Kurzbeschreibung

Edward Cullen ist alleinerziehender Vater einer 16 jährigen Tochter. Sein Leben scheint perfekt, doch hinter der Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die er schon viel zu lange verheimlicht hat.
Und es gibt nur eine Frau, die ihn wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann.
All Human, Pairing ExB

Freitag, 7. Januar 2011

Kapitel 30 - Offiziell


Edward POV

Möglichst leise und vorsichtig legte ich meinen Autoschlüssel auf der Kommode in unserem Flur ab und vermied es, das Licht anzuschalten.
Es war schon ziemlich spät, eher gesagt war es mitten in der Nacht und ich wollte Emily nicht wecken, oder war es doch die Tatsache, dass ich mich fast wie ein Teenager nach Hause schlich?
Es war ein Vorteil, wenn man das Haus, in dem man lebte schon seit Jahren kannte, da brauchte ich immerhin nicht das Licht einzuschalten, um mich zurecht zu finden.
Trotz allem tastete ich mich mit einer Hand an der Wand entlang und mir rutschte fast das Herz in die Hose, als im nächsten Moment das Licht eingeschaltet wurde und ich in ein paar smaragdgrüne Augen sah, die mich argwöhnisch und mit einer gewissen Spur Skepsis musterten.
„Hey Dad.. Schön, dass du dich auch mal wieder hier blicken lässt.“ Emily verschränkte die Arme vor ihrer Brust und zog eine Augenbraue hoch, während ich seufzend meine Jacke auszog und sie sich an den Türrahmen anlehnte.

„Hey Schatz.. Ja, ich war noch mit ein paar Kollegen etwas essen“, versuchte ich ihr zu erklären, doch langsam würde diese Ausrede wirklich nicht mehr funktionieren.
Emily war nicht blöd, genauso wenig wie Nessie es war, aber ich musste nicht mehr lange durchhalten, denn wir wollten es den beiden heute Abend mitteilen.

„Ach… Sind deine Kollegen vielleicht brünett, haben braune Augen und eine 16 jährige Tochter?“

Ein Grinsen schlich sich auf ihre Lippen und meine Mundwinkel zuckten leicht.
Es war doch recht offensichtlich, dass Emily wusste, wo ich in den letzten Stunden gewesen war, aber Bella und ich wollten es den anderen gemeinsam mitteilen, also müsste ich mich noch ein wenig gedulden.
„Ich weiß nicht, wovon du sprichst. Wieso bist du eigentlich noch wach? Es ist vier Uhr morgens!“
„Dad… Heute ist Samstag… Denkst du, da gehe ich um 10 Uhr ins Bett?“ Emily verdrehte gekonnt die Augen, denn das war schon immer eine Eigenart von ihr gewesen, die sie am besten konnte.
„Ja, du hast ja recht…“, entgegnete ich seufzend und war für einen kurzen Moment so in Gedanken an Bella versunken, dass die Jacke in meinen Händen zu Boden fiel.
Ehe ich mich danach bücken und sie wieder aufheben konnte, hatte Emily sich diese schon gekrallt und wollte sie mir gerade wieder zurückreichen, als eine kleine Schatulle aus der Innentasche meines Jacketts fiel und auf dem Boden landete.

Ich fluchte leise und hoffte, dass Emily es nicht bemerkt hatte, denn niemand wusste von dem Inhalt, der sich in dieser hübschen kleinen Verpackung befand.
Niemand sollte von dem erfahren, was sich dort drin befand – zumindest noch nicht zu diesem Zeitpunkt.

Meine Tochter war wieder einmal zu übereifrig – für meinen Geschmack war sie um diese Uhrzeit viel zu aktiv – und neugierig wie sie war, streckte sie ihre Finger nach der kleinen Schatulle und hob sie vom Boden auf.
Es wäre nicht Emily gewesen, wenn sie mir diese einfach wieder zurückgegeben hätte, nein!
Natürlich musste sie einen Blick darauf werfen und mit einer Geschwindigkeit, mit der ich es nicht vermutet hatte, war das kleine Päckchen bereits geöffnet.

Ich zuckte erschrocken zusammen, als ein Schrei von Emilys Seite zu hören war, schnappte mir die kleine Schatulle und verstaute sie innerhalb von wenigen Sekunden in meiner Hosentasche.
Als ich meinen Blick aufrichtete sah ich, wie ein Grinsen sich auf Emilys Lippen geschlichen hatte, aber trotzdem konnte ich noch eine Spur Unglauben in ihren smaragdgrünen Augen erkennen.
„Okay, ich habe keine Ahnung, ob das wirklich DAS war, was ich denke. War es das was ich denke? Los sag schon, Dad…!“, drängte sie mich und durchbohrte mich mit ihrem neugierigen Blick.
„Ich weiß gar nicht was du meinst…“, entgegnete ich eine Spur bockig, da mein Geheimnis nun kein kleines Geheimnis mehr war.
„Du weißt nicht was ich meine? DAD, verdammt hast du dir schon mal diesen Klunker angesehen?“
„Natürlich habe ich ihn mir angesehen, schließlich habe ich ihn ja auch ausgesucht!“ Ich seufzte leise und massierte angestrengt meinen Nasenrücken, während ich versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen.

Eigentlich hatte ich alles perfekt geplant.

Ich wollte Bella diesen Ring schenken, ich wollte, dass sie meine Frau wurde und dass ich mein ganzes Leben zusammen mit ihr an meiner Seite verbringen konnte.
Der Gedanke, dass sie die Mrs. Cullen sein würde, erfüllte mein Herz mit Stolz und Freude.
Für mich war sie einfach alles.
Sie war die Frau, die ich so sehr vergötterte und über alles liebte.
Sie war die Mutter, die ich mir immer für Emily gewünscht hatte. Schon seit Jahren hatte ich mir gewünscht, eine Frau zu finden, die auch für Emily ein gutes Vorbild sein würde.
Eine Frau, die sie vielleicht eines Tages als ihre Mutter akzeptieren würde, doch bis jetzt hatte ich, was diese Beziehung anging ja wirklich alles falsch gemacht.

Bei Bella war das schon eine ganz andere Sache.
Sie war einfach perfekt für mich, eine starke und auch unabhängige Frau.
Bella hatte so viel alleine in ihrem Leben erreicht und ich war stolz, dass sie das alles allein mit einem Kind gemeistert hatte.
Natürlich hatte auch ich es geschafft und genau deswegen bewunderte ich es so, weil ich ganz genau wusste, wie schwierig es war, alleine ein Kind zu erziehen und dann auch noch nebenbei einen guten Job zu erledigen.

„Du willst sie heiraten?“

Emilys Stimme riss mich aus meinen Gedanken und ich warf ihr einen fragenden Blick zu.
„Wen?“
„Wen? Na von wem rede ich wohl! Von Bella natürlich!“ Emily schüttelte beinahe schon genervt den Kopf, als läge die Tatsache, dass die Frau, die ich heiraten wollte Bella war, bereits auf der Hand.
„Wie kommst du denn auf Bella?“
Emilys Blick nach zu urteilen, fragte ich mich ernsthaft, ob es noch Sinn hatte, die Beziehung zu Bella zu leugnen.
Zumindest nicht vor meiner Tochter, denn sie wusste es, das sah ich in ihren Augen.
„Jetzt hör schon auf damit, ich bin nicht blöd! Es sei denn, du hast Bella die ganze Zeit nur an der Nase herumgeführt und machst stattdessen mit irgendeiner aufgetakelten Tussi rum und wenn das der Fall ist, dann würde ich dir raten das Land zu verlassen.“

Einen Moment lang sagten wir gar nichts und sahen uns einfach nur an, bis ich schließlich nicht mehr konnte und einfach nur zu lachen begann.
Emilys Blick war einfach göttlich und die Tatsache, dass sie auch an Bellas Wohlergehen dachte, machte mich glücklich.
„Was lachst du denn jetzt?“, fragte sie mich beinahe schon empört, doch es dauerte einige Minuten, bis ich antworten konnte.
Nach Luft schnappend schüttelte ich noch immer den Kopf und versuchte meine Gedanken zu ordnen.

„Keine Sorge, Emily. Ich führe Bella nicht an der Nase herum, dass schwöre ich dir.“

„Das will ich auch hoffen! Du weißt, man legt sich nicht mit den Cullens an.“ Sie lächelte, auch wenn sie den ernsten Unterton in ihrer Stimme beibehielt und ich stimmte in ihr Lächeln ein.

„Also Dad… Aber… Überleg doch mal… Du willst sie doch nicht gleich überfallen, oder? Ich mag Bella wirklich sehr, aber ich will nicht, dass du sie verscheuchst…“

„Verscheuchen? Wieso das denn zum Teufel?“ Jetzt war ich derjenige, der empört war, denn ich hatte absolut keine Ahnung, was Emily damit sagen wollte.
Wieso sollte ich Bella verscheuchen?
Dachte Emily etwa, dass wir beide uns nicht genug lieben würden?
Dass es nur eine Beziehung von kurzer Dauer war?

„Keine Panik, ich meine ja nur… Du weißt, wie sie zu Hochzeiten steht, oder?“
Emily warf mir einen prüfenden Blick zu und ich schüttelte mit dem Kopf.
Bella und ich hatten nie über das Thema Hochzeit gesprochen, ich dachte einfach, dass dieser Ring, den ich nach stundenlanger Suche gefunden hatte, ihr gefallen würde und dass sie es sich vorstellen konnte, meine Frau zu werden.
Natürlich würde ich ihr nicht gleich einen Antrag machen, das wäre wirklich ein wenig übereilt, aber ich wollte schon einmal den perfekten Ring besitzen, und den hatte ich jetzt gefunden.

Den perfekten Ring für meine Bella.

„Oh.. Also kam das Thema noch nicht einmal bei euch zur Sprache?“
In diesem Moment war ich wieder einmal ein wenig verwundert, wie erwachsen meine Tochter in manchen Momenten doch war.
„Nein… Ich will ihr auch nicht jetzt sofort einen Antrag machen… Ich wollte einfach DEN Ring für sie kaufen und das habe ich jetzt... Du denkst… Sie will gar nicht heiraten?“

Emily sagte einen Moment gar nichts, sie musterte einfach nur mein Gesicht als versuchte sie meine Reaktionen abzuschätzen, aber ich versuchte möglichst keine Emotionen preis zu geben, auch wenn es mich ehrlich gesagt ein wenig überraschte.
Ich hatte nie daran gedacht, dass Bella überhaupt nicht heiraten wollte, sie war geschieden, vielleicht würde sie mich auch gar nicht heiraten wollen...?

„Ich weiß es nicht... Keine Ahnung, das musst du sie selbst fragen, Dad. Aber ich bitte dich einfach nur… versau es nicht, ja? Denn wenn du Unfug machst, dann muss ich dir wehtun.“
„Ich merke es mir, Schatz“, versprach ich ihr hoch und heilig und sie lächelte zufrieden.
Natürlich war mir jetzt klar, dass Emily es bereits wusste und dass Nessie sich dann auch über alles im Klaren war, war nur logisch, aber Bella und ich wollten es wirklich offiziell machen und das würden wir auch am nächsten Tag.


~*~*~


Nachdem ich einige wenige Stunden mit Schlafen verbracht hatte und der Morgen für mich unerträglich lang war, fuhr ich mit meinem Wagen zu Bella.
Unsere beiden Mädchen waren bereits da, aber Bella wollte noch unbedingt auf Jacob warten, bevor sie es allen verkündete, was ich nicht ganz nachvollziehen konnte.
Natürlich gab es noch immer Momente, in denen ich eifersüchtig auf ihren Ex-Mann war, aber ich musste lernen damit umzugehen, dass er immer ein Teil ihres Lebens sein würde, also sagte ich nichts weiter dazu und wartete mehr oder wenig geduldig darauf, dass Jake an der Tür anklopfte.
Er wollte zusammen mit Vanessa und Emily einen kleinen Ausflug machen, wobei ich absolut nichts dagegen hatte, denn somit konnte ich etwas Zeit mit Bella alleine verbringen.
Niemand war da, der uns bei irgendetwas stören konnte und in der letzten Zeit waren solche Momente bei uns eher selten gewesen, aber wenn die anderen wussten, warum Bella und ich alleine Zeit miteinander verbringen wollten, würden sie vielleicht auch noch ein wenig länger weg bleiben und uns diese paar Stunden gönnen, dessen war ich mir sicher.

Bella war schon seit Stunden unheimlich nervös und trieb damit fast alle, innerhalb eines Radius von fünf Metern, in den Wahnsinn.
Ich versuchte sie immer wieder zu beruhigen, doch meistens hielt dieser Zustand nur für wenige Sekunden an und dann ging das gleiche Spiel von vorne los, also hatte ich es vorerst aufgegeben.

Als es schließlich an der Tür klingelte, sprang Bella von ihrem Platz neben mir auf dem Sofa auf und stolperte fast, während sie mit hektischen Schritten zur Tür hastete.
Emily warf ihr einen verwunderten Blick hinterher und zog ihre Augenbraue in die Höhe, bevor sie mir einen kurzen Blick zuwarf.

Ich versuchte mir möglichst nichts anmerken zu lassen, auch wenn sie es bereits wusste, aber ich versagte kläglich, denn Emily schien jetzt ganz genau zu verstehen, um was es hier gerade ging. Ein breites Grinsen zeigte sich auf ihren Lippen und sie hüpfte einige Male auf dem Sofa auf und ab, doch mein warnender Blick schaffte es schließlich, dass sie es nicht noch offensichtlicher machte.
Sie verschränkte ihre Arme vor der Brust und schien zu schmollen, was mir gleich ein Lächeln auf die Lippen zauberte, da mich diese Eigenart von ihr immer wieder an die Zeit erinnerte, in der sie noch ein kleines Kind gewesen war.
Ja, Emily war schon immer ein Kind mit einem sehr ausgeprägten eigenen Willen gewesen und das hatte sie mich immer wieder aufs Neue spüren lassen, aber ich war unheimlich glücklich darüber, dass ich sie hatte und würde sie gegen nichts in der Welt eintauschen wollen.

„Jacob ist da!“, sagte Bella unnötigerweise und warf mir einen kurzen Seitenblick zu, als sie zusammen mit ihrem Ex-Mann das Wohnzimmer betrat.

Nachdem die beiden Mädchen Jake begrüßt hatten, erhob auch ich mich von meinem Platz und reichte ihm meine Hand, denn schließlich wollte ich ja nicht unhöflich sein und außerdem hatte dieser Kerl einfach etwas an sich, dass man ihn verdammt noch mal nicht hassen konnte.
Er war eine wahr gewordene Frohnatur, wie sie im Buche stand und auch jetzt grinste er wieder über beide Ohren.

„Also Mädels, wollen wir?“ Er warf einen fragenden Blick zu Nessie und Emily herüber, die sich schon von ihren Plätzen erhoben, doch Bella ergriff sofort das Wort.

„Jake… Warte noch... einen Moment ich… nein.. wir haben euch etwas zu sagen…“ Sie wurde mit jedem weiteren Wort, das sie sagte nervöser und ich strich ihr beruhigend über den Oberarm.
Ihr war es unheimlich wichtig, was unsere Töchter über unsere Beziehung dachten, doch ich machte mir keine Sorgen darüber, wie die beiden reagieren würden.
Emily wusste es ja bereits, wie ich es heute Morgen in der Früh erfahren hatte und Nessie würde sicherlich nicht anders darüber denken.

„Ist etwas Schlimmes passiert?“ Jakes Blick wurde besorgt, als er Bellas Blick sah.
Natürlich, die beiden kannten sich eine halbe Ewigkeit, seit der High School um genau zu sein, da war es kein Wunder, dass Jake erkannte, wenn Bella etwas belastete.

„Nein.. Es ist nichts Schlimmes… Aber… Ihr solltet einfach zuhören, okay?“ Bella holte tief Luft und Jake setzte sich neben Emily und Nessie auf die Couch, während er uns beiden einen neugierigen Blick zuwarf.

„Also es ist so… Nun ja… Ich weiß nicht, ob es euch vielleicht aufgefallen ist, dass Edward und ich in letzter Zeit wirklich viel gemeinsam unternommen haben… Wir waren oft zusammen und…“ Sie stoppte und sah jedem der Zuhörer einmal kurz ins Gesicht.
Vanessa legte fragend ihren Kopf schief, während Jake ungeduldig mit dem Fuß wippte und Emily seufzte leise.
„Naja… Edward und ich, wir…“ Sie stoppte, richtete ihren Blick langsam zu mir herüber und ich nickte ihr beruhigend zu.
Bella hatte mir ausdrücklich gesagt, dass sie es den anderen sagen wollte. Natürlich hatte ich ihr meine Hilfe angeboten, aber da sie, wie sie gesagt hatte, alles so verkompliziert hatte, musste sie auch diejenige sein, die es den anderen mitteilte, also hielt ich mich zurück.
„Edward und ich, wir sind ein Paar…“, sagte Bella schließlich und atmete erleichtert aus, nachdem sie die Worte ausgesprochen hatte.
Man konnte deutlich spüren, dass eine riesengroße Last von ihren Schultern fiel und auch ich fühlte mich gleich ein wenig wohler, jetzt da die anderen es offiziell wussten.

Keiner der Anwesenden sagte ein Wort, nachdem Bella unser kleines Geheimnis ausgesprochen hatte und sie bewegte sich unruhig neben mir von einem Fleck auf den anderen.
„Können wir jetzt gehen oder hast du noch etwas zu sagen? Leah wartet nämlich schon auf uns…“, sagte Jake mit einem Blick auf die Uhr und während Bella ihn blinzelnd und mit großen Augen ansah, brach ich in lautes Gelächter aus.
Bellas Blick und Jakes Aussage waren einfach zu göttlich gewesen, sodass ich mein Lachen einfach nicht zurückhalten konnte.

„Was denn?“ Jake war sich wieder einmal keiner Schuld bewusst und runzelte verwirrt die Stirn, während er mich fragend musterte, doch ich schüttelte einfach nur den Kopf, während ich angestrengt nach Luft schnappte.
„Ihr wusstet es bereits?“ Bella schien wirklich überrascht zu sein, oder wahrscheinlich hatte sie immer versucht sich einzureden, dass niemand davon wusste und dass es unser kleines Geheimnis war.
„Ach, aber natürlich wussten wir das. Bitte, ja? So wie du meinen Dad ansiehst und so wie er dich immer anschmachtet war das doch klar!“ Emily grinste und lief zu Bella herüber, damit sie sie umarmen konnte und Bella erwiderte diese Umarmung, auch wenn sie immer noch ein wenig verdutzt zu sein schien.
Zufrieden beobachtete ich die beiden und lauschte ihrer kleinen Konversation.
Emily bestätigte Bella, dass sowohl sie als auch Nessie wirklich überhaupt nichts dagegen einzuwenden hatten und ich lächelte zufrieden, als ich Bellas strahlenden und zufriedenen Gesichtsausdruck sah.

„Edward?“ Verwundert drehte ich mich in die Richtung, aus der die Stimme kam und sah zu Nessie herunter, die mich immer noch ein wenig zurückhaltend anlächelte, aber das Verhältnis zwischen uns beiden hatte sich enorm verbessert.
Wir verstanden uns sehr gut, wir redeten oft über Dinge, die uns beide interessierten und man konnte sagen, dass diese Gespräche nur uns gehörten, denn wir beide waren die Einzigen, die mit dem Thema Architektur etwas anfangen konnten.
„Du wusstest es auch oder?“, sagte ich mit einem Grinsen und als Nessie lächelnd nickte, seufzte ich leise.
„Natürlich, was auch sonst.“

Dann geschah etwas, womit ich wirklich in diesem Moment nicht gerechnet hätte.
Nessie streckte ihre Arme aus und umarmte mich. Es war eine recht feste Umarmung und ich war verwundert, wie viel Kraft in diesem Mädchen doch steckte und etwas verdutzt erwiderte ich diese Umarmung.
„Danke…“, hörte ich sie leise sagen und ich runzelte verwundert die Stirn.
„Danke wofür, Kleines?“
„Dafür, dass du meine Mom so glücklich machst… Sieh sie dir doch an… Schon seit Jahren hat sie nicht mehr so viel gestrahlt wie seit einigen Wochen und schon gar nicht so, wie in diesem Moment…“, erklärte Nessie mir, nachdem sie sich wieder von mir gelöst hatte.
Wir beide sahen zu Bella herüber.
Ihre Tochter hatte Recht.

Bella war wirklich mehr als nur glücklich, das konnte man ihr ansehen und das tat ihr auch wirklich gut.
„Sie hat es wirklich verdient! Sie ist die beste Mutter, die man sich nur wünschen kann und jetzt wird es langsam mal Zeit, dass sie an sich denkt und nicht an mich. Aber ich möchte dich auch um etwas bitten…“ Nessie warf mir einen ernsten Blick zu und ich nickte.
„Bitte tu ihr nicht weh, ja? Ich habe dich jetzt kennen gelernt, ich weiß, du würdest das sicherlich niemals absichtlich tun, aber bitte denk daran, ja? Ich glaube nämlich, dass es ihr das Herz brechen würde, wenn du sie verletzt…“ Sie seufzte leise und schien für einen kurzen Moment wirklich nachdenklich zu sein.

„Ich werde sie nicht verletzen“, versprach ich Bellas Tochter und die Besorgnis wich wieder aus ihrem Gesicht.
„Danke, Edward!“ Sie sagte das mit so einer Überzeugung, dass ich einfach nicht anders konnte, als zu lächeln.

„Okay, genug geschmust, wir müssen jetzt los, Leah…“
„Ja, Leah wartet und wenn wir uns nicht beeilen, dann brennt sie noch mit einem deiner heißen Cousins durch, wir verstehen schon…“, bemerkte Emily sarkastisch und Jake wirkte einen Moment lang regelrecht panisch, da er wahrscheinlich gar nicht daran gedacht hatte.
Nessie kicherte leise und wandte sich von mir ab, als Bella an meiner Seite erschien und mich anstrahlte.

Dann tat ich etwas, was ich schon seit so langer Zeit einmal tun wollte.
Meine Hände legten sich an ihr Gesicht, langsam näherte ich mich ihren schönen geschwungenen Lippen und küsste sie mit all meiner Leidenschaft, die ich ihr in diesem Moment zeigen konnte.
Es war schön, dass ich meine Gefühle jetzt öffentlich zeigen konnte, dass ich nicht mehr darauf achten musste, wer wohlmöglich in der Nähe sein konnte und ob uns nicht jemand sah und unser Geheimnis kein Geheimnis mehr sein würde.
Das war jetzt vollkommen egal.
„Ugh.. Ja wir sollten schnell hier abhauen, bevor die beiden noch gleich hier übereinander herfallen…“, bemerkte Emily hastig und ich hörte, wie eine Tür geöffnet wurde.
„Bis später Leute...“, sagte ich an die anderen gewandt, nachdem ich mich von Bella gelöst hatte.
Emily hatte mir bereits den Rücken zugewandt und deutete ein Winken in unsere Richtung an, während Jake grinsend den Kopf schüttelte.
„Keine Sorge, wir werden uns extra viel Zeit lassen, damit…“
„Ugh… Los Jake, geh schon!“ Ich sah, wie Emily versuchte Jake aus dem Wohnzimmer zu schieben, während Nessie noch immer lachend daneben stand.
Es dauerte noch einige Minuten, bis die drei schließlich verschwunden waren und die Tür ins Schloss fiel.

Mit einem zufriedenen Lächeln wandte ich mich Bella zu und küsste sie gleich noch einmal, was ihr sehr zu gefallen schien, da sich ihre Hände wenige Sekunden später in meinen Haaren vergruben und sie sich fester an mich drückte.
Keuchend löste ich mich von ihr, denn das wollte ich mir eigentlich noch für später aufbewahren und als ich meine Augen wieder öffnete, blickten mich zwei wunderschöne und strahlende schokoladenbraune Augen an.
„Sie finden es großartig…“, sagte sie nach einer kurzen Stille und lächelte, während ihre Hand an meiner Wange entlang strich.
„Ja, das tun sie“, erwiderte ich und am liebsten hätte ich ihr gleich die Frage aller Fragen gestellt, aber ich erinnerte mich sofort an Emilys Worte von heute Morgen.
Mir hätte klar sein müssen, dass Bella den Stimmungsumschwung von mir bemerken würde und ich konnte mich nicht schnell genug kontrollieren, denn ich sah an ihrem Blick, dass sie es gleich registriert hatte.

„Stimmt etwas nicht?“, fragte sie und ihre Stimme klang besorgt.
„Findest du es denn nicht schön, dass die anderen es gut finden?“ Die Besorgnis in ihrer Stimme mischte sich mit der Enttäuschung und schnell legten sich meine Hände an ihre Wangen, sodass sie mich einfach ansehen musste.
„Natürlich finde ich es schön, mach dir deswegen keine Sorgen, Schatz…“
„Aber…? Ich weiß, dass da noch ein aber ist…“, murmelte sie leise und knabberte auf ihrer Unterlippe.
„Es ist nichts… wirklich…“ Ich wollte sie nicht anlügen, aber ich wollte sie auch nicht unnötig beunruhigen.
Dieses Gespräch hatte doch noch etwas Zeit, oder etwa nicht?
Aber so wie ich Bella kannte, würde sie nicht locker lassen, bis sie mir die Wahrheit entlockt hatte.
„Also.. Edward.. Was bedrückt dich?“

Ich überlegte hin und her, wie ich mich jetzt noch aus dieser Lage befreien konnte, aber mir fiel einfach kein gescheiter Grund ein, es war beinahe schon zum Verzweifeln, also entschied ich mich für die Wahrheit.

„Naja… Ich habe in letzter Zeit einfach nur über so einige Dinge nachgedacht... Über unsere Zukunft zum Beispiel..“
„Unsere Zukunft?“ Bella warf mir einen fragenden Blick zu, aber dennoch zeigte sich ein Lächeln auf ihren Lippen.
Ihr schien die Vorstellung zu gefallen, dass ich an eine gemeinsame Zukunft dachte.
Vielleicht waren meine Sorgen ja doch irgendwie unbegründet?
„Ja über unsere Zukunft. Ich meine, wir sind erwachsen und wir sind auch nicht mehr siebzehn, also denke ich ist es vernünftig, darüber nachzudenken, wie unsere gemeinsame Zukunft aussehen wird… Oder nicht?“
Bella sagte einen Moment gar nichts und sah mich fragend an.
„Was hast du dir denn vorgestellt?“

„Was ich mir vorgestellt habe? Naja… Vielleicht wäre es sinnvoll nach einer gewissen Zeit eine gemeinsame Wohnung zu haben, oder ein gemeinsames Haus… Vielleicht könnten wir irgendwann auch… na ja… Eine Hochzeit…“ Ich stoppte, als ich ihren Blick sah.
Ehrlich gesagt tat es ziemlich weh, dass sie so auf das Wort Hochzeit reagierte, als wäre es eine tödliche Krankheit.
Alle Hoffnung, die ich in mir angesammelt hatte, war in diesem Moment verflogen.
Vielleicht würde sie ja eines Tages wieder kommen, aber jetzt war sie beinahe wie ausgelöscht.
War die Vorstellung für sie mich zu heiraten denn wirklich so grausam?

„Edward… Was hat eine Hochzeit denn überhaupt für einen Sinn? Ich meine, es ist nur ein blödes Blatt Papier, was sagt das denn schon aus?“
„Für mich ist es nicht nur ein blödes Blatt Papier...“, entgegnete und ich und merkte erst im Nachhinein, dass meine Stimme ein wenig boshafter klang, als ich es eigentlich beabsichtigt hatte.
„Wieso denkst du überhaupt schon an eine Hochzeit? Wir sind doch noch nicht solange zusammen“, sagte sie und ich schnaubte leise.
„Ich plane nur einfach in Gedanken meine gemeinsame Zukunft mit dir. Du musst mich ja nicht gleich heiraten, ich habe einfach nur daran gedacht, okay?“ Mittlerweile klang ich schon fast wütend und es war schon voraussehbar, dass Bella meine bockige Reaktion nicht auf sich sitzen lassen würde.
„Wieso reagierst du jetzt so? Edward, für mich ist eine Hochzeit nicht mehr von Bedeutung… Ich habe den Glauben daran verloren, ist das denn so schwer zu verstehen?“
„Ach, aber Jacob zu heiraten, da hattest du keine Probleme mit…“ Ich wandte mich von ihr ab und hörte, wie sie schnaubte.
„Oh Bitte… Nicht schon wieder das Thema. Wieso verdammt bist du immer wieder aufs Neue eifersüchtig auf ihn?“
„Du weißt ganz genau warum, Isabella… Außerdem hattest du anscheinend keine Probleme damit seinen Namen zu behalten, aber mich zu heiraten, das ist dir zu wider…“

So langsam merkte ich, dass ich es schon fast nicht mehr kontrollieren konnte, was ich da sagte.
Es war beinahe so wie früher, ich wusste nicht einmal, warum mich das so sehr mitnahm.
Vielleicht lag es daran, dass ich sie so sehr liebte, dass ich alles für sie tun würde und ich würde nicht zögern, sie auf der Stelle zu heiraten, aber sie schien nicht einmal daran denken zu wollen.
„Es ist unglaublich wie eifersüchtig du auf Jacob bist, dabei weißt du doch ganz genau, dass ich dich liebe, oder etwa nicht?“ Verwunderlicherweise klang Bellas Stimme ruhig und ich warf ihr einen prüfenden Blick zu.
Sie schien sich wirklich nicht mit mir streiten zu wollen und ich wollte das weiß Gott auch nicht.

„Ja, das weiß ich…“, murmelte ich leise und wollte meinen Blick von ihr abwenden, doch sie ließ es nicht zu, in dem sie mein Gesicht mit ihren Händen festhielt.
„Denk bitte daran… Ich liebe dich, Edward…! Dass ich nicht heiraten will, hat nichts mit dir zu tun und hey... wir können dieses Gespräch auch noch in einigen Monaten führen... Wir haben doch noch unser ganzes Leben lang Zeit, oder? Wieso hast du es denn nur so eilig damit?“ Ihre Stimme klang sanft und beruhigte mich sofort.
Ich dachte einen Moment lang über ihre Frage nach und seufzte leise.

Ja, wieso hatte ich es eigentlich so eilig?
Einerseits wollte ich wirklich, dass sie eines Tages meine Frau wurde und was diese Sache anging, würde ich auch sicherlich nicht so schnell aufgeben, aber andererseits…
Was war der Grund dafür, dass ich es so schnell wollte?
Vielleicht lag es ja insgeheim irgendwie immer noch an Tanya.
Sie war einfach so mitten in der Nacht verschwunden, hatte mich mit Emily alleine gelassen und war nie wieder in meinem Leben aufgetaucht, bis jetzt.
Eine Heirat würde so etwas zwar nicht verhindern, aber vom Gefühl her war verheiratet zu sein doch etwas wirklich Festes.
Man war aneinander gebunden und das im positiven Sinne, man liebte sich und verbrachte das ganze Leben gemeinsam, miteinander.
Für mich war das etwas tolles, für Bella hingegen schien eine Ehe eher das Gegenteil zu sein.
Da gab es sicherlich noch so einiges an Gesprächsstoff für uns beide, soviel stand fest.
Aber jetzt wollte ich die gemeinsame Zeit mit Bella genießen und ihr schien es genauso zu gehen.
„Wir können ein anderes Mal darüber reden... Du hast Recht...“, sagte ich schließlich seufzend und wir ließen das Thema fallen.
Bella kuschelte sich an mich und schloss zufrieden seufzend ihre Augen.
Ich hatte eigentlich nicht vorgehabt, diesen tollen Moment, von vor einigen Minuten zu zerstören, aber jetzt war es passiert und jetzt konnte ich es auch nicht mehr rückgängig machen.
„Ich sollte das, was ich getan habe wohl wieder gut machen, hm?“, sagte ich mit einem entschuldigenden Lächeln und küsste mich an ihrer Wange entlang, bis meine Lippen ihren Mund berührten.
„Mhmmm… Vielleicht..“, murmelte sie leise und ihre Fingerspitzen strichen an meinem Arm entlang.
Ich konnte deutlich das Lächeln auf ihren Lippen spüren und wusste bereits jetzt, dass dieser Abend nur noch besser werden konnte.

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