich an ihm immer so gemocht hatte, machte ihn dieser Bart nicht unbedingt attraktiv.
Er wirkte sehr heruntergekommen, als ob er sich schon seit einer Woche nicht mehr rasiert hatte.

Ging er etwa so zur Arbeit? Oder hatte er Urlaub?

Ich konnte es nicht mehr ertragen, wie wir hier standen und nichts sagten.

Wie ich dem Mann gegenüberstand, der mir so sehr fehlte, ich ihn aber trotzdem nicht mehr in mein Leben lassen konnte.
Zu viel war geschehen und wenn nicht dieses Baby in mir wäre, würde ich wahrscheinlich nie mehr ein Wort mit ihm wechseln.

Doch er hatte ein Recht, es zu erfahren.

Es war auch sein Kind und so sehr es mich auch verletzte, führte dieses Baby in mir dazu, dass er immer ein Teil meines Lebens sein würde, nur eben nicht so, wie ich es mir einst erhofft hatte und ich zweifelte daran, dass ich mit ihm jemals solch eine freundschaftliche Beziehung führen würde, wie mit Jake.

Meinen Blick wandte ich schnell von ihm ab und besah mir die Whiskeyflaschen im Regal.  
Noch zu gut konnte ich mich an den Tag erinnern, als ich ihn hier getroffen und ihm eine Flasche vorgeschlagen hatte und wie er sich daraufhin beschwert hatte, dass sie doch nur zwölf Dollar kostete.

Es war komisch, an diesen Tag zu denken.

Zum einen war die Erinnerung daran so klar und deutlich, als ob es erst gestern geschehen wäre, doch zum anderen schien es mir so, als ob diese Begegnung schon Jahre zurücklag.
So viel war innerhalb von nur einigen Monaten passiert, dass es schwer war zu glauben, dass sich innerhalb kürzester Zeit so viel geändert hatte.

Noch vor einem Jahr hatte ich noch nicht einmal von der Existenz eines Edward Cullen gewusst und nun war ich sogar von ihm schwanger.

„Wie geht es dir?“, fragte er mich, wieder in einem Flüsterton, den man kaum verstehen konnte.

Ich wagte es nicht, ihn wieder anzusehen und überlegte, was ich ihm auf diese Frage antworten sollte.

Die Fragestellung war ganz normal, ja sogar alltäglich, doch nur wenige beantworteten diese Frage wahrheitsgemäß.
Ein einfaches ‚gut’ hielt die Leute davon ab, weiter nachzufragen und genau so tat ich es seit Wochen schon mit Nessie, auch wenn ich wusste, dass meine Antwort sie nie überzeugte.

„Genau darüber wollte ich gerne mit dir reden“, erwiderte ich also darauf und starrte in meinen Einkaufkorb, meinen Blick auf die Tomaten gerichtet.

„Was? Wieso? Geht es dir nicht gut?“, fragte er mich aufgebracht, diesmal jedoch lauter, als zuvor.
Im Gegensatz zu dem Flüsterton, welchen er vorher benutzt hatte, kam mir seine normale Stimmlage so vor, als würde er nun beinahe schreien.

Irgendwie machte mich seine Fragerei auch wütend.

Seit Wochen ging es mir alles andere als gut, ich hatte meine Tochter vernachlässigt und ihr Sorgen bereitet, während ich mich in meinem Kummer gesuhlt und niemanden an mich herangelassen hatte.
Schuld daran war der Mann, der mir gegenüber stand, der Mann, der mir mein Herz aus der Brust gerissen hatte.

Der Mann, der mich geschwängert hatte…

Nur aus diesem Grund atmete ich wieder einmal kräftig ein und aus, um mich beruhigen.
Es würde nichts bringen, meiner Wut freien Lauf zu lassen. Nichts würde dadurch ungeschehen gemacht werden und es gab jetzt noch jemand anderen, auf den ich acht geben musste.
Was ich fühlte, würde auch das Baby fühlen, also musste ich mich beherrschen.

Ich war nicht auf Edward zugegangen, um ihm eine Szene zu machen, sondern um ihn um ein Gespräch zu bitten.

„Doch… Nein… Also… Mist…“

Meine Nervosität über das kommende Gespräch nahm stets zu, sodass ich noch nicht einmal mehr einen vernünftigen Satz bilden konnte.
Nur einzelne Wörter verließen meine Lippen.

Wie würde Edward reagieren, wenn ich ihm davon erzählte?
Würde er mich ebenfalls für eine geldgeile Schlampe halten, wie Tanya oder Carol-Ann?
Eigentlich wusste Edward, dass ich nicht so war und sollte wissen, dass es mir nicht ums Geld ging, egal wie verzweifelt ich momentan war, doch andererseits hatte Edward auch schon ganz andere Dinge getan oder gedacht, die so nicht der Wahrheit entsprachen.

„Können wir vielleicht irgendwo reden?“, fragte ich ihn, nachdem ich meine Gedanken soweit geordnet hatte, dass ich wieder einen vollständigen Satz zustande bringen konnte und blickte auf Edwards Schulter.
In seine Augen zu sehen schaffte ich einfach noch nicht.

„Reden? Ehrlich?“, fragte er mich und man konnte den Unglauben aus seiner Stimme heraushören, was ich ihm noch nicht einmal verübeln konnte.

Seit zwei Monaten hatte ich mich strikt dagegen gewehrt, auch nur ein Wort mit ihm zu wechseln, geschweige denn, ihn überhaupt zu sehen.

„Ja“, bestätigte ich ihm und nickte leicht, um meine Aussage noch zusätzlich zu bekräftigen.

„Ja… Ja, natürlich. Hier um die Ecke ist ein kleines Café…“, setze Edward an, doch als er bemerkte, wie ich meinen Kopf schüttelte, blieb er stumm.

„Nein, kein Café. Zu öffentlich.“

Anscheinend hatte ich meine Fähigkeit, vernünftige Sätze zu bilden, wieder verloren.
Es kamen nur einzelne Wörter heraus, welche den Schein tragen sollten, wie ein Satz zu klingen, doch das Gegenteil war der Fall.

„Zu öffentlich? Was ist denn los?“, wollte Edward wieder von mir wissen, doch hier und jetzt konnte ich ihm nicht darauf antworten.

Wie sollte ich ihn überhaupt von meiner Schwangerschaft in Kenntnis setzen?

Ich wusste, es war das einzig Richtige, es zu tun, selbst wenn der Schock bei mir immer noch sehr präsent war, doch genauso wusste ich, dass ich es hinter mich bringen wollte.
Je länger ich wartete, desto weniger würde ich mich trauen, ihm zu erzählen, dass er Vater werden würde.

„Es ist einfach… ich will nicht, dass so viele Menschen dabei anwesend sind“, gestand ich ihm.

Ein Café, oder sogar ein Park, war wirklich nicht der beste Ort um dem Ex Freund zu sagen, dass man von ihm schwanger war, schließlich hatte ich keine Ahnung, wie er auf diese Neuigkeit reagieren würde.

Verdammt, ich wusste ja selbst nicht, was ich über das Ganze denken sollte!

Es war alles so kompliziert und ich hatte Angst vor dem, was die Zukunft bringen würde, doch nun fürchtete ich mich auch noch davor, wie Edward reagierte.

Für einen kurzen Moment ließ ich es zu, wie sich ein völlig anderes Szenario in meinem Kopf abspielte.

Ich stellte mir vor, dass ich noch mit ihm zusammen war, als ich mir meiner Schwangerschaft bewusst wurde.
Alles wäre so viel leichter, wenn es so wäre…

Wieso musste nur alles so kommen?
Wieso musste er damals Tanya küssen?
Wieso war er sich seiner Gefühle zu mir nicht sicher gewesen?
Wieso hatte ich nicht etwas unternommen, bevor alles den Bach runterging?

„Okay… ähm… Wir könnten zu mir fahren, wenn es dir recht ist. Emily ist bei Daniel und… wir wären jedenfalls alleine“, schlug Edward mir vor und in seiner Stimme konnte ich einen Funken Hoffnung hören, der dort mitschwang.

Er sollte sich keine Hoffnungen machen.

Dieses Gespräch sollte kein Gespräch über uns werden.
Nicht über uns als Paar, denn dies gab es schon seit zwei Monaten nicht mehr.  

Einzig und allein dieses Baby war wichtig und genau davon musste ich ihn in Kenntnis setzen.

Nicht mehr und nicht weniger.

Edward hatte schon einige Male versucht, mit mir zu reden.

Er wollte mir alles erklären, doch was sollte das schon bringen?
Ich hatte gesehen, was er getan hatte. Hatte mit eigenen Augen miterlebt, wie er diese Frau geküsst hatte, nur wenige Stunden nachdem er mich darum gebeten hatte, ihn zu heiraten, da gab es für mich nichts mehr zu klären und auch jetzt würde ich nicht darüber reden wollen.

Was geschehen war, war nun mal geschehen.

Es tat weh, ihn nicht mehr bei mir zu haben und nicht zu ihm zu gehen, wenn mich wieder einmal eine riesige Welle der Einsamkeit überfiel, allerdings würde ich darüber irgendwann hinwegkommen.  

Doch nun, da Edward ein Teil meines Lebens sein würde, könnte dieser Prozess länger dauern, als ich gehofft hatte.

Ihn zu sehen schmerzte mich nur noch mehr, doch vielleicht würde ich mich irgendwann daran gewöhnen, oder zumindest damit leben können.
Ein Versuch war es wert. Für das Baby…

„Okay“, gab ich mich mit seinem Vorschlag einverstanden und blickte wieder auf meinen halbwegs vollen Einkaufskorb.

„Ich muss nur vorher alles bezahlen“, sagte ich ihm und hielt meinen Korb zur Verdeutlichung etwas höher.

Immerhin hatte ich nichts eingekauft, was verderblich war und sofort in den Kühlschrank musste.

„Soll ich…?“, wollte er gerade etwas darauf erwidern, doch ich unterbrach ihn.

„Nein, du kannst schon vorfahren, ich komme nach, sobald ich fertig bin“, versprach ich ihm und machte mich langsam auf den Weg zur Kasse.

Soweit ich es gesehen hatte, hatte Edward keine Einkäufe erledigt, anscheinend wollte er nur seinen Whiskeyvorrat wieder auffrischen, worauf er jedoch in diesem Moment verzichtete und den Supermarkt verlassen konnte, ohne vorher noch an der Kasse Schlange stehen zu müssen.

Wieso war er überhaupt in diesem Supermarkt?

Ich versuchte, nicht weiter darüber nachzudenken und lief unbeirrt zur Kasse, an der sich jetzt schon eine ziemlich lange Schlange bildete.

In Momenten wie diesen fragte ich mich immer, wieso man nicht noch eine zweite Kasse öffnete.
Lag es daran, dass möglicherweise nicht genügend Arbeiter zur Verfügung standen?
Doch wäre es nicht klug gewesen, für diese Zeit, in der immer besonders viele Menschen ihre Einkäufe erledigten, einen weiteren Mitarbeiter einzustellen?
Immerhin wäre die Schlange dann kürzer und ich würde vermuten, dass auch die Kassiererin dadurch weniger belastet wäre und auch die Kunden würden den Supermarkt weniger mürrisch verlassen.

Es dauerte zwanzig Minuten, bis ich endlich an der Reihe war und ich meine Sachen bezahlen konnte.  

Meine Einkäufe hatte ich wieder in meinen Korb gelegt und schlenderte damit zu meinem Auto.
Der Parkplatz war mittlerweile nicht mehr so voll, wie bei meiner Ankunft und ich fragte mich, wo Edward wohl mit seinem Wagen gestanden hatte.
Wieso hatte ich sein Auto nicht bemerkt, als ich auf der Suche nach einem Parkplatz in der Nähe des Eingangs war?   

Dieses Mal dauerte es wieder etwas länger, bis ich das Autoschloss aufbekam.

Meine Nervosität nahm sekündlich zu und zerfraß mich von innen.

Noch während ich meine Einkäufe in eine Plastiktüte verstaute, welche ich noch im Kofferraum liegen hatte, sprach ich mir innerlich Mut zu.

In ein paar Minuten war es soweit…

Mein Weg würde mich zu Edward führen.
Das Haus, indem ich sehr viele schöne Momente mit Edward verbracht hatte, doch genauso viele schlimme Erinnerungen hingen daran.
Die Schlimmste davon war sein Betrug…   

Bevor ich soweit war, in das Auto einzusteigen, lief ich noch einige Male neben meinem Auto auf und ab.
Einige Passanten starrten mich an, als ob ich nicht mehr bei Sinnen wäre, doch ich musste klar im Kopf sein, wenn ich in dieses Auto stieg.

Wie sollte ich Edward nur weismachen, dass ich schwanger war?

Ich hätte mir gewünscht, mehr Zeit zur Verfügung zu haben, schließlich war diese Situation keine, mit der man täglich konfrontiert wurde.
Allerdings war es auch meine Entscheidung gewesen, sofort mit ihm sprechen zu wollen.  

Vielleicht sollte ich gar nicht so viel nachdenken…

Im Nachhinein würde es sowieso ganz anders kommen, als ich es mir gedanklich ausmalte.

Also setze ich mich schnell in mein Auto, bevor ich es mir noch anders überlegen konnte, ließ den Motor laufen und schaltete das Radio ein, in der Hoffnung, dass ich mich durch die Musik und den Stimmen der Radiomoderatoren, etwas entspannen konnte.

Ich hatte Glück, dass bei meinem Lieblingssender Lieder aus den Achtzigern liefen.
Es waren Songs aus meiner Kindheit und Jugend, die ich wirklich immer sehr gerne gehört hatte und mir wirklich dabei halfen, meine Gedanken in diesem Moment auszuschalten, sodass ich mich nur noch auf die Straße und auf die Musik konzentrierte und meinem Gehirn keinen Platz gab, über andere Sachen nachzudenken.


Eine halbe Stunde später hatte ich Edwards Haus fast schon erreicht.

Ausgerechnet an der letzten Ampel würgte ich den Motor ab und da ich ihn nicht wieder sofort starten konnte, begann hinter mir ein Hupkonzert.
Einige Autos hatten sogar zum Überholen angesetzt und ich fragte mich, wie bescheuert man sein konnte.
Nicht nur im Bezug auf mich, dass ich nach fünfzehn Jahren, indem ich schon meinen Führerschein hatte, es immer noch schaffte meinen Wagen abzuwürgen, sondern auch im Bezug auf die anderen Autofahrer.

War ihnen die Verkehrssicherheit so egal?
Konnten sie nicht einmal einige Sekunden warten?
Musste denn jeder immer so ungeduldig sein und zu solch gefährlichen Überholmanövern ansetzen?  
Nicht nur, dass sie ihr eigenes Leben dadurch gefährdeten, sie gefährdeten auch das Leben anderer Menschen.

Ich verstand die Einstellung vieler Fahrer einfach nicht.

Als ich den Motor wieder soweit hatte, dass er anging, fuhr ich sofort los und erreichte innerhalb weniger Minuten schon Edwards Haus.

Es war ein seltsames Gefühl, wieder hier zu sein.

Beim letzten Mal hatte ich all dem nicht so viel Beachtung geschenkt, schließlich wollte ich so schnell wie möglich zu Emily und einfach nur für sie da sein.

Diesmal war mein Ziel jedoch etwas anderes.

Ich musste zu Edward und mit ihm reden und am liebsten hätte ich mir noch viel mehr Zeit gelassen, bevor ich mit ihm reden würde, doch diese Auffahrt bereite mir eine Gänsehaut, welche sich über meinen ganzen Körper zog.

Hier hatte es mit uns ein Ende genommen… hier hatte ich einen Schlussstrich gezogen…

Erinnerungen kamen in mir hoch, welche ich immer wieder versuchte zu verdrängen, allerdings erschienen mir diese immer wieder in meinen Albträumen.

Einzelne Szenen ließ ich noch einmal Revue passieren… wie ich an meinem Türschloss rüttelte… wie ich ihn anschrie und für das hasste, was er getan hatte… wie wütend ich in dem Moment gewesen war…  

Meinen Kopf schüttelnd versuchte ich, diese schreckliche Erinnerung zu verbannen und atmete tief durch, stieg aus meinen Wagen und lief auf die Eingangstür zu.

Ich machte mir nicht einmal die Mühe, meinen Wagen abzuschließen.

Ohne, dass ich meinen Gedanken noch einmal die Möglichkeit dazu geben konnte, mein Handeln zu überdenken, betätigte ich schnell die Klingel und wartete geduldig darauf, dass Edward mir die Tür öffnete, was schneller geschah, als ich es für möglich gehalten hätte.

„Hey. Ich dachte schon, du hast es dir anders überlegt“, begrüßte mich Edward und versuchte sich ein leichtes Lächeln aufzuzwingen, während er mir die Tür so weit aufhielt, sodass ich hineingelangen konnte.

„Tut mir leid. War viel los“, entschuldigte ich mich kurz und bündig, wartete darauf, dass Edward die Haustür schloss und lief mit ihm zum Wohnzimmer.

Unschlüssig blieb ich stehen und sah mich um.

Nichts hatte sich geändert… Nichts und doch war alles anders. Das Gefühl hier zu sein, allein mit Edward, war ein komisches Gefühl.
Es war eigenartig und ich fühlte mich unwohl.

Ich spürte, dass meine Beine immer mehr anfingen zu zittern und auch mein Herz klopfte immer stärker gegen meine Brust, also entschloss ich mich, schnell auf der Couch Platz zu nehmen und legte meine Hände auf meinen Schoß, in der Hoffnung, dass sie so aufhören würden zu zittern.

„Bella? Geht es dir wirklich gut?“, hörte ich Edward fragen und konnte die Besorgnis aus seiner Stimme heraushören.

Er musste meine Nervosität bemerkt haben und er wusste, dass dieser Zustand für mich nicht normal war. Jedenfalls nicht in der Form, wie ich sie gerade an den Tag legte.

Unsicher sah ich zu ihm.

Er stand neben der Couch und beobachtete mein Verhalten.

„Ja… es ist nur… vielleicht solltest du dich lieber setzen“, schlug ich ihm vor, schließlich war die Nachricht, die ich ihm jeden Moment mitteilen würde, bestimmt leichter zu ertragen, wenn er saß.

„Nein, ich… Bella, bitte sag mir doch endlich, was los ist. Bist du krank?“

Stirnrunzelnd sah ich ihn an.

Wieso hätte ich so dringend mit ihm reden müssen, wenn ich gesundheitliche Probleme hätte?
Nun ja, was ich ihm sagen wollte, hatte zwar etwas mit meinem Körper zu tun und mit bestimmten Veränderungen, die auf mich zukommen würden, aber als krank konnte man das nicht bezeichnen.

„Ich habe heute Tomaten gekauft“, sprach ich das erste aus, was mir in den Sinn kam.

Edward wusste, wie sehr ich Tomaten verabscheute und er sah mich genauso verständnislos an, wie Nessie, als sie zum ersten Mal mitbekommen hatte, dass ich Tomaten freiwillig eingekauft hatte.

„Du… was? Aber… ich weiß, du verabscheust Tomaten, aber… ich verstehe nicht…“

Er war verwirrt, das konnte ich ihm noch nicht einmal verübeln, bei dem wirren Zeug, welches ich von mir gab, doch ich wusste einfach nicht, wie ich sonst anfangen sollte.

„Weißt du, ich habe Tomaten nicht immer verabscheut… es gab eine Zeit, da…“ Ich stockte, knibbelte an meinen Fingernägeln und versuchte mir irgendwie einfallen zu lassen, wie ich es ihm am besten sagen sollte.

„Edward, ich bin schwanger…“, gestand ich ihm schließlich und traute mich gar nicht, in sein Gesicht zu blicken.


2 Kommentare:

  1. Oh je, oh je ....

    Hier ist ja was los!
    Ich kann den nächsten Freitag kaum erwarten!
    An dieser Stelle ein sehr großes Lob für das regelmäßige Posten. Es ist nähmlich sehr frustrierend auf unbestimmte Zeit warten zu müssen, ohne zu wissen, ob es überhaupt noch weiter geht. Vielen Dank dafür!!! :-)

    Dickes Bussi

    Mari

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  2. gemeinheit einfach aufzuhören aber bin es ja gewohnt immer wenns lustig wird ist es vorbei danke das ich es lesen durfte hammer toll geschrieben ich freu mich auf nächsten freitag

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