Bella POV
Ich konnte es immer noch nicht glauben, dass wir diesen Schritt tatsächlich gewagt hatten und wir unsere Beziehung nicht mehr geheim halten mussten.
Es gab viele Szenarien in meinem Kopf, wie Nessie und Emily auf unser Geständnis reagieren würden, aber niemals war es so… selbstverständlich gewesen.
Eigentlich hätte mir auch klar sein müssen, dass sie es wussten, schließlich verhielten Edward und ich uns nicht gerade unauffällig, aber es war nun mal sehr schwer gewesen, die Gefühle, die wir füreinander hegten, zu verbergen.
Nessie hatte sogar Edward umarmt!
Den Edward, vor dem sie solch eine Angst und Respekt gehabt hatte.
Sie hatte ihn umarmt und ihn somit in meinem Leben, in unserem Leben, akzeptiert.
Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können.
Man konnte gar nicht sagen, wie glücklich ich in dem Moment war, als Edward mich zum ersten Mal im Beisammensein unserer Familie geküsst hatte.
Es war so neu, aber trotzdem so selbstverständlich und Emilys Reaktion darauf brachte mich sogar etwas zum Lachen.
Allerdings hatte ich mir unsere ersten Minuten als Paar etwas anders vorgestellt.
Wieso musste Edward das Thema Hochzeit zur Sprache bringen?
Wir waren doch gerade einmal wenige Wochen zusammen und hatten gerade einen wichtigen Schritt in unserer Beziehung getan und es offiziell gemacht.
Natürlich konnte ich mir ein Leben ohne Edward nicht mehr vorstellen.
Allein der Gedanken daran, dass es irgendwann einmal so sein könnte, machte mich schier wahnsinnig, aber eine Heirat?
Ich wollte nicht mehr heiraten!
Nachdem Jacob und ich uns scheiden ließen, hatte ich meinen Glauben an die Ehe verloren.
Wir hatten uns geliebt und erst mit der Heirat tauchten all unsere Probleme auf.
Wir wurden für den anderen selbstverständlich und so wundervoll eine Ehe auch sein mochte, so hatte sie doch auch viele schlechte Seiten.
Ich war froh, dass wir das Thema erstmal wieder auf Eis gelegt hatten.
Natürlich würden wir irgendwann darüber reden müssen, doch das hatte Zeit.
Sehr viel Zeit sogar.
Irgendwie musste ich ihm zu verstehen geben, dass die Ehe nichts für mich war, egal wie sehr ich ihn liebte und an meiner Seite haben wollte.
Es kam mir vor, wie eine halbe Ewigkeit, bis endlich das Wochenende nahte, an dem Edward mit mir verreisen wollte.
Ein Wochenende nur für uns… ich konnte es immer noch nicht glauben.
Jake hatte darauf bestanden, dass Nessie, solange ich nicht Zuhause war, bei ihm übernachtete.
Nessie war von dieser Idee nicht sehr angetan, doch auch ich fühlte mich unwohl bei dem Gedanken, mein Mädchen alleine Zuhause zu lassen.
Jake hatte dafür allerdings auch noch andere Gründe.
Er meinte, da Nessie mittlerweile einen Freund hatte, war es unsere Pflicht als Eltern, ihr so wenig Freiraum mit ihrem Freund zu lassen, damit sie uns nicht zu Großeltern machte.
Natürlich wollte ich mit meinen 33 Jahren keine Großmutter werden, um Himmels Willen, aber ich wusste, dass ich, wenn es um das Thema Sex bei Nessie ging, bei Jake gegen eine Wand redete.
Es lag mir auf der Zunge, ihn daran zu erinnern, dass Nessie auf der Motorhaube seines Wagens gezeugt wurde, aber ich ließ es bleiben, sonst würde er Nessie noch einen Keuschheitsgürtel kaufen oder sie ohne mein Einverständnis in ein Kloster schicken.
Ich wusste, was das Thema Sex anging, konnte ich Nessie vertrauen.
Sie war nicht so wie ich in ihrem Alter und das war eine Tatsache, worüber ich mehr als nur froh war.
Nessie hatte mir versichert, dass sie noch nicht soweit war, mit Jackson Sex zu haben.
Ich wusste, dieses Thema war ihr sehr unangenehm, auch mir wäre es nicht anders ergangen, wenn meine Mom so offen mit mir darüber gesprochen hätte, aber für mich war es auch kein Leichtes, mit meiner Tochter über dieses Thema zu reden, aber ich wollte, dass sie sich mir anvertraute.
Sie sollte wissen, dass ich immer ein offenes Ohr für sie haben würde, egal wie unangenehm uns dieses Thema auch sein mochte.
Ganz im Gegensatz zu Jake, sah ich die Situation realistisch.
Jake wollte alles dafür tun, dass Nessie an ihrem dreißigsten Geburtstag immer noch Jungfrau war, doch ich wusste noch ganz genau, wie gewaltig die erste Liebe sein konnte.
All die neuen Emotionen, all diese unbekannten Gefühle…
Ich war stolz darauf, Nessies Mutter zu sein. Sie wusste, was ich alles aufgegeben hatte, damit ich ihr eine gute Mutter sein konnte und genau das war der Grund, weshalb sie mit dem Thema Sex vorsichtig umging.
Stolzer hätte eine Mutter gar nicht sein können.
Edward hatte Emily darum gebeten, bei ihren Großeltern zu übernachten, solange wir weg waren.
Es war offensichtlich, dass er Jacobs Sorgen über Sex teilte, allerdings musste ich feststellen, dass er diese Sorgen viel besser als Jacob verbergen konnte.
~*~*~
Das Ferienhaus, von dem Edward mir erzählt hatte, befand sich in St. Louis.
Ich war froh darüber, dass Edward und ich uns einig waren, mit dem Auto dorthin zu fahren und nicht einen Flug zu buchen.
Eine Autofahrt war viel intimer.
Es waren nicht hunderte von Menschen um einen herum und man musste sich nicht an einen bestimmten Flugplan halten.
Edward und ich konnten abreisen, wann immer wir es wollten, konnten unsere Pausen dann einlegen, wenn wir es für richtig hielten und wir konnten so laut über Sachen reden, ohne dass sich irgendjemand gestört fühlte.
Oft musste ich um die Musik im Radio kämpfen.
Während Edward lieber etwas Klassisches hören wollte - Sachen, die mein Großvater zu seiner Zeit verehrt hatte - wollte ich etwas mit mehr Energie.
Ich musste mir merken, dass ich ihn mit meinen weiblichen Reizen dazu bringen konnte, mir jeden Wunsch von den Augen abzulesen.
Viel zu oft mussten wir einen Zwischenstopp einlegen.
Mal musste Edward auf die Toilette, ein anderes Mal ich oder ich bekam Durst, nachdem ich die letzte Wasserflasche geleert hatte, was wiederum zum Toilettenproblem führte.
Wir waren beide etwas gereizt, da die eigentliche fünfstündige Fahrt zu einer siebenstündigen mutierte, aufgrund der vielen Pausen, die wir einlegten.
Doch je mehr wir uns unserem Ziel näherten, desto ruhiger wurden wir.
Jedenfalls nach Außen hin, denn um ehrlich zu sein, war ich sogar etwas nervös.
Es würden wirklich nur Edward und ich dort sein. Niemand anderes. Nur wir beide.
Das letzte Mal, als ich auf diese Art und Weise alleine mit einem Mann war, musste noch vor Nessies Geburt gewesen sein, doch es fühlte sich so an, als ob es das erste Mal wäre.
In der Tat war es das erste Mal für Edward und mich.
Zwar hatte ich schon mal bei ihm übernachtet, wenn wir dachten, dass es niemandem auffallen würde, aber ein Wochenende nur mit ihm, hunderte von Kilometer weit weg von unserem Zuhause und der Familie, war etwas Anderes.
„Wie lange noch?“, richtete ich meine Frage, wie ein kleines Kind, an Edward, während ich aus dem Seitenfenster blickte und die Landschaft bewunderte, welche an uns vorbeizog.
Ich konnte Edward schmunzeln hören, als er mir auf meine Frage antwortete.
„Etwa zwanzig Minuten noch“, erklärte er mir und legte seine Hand für den Rest der Fahrt auf meinem Oberschenkel ab.
Und tatsächlich erreichten wir nach weiteren zwanzig Minuten ein kleines Häuschen, etwas außerhalb von St. Louis.
Es war größer, als ich es mir vorgestellt hatte, dafür aber auch umso schöner, als ich es mir in meiner Fantasie hätte ausmalen können.
Das zweistöckige Haus war von wunderschönen Blumen umgeben und sofort keimte in mir die Frage auf, wie die Blumen diese Jahreszeit überlebten.
Die einzige Antwort, die ich mir darauf geben konnte war, dass die Cullens einen Gärtner angestellt haben mussten, der hier immer wieder nach dem rechten sah.
Dafür, dass es nur ein Ferienhaus war, wurde alles liebevoll umsorgt.
„Gefällt es dir?“, fragte mich Edward, doch mein Blick blieb weiterhin auf das Haus gerichtet.
Die Wände waren in einem hauchzarten Gelb gestrichen und auf der Veranda stand sogar eine Hollywoodschaukel, was ein Lächeln auf meinem Gesicht hervorrief.
„Sehr“, antwortete ich ihm letztendlich und richtete mich von dem Haus los, damit ich Edward wieder ansehen konnte.
Er sah glücklich aus.
Einfach nur glücklich und zufrieden.
Ich kannte diesen Gesichtsausdruck, denn manchmal, wenn ich in den Spiegel sah, erblickte ich denselben Glanz in meinen Augen, wie nun in seinen.
Ein Wochenende nur für uns… Auf solch eine Gelegenheit hatten wir viel zu lange gewartet und nun war sie endlich da.
Edward hatte mir verboten, ihm beim Schleppen unseres Gepäcks zu helfen, doch ich achtete nicht darauf, schließlich war ich durchaus in der Lage, meine eigenen Sachen zu tragen.
Er hatte sogar seinen Blick aufgesetzt, bei dem ich normalerweise die Welt um mich herum vergaß, doch dieses Mal wirkte er nicht so, wie er es gerne gehabt hätte.
Ganz im Gegenteil sogar, ich griff sogar noch nach einer seiner Taschen, marschierte damit zur Veranda des Hauses und wartete darauf, dass er den Wagen abschloss und die Tür zum Ferienhaus öffnete.
Kurz verdrehte er über mein Verhalten seine Augen, doch ich musste nur darüber grinsen.
Das Innere des Hauses war sogar viel schöner als das, was ich von Draußen bewundern konnte.
Die Möbel bestanden aus einem hellen Holz, die Wände waren in einem zarten Aprikot gestrichen worden und strahlten eine solch wunderbare Wärme aus, bei der ich mich sofort wohl fühlte.
Das war also für die nächsten Tage mein Zuhause… zusammen mit Edward.
„Komm, ich führ’ dich herum“, sagte er, ließ unsere Taschen im Flur stehen und nahm meine Hand in seine.
Es hätte mich nicht wundern dürfen, dass im Wohnzimmer ein Kamin stand.
Wie man es aus Filmen kannte, stand direkt gegenüber des Kamins eine Couch, die so gemütlich aussah, dass ich mich, nach dieser langen Autofahrt, am liebsten darauf hingelegt und entspannt hätte, doch das konnte auch bis zum Abend warten.
Ich konnte es mir bildlich vorstellen, wie ich, zusammen mit Edward, darauf liegen würde, eingekuschelt in seinen Armen und wir einfach nur unsere Zweisamkeit genossen, während das Feuer im Kamin lichterloh brannte.
Zwischen dem Kamin und der Couch war ein langer weißer Teppich, der so flauschig aussah, dass ich am liebsten meine Schuhe ausziehen und barfuß darauf laufen wollte.
Doch bevor sich noch weitere Bilder in meine Gedanken schleichen konnten, was man noch alles in diesem Raum hätte machen können, zog mich Edward schon mit sich mit.
Er zeigte mir alles.
Die Küche, das Bad, die Schlafzimmer… Jede Räumlichkeit war schöner, als die andere.
Man könnte beinahe denken, dass jeder Raum aus einem Katalog entsprungen sei, und trotzdem hatte alles noch seine persönliche Note.
Nachdem wir unsere Taschen ausgepackt hatten, machten wir uns daran, uns ein schönes Abendessen zu kochen.
Das Fingerfood, welches wir während der Fahrt zu uns genommen hatten, war zwar lecker gewesen, doch nicht genug um einen Magen zu füllen.
Wieder einmal war ich überrascht, als ich den vollen Kühlschrank bemerkte, dabei hätte ich es mir denken können, dass Edward wirklich für alles vorgesorgt hatte.
Wie ich es ihm bei unserem ersten offiziellen Date versprochen hatte, kochten wir dieses Mal zusammen, doch so viel wie wir herumalberten und rumknutschten, hätten wir beinahe unser Essen angebrannt, konnten es aber noch rechtzeitig verhindern.
~*~*~
„Bist du glücklich?“, fragte mich Edward, nachdem ich den letzten Bissen unseres Essens zu mir genommen hatte und mich pappsatt in den Stuhl zurücklehnte.
Verliebt sah ich in seine Augen, welche ich noch nie so grün hatte funkeln sehen, wie in diesem Moment.
„Allerdings“, beantwortete ich ihm seine Frage, lehnte mich vor und gab ihm einen Kuss auf seine weichen, sinnlichen Lippen.
Schon lange hatte ich mich nicht mehr so glücklich gefühlt, wie jetzt.
Es musste Jahre her sein, dass ich mich so vollkommen gefühlt hatte.
„Und wie ist es mit dir, Mr. Workaholic? Bist du glücklich?“, stellte ich ihm die Gegenfrage, sobald ich von ihm abließ und meine Stirn gegen seine lehnte.
„Also erstens bin ich - dank dir, kein Workaholic mehr“, erklärte er mir und gab mir noch einen schnellen Kuss.
„Ein bisschen schon“, gab ich zu bedenken und musste grinsen.
Noch zu gut konnte ich mich daran erinnern, was für ein Arbeitstier er noch vor einem halben Jahr gewesen war und ich war froh darüber, dass sein Bruder es irgendwie geschafft hatte, ihm einen Zwangsurlaub zu erteilen.
Seitdem hatte sich so vieles geändert.
Edward hatte sich sehr viel Zeit für Emily genommen und ich war mehr als nur glücklich mit anzusehen, wie sich die beiden immer näher kamen und trotzdem hatte Edward immer noch etwas Zeit für mich übrig.
Zwar arbeitete er immer noch mehr, als gut für ihn war, aber ich musste zugeben, dass er sich – für seine Verhältnisse – schon sehr zurückgenommen hatte.
Meine Gedanken wurden unterbrochen, als ich erneut Edwards Lippen auf meinen spüren konnte, wie sich seine Zunge ihren Weg in meinen Mund suchte, was mich zum aufstöhnen brachte und ich meine Hand automatisch in seine vollen Haare vergrub.
„Ich könnte niemals glücklicher sein, als mit dir“, antwortete er auf meine Frage und vertiefte wieder unseren Kuss.
Seine Worte lösten ein Kribbeln in mir aus, welches sich über meinem ganzen Körper ausbreitete.
Nichts hätte ich lieber hören wollen, als dass er glücklich mit mir war, dass ich diejenige war, die ihn glücklich machte und das Wichtigste war, ich zweifelte keinen einzigen Moment daran.
Ich wusste nicht, wie lange wir am Tisch saßen und uns küssten.
Mal kam die Leidenschaft mit uns durch, dann wurde es wieder zärtlich.
Mit meinen Fingerspitzen streichelte ich seine Wange entlang, konnte die weichen Bartstoppeln fühlen, die sich ihren Weg aus seiner weichen Haut bahnten.
Aus irgendeinem Grund mochte ich es sehr, wenn Edward sich ein paar Tage nicht rasierte.
Es machte sein Gesicht markanter und attraktiver und auch seine grünen Augen kamen dadurch mehr zum Vorschein, doch leider erforderte sein Beruf ein gepflegtes Äußeres.
Auch Edwards Hände blieben nicht untätig.
Seine Finger streichelten sanft die Haut meines Halses, so leicht, dass ich mir nicht sicher war, ob ich mir diese Berührung nicht bloß einbildete.
„Sag mal…“, unterbrach ich unseren sinnlichen Kuss, als die Luft etwas zu knapp wurde.
Wieso musste man noch mal atmen?!
„Sollten wir nicht den Tisch abräumen? Abspülen…“, versuchte ich mich zu konzentrieren, doch als ich seine Lippen an meinem Hals spürte, war nicht mehr viel von meiner Konzentration übrig geblieben.
„Das Geschirr kann warten“, sagte er und ich konnte nicht anders, als ihm zustimmend zuzunicken und seine Lippen an meinem Körper zu genießen, solange sie sich dort befanden, wo ich es am meisten mochte.
„Lass uns lieber ins Wohnzimmer gehen“, hörte ich ihn nur schwach sagen, als seine Lippen sich gegen meine empfindliche Haut drückten und sie verwöhnte.
Auch darauf nickte ich nur, konnte mich aber nicht einen einzigen Millimeter bewegen.
Wie hatten wir es nur geschafft, von einem ganz normalen Abendessen zu solch einem leidenschaftlichen Moment zu wechseln?
Sobald Edward seine Lippen von mir löste und aufstand, war auch ich dazu gezwungen mich von der Stelle zu rühren.
Hand in Hand verließen wir das wunderschön dekorierte Esszimmer und gingen ins Wohnzimmer.
Eigentlich hätte ich, in meinem momentanen Zustand viel lieber das Schlafzimmer bevorzugt, doch ich zügelte mich.
Besonders wenn ich mir die Atmosphäre des Wohnzimmers wieder ins Gedächtnis rief, konnte ich es kaum noch abwarten, dort ein paar romantische Stunden mit Edward zu verbringen.
Sobald Edward den Kamin angezündet und irgendeinen Film eingelegt hatte, der in einem der vielen Regale stand, machten wir es uns auf der Couch bequem.
Das Einzige, was ich noch vom Film wusste war, dass der Vorspann wirklich viel versprechend ausgesehen hatte. Den Rest hatte ich nicht mitbekommen.
Wir knutschten wie frisch verliebte Teenager herum, nahmen nichts mehr um uns herum wahr und genossen die Berührungen des anderen.
Es waren unschuldige Berührungen und trotzdem lösten sie so viel in mir aus, dass ich ganz kribbelig wurde.
Arm in Arm lagen wir dort und irgendwann, ich wusste nicht genau wann, war ich auf seinem Schoß gelandet, während meine Beine auf der Couch ruhten.
Seine linke Hand lag an meinen Knien, während seine rechte meinen Rücken auf und ab streichelte.
Es war sehr schön, einfach nur hier zu sitzen und uns Zeit zu lassen, so völlig anders, als es in den letzten Wochen der Fall war.
Keiner von uns musste irgendwo hin, niemand würde uns stören und wir brauchten keine Angst zu haben, erwischt zu werden.
Nur wir zwei und wir genossen es in jeder Hinsicht.
Irgendwann konnte ich den Druck spüren, als Edward seine Arme fester um mich schlang und mich hoch hob.
In dem Glauben, dass er mit mir auf unser Schlafzimmer gehen würde, damit wir das fortsetzen konnten, was wir im Wohnzimmer begonnen hatten, klammerte ich mich an seinem Nacken fest.
Stattdessen kniete sich Edward einfach nur hin und legte mich auf den wohl weichsten Teppich der Welt ab, zwischen der Couch und dem warmen Kaminfeuer.
Kurz löste er sich von meinen Lippen und als ich meine Augen öffnete, konnte ich sehen, wie er mich ansah, so voller Liebe und Verbundenheit, dass ich gar nicht anders konnte, als diesen Blick zu erwidern.
Edward legte sich neben mich und wir sahen uns einfach nur an, genossen den Moment und vergaßen alles um uns herum.
Das Licht des Feuers ließ ihn noch viel schöner wirken, was ich niemals für möglich gehalten hätte, denn für mich war er der schönste Mann, der auf Erden wandelte.
Seine Haare wirkten rötlicher und seine Augen schienen noch mehr zu funkeln.
Meine Hand ließ ich an seine Wange wandern, während er mit seiner Hand an meinem Bauch verweilte.
Ich ließ meine Finger die Kontur seiner Wangenknochen nachzeichnen, fuhr damit über seine gerade Nase, bis ich irgendwann an seine Lippen gelangte.
Sie hatten so eine schöne Form, nicht zu voll, aber auch nicht zu dünn.
Ich liebte seine Lippen.
Einfach alles an ihm liebte ich, sogar seine schlechten Seiten.
Ich bemerkte die kleine Narbe an seinem Kinn und legte meinen Daumen darauf, während mein Zeigefinger noch immer den Kontakt zu seinen Lippen suchte.
Saft fuhr ich den Weg dieser kleinen Narbe entlang und fragte mich, was für eine Geschichte dahinter steckte.
„Ich liebe dich“, flüsterte ich in die Stille hinein und sah ihn an.
Das Lächeln, welches sich auf seinem Gesicht bildete, konnte ich unter meinen Fingerspitzen fühlen und erwiderte es.
Es tat so gut, diese Worte endlich auszusprechen, ohne Angst davor zu haben verletzt zu werden, denn ich wusste, dass er dasselbe für mich empfand.
So lange stand ich keinem Mann mehr so nahe, wie ihm.
Nicht körperlich, obwohl dies auch der Fall war, sondern seelisch.
„Nicht so sehr, wie ich dich liebe“, flüsterte er zurück und beugte sein Gesicht zu meinem.
Als unsere Lippen sich trafen war es so, als ob ein Feuerwerk in meinem Inneren entzündet wurde.
Es war immer wieder ein neues Gefühl Edward zu küssen, ihn zu schmecken, doch nie war es weniger intensiv.
Dabei war es egal, ob es ein zärtlicher Kuss wie dieser war, oder ob er mehr von leidenschaftlicher Natur war, meine Gefühle übermannten mich immer wieder aufs Neue.
Ob es jemals anders sein würde?
Mit einer Hand wanderte ich langsam zu seinem Hemdkragen, zog ihn dabei etwas näher zu mir, ehe ich immer tiefer wanderte und damit begann Stück für Stück sein Hemd aufzuknöpfen.
Edwards Hand wanderte unter meinem Pullover, streichelte die nackte Haut meines Bauches, immer höher, bis er meinen BH erreicht hatte.
Ich konnte nicht anders, als in seinen Mund zu stöhnen.
Immer dann, wenn ein Kleidungsstück von uns abfiel, ließen wir uns Zeit, die nun freie Haut des anderen zu erkunden.
Während ich Edwards Brust küsste, seine Nippen mit meiner Zunge umkreiste, fühlte es sich so an, als wären seine Hände überall an meinem Körper.
Meine noch vom BH bedeckten Brüste wurden von seinen Händen massiert und es fühlte sich so gut an, dass ich nicht anders konnte als lustvoll zu stöhnen, bis er irgendwann an den Verschluss meines BHs gelangte und ihn öffnete.
Ich ließ von ihm ab und sah in sein Gesicht, während er mir quälend langsam den BH abstreifte.
Zunächst sah er noch in meine Augen, bedeutete mir damit, dass er mich so sehr liebte, ehe sein Blick tiefer wanderte und dem BH folgte, wie er mehr und mehr von mir entblößte.
Ein kehliges Knurren verließ seine Kehle, so animalisch, wild und leidenschaftlich, dass ich am liebsten sofort über ihn hergefallen wäre, doch wir ließen uns Zeit und erkundeten den Körper des anderen auf eine Art und Weise, wie wir es bisher noch nie getan hatten.
Schneller, als ich es erwartet hätte, lag ich wieder auf dem Rücken und Edwards schöne Gestalt schwebte direkt über mir.
Unsere Lippen vereinten sich, unsere Hände streichelten den anderen.
Es waren Berührungen, die unsere Körper brennen ließen.
Als ich dabei war, den Verschluss seiner Hose zu öffnen, ließ er mit einer Hand von mir ab.
Erst dachte ich, er wollte mir helfen ihm seine Hose auszuziehen, da mich das immer am meisten an Zeit kostete, stattdessen griff er in seine Hosentasche und holte ein Kondom heraus, welches er immer griffbereit hielt und schmiss es neben uns auf den Boden.
Es dauerte eine ganze Weile, bis wir uns gegenseitig komplett ausgezogen hatten, doch das war es mir wert gewesen.
Noch nie hatten wir uns dabei so viel Zeit gelassen, was schlicht und ergreifend daran lag, dass uns vorher diese Zeit nicht zur Verfügung stand.
Wir waren eingehüllt in unserer kleinen Seifenblase, in unserer eigenen kleinen Welt und nichts und niemand konnte uns dies zerstören.
Nach einer halben Ewigkeit spürte ich, wie Edward sich vor meinem Eingang positionierte.
Meine Lippen fühlten sich schon wund an, so oft wie wir uns geküsst hatten, doch es machte mir nicht im Geringsten etwas aus.
Edward hatte seine Lippen von mir gelöst, doch nichts geschah, weshalb ich dazu gezwungen war, meine Augen zu öffnen und mich dem Gegenwärtigen hinzugeben, doch was ich sah, war es allemal wert.
So, wie Edward in mein Gesicht sah, hatte ich ihn noch nie gesehen.
Seine Augen funkelten so stark, wie die Sterne an einem klaren Abend am Himmel und strahlten so hell, wie noch nicht einmal die Sonne es hätte tun können.
Am liebsten hätte ich diesen Anblick fotografiert, damit ich diese ausdrucksstarken Augen niemals vergessen konnte, aber ich musste mich damit zufrieden geben, mir alles so genau einzuprägen, sodass niemals die Gefahr bestand, dass ich es vergessen würde.
Ich versuchte, nicht zu zappeln und ihn somit auf meine Ungeduld aufmerksam zu machen, dafür war dieser Moment einfach viel zu schön und besonders intensiv.
Seine grünen Augen brannten sich in meine, als ob es nichts Schöneres geben konnte.
Ganz langsam glitt er in mich hinein, viel zu langsam, doch ich versuchte mit all meiner Macht, ihm nicht mein Becken entgegenzudrücken, stattdessen bog ich meinen Rücken und versuchte somit, meine Hüften nach unten zu drücken.
Der Ausdruck seiner Augen war stärker als jemals zuvor.
Wir sahen nicht ein einziges Mal voneinander weg, während er Stück für Stück immer tiefer in mich drang.
Meine linke Hand krallte sich in den Teppich, die andere in Edwards Haare, während ich mir erwartungsvoll auf meine Lippen biss.
Die Art und Weise, wie langsam wir alles angehen ließen, war ein völlig neues Gefühl.
Es war so, als ob man meine bisherigen Gefühle verhundertfachen würde und es war etwas, wovon ich dachte, es noch niemals so erlebt zu haben.
Kurz bevor Edward sich komplett in mir versank, beugte er seinen Kopf und legte seine Stirn auf meiner Schulter ab, küsste mich dort und war genau in diesem Moment komplett in mir.
Ich löste meine Hand vom Teppich und legte sie an seinen Rücken, strich seine Wirbelsäule auf und ab, während wir dieses Gefühl der Vollkommenheit auskosteten, ehe er anfing, sich in mir zu bewegen.
Es fühlte sich so unglaublich gut an, dass ich daran zweifelte, ob es etwas auf der Welt gab, was sich auch nur annähernd so gut anfühlen konnte.
Seine Stöße waren langsam, liebevoll und zärtlich und jeden einzelnen davon kostete ich aus.
Ich konnte seinen heißen Atem an meiner Haut spüren, doch das war mir nicht genug.
Nein, nicht im Geringsten.
Ich wollte ihn näher, viel näher.
So nah, dass nichts mehr zwischen uns passte.
Das Einzige, was in diesem Raum noch zu hören war, war unser leichtes stöhnen und das sinnliche Geräusch, wenn seine Haut auf meine traf, umgeben von den Geräuschen im Kamin, wie das Feuer in unserer Nähe anfing zu knistern.
Unsere Seelen und Körper verschmolzen zu einer Einheit und dachten nicht einmal daran, sich irgendwann zu lösen, sich zu entzweien, denn das war das unnatürlichste, was uns geschehen könnte.
Er bewegte sich immer schneller und auch ich hatte damit begonnen, seine Stöße zu erwidern, indem ich ihm mein Becken entgegendrückte.
Unser Stöhnen wurde bei jedem Stoß lauter und zwischendurch konnte man immer wieder hören, wie wir den Namen des anderen keuchten und uns gegenseitig versicherten, wie sehr wir uns liebten und wie gut es sich anfühlte.
Ich konnte die nahende Erleichterung in mir schon spüren, jedoch versuchte ich dieses Verlangen zu unterdrücken.
Ich wollte mit Edward zusammen meinen Höhepunkt erreichen, doch Edward schien andere Pläne entwickelt zu haben.
Seine Hand wanderte zu meinem Lustpunkt, massierte ihn und intensivierte zusätzlich noch seine Stöße und ich konnte nicht mehr an mich halten und schrie, so laut wie noch nie in meinem Leben zuvor.
Edwards Stöße wurden fester und auch meine Lust hatte noch nicht ihr Ende gefunden.
Er massierte mich weiter und nahm einen meiner Nippel zwischen seine Lippen gefangen.
Mit unseren Hüften kamen wir uns entgegen, intensivierten so die Stöße, bis auch er seinen Orgasmus erreicht hatte und ich, durch die Hilfe seiner Finger, ein zweites Mal innerhalb kürzester Zeit kam.
Minutenlang lagen wir noch so da, er immer noch in mir und versuchte, sein Körpergewicht nicht auf mir zu belasten.
Wir genossen einander und das, was wir eben gemeinsam erlebt hatten.
Für uns beide war es eine neue Erfahrung.
Es war das erste Mal gewesen, dass wir uns unserem Verlangen nicht einfach hingegeben hatten und das war ein wirklich schönes Gefühl gewesen.
So schön, dass wir es die ganze Nacht nicht mehr verlieren wollten…
~*~*~
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, umschlungen von Edwards Armen, konnte ich mich nicht glücklicher fühlen.
Die ersten Sonnenstrahlen fielen durch die Vorhänge, doch als ich ein Blick auf die Kommode unseres Schlafzimmers blickte erkannte ich, dass es schon elf Uhr morgens war.
Ich war erstaunt, dass wir so lange geschlafen hatten, doch als ich mich an die letzte Nacht zurück erinnerte, hätte es mich eigentlich wundern sollen, warum ich nicht noch länger geschlafen hatte.
Vorsichtig, um Edward nicht zu wecken, drehte ich mich um und blickte in sein schlafendes Gesicht.
Ein Lächeln war auf seinen Lippen abgebildet und er sah so friedlich aus, dass ich ihn am liebsten gar nicht wecken wollte.
Eine ganze Weile lag ich einfach nur so da uns beobachtete ihn in seinem Schlaf.
Es war süß, wie er manchmal die Nase kräuselte oder seine Augen kurz zusammenzuckten, sodass ich immer dachte, dass er kurz davor war aufzuwachen, doch dem war nicht so.
Stundenlang hätte ich ihn mir so ansehen können.
Der gestrige Tag, seit unserer Ankunft in diesem Haus, schien mir wie in einem wundervollen Traum und ich hoffte, dass ich daraus nie wieder erwachen würde.
Das Gefühl mit Edward zusammen zu sein war einfach unbeschreiblich und ich nahm mir vor, dass wir unsere restliche Zeit unbedingt nutzen sollten, bevor die Realität wieder zuschlagen würde, sobald wir wieder in Chicago waren.
Zwar wussten jetzt alle, dass Edward und ich eine Beziehung führten, was es für uns eindeutig einfacher machte, allerdings hatten wir beide einen Beruf und eine Familie, wodurch wir unsere gemeinsame Zeit nicht mehr so genießen konnten, wie wir es momentan taten.
Irgendwann musste ich mich von dem Anblick eines schlafenden Edwards lösen.
Die Natur rief und ich musste unbedingt Zuhause anrufen und fragen, ob alles beim rechten war.
Zwar war ich mir sicher, dass Jake oder Nessie mich kontaktieren würden, wenn dem nicht so war, trotzdem wollte ich die Stimme meiner Tochter hören.
Ich versuchte so vorsichtig wie möglich zu sein, damit ich Edward nicht weckte, wenn ich seine Arme von mir löste.
Schnell zog ich mir Etwas über und schlich so leise ich konnte aus dem Schlafzimmer hinaus, in das untere Stockwerk.
Meine Tasche hatte ich im Wohnzimmer liegen gelassen und sofort als ich diesen Raum betrat übermannten mich die schönen Momente, die ich am gestrigen Abend mit Edward dort erlebt hatte.
Es war schade, dass es ab sofort nur eine wunderschöne Erinnerung sein würde, doch ich war mir sicher, dass wir in Zukunft noch mehr solch wunderbare Momente bekommen würden.
Gerade als ich mein Telefon aus der Tasche gefischt hatte und Nessies Handynummer tippte, hörte ich es an der Tür klopfen.
Es war ein lautes Klopfen, sodass ich schon befürchtete, dass Edward dadurch aufwachen könnte, doch nichts geschah.
Ich wusste nicht, wer es hätte sein können.
Vielleicht ein Nachbar, der Edwards Wagen in der Einfahrt gesehen hatte und ihn begrüßen wollte?
So oft, wie Edward mit seiner Familie schon hier gewesen sein musste, hatte er bestimmt ein paar Freundschaften geschlossen.
Unwissend lief ich zur Tür, schob den Türriegel zur Seite und schloss auf.
Vor mir stand eine Frau.
Groß. Rotblonde Haare. Blaue Augen.
Sie war sehr hübsch, doch als ich die große Ähnlichkeit zu Emily erkannte wusste ich sofort, wer mir gegenüber stand.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen