Bella POV
Es hätte mich nicht wundern sollen, dass Alice dieses Jahr für Silvester eine riesige Party geplant hatte.
Schon letztes Jahr, meinem ersten Jahr hier in Chicago, hatte sie mich zu ihrer Silvesterfeier eingeladen, zu der ich aber nicht erscheinen konnte.
Jacob, Vanessa und ich waren über die Feiertage nach Phoenix gereist, damit wir diese besonderen Tage im Kreis der Familie feiern konnten, so wie es bisher an jedem Jahr war, seitdem ich geboren wurde.
Doch das Jahr 2010 verlief komplett anders.
Zum ersten Mal hatte ich Weihnachten nicht mit meinen Eltern verbracht, was durchaus ein komisches Gefühl war, aber Edward schaffte es, meine Sehnsucht nach Phoenix zu verdrängen.
Auch Nessie hatte sich dazu entschieden, dieses Silvester nicht im Kreis der Familie zu verbringen, sondern mit ihren Freunden.
Mir war natürlich bewusst, dass es irgendwann einmal so kommen musste und solche Abende nicht mehr mit ihrer Mutter verbrachte, trotzdem war ich über diese Tatsache etwas traurig.
So vieles hatte sich im Jahr 2010 verändert.
Vanessa hatte ihren ersten Freund, Jackson - ihre erste große Liebe, und verbrachte das Ende dieses Jahres mit ihm, Emily und Daniel.
Jacob hatte jemanden gefunden, den er nicht sofort heiratete.
Er wollte Leah erst einmal besser kennen lernen, versuchte seine bisherigen Fehler zu vermeiden und nach dem, was Jacob mir erzählt hatte, würde Leah ihm wohl eher einen Tritt in den Hintern verpassen, anstatt so schnell einen Heiratsantrag anzunehmen.
Für Alice verlief dieses Jahr ebenfalls besonders gut.
Ihre Dates mit Jasper hatten Alice wohl besonders klar gemacht, dass er der Richtige für sie war, doch im Gegensatz zu damals, würde ich ihr in diesem Punkt nicht mehr widersprechen wollen.
Ich hatte die beiden zusammen erlebt und die Art und Weise, wie sie sich gegenseitig ansahen, machte mir bewusst, was für Gefühle beide füreinander hegten.
Manchmal, dachte ich, musste ich Edward bestimmt ebenfalls so ansehen, wobei wir wieder beim nächsten Thema wären.
Dieses Jahr schien das Jahr der Pärchen zu sein.
Nach elf Jahren Abstinenz von den Männern hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass ausgerechnet Edward der Mann sein würde, der mich wieder dazu brachte, mich dem männlichen Geschlecht zu öffnen.
Besonders wenn ich an die Zeit zurückdachte, in der ich Edward kennen gelernt hatte, erschien es mir ganz weit weg.
Damals war Edward so anders: Verschlossen und distanziert.
Erst mit der Zeit wurde ihm bewusst, dass er an seiner Beziehung zu Emily arbeiten musste, dass er ihr zeigen sollte, dass er sich für sie und ihr Leben interessierte, was zwar gedauert hatte, aber er hatte es geschafft, dass Emily wieder freiwillig Zuhause einzog.
Ich konnte es gar nicht richtig fassen, dass der Edward von damals und der Edward von heute, ein und dieselbe Person waren.
Er hatte es geschafft, dass ich Gefühle für ihn entwickelte, einfach dadurch, indem er war, wie er war.
Die Sache mit Tanya hatte ihm schwer zugesetzt und ich fand es verblüffend, dass er es geschafft hatte, sich mir anzuvertrauen.
Mir zu erzählen, was damals vorgefallen war, musste für ihn das Schlimmste gewesen sein.
Zu erzählen, wie er sich gefühlt hatte und diese schreckliche Zeit noch einmal zu durchleben, musste sich wie die Hölle auf Erden angefühlt haben, doch er hatte sich überwunden und endlich über das gesprochen, was ihn all die Jahre so belastet hatte.
Von dem Moment an, hatte es mit uns seinen Anfang genommen.
Zunächst waren wir nur Freunde, auch wenn es sich nicht nur wie eine Freundschaft angefühlt hatte, denn da war eindeutig mehr zwischen uns.
Der Sex, den ich mit ihm im Lagerraum von Alice’ Buchladen gehabt hatte, war unbeschreiblich schön und intensiv gewesen, aber zu dieser Zeit hatte es mich einfach verwirrt und ich war mehr als nur froh, dass Edward dazu bereit gewesen war, uns eine Chance zu geben.
Die Wochen, die ich mit ihm zusammen war, zählten zu den schönsten Wochen meines Lebens.
Edward war so ein wundervoller Mensch und er gab mir das Gefühl, etwas Besonderes zu sein.
Dass meine Gefühle für ihn immer größer wurden, stellte ich erst mit der Zeit fest.
Die Schmetterlinge in meinem Bauch nahmen an Intensität zu und meine Gefühle für ihn wurden immer deutlicher.
In den letzten Tagen hatte ich versucht, meinen Verstand so gut es ging abzuschalten und nur auf das zu hören, was mein Herz mir sagte, denn dort gab es keine Komplikationen, keine Hürden, es gab einfach nur uns beide – Edward und Bella – und das war ein verdammt schönes Gefühl.
Ich hatte keine Lust mehr, auf dieses verdammte Versteckspiel, auch wenn ich diejenige von uns war, die es unbedingt geheim halten wollte, einfach aus Angst, dass jemand anderes verletzt werden könnte, wenn es mit uns beiden nicht klappen würde, doch die Wahrheit war, dass ich in Wirklichkeit Angst davor hatte, selbst verletzt zu werden.
Edward wurde von allen Seiten angehimmelt.
Egal ob es auf einer Schulveranstaltung, im Kino oder in einem Restaurant war, er zog die Blicke aller Frauen in seiner Umgebung an sich und um ehrlich zu sein, konnte ich es diesen Frauen nicht einmal verübeln.
Es war nicht nur Edwards Aussehen, sondern auch seine Ausstrahlung, die so anziehend auf so viele Frauen wirkte.
Ich hatte Angst, dass ihm unsere Beziehung auf Dauer langweilig werden würde, sobald wir nicht mehr ein Geheimnis daraus machten.
Was hatte ich ihm schließlich schon zu bieten?
Aber eins wurde mir bewusst: Ich war es uns schuldig!
Wir mussten herausfinden, wie sich die Beziehung zwischen uns entwickeln würde und das würden wir niemals schaffen, wenn wir es nicht endlich unseren Töchtern sagten.
Doch da war noch etwas anderes!
Bevor wir so weit gehen würden, unsere Beziehung bekannt zu machen, wollte ich ihm diese drei kleinen Worte sagen, aber ich wusste nicht wie.
Ich wusste nun, was ich empfand, besonders an Weihnachten wurde es mir wirklich bewusst, aber ich hatte Angst, dass ich diese Worte nicht herausbringen konnte.
So oft hatte ich es in den letzten Tagen versucht, aber kein Wort kam über meine Lippen.
Entweder war die Situation unpassend, oder ich wechselte so schnell das Thema, dass sogar Edward immer verwirrt die Stirn runzelte, weil ich mich so komisch verhielt.
Irgendetwas war in mir, das mich blockierte, nur was war es bloß?
Lag es vielleicht an der Tatsache, dass ich seit über einem Jahrzehnt keinem Mann mehr gesagt hatte, dass ich ihn liebte?
Oder war es doch etwas Anderes?
Es würde sich alles ändern, sobald wir uns in der Öffentlichkeit bekennen würden, aber war es nicht das, was ich wollte?
Doch was, wenn es sich zum Schlechten veränderte?
Ich wusste, Vanessa und Emily waren mittlerweile erwachsen genug, aber das hieß noch lange nicht, dass meine Beziehung zu Edward keinen Einfluss auf sie haben würde.
Zwischen Edward und Emily gab es noch so viel, was geklärt werden musste…
Natürlich war das Verhältnis der Beiden um weiten besser geworden, als es noch vor einem halben Jahr der Fall gewesen war, aber das hieß nicht, dass diese Harmonie nicht schon bald ihr Ende finden konnte.
Emily wusste immer noch nicht, dass ihre Mutter in Wirklichkeit lebte.
Edward hatte es einfach noch nichts übers Herz gebracht, ihr diese Tatsache zu beichten, doch besonders jetzt, wo wir wussten, dass Tanya in der Stadt war, war es unvermeidlich ihr davon zu erzählen und das so schonend wie möglich.
Von Tanya hatte Edward seit diesem Telefonat nichts mehr gehört, was vermutlich eher daran lag, dass er seine Nummer gewechselt hatte und er Emily erzählte, dass bei ihnen einfach zu viele Leute anriefen, die ihnen irgendetwas verkaufen wollten und er einfach keine Lust mehr hatte, diese Leute abzuwimmeln.
Ob Emily es ihm abkaufte oder nicht, war ihm egal, solange Tanya nicht einfach einen anderen Weg fand, mit ihm in Kontakt zu treten.
Er hoffte dadurch, ihr so vor Augen zu führen, dass sie in seinem Leben, in unserem Leben, nichts mehr verloren hatte.
Tanya hatte sich diese Situation schließlich selbst zuzuschreiben.
Sie wurde nicht dazu gezwungen, ihr neugeborenes Baby einfach im Stich zu lassen, das war ganz allein ihre eigene Entscheidung gewesen.
Diese Frau hatte kein Recht dazu, einfach wieder hier aufzutauchen und sowohl Edward, als auch Emily, das Leben schwer zu machen.
Wenn sie Emily wirklich liebte, dann sollte sie sie einfach ihr Leben leben lassen und sich nicht einfach dort hineindrängen.
Doch wenn sie Emily tatsächlich lieben würde, wäre sie nicht einfach so verschwunden.
Sie kannte Emily nicht!
Sie wusste nicht, wie wunderschön und klug sie war, wie viel Humor sie hatte… sie wusste nichts über sie, selbst wenn sie ihre DNA teilte, aber ihre Mutter war sie noch nie gewesen.
Ich konnte ohnehin niemals verstehen, wie eine Mutter ihr Baby einfach im Stich lassen konnte, es überhaupt nicht lieben konnte.
Ein Kind zu einer Adoption zu geben, war für mich jedoch etwas vollkommen anderes.
Man wollte einer Familie etwas geben, was man selbst nicht bewältigen konnte, wollte für sein Baby nur das Beste, doch diese Frau hatte nur an sich und an ihr eigenes Wohl gedacht.
Ich versuchte, meine Gedanken wenigstens für das restliche Jahr abzuschalten.
Es war nicht wichtig, was geschehen war oder was noch alles passieren würde, jedenfalls nicht heute.
Das Einzige, was heute zählte war die Tatsache, dass ich zusammen mit Edward das Ende dieses Jahres verbringen würde und das neue Jahr mit ihm beginnen konnte.
Auch wenn ich dieses Mal weder meine Tochter, noch meine Eltern bei mir hatte, so hatte ich doch Edward, der einen Teil meiner Sehnsucht zu meiner Familie stillte.
Gerade als ich einen letzten Blick in dem Spiegel warf, klingelte es auch schon an meiner Tür.
Nessie und Emily waren schon am späten Nachmittag aufgebrochen um sich fertig zu machen, damit sie sich danach mit ihren Jungs treffen konnten, währenddessen ich in der Zeit, in der ich allein Zuhause war, die Zeit genutzt hatte und mich für den bevorstehenden Abend hübsch gemacht hatte.
Das Kleid, welches ich trug, war königsblau und reichte bis an meine Knie.
Wäre Alice nicht gewesen, hätte ich bei der Eiseskälte, die draußen herrschte, nicht einmal daran gedacht, ein Kleid anzuziehen, aber sie hatte solange auf mich eingeredet und mir letztendlich sogar ein dickes paar Strumpfhosen in die Hand gedrückt, dass ich mich ihren Forderungen ergeben musste.
Der V – Ausschnitt des Kleides war gerade einmal so groß, dass er genug Raum für Fantasie bot, aber auch nicht zu viel freigab und dadurch, dass das Kleid nur durch den Stoff an meinem Nacken gehalten wurde, brachte es meine Brüste mehr zur Geltung.
Ich konnte es kaum abwarten, dass Edward mich in diesem Traum von Blau sehen würde und sich in seinen Augen dasselbe Verlangen abzeichnen würde, welches ich immer in seiner Gegenwart empfand.
Schnell hastete ich zur Wohnungstür und betätigte den Knopf, damit ich Edward die Tür zum Haus aufmachen konnte, doch zu meiner Verwunderung war das völlig unnötig, denn Edward stand schon in seiner ganzen Pracht vor mir.
Sofort hatten sich unsere Augen gefunden, verwoben sich ineinander, während ich langsam zur Seite trat, damit Edward mein bescheidenes Heim betreten konnte.
Nicht ein einziges Mal wurde unser Blickkontakt unterbrochen.
Erst als ich die Wohnungstür wieder hinter mir schloss, kam Edward einen Schritt auf mich zu, sein unwiderstehliches Lächeln stets auf seinen wunderschönen Zügen.
Der unglaubliche Duft, welcher ihn umgab, drang immer mehr in meine Nase, was dazu führte, dass sich meine Sinne vernebelten.
Je näher sein Körper an meinem herannahte, desto mehr konnte ich die Körperwärme spüren, die von ihm ausging.
Ich dagegen konnte mich keinen einzigen Zentimeter vom Fleck rühren, war von seinem Auftreten zu sehr gebannt, als dass ich mich hätte bewegen können.
„Hey“, sprach er leise, als er mir so nah gegenüber stand, sodass ich seinen Atem auf meinem Gesicht spüren konnte.
Seine grünen Augen blickten auf mich hinab, mit so viel Wärme und Liebe, dass mir ganz schwummrig wurde.
Ich konnte nichts anderes tun, als diesen Blick zu erwidern und zu hoffen, dass er in meinen Augen ablesen konnte, dass ich diese Liebe auch für ihn empfand, doch es machte nicht den Anschein, als ob er es bemerken würde.
„Hey“, flüsterte ich zurück und lehnte mich näher an ihn.
Gerade als ich mich auf meine Zehenspitzen stellen und ihm einen Kuss geben wollte, griff er nach meinen Händen, welche ich auf seine starke Brust gelegt hatte und hielt mich eine Armlänge von sich entfernt.
Verwirrt betrachtete ich ihn, fragte mich, ob irgendetwas nicht stimmte, doch als ich seinen Blick bemerkte, wie seine Augen lüstern meinen Körper auf und ab wanderten, war meine Verwirrung wie weggewischt.
Anfangs konnte ich mich von seinem Anblick nicht lösen.
Die Art und Weise, wie seine Augen über meinen Körper glitten, war mehr als erregend, allerdings war der Zeitpunkt für diese Gefühle mehr als nur schlecht gewählt, schließlich erwartete uns Alice jeden Moment auf ihrer Party.
Irgendwann schaffte ich es, mich von seinem Gesicht zu lösen und besah ihn mir ebenfalls von oben bis unten.
Edward trug ein schlichtes weißes Hemd, dazu eine dunkelblaue Krawatte, welche komischerweise zu der Farbe meines Kleides passte und ich mich sofort fragte, ob Alice nicht möglicherweise ihre Finger mit im Spiel hatte.
Ich hatte zwar keine Ahnung, wie sie Edward dazu hätte bringen können, schließlich war ich bisher jedes Mal dabei gewesen, wenn sie sich sahen, aber eine Alice Brandon hatte immer ihre eigenen Mittel und Wege.
Über seinem Hemd trug er ein schlichtes Sakko, welches zu seiner schwarzen Stoffhose passte.
„Du siehst… wow!“, kam es nur gehaucht von ihm und er zog mich wieder so abrupt an seinen Körper, dass ich erschrocken aufschrie, doch Edward hatte schon schnell seine Lippen an meine gepresst und dämpfte somit meinen Schrei.
Ich wusste nicht, woher diese plötzliche Leidenschaft von ihm kam, aber er hatte sie sehr schnell auch auf mich übertragen.
Das Wieso war egal, nur dieser eine Moment war noch wichtig.
Meine Hände ließ ich an seinen Nacken wandern und gab mich ihm voll und ganz hin.
Jede einzelne Faser meines Körpers, meines Herzens und meiner Seele gehörte voll und ganz ihm.
„Erklärst du mir noch mal, wieso wir Silvester nicht einfach hier feiern? Allein?“, fragte er mich, nachdem wir unseren Kuss beendet hatten, er aber trotzdem nicht von mir ablassen konnte.
Seine Lippen küssten sich meine Wange entlang, hinab an meinen empfindlichen Hals, wobei er wusste, wie schwach ich wurde, wenn er mir dort seine Beachtung schenkte.
„Weil…“
Ich stöhnte, als er leicht in meine Haut biss.
Wie sollte man sich denn da schon konzentrieren?
Das nächste, was ich spürte, war seine Hand an meinem Knie, wie er mit seinen Fingerspitzen den Stoff meiner hautfarbenen Strumpfhose entlang strich und mit seiner Hand immer höher wanderte.
„Edward…“, hauchte ich, versuchte dabei warnend zu klingen, was mir aber mehr als nur misslang.
„Nicht… jetzt!“, stöhnte ich mehr, als das ich es sagte, als ich seine Finger an meinem Innenschenkel spürte.
„Wieso?“, fragte er mich, doch seine Stimme war gedämpft, da er sich mittlerweile mit seinen Lippen mein Schlüsselbein entlang küsste.
Ich musste versuchen wieder zur Besinnung zu kommen, auch wenn es sehr schwer war, wenn man bedachte, was Edward gerade mit meinem Körper anstellte.
Ein letztes Mal drückte ich ihn noch näher zu mir heran, versuchte diesen einen Augenblick zu genießen und ihn mir für die nächsten Stunden einzuprägen, bevor ich mit all meiner verbliebenen Kraft meine Hände gegen seine Brust stemmte und ihn von mir wegdrückte.
Es waren ein paar Versuche notwendig gewesen, ehe er überhaupt den Druck an seiner Brust gespürt hatte, denn ich konnte mir gut vorstellen, dass ich momentan genauso schwach sein musste, wie ein kleines Baby.
Ergeben lehnte Edward seine Stirn gegen meine, hauchte einen Kuss auf meine Nasenspitze und öffnete in dem Moment seine Augen, als ich auch meine wieder dazu bringen konnte, sich zu öffnen.
„Hey“, sagte er wieder ganz leise, was mir ein Lächeln auf meine Lippen zauberte, welche er vorhin noch mit seinen verwöhnt hatte.
„Hast du dich wieder unter Kontrolle?“, versuchte ich ihn zu necken, nachdem wir eine ganze Weile einfach nur da standen und uns in den Augen des Anderen verloren.
Edward sagte nichts, sondern strich mit seinen Fingern meine Seiten auf und ab.
Ich genoss dieses Gefühl, die Wärme seiner Finger an meinem Körper, ehe ich ihm einen letzten Kuss gab und mich endgültig von ihm löste.
Wenn wir uns nicht bald auf den Weg zu Alice’ Party machen würden, war ich mir sicher, würde es großen Ärger geben.
Alice hasste Unpünktlichkeit mehr als alles andere, sowohl geschäftlich, als auch privat.
Das Einzige, was von Edwards Seite kam, war ein verärgertes Murren, doch sobald seine Augen wieder auf meine trafen, bildete sich das schiefe Lächeln auf seinen Zügen.
„Du siehst toll aus“, teilte er mir mit, was ich nur mit einem Grinsen quittieren konnte.
Ja, diese Tatsache war mir durchaus aufgefallen, so wie er mich zu sich herangezogen und mich geküsst hatte… Es war die Art von Leidenschaft, die ich besonders an ihm liebte, die mir gleichzeitig aber auch immer den Verstand raubte.
„Und du willst wirklich auf diese Party?“, räusperte er sich, seine Augen immer noch auf mir geheftet.
Liebend gerne würde ich mit Edward den Abend einfach allein verbringen, mit ihm auf der Couch kuscheln und irgendeinen schlechten Film ansehen, doch ich kannte Alice gut genug um zu wissen, dass sie mich zu der Party schleifen würde, egal unter welchen Umständen.
Einer Alice Brandon konnte man nicht entkommen, aber ich würde sie auch nie wieder hergeben wollen, dennoch wollte ich in diesem Moment viel lieber meine Zweisamkeit mit Edward genießen, als das ich in der Öffentlichkeit wieder meine Gefühle vor ihm verbergen musste.
„Von wollen kann keine Rede sein, aber ich habe es versprochen“, erklärte ich ihm, ging wieder auf ihn zu und nahm seine Hand, damit wir uns endlich auf den Weg zu Alice machen konnten, bevor diese noch einen Suchtrupp nach uns schicken würde.
~*~*~
Der Weg zu Alice’ Party verlief schweigend.
Nicht, weil wir uns nichts zu sagen hatten, sondern einfach nur, weil wir die Gegenwart des anderen genossen.
Edward hatte die meiste Zeit über seine Hand auf meinem Knie abgelegt und erst jetzt verstand ich, was für ein Segen doch diese Autos mit Automatikschaltung waren.
Es dauerte nicht lange, bis wir Alice’ Wohngegend erreicht hatten, dafür dauerte es umso länger einen geeigneten Parkplatz zu finden.
In der näheren Umgebung war nichts mehr zu finden, da anscheinend die meisten Gäste schon da waren und die besten Parkplätze besetzt hatten, weshalb wir also etwas weiter weg in einer Seitenstraße parken mussten, doch das machte mir nichts aus, so konnten Edward und ich unsere Zweisamkeit noch etwas länger genießen.
Händchen haltend und schlendernd machten wir uns langsam auf den Weg.
Ich kuschelte mich in seine Seite, versuchte mir seinen atemberaubenden Duft einzuprägen, indem ich meine Nase an seine von seinem Hemd besetzte Brust vergrub und tief inhalierte.
Niemals in meinem Leben wollte ich diesen Duft vergessen und mir wurde immer bewusster, dass ich Edward diese drei kleinen Worte, mit solch einer großen Bedeutung, bald sagen müsste, schließlich würde er nicht ewig warten und er sollte nicht denken, dass diese Liebe nur einseitig war, aber es war so verdammt schwer den richtigen Moment zu finden.
„Alles okay mit dir? Du siehst so nachdenklich aus“, stellte Edward fest.
Manchmal überraschte es mich, wie gut er mich doch kannte und meine Stimmungen wahrnehmen konnte.
Er merkte, wenn ich einfach nur unsere gemeinsame Zeit genießen wollte und erkannte, wenn meine Stimmung in eine nachdenkliche Richtung ging, allerdings konnte ich es ihm nicht sagen.
Nicht jetzt, auf dem Weg zu einer Silvesterparty mitten auf den Straßen Chicagos.
„Es ist nichts“, sagte ich letztendlich und zwang ihn dazu stehen zu bleiben, damit ich mich auf meine Zehenspitzen stellen und ihn küssen konnte.
Wahrscheinlich unser letzter Kuss in diesem Jahr, denn ich bezweifelte, dass wir auf der Party ein ruhiges Plätzchen nur für uns finden würden.
Ja, es war eindeutig an der Zeit, dass wir unsere Beziehung bekannt machten und ich hoffte sehr, dass die Mädchen mit uns als Paar einverstanden waren, denn wenn nicht, dann wusste ich, würde es uns nur das Herz brechen, doch so weit wollte ich nicht denken.
Selbst meine Tochter hatte gemerkt, wie glücklich ich in letzter Zeit war und ich vertraute Edward, wenn er sagte, dass niemand etwas gegen unsere Beziehung haben würde.
Wir hatten uns dazu entschlossen, unsere Beziehung in diesem Jahr noch geheim zu halten, doch das nächste Jahr würde sich ändern.
„Lass uns reingehen“, flüsterte Edward gegen meine Lippen, ehe er mir noch einen letzten Kuss auf meine Lippen hauchte und wir Arm in Arm zu Alice’ Wohnung schlenderten.
~*~*~
„Da seid ihr ja endlich!“, rief die kleine Elfe aus, sobald wir an ihrer Tür geklingelt und sie uns diese geöffnet hatte.
Aus dem Inneren ihrer Wohnung war leise Musik zu hören, genau die richtige Lautstärke, damit man sich ohne zu schreien unterhalten konnte.
Die verschiedenen Stimmen, die an mein Ohr drangen, bewiesen mir, dass Alice nicht zimperlich mit ihrer Gästeliste umgegangen war und wahrscheinlich jeden eingeladen hatte, den sie kannte.
„Hey Ali“, begrüßte ich sie und schloss sie in eine Umarmung, welche sie natürlich sofort erwiderte.
„Kommt rein, kommt rein“, bat uns Alice, nachdem sie unsere Umarmung beendet und auch Edward so überschwänglich begrüßt hatte, sodass ich wusste, dass sie schon etwas angeheitert war.
„Ihr glaubt nicht, wer doch noch hier aufgetaucht ist“, sagte Alice und führte uns in Richtung Küche, wo sie uns sofort etwas zu trinken reichte.
Erwartungsvoll sah sie uns an, als ob wir jeden Moment wie wild damit anfangen würden zu raten, wer sich alles auf ihrer Party befand, doch weder Edward, noch ich, hatten Lust auf irgendwelche Ratespielchen.
„Wer?“, fragte ich sie deshalb, weil Alice wohl sonst, ohne Aufforderung, nie von alleine weitergeredet hätte.
„Na wenn das nicht meine Lieblings Ex-Frau ist“, hörte ich auch schon die mir sehr bekannte Stimme hinter mir sagen und drehte mich um.
Dort, am Eingang der Küche, stand Jacob, in all seiner Pracht.
Das Lächeln auf seinen Lippen hätte nicht breiter sein können und auch ich freute mich natürlich, dass auch er hier war, ganz im Gegensatz zu Edward, der sich etwas versteift hatte.
Ich hatte nicht gewusst, dass Alice auch Jake eingeladen hatte, schließlich hatte er ganz andere Pläne für Silvester gehabt, aber entweder, er musste diese Absagen, oder Alice hatte ihre Überredungskünste wieder einmal erfolgreich genutzt, sodass auch Jacob keine andere Wahl hatte, als auch hier zu erscheinen.
Erst später fiel mir die schwarzhaarige Schönheit an seiner Seite auf.
Sie war groß, genau die richtige Größe für einen Mann wie Jacob, und hatte eine recht ungewöhnliche Ausstrahlung: Eine starke Frau, doch in ihren Augen konnte man den weichen Kern erkennen, wenn sie zu Jake herübersah.
Ihre dunklen Augen richteten sich auf mich, doch noch bevor Jake uns bekannt machen konnte, machte ich den Anfang.
„Hi, ich bin Bella. Du bist Leah, richtig?“
Es konnte sich nur um Leah handeln, so oft wie Jake immer von ihr erzählt hatte.
Noch nie in meinem ganzen Leben hatte ich ihn so begeistert von einer Frau sprechen hören und ich freute mich wirklich sehr für ihn.
„Genau“, lächelte sie und schüttelte meine Hand, so stark, dass ich beinahe aufgeschrieen hätte, da ich mit diesem starken Druck nicht gerechnet hatte, stattdessen erwiderte auch ich ihr Lächeln, ehe sie sich neugierig an Edward wandte.
Nichts als reine Neugier lag darin. Kein Begehren oder irgendwelche lüsternen Gedanken, so wie es andere Frauen bei Edwards Anblick oft hatten, einfach nur die reine Neugier, wer neben der Ex Frau ihres Freundes stand.
„Das ist Edward“, stellte Jake ihn stattdessen vor, noch bevor Edward sein Wort an Leah richten und sich selbst vorstellen konnte.
„Oh, Bellas Freund, ich freu mich“, sagte sie und schüttelte auch seine Hand.
Perplex starrte ich sie an.
Freund? Wie kam sie darauf?
Natürlich entsprach es der Wahrheit, aber offiziell hatten wir uns immer noch dazu entschlossen, nur Freunde zu sein, auch wenn es inoffiziell eine ganz andere Geschichte war.
Auch Edwards Körperhaltung, welche sich nach Leahs auftauchen wieder entspannt hatte, versteifte sich wieder allmählich.
Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte.
Widersprechen wollte ich nicht, schließlich war es nur die Wahrheit und außerdem würde ich Edward damit verletzen, wenn ich unsere Beziehung leugnen würde, aber andererseits hatten wir vorgehabt, dass wir unsere Beziehung im Beisammensein unserer Töchter offiziell machen würden.
Ich entschied mich für die Beste Variante.
„Also Leah, du bist also noch nicht mit Jake verheiratet? Dafür sollte ich dir eine Urkunde ausstellen“, lenkte ich ab und versuchte so, unser Gespräch zu lockern und in eine lustigere Richtung zu wenden.
~*~*~
Der Abend verlief ausgezeichnet.
Edward und ich hatten zwar keinen einzigen Augenblick unsere Ruhe, dennoch blieb er immer an meiner Seite.
Sein Arm war um meine Taille geschlungen, während wir uns unter die Menge mischten und uns mit Alice’ Gästen unterhielten.
Leider ließ es sich nicht vermeiden, dass die ein oder andere Frau verstohlene Blicke zu Edward warf, allerdings musste ich mit Genugtuung feststellen, dass Edward sie nicht eine Sekunde lang würdigte.
Was mit jedoch auffiel war, dass Edward seinen Griff um meine Taille verstärkte, sobald ein Mann seine Augen zu lange auf mich gerichtet hatte und Edward versuchte eben diese Männer mit nur einem einzigen Blick zu erdolchen.
Das einzige Mittel, um Edward irgendwie wieder zu beruhigen war, indem ich meine Hand auf seine legte und sanft mit meinen Fingerspitzen beruhigend über seinen Handrücken streichelte.
Immer, wenn er seine Augen dann auf mich richtete, konnte ich die Sanftheit in ihnen erkennen und die Liebe, die er für mich empfand.
Am liebsten hätte ich ihn geküsst, doch noch war es nicht soweit.
Bald, erinnerte ich mich immer wieder.
Nur noch ein paar Tage, bis wir es offiziell machen würden, solange würden wir es noch aushalten.
Schneller, als ich es eigentlich erwartet hatte, näherten wir uns dem Ende des Jahres.
Alice verteilte schon die ersten Sektgläser, damit wir auch pünktlich zum Jahresanfang anstoßen konnten.
Sobald auch Edward und ich ein Glas in den Händen hielten, griff er mit seiner freien Hand nach meiner, wodurch er meine ganze Aufmerksamkeit erregte.
Lange sahen wir uns einfach nur in die Augen, ehe er mit seinem Kopf in irgendeine Richtung nickte und sich auch schon in Bewegung setzte.
Ohne irgendetwas zu sagen oder zu hinterfragen, folgte ich ihm, meine Finger immer noch mit seinen verschränkt.
Erst kurze Zeit später begriff ich, dass er mit mir auf den kleinen Balkon wollte.
Anfangs wollte ich widersprechen, da es so furchtbar kalt war, doch ich erinnerte mich wieder an das Weihnachtsfest bei seiner Familie, wo er mich nach draußen in den schneebedeckten Garten geführt hatte und ich alles um mich herum vergessen hatte, sogar die Kälte.
Außerdem würde sich so die Möglichkeit bieten, mehr oder weniger allein mit Edward zu sein und es wäre eine willkommene Ausrede, mich an ihn zu kuscheln, damit mir nicht kalt wurde.
„Endlich allein“, flüsterte er, nachdem wir den Balkon betreten hatten und er die gläserne Tür hinter uns wieder verschloss.
Quälend langsam bückte er sein Gesicht zu meinem, doch ich konnte nicht warten, bis seine Lippen auf meine trafen, weshalb ich ihm meinen Kopf entgegen streckte und ich so seine Lippen viel schneller auf meinen spüren konnte.
Es war ein zärtlicher und sanfter Kuss.
Einer, in dem all unsere Gefühle für den anderen steckten und mir ein breites Lächeln ins Gesicht zauberte.
Wir beendeten diesen Kuss viel zu schnell.
Lange sahen wir uns in die Augen, hielten uns gefangen und genossen die Zweisamkeit um uns herum.
Seinen linken Arm hatte er um meine Hüften geschlungen und malte mit seinen Fingerspitzen feine Kreise auf dem Stoff meines Kleides.
Ich ahmte ihm diese Bewegung nach, als ich meinen freien Arm unter seinem Sakko vergrub und mich von seinem Körper wärmen ließ.
Gedämpft drangen die Stimmen aus dem Inneren des Hauses zu mir durch, wie sie langsam anfingen, von zehn herunterzuzählen, doch keiner von uns bewegte sich vom Fleck.
Die Atmosphäre, die um uns herum war, war eine völlig andere als die, die im Hausinneren herrschte.
Nur wir zwei, allein, mit all den Gefühlen, die wir füreinander empfanden.
Noch fünf Sekunden…
Ich konnte mich einfach nicht von seinem schönen Anblick losreißen, geschweige denn von seinen Augen, die mich so sehr fesselten, wie ich es nie für möglich gehalten hätte und auch ihm schien es nicht anders zu ergehen.
Nur noch drei Sekunden…
So würde dieses Jahr für mich enden, und das neue beginnen: In den Armen dieses wunderwollen Mannes, gefangen von seinem Anblick.
Nur noch eine Sekunde…
Langsam erhoben wir unsere Gläser, stießen an und tranken jeweils ein Schluck, sobald in der gesamten Gegend das große Gejubel losging und das Feuerwerk entzündet wurde, doch noch nicht einmal der Lärm konnte die Stimmung zwischen uns zerstören.
„Frohes neues Jahr“, hauchte Edward, nachdem wir beide einen kleinen Schluck getrunken hatten und er so nah war, dass ich seinen Atem auf meiner Haut spüren konnte.
Unsere Lippen trafen sich. Liebevoll. Zärtlich. Voller Liebe.
Und in diesem Moment wusste ich es!
Langsam löste ich mich wieder von ihm und sah wieder in diese Augen, welche mir immer den Atem raubten.
Ich sah ihn einfach nur an, überwältigt von all den Gefühlen in mir, die in mir herrschten und sich ihren Weg nach draußen suchten.
„Ich liebe dich“, flüsterte ich ganz leise und ein Lächeln schlich sich auf meinem Gesicht.
Ich war mir plötzlich so sicher, dass es das Richtige war, dass es mit uns richtig war und es nichts anderes gab, was sich besser anfühlen konnte.
Edward wirkte benommen, sobald ich diese drei kleinen Wörter gesagt hatte.
So viele Emotionen spiegelten sich auf seinem Gesicht wieder, dass ich sie gar nicht alle benennen konnte.
„Sag das noch mal“, sagte er nur leise, seine Stimme klang dabei so unsicher, als ob er Angst hatte, dass er sich verhört haben könnte.
„Ich liebe dich“, gestand ich ihm diesmal etwas lauter und lächelte ihn glücklich an.
Mein Herz machte Purzelbäume, als ich das Strahlen in seinen wunderschönen Augen sah.
Es machte mich glücklich, ihn so zu sehen und dass ich es war, die ihm dieses Glück beschert hatte.
Doch auch ich war glücklich. Sehr glücklich.
Viel zu lange hatten diese Worte in mir geschlummert, als ob sie nur darauf gewartet hätten, sie in genau diesem Moment zu sagen.
Ich fühlte mich frei und vollkommen, sobald ich ihm endlich meine wahren Gefühle gestehen konnte.
Überglücklich drückte mich Edward noch näher an seinen Körper, beugte sein Gesicht zu mir herunter und küsste mich.
Ein Kuss, der sich so sehr von den bisherigen unterschied, dass ich das Atmen komplett vergaß.
All unsere Gefühle, all die Liebe und Zuneigung, war vereint in diesem Kuss.
„Ich liebe dich auch. So sehr…“, hauchte er, als er sich mein Gesicht entlang küsste.
Meine Wangen, meine Nase, meine Augenlider… einfach alles.
Ich musste kichern, nicht nur, weil seine Küsse auf Grund seines drei Tage Bartes etwas kitzelten, sondern auch vor Glück.
Eine Art von Glück, welches ich so lange nicht mehr gespürt hatte und ich hoffte, nie mehr zu verlieren.
„Ich liebe dich“, flüsterte ich ein weiteres Mal, bevor sich unsere Lippen wieder trafen und wir die neue Verbindung zwischen uns einfach nur genossen.
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